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Full text of "Reise Sr. Hoheit des Herzogs Bernhard zu Sachsen-Weimar-Eisenach durch Nord-Amerika in den jahren 1825 und 1826"

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DUKE 



UNIVERSITY 
LIBRARY 



Treasure%oom 



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in 2011 with funding from 
Duke University Libraries 



http://www.archive.org/details/reisesrhoheitdesOOberj 



Reise 

Sr. Hoheit 

des 

Herzogs Bernhard 

zu Sachsen-Weimar-Eisenach 

durch 

Nord- Amerika 

in den Jahren 1825 und 1826. 



HcrniiRgcpchen 



Heinrich Luden. 



Erster Theil. 

Mit 16 Vipm-tten, 4 Kupfern, 3 Planen und 2 Charten. 



Weimar, 1828. 

bei Wilhelm Hoffmann. 



Subscribenten - Verzeichnifs. 



Aachen. 

Dnickpp. Velinpr 

Herr J. A. Mayer, Buchhändler ...'.. 3 

Aarau. 

Herr Professor Ochler 1 

Herr Buchhändler Saucrlaender 1 

A 1 1 e n b u r g. 
Sr. Durchlaucht der Herzog Friedrich von Sachsen- 

Altenburg .......... - 2 

Sr. Durchlaucht der Erbprinz Joseph von Sachsen- 

Altcnbtirg .......... 1 

Ihro Kimii: I. Hoheit die Frau Erbprinzessin A m a 1 i a von 

Sachsen- Altenburg ........ 1 

Die S ch n up h a sc s ch c Buchhandlung . . . . 7 - 

AI ton a. 

Herr K. Busch, Buchhändler 3 1 

Herr A. F. Gebaucr 1 

Amsterdam. 
Sr. Majestät der König der Niederlande . . - 1 

Herr C. W. Gebhard 1 

Herren J. Müller et Comp., Buchhändler ... 6 

Herr C. G. S ü 1 p k e , Buchhändler 4 4 

Apolda. 
E. E. Stadtrath 1 

Aschaffenburg. 

Die Königl. Hof biblio thek 1 

Aschersleben. 
Herr Gerichtssekretair Ramdohr 1 

" Augsburg. 

Die J c n i s c h und Stagesche Buchhandlung 2 
Sr. Durchlaucht Alexander Victor, Prinz von Iscn- 

burg- OfTenbach- Birstein " 1 

Herr Freyherr Ferdinand von Schätzlcr . . 1 

Herr Freyherr von S]üskind 1 

Herr Dr. von Weide abwich 1 

* 



II 



Dnickpp. Vflinpp. 



Ballenstedt. 
Die Fürstliche Bibliothek 

Bamberg. 

Herr J. C. Drcsch, Buchhändler ..... 
Herr Präsident, Freybcrr tiiii Fechenhach, Exccllenz 
Herr Joseph Maria I., Freyherr von Frauenberg, 

Erzbischof von Bamberg, Exccllenz .... 
Herr Frevherr von Seckcndorf auf Wohnfurt, 

Grofsherzogl. Badenscher Staatsminister , Excellcnz . 

Basel. 
Die allgemeine Lcsege Seilschaft 

Bautzen. 
Herr Buchhändler C. H. Schulze 

Bayreuth. 
Die Buchnereche Lesebibliothek 
Die GrauischeBuchhandlung 

Berlin. 

Sr. Majestät der König Friedrich Wilhelm HI. von 

Preufsen 

Sr. Königl. Hoheit , Prinz Wilhelm von Preufsen , Sohn 

Sr. Maj. des Königs 

Sr. Königliche Hoheit Prinz Karl von Preufsen 

Ihro Königliche Hoheit die Prinzessin Karl von Preufsen, 

gebornc Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach 
Sr. Königl. Hoheit , Prinz Albrecht von Preufsen 
Sr. Königliche Hoheit Wilhelm, Prinz von Preufsen, 

(Bruder Sr. Maj. des Königs) 

Sr. Königliche Hoheit Heinrich, Prinz von Preufsen . 
Herr C. F. Amelang, Buchhändler .... 

Herr A n c i 1 1 o n , Königl. Prcufs. wirkl. Geh. Leg. Rath 

Herr J. J. S. B e r e n d , Kaufmann 

Die Königliche Bibliothek 

Die Bibliothek des zweiten Bataillons des Königl. 

Preußischen 14ten Linien-lnfanterie-Hegiments . 
Die Königl. Prcufs. Bergwerksbibliothck 
Die Bibliothek der Königl. Preufs. Oberbaudeputntion 
Die Bibliothek des Königl. Preufs. Cadetten-Corps 
Die Bibliothek der Kön. Pr. technischen Deputation 
Die Bibliothek des Kön. Pr. Generalstabcs 
Herr Geh. Ober-Finanzrath ßierdemann . . 
Herr Blcsson, Kön. Pr. Ingenicr-Hauptmann 



III — , 

Herr von Buch, Ober-Ceremonienmeister Sr. Maj. des 
Königs von Preufsen 

Herr de la Croix, Legationsrath und Büreauxdircctor . 

Herr F e r d. Düramlcr, Buchhändler .... 

Herren Dunker et Humhlott, Buchhändler . . 

Herr E 1 i t z s c h , Cassirer heim Oberbergaint 

Enslinische Buchhandlung . 

Herr J. C. G. Hünchct, Schlächtermeister . 

Herr Dr. Hufeland, Königl. Preuls. Staatsrath und 
Leibarzt . . . . . 

Herr Alexander von Ilumliold 

Herr Kühn von Jaski, königl. Preufs. General-Major 

Herr General Graf vonKalkrcuth 

Herr Ke fslcr I. , Königl. Preufs. Vermessungsrevisor in 
Fürstenwaldc ......... 

Herr Kralowsky, Leibbiblinthckar .... 

Herr Kunth, Kön. Pr. wirkl. Geh. Ober-Kegierungsrath 

Herr General vonLcstocq . . . . 

Herr W. Logier, Biicbbämllcr 

Herr Graf zu Lynar in Lübbenau 

Die Nicolais che Buchhandlung ..... 

Herr Professor Osann 

Herr Superintendent Pelkmann 

Herr Graf von Hofs 

Herr Aug. Rücker, Buchhändler ..... 

Herr R ü c k , Kön. Pr. Geh. Regicrungsrath und Polizcy- 
Intendant 

Herr von Schoening, Obrist-Lieutenant und Hofmar- 
schall des Prinzen Karl von Preufsen, Kön. Hob. 

Gräfin von der Schulcnburg, Hofdame Bircr Kön. 
Hobeit der Prinzessin Karl von Preufsen . 

Die Königl. Preußische Scchandlung . 

Herr C. A. Stuhr, Buchhändler . 

Herr von Treskow, Gutsbesitzer in Friedrichsfelde 

Herr Troschel, Justizrath 

Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
in den Königl. Preufs. Staaten 

Herr Wagener, Kön. Pr. Hofrath und Hofstantssckretair 
Sr. Kön. Hoheit des Prinzen Karl von Preufsen 

Herr von W i 1 1 a m o w i | z - M ö 1 1 e n d o r f f 

Herr von Wulffcn, Major und Adjudant Sr. Königl. 
Hoheit des Prinzen Karl von Preufsen 

Herr Zimmermann, Particulier 



Druckpp. Velinpp. 



IV 



Bern. 
Herr J. J. Burgdorfcr, Buchhändler . 

B lankenhayn. 
Herr Stadtsyndicus Wirth 

Bonn. 
Herr Studiosus II. Baur 

Die Königliche Universitätsbibliothek 
Die Bibliothek des Königl. Rheinischen Obcr-Bcrganits 
Herr A. Marcus, Buclihändler .... 

Brandenburg. 
Herr J. J. Wies icke, Buchhändler 

B r a n n s c h \v c i g. 
Herr v. Biilow, Herzoglicher erster Kammcrdircktor . 
Herr Kamnierdirektor von BülowII. 
Herr Geh. Leg. Rath von Breymann . 
Frau Oberforstmeistcrin vonCampe 
Herr C. D. Löhheke, Kaufmann 
Herr G. C. E. Meyer, Buchhändler 

Herr Dr. Mühlcnhruch, Herzogl. Hofrath und Leiharzt 
Herr Schatzrath und Probst von Plesecn auf Bustedt 
Herr Graf von der Schulenburg auf Wolfsburg 
Die Schulbuchhandlung 

Herr Ilöttger, Graf von Veitheim in Harcke 
Herr Kammerrath Voigt 

Bremen. 
Herr Franzius in Ilmgum 
Herr ü. W. Gronime, Conrads Sohn 
Herr Senator Dr. Meier . 
Herr Senator Dr. Schumacher 
Lin Ungenannter 

Breslau. 

Herr Kaufmann Grofsc 

Herren G rüs o n et Com p. 

Herr Willi. Gottl. Korn, Buchhändler 

Herr Joh. Fried r. Korn der Aeltere, Buchhandlung 

Herren Max et Comp., Buchhändler . 

Herr Justizrath Kode 

Herr Bibliothekar Schwarz 

Die Lobl. Strcitschc Lesebibliothek 

Brunn. 
Herr J. G. GastI, Buclihändler 



Druckpi> 




Druckpp. Vclinpp. 

Brüssel. 
Herr J.Frank, Buchhändler . . 30 10 

für : 
Ihre Majestät die Königin der Niederlande 
Ihre Königl. Hoheit dieFra«Churfürstin von Hessen 
Sr. Königl. Hoheit der Prinz Friedrich der Niederlande 
Herr Baron von Barbier, Vice - Präsident des K. It. 

Oesterreichen Finanz - Ministeriums und Liquidations- 

Commissair der K. K. Oesterr. Angelegenheiten gegen 

Frankreich 
Die Bihliothek der Königl. Universität in Löwen 
Herr Dr. Birnbaum, Professor an der Universität in Löwen 
Herr Beerenhroek, Gencralsekretair der Bank 
Herr Brest van Kempen 
Sr. Excellenz Herr Gcncrfil-Lieutenant Baron von Con- 

stant - Beb ec que 
Herr Kaufmann E n g 1 e r 
Herr Lieutenant Flug in Mons 
Sr. Excellenz, Fürst von Gavre, nofmarschall 
Herr Hof f mann, Geh. Regieriingsrath 
Herr Baron von Ke verborg, Kön. Nieder!. Staatsrath etc. 
Herr Obrist Knotzcr in Maestricht 
Herr Graf von L e n s , Mitglied der ersten Kammer der 

Generalstaaten etc. 
Herr Robjns, Bentier 
Herr Baron von Roell, Kön. Niederländ. Gesandschafts- 

sekretair in St. Petersburg 
Fräulein von Stamford, Hofdame Ihrer Majestät der 

Königin der Niederlande 
Herr Stedtmann 
Herr Baron v. Steengracht v. Oostkapellc, Direktor 

der Kön. Gemäldc-Gallcrie im Haag 
Herr Obrist Waldkirch, Adjudant Sr. Kön. Hoheit des 

Prinzen Friedrich der Niederlande 

Cahla. 
Herr Kreifsamtmann Müller . I *■ 

Carlsruhe. 
Sr. Hoheit der Markgraf Leopold von Baden - 1 

Sr. Excellenz der Herr Staatsminister Freyh. v. Berkheim 1 
Das Museum . . . • • *■ 

CasseL 
Sr. Horhfürstl. Durchlaucht, Herr Landgraf Carl von 

Hcsscn-Philippsthal etc. * 



VI 



Herr Regierungsrath Decker 

Die D i b 1 i o t h c k des Museums ... * 

Herr J. J. Dohntf, Duchhändler 

Herr Hof Schauspieler Gerlach . . . 

Herr Ober -Lizcnt- Inspektor Kersting 

Herr Major v. Lützcrode, Königl. Sachs. Geschäftsträger 

Herr Advoi at Martin in Homberg 

Herr Daron von Minigerode". . 

Herr von Stenglin . 

Coburg. 

Ihro Dnrchlaucht die verwittwete Frau Herzogin von 
Sar.hscn-Coburg Gotha ..... 

Ihro Exccllcnz Frau Staatsrainisterin , Freyfrau vonWoel- 
1 e n a r t h , geb. Freyin von Fitzgald in Dirkenfeld 

Herren Mcueel et Sohn, Huchhandlung 

Herrn J. G. Riemanns Wittwe 

Colin. 

Herr J. P. D a c h e m , Duchhändler 
Herr vonHeiwegh 
Herr Dr. J. D. Haafs, Advocat-Anwald 
Herr Notar Hamm in Wormelskirchen 

C o e s 1 i n. 
Herr C. G. HendeTa, Duchhändler 

Coethen. 
Sr. Durchlaucht der regierende Herzog zu Anhalt- 

Cocthen ....... 

Constanz. 
Herr Ig naz Heinrich Freyherr von Wessenbcrg, 

Disthums - Verweser .... 

Copenhagen. 
Sr. Majestät der König von Dänncmark . 
Sr. Durchlaucht der Prinz Carl von Hessen-Philippsthal 
Herr Fried r. Drummer, Duchhändler . 
Die Gyldendalsche Duchhandlung 
Herr Grossiercr And r. Hansen 

Herr Graf vonMcuron, Königl. Freute. Minister. Excellenz 
Der Königl. Dänische Gencral-Quarticrmeiater-Stab 
Herr Heitiel, Duchhändler 

D a n z i g. 

Die Divisions-Schule 

Herr J. 0. F. H e i n r i c h s d o r f 

Herr Huuptmaun vonMontowt - 



Dnickpp. Velhipp. 

1 
1 
2 
1 
1 
1 
1 
1 
1 



VII 



Druckpp.Velinpp. 



Herr J. Ro th I aender .. - « . . 1 

Herr G. W. S k e r 1 e , Crim inalr iith . . . 1 

Die Stadtbibliothek . . , « • 1 

Herr C. F. Wernsdorf . . • . » 1 

Darrastadt. 
Sr. Hoheit der GroTs- und Erbprinz von Hessen . - 1 

Sr. Durchlaucht der Landgraf Christian von Hessen - 1 

Sr. Hochgräfl. Erlaucht der regierende Graf vonErbach- 

Schönberg zu Schönburg . . • 1 - 

Sr. Hochgräfl. Erlaucht der Graf Ludwig von Krbach- 

Schönbcrg, Grofshcrzogl. Hess. Hauptmann 
Die v e r e i n ig te Gesellschaft 
Herr J. W. Heyer, Buchhändler .... 

Dessau. 
Sr. Durchlaucht der Prinz Georg von Anhalt-Dessau 
Die Herzogl. öffentliche Bibliothek 

Donauöschingen. 

Herr Karl Egon, Fürst zu Fürstenberg 

Die Hochfürstliche Fürstenb er gsche Hof b ib li o t hek 

Dresden. 
Sr. Königl. Hoheit, Prinz Maximilian, Herzog zu Sachsen 
Sr. Königl. Hoheit, Prinz Friedrich, Herzog zu Sachsen - 
Sr. Königl. Hoheit, Prinz Johann, Herzog zu Sachsen 
Ihro Königl. Hoheit, die Prinzessin Louise von Sachsen - 
Ihro Königl. Hoheit , die Prinzessin A m al ie von Sachsen 
Die Arnold s che Buchhandlung . . . .1 

Die Königliche öffentliche Bibliothek . . . - 

Die Hilscherschc Buchhandlung . . .1 

Herr Poch mann, Leihbibliothek .... 2 

Ihro Excellenz , Frau Gräfin von Vitzthum, geb. Freyin 

von Friesen . . . . . . 1 

Die Walthersche Buchhandlung . . .1 

Düsseldorf. 
Herr Hofrath Merrem . . . . 1 

Die Königliche Landesbibliothek . . .1 

Herr Buchhändler Schreiner . . . . 1 

Eisenach. 
Herr Hofadvokat und Stadtschreiber Amelung . . 1 

Herr Buchhändler Baerccke . . . 1 

Herr Dr. Bischof ...... 1 

Herr Kaufmann Cramer . . . . . 1 

Herr Obrist Freyherr von Egloffstcin . . X 



1 



VIII 

Drnckpp.Velinpp. 

Herr F r i c d r. E ! c Ji c 1 . . . . . 1 

Herr Rcgicrungsrath , Doctor der Rechte , Freyherr von 

Gersdorf . • • • • 1 - 

Herr Rcgicrungsrath Lauhn . . . .1 

Herr Domherr von Ol der sha ufsen 1 

Herr Ju.->tizrath Pfefferkorn .... 1 - 

Die GroIVhcrzoglichc Re g i e r im g sb ih lio th e k . 1 

Herr Landmarschall , Freyherr Riedesel zu Eisenbach 

auf Neuhof etc. Excellenz 1 

Herr Kirchenrath und Superintendent Dr. Chr. Schreiber 

zu Stadt Lcngsfcld ..... 1 - 

Ein Hochedler Stadtrath » . . 1 

Herr Geheimer Ruth , Canzlar Thon . . .1 

Herr Geheimer Rath Salora. Thon . . . 1 

Herr Rath Thon . . . . . .1 

Herr Amtmann Thon . . . . .1 

Herr Chr. Wcifa in Glücksbrunn .... 1 - 

Eiber fei J. 
Herr F. F. Rech er, Subdircctor der Rheinisch - Wcstind. 

Compngnie . ...... 

Herr P. R ö dd in ghau fs , Kaufmann . . .1 

Herr Ad. von Carnap, Kaufmann . 1 

Herr Will». Dietze, Kaufmann . . . 1 

Herr Carl Fcldhof, Kaufmann .... - 1 

Herr Freyherr Theodor v o n F ü r s t e n b e r g in Kehcim - 1 

Herr Chr. Gocbcl, Ruchbinder in Witten . .1 

Herr H. K a m p , Kaufmann ..... 1 - 

Herr ConstAug. vonKladt, Capitular des ehemaligen 

Archidiaconalstiffs zu Emmerich ... - 1 

Herr J. E. Schaub, Buchhändler .... - 1 

Herr Aug. Schnitz ler, Kaufmann 1 

Die Schön i an sehe Buchhandlung 2 

Herr Jo su all äsen clever auf Ehringshauscn bei Remscheid 1 

Ell wangen. 
Herr Buchhändler Sehonbrod . . .1 

Erfnr t. 

Herr General-Lieutenant von Natzmcr. Exccllenz . 1 
Herr Major von Borcke für die Bibliothek des 32stcn 

Infanterie - Regiments . • • • • * 

Herr Major vonLindemann . . • • 1 

Herr Hof - und Finanzrath vonWeirscnborn . 1 

Essen. 

Herr Buchhändler B a c d e c k e r . 



IX 



Druckpp.Velmpp. 



Frankfurt am Mayn. 

Sr. Hochfürstl. Durchlauclit der regierende Fürst August 

zu Hohenlohe - Ncucnstein-Oehringcn . . .1 

Sr. Durclil. Herr Ernst, Fürst zu Hohenlohe-Langcnburg 

Die Andreaeische Buchhandlung . . 1 

Herr von Anstett, Russisch Kaiserl. wirklicher Geheimer 
Rath , außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter 
Minister am Bundestage , Excellenz . - 

Herr Graf von Ben st, Grofshcrzoglirh Sachsen Weima- 
rischer und Hcrzogl. Sachs, wirklicher Geheimerrath, 
aurserordentlicher Gesandter n. bevollmächtigter Minister 
hei der hohen deutschen Bundesversammlung;, Excellenz 1 

Frau Gräfin Emil i e von Castcll , geb. Prinzessin von 

Hohenlohe-Langcnburg . ... 1 

Herr Graf Carl zu Erbach-Wartcnberg-Roth in Erbach, 

Erlaucht » 1 

Herr Landgraf Ernst zu Hessen-Philippsthal in Philipps- 
thal , Durchlaucht ..... .1 

Herr AndreasFinger . . . . I 

Herr Job. Noe Go'gel 

Herr Freyherr von Gruben, Grofshcrzogl. Hessischer 
wirklicher Geheimer Rath, Gesandter am Bundestage 
und am Königl. Baicrschen Hofe , Excellenz . 1 

Herr Graf v o n G r ü n n e , Königl. ^Niederländischer General- 
Lieutenant und Bundestagsgesandter etc. Excellcnz 

Die 11 erm an nis c he Buchhandlung . . . 1 

Herr Himly, Königl. Preufs. Geh. Legationsrath . . I 

Herr F. W. II ö n i n g h a u fs , Ergänzungs - Richter beim 

Friedensgericht zu Crefeld . . . 1 

Die Jaegersche Buchhandlung ... . 

Herr Graf von Kielmannsegge, Adjudant S. II. des 

Herzogs von Cambridge . ' . .1 

Herr YV i 1 h. Kuglet . . . . . 1 

Herr Frevherr von Lerchenfcld, Königl. Baierscher 

Staats- Minister und Bundestagsgesandter, Excellenz 1 

Herr Freyherr von Linden au, Königl. Sachs. Minister 
und Bundestagsgesandter, Excellenz . . . 

Herr von Mcycrfeld, Churfürstl. Hessischer wirklicher 
Geheimer Rath, Gesandter am deutschen Bundestage, 
an dem Königl. YVürtcmbcrgischen und Grofshcrzogl. 
Hessischen Hofe und bey der freyen Siadt Frankfurt a. M. 
Evcellenz ....... 1 

Herr Freyherr von Münch -B ellin ghaus en , Kaiscrl. 

** 



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1 'i iu kpp. Velinp! 



Königl. Österreich, wirklicher Geheimer -Haifa und Pra- 

sidiul^csandtcr am hohen Bundestage etc. Excellenz 

Frau Generalin vonl'anhuyi 

Herr Pf eilschifter, Herzogl. Cöthen - Anhaltischer 
Legationsrath ...... 

Herr H c d d \v i g , Sekretair bey der Cliurhessischen Bun- 
deetagsgesand tschaft ..... 

Herr Graf von Reinhardt, Königl. Französischer Staats- 
rat, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter 
Minister etc. Excellenz ..... 

Herr Carl, Freyherr v o n R o t h s r fa i 1 d . Geheimer Com- 
merzien- und Finanzrath ..... 

Herr Freyherr v on Roths chil d . 

Herr Buchhändler Schaefer .... 

Herr Legationsrath vonScherf 

Herr Rath Schlosser 

Herr C. Sc. hwedes, Sekretair hey der Grofsbr. Hannö- 
vrischen Gesandschaft ..... 

Herr J. P. Streng, Buchhändler .... 

Herr Freyherr von Yrints-Berberich, General-Post- 
Direktor , Excellenz ..... 

Herr General - Major Wildemann in Königl. Niederlän- 
dischen Diensten ...... 

Frankfurt an der Oder. 

Die Hoffmannscfac Buchhandlung 

Herr Kaufmann M. Linau . 

Herr Ohcramtmann Nordmann auf Frauendorf 

Gera. 

Sr. Durchlaucht Heinrich L\n. Fürst Reufs zu Schleitz 

Ihro Durchlaucht die Prinzessin P h i 1 i p p i n e Reufs Schleitz 

Sr. Durchlaucht Heinrich LXXU. Fürst Reufs zu Lohen- 
stein und Ebersdorf ...... 1 

Frau Gräfin Reufs, geb. Gräfin Schünlmrg- Wechsel- 
burg zu K östritz .... I 
Gi efsen. 

Herr B. C. Fcrbcr, Buchhändler . . .1 

Glogau. 

Sr. Durchlaucht der regierende Fürst Heinrich v. Carolath - 1 

Herr Justitzverwescr Gringmuth . . . 1 

Die neue Günther sehe Buchhandlung ... - l 

Herr Landhauinspektor L in dho rst .... - 1 

G o ci I in gen. 

Die Königl. Universitaetsbibliotkek . - l 



1 


- 


1 


- 


l 


- 


1 


- 


1 


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1 


- 


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1 


1 
l 


- 


1 


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_ 


L 


- 



XI 



Die Dieter ich sehe Buchhandlung 

Die Herren Yandcnhocck et Hu pr echt, Buchhändler 

Golha. 
Sr. Durchlaucht Herzog Ernst von Coburg-Gotha 
Die Herzogliche Bihliothek 
Herr General und Ohcrkainmrrherr v 011 Haake 
Herr Commissionair J. G. W. Herr mann 
Herr ObcrhormarschaU Graf von Sali seh 
Herr Hofrath Salzmann in Schncpfenthal 
Herr Caininerherr v o n T r ü t s c h 1 e r 

Graelz in Ski crin ark . 
Die Fcrstlschc Buchhaiullung 

Grc ifsM) a l d. 
Herr C. A. Koch, Buchhändler 
Herr J. F. af Lundblad, Königl. Schwad, und NorVreg 

Gcneral-Consul ..... 

Herr Senator C. Pogge 

Groeninge n. 

Herr van Boekcrcn, Buchhändler 

Groitzs c h. 
Herr Major von Landwiist 

II aag. 



Druckpp. Veliupp. 



Haar 1 cm. 



Herr Buchhändler Volcke 

T e y 1 e r s G c n o o t s c h a p 

II alberst adl. 
Sr. Erlaucht, der regierende Herr Graf zu Stollbcrj; 

Wernigerode 
Herr C. B r ü g g e in a n n , Buchhändler 
Herr Ohcrnmtmunn Hecht in Anderheck 
Herr Hofrath Heimbach in Langein 
Herr Lieutenant von Meyerinck, im 4lcn Cürass. Reg 

Halle. 
Sr. Durchlaucht der Erbprinz Alexander Carl zu Anhalt 
Die Bihliothek der K. Friedrichs-Lniversilaet 
Herr Profeaser Dsond-i 
Herr Friedr. Buff, Buchhändler . 
Herr Professor Sprengel, Bkter mehrerer Orden 
Herr Kaufmann Wert her 

H a in b u r g. 
Il.n J. B. Appel 

Herr John Culhbcrl, Amerikanischer Consul 



- 


1 


1 


- 


- 


1 


1 

I 


- 


1 


- 


1 


- 



XII 



Herr Eduard Donrmami . 

Herr E. F. Faerber . 

Die Gesellschaft zur Beförderung der Kunst 

und nützlichen Gewerbe 
Herr Peter Godcffrny 
Sr. Magnificeni Hr. Dr. J. A. Heise 
Die Hcroldsche Buchhandlung 
Die Herren Ho ff mann et Campe, Buchhändler 
Herr Graf von Hollstein, Cauimerhcrr, Kitter vom 

Dancforog auf Holsteinburg in Seeland 
Herr Gerhard von Hostrup, für die Börscnhalle 
Sr. Wohlweisheit j Herr Senator M. J. Jenisch 
Herr V ine. Luis 
Herr CarlA. Martens 
Herr Doctor R. Mönkeberg 
Herr F. H. Nest ler, Buchdrucker 
Herren Perthes et Besser, Buchhändler 
Herr F r. K e h f c 1 d . 
Herr Doctor C. N. K ö d i n g 
Herr Carl Romagnolo 

Herr H. F. C. Schiorter .... 
Herr F. T. Schmidt, Herzogl. Oldenburg. Consul 
Sr. Wohlweislich, Herr Senator C. N. Schmocllcr 
Sr. Wohlweisheit , Herr Senator C. M. Schröder 
Herr Dr. C. W. Schröder .... 
Herr A. L. Schultz 
Herr Ernst Stolle. 
Herr R. V. S w a i n e , Groläh. Sachs. Weimar. Consul 

Herr D. F. W e b e r 

Herr G. Winter 

H u ni in. 
Die Schulz es che Buchhandlung 

Hanau. 
Herr Oberforstraeister von Motz 

Hannover. 
Der Herzog von Cambridge, Königl. Hoheit 
Die II ahn sehe Hofbuchhandlung 
Herr Oberforstmeister von Hake in Hasperode 
Demoiselle R u m a n n . 

Herr Hauptmann Sehaedtler in Burgdorf 
Herr Ober-Justizrath von Werl hof 

Heidelberg. 
Herr Karl Groos, Buchhändler . 



Druckpp. Velinpp. 
1 



XIII 



Druckpp n Veliupp 



Herr Buchhändler M o Ar . . .1 

Herr Buchhändler Winter . '£ 

Heilb r o nn. 

Herr Carl Drechsler, Buchhändler .1 

II errn hut. 

Herr Dav. Uli . 1 

H i 1 d I) u r g h a u s e n. 

Die Kesselrings che Buchhandlung . . 1 

II i Id es hei m. 

Die Ger s tenbergsch <■ Buchhandlung . 1 
Herr Canonicus L ü d g e r s . 

Jen a. 
Herr Kirchcnrath Dr. L. V. 0. B au in g ar t e n - Cr u sius 1 

Herr Geh. Consistorialrath Dr. Danz 1 

Herr Hofrath Dr. I) ob er ein er l 

Herr Hofrath Dr. Fries .1 

Herr Geh. Hofrath Dr. Fuchs . 1 

Herr Dr. Gebser . 1 

Herr Professor Dr. G ü b e I . I 

Herr Obcrappellations-Gerichts-Advocat Dr. Grüner . 1 

Herr Canzleirath Kerl . . .1 

Herr Obrist und Landrath von Lynker . 1 

Der Mellinger Sehullchrer-Diöces-L e s e v e r e i n 1 
Herr Präsident von Hotz 

Herr Ober-Appcllations-Gerichts-Rath Dr. w. Schröder 1 

Herr Professor Dr. Schulze . \ 
Herr Geh. Hofrath Dr. Starke d. Aelt. . .. 1 

Herr Hofrath Succow . 1 

Herr Obcr-Appellations-Gerichts-Rath Dr. Walch . I 

Herr Gastgeber Witz m a n n . . 1 

Herr Domherr Wurnih von Zink auf Porstendorf l 
Herr Obcr-Appellations-Gcrichts-Präsidcnt vonZigcsar 1 

Herr Ober-Appcllations-Gcrichts-Rath Dr. Zimmern . 1 

Ulm en a u. 
Die löbliche B ü chsen -Schützen- Co m pagnic durch 

den Herrn Stadt-Aeltestcn und Buebbäudler Voigt l 
Itzehoe. 

Herr H. v. Ancken 1 

Karlsruhe. 

Das Museum . .1 

kiel. 

Die U.n i v er 8 itäts- Buchhandlung . 1 



XIV 

K ö n j gs berg. 

Herren Gebr. Borntr äg v r , Buchhändler 
ll<rr Kaufmann d'ordak 
Herr Jn-li/.rath Pohl 
Herr Consul Schwarz 

Landsberg au der WariJie. 
Herr C. G. Ende, Buchhändler 

Leer in ©stfriesland. 

Herr Justizkommissair Sehne der mann 
Herrn Voglers Buch - und Kunsthandlung 

Leipzig. 
Herr Joh. Amh. Barth, Buchhändler 
Herr Kaufmann B e n n e r 
Die B i h 1 i o t h c k E. E. und Hochw. Baths 
Herr Heinrich, Graf von Bünau 
Herr Carl Cn oh loch, Buchhändler 
Herr F r i e d r. Fleischer, Buchhändler 
Herr Buchhändler Hart mann 
Her Buchhändler Fr. L. Her h ig 
Herr Wilhelm Graf von Hohenthal auf Stacdtcln 
Herr Hofrath Keil . 
Herr C. A. M e u s e 1 auf Kuhna 
Herr Kammerrath Plofs 

Uie Herren Ponthieu, Mi chcls en et Comp. Buchh&ndl 
Herr C. H. Becluin, Buchhändler 

Lcmbcr g. 
Die Herren Kuhn und Millikowsky, Buchhändlcr 

Londo n. 
Die Herren Black, Young und Youug, Buchhändler 
Die Herren Treuttel et Würtz, Treuttel Sohn ot 
Dichter, Buchhändler 

Lübeck. 
Herr Fr. A sf chenf cid, Buchhändler 
Herr Wich. Flügel 
Die Gesellschaft zur Beförderung 

Thätigkeit .... 
Herr Doctor von der Hu de 
Herr von Bumohr auf Trenthorst 
Die Schar sauschc Bihliothck 
Die Vereinigung 

Lüneburg. 
Die B i h I i o t h e k des Klosters St. Michaelis 
Herr Ohrist v. d. K lies eh eck 



Druckj'ii. Veliupp. 



gemeinnütziger 



XV 



M a g d e b u r g. 
Die Cr ctitzs che Buchhandlung 
Herr Bibliothekar Hageinann 
Herr Gencrallieutcnant von Jagow, Excellenz 
Herr Staatsministcr von Kleewitz, Excellcnz . 
Herr \ a t h u s i u s auf Althaldcnslebcn 
Die Bibliothek des Magistrats . 

Mailand. 
Herr Heinrich Mylius 

M a i n z. 
Herr Florian Kupferberg, Buchhändler 

Man nheim. 
Herr Buchhändler Loe ffl er , 

Herr Freyherr von Rccnm, Kön. Baierschcr Geh. Kath 

Marbu r <:. 
Die Bibliothek des Füsilier -Bataillons vom drillen 

Churhessischen Linicn-Infanterie-Regimentc 
Herr Dr. Justi, Superintendent und Consistorialrath 
Herr Baron von Schwerzel zu Willingshaiisen 

M arienver der. 
Herr Gymnasiallehrer Ottcrmann 

Mein in gen. 
Biro Durchlaucht die Herzogin Louise Eleonore von 
Sachsen -Meiningen . 

Merseburg. 

Herr C. G. B ö hm e, Buchhändler 

Herr General von Kamecke 
Herr Gcheimer-llath Krüger 

Mi tau. 

Herr Rcyher, Buchhändler .... 

Mü hl haus en. 
Herr Fr. II e i n r i.c h s h o t c rt , Buchhändler 

M ü n c h e n. 
Ihro Königl. 3Iajestät, die Königin Therese Charlotte 

Friederike Amalie von Bayern etc. 
Die Jos. Lind au ersehe Buchhandlung 
Herr Wilh. Michaelis, Buchhändler 

M ü n d e n . 
Ilcrr Major Sir Victor von Arentsc hild 

M ü n s 1 e r. 

Herr Bernhard Bisping, Cistercicnscr der vormaligen 
Abtey Marienfcld ..... 



Tnickpii. Velinpp. 

8 
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1 
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1 

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XVI 

N a m u r. 

Die ßil>liothck dos Königlich Niederlfind. Schweitzer- 
Mgimeaifl von Zi eglet 

Nassau. 
Herr Minister, Freiherr vom Stein, Excellenz . 

N a u in 1) u r g. 
Herr Dr. Lud icke 

Neustadt a. d. O. 
E. E. Stadtrath 

Herr Fr an z Ludwig, Freyhcrr v. Koenitz, Königl. 
Sachs. Caminerherr und Königl. Preufs. Hauptmann auf 
Schwarzhach ...... 

Herr Landesdirectionsrath Ehrhard, Freyherr v. Manns- 
bach auf Teichwolframsdorf .... 

Herr Kreisphysikus Dr. S chellenberg . 
Herr Stcuerrevisor Szen 

Neu-Strclitz. 
Herr Dr. v. H i e r o n y ru i , Gi'ofsherzogl. Meklcnburgisch- 
Strclitzischer Leibarzt und Geh. Medizinalrath 
N cuwied. 
Sr. Durchlaucht Prinz Maximilian zu Wied J, 7 >» . 
Herr Hofrath Dr. Bernstein 

N ü r n b e r g. 
Herr Gestütmeister Ammon in Hohrcnfeld 

Oldenburg. 
Sr. Hochfürstl. Durchlaucht der Erbprinz voll Oldenbin'g 
Herr Buchhändler Schulze 
Herr Hauptmann von Steun 

Oldesloe. 
Herr Zoll Verwalter Claufsen 

Odessa. 
Herr Graf von Edling, Excellenz . . * . 

Oschatz. 
Herr Obrist-Lieutenant vonKostitz 
Herr Kaufmann F. W. Walter . 

Osler o d e. 
Herr Carl Aug. Hirsch, Buchhändler 

P a d e r b o r n. 
Herr J. Wcscucr, Buchhändler 

Pari s. 
Son Altesse Royale Mons. le Du cd 'Orleans . . 
Herren Ponthiou et Comp. Buchhändler 



Dmckpp.Velinpp 

1 
1 
1 



XVII 

Dnickpp. Velinpp. 

Pesth. 

Herr Georg Kilian, Buchhändler . . 1 

Herr Baron Ludwig Podmaniczky . . . 1 

St. Petersburg. 

Ihro Kniserl. Majestät , die Kaiserin Mutter Maria 

Fedcorowna von RuCsIand etc. . . 1 

Sr. Kaiserl. Hoheit, Grofsfürst Alexander von Rufsland 
Herr General Graf von Woronzow, Excellenz . - 1 

Pirna. 
Herr Doctor Rodig . . . . - 1 

Potsdam. 
Herr Buchhändler Hör vath . . . 2 - 

Herr F. Riegel, Buchhändler . . 4 

Prag. 

Calvcschc Buchhandlung . . . 1 

Herr W. Enders, Buchhändler . . . 1 

Herren Kronb erger et Weber, Buchhändler . 1 

Prenzlau. 
Herr von Arnim auf Grofs-Spernwalde . . 1 

Pyrmont. 
Herr Georg Uelar, Buchhändler . 2 

R o s 1 a. 
Sr. Erlaucht Herr Graf August zu Stolberg Rosla 1 

Rostock. 

Herr Stadtgerichts -Procurator Gülzow . . . 1 

Die Still ersehe Hofbuchhandlung zu Rostock in d 

Schwerin . . . . . 9 

Rudol stadt. 
Ihro Durchlaucht, die regierende Frau Fürstin Auguste 

von Schwarzburg . . . . 1 

Biro Durchlaucht , die verwittwete Frau Fürstin Caroline 

von Schwarzburg . . . . 1 

Herr Geh. Rath von Beulwitz, Exccllenz . . 1 

Ncu-Ruppin. 
Herr Referendar Gottschalk . . . 1 

Sanger hausen. 
Herr E. t Cunad ;..... 1 



XVIII 

S c lim alkalilen. 
Sr Durchlaucht ier Herr Landgraf Victor zu He««en- 

Bateabwg la Rateaburg . . . . 

sr Durchlaucht ier Prinz E rn s t zu Hcssen-Philippsfhal 

BarchfeU in Barchfeld . 

Schneeberg« 

Herr Cainmcrhcrr toii I, i n tl t> n » n 

Schi es wi g. 
Sr. Horhfürstl. Dnrchlaacht der Landgraf Carl zu Hessen - 

Caasel, Stadtlialfer der Hersegthänfer Schleswig und 

Haustein etc. auf (joltnrff . 

Frau Amtsterwalterin F ranzen . 
Herr H. koch, Buchhändler . 

Sc ;h 6 nbrun n bei Görlitz. 
Herr Landccältester August -von Schindel auf Schün- 

lunilli ....... 

Sclnvel m. 
Herr Conrcctor Holthaufs 

Stettin. 
Herr F. H. Maria, Buchhändler . 

Herr Gehcinier-Hath Wctzel, Dircctor des Comptoirs der 
Seehandlung ...... 

Stralsund. 

Herr Freyherr von B a r n e r. k e auf Tcschevitz etc. 

Die Bibliothek für Industrie 

Herr Superintendent Dr. Droysen . 

Herr J. Haasc 

Herr M. H e 1 in . 1 

Herr Apotheker He Im ig 

Herr Kaufmann C. F. Mayer 

Sr. Durchlaucht der Fürst und Herr zu Putbus 

Herr Major und Hitler Schmidt 

Strasb arg. 
Die Herren Trcuttcl et Würz, Buchhändler 

Stuttgart]. 
Die Königliche Handbibliothek 
Herr Carl Ho ff mann, Buchhändler 
Herren F. C. Löfluud et Sohn, Buchhändler 



Prnckpp. Velinpp 

1 
I 



XIX 

Trier. 
Herr von C oh auf sen Landialh in S a r r c b u r g 
Herr F. A. Galt, Bachhändler . 

Herr W. Hau, König}. Landrath und Oberbürgermeister 
Herr Hernes, Rentenier . 
Herr I*. L. Mohr, Banquicr 

T iibin^cu. 
Sr. Durchlaucht der Erbprinz zu Hohcuzollcru Sigmaringcn 
Uic Gr em p eis ch e Bibliothek .... 

U 1 in. 
Sr. Durchlaucht Joseph Fürst von Waldburg zu Wolfegg 

und Waldsee, des Königreichs Würlcmbcrg Reichs 
erboberhofmeister etc. ..... 

Herr Ober Justizralli Wilhelm Frevherr von König 
Uic Stettinische Buchhandlung- .... 

Weida. 
Herr Lieutenant II c lim und 

Wesel. 

Sr. Durchlaucht der Fürst von Salm in Horstin&r 
Sr. Durchlaucht der Erbprinz von Salm Salm in Anholt 
Herr Wilhelm, Burg- und Reichsgraf von Westcrhold 
Gierenberg ...... 

W c i m a r. 

Sr. Königl. Hoheit, der Grofsherzog Carl August von 
Sachscn-Wcimar-Eisonach etc. etc. etc. . 

lliro Königl. Hoheit, die Frau G r of» h <• r z o gi n von 
Sachsen-Weimar-Eisenach etc. .... 

Sr. Königl. Hoheit der Herr rlrbgrofslierzog Carl Frie- 
drich von Sachsen-Weimar-Eisenacfa etc. 

Iluo Kaiserl. Hoheit die Frau Großfürstin , Erhgrofsherzogiit 
Ha r i a V a ul oir n a von Sachsen-Wcimai-Kisciiach etc. 

Ihro Hoheit die Prinzessin Auguste, Herzogin von Sacb 
sen-Weimar-Eiscnach etc. .... 

Sr. Hoheit Prinz Carl A I c x a u d e r August J o h a n u 
Von Sachsen Weimar lasenach etc. 

Herr Geb. Juslizrath Ackermann 

Herr Lieutnant Batscb 

Herr ('aiuincrhcrr und Major von Beulwitz 

Herr Hoimarsrhall von Biclkc 

Herr Calculator Born er 



Druckpp. Veliupp. 

1 
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1 
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1 



XX 



Herr Cammerrath Brand 

Herr Burgmüller Carl Brückner 

Herr Hofcassircr Bus eher 

Herr Pastor Cannabich in Niederbösa 

Herr Geh. Legations-Rath von Conta 

Herr Obcr-Baudirector Coudray 

Herr General von Egloffstcin, Excellenz 

Frau Obercammcrhcrrin vonEgloffstein 

Herr Banqnier JuliueElkan 

Gräfin vonFritsch 

Herr Staatsministcr Freyherr von Fritsch, Excellonz 

Herr Oberforstmeister Freyherr von Fritsch 

Herr Obermedizinalrath von Froriep 

Herr Staatsministcr Freyherr von Ger sdor ff , Excellcnz 

Herr von Geussau, Kön. Pr. Major auf Varnstaedt bey 

Querfurth / 

Herr Landesdirectionsrath Gille 
Herr Staatsminister von Goethe, Excellcnz ) 
Herr Geh. Cammerrath von Goethe \ 

Herr Cammerjunker vonHaeseler 
Herr Kaufmann Hagenbruch 
Herr Geh. Hofrath Heibig 
Herr Justizrath II eine mann in Vieselbach 
Frau Gräfin Henkel von Donnersmark, Exccllenz 
Herr Cammerrath H e r c h e r 
Herr Hofchorist Hesse 
Frau von Heygendorf 
Grofsherzogliches H o f a m t . 

Frau Gräfin von Hohcnthal, geb. Gräfin v. Back ho 
Frau Oberhofmeisterin vonllopfgarten 
Herr Oberconsistorial-Rath Hörn 
Herr Landes-Directions-Bath Hufeland 
Herr Geh. Hofrath Dr. Huschkc 
Herr Postmeister Kahlert . 
Herr Zuchthausinspector Krause 
Herr Geh. Cammerrath Kruse 
Herr Amtmann Lütt ich in Kloster Nauendorf 
Herr Major und General-Adjudant von M a u d c r o d a 
Herr Adolph Meifsner in Pirna 
Herr Cammersänger Moltke 
Herr Canzlar von Müller . 
Grofsherzogliches Pageninstitut 
Herr Ober-Consistorial-Director Pcuccr 



Pruckpp.Velinrr- 



XXI 

Herr Landmarschall Freiherr von Ricdscl, Exceltcnz 

Frau Collcgienräthin Schnaubcrt 

Frau Oberhofmeisterin Gräfin von der S c h u l c n b u r g 

Exccllenz ..... 
Herr Criminalrath Schwabe 
Herr Hofrath und Bürgermeister Schwabe 
Herr Geh. Rath Dr. Schweitzer 
Herr Gen. Major von Seebach, Excellcuz 
Herr Hofrath S o r e t 
Frau Hofmarschallin von Spiegel 
E. E. Stadrath zu Weimar 
Herr Oberlanddrost, Freyherr von Stein auf Grols 

Kochberg, Excellenz 
Herr Cammerdirector S ti e billig 
Herr Baurath Steiner 
Herr Graf von Strachwitz in Cölleda 
Herr Rath und Obcrdirector Strohincycr 
Herr Landes-Dircctions-Rath Toepfer 
Herr Rittmeister v o n T h o in p s o n 
Herr Hofrath Dr. Vogel 
Herr Ar t nurins Voigt in Altstadt 
Herr Assessor von W c g e n c r 
Herr Präsident W c y 1 a n d 

Herr Baron von Wer tlicr n auf Bcichlingen etc 
Herr Geh. Rath von Wnlfskcel, Excellcnz 
Herr Amtmann Zeutsch in Berka . 
Herr Cammcrmusicus Zipfel 

Wien. 

Sr. Kön. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Carl 
Sr. Kön. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Anton 
Sr. Kön. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Ludwig 
Sr. Kön. Hoheit der Durchlauchtigste Erzherzog Johann 
Sr. Kön. Hoheit der Durchl. Erzherzog Kronprinz Fer- 
dinand. 
Sr. Kön. Hoheit der Durchl. Erzh. FranzCarl 
Sr. Kön. Hoheit der Durchl. Erzh. Leopold, Grofshcrzog 
von Toscana ...... 

Sr. Durchlaucht Fürst C 1 a r y 

Sr. Durchlaurht Fürst Faul von Este rhazy 

Sr. Durchlaucht Fürst Eduard Li chnowsky 

Sr. Durchlaucht Fürst Joseph Seh warze nberg 

Ihro Durchlaucht die Fürstin Thcrcse Jablonowska 

Sr. Durchlaucht Fürst D i c t r ichsto i n 



Druck.pp. Vclinpp. 



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] »riickpp. Vclinpf 

Sr. Erlaucht Hon Graf F \. D i e i i i • h a t c in 

Herr Jo li. Boy Ol 

Sr. Excellau der Herr Fehhuarschall Graf von Bcllc- 
g ardc 

Die K.JL Hofbibliothek . 

Gräfin v n n B u lina, Exccllenz .... 

Herr Nicolaus Lacsny, Edler von Folcosfalva 

Herren C. Gracffcr et Schmidt, Buchhändler 

Sr. Erlaucht Herr Graf Johann Keglevich, Kaiscrl. 
Kon. Kammerer und Obcrgcspann 

Herrn J. G. Bitter von Mo c sie sei. Wittwc, Buch- 
handlang ...... 

Herr Antun lnkcy von Fallin 

Herr Graf Pinas . , 

Herr Baron J o h. B a u t. v. P u t h o n 

Herr Ohcrlicutcnant Reuter 

Herr P. J. Schalhachcr, Buchhändler 

Herr Johann Schikh, Herausgeber der Wiener Zeit- 
schrift ....... 

Herr Graf von Schiinborn, Exccllenz 

Herr Baron von Spacn, Gesandter Sr. Maj. des Königs 
der Niederlande , Exccllenz .... 

Die Herren Tendier et v. Mannstein, Buchhändler o 

Wiesbaden. 

Die öffentliche Bibliothek . . . 1 

Herr 11. W. Bitter, Buchhändler .1 

W i n t e r t h ur. 

Die Stcincrischc Buchhandlung . 2 

W i s m a r. 
Herr Schmidt . 2 

Wulfenbütlel. 
Herr H. G. W. Alb recht, Buchhändler ... 1 

W ü r z b u r g. 

Die Etlingersche Buch- und Kunsthandlung . I 

Die S tahel sehe Buchhandlung ... .1 

Zerbst. 

Herr Commissionsrath Schindler " . 1 

Z i 1 1 a u. 
Herr J. D. Schöps, Buchhändler . .2 



XXIII 

Z üll ich au. 

Sr. Durchlaucht, Fürst Heinrich XLIV. Renk 1 

Sr. Durchlaucht, Prinz Friedrich von Carolalh 

Zu rieh. 

Herren Orell, Fuefsli et Comp., Ruchliämller l 
Die T r ac li s I er sc li e Bach- und Kunsthandlung 

Herr Altzunflmcislcr U s t c r i . I 

Die Herren Zieglcr et Söhne, Ruchhändler 2 



Druck] p.Yflinpi' 



Nachtrag. 

C a r 1 s r u h c. 
Herr Oher-Ccremonicnmcistcr von Ende, Exeellenz l 

Hanno vcr. 
Herr Postvcrwalter Lcincr in Wecner .1 

Halle. 

Herr Major a. D. v. Sydow . . . 1 

Herr Kaufmann R r a u c r . . . . 1 

Herr Kaufmann Fritsch . • 1 

Geldern. 
Herr Kreiesdkretair Engelhard . . I 

Weimar. 
Herr Professor Hassel ; . , ; . 1 



XXIV 



Subscribenten - Verzeichnifs 

nach den Buchhandlungen geordnet. 



Dnickpp.Vclini'iv 



Hrrr Ackermann in Dessau 

Herr A nie lang in Berlin 

Herr A 1 b r c c h t in Wolfcnbüttel 

Herr Andrae in Leipzig 

A n d r e a e i s c h e Buchhandlung in Frankfurt 

Herr Anton in Halle 

Arnoldschc Buchhandlung in Dresden 

Herr Aschen fcld in Lübeck 

Herr Bachern in Colin 

Herr B a e d e c k e r in Essen 

Herr Bacrecke in Eisenach . 

Herr Barth in Leipzig 

Beckcrachc Buchhandlung in Gotha 

Herren Black, Young et Young in London 

Herr van Boekeren in Groningen 

Herr Böhme in Stettin 

Herr Böhme in Merseburg 

Herr Bohne in Cassel . 

Herren Gebr. Bornträger in Königsberg 

Herr Boselli in Frankfurt 

Herr Braun in Carlsruhe 

Herr Brönncr in Frankfurt . 

Herr Brüggemann in Halbcrstadt 

Herr Brummer in Copenhagcn 

Herr Burg dorfer in Bern 

Herr Busch in AUona 

Calvesche Buchhandlung in Prag 

Herr Cnobloch in Leipzig . 

Creutzsche Buchhandlung in Magdeburg 

Crökersche Buchhandlung in Jena 

Herr Dam mann in Züllichau 

Herr Denbncr in Riga 

Dietcrichschc Buchhandlung in Göttingen 

Herr Drechsler in Heilbronn 

Herr D r c s c h in Bamberg 

Herr Dümmlcr in Berlin 

Herr Dümmler in Neubrandenburg 

Herr D u n k c r et II u m b 1 o 1 1 in Berlin 

Herr Ende in Landsberg 



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XXV 

Herr Enders in Prag 

Jlerr E n g e I m a n n in Leipzig 

E n s I i n s c h e Buchhandlung in Berlin 

Herr Etlinger in Würzliurg 

Herr E u p e 1 in Sondershausc'n 

Herr Ferbcr in Giefsen 

V <• r s 1 1 s c h e Buchliantllung in Graetz 

Herr Fr. Fleischer in Leipzig 

Herr Fleisch mann in München . 

PI i 1 1 n e r sc he Buchhandlung in Frankfurt 

Herr Frank in Brüssel 

Herr Gall in Trier 

Herr Garthc in Marburg 

Herr Gastl in Brunn 

Herr Gerhard in Dauzig 

Gerolds«- he Buchhandlung in Wien 

Gerste u bergsche Buchhandlung in Hildc»heiin 

Herr Glaeser in Gotha 

Herr G o s o h o r s k y in Breslau 

Herr Graeffer u. 3 eh midi in Wien 

Grauische Buchhandlung in Bayreuth 

Herr Groos in Carlsruhe 

Herr Groos in Heidelberg . 

Herreu Grüson u. Comp, in Breslau 

Neue Günth ersehe Buchhandlung in Glogau 

Herr Gyldendahl in Copenhagen . 

Herren Gebr. Hahn in Hannover 

Herr Hart mann in Leipzig 

Herr Heinrichshofcn in Mühlhauien 

Herr Heinsius in Gera 

Herr Helm in Halberstadt 

Helwingsche Buchhandlung in Hannover 

Herren Hemm erde u. Schwetschke in Halle 

Herr Hcndefs in Coeslin 

Herr Herbig in Leipzig 

Hcrrmannschc Buchhandlung in Frankfurt 

Herr Herold jun. in Hamburg 

Herren Herold u. Wahl st ab in Lüneburg 

Herr Hey er in Darmstadt, 

Herr Hcyse in Bremen 

Hilsch ersehe Buchhandlung in Dresden 

Hinrichsche Buchhandlung in Leipzig . 

Herr Hirsch in Osterode 

II o f b u c h h a n d I u n g in Rudolsiadt 



Druck-pp. Veliupp. 



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X\M 

II n I li ii . Ii li a n il I n n p in Neuwied 

Herr llnffmnnn in Frankfurt 

Herr l* e t c r Hoff mann in Hamburg 

Herr Hoffmann rt Campe in Hamburg 

Herr Hoff mann in Stuttgardt 

tu lex B u «■ '» 1» ii n tl 1 n n g iles Verlegers dieses Werks 

Herr Uurvatli in Potsdam 

Jaegerscke Buchhandlung Ja Frankfurt 

Jenisch et Stageselie Bachhandlung in Augsburg 

In (I US tr i e- Com p toi r in Weimar 

Herr Jügcl in Frankfurt . . 

Herr Kaiser in Bremen 

Kcsselringsche Buchhandlung in llildhurghaiiscn 

Keyserschc Buchhandlung in Krfurt 

Herr Keyfsncr in Meiningen 

Herr Kilian in Pesth 

Herr Klönne in Wesel 

Herr Koch in Greifst aide 

Herr Koch in SchlesM ig 

Herr W. G. Korn in Breslau 

Die J. F. Konische Buchhandlung in Breslau 

Herren Krieger u. Comp, in Cassel 

Herren Kr onb erger u. Weber in Prag 

Herren Kuhn u. Bf illikousky in Lenibcrg 

Herr Kümmel in Halle 

Herr Kummer in Leipzig 

Herr Kupfer herg in Mainz 

Herr L a u p p in Tübingen . 

Herr L e i c h in Leipzig 

Herr Leske in Darmstadt . 

Lindaucrsche Buchhandlung in München 

Herr L i n t z in Trier 

Herr Löff ler in Mannheim 

Herr Löffler in Stralsund 

Herr Löflund et Sohn in Stuttgard 

Herr Logier in Berlin 

Herr L u c k h a r d in Cassel 

Herr L u c i u s in Braunschwcig 

Herr M a r c u s in Bonn 

Maurcrschc Buchhandlung in Berlin 

Herren Max et Comp, in Breslau 

Herr Mayer in Aachen . ... 

Herren Mensel et Sohn in Coburg 

Herr M e y e r in Braunsehwcig 



Druckpp. Velinpp. 



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xxvn 

Herr Michaelis in München 

Herr Mittler in Berlin 

Herr Ritter von Müslc sei. Wittwc in Wien 

Herr Mohr in Heidelberg . 

Herr Murin in Stettin 

Herren W 11 11er D. Com p. in Amsterdam 

Herr Melius in Berlin 

Herr Nestler in Hamburg 

Herr Nenlcirch in Basel 

Nicolaische Buchhandlung in Berlin 

Herr L u d w. Ochinigke in Berlin 

Herren Orell, Fuefsli U. Comp, in Zürich 

Herren Perthes u. Besser in Hamburg 

Herr Plahn in Berlin 

Herren Ponthicn. Bliche lsen u. Comp, in Leipzi« 

Herren Ponthien w. Comp, in Paris 

K ii g o c z y g c h e Buchhandlung in Prenzlau 

Herr Kerl am in Leipzig 

Herr Regensberg in Münster 

Herr Ileitzel in Copenhagen 

Herr Hey her in Mitau 

Herren Riegel n. W i c s n e r in Nürnberg 

Herr Riegel in Potsdam . 

Herr Ritter in Wiesbaden 

Herr Rücker in Berlin 

Herr Ruff in Halle 

Herr Sanerlaendcr in Arau 

Herr Sanerlaendcr in Frankfurt 

Herr Schaefer in Frankfurt 

Herr Schalbachcr in Wien 

Herr S c h a u h in Elberfeld 

Herren Schaum bürg u. Comp, in Wien 

Schnnph ases che Buchhandlung in Altenburg 

Herr Seh ö nliro d in Ellwangen 

Herr Schönian in Elberfeld 

Herr Seh ö p s in Zittau 

Herr Schreiner in Düsseldorf 

S c h ii 1 h u c h h a n d 1 u n g in Braunschweig 

Herr Schulze in Bautzen 

Herr Schulze in Hamm . 

Herr Schulze in Oldenburg 

Sinn ersehe Buchhandlung in Coburg 

Herr S t a h c 1 in Würzburg 

Herren S tei nackc r u. Hartknoch in Leipzig 



Druckiip. Vetinpv. 
2 



XXVIII 

Steiners che Buchhandlung in Winterthur 

Stettinische Buchhnndlung in Ulm 

Herr Stiller in Rostock 

Herr Streng in Frankfurt 

Herr Stnhr in Berlin 

Herr S ü 1 p k c in Amsterdam 

Herren Tendier u. von M annstein in Wien 

Herr Trachslcr in Zürich .... 

Herr Trautwein in Berlin 
Herren Treuttel u. Würz, Sohn u. Richter in 
London . . .... 

Herren Treuttel u. Würz in Strasburg 

Herr Triniue in Stralsund .... 

Universitaetsbuchhandlung in Kiel 

Herr Uslar in Pyrmont .... 

Herren Vandenhoecku. Buprechtin Göttingen 

Varnhagcnsche Buchhandlung in Schinalkalden 

Vo gl ersehe Buchhandlung in Leer 

Herr Voigt in Bmenau 

Herr Volke in Haag 

Herr Leop. Vofs in Leipzig 

Herr Wagner in Neustadt 

Herr Wallis in Constanz 

Herr W a 1 1 i s h a u fs e r in Wien 

Walt h ersehe Hofbuchhandlung in Dresden 

Weifseschc Buchhandlung in Elberfeld 

Herr Wcgche in Frankfurt . 

Herr Wcscner in Paderborn 

Wcygand6chc Buchhandlung in Leipzig 

Herr Wicsicke in Brandenburg 

Herr Winter in Heidelberg . 

Wolffschc Buchhandlung in Augsburg 

Herren Ziegler u. Söhne in Zürich 



Drucki>p.Vehiipi». 

I 

4 

9 

1 

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3 


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2 


- 



Inhalt 

des ersten Theiles. 



Vorwort des Heraasgebers S. S 

Vorwort Sr. Hoheit des Herzogs Bernhard . . — 1 

I. 

Abreise von Gent. — Aufenthalt zu Hellevoetsluis. — Ankunft auf der 

Rhede von Spithead — 1 

II. 

Aufenthalt in England. — Portsmouth, Plymouth, Devonport, Falmouth — 20 

in. 

Die Fahrt von Falmouth nach Boston — 53 

IV. 

Aufenthalt in Boston — T8 

V. 
Reise von Boston über Jforccster und Xorthampton nach Albany. Auf- 
enthalt daselbst — 102 

VI. 

Reise von Albany nach den Wasserfällen des Niagara. Der Uric-Ca- 
nal. Schcnectady. Utica. Bochcstcr. Buffalo. Die Wasserfälle 
des Niagara H«* 

VII. 

Reise von den Wasserfällen des Niagara bis Montreal. Das Schlacht- 
feld von Queenstoivn. Ncwark. Kingston. Montreal — 136 

VIII. 
Reise von Montreal nach Qucbck. Aufenthalt iaQuebek. Rückreise nach 

Montreal — *•>* 



\\\ 

I\. 

Reise von Montreal nach Ntm York. Islc aux noix. Lake Champlain. 
Lake Georges. WmwfiÜB d<s Hudson : Glcnnfalls. Rüder von 
Saruloga. Schlachtfeld von Saratoga. Shakcr-Volon'ie in iN'cir- 
Lcbanon. Militair-Schule in Westpoint S. 162 

X. 

Aufenthalt in Ncw-York — 190 

XI. 
Reise nach Philadelphia und Aufenthalt in dieser Stadt, Bethlehem und 

Kazareth , — 213 

XII. 

Reise nach Baltimore und Aufenthalt in dieser Stadt — 249 

XIII. 
Aufenthalt in Washington — 260 

XIV. 

Ahreisc von Washington. Frederiktoirn. Harpcrsfcrry : das hlauc Gc- 
birg. Staunton: natural Bridge, Wcyhcrseavc. CharlottcviUc : 
Virginia Vniversity. Monticello. Wichmond. Jamestown. iYor- 
folk. Fe*tnng Monroe. Faycttcville. Columbia — 281 



XXXI 



Ver zeichnif s 

der 

Vignetten, Kupfer, Pläne und Charten in beiden Theilen. 



27 Vignetten' sind in den Text gedruckt : Boston und Qucbek sind auf be- 
sondere Blätter abgezogen worden. 
Ansicht dcsErie-Canals über den Gencsseo- Flurs in Rochcstcr I. Seite 127. 
Ansiebt der Wasserwerke zu Fair Monnt bei Philadelphia I. Seite 216. 
Ansicht und Grundrifs des Capitols von Washington I. Seite 270. 
Plan von Neu-York I. Seite 190. 
Plan von Philadelphia I. Seite 215. 

Nota. Die Ziffern auf dem Plan von Philadelphia bezichen sich auf 
a List ofstreeta, Itoads, Lanes etc. whit their proper names on tke 
plan of Philadelphia and its Environs. Für die Leser dieses Wel- 
kes , und für deutsche Leser überhaupt , haben alle diese Namen 
kein Interesse. Dennoch hat man geglaubt, die Ziffern beibehal- 
ten zu müssen, '«eil sie die Deutlichkeit des Planes nicht stören, 
vielmehr den Eindruck verstärken, und wohl auch Manchen nütz- 
lich werden könnten. 
Plan der Virginia University I. Seite 206. 
Plan von Pittsburg II. Seite 201. 
Chärtchen von Plymouth I. Seite 26. 
Chärtchen von Ncw-York I. Seite 190. 
Chärtchen vom Staate Ohio IL Seite 171. 

Charte der vereinigten Staaten von Nord-Amerika , oder Reiscchartc am 
Ende des zweiten Theilcs. 






Druck von Friedrich M a u k e 
in Jena. 






Reise 



d u r c b 



N. ord-Amerik 



a 



in den Jahren 1825 und 182 6. 



/. 



A 






Vorwort 

des Herausgebers. 



Indem ich die Reise des Herzogs Bernhard zu S. Wei- 
mar-Eisenach durch Nord-Amerika, mit deren Heraus- 
gabe Se. Hoheit mich zu beehren geruhet hat, nunmehr der Welt 
vorlege, glaube ich es öffentlich aussprechen zu müssen, welchen 
Antheil ich an dem Werke, wie es erscheint, gehabt habe. Die- 
ser Antheil ist aber sehr gering. Alles, was ich für das Buch ge- 
than, läuft zusammen in folgende drei Puncte. 

Zuerst habe ich das Werk in Abschnitte getheilt und diese 
Abschnitte mit Ueberschriften versehen. Der Herzog nämlich 
hatte, Mährend der Reise, ein Erinnerungsbuch gehalten. In 
dieses Buch war Alles fortlaufend eingetragen worden, was Sr. 
Hoheit an jedem Tage begegnet war oder der Erinnerung werth 
geschienen hatte. Diese Form, bei der Aufzeichnung auf der Reise 
allein möglich , schien für ein gedrucktes Buch weniger geeignet : 
sie erschwerte das Lesen, das Zurückschlagen, den Ueberblick. 
Auch war notwendiger Weise von manchen Dingen mehr als ein 
Mal die Rede, weil sie von dem fürstlichen Reisenden an ver- 
schiedenen Tagen besehen oder untersucht worden waren. Defs- 
wegen glaubte der Herzog gewifs mit Recht, dafs die ursprüng- 

A 2 



liehe Form des Tage -Buches für den Druck schicklicher abzu- 
ändern sei, damit zusammengestellt werden könnte, was zusam- 
men gehörte, und damit dem Leser, zu gröfserer Bequemlichkeit, 
Ruhepuncte gegeben würden. Ich habe den Befehl Sr. Hoheit zu 
erfüllen gesucht, und hoffe, dafs die Abschnitte nicht unangemes- 
sen gewählt worden sind. 

Zweitens habe ich Manches aus der Handschrift zurück behal- 
ten und dem Drucke nicht übergeben. Da der Herzog bei der 
Abfassung der Handschrift an Nichts weniger als an den Druck 
derselben gedacht hatte, so war natürlich in das Tage -Buch Al- 
les aufgenommen, was Se. Hoheit im Gedächtnisse zu behalten 
oder in das Gedächtnifs zurückzurufen wünschte. Viele dieser 
Dinge, Familien -Angelegenheiten, Geldgeschäfte, persönliche 
Verhältnisse des Fürsten, militairische Sachen, schienen für den 
Druck nicht geeignet. Ich habe daher, auf Befehl Sr. Hoheit, 
ausgeschieden , was in diese Kategorie zu gehören schien. Es ist 
oft nicht ohne Schmerz geschehen, weil grade diese Dinge die 
liebenswürdige Persönlichkeit des Fürsten in dem herrlichsten 
Lichte zeigten ; aber es ist geschehen, und ich wünsche, dafs auch 
hier das rechte Mafs getroffen sein möge. 

Endlich habe ich die Aufsicht über den Druck des Werkes ge- 
führt; und was in dieser Hinsicht in demselben gefehlt sein mag, 
das ist lediglich auf meine Rechnung zu setzen. Der Herzog 
hatte mir hier völlig freie Hand gelassen : ich möchte in Darstel- 
lung und Sprache verbessern, Mas der Verbesserung bedürfe. Ich 
habe aber Nichts gefunden, das ich zu verbessern gewufst oder 
für nöthig gehalten hätte. Jede Veränderung, die ich etwa hätte 
vornehmen können, schien mir so unbedeutend, dafs ich vorgezo- 
gen habe, dem Buche seine ganze Eigenthümlichkeit zu lassen. 
Auch die Schreibart Sr. Hoheit habe ich so gewissenhaft beibehal- 
ten , dafs ich nicht ein Mal Deutsch in Teutsch verwandelt habe, 



obwohl ich selbst Teutsch zu schreiben pflege und diese Form 
aus guten Gründen für die richtige halte. Indefs mufs ich doch 
bekennen , dafs ich in zwei Fällen von diesem Grundsatz abgewi- 
chen bin. Ich habe nämlich das y in teutschen Wörtern — z. B. 
in seyn — in i verwandelt, und habe, wenn ein Adjectiv mit einem 
Substantiv im Genitiv ohne Artikel stand, den Casus angegeben; 
ich habe also guten Muthes in gutes Muthes, gröfsten Theiles in 
gröfstes Theiles umgeändert. Aber auch diese richtige Schreib- 
art, die noch immer keinen Eingang bei uns finden will, wurde 
ich, eben weil die Meisten unserer Schriftsteller sie nicht gebrau- 
chen, keineswegs gewählet haben, wenn es nicht durch ein Ver- 
sehen geschehen wäre. "Weil ich selbst nämlich so zu schreiben 
gewohnt bin, so hatte ich, bei der Revision der ersten Bogen die- 
ses "Werkes, corrigirt, ohne daran zu denken, dafs ich nicht mein 
eigenes "Werk vor mir hatte ; und nun glaubte ich bei den folgen- 
den Bogen der angefangenen Weise treu bleiben zu müssen. Sollte 
meine Unachtsamkeit mit dieser Aufklärung nicht gerechtfertigt 
erscheinen , so bitte ich sie zu entschuldigen. Uebrigens kann ich 
versichern, dafs ich scharf revidirt habe; wenn sich indefs doch 
noch Druckfehler eingeschlichen hätten, so rechne ich um so mehr 
auf billige Nachsicht, da ich die Revisionen fast alle bei Licht zu 
machen genöthigt gewesen bin. 

Nach diesen Bemerkungen habe ich nur noch einen Wunsch 
auszusprechen und eine Hoffnung. 

Der Wunsch ist: dafs alle Leser dieses Werkes dieselbe un- 
terhaltende Belehrung finden mögen , die ich in demselben in rei- 
chem Mafse gefunden habe. 

Die Hoffnung ist: dafs alle Leser dieses Werkes mit mir die 
innige Freude darüber theilen werden, dafs der Verfasser dessel- 
ben, ein Fürst von Geist, Herz und Kraft, von mannichfalti- 
gen Kenntnissen und der lebendigsten Empfänglichkeit für alles 



Menschliche, Fördernde, Grofse, von scharfer Auflassung und 
richtiger Würdigung menschlicher Dinge, edelmüthig und liebens- 
würdig — dafs, sage ich, dieser Fürst hervorgegangen ist aus 
dem alten erhabenen Fürstenhause unseres Vaterlandes, an wel- 
ches Niemand zuletzt denkt, Viele aber zuerst, wenn die Rede ist 
vom Geist und von der Pflege des Geistes, wenn die Rede ist von 
Wissenschaft und Kunst, vom Guten und vom Schönen- 
Jena , 16. Februar , 1828. 

Heinrich Luden. 



D 



as folgende Tagebuch ist ursprünglich keineswegs 



zum Drucke bestimmt gewesen. Ich habe es während 
der Reise geschrieben, theils zu meiner eigenen Erinne- 
rung, theils um meinen hochverehrten Eltern, meinen 
Verwandten und Freunden desto bequemer und sicherer 
Auskunft über Alles geben zu können, was Sie etwa zu 
wissen wünschen möchten. Nach meiner Zurückkunft 
ist das Buch von Mehreren gelesen worden , für welche 
es eigentlich nicht geschrieben war. Viele von diesen, 
verständige Männer, meinten, dasselbe würde auch für 
ein gröfseres Publicum Interesse haben, und wünschten 
vielfältig und wiederholt, es möge durch den Druck 
bekannt gemacht werden. Und da ich diesen Wün- 
schen nicht wohl widerstehen konnte, und da ich zu- 
gleich einen erprobten Mann — den geheimen Hofrath 
Luden — fand , dem ich die ganze Handschrift zur Her- 
ausgabe unbedenklich anvertrauen durfte: so habe ich 
nachgegeben; ob mit Recht oder mit Unrecht, weifs 
ich nicht. 

Ueber das Unternehmen selbst habe ich Nichts zu 
sagen, weder über die Veranlassung, noch über den 
Zweck. Der Gedanke einer Reise nach Amerika hat mich 
durch das Leben begleitet fast von meiner Kindheit an. 
Was diesen Gedanken in mir erzeugt , was ihn in mir 
genährt hat, ist ziemlich gleichgültig. Das Wesent- 
lichste ist: ich wollte die neue Welt sehen, das Land und 
die Menschen, das Leben und die Einrichtungen , die 



Sitten und die Bräuche. Je mehr ich nach und nach die 
alte Welt kennen lernte, desto gröfser wurde das Ver- 
langen nach der neuen. 

Die Verhältnisse Europa's indefs , und das, was ich 
als Militair dem Lande, welchem ich meine Dienste ge- 
widmet, schuldig zu sein glaubte, verhinderten früher 
die Ausführung. Inzwischen benutzte ich die Zeit, so 
viel als Lage und Umstände erlaubten, um mich vorzu- 
bereiten , damit ich die Reise einst nicht ohne einigen 
Nutzen machen möchte. Endlich schien Europa zu 
einer solchen Ruhe gekommen zu sein, dafs ich nicht 
fürchten durfte, durch eine Entfernung auf etwa ein 
Jahr oder anderthalb irgend etwas zu versäumen. Se. 
Majestät, der König der Niederlande, in Dessen Dien- 
sten ich zu stehen die Ehre habe, bewilligte mir nicht 
nur die nöthige Zeit , sondern verstattete mir auch , die 
Ueberfahrt auf der Königlichen Kriegs-Corvette Pallas 
zu machen, die von dem Capitain-Lieutenant Ryk ge- 
führt ward, einem braven, hochgeachteten und erfah- 
renen Seemann. 

In welche Classe von Reisenden ich aber, nach poor 
Yoriks Eintheilung, zu setzen sein möchte: das bleibt 
billig der Entscheidung des geneigten Lesers überlassen. 

Gent am 20. Mai 1827. 

Bernhard, 

Herzog zu Sachsen- Weimar. 



I. 

Abreise von Gent. — Aufenthalt zu Hellcvoctsluis. — 
Ankunft auf der Rhede von Spitliead. 

Vom 4. bis 30. April 1825. 



Am 4. April 1825 begab ich mich von Gent nach Antwerpen. 
Diese alte, herrliche Stadt ist in jeder Hinsicht interessant: dem 
Freunde der Kunst, wegen der Kunstschätze , einzig in ihrer Art, 
die sie besitzt; dem Militair, wegen ihrer langen Verteidigung ge- 
gen das Heer des Herzogs von Parma, und wegen der militairi- 
schen und maritimen Wichtigkeit, welche Derjenige, der lange Zeit 
das Schicksal Europa's leitete, ihr in neuerer Zeit gegeben hat; 
dem Weltbürger, der am wachsenden Wohlstande der \blker seine 
Freude findet, aus gar vielen Gründen. Seit langer Zeit das 
Opfer der Politik und des Nachbarneides, welcher die mächtige 
Scheide, Antwerpens Hafen, gesperrt hielt, hebt sie jetzt ihr Haupt 
mächtig über ihre Nebenbuhlerinnen empor; ihr Handel blüht fast 
so schön , als in den Zeiten der Hansa , und breitet sich , Dank sei 
es der Vorsorge des weisen Fürsten, den die Vorsehung an die 
Spitze der Staatsverwaltung unsers Landes gestellt hat, jedes 
Jahr wefter aus. 

In Antwerpen holte mich eine Yacht unsers Gouvernements 
ab, und brachter mich , mit günstigem Wind und bei dem schön- 
sten Frühlingswetter, am Abend des 6. April, auf die Rhede von 



10 

Hellevoetsluis , wo die Corvette Pallas vor Anker lag: sie hatte 
Befehl, am folgenden Tage in See zu stechen. 

Die Wasserstraße von Antwerpen nach Hellevoetsluis führt 
zuerst die Scheide hinab: lange behält man den hohen, elegant 
gebaueten Thurm von Antwerpens Cathedrale im Gesichte; die 
Forts auf beiden Seiten des Ufers ziehen die Aufmerksamkeit des 
Militairs auf sich, und besonders erinnert sich dieser zwischen den 
Ueberbleibseln der Forts S*c Marie und St Philippe der gewaltigen 
Brücke, vermittelst welcher der Herzog von Parma, Alexander 
Farnese, sich des Stromes Meister machte und Antwerpen zur 
Uebergabe zwang. Einige Stunden unterhalb Antwerpen bildet 
die Scheide ein grofses Bassin, theilt sich in zwei Arme, in die 
Oster- und Westerschelde, welche durch die Insel Zuid Bcreland 
getrennt werden. J)er letzte dieser Arme, der die meiste Tiefe 
hat, vereinigt sich bei Vliefsiagen mit der Nordsee; auf dem er- 
steren segelten wir unserer Bestimmun": zu. 

Vor Jahrhunderten war hier ein gBt angebauetes Land mit 
einer Stadt und vielen Dörfern: es wurde vom Wasser verschlun- 
gen und ist seitdem von diesem Elemente bedeckt geblieben. Dem 
schaffenden Geiste, der unserem gegenwärtigen Gouvernement und 
dessen erlauchtem Chef eigenthümlich ist, dürfte es vorbehalten sein, 
an der Stelle, an welcher jetzt der arme Fischer nur mühevoll sein 
Leben fristet, dem Pfluge des fleifsigen Landmannes Beschäfti- 
gung zu geben. 

Wir verliefsen später die Osterschelde und segelten zwischen 
mehreren Inseln hindurch, welche gut angebauet und durch kunst- 
volle Dämme wider die Wellen geschützt sind, die vom Sturme 
gegen sie geschleudert werden. Wir kamen in die Ströme, welche 
durch die Vereinigung des Rheins und der Maas gebildet werden, 
und erreichten endlich jene Rhede von Hellevoetsluis, von welcher aus 
in früheren Zeiten Hollands siegreiche Flotten oftmals in die entfern- 
testen Theile der Welt segelten und ihren Feinden Gesetze vor- 
schrieben. Die Schiffe, welche die Schätze der Tropenweft dem 
reichen Rotterdam zufuhren , otJer die Producte unserer Industrie, 
so wie die Vertheidiger unserer ausgedehnten Besitzungen nach 
ihren Bestimmungen tragen, müssen diese Rhede passiren, und 
auf derselben oft wegen ungünstiger Winde mehr oder •weniger 
lange Zeit liegen bleiben. Aus diesen Gründen sieht es hier ge- 
wöhnlich sehr lebhaft aus. 

Die Corvette Pallas, ein neugebauetes Schiff, auf welchem 
unser Gouvernement mir erlaubt hatte , die Reise nach Amerika zu 



11 

machen , war als Instructionsschiff ausgerüstet. Unter den brauch- 
barsten jüngeren See -Offizieren und Cadets — auf holländisch 
Adelborsten , auf englisch Midshipmen genannt — war eine Aus- 
wahl zu dieser Reise getroffen worden. Ihnen war ein junger 
Schiffs- Constructeur , Tromp, beigegeben, ein würdiger Nach- 
komme historisch merkwürdiger Vorfahren, dessen tiefe Kennt- 
nisse, ausgezeichnete Talente und liebenswürdigen Charakter ich 
im Fortgange der Reise kennen und schätzen gelernt habe. Diese 
ausgewählten Offiziere waren der Leitung des Capt. Rijk, eines 
unserer bewährtesten Offiziere *), anvertraut, und hatten Befehl, 
einige der vornehmsten englischen und amerikanischen Kriegshä- 
fen zu besuchen , und auf diese Weise neue Kenntnisse zu erwer- 
ben, die sie einst zum Besten ihres Vaterlandes anwenden werden. 
Die Corvette war defshalb mehr als Paketschiff, als zum Krieo-e 
ausgerüstet; sie hatte auf dem Verdecke keine Kanonen, sondern 
nur in der Batterie 18 vier und zwanzigpfündige Caronnaden , und 
zwei lange Sechspfunder bei'm Vordertheil als sogenannte pieces 
de chasse. Meine Wohnung bekam ich in der Capitains-Cajüte, 
und eine sogenannte Kot — Hangmatte mit einem Rahmen — die 
Abends aufgehängt wurde, diente mir zur Schlafstelle. 

Wegen widriger Winde und anderer Ursachen , welche zu er- 
örtern zu weit führen würde, konnte die Corvette nicht so schnell 
auslaufen, als es befohlen war. Ich nahm einstweilen meine Woh- 
nung in Hellcvoetsluis, und benutzte die gezwungene Mufse, um mich 
in dieser kleinen Stadt und der umliegenden Gegend umzusehen. 

Die Stadt zählt höchstens 2000 Einwohner, unter welchen sich 
kaum ein Armer befinden dürfte. Sie besteht eigentlich nur aus 
einer einzigen Strafse, an beiden Seiten des Hafens. Beide Ufer 
des Hafens, mit gemauerten Quais, sind durch eine, vor zwei 
Jahren erbauete, doppelte Zugbrücke verbunden worden. Da, 
wo die Stadt aufhört , beginnt der Werft, der den gröfsten Theil 



*) Für meine Leser aus dem Militairstandc gebe ich hier die Benennung 
der Grade in unserer Marine, nebst den damit correspondirenden 
Graden bei der Armee : 

A einmal ist soviel als General. 

Vice-Admiral ist soviel als General-Lieutenant. 

Schont by Nacht ist soviel als General-Major. 

Capitain ist soviel als Oberst. 

Capitain-Licutenant ist soviel als Oberst-Licutenanl. 

Lieutenant erster Classe ist soviel als Hauptmann. 

Lieutenant zweiter Classe ist soviel als Ober-Lieutenant- 



12 

der Festung einnimmt. Neben dem Werfte stehen dieCasernen, in 
welchen nöthijres Falles 2000 Mann Unterkommen finden. Im Hafen 
lag die Fregatte Rhyn als Wachtschiff. Im Werfte wurden keine 
Schiffe gebauet, sondern nur ausgebessert. Zu diesem Ende be- 
findet sich hinter dem Bassin des Werftes ein trockenes, terrassen- 
förmig ausgemauertes Bassin für ein Schiff, edle seche, dry 
dock. Ist das Schiff in dieses Bassin gebracht: so werden die 
Schleusenthüren geschlossen und das Wasser wird durch eine 
Dampfmaschine, welche die Kraft von 30 Pferden hat, ausge- 
pumpt. Dadurch wird das Schiff trocken gestellt und kann von 
allen Seiten untersucht werden. Nach Vollendung der Arbeit an 
demselben wird das Wasser wieder eingelassen , die Thüren wer- 
den geöffnet und das Schiff läuft hinaus. In diesem Augenblicke 
ward ein bateau forte ausgebessert. Ein bateau forte besteht in 
einem Kasten, welcher genau in den Canal pafst, der nach dem 
dry dock fuhrt. Ist er an den Ort gebracht, wo er als Brücke 
dienen soll, so wird so viel Wasser hineingelassen, dafs er sich bis 
zur Höhe der Ufer senkt und zur Brücke dient. Will man die 
Durchfahrt öffnen, so pumpt man das Wasser aus dem Kasten 
und zieht ihn aus dem Canale zurück. Im Bassin lag die Fregatte 
Kenau Hasselaar, die segelfertig gemacht ward, um unter Com- 
mando des Capitain Dibbetz mit der Mannschaft vom Wachtschiffe 
nach Ostindien zu gehen. Aufserdem lagen hier noch abgetakelt 
die Fregatten Scheide, Maas, Yssel und Java, so wie die Brigg 
de Havic — der Habicht — und gegen 20 Kanonenböte. Von 
diesen find einige nach einem dänischen Modell also gebauet, dafs 
man den Obertheil des Steuerruders herunterschlagen und zwei 
Thüren öffnen kann , um das Stück in Batterie zu bringen. — Die 
Magazine und Schmieden sind zwar nicht sehr grofs , werden aber 
äufserst sauber gehalten. 

Der Admiralität gehört ein grofses Gebäude, das zur Woh- 
nung der höchsten Marine -Behörden bestimmt ist. Von einem 
Belvedere auf diesem Hause hat man einen schönen Blick auf die 
umliegende Gegend und auf die Rhede. Auf der Rhede lagen, 
aufser der Fregatte Ainstel und der Corvette Pallas, die Brigg 
de Gier — der Geier — und das Transportschiff de ZeemeeuiD, 
beide für das mittelländische Meer bestimmt. Im Werfte bemerkte 
ich einen sehr grofsen Mastkrahn, den man fern in der See er- 
blicken soll, und der den Seefahrern als Merkpunct dient. Auch 
ist vor zwei Jahren ein Leuchthurm auf einem der beiden Dämme 
erbauet worden , die den Hafen einschliefsen. 



13 

Am 9. April ward es gegen Mittag sehr warm und wir hatten 
Windstille; Abends begann zu unserem grofsen Leidwesen der 
Wind sich nach Westen zu drehen , so dafs wir befürchten mufs- 
ten, die Rhede noch nicht sobald verlassen zu können. Ich ge- 
stehe: die Geduld fing an mir auszugehen. Und doch war sie 
noch sehr nöthig. Denn in der That brachte uns auch der 10. 
April nicht von der Stelle. Der Wind war entgegen und das 
Schiff blieb den ganzen Tag liegen, wo es gelegen hatte. In 
unserer Lebensweise konnte sich Nichts ändern. An Abwechse- 
lung fehlte es keineswegs, aber sie genügte nicht. Selbst eine 
Predigt, die ich in der reformirten Kirche mit vieler Erbauung 
anhörte, half nicht aus. Das Auge suchte stets die Wetterfah- 
ne; aber der Tag verlief und die Fahne stand immer in gleicher 
Richtung. 

Am 11. April endlich liefs mich der Oberst Byk früh um halb 
fünf Uhr wecken. Er wollte sogleich in See stechen. Ich schlofs 
eilends meine Briefe und begab mich an Bord. Alles war in Be- 
wegung; der letzte Anker sollte so eben gelichtet werden. Und 
sogleich ging es fort. Kaum aber waren wir in Bewegung ge- 
kommen, als der Wind sich abermals drehte, und uns nöthigte, 
etwa anderthalb Stunden von Hellevoetsluis auf der Rhede von 
Gocdercede die Anker fallen zu lassen. So unangenehm dieser 
Aufenthalt mir auch Anfangs war: so war er doch für das Schiff 
und die Fahrt kein Uebel ; denn wir erhielten Zeit, noch manche 
Dinge in Empfang zu nehmen, die sehr nothwendig waren. In 
der Nacht schlief ich zum Erstenmal in meinem Rahmen, und 
vortrefflich. Am folgenden Tage, den 12. April, blies der Wind 
fortwährend stark aus Westen. Am 13. regnete es fast den gan- 
zen Tag und der Wind blieb sich gleich. Gegen Abend wurde 
die Mannschaft, die gröfstes Theiles aus Freiwilligen von der 
Armee und aus begnadigten Deserteurs bestand, welche noch nie 
zur See gewesen waren, in Auf- und Zunahme der Segel exer- 
cirt. Es ging ziemlich langsam von Statten, und eröffnete eben 
keine lachende Aussicht für unsere Reise. Auch kamen heute 
zwei Instrumente an, die der Oberst auf der Reise untersuchen 
sollte : ein See - Barometer , vom verstorbenen General ran Zuy- 
len, und ein Simpisometer , von einem Engländer erfunden, das 
zugleich als Barometer und als Thermometer dient. Die beiden 
nächsten Tage brachten Nichts Neues. Es regnete; es war kalt; 
der Wind wehete sehr heftig aus Westen, und die Mannschaft 






14 

wurde exercirt. Indcfs fühlte ich nicht die geringste Langeweile, 
Dank sei es dem braven Commandanten , dem guten Ton unter 
dem Staab , und den guten Büchern , mit welchen ich mich verse- 
hen hatte. 

Den 16. April machte ich mit dem Obersten Byk eine Excursion 
nach Goedereede. Wir stiegen am Eingange des Hafencanals ans 
Land , und gingen auf einem Damme nach dem eine halbe Stunde 
entfernten Flecken. Das Land besteht aus Polders, und ist gegen 
die See theils durch hohe Dünen , theils durch Deiche geschützt. 
Das Wasser aus den Polders wird zur Zeit der Ebbe in den Hafen- 
canal geleitet, und so sind sie ziemlich trocken. Rübsamen und 
Krapp sind die vorzüglichsten Producte. Auf den meisten älteren 
Charten ist Goedereede oder Goeree als eine Insel angegeben, und 
als getrennt von der Insel Overflakkee durch eine Meerenge, de 
Hals genannt; seit etwa 10 Jahren ist aber diese Meerenge einge- 
deicht worden und bildet die Polder von Stellendam, so dafs Orer- 
fiakkee und Goeree jetzt nur ein Land ausmachen. Zur Zeit des 
französischen Gouvernements lagen Küstenbatterien längs der Dü- 
nen in denselben, und der Flecken Goeree diente ihnen zum Reduit. 
Da , wo wir ans Land stiegen , steht ein ziemlich ansehnliches, dem 
Gouvernement gehöriges Gebäude, das als Quarantaineplatz ge- 
braucht wird. Der Flecken selbst war in früheren Zeiten eine Stadt» 
Man sieht noch die Ruinen eines Stadtthores. Jetzt zählt er nur 
gegen 1000 Einwohner, hat aber ein reinliches Ansehen. Der 
Hafen ist mit Lindenbäumen bepflanzt; die wenigen Strafsen sind 
gepflastert und mit Trottoirs von Backsteinen versehen. Die Rui- 
nen der grofsen Kirche beweisen schon , dafs dieser Ort einst viel 
gröfser gewesen sein mufs, da die neue, an die Ruinen der alten 
gebauete, Kirche nur ungefähr den dritten Theil derselben ein- 
nimmt. Der alte Thurm steht noch und dient zum Leuchtthurme. 
Wir bestiegen diesen Thurm. Er ist 218 Stufen hoch. Auf dem 
Gipfel ist ein Häuschen mit einem Herd angebracht, auf welchem 
jede Nacht ein Steinkohlenfeuer angezündet wird, das ziemlich 
weit ins Meer hinaus leuchten soll. Wir genossen eine weite Aus- 
sicht, nicht nur auf die Insel, auf der wir uns befanden, sondern 
auch, nordöstlich, auf Voome, wo wir Urteile und Hellevoetsluis 
mit der Rhode , und südlich , wo wir die Insel Schouwen mit den 
Städten Brouwershaven und Zierikzee und den Dünenhügel lie- 
part erblickten. In Goeree steht noch eine Caserne , die jetzt 
als Magazin dient, und zur französischen Zeit von einem Straf- 



15 

corps bewohnt war. Von Goeree begaben wir uns nach dem Dorfe 
Stellendam, das eine kleine Stunde entfernt ist. Es ging durch 
gut angebauete Polder, deren Wege in der schlechten Jahreszeit 
bei dem fetten Boden für Fuhrwerke nicht geeignet sind. Für die 
Fufsgänger ist auf der Seite ein erhöheter Steig angelegt, der 
sehr zweckmäfsig mit Seemuscheln festgestampft ist. Wir gingen 
an einem Paar Meierhöfen vorbei, deren gutes Ansehen und 
grofse Scheuern den Wohlstand ihrer Besitzer verriethen. Stellen- 
dam zählt mit den umliegenden Höfen gegen 300 Einwohner 
und ist ein ganz neues Dorf: die Kirche und das Pfarrhaus 
waren vor vier Jahren, die Schule erst im vorigen Jahre gebauet 
worden. 

Ein Hafencanal führt nach der Rhede, und dient dazu, den 
Producten der Polder einen leichten Absatz zu verschaffen. Um 
das Verschlammen des Hafens zu verhindern, ist ein Bassin mit 
einer Spülschleuse angebracht, um zur Ebbezeit durch das 
plötzliche Oeffnen derselben den Ilafen zu reinigen. Am Hafen 
steht eine vor vier Jahren gebauete Windmühle, bei deren Be- 
sitzer wir in Gesellschaft des sehr höflichen Pfarrers von Stellen- 
dam die Schaluppe erwarteten , die auch bald ankam und uns nach 
der Corvette zurückbrachte. Der Wind drehte sich Abends gegen 
Norden und wurde in der Nacht zum Sturme. Da die Rhede gegen 
den Nordwind nicht geschützt ist, so bekam unser Schiff eine un- 
sanfte Bewegung. Nach und nach lernte ich die Schifferausdrücke 
verstehen. Heute wurde das Schiff gescheuert; das nennt man 
Psalmen singen. 

Den 17. April hatten wir heftigen Sturm und wurden tüchtig 
herumgeworfen. Mehrere Individuen, die noch nicht zur See 
gewesen waren, oder die Gewohnheit der See verloren hatten, 
wurden seekrank. Mir war es schlecht zu Muthe; die Krankheit 
kam jedoch nicht zum Ausbruche, weil ich jedesmal, wenn es mir 
übel wurde, einen Gang auf dem Verdecke machte. Wir lagen in 
der Nähe einer Sandbank. Um nicht auf dieselbe geworfen zu 
werden , wurden die Anker neu befestiget. Die Braamstangen der 
Mäste wurde eingezogen. Während der Nacht blieb eine starke 
Wache auf dem Verdecke wegen möglicher Unglückställe. Und 
der Sturm liefs nicht nach; er wurde vielmehr vorzüglich heftif 
gegen Abend des folgenden Tages. Alle Communication mit dem 
Lande war unterbrochen. Wir sahen ein Schiff in der See, das 
Zeichen machte, um einen Lootsen zu bekommen; das Wetter je- 
doch erlaubte das Auslaufen des Lootsenbootes nicht. In der Nacht 



16 

legte sich endlich der Sturm. Am 19. April war ziemlich windstil- 
les und helles Wetter. Aber gegen Abend wehete der Wind wie- 
der aus Westen, so dafs abermals an kein Auslaufen zu denken 
war. Vielmehr verkündigten die Barometer auch am folgenden 
Tage fortwährend ungünstiges Wetter. 

Am 21. April ward auf der Corvette ein Versuch gemacht mit 
dem sogenannten reddingsboeje. Diese Maschine ist am Hinter- 
theile des Schiffes über dem Steuerruder angebracht, und dient, an 
einem Taue hinunter gelassen, den Menschen, die ins Wasser ge- 
fallen sind , zum Rettungsmittel. An einem hölzernen Kreuze 




sind, a und i, kupferne, elliptische, hohle Körper befestiget, 
welche den Menschen, der das Kreuz ergreift, über dem Wasser 
erhalten. Ein kupferner Kasten mit einer gebogenen Röhre c ist 
mit Feuerwerk angefüllt. Dieses wird in dem Augenblicke, da 
man die Maschine fallen läfst, vermittelst eines Flintenschlosses 
angezündet, brennt 20 Minuten lang auch unter dem Wasser fort, 
und giebt eine helle Flamme von sich, die dazu dient, dem Ver- 
unglückten in der Nacht das Mittel zu seiner Rettung zu zeigen. 

Gegen Abend ward es windstill; jedoch versprachen uns die 
Barometer noch immer kein gutes Wetter. Geduld ist eine schöne 
Frucht, nur nicht nach Jedermanns Geschmack! Aber was half das 
Zürnen? Nach einem übelen Regenwetter drehete sich am 
Abend des 23. Aprils der Wind nach Osten , und wir fafsten die 
Hoffnung, in See stechen zu können. Alles ward in Bereitschaft 



17 

gebracht, und einer von den beiden Ankern, an welchen wir lagen, 
wurde gegen Mitternacht in die Höhe gewunden. Aber die Erfül- 
lung blieb aus. Ein Ostindien- und ein Grönlandsfahrer versuch- 
ten , auszulaufen ; allein es gelang nicht. Sie gingen nicht weit 
von uns wieder vor Anker. Der Tag lief hin unter Harren und 
Sehnen , und am folgenden wehete der Wind bei heftigem Regen 
wieder aus Südwesten. 

Seit meiner Abreise von Gent waren schon drei Wochen ver- 
gangen, und 14 Tage hatten wir auf dieser langweiligen Rhede 
von Goeree gelegen. Da wehete der Wind, den 25. April, aus 
Osten, jedoch so schwach, dafs wir zwar den Anker lichteten, aber 
nicht einmal bis an den Hafen von Goeree kamen. Denn mit einem 
Gewitter trat von Neuem plötzlich ein heftiger Westwind ein , und 
von Neuem mufsten wir den Anker fallen lassen. Die Brigg de 
Gier benutzte den guten Wind, um die Rhede von Hellevoetsluis 
zu verlassen und sich neben uns zu legen. Am andern Morgen 
ging de Gier früh in See und rief uns im Vorbeifahren ein Hur- 
rah zu. Das Transportschiff de Zeemeeuw verliefs die Rhede von 
Hellevoetsluis und kam zu uns. Der Wind ward immer günsti- 
ger. Also wurde der Anker gelichtet. Wir liefsen uns mit der 
Ebbe über den Goereeschcn Hafendamm treiben, und um eine 
Landspilze herum, de Kwade hoek genannt; mufsten aber noch 
einmal, der Ebbe wegen , den ^nker fallenlassen. Endlich, nach 
4 Uhr Nachmittags, gingen wir, als die Fluth eingetreten war, 
unter Segel, und fuhren durch het Goereeschegat, links die Sand- 
dünen von Goeree, und rechts eine gefährliche Sandbank, die 
durch drei schwarze Tonnen bezeichnet ist. Die Küste entzog 
Hellevoetsluis mit seiner Rhede sehr bald unsern Augen ; wir sa- 
hen nur noch den Thurm von Goeree, auf den Dünen eine runde 
steinerne Bake, und ein hölzernes, schwarz und weifs angestriche- 
nes Gerüste mit einer Laterne: Gegenstände, welche dem Seefah- 
rer zu Merkmalen dienen. Als wir bei der letzten Tonne, uiterton 
genannt, das Land so erblickten, wie es auf der ity/ischen Charte 
abgebildet ist, befanden wir uns in der hohen See. Wir wünsch- 
ten uns sämmtlich von Herzen Glück. Da uns der Lootse hier 
verliefs, so wurde von dem Obersten dieser Augenblick benutzt, 
um an das Marine -Ministerium, von den Offizieren, um an ihre 
Verwandten und Freunde zu schreiben; und ich selbst ver- 
säumte diese Gelegenheit nicht. Uebrigens sah ich zum Ersten- 
mal die unter dem Namen des Loggens bekannte Opera- 
I. B 



18 

tion, um die Schnelle zu beobachten, mit welcher das Schiff vor- 
wärts kommt. 

Guter Wind und gutes Wetter blieb uns Vormittags, den 27. 
April. Gegen 1 Uhr erblickten wir die englische Küste, und zwar 
das Vorgebirge von North Foreland, nicht weit von Margali'. 
Hier mulsten wir uns links wenden , um in den Canal zu kommen, 
Portsmouth zu erreichen, und zugleich die gefährlichen Good- 
KTJns-Bänke zu vermeiden. Um dieselbe Zeit wurde, wie die fal- 
lenden Barometer angedeutet hatten, die Luft nebelig und reg- 
nig, und zugleich trat der leidige Südwests ind wieder ein. Die 
Fahrt zwischen diesen Sandbänken war nicht angenehm; der 
Wind wurde sehr heftig, fast stürmisch; wir verloren alle Hoff- 
nung, heute den Canal zu erreichen; und mufsten uns begnügen, 
in dieser gefährlichen Lage zu laviren. Da die Bewegung des 
Schiffs gegen Abend sehr heftig wurde, so bekam ich die See- 
krankheit. Ich half mir indefs dadurch gegen dieselbe, dafs ich 
mich in meine Hangemalte legte und ohne Bewegung liegen blieb. 
Während der Nacht befand sich das Schiff in einer gefährlichen 
Lage ; Hr. Byk ging Glicht zu Bette , sondern blieb fast beständig 
auf dem Verdecke. Von Zeit zu Zeit liefs er das Senkblei auswer- 
fen. Dieses Senkblei hat unten eine Höhlung, die mit Fett ange- 
füllt ist, an welches sich beim Sondiren etwas vom Boden an- 
hängt; die Vergleichung dieser Probe vom Boden mit dem, was 
darüber auf den Seecharten angemerkt steht , ist auch ein Mittel, 
sich zu orientiren. Während der Nacht that ich einen heftigen 
Fall auf den Kopf. Ich wollte in die Hangematte steigen: mit dem 
schiefen Drucke, den dieses Einsteigen verursachte, traf eine 
starke Seitenbewegung des Schiffes zusammen : der Rahmen schlug 
fast über und ich stürzte hin , ohne mir jedoch Schaden zuzufügen. 
Wenigstens befand ich mich am folgenden Morgen , den 28. April, 
«•anz wohl. Auch hatte der heftige Wind sich etwas gelegt. Wir 
erkannten indefs, dafs wir die Nacht in einer äufserst gefährli- 
chen Lage zwischen den Bänken zugebracht, und dafs wir Ursa- 
che hatten, dem grofsen Baumeister der Welten zu danken für un- 
sere Rettung. Das Wetter wurde nach und nach hell ; und wir genos- 
sen mit grofser Freude des herrlichen Anblicks der englischen 
Küste. Rechts erblickten wir Margate mit dem südlichen Ufer 
der Themse, weiter links Ramsgate und noch weiter Deal. Ueber- 
all waren wir von Schiffen umgeben; und auf der sogenannten 
Rhede der Dünen, bei Deal^ sahen wir das englische Linienschiff 



19 

Ramillies, das jedes Jahr in diesen Gewässern kreuzt, vor Anker 
liegen. 

Da der Wind westlich war , und der Commandant keine Lust 
hatte, wieder eine so gefahrvolle Nacht, als die vorige, zuzubrin- 
gen, so fafste er den Entschlufs, auf der Rhede der Dünen vor 
Anker zu gehen. Dieser Entschlufs brachte mich auf den Gedan- 
ken, in Deal ans Land zu steigen und nach London zu reisen, 
mich einige Tage aufzuhalten und dann nach Porismouth zu gehen. 
Im Laufe des Tages jedoch erhob sich ein Ostwind, der alle Ent- 
schlüsse änderte. Wir fuhren um das Cap von South Fordernd 
herum, und gelangten glücklich in den Canal, wo wir die hohen 
Kreidefelsen zwischen Deal und Dover mit mehreren Schlössern, 
und endlich Dover selbst, mit seinem alten und festen Schlosse, 
nebst der Ruine, die von Cäsar herstammen soll, und mit dem ver- 
schanzten Lager erblickten. Auch erfreueten wir uns eines sehr 
schönen Blickes auf die französische Küste , deren weifse Kreide- 
felsen von der Sonne beschienen wurden. Als wir bei Dover vor- 
beifahren wollten, ward der Wind sehr schwach; wir hatten den 
Strom gegen uns; während der Nacht trat Regen und Westwind 
ein. Defswegen mufste der Anker abermals ausgeworfen werden. 
So blieben wir Dover gegenüber liegen bis 1 Uhr des folgenden 
Tags, den 29. April. Inzwischen wurde das Wetter besser, aber 
der Wind blieb schwach und ungünstig. Ich benutzte also die Ge- 
legenheit, um mit dem Commandanten , dessen Neffen und Herrn 
Tromp nach Dover zu fahren. Wir frühstückten in Wrights 
Schipshufel , in welchem ich schon vor 1* Jahren mit meiner Fami- 
lie gewohnt hatte, und machten alsdann einen Spaziergang nach 
dem verschanzten Lager , das westlich von der Stadt auf einer be- 
deutenden Anhöhe liegt. Zu derselben gelangten wir auf einer vor 
etwa 20 Jahren angelegten Treppe. Aus der Stadt führt ein un- 
terirdischer Gang, der über 100 Schritte lang ist, an den Fufs 
dieser Treppe. Um sie anzulegen, hat man ungeiähr 200 Fufs 
tief einen Brunnen in den Felsen gehauen, und an den Wänden 
desselben drei Treppen , jede von 268 Stufen , angebracht. Jede 
Treppe ist so breit, dafs zwei Menschen bequem neben einander 
gehen können. Sie endigen in einer, trichterförmig in den Berg 
gegrabenen, Vertiefung, von welcher eine breite steinerne Treppe 
nach vier, terrassenförmig über einander gebaueten, grofsen Ca- 
sernen führt. Etwas höher, als diese Casernen, liegt eine fünf- 
eckige Redoute, die auch mit Casernen versehen ist, in welchen 

B 2 



20 

gegenwärtig nur ein Detaschement Artillerie lag, die einzige Gar- 
nison von Dover. Die Redoute bildet den rechten Flügel der Stel- 
lung. Von ihr aus führt eine gebrochene Linie von gemauerten 
und zum Theil in den Felsen gehauenen Werken nach dem linken 
Flügel, wo ein grölseres, ein längliches \iereck bildendes Fort 
liegt. Vor dieser Fronte befindet sich ein ziemlich tiefes Thal, 
durch welches die Slrafse nach London geht. Wir erfreueten uns 
des schönen Anblicks dieses vortrefflich angebaueten Thaies und 
des frischen Grüns des Rasens. Auf Hrn. Tromp und den jungen 
Rijk machte der Anblick der Felsen und Berge, da sie noch keine 
gesehen hatten, einen grofsen, und auf mich, der ich ihres An- 
blicks entwöhnt war, einen sehr angenehmen Eindruck. Von dem 
linken Flügel geht eine Linie en crtmaiUerc, bei der man in eini- 
gen einspringenden Winkeln casemattirte Magazine angebracht 
hat, nach einem kleinen Fort, das die Rhede vertheidigt. Aus 
der Linie führt ein Thor nach dem hohen Felsen, Shakespeares clijf 
genannt, welchen wir zu besteigen jedoch keine Zeit hatten. Die 
gemauerten "Werke des Lagers sind von Ziegelsteinen und mit hal- 
bem Revrtement versehen. Der Felsen ist durchgängig Kreide mit 
Feuersteinen. Diese Feuersteine benutzt man zum grofsen Nach- 
theile für die Füfse der Pferde, zu den Chausseen und zum Pfla- 
stern ; auch sind in Dover Häuser von solchen Feuersteinen gebauet. 
Sehr zufrieden mit unserer Excursion kehrten wir nach der Cor- 
vette zurück. Wir sahen zwei Dampfböte, von Calais und von 
Boulogne, in Dover einlaufen. Auch zeigte man mir von Ferne 
eine Wasserhose. Um l Uhr fing der Wind an , günstig zu wer- 
den. Der Anker wurde gelichtet und wir segelten bei sehr gutem 
Wetter weiter, uns fortwährend des Anblickes der englischen 
Küste erfreuend. In der ISacht sah man auf verschiedenen engli- 
schen Leuchtthürmen sehr helle Feuer brennen. 

Als wir den 30. April, bei starkem Winde, die östliche Spitze 
der Insel IVigitt erkannten, ward eine Flagge aufgezogen, und 
eine Kanone gelöset, um einen Lootsen zu erhalten. Dieser kam 
jedoch nicht sogleich. Wir segelten also vorsichtig Meiter, er- 
blickten endlich Portsmouili, und näherten uns der Spitze St. 
Helens auf Wigkt. Daselbst kam der Lootse an Bord und gelei- 
tete uns nach der Rhede von Sp'dhead vor Portsmouth. Diese 
Stadt, in welcher es mir vor zwei Jahren so wohl gefallen hatte, 
nahm sich äufserst schön aus. Im Hafen lagen mehrere Linien- 
schiffe, unter ihnen der Vidory, an dessen Bord Lord Nelson ge- 



21 

tödtet worden ist. Da wir am Top seines grofsen Mastes die Ad- 
miralsflagge erblickten, so grüfsten wir mit 17 Kanonenschüssen, 
welche vom k'ictory sogleich mit 13 beantwortet wurden. Auf der 
Rhede warfen wir die Anker aus. Es befanden sich daselbst 
zwei englische Corvetten, ein Schiff der ostindischen Compagnie 
und eine portugiesische Fregatte, welche den portugiesischen 
Botschafter in London, Marquis de Palmella, nach England ge- 
bracht hatte. 



II. 

Aufenthalt in England. — Fortsmouth , riymouth, 
Dcvojiport, Falmouth. 

Vom 1. Mai bis 17. Juni 1825. 



Die Corvette wollte wegen des Unterrichts der jungen Offiziere 
und Adelborsten — Cadets — , welche alle Marine -Etablissements 
in Portsmuth genau besehen sollten , einige Zeit verweilen. Defs- 
wegen entschlofs ich mich, ans Land zu gehen, von Poiismoutlt nach 
Plymouth und Falmouth zu reisen, und hier uieder mit der Corvette 
zusammen zu treffen. Ich fuhr also am 1. Mai mit der Schaluppe 
in Gesellschaft des Obersten Ryk und des Lieutenants Lejeune nach 
Portsmouth hinüber. Die See ging sehr hoch ; die 8 Ruderer ver- 
mochten wenig gegen die Wellen ; und als wir in den Hafen ein- 
fuhren, wo die Wellen ganz besonders hoch Maren, da wendeten 
wir zu schnell, bekamen ein Paar Wellen in die Flanke, und 
fürchteten mehr als ein Mal, die Schaluppe würde umschlagen. 
Indefs kamen wir glücklich davon, nur tüchtig durchnäfst. 

In Portsmouth blieb ich drei Tajre. Die Lage und die Ver- 
haltnisse waren mir bekannt und sind von mir beschrieben wor- 
den *). Defswegen brachte ich die Zeit hin mit Lesen und Schrei- 
ben; ich machte Besuche, empfing Besuche und wanderte umher 
in interessanter Gesellschaft; und eben defswegen erlaubeich mir, 
nur Eins und das Andere anzumerken. 



*) In einem ungedruckten Tagcbuchc , das der Herzog im Jahre 1823 auf 
einer Reise in England geschrieben hat. L. 



23 

Nach der Namj List befanden sich in Portsmouth 16 Schiffe im 
activen Dienste mit 518 Kanonen; desarmirt waren 65 mit 4143 
Kanonen; und gebauet wurden 18 Schiffe, die 756 Kanonen führen 
sollten. Die sämmtlkhen Schiffe zu Portsmouth hatten mithin 5417 
Kanonen. 

Zu Ehren des Mai's hatten einige Menschen aus der niedrig- 
sten Volksclasse sich maskirt. Die Meisten erschienen als Hans- 
würste ; andere hatten sich mit grünen Blättern bedeckt. Sie zogen 
mit Musik durch die Strafsen , blieben vor einigen Häusern stehen, 
tanzten, und liefsen sich Geld zahlen. Auch gab es eine Box- 
partie zwischen einigen Knaben. Sie wurde wie ein anständiges 
Duell gehalten. So bald der eine Knabe gefallen war, geschah 
ihm nicht das Geringste mehr; sein Gegner bot ihm die Hand und 
half ihm auf. Einer der Knaben erlaubte sich, dem andern, der 
hinfiel, noch einen Stofs zu geben. Sogleich sprangen mehrere 
Umstehende hinzu, hielten den Frevler fest, und gaben ihm so viele 
Rippenstöfse, dafs er fast liegen blieb. Damit hatte der Spafs ein 
Ende. 

Im Hafen wurden ungefähr 150 Mann Recruten ausgeschifft, 
die zum 89. Regiment abgehen sollten, das in Ostindien steht. Sie 
kamen vom Depot auf der Insel Wight, und sahen sehr schwach 
und elend aus. 

Der Marquis de Palmella, der mit mir in Einem Hotel ge- 
wohnt hatte, reisete den 3. Mai mit seiner Familie, einer Frau, 
acht Kindern und einer grofsen Suite, nach London. Vor seiner 
Abreise machteich ihm noch einen Besuch, bei welchem er mich 
seiner Gemahlin, einer sehr schönen Frau, vorstellte. Der Mar- 
quis, ein allgemein geachteter Mann, hatte in der letzten portu- 
giesischen Contre- Revolution viel auszustehen gehabt: er wurde 
selbst mehrere Tage gefangen gehalten. Während seines hiesigen 
Aufenthalts hatte er beständig zwei Ehrenposten; und eine Stunde 
vor seiner Abreise kamen 50 Mann Mariniers mit 3 Offizieren, einer 
Fahne und dem ganzen Musikehor, alles in groCser Tenüe, mar 
schürten vor dem II Atel auf und blieben als Ehrenwache stehen bis 
zur Abfahrt. Mit wahrem Vergnügen sah ich übrigens die gute 
Haltung dieses Corps. 

Die Seesoldaten, Royal Marines genannt, deren Casei ne 
ich besuchte, und die ich in Parade defilken sah, haben eine 
aufseist schöne Haltung. Sie sind sehr geachtet. Das Avan- 
cement der Offiziere geschieht nach der Auciennetät, Da aber 



24 

nach den letztern Friedensschlüssen das Corps beträchtlich ver- 
mindert worden ist, so ist das Avancement äufserst sparsam, und 
die Offiziere werden alt in ihren Graden. Auch sind die Offiziere 
zum Theil Männer ohne Vermögen, und meistens nur zu den 
Royal Marines getreten, weil sie keine Stelle in der Armee kau- 
fen konnten. Die Caserne der Soldaten wollte mir nicht recht 
gefallen; in den Niederlanden sind sie besser eingerichtet und 
werden reinlicher gehalten. Eine gute Einrichtung ist es, 
dafs die Soldaten eiserne Betten haben und dafs jeder Mann 
allein schläft; eine übele hingegen, dafs in den Stuben gekocht 
wird. 

Das Linienschiff Ganges von 84 Kanonen, welches ich mit 
Herrn Ryfc im Hafen besuchte, ist vor wenigen Jahren in Madras 
durch indische Arbeiter ganz von Teakholz gebauet worden. 
Dieses harte und schwere Holz ist nicht allein sehr dauerhaft, son- 
dern hat auch den grofsen Vortheil, in den heifsen Himmelsstri- 
chen nicht zu springen. Man empfing uns mit grofser Zuvorkom- 
menheit auf dem Schiff; und da der Capitain Campbdi, der es 
commandirt, in der Stadt Mar, so machten uns die Lieutenants auf 
eine sehr freundliche Weise die Honneurs. Ich konnte nicht ge- 
nug die Reinlichkeit bewundern, welche auf diesem Schiffe 
herrschte. Man hat auf den englischen Schiffen eine sehr gute Art, 
die Nägel, Ringe, Waffen und sonstige eiserne, messingene und 
kupferne Erfordernisse aufzubewahren. Sie befinden sich in be- 
sonderen Gemächern unter dem Vordertheil , im unteren Deck; die 
eisernen Gegenstände sind gefirnifst, die andern polirt, und längs 
der weifs angestrichenen Wände so angebracht, dafs sie Figuren, 
zuweilen auch Inschriften bilden. Wenn man Fremde herumführt, 
zündet man eine Art Kronleuchter an, so dafs dieses Alles einen 
sehr hübschen Effect macht. Der Lieutenant Wright, einer der 
Offiziere, hatte, als wir das Schiff verliefsen , die Gefälligkeit, uns 
in seine Schaluppe zu nehmen und in den innern Hafen, the Har- 
bonr, zu fahren, wo die Schiffe liegen, die in ordinary — desar- 
mirt — sind. 

Der Ganges grüfste uns mit 19 Schüssen bei unserer Abfahrt. 
Die in commission — Dienst — sich befindenden Schiffe sind 
schwarz und weifs angestrichen; kommen sie in ordinary, so kratzt 
man die Farbe ab, und streicht sie braungelb an. Sind sie zu 
keinem activen Dienste mehr geschickt, so erhalten sie eine ganz 
schwarze Farbe. Im Harbonr gingen wir an Bord des Nelson 



'So 

von 120 Kanonen, der neu gebauet war, aber in ordinär y lag, weil 
sich der schreckliche Holzbrand, dry rot genannt, in demselben 
gezeigt hatte. Man hatte jedoch die angesteckten Breter heraus- 
genommen und sie durch gesunde ersetzt. Der Nelson, so wie der 
Ganges und alle neugebaute Linienschiffe, haben runde Sterne. 
Alles zur Ausrüstung nöthige Holzwerk, so wie die Lafetten, be- 
finden sich am Bord. Um dieses Holz gut bergen zu können, und 
um zugleich das obere Verdeck gegen den Einflufs des Wetters zu 
schützen , ist ein besonderes Dach darüber gebauet. Vom Nelson 
fuhren wir nach der königlichen Yacht, the Royal George, die ich 
zwar schon kannte, aber gern noch einmal besah, wegen ihrer 
eleganten Einrichtung und des grofsen Luxus , der auf derselben 
Statt findet. Gegen die Pracht der königlichen Gemächer und 
die der Suite sticht freilich der Wohn - und Schlafplatz der Matrosen 
sehr ab, der ganz dunkel und eng ist. Wir bemerkten hier eine 
eiserne Patentküche , bei welcher alle Speisen durch Wasserdämpfe 
gekocht werden. 

Nachdem ich allerlei Provisionen , und besonders Ganiblesche 
preserved meats, die sich Jahre lang frisch erhalten, eingekauft 
hatte, schiffte ich mich — den 4. Mai nach 4 Uhr Nachmittags — 
ein am Bord des Dampfschiffes Sir Francis Drake von 170 Tonnen, 
um nach Flymouth zu gehen, das 150 Meilen entfernt ist. Die 
Maschine desselben hat die Kraft von 70 Pferden. Das Schiff ist 
nicht sehr bequem eingerichtet. Die grofse Cajüte ist so nahe 
an den Dampfkesseln , dafs die Hitze unausstehlich war. Unsere 
Reisegesellschaft mochte aus 30 Personen bestehen, von welchen 
sich jedoch nur 8 Passagiere in der Cajüfe befanden. Gegen 5 
Uhr fiel ein Schufs zum Zeichen der Abfahrt, und wir stachen in 
See. Die Rhede von Spithcad blieb mit ihren Schiffen links liegen, 
und die Fahrt ging zwischen dem Lande und der Insel Wight hin- 
durch. Sehr freundlich nahm Coices sich aus mit seinen schönen 
Gärten, und, etwa eine Meile westlich, ein Schlofs, Egypt ge- 
nannt. Es begann, dunkel zu werden. Wir sahen rechts die bei- 
den Lichter von Hurstcastle, die äufserst hell brannten, und links 
den Leuchtthurm der Needles — des westlichen Endes der Insel 
night — , den ich vor 2 Jahren bestiegen hatte. Im Dunkeln 
zeigten sich die weifsen Felsen der Needles, die bei dem öfteren 
Wetterleuchten einen ganz eigenen Anblick gewährten. Als wir an 
diesem gefährlichen Puncte vorüber waren, bekamen wir starken 
Wind ; die Bewegung des kleinen Schiffes , verbunden mit der be- 



26 

ständigen Erschütterung der Dampfmaschine, war höchst wider- 
wärtig. Ich konnte mich nicht in die für mich bestimmte Koje le- 
gen, weil sie zu kurz war, und mufste mir defshalb meine Matratze 
auf den Fufsboden bereiten lassen. Die Hitze und das Stofsen der 
benachbarten Dampfmaschine, der Husten eines enrhümirten Irlän- 
ders und das Schreien eines kleinen Kindes in der andern Cajüte 
hinderten mich lange am Einschlafen. Erst gegen Morgen fing ich 
an , etwas zu schlummern , erwachte aber bald wieder vor der un- 
ausstehlichen Hitze. Ich verfügte mich aufs Verdeck und befand 
mich, wie fast die ganze Reisegesellschaft, selbst den Offizier 
nicht ausgenommen , unwohl. 

Die felsige englische Küste hatten wir fast überall vor Augen. 
Sehr schön nahm sich die Lage der Stadt Dartmouth aus. Nach 
einer etwas langweiligen und unangenehmen Fahrt gelangten wir 
den 5. um 1 Uhr Nachmittags in die Bai von Plymouth. Das bei- 
gefügte Chärtchen erklärt die Lage der Bai *). Das breakwater, 
einen seit 13 Jahren angefangenen und noch nicht geendigten 
Damm, der die Rhede von Plymouth gegen die Südweststürme 
schützen soll, üefsen wir links , erfreuten uns des schönen Anblickes 
von Mount Edgecumbe's Park , und Drakes island, auf welchem 
ein kleines Fort liegt, und hatten einen äufserst schönen Blick auf 
die drei Städte Plymouth mit der Citadelle, Stonehouse und Ply- 
motdh-Dock, das jetzt den Namen Devonport führt. Als das Dampf- 
schiff bei Stonehouse anhielt, miethete ich einen Kahn und fuhr um 
den Dock herum nach Devonport. Dieser Dock mit allen Schiften, 
die sich daselbst in Construction und Reparatur befanden, ge- 
-währte eine sehr schöne und imposante Ansicht. In Devonport 
nahm ich in Royal hutel meine AVohnung. 

Einige Zeit nach meiner Ankunft machte ich den hiesigen Be- 
hörden Besuche. Ein besonderes Interesse erregte in mir der hier 
en chef commandirende Admiral Sir James Saumarez, ein wür- 
diger Greis von 70 Jahren. Seit 56 Jahren hatte er dem Staate 
gedient, und während der letzteren Kriege 5 Jahre lang in der 
Ostsee en chef commandirt. Seine Thaten sind weltkundig und 
werden durch das Grofskreuz des Bath-Ordens , das er seit 24 Jah- 
ren trägt, bezeugt. 

Unter den hiesigen Merkwürdigkeiten besah ich das Tribunali, 
Dieses ist ein neues Gebäude, ein Oblongum, An einer der 



*) Aus Coofcc'ft Guide lo the Plymouih Brtakwatcr, 



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27 , 

schmalen Seiten führt eine breite Treppe nach einem , mit 4 ioni- 
schen Säulen gezierten, Perron. Der Saal ist grofs und mit Tri- 
bünen sehr bequem für die Zuschauer eingerichtet. Unter dem 
Platz für die Gefangenen ist eine Fallthür, die eine Treppe schliefst, 
auf welcher die Gefangenen aus den Gefängnissen im Erdgeschosse 
zum Verhör und zurück gebracht werden , ohne mit dem Publicum 
in die geringste Berührung zu kommen. Die 6 Zellen für Gefan- 
gene, die sich hier befinden, sind alle von Stein, gewölbt, und 
mit einer eisernen Bettstelle versehen. Sie haben eine starke Thür 
von eichenen Bohlen mit Eisen beschlagen ; eine kleine Oeffnung 
bringt Luft und Licht, beides jedoch sehr spärlich. Die Gefange- 
nen können täglich in dem Corridor, der 12 Schritt lang und 
3 Schritt breit ist, spazieren gehen. Sie haben eine äufserst trau- 
rige Existenz. Mit einem sehr üblen Eindruck verliefsen wir 
dieses von Granit und Marmor erbauete Haus des Jammers. Und 
kaum hatten wir es verlassen , so fiel uns der Bau eines Monuments 
in die Augen, das, auf einem Felsen, aus Granit aufgeführt wird, 
und eine hohle Säule, 101 Fufs hoch, werden sollte, zum Andenken 
der Veränderung des Namens Plymoidh-Dock in Devonport. Das 
Werk löschte den übelen Eindruck nicht aus , den das Gefängnifs 
auf uns gemacht hatte. Nicht weit von demselben steht eine neue, 
im gothischen Geschmack e gebauete Kirche, und daneben eine im 
ägyptischen Stil erbauete Schule. Die auf einem so engen Räume 
zusammengedrängten verschiedenen Bausysteme gewähren einen 
sonderbaren, ich könnte jedoch nicht sagen, angenehmen Anblick. 
Auch besahen wir den Markt, der aus mehreren bedeckten Galle- 
rieen besteht, in welchen die Efswaren , z. B. die Fische , &uf mar- 
mormen Tafeln feil gehalten werden. Denn der Marmor ist hier so 
gemein, dafs die Trottoirs damit gepflastert sind; auch ist er im 
Baue der Häuser angebracht. Er ist schwarz, roth und gelb ge- 
ädert. Die Häuser in der Stadt sind nicht sohön ; einige alte sind 
ganz mit Schiefer belegt und machen keinen freundlichen Eindruck. 
Im Tribunal befindet sich ein Kamin von Schiefer. 

Am 7. Mai besah ich den Doch Yard. Es befanden sich hier 
8 Schiffe im aettven Dienste , zusammen mit 366 Kanonen ; 65 in 
ordinary mit 3520 Kanonen, und 22 im Baue, von welchen 3 Bom- 
benschiffe waren, die über 720 Kanonen führen sollten. Das macht 
im Ganzen 4606 Stück. 

Der Dock Yard mit seiner musterhaften Einrichtung ist von 
Dupin in seinem vortrefflichen Werke: f nyages dans la Grande 



28 

Bretagne, Jl^c partie, force narale, genau beschrieben worden. 
Vielen Lesern wird das Werk bekannt sein; jedes Falles glaube 
ich auf dasselbe wegen der genauen Beschreibung des Dockyard 
verweisen zu dürfen. Der Eintritt ist wirklich schön. Man er- 
blickt einen grofsen Theil des Yards, der terrassenförmig gebauet 
ist, unter sich; rechts die Kirche und einige Bureaux; gegenüber 
stehen 2 Kanonen, die hier mehr zur Zierde, als zur Yertheidigung 
aufgestellt sind. Die Häuser sind von dem hier gewöhnlichen mar- 
morartigen grauen Kalksteine gebauet. Ein neues Magazin ist ganz 
feuerfest von diesem Stein und von Eisen aufgeführt, und die ver- 
schiedenen Behältnisse sind durch eiserne Thüren getrennt, die 
man im Fall eines Brandes nur schnell zu schliefsen braucht, um 
das Feuer zu isoliren. Die Seilerbahn ist ein Gebäude von zwei 
Stockwerken, dessen Säle 1200 yards lang sind. Die Schiffe 
werden durchgängig, so wie in allen andern englischen Häfen, 
unter einem Dache gebauet, das zuw eilen mit Schiefer , gew Öhnlich 
mit Rupfer gedeckt ist. Aus den dry docks w urde das Wasser , zu 
meiner Verwunderung, durch eine Pferdemühle und nicht durch 
eine Dampfmaschine ausgepumpt. In einem der dry docks. befand 
sich die unglückliche Fortitudo *) in Arbeit. Alles Holz war > er- 
fault; das Kupfer war verdorben; auch mufsten drei neue Mäste 
gemacht werden. Die Reparatur wird dem Hause Roelands in 
Antwerpen gegen 8000 Pfund zu stehen kommen. Man hat hier 
grofse eiserne Kessel , in welchen das Bauholz in Seewasser ge- 
kocht wird , um es gegen den dry rot zu schützen. Im Dockyard 
arbeiteten täglich gegen 2200 Menschen , und mehrere von ihnen 
verdienten wöchentlich 36 Schillinge. 

Nach einem Aufenthalt von etwa zwei Stunden im Dockyard, 
fuhr ich mit dem Admiral nach der Hamoaze , wo die armirte und 
desarmirte Flotte vor Anker lag. Wir gingen an Bord des Admi- 
ralschiffs Britannia von 120 Kanonen, und wurden vom Capitain 
Pipon gar freundlich empfangen. Man zeigte mir das ganze Schiff: 
Alles vortrefflich , wie auf den Schiffen zu Portsmouth. Von der 
Britannia, die uns mit 21 Schüssen begrüfste, fuhren wir an Bord 
des St. Vincent , der ganz dem Nelson in Portsmouth gleicht. 



*) Ei» niederländisches Kauffahrteischiff, das mit Truppen nach Ostindien 
bestimmt gewesen war , aber auf der hohen See seinen traurigen Zu- 
Btand erkannt hatte , und in Flymouth eingelaufen war, seine Avaricn zu 
repariren. 



29 

Der 8. Mai war ein Sonntag; daher war es sehr still in der 
Stadt. Ich ging zuerst nach Stonehouse in die Casernen der See- 
soldaten , und dann nach Plymouth , das ich noch nicht gesehen 
hatte. Plymouth ist von Stonehouse ungefähr eine kleine Meile 
entfernt. Der Eingang ist anständig. Es zeigen sich mehrere 
neugebaute Häuser und ein grofses viereckiges, mit Säulen deco- 
rirtes Gebäude, welches das Theater und das royol hötel enthält. 
Geht man aber weiter in die Stadt hinein, so ändert sich die Scene. 
Die Gassen werden eng und bergig; sie sind schlecht gepflastert 
und ohne Trottoirs; die Häuser schlecht gebaut und winklig; keine 
Sonne kommt in die Gassen. Der Hafen, der vom Catwater ge- 
bildet wird, scheint besucht zu sein, und die Bai gewährt einen 
herrlichen Anblick. Wir begaben uns, längs eines in den Felsen 
gehauenen Weges, auf die Citadelle, um dem Yice-Gouverneur, 
Generalmajor Sir John Cameron , unsern Besuch zu machen ; allein 
der General war krank. Wir gingen auf den Wällen um die Ci- 
tadelle herum , und erfreuten uns einer in jeder Hinsicht vortreffli- 
chen Aussicht: das schöne Wetter trug das Seinige bei. Nach- 
mittags gingen wir nach dem Dorfe Stoke spazieren, wo die hiesi- 
gen Einwohner Landhäuser haben. In der hiesigen Gegend ist es 
Gebrauch, die in der Woche Verstorbenen, wenn es möglich ist, 
am Sonntage zu begraben. Wir begegneten daher in den meisten 
Strafsen Leichenzügen, die uns freilich nicht besonders aufheiter- 
ten. Am Montage fuhr ich aus mit Sir James Saumarez in der 
grofsen Schaluppe der Britannia, um das breakwater zu besehen. 
Wir begaben uns zuerst nach dem Catwater, wo die Steinbrüche 
sind, aus welchen die Steine zum brcahwater genommen werden. 
Das Terrain zu diesen Steinbrüchen ist von verschiedenen Eigen- 
tümern gekauft worden. Der Felsen ist Marmor und wird durch 
Pulver gesprengt. Mehrere der losgesprengten Felsblöcke wiegen 
5 Tonnen und darüber. Sie werden mit eisernen Krahnen, bei 
welchen man einen Arbeiter auf anderthalb Tonnen rechnet, in die 
Höhe gehoben und auf kleine vierrädrige eiserne Karren gelegt. 
Diese laufen in railroads — Eisenbahnen — bis an den Quai, wo 
die Schiffe liegen, aufweichen sie weiter nach dem breakwater ge- 
bracht werden. Die Schiffe können 18 der schwersten Steine la- 
den, und sind lediglich zu diesem Zweck im hiesigen Werfte ge- 
bauet worden. Die leichtern Steine werden auf gemietheten Schif- 
fen nach dem breakwater gefahren. Die Beschreibung dieser 
Schiffe, so wie die Art und Weise, auf welche die Steine ein- 
und ausgeladen weiden, findet sich in Dupin'8 Reise. Im Stein- 



f 30 

bruch empfing uns ein Secretair des Herrn Wiidby, welcher den 
Plan zum brea/cualcr entworfen, und jetzt die Aufsicht über die 
Arbeit hat. Im Felsen hat man eine Höhle mit gut erhaltenen 
Rhinocerosknochen gefunden, und einige Zeit nachher eine an- 
dere mit Knochen und Zähnen von Bären. Auf dem Berg über 
den Steinbrüchen hat man eine weite und äusserst schöne Aus- 
sicht. Hierauf fuhren wir nach der Bovisandbay, wo unter 
Herrn Whidbys Direction ein Quai und ein Reservoir von süfsem 
Wasser für die Marine angelegt worden ist. Das Wasser sam- 
melt sich aus 2 Quellen in ein 20 Fufs tiefes , zwischen den Bergen 
gelegenes Reservoir. Aus demselben wird es durch eiserne Röh- 
ren, beinahe eine englische Meile weit, nach dem Quai gelei- 
tet. Hier sind 17 Hähne angebracht, von denen ein jeder in 
einer Minute 2§ Tonne Wasser von sich giebt. Am Quai kön- 
nen die zum Wasserholen commandirten Kähne anlanden, und in 
sehr kurzer Zeit mit ihrer Ladung nach den Schiffen zurückkeh- 
ren. In der Schlucht neben dem Reservoir bewohnt Herr 
Wliidby ein hübsches Haus , von wo aus er das ganze brealavater 
übersehen, und folglich aus seinem Zimmer die Arbeiter controli- 
ren kann. 

Das breakwater hatte bei dem schrecklichen Sturm am 22. und 
23. November des vorigen Jahres sehr gelitten. Man will es jetzt 
auf folgende Weise 




dauerhafter herstellen; man will die Steine, welche dem Anschlage 
der Wellen am Meisten ausgesetzt sind, behauen , und mit eisernen 
Klammern zusammenfügen. Ich fürchte jedoch, dafs auch dieses 
Werk zerstört werden wird , wenn man nicht ein Paar perpendicu- 
lair auf den Ilauptdamm stofsende Dämme anlegt, welche die Ge- 
walt der Wellen brechen , ehe sie den Ilauptdamm erreichen. Das 
alte Werk war in einem so zerstörten Zustande , dafs wir nicht weit 



31 

«auf demselben fortzukommen Im Stande waren. Defswegert schiff- 
ten wir uns bald wieder ein , und fuhren nach der Fregatte Thetis, 
um Sir John Phillimore einen Besuch zu machen. Sir John hatte 
mir zu Ehren alle seine Flaggen aufgezogen ; die Mariniers stan- 
den mit ihrem Offiziere beim Besansmast aufmarschirt und die Ma- 
trosen rund um's Verdeck und in der Batterie, ein Mann mit 
dem Säbel, der andere mit der Pike und der dritte mit dem 
Enterbeil. Ich freuete mich über die äufserst grofse Ordnung und 
Reinlichkeit, die überall herrschte. Die beiden Cajüten Maren sehr 
elegant eingerichtet und mit Mahagoniholz decorirt. Als wir wie- 
der wegfuhren , stiegen die Matrosen auf die Raaen; auch wurden 
wir salutirt. Da es hohes Wasser war, so fuhren wir zwischen 
Drakcs island und Monnt Edgecumbc durch eine , wegen der Klip- 
pen, gefährliche Passage, the bridge genannt. Wir stiefsen ein 
Paarmal auf die Klippen, jedoch ohne Nachtheil, da wir glückli- 
cherweise keinen starken Wind hatten. Wir landeten an der schö- 
nen steinernen Treppe vom Mount Wise. 

Den folgenden Tag besah ich, mit Sir John Phillimore, das 
Marine-Hospital. Dieses, ein musterhaft eingerichtetes und reich 
dotirtes Institut , ist von Dupin erschöpfend beschrieben. Man be- 
gann den Bau während des siebenjährigen Krieges. Es kann ge- 
gen 2000 Kranke oder Verwundete fassen ; wirklich befanden sich 
jedoch nur einige und 70 Mann , und unter diesen einige Offiziere 
und Midshipmen in dem Institute. Besonders zweckmäfsig schien 
mir die Einrichtung, dafs dasselbe aus 8 einzelnen, drei Stockwerk 
hohen Pavillons besteht. Denn dadurch kann sowohl die Verbrei- 
tung ansteckender Krankheiten, als die eines entstehenden Brandes 
verhindert werden. Die Krankensäle enthalten je 16 Betten , alle 
von Eisen ; nur die der Offiziere sind von Holz und mit Vorhän- 
gen versehen. Ueberdiefs sind in jedem Saale zwei Betten für die 
Aufwärterinnen — 7iurscs. In allen englischen Marine-Hospitälern 
nämlich werden die Kranken durch Frauen gewartet , und man hält 
die Pflege derselben für viel sanfter , als die Pflege der Infirmiers. 
Die Kranken werden von den Schiffen zu Wasser bis ans Hospital 
gebracht, und eine breite steinerne Treppe herauf nach dem Era- 
pfangbüreau geführt, oder getragen. Hier werden sie entkleidet, 
und in dem Pavillon, dem sie zugewiesen sind, gebadet. Ihre 
Effecten werden verzeichnet, und in ein besonderes Magazin ge- 
bracht. Zum Ausschiffen der Schwerverwundeten dient ein eiser- 
ner Krahn. In allen Sälen sowohl, als in den verschiedenen Ma- 
gazinen und in der Apotheke herrschte die gröfste Ordnung und 



32 

Reinlichkeit. In der Apotheke wurden grade Schiffsapotheken 
eingepackt, die sehr compendios eingerichtet sind. 

Die Kirche des Etablissements schien mir nicht dem Ganzen 
entsprechend eingerichtet zu sein. Sie ist klein und in der ersten 
Etage eines der Magazine angebracht, so dafs es den Kranken 
zum Theil sehr beschwerlich lallt, dem Gottesdienste beizuwohnen. 
Rings um den viereckigen Hof, den die Pavillons einschliefsen, 
läuft ein bedeckter Säulengang, unter welchem die Kranken bei 
schlechtem Wetter oder bei grofser Hitze spazieren gehen können. 
Die Mitte des Hofes ist mit einem wohl unterhaltenen Rasen 
belegt. 

Für die Wahnsinnigen hat man auf einem abgesonderten Platz 
ein eigenes Haus gebaut. Das Waschhaus liegt gleichfalls ab- 
gesondert. Bei schlechtem Wetter trocknet man die Wäsche ver- 
mittelst des Dampfes. Die Wäsche wird auf Rahmen gehängt, 
die coulissenartig auf Rollen hin und her bewegt werden, um 
nach Bequemlichkeit die getrockneten Stücke hinweg nehmen und 
nasse aufhängen zu können. Es sind auf diese Weise 8 Rahmen 
hinter einander angebracht, die äufserst wenig Platz erfordern. 
Für die Kranken findet sich auch eine sehr zweckmäfsig einge- 
richtete Badeanstalt, in welcher sie nicht allein alle Arten von 
Bädern nehmen können, sondern in welcher sie zugleich die 
gröfste Bequemlichkeit finden. Die Hospital - Offiziere, die 
Aerzte und Beamteten haben ihre Wohnungen vor dem Hospital 
auf einem geräumigen, mit Bäumen bepilanzten Platz. An der 
Spitze des Etablissements steht ein Commissioncr , der pensio- 
nirte Schiffs - Capitain Creyke, ein 80jähriger Greis, der seine 
erste Campagne zur See im Jahre 1759, und die erste Reise um 
die Welt unter dem Commodore Wallis mitgemacht hat. Wir 
hielten uns , bevor wir das Hospital verliefsen , einen Augen- 
blick in seinem sehr hübsch gelegenen und geschmackvoll ein- 
gerichteten Haus auf. Alsdann besuchte ich in Plymouth die 
Bibliothek, die vor ungefähr 20 Jahren auf Subscription ange- 
legt worden ist, aber noch nicht sehr reich zu sein scheint. Das 
Local besteht aus 3 Zimmern , dem Büchersaal , der Lesestube 
und dem Versammlungssaale der Directoren. Die Bibliothek dient 
eigentlich nur zu einem Leseclubb, wie unsere Societe literairc 
in Gent. 

Das Offizier-Corps vom 24. Infanterie-Regiment hatte mich 
gestern durch ihren Commandanten, den Oberst -Lieutenant Fle- 
ming , zu einem Diner einladen lassen. Als wir um 6 Uhr in der 



33 

Caserne ankamen, empfing uns das Offizier-Corps, das ebenfalls 
den Admiral und Capt. Pipon eingeladen hatte, und die halbe 
Grenadier- und halbe Flanqueur-Compagnie stand als Ehrenwache 
aufmarschirt. Nachdem diese eingerückt war, setzten wir uns zu 
Tisch, und ich hatte Gelegenheit, die vortreffliche Einrichtung 
einer solchen Mefs zu bewundern. Es wurden sehr viele Gesund- 
heiten ausgebracht. Als die des Herzogs von Wellington getrun- 
ken wurde, zog die ganze Musik, den Tambour -Major an der 
Spitze , Mann für Mann um die Tafel herum und spielte <len engli- 
schen Grenadier-Marsch. 

Am folgenden Tage fuhr der Admiral mit uns nach dem Park 
von Mount Edgecumbe , der eine ganz herrliche Lage hat, jedoch 
in Kriegszeiten , da diese Position zur Verteidigung des Dockyard 
unumgänglich noth wendig ist, in eine Festung verwandelt werden 
mufs. Man hat bei der Anlage und der Verschönerung des Parks 
das Terrain gut benutzt; er ist nicht mit Gebäuden überladen; die 
meisten sind Gewächshäuser und ein Badehaus, in welchem man 
den hiesigen Marmor sehr glücklich angebracht hat. Die Bäume, 
meistens Buchen, und unter diesen einige sehr alte, sehen kränk- 
lich aus , und scheinen von der Seeluft zu leiden. Auch finden sich 
drei grofseCedern vom Libanon, die in einem englischen Parke nicht 
wohl fehlen können. Das Schlofs Mount Edgecumbe ist alt und 
sieht wie ein Staatsgefängnifs aus; das Innere haben wir nicht ge- 
sehen. Dagegen sahen wir das Monument einer, im Jahre 1806 
verstorbenen, Lady Mount Edgecumbe, welcher der Park seine 
meisten Verschönerungen zu danken hat. Man erzählte von ihr: 
sie sei zweimal begraben worden ; das Erstemal habe sie drei Tage 
im Sarg in einem Gewölbe gelegen, und sei erwacht, als ein Dieb 
ihr einen Finger abschneiden wollte, um einen Ring zu stehlen ; siö 
habe sich dann aus dem Grabe nach einem benachbarten Hause 
verfügt , und sich zu erkennen gegeben ; hierauf sei sie nach ihrem 
Schlosse zurückgebracht Morden; und seitdem habe sie noch einige 
Kinder gehabt und noch mehrere Jahre gelebt. Relata refero. 
Am Ufer des Meeres , gegenüber der vorgestern erwähnten bridge, 
hat Lord Mount Edgecumbe eine Batterie von 21 eisernen Sechs- 
pfündern aufgeführt , die er bei feierlichen Gelegenheiten abfeuern 
läfst. 

Wir schifften uns bei dieser Batterie wieder ein, und fuhren 

nach dem, vor Stonehouse liegenden, Felsen, devils point genannt, 

der theilweise gesprengt worden ist, weil ein neues victualUng office 

angelegt werden soll. Man hatte schon den Anfang mit dem Werke 

/. C 



34 

gemacht: die Keller wurden ausgehauen und in der See ward der 
Grand TOT Mauer gelegt Dieses geschah vermittelst der Taucher- 
glocke. Die Glocke war bei unserer Anwesenheit schon gegen 4 
Stunden mit den Arbeitern unter dem Wasser. Das Gouvernement 
will hier auch ein neues Wasser-Reservoir anlegen, so dafs jenes 
von Uorisand wahrscheinlich unnöthig werden wird. Das Trink- 
wasser kommt von Darimoor nach Plymouth in Llöhren, über 18 
Meilen weit, so dafs es in Kriegszeiten leicht abgeschnitten werden 
kann. Wir schifften uns wieder ein, landeten am Mount Jf'ise und 
begleiteten den Admiral nach Hause. 

Einige Tage später fuhr ich zu Lande nach Schlofs Saltroun, 
das, (j englische Meilen entfernt, am Ende des Caticater liegt, 
und dem Lord Morlay gehört , der sich in London aufhielt. Der 
Weg führte durch ein lachendes, gut angebautes Thal: rechts das 
Caticater , links Ruinen von Schlössern auf den Anhöhen ; auch 
>iele Erdbeerbeete, terrassenförmig angelegt, deren Frucht hier 
von vorzüglicher Güte sein soll. Dicht vor dem Eingange des 
Parks fuhren wir über das Cahvater auf einer alten steinernen, sehr 
engen Brücke von 5 Bogen. Im Parke leitete ein sehr hübscher 
Weg in einem Thale nach dem auf der Höhe liegenden Schlofs. Es 
regnete unaufhörlich. Wir konnten daher vom Park Nichts sehen, 
und mufsten uns auf das Schlofs beschränken. Dieses Schlofs ist 
vor ungefähr 60 Jahren gebauet worden, und enthält im Erdge- 
schofs einige grofse Zimmer. Aus einer geräumigen Vestibüle tritt 
man in die Bibliothek, in welcher sich mehrere Prachtausgaben, 
Familien -Portraits und die Bildnisse einiger ehemals berühmten 
Actricen befinden. Das beste Bild ist das Portrait von Sir Joshua 
Reynolds, von ihm selbst gemalt. Vier Säulen von Stuck ahmen 
den vert antique sehr täuschend nach. Aus der Bibliothek geht 
man durch ein kleineres Gemach in den Bildersaal. In beiden Zim- 
mern sind mehrere Gemälde von Carlo dolee, Andrea del Sario, 
Teniers, Ostade , Wourermanns , Äuyp, ran der Meuten u. s. w. 
Indefs möchte ich nicht verbürgen, dafs alle diese Bilder Origi- 
nale seien. Auch in dem Gesellschafts-, in dem Ball- und in dem 
Speise-Saale sieht man viele Gemälde. Sie sind zum Theile von An- 
gelica Kaufmann; andere werden für Rubens , ran Dyk , Sasso- 
ferrato, Guido Reni , Titian, Ruisdael, Parmegianino u. s. w. 
ausgegeben. Von mehreren hatte ich aber die Originale theils in 
Antwerpen, theils in Gent, und sogar einen Parmegia?iino im 
Schlosse von Windsor gesehen. Unter den Statuen und Büsten fiel 
mir vorzüglich eine Copie der in Florenz stehenden Venus von 



35 

Canova auf, und eine Copie der Hebe von demselben Meister. Die 
Treppe im Schlofs ist schön und mit Gemälden von Angelica 
Kaufmann geschmückt. Die Ramine, alle aus italienischem Marmor 
mit Basreliefs geziert, sind ebenfalls sehr merkwürdig.« Dasselbe 
schlechte AVetter, das Mir auf der Hinfahrt gehabt hatten, beglei- 
tete uns auch auf dem Rückwege. Bei dieser Gelegenheit be- 
merkte ich, dafs man in Phpnouth in mehreren Strafsen das PHaster 
weggerissen und statt dessen Chausseen angelegt hat, was für 
Pferde und Häuser viel besser ist. 

Den 14. Mai fuhr ich in Gesellschaft von Sir James Saumarc» 
und Sir John Pkillimore, in der grofsen Schaluppe der Brifannia 
die Ilamoaze hinauf, zwischen den in ordinaru liegenden Schiffen 
hindurch, die einen aufseist majestätischen Anblick gewährten, und 
dann in den nördlichen Arm der Hamoaze, Tamer genannt. Da 
der Flufs hier viele "Windungen macht und die Ufer bergig sind, so 
glaubt man sich in einem Landsee und findet sich sehr angenehm 
überrascht, wenn man sich um eine Ecke wendet. Zum Theil sind 
die Ufer felsig, meist mit Holz bewachsen, zum Theil angebaut, 
zum Theil Triften. Das liebliche Grün des englischen Rasens er- 
freut ungemein das Auge. Bis nach dem Städtchen Saltash, 3 
Meilen von Devonport — und so weit führt die Hamoazc diesen 
Namen — liegen die Linienschiffe. An den Ufern der Tamer sind 
mehrere Kupferbergwerke, und links liegt, auf einem Felsen mit- 
ten in einem schönen Park, ein Schlofs, Pentilhe Castle genannt. 

Ungefähr 10 Meilen von Deronport beim Schlosse Coltkill, dem 
Lord Mount Edgearmbe gehörig, landeten wir und stiegen einen 
ziemlich steilen Weg in einem Walde nach dem Schlosse hinauf. 
Dasselbe soll über 800 Jahre alt sein; es sieht wie ein Gefiingnifs 
aus , und ist ganz im alten Stil erhalten worden. Man kommt durch 
einen viereckigen Hof in eine mit alten Rüstungen, Waffen und 
Geweihen verzierte Halle, und geht durch gewölbte Thüren, Gra- 
nit von Dartmoor, auf Granit - Treppen in die verschiedenen Zim- 
mer. Diese Zimmer mit Audenaerder Tapeten ausgeschlagen und 
mit alten schwarzen Meubles versehen, erregen ein ganz unheim- 
liches Gefühl. In einem derselben hat einst König Carl II. ge- 
wohnt. Jetzt wird das Schlofs sehr selten von seinen Besitzern 
besucht. Da wir die Ebbe benutzen mufsten , um nach Dcronporl 
zurückzukommen, so konnten wir uns nicht lange aufhalten, und 
segelten mit einem günstigen Wind in sehr kurzer Zeit nach Devon- 
port zurück. Das linke Ufer der Tamer und Ilamoaze gehören zu 
Dcvonshirc, das rechte hingegen zu Cornwall. Auf dem Letzten 

C 2 



36 

sahen wir in einer Bucht der Hamoaze die Ruinen des Schlosses 
Trematon, welches eine Residenz der alten Könige von Connrall 
gewesen ist. 

Am Sonntage, den 15. Mai, führte Sir James Sanmarcz mich 
in die Capelle des .Dockyard. Ich wohnte dem englischen Gottes 
dienste mit grofser Erbauung bei, obgleich ich \on der Predigt 
Fast kein Wort verstand. Die Capelle ist vor wenigen Jahren für 
die geistlichen Bedürfnisse der Offiziere, Beamteten und Arbeiter 
vom Dockyord gebauet und mit einem Caplan versehen worden. Ich 
bemerkte hier dieselbe Einrichtung, die in den englischen Kirchen 
Statt zu finden pflegt: der untere Platz ist in verschiedene > er- 
schlage eingetheilt, last wie bei den Londoner Restaurateurs. Der 
Tag verlief sehr still. 

Nachdem ich am folgenden Tage, begleitet von Sir John 
Phillimorc, das Modell eines Linienschiffes mit 4 Masten aus der 
Zeit Heinrichs VIII. besehen, und dann die unglückliche Fortitudo, 
welche jetzt in ein ganz neues Schill' umgewandelt wird, besucht 
hatte , schiffte ich mich an der Treppe des Dockyard , Rings stairs 
genannt, in der grofsen Schaluppe der Britannia ein, in welcher 
wir mehrere der ersten hiesigen Damen antrafen. Wir machten 
eine äufserst angenehme Wasserpartie, die Hamoaze hinauf bis 
Colthill, wo wir vorgestern gewesen waren. Hier landeten wir 
und bestiegen kleinere Schaluppen, um die Tamer weiter hinauf- 
zufahren. Die Ufer nähern sich immer mehr und werden immer 
höher und felsiger. Längs derselben Landhäuser mit hübschen 
Gärten und Kupferbergwerken, deren Kunstwerke durch Wasser 
getrieben werden. Die grofsen Räder und die Bäche, welche 
Wasserfälle bilden, gewähren einen eigenen Anblick, so wie die 
einzelnen weifsen Häuser mit ihren rauchenden Schornsteinen auf 
dem grünen Wald- und Rasengrunde. Zwischen ihnen blühende 
Weifsdornbäume. Von einem Bergwerke bis nach dem Flusse geht 
ein railroad, sowie auf dem Ehrenbreitstein. Vor den Bergwerken 
sind am Flusse gemauerte Quai's und hin und wieder kleine Häfen 
angelegt, und überall eiserne Krahne zum Ein- und Ausladen der 
Schiffe. An zwei Dörfern, Hareicood und Calstoke , fuhren wir 
vorüber und landeten, 28 Meilen von Devonport , bei einigen einzel- 
nen Häusern, Wearhead genannt, wo sich das Flüfschen JVear mit 
der Tamer vereinigt. Diese läuft hier über ein Bett von Felsen 
und bildet kleine Wasserfälle. Um die Schifffahrt zu befördern, 
hat man im Jahre 1796 einen, mit Schleusen versehenen, Canal ge- 
graben, der über 50 Meilen lang ist. Er nimmt bei Wearhead 



37 

seinen Anfang. Der Flufs hat hier ein Wehr, bei welchem ein 
Lachsfang angelegt ist. Die Gegend ist ganz von Felsen und 
waldigen Bergen umgeben; man glaubt sich in einem Kessel. Meh- 
rere aus der Gesellschaft holten ihre Zeichenbücher und skizzirten 
einige der schönsten Ansichten. In einem kleinen Hause, nicht 
weit von einem Kalkofen, deren wir mehrere gesehen hauen, nah- 
men wir ein frugales , aber sehr fröhliches Mittagsmahl ein. Nach 
demselben schifften wir uns wieder ein und kehrten zurück. Die 
Stille des Abends, die schöne Gegend, die reine und wanne Luft, 
und vorzüglich die angenehme Gesellschaft, die ich vielleicht nie 
wiedersehen werde, machten einen Eindruck auf mich, der sich 
m liw er beschreiben läfst. Der Wind war uns so günstic, dafs wir 
uns fast beständig nur der Segel bedienten. In einer andern 
Schaluppe befand sich die Musik der Briiannia, die uns mit lusti- 
gen Weisen erfreute, und mitunter sangen auch die Damen. Bei 
Coltltill vereinigten wir uns wieder, 17 Personen, in der grofsen 
Schaluppe, in welcher es sehr fröhlich zuging. Dm halb 9 Uhr 
Abends landeten wir am Moutit Wise. 

Bndlich erhielt ich einen Brief vom Capitain Rx/k, in welchem 
er mir meldete : am Ende dieser Woche w erde er von Portsmoulk 
absegeln und wahrscheinlich hieher kommen. Mir blieb Nichts 
übrig, als das Weitere abzuwarten, und inzwischen die Zeit so gut 
als mögTich anzuwenden. 

Ein grofses Vergnügen machte mir eine Fahrt — am 19. Mai — 
auf einer kleinen Schaluppe der Fortiiudo, nach dem Schlosse 
Tremaion, von welchem ich früher angemerkt habe , dafs einst die 
alten Fürsten von Comic-all in demselben residirt hätten. Sir John 
Phillimore hatte die Gefälligkeit gehabt, den Eigenthümer dieses 
Schlosses und Haupt-Entrepreneur der nahe liegenden Bergwerke, 
Herrn Tucher, dessen Sohn Offizier am Bord der Thetis ist, von 
unserer Ankunft zu benachrichtigen. Bei unserer Landung fanden 
«ir daher einen Wagen vor, den Herr Tucher uns enlgegenge 
schickt hatte , um uns auf das Schlofs abzuholen. Mir fiel eine 
Wassermühle auf, hinler welcher man ein grofses gemauertes Bas 
sin angebracht hat, das sich bei der Fluth mit Wasser füllt, und 
dann vermittelst einer Schleuse geschlossen wird. Bei der Ebbe- 
zeit öffnet man diese Schleuse, und die Mühle kommt in Bewe- 
gung. Ich ward an die bassms de chasse in mehreren unserer Hä- 
fen erinnert. 

Das Schlofs Trcjnatan liegt auf einer Anhöhe. Aufser den mit 
Schiefsscharten versehenen Mauern, die ein Viereck ausmachen, 



38 

stehen noch zwei Thürme, ein viereckiger, der den Eingang bildet, 
und ein runder, der etwas höher ist. Da Herr Tucker dieses 
Schlofs vom Könige zu Lehen hat, so sieht man über dem Eingange 
das königliche Wappen. Im Hofe des Schlosses hat Herr Tucker 
ein geschmackvolles Haus erbauet und einen Theil der Mauer nieder- 
gerissen, um diesem Haus eine schöne Aussicht' zu verschallen. 
Man erblickt einen grofsen Theil der Hamoaze mit ihren Schiffen, 
den Park von Anthony, Devonport und einen Theil des Sundes 
\on Plymouth. Herr Tucker hat mehrere wichtige Aemter in der 
Marine bekleidet und ist, während des Foxischen Ministeriums, 
Secretair der Admiralität gewesen. Mit einer jährlichen Pension 
> on 2000 Pfund Sterling und der Stelle eines Secretairs des Her- 
zogthums Cornwallis hat er sich nach dem Sturze dieses Ministe- 
riums hieher in sein Geburtsland zurückgezogen, ist hier sehr ge- 
achtet, geniefst eines grofsen Einflusses und hat sein Vermögen 
gröfstesTheiles in den hiesigen Bergwerken. Nachdem er uns recht 
freundlich empfangen und seiner Familie vorgestellt hatte, setzte 
er sich mit uns in den Wagen. 

Wir fuhren 8 Meilen weiter nach einem Silber-Bergwerke, dem 
einzigen in ganz England. Es gehört einer Gesellschaft von fünf 
Actionnärs, und Herr Tucker ist unter ihnen der Vorzüglichste. 
Die Gegend war sehr hügelig, die Wege zuweilen eng und steil, 
so dafs die Räder öfters gehemmt werden mufsten. Ein Theil des 
Weges führte über die sehr gut unterhaltene Chaussee von SaUasft 
nach Call ington; wir kamen auch bei dem bereits erwähnten Pentilhe 
Castle vorbei. Das Land war meistens gut angebaut, mit Aus- 
nahme einer Heide, deren es unter dem Namen „ Gemeindeplätze" 
nur noch zu viele für das bevölkerte England giebt. Das Silber- 
bergwerk befindet sich in einem tiefen Thal in der Gemeinde Fulli- 
ford ; die Grube heifst St. Vincent, zu Ehren des verstorbenen 
Admirals dieses Namens, der ein grofser Gönner des Herrn Tucker 
war. Sie ist erst seit 5 Jahren im Gang , und so wenig ergiebig, 
dafs sie den Actionnärs monatlich einen Schaden von 200 Pfund 
Sterling zufügt. Die Silberader, deren Dasein man durch gewisse 
Eisensteine errieth, durchschneidet eine Kupferader in einem rech- 
ten Winkel. Man war so eben beschäftigt, diese Kupferader zu 
durchbrechen, und hoffte, dann mehr zu gewinnen. Die Grube hat 
5 Schachte. Der tiefste soll etwas über 300 Fufs tief sein; er 
dient zum Fahrschacht; zwei andere dienen zum Auspumpen des 
Wassers. Täglich sind nur gegen 40 Personen beschäftigt. Die 
Pumpen des einen Schachtes werden durch eine Dampfmaschine, 



39 

die eine Kraft von 75 Pferden hat, in Bewegung gesetzt, die des 
andern durch ein Kunstgestänge , welches gegen \ Meile lang ist, 
durch ein, 40 Fufs im Durchmesser haltendes Wasserrad und eine 
eiserne Kurbel. Das Wasser zum Rade, welches oberschlachtig 
ist, kommt aus einem kleinen Bach und wird verstärkt durch das 
Wasser aus der Dampfmaschine, das in einem kleinen Canale her- 
beigeleitet wird. Das Gestänge ist von langen hölzernen Balken 
durch eiserne Platten mit einander verbunden, und hängt in Drei- 
füfsen — chevres — , die in gewissen Distanzen angebracht sind. 
Es hat nur eine Biegung, bei welcher die Bewegung auf die Weise 
fortgesetzt wird, wie die beigefügte Figur angiebt. 




Das aus der Grube kommende Erz wird auf die gewöhnliche 
Weise gestoßen, gewaschen und gebrannt. Um das Silber aus 
dem Erze zu scheiden, bedient man sich auf eine Unze Erzstaub 
folgender Mischung: 

red lead (Zinnober) . . 2 oz. 

red tariar .... 5 dwts. 

Nitre (Salpeter) . . , 9 — 

Borax . . . . 4 

Linie (Kalk) . . . - oz. 

Salt (Kochsalz) . . , 2 — 

Fluorspar (Flufsspath, gestofsen) ! — 

Dieses Alles schüttet man in einen eisernen glühenden Schmelz- 
tiegel, und setzt denselben in glühende Kohlen — eigentlich coke — 
3 Minuten lang. Hierauf nimmt man den Tiegel heraus, giefst die 
geschmolzene Masse in einen Löffel, läfst sie kalt werden, und 
schlägt die Schlacken hinweg. So bleibt das Silber allein zurück. 
Da jedoch in dem Erz etwas Kupfer gewesen war, so schmolz 
man das Silber noch einmal mit etwas gemeinem Blei , und gofs es 
in ein kleines Gefäfs von Knochenasche. Das Blei verpuffte und 
das Silber blieb ganz rein übrig. Es wog jedoch nur \ Unze. 

In dem Bergwerke soll es äufserst feucht sein. Ich fühlte mich 



40 • 

seit einigen Tag£n nicht ganz wohl; auch hatte keiner aus der Ge- 
sellschaft Lust, das Werk zu sehen. Also stiegen wir nicht hinein, 
sondern kehrten nach dem Schlosse Tremaion zurück. Um die 
herrliche Gegend, durch welche wir fuhren, desto freier zu über- 
schauen, setzte ich mich auf den Bock, und hatte eine grofse 
Freude : denn zur Linken blickte ich in ein tiefes Thal auf die 
Tarnet , später auf die Hamoaze, und zur Rechten weit in Corn- 
icallis hinein. Man behauptet sogar , Falmoutli bemerken zu kön- 
nen. Herr Tucker hat in seinem geschmackvoll eingerichteten 
Hause eine sehr interessante Sammlung von Metallen und anderen 
Mineralien aus der hiesigen Gegend; er besitzt eine ausgesuchte 
Bibliothek, und seine Frau eine merkwürdige Conchiüen- Samm- 
lung. In dem obenerwähnten viereckigen Thurme hat er einen 
Saal zum Billard einrichten lassen, und an den Wänden allerlei 
Curiositäten angebracht: alte Waffen und andere Dinge von den 
Südseeinseln; den tatowirten und getrockneten Kopf eines Chefs 
der Neu-Seeländer mit seinen Kleidungen ; Stücke von Schiffsholz, 
in den indischen Meeren von Würmern zernagt; einen solchen Wurm 
in Spiritus; indische Waffen; einen amerikanischen Tomaltmrk; 
einen antediluvianischen Menschenschädel , 30 Fufs tief unter der 
Erde in Cornwallis gefunden; die marmorne Kugel, welche aus 
den Dardanellen im Jahre 1807 auf ein englisches Schiff geschossen 
wurde ; Gegenstände vom Schlachtfelde bei Waterloo und ein Blatt 
der Trauerweide von Napoleons Grab! Ueber der Uhr, die in 
diesem Thurm angebracht ist, befindet sich die Glocke von dem 
spanischen Linienschiffe Salvador del Mundo, welches vom Lord 
St. Vincent genommen und verbrannt worden ist. Der runde 
Thurm, von dem die äufsere Mauer nur noch steht, diente früher 
zu Gefängnissen. Die Mauer dieses Thurmes, so wie die Mauer 
des ganzen Schlosses, ist mit Epheu bewachsen. Inwendig führt 
eine hölzerne Treppe auf eine ringsherumgehende Gallerie, die 
«ine sehr schöne Aussicht gewährt. Ein enger, durch die Mauer 
gebrochener Gang führt in den Garten , der mehrere Treibhäuser 
und eine sehr hübsche Orangerie enthält. Von hier aus begleitete 
uns Herr Tucker auf einem schattigen Fufswege nach unserm 
Schiffchen zurück. Wir nahmen von dem freundlichen und gefäl- 
ligen Manne herzlichen Abschied, und kamen in sehr kurzer Zeit 
nach Devonport zurück. Uebrigens war mir bei dem Schlosse 
Trematon, Avie bei andern Schlössern in England, und selbst auf 
öffentlichen Spaziergängen, die ungeheuere Menge von Raben 
aufgefallen, die hier nisten, und, von ihrer Unreinlichkeit hinweg 






41 

gesehen, einen unausstehlichen Lärm machen. Ich hörte, dafs 
man die Raben sehr liebe, sie hege und sogar ihre Bier in Tauben- 
nestern ausbrüten lasse, weil man sagt, dafs sie eine Menge Wür- 
mer und schädliche Insecten hinwegfressen. 

Unter allen diesen freundlichen, angenehmen und lehrreichen 
Gesellschaften, Unterhaltungen und Excursionen indefs wurde 
meine Ungeduld grofs; sie wurde gröfser von Tage zu Tage, von 
Stunde zu Stunde. Meine Zeit war kostbar, und ein grofser Theil 
derselben ging doch hier verloren. Ich harrte mit wachsender 
Unruhe der Pallas entgegen ; und die Pallas erschien nicht. Mehr 
als einmal kam ich auf den Gedanken, Alles, was ich am Borde der 
Pallas hatte, zurückzulassen, und mit einem gewöhnlichen Paket- 
boote nach den vereinten Staaten abzureisen. Allerlei Rücksich- 
ten indefs bewogen mich, die Ausführung von einem Tage zum 
andern aufzuschieben. Endlich — am 30. Mai — kam die Pallas an 
auf der Rhede von Plymouth. Sie war aus Gründen, die nicht hier- 
her gehören, länger, als es Anfangs die Absicht gewesen, in Ports- 
mouth geblieben. Nun sind aber auch die Waaren - Etablissements 
in Plymouth zu merkwürdig , als dafs sie nicht von unseren Offizie- 
ren genau hätten in Augenschein genommen werden müssen. Defs- 
wegen blieb die Corvette hier noch mehrere Tage liegen. Dieser 
Aufenthalt kam ihr gut zu Statten ; denn , vom Breakwater ge- 
schützt, hielt sie in der Bai einen heftigen Sturm aus Südwe- 
sten ab. 

Während dieser Zeit machte ich mit Sir John Phillhnore nach 
dem Landgut eines ehemaligen englischen Obersten, Genyfs, einen 
Ausflug, der mir viel Vergnügen machte. Der Oberst Genyfs lebt 
in einem schönen Park einer reizenden Gegend , 5 Meilen von Ply- 
mouih, nicht weit vom linken Ufer der Tamer, mit fünf liebens- 
würdigen und schönen Töchtern. Sein Haus ist geschmackvoll 
eingerichtet und mit seinen eigenen Gemälden geziert. Er hat ein 
besonderes Talent fiir's Landschaftmalen, sowohl in Oel-, als in 
Wasserfarben. Dadurch vergegenwärtigt er sich die schönsten 
Gegenden, die er auf seinen vielfältigen Reisen besucht hat. Neun 
Jahre hat er in Nord-Amerika zugebracht. Er zeigte uns die An- 
sichten von den Naturwundern, die ich bald selbst zu bewundern 
hoffte. Besondere Freude machte mir die Ansicht vom Niagara 
und vom Montmorcnci- Wasserfalle. 

Sir John führte mich auch zu einem Chirurgen, Harris, der 
einen neuen Schiffsblitzableiter erfunden hat. Zu den Versuchen 
hat Herr Harris das Modell einer Fregatte bauen lassen, die in 



42 

einem Kübel mit Wasser schwimmt. Auf jedem Mäste befindet sich 
ein Blitzableiter; \on demselben herab laufen längs des Mastes dicht 
miteinander verbundene kupferne Stäbe bis in den Kiel desSchiffes 
und durch diesen hindurch in das Wasser. Der Blitz fährt, wie 
Herr Harris behauptet, an diesen Stäben herunter, ohne irgend 
Etwas , das sich etwa in der Nähe befindet , zu berühren. Um 
dieses zu beweisen , hat er den Mast mit einem Papier umw ickelt, 
welches mit feinem Schiefspulver angefüllt ist, und an welchem der 
Blitz vorbeistreift, ohne das Pulver zu entzünden. Um ferner zu 
beweisen, dafs der Blitz durch das Wasser gehen könne und den- 
noch zünde, verbindet Herr Harris durch einen Kupferdraht den 
Blitzableiter im Kiel unter dem Wasser hinweg mit dem Zündloch 
einer kleinen Kanone, welche auf einem Flosse schwimmt. In 
dem Augenblicke, da der Blitz in den Abieiter schlägt, geht die 
Kanone los. Der Blitz fährt aus einer Schale heraus, die mit 
Baumwolle angefüllt ist, an einem seidenen Faden hängt, und mit 
einer Elektrisirmaschine in Verbindung steht, welche die Gewitter- 
wolke vorstellt. Die Versuche machten uns grofses Vergnügen. 
Herr Harris hat auch ein sehr hübsches physikalisches Cabinet. 
In demselben befindet sich eine starke Elektrisirmaschine, mit einem 
Plateau von 3 Fufs im Durchmesser. Er stellte sehr artige Ver- 
suche an. Unter Andern liefs er in einem Elektrometer, der aus 
einem Thermometer besteht, das Oel durch elektrische Schläge 
steigen. Auf seinem Hause hat er eine kupferne Spitze angebracht, 
welche, vermittelst Stäbe aus demselben Metalle, mit einem elektri- 
schen Glockenspiele communicirt, das zu spielen anfängt, so wie 
eine Gewitterwolke über das Haus hinwegzieht. Dieses war eben 
der Fall, als wir uns bei Herrn Harris befanden. Noch sahen wir 
bei demselben einen Regenmesser , um die Menge des gefallenen 
Regens zu erforschen. Ueber seine Schiflsblitzableiter hat Herr 
Harris eine kleine Schrift herausgegeben, von welcher er mir ein 
Exemplar mittheilte. Wir verliefsen ihn sehr dankbar für seine Ge- 
fälligkeit. 

Auch sah ich in dieser Zwischenzeit einen Ostindien fahrcr vom 
Stapel laufen. Der Name dieses Schilfes war Ute Ciiy of Roche- 
sler. In London gebauet, war es im vorigen Herbst, auf seiner er- 
sten Reise nach Bengalen begriffen , von einem heftigen Orcan im 
Monate November auf der Höhe von Plymouth überfallen und mit 
solcher Gewalt ans Ufer geschleudert worden, dafs es fast in 
Stücken gebrochen war, und ganz neu gebauet werden mufste. 
Ehe dasselbe vom Stapel lief, besah ich es, und freuete mich über 



43 

die Einrichtung. Es ist zum Transport von Reisenden bestimmt. 
Auf dem Hinterdecke hat es einen \ ersammlungssaal und zwei 
Wohnzimmer, so wie das Capitainsquartier auf einem Linienschiff, 
und unten sind die Zimmer ebenfalls so vertheilt, wie die Lieute- 
nantsquartiere auf einem Linienschiffe, nur mit dem Unterschiede, 
dafs auf diesem Transportschilfe die Zimmer gröfser und bequemer 
sind, als auf einem Kriegsschiff. Auch ist in jedem Zimmer eine 
Toilette vorhanden, mit einem Waterclosct, und das ist gewifs 
etwas sehr Gutes und Comfortables. Ich hatte noch nie ein Schiff 
vom Stapel laufen sehen; defshalb interessirte mich dieses Schau- 
spiel ungemein. Das Schiff ruht auf einer Art von Schlitten, und 
wird durch zwei Keile gehalten. Auf ein gegebenes Zeichen 
schlägt man diese Keile hinweg, und durch seine eigene Schwere 
getrieben, läuft das Schiff langsam und majestätisch unter dem 
Zujauchzen einer grofsen Volksmenge in das Wasser. 

Der berühmte General Mina, ein Opfer der Unruhen, die in 
dem unglücklichen Spanien herrschen, hatte in England eine gast 
freie Aufnahme gefunden. Leider bekam ihm das feuchte Clima 
dieser Insel nicht, und er litt an rhevmatischen Schmerzen. Plif- 
moutli steht in dem Rufe, sich eines sehr gesunden Climas zu er- 
freuen , und zugleich wird die grofse ärztliche Geschicklichkeit des 
Dr. Bammelt , der bei dem hiesigen Marine-Hospital angestellt 
ist, ungemein gepriesen. Aus diesen beiden Ursachen hatte der 
General Mina diese Stadt zu seiner Wohnung gewählt. Ich culti- 
virle seine Bekanntschaft , und war Zeuge einer sehr interessanten 
Festlichkeit, die ihm zu Ehren veranstaltet wurde. Das spanische 
Comitc in London nämlich hatte ihm einen Ehrensäbel votirt, und 
ein Mitglied dieser Gesellschaft, Herr Bowring, derselbe, der im 
Jahre 1824 in Frankreich wegen einer angeblich staatsverrätheri- 
schen Correspondenz arretirl und kurz darauf wieder losgelassen 
worden, war beauftragt, bei seiner Reise nach Plymouth dem Ge- 
neral auf eine feierliche Weise diesen Säbel zu überreichen. Es 
war am 2. Juni, als eine zahlreiche und ausgewählte Gesellschaft 
sich im grofsen Saale des Royal Itotel in Phpnontli versammelte, 
um dieser Festlichkeit beizuwohnen. Als der General in die Ver- 
sammlung eingetreten war, hielt Hr. Bowring eine Anrede an das 
Publicum, in welcher er den Zweck des heutigen Festes mit- 
theilte, und zugleich die Verdienste des braven Generals pries. 
Hierauf wandte er sich in spanischer Sprache an diesen, theilte ihm 
den Beschlufs des Comitc mit und las zuletzt das Diplom vor, 
das dem Säbel beigefügt war: man hatte dasselbe in englischei 



44 

und spanischer Sprache mit grofsem kalligraphischen Luxus ausge- 
fertigt. Das Diplom und der Säbel wurden alsdann dem General 
überreicht. Der Säbel hat einen goldenen Griff mit des Generals 
Wappen, und eine schwere vergoldete Scheide, auf welcher matte, 
getriebene Arbeiten sehr schön angebracht sind: Embleme auf die 
Dienste, die der General geleistet hat. Muta las hierauf in spani- 
scher Sprache eine Antwort, und übergab dieselbe Herrn Bowring. 
Einer aus der Gesellschaft hatte sie schnell ins Englische übersetzt, 
und las sie in dieser Sprache dem Publicum vor. Dieses zollte 
durch langes Applaudiren dem braven Generale den Tribut der Be- 
wunderung. Herr Bowring lud mich zu einem freundschaftlichen 
Mahl ein , das man dem General zu Ehren geben wollte. Leider 
mufste ich die Einladung ablehnen, weil ich schon eine andere an- 
genommen hatte. 

Unsere Abreise nach Falmouth war auf den Sonntag, den 
5. Juni, angesetzt. Defswegen fing ich an, Abschied zu nehmen. 
Aber am Morgen des bestimmten Tages sah ich umsonst nach der 
Schaluppe aus , die mich an Bord der Pallas bringen sollte. Statt 
ihrer langte endlich ein Brief von Capt. Ryk an : der heftige Wind 
mache ihm unmöglich, heute nach Falmouth in See zu gehen; 
morgen werde er mich abholen. In der That erschien er am an- 
dern Morgen, und wir schifften uns, nachdem noch allerlei Ge- 
schäfte besorgt Maren, am Mount Wise auf mehreren Schaluppen 
ein. Ich selbst fuhr mit meiner Begleitung auf einer Schaluppe, 
von der Britannia, die vom Capt. Pipon zu meiner Disposition 
gestellt war. Bei einem heftigen Wind erreichten wir in kurzer 
Zeit die Pallas. Auf derselben trafen wir eine Menge Weiber an, 
die den Matrosen in der letzten Nacht Gesellschaft geleistet hatten. 
Diese Besuche sind auf Kriegsfahrzeugen ein nothwendiges Uebel, 
da man die Matrosen, unter welchen sich nicht selten sehr unsichere 
Leute befinden, nicht ans Land gehen lassen kann, und doch an- 
dere Laster verhindern will, die sonst unfehlbar um sich greifen 
würden. Schiffer aus dem Hafen bringen daher auf eignes Risico 
dergleichen Weiber an Bord, die allerdings nur für Matrosen nicht 
abschreckend sind. Der Wind war unserer Reise gerade entgegen, 
und dabei sehr heftig. Glücklicherweise wurden wir einigermafsen 
vom breakwater geschützt, sonst würden wir, wie in der offnen 
See, herumgescnleudert worden sein. Unter diesen Umständen 
wurde beschlossen , vor Anker liegen zu bleiben, um einen besseren 
Wind abzuwarten. Und wir warteten auch noch den folgenden ganzen 
Tag — 7. Juni — , an welchem es überdiefs fast beständig regnete. 






45 

Erst gegen Abend wurde das Wetter besser, und gab uns Hoffnung, 
am nächsten Morgen In See gehen zu können. Nun war zwar auch 
an diesem Morgen der Wind nicht sehr günstig; aber er war auch 
nicht so stark, dafs wir ihn zu fürchten brauchten. Also wurde 
nach 9 Uhr früh der Anker gelichtet, und wir gingen unter Segel, 
nach Falmonth hin, so Gott will, der letzten europäischen Stadl, 
die wir auf unserer Reise berühren werden. 

Wir fuhren nach der Caivsandbay und um das westliche Ende 
vom brcakwater herum, und so in die See; fanden aber leider, 
dafs der Wind uns ganz entgegen war. Das Dampfboot St. David, 
dasselbe, mit welchem ich vor zwei Jahren von Bristol nach Wallis 
gefahren war, und welches jetzt von Plymoulh nach Falmonth geht, 
fuhr, mit Passagieren beladen, an uns vorüber, als wir aus dem 
Sund heraus kamen. Es mufste schneller die 33 englischen Meilen 
zurücklegen, als wir. Dennoch beneidete ich die Passagiere auf 
dein Dampfschiffe nicht, da es viele Bewegung zu haben schien. 
Wir mufsten de« ganzen Tag über laviren. Dabei entzogen uns 
plötzlich eintretende dicke Nebel oftmals den Anblick der Küste; 
bei stärkerem Winde hätten sie uns gewifs in eine mifsliche Lage 
versetzt, da längs der hohen Küste viele Felsen unter dem Wasser 
liegen. Wir hatten indefs auch einen erfahrenen Lootsen von Ply- 
month am Bord, der unser Schiff steuerte. Ich hatte gehofft, den 
Leuchtthurm von Eddystone zu sehen; allein ich bekam ihn, wegen 
des Nebels, nicht zu Gesicht. In der Nacht sahen wir jedoch sein 
Feuer brennen. Wir hatten viele Mühe, das Cap Deadmanspoinl 
— ein ominöser Name — zu doubliren, und mufsten defshalb weit 
in die See hinaus laviren. Auch die ganze Nacht mufsten wir die 
See halten, da wir Falmonth nicht zu erreichen vermochten. Gegen 
Abend blies der Wind ziemlich stark aus Südwesten. Dennoch ging 
die See nicht sehr hoch, und ich fühlte Nichts von der heillosen 
Seekrankheit. 

Den 9. Juni liefen wir früh 6 Uhr in die Bai von Falmonth 
ein. Diese ziemlich lange Stadt, am Fufse eines Hügels mit 7000 
Einwohnern, lag uns zur Linken. Sie nimmt sich keinesweges 
glänzend aus, da sie, wie Devonport , von grauen Kalksteinen ge- 
bauet ist und Schieferdächer hat. Von der See aus kann man sie 
nicht sehen , weil sie durch einen Hügel, auf welchem die Citadelle 
steht, verdeckt wird. Rechts in der Bai liegt ein altes Schlofs, 
St. Mauern genannt, mit ungefähr 5 Häusern, von armen Fischern 
bewohnt. Dieses Schlofs ist eins der so oft besprochenen rotten 



, 4(> 

bormighs; frühcrhin war es eine Stadt, und schickt noch immer 
2 Mitglieder ins Parlament. 

Die Hügel sind meistens als Felder angebaut; auch werden 
mehrere als Triften benutzt. Bäume sind auffallend selten. Auch 
lagen im Hafen wenige Schiffe. Wir liefsen die Anker nicht Meit 
vom Wachtschiffe, der Fregatte Astraea, von 36 Kanonen, fallen, 
und grüfsten sie mit 11 Schüssen, die sogleich mit einer gleichen 
Anzahl beantwortet wurden. Als wir bei unserer Ankunft auf der 
Rhede von Spiihead salutirt hatten , war durch die Erschütterung 
das Oel aus dem Sympisometer herausgelaufen, und Capt. Ryk war 
genöthigt 'gewesen, einen neuen aus London kommen zu lassen. 
Um eine ähnliche Catastrophe zu vermeiden, mufste heute während 
des Salutirens der Sympisomeier und jeder der Chronometer in der 
Hand gehalten werden. Die Fregatte Astraea, vom Capitain King 
commandirt, dient als Depot für die Paketböte, die von hier nach 
allen, südlich und westlich von England gelegenen, Theilen der 
Welt gehen , und sämmtlich unter Capitain Kings Commando ste- 
hen. Früher gehörten diese Paketböte Privatpersonen; der Posten- 
lauf nach fernen Welttheilen war nicht allein sehr unordentlich, 
sondern diese Administration der Paketböte öffnete auch dem 
Schleichhandel Thor und Thür. Defshalb hat sich das Gouverne- 
ment mit den frühern Unternehmern der Paketböte abgefunden, 
und administrirt sie jetzt für eigene Rechnung. Sobald ein Paket- 
boot aufser Dienst kommt, wird es durch eine Kriegs-Corvette 
oder durch eine Brigg ersetzt, die von einem Lieutenant der navy 
commandirt wird. In diesem Augenblicke waren 34 Paketböte im 
Dienste. Von ihnen wurden 15 Kriegsfahrzeuge von Offizieren 
commandirt; die andern Maren noch die alten Fahrzeuge mit ihren 
frühern Capitains. Einige Stunden nach unserer Ankunft erhielten 
wir einen Besuch vom niederländischen Consul, Herrn Lake, der 
mir mehrere Briefe brachte. Später besuchte uns auch Capt. King, 
an dem wir einen sehr unterhaltenden alten Mann kennen lernten. 
Nach 11 Uhr fuhr ich mit Capt. Ryk ans Land, und fand an der 
Landungstreppe, an welcher wir ausstiegen, eine Menge Volks 
versammelt, welches uns landen zu sehen wünschte. Wir nahmen 
unser Quartier im royal hotel , einem grofsen und geschmackvoll 
eingerichteten Hause, jedoch in einer häfslichen Strafse gelegen. 
Besonders unangenehm war es , dafs dem Hotel gegenüber Fisch- 
markt gehalten ward, auf dem wir übrigens sehr grofse und schöne 
Fische, und zumal kolossale Krabben erblickten, die hier äufserst 
wohlfeil sind. Wir verfügten uns nach dem Zollhause, wo ich wegen 



47 

des Ausschiflens meiner Effecten die nöthigen Vorkehrungen traf; 
alsdann besuchten wir Herrn Lake und den Capt. Ring- Der Letzte 
bewohnt außerhalb der Stadt am Ufer der Bai ein Haus, das »war 
alt und klein ist, aber sehr hübsch in einem Garten liegt, und eine 
herrliche Aussicht auf die Bai hat. Auch ist das Haus geschichtlich 
merkwürdig: Oliver Cromicell hat es bewohnt! 

Unser Aufenthalt in Falmouih dauerte 9 Tage ; für einen Rei- 
senden, der sich nach Amerika sehnet, eine sehr lange Zeit. Sie 
verging, diese Zeit, zum Thcil auf eine gleichförmige AVeise, mit 
Lesen, Schreiben und solchen Dingen, die das Leben immer zu 
begleiten pflegen. Defswegen will ich auch hier nur Einzelnes 
anmerken, das einiges Interesse zu haben scheint. 

Der Markt ist ein grofscr, länglicher, mit bedeckten Gängen 
umgebener Platz, der den Berg hinaufläuft. Häuser müssen noch 
gebauet werden. Aufserhalb der Stadt stehen neue, recht nette 
Häuser, zumTheile mit geschmackvollen Gärten umgeben, die sich 
einer sehr gesunden Lage erfreuen sollen. 

Auf der andern Seite des Hafens liegt sehr hübsch ein kleiner 
Ort, Fhtsking genannt. Dieser Ort hat, wie man sagt, seinen 
Namen von Miefsinger Corsaren bekommen, die hier vor ungefähr 
200 Jahren ein Depot angelegt hatten, und deren Nachkommen die 
Einwohner sind. 

Die Citadelle, Peiidcmiis Castle genannt, liegt, wie schon 
bemerkt ward, auf einer Höhe am Eingange der Bai und verthei- 
digt dieselbe. Sie nimmt die ganze Höhe ein, und ist von keiner 
Seite dominirt. Der Grund besteht aus Schieferfelsen, und mehrere 
Werke sind ausgehauen. Sie hat 6 Bastionen, und, nach der See*- 
seite zu, zwei gesenkte Batterieen, in deren jeder einige und 20 Stück 
placirt werden können. In der obersten steht ein Ofen zum Glühen 
der Kugeln, und die untere, die dicht am Ufer liegt, lehnt sich 
mit ihrem linken Flügel an einen alten Thurm aus den Zeiten 
I leinrichs VIII. Die Festung ist zu Cromwells Zeiten erbauet wor- 
den. In der südlichen Spitze steht ein alter Thurm, mit einem 
Graben umgeben, von Granit unter Heinrich VIII. aufgeführt. 
Dieser Thurm, die ursprüngliche Festung, dient jetzt zur Woh- 
nung des Commandanten. Er ist mit den französischen tours mo- 
deles zu vergleichen. Von seiner Zinne hat man eine ziemlich 
weite Aussicht. Der Tag, an welchem ich die Festung mit einigen 
Offizieren von der Pallas besuchte, war äufsert schön. Und doch 
lag Nebel auf den Bergen, der sich in die A ertiefung zwischen der 
Festung und der Stadt Falmouih legte, und sich später noch tiefer 



48 

senkte, so dafs wir die felsige Küste des Meeres lange nicht sehen 
konnten. Diese Nebel sollen, selbst bei den schönsten Sommer- 
tagen, sehr häufig sein. Die Festung, welche eine Garnison von 
2000 Mann fassen kann, war nur durch ein Detaschement Veteranen 
besetzt. Es befindet sich in derselben ein Arsenal , in welchem wir 
gegen 4000 Infanterie- und Marine-Gewehre, nebst einer hinläng- 
lichen Anzahl von Säbeln u. s. w. sahen, alle recht artig aufgestellt. 
Auch bemerkte ich in dieser Festung, was ich schon in andern 
englischen Festungen bemerkt hatte, dafs man im tiefsten Frieden 
die meisten Kanonen auf ihren Lafetten auf den AVällen stehen läfst, 
und dafs die Festungen palissadirt sind. Freilich ! mehrere Per- 
sonen machen bei den Unterhaltungskosten der Lafetten und der 
Palissaden gute Geschäfte, und die Palissaden dienen auch als 
Umzäunungen! Bei unserer Rückkehr gingen wir an einer un- 
glücklichen Antwerpener Brigg vorbei, die hier im Monate Januar in 
einem sehr betrübten Zustand eingelaufen, und jetzt so verfault 
war, dafs sie abgebrochen werden mufste. Sie war vom Hause 
Desmet Bossaert in Gent gemiethet worden. 

Etwa 14 Meilen von Falmouth befinden sich die Bergwerke 
von Dalcoatlt. Die Actionaire dieser Bergwerke, zu welchen Herr 
Lake, der niederländische Consul, gehört, hielten den 13. Juni 
eine Versammlung zum Abschlufs ihrer Rechnungen. Ich fuhr 
dahin mit Herrn Lake, Capt. Ryk und einigen Offizieren von der 
Pallas. Da ich aber mehrere Bergwerke in meinem Leben befah- 
ren, und dabei die Erfahrung gemacht hatte, dafs man bei einer 
solchen Einfahrt in ein Bergwerk eigentlich Nichts sieht, als 
schmale und niedrige Gänge, dafs man auch viel von Nässe und 
Schmutz auszustehen hat, das Heraufsteigen auf den Leitern nicht 
einmal gerechnet: so fand ich es, die Reise nach Amerika vor 
Augen, durchaus nicht nöthig, hier eine solche unterirdische Partie 
zu unternehmen. Dagegen wünschte ich die Hüttenwerke zu sehen. 
Allein es giebt keine. Die Provinz Cornwallis hat durchaus keine 
Kohlen. Das Erz wird daher in Haufen , die Tonne zu etwa 7\ Pf. 
Sterling, verkauft und zu Schiffe nach Wallis gebracht, wo sich 
bekanntlich sehr viele Steinkohlen finden. Dort wird es ausge- 
brannt. Die Bergwerke von Dalcoatlt nehmen übrigens eine grofse 
Strecke Landes ein und haben 7 Schachte, von welchen der tiefste 
340 Faden ist. Die Pumpen werden durch Dampfmaschinen in 
Bewegung gesetzt: eine derselben hat einen Cy linder von 76 Zoll 
im Durchmesser. Ja, wir hörten von einer in der Nähe befindlichen 
Dampfmaschine sprechen , deren Cvlinder einen Durchmesser von 



— _ 49 

100 Zoll habe. In den Bergwerken von Dalcoath arbeiten täglich 
gegen 800 Menschen, die nach Maafsgabe der Ergiebigkeit ihrer 
Arbeit bezahlt werden. Das Gebirg besteht aus Granit und Schist. 
Das Metall ist Kupfer und Zinn. Die Adern dieser Metalle laufen 
dicht neben einander, durchkreuzen sich oft, und sind so reich, 
dafs meistens der dritte Theil vom Gewichte des Steines gutes Metall 
ist. Das Gestein wird zerschlagen und gewaschen , und das Kupfer 
vom Zinn geschieden. Alsdann schüttet man das Erz zu Haufen, 
um es zu verkaufen. Das Kleinklopfen des Gesteins wird durch 
Weiber besorgt, von denen einige sehr hübsch waren. Auch be- 
merkte ich, dafs das Gestein nicht in hölzernen Kübeln aus dem 
Sehacht her.au fgezogen wird, wie in andern Ländern , sondern in 
eisernen. Die Gesellschaft, welcher die Bergwerke von Dalcoafk 
gehören, soll viel Geld gewinnen; zuweilen jedoch findet auch ein 
Deficit Statt. Dieses war beim heutigen Rechnungsabschlüsse der 
Fall, und defswegen waren die Herren, einige und 20 an der Zahl, 
die einen permanenten Director, Herrn Rennel, an der Spitze haben, 
nicht eben gutes Humors. Bei dem Diner, mit welchem natürlich 
die Handlung beschlossen ward, kam eine Menge von Localverhält- 
nissen zur Sprache, die uns nicht besonders intercssirten. Man 
brachte viele Gesundheiten aus, die sich alle auf Localitäten bezo- 
gen. Zuletzt fiel es den Herren ein, die Gesundheit des Königs 
der Niederlande zu trinken, welches ich durch die Gesundheit der 
Königlich Englischen Familie erwiderte. Das Diner bestand nach 
englischer Art aus sehr consistenten Stücken : roastbeef, plumpud- 
ding u. s. w. 

Unser Weg ging durch das, zwei englische Meilen von Fol- 
moiilli gelegene, Städtchen Penrtpi, das ungefähr 3000 Einwohner 
zählt, und ziemlich schlecht gebaut ist. Es hat einen Hafen, und 
liegt an dein einen Ende der Bai von Falmouth. Vorzüglich kom- 
men Kohlenschiffe aus Wallis und Schiffe mit K.Din geladen aus 
Irland hierher. Cornwallis ist zu bergig, um das nölhige Getraide 
zu bauen, und die Bergwerke nehmen so vielen Platz weg, und 
'entziehen dem Ackerbau so viele Arme, dafs man das meiste Ge- 
traide einführen raufe. Der Weg. sehr bergig, aber in gutem 
Zustande, führte durch Triften, mit lebendigen Hecken eingezäunt, 
ungefähr wie im Lütticher Lande. Bäume sieht man wenig, und 
die meisten \on geringer Höhe; man scheint neue Anpflanzungen 
zu machen, unter welchen ich einige Lerchenbäume bemerkte. Die 
Häuser sind alle von Stein gebaut, manche von Granit, der hier 
sehr gemein und wohlfeil ist, und mit Schiefer gedeckt. Man er- 
/. D 



50 

richtet viele neue Häuser auf Spekulation , weil die Bevölkerung 
sehr zunimmt. Auch kamen v>ir durch die Stadt Rcdrutlt , einen 
bergigen und winkligen Ort von ungefähr 3000 Einwohnern, die 
sieh gröfstes Theils \om Bergbau nähren. Rings um die Stach 
liegen Bergwerke , die mit ihren hohen Oessen der Dampfmaschinen 
keinen freundliehen Anblick gewähren. Auf einer ziemlichen An- 
höhe, nicht weit von Redruth, sahen wir Ruinen, die für Ueber- 
bleibsel eines Druidentempels ausgegeben werden. In den Berg- 
werken bemerkte ich einen Aberglauben ., den ich auch auf mehre 
ren Schiffen und in Bauernhäusern gefunden habe: man nagelt 
nämlich über der Eingangsthür ein Hufeisen fest, um die Hexen 
abzuhalten. In Dalcoaih befanden wir uns nur noch V 2 Meile von 
Bristol Channel, und sahen einen in der Nahe liegenden hohen 
Berg, 8t. Agnes Bcacvn genannt. Wir kamen endlich durch den 
Park von Lord de Dunstanville, Tehidy genannt, gröfstes Theils 
eine neue Anpilanzung, die sich in dieser nicht reichen Gegend 
ungemein gut ausnimmt. Wir stiegen am AVohnhause ab, um es 
zu besehen. Es ist ein ziemlich grofses viereckiges Gebäude mit 4 
Pavillons, und enthält mehrere Gemälde von van Dyk , Lely, 
Kneller , Hudson, und Sir Joshua Reynolds; jedoch zweifle ich an 
der Echtheit der ersteren. Besonders gefiel mir ein sehr gutes 
Portrait des grofsen Fox. Auch^ sieht man mehrere Statuen, 
Copien nach den besten Antiken und Camine von verd und jaune 
antique. 

Mir waren wiederholt Ansichten vom St. Michaels Moutrt in 
Cornwallis vorgekommen, und ich hatte längst gewünscht, den 
Berg selbst in Augenschein nehmen zu können. Ich benutzte dazu 
die gegenwärtige Mufse. Der Berg liegt in der sogenannten 
Mountbay, dein Städtchen Marazion gegenüber, 23 englische 
Meilen von Falmouth entfernt. Ich verliefe Falmouth den 14. Juni 
geo-en Mittag kfi einer grofsen Hitze. Der Weg geht durch 
Penryji, und wendet sich alsdann links in die Gebirge hinein. Be- 
ständig bergauf und bergab durch Heideländer, iii welchen man 
nur wenige Spuren von Cultur bemerkt! Die Häuser stehen einzeln 
und sehen ärmlich aus. Auf den Höhen jedoch hat man hin und 
wieder die Aussicht auf die westlichen Gebirge von Cornwallis. 
Bäume sind selten ; Bergwerke hier und da. Dreizehn Meilen von 
Falmouth liegt Heistone, eine kleine Bergstadt von 2500 Einwoh- 
nern , mit einigen netten Häusern und schlechtem Pflaster. In der 
Mitte der Stadt steht das Rathhaus; unter demselben sind die 
Markthallen. Jenseits Heistone kamen wir In ein hübsches Thal 



■ 51 

das wieder Bäume zeigte, und gingen auf einer steinernen Brücke 
über den kleinen Flufs Looe, der sich in geringer Entfernung in 
die See ergiefst. Bis Marazion ist die Gegend angenehm, iwar 
noch bergig, aber besser angebaut. Wir näherten uns zur Linken 
der See; rechts hatten wir die Gebirge, in welchen wir einige 
artige Landschaften entdeckten. Als wir in die Nähe von Marazion 
kamen, das an einem Abhänge an der See liegt, da öffnete sich 
uns der wirklich schöne Anblick auf die Moutitbat/ und auf den Insel- 
felsen, St. Michaels Mount. In Marazion stiegen wir im Star imi 
ab, und nahmen sogleich ein Boot, um nach dem Berge zu fahren, 
der einen guten Büchsenschufs vom Ufer entfernt ist. Der Felsert, 
der bei niedrigem Wasser mit dem Lande zusammenhängt, besteht 
aus Granit, hat an seiner Basis ungefähr eine englische Meile in 
Umfang;, und ist 250 Fufs hoch. Am Fufse desselben lieot ein 
kleines Fischerdorf von etwa 30 Häusern, mit einem kleinen, durch 
zwei neue Piers — Dämme — gebildeten Hafen. Auf einer ziemlich 
unbequemen Treppe, die in den Felsen gehauen ist, gelangt man 
nach dein, auf der Spitze stehenden Gebäude, einem alten Schlosse, 
der Familie »Sf. Aubtpi gehörig. Es ist dieselbe Familie, deren 
Chef, Sir Joltn St. ^ttbi/n, Eigenthümer fast aller Häuser in De- 
ronport ist, und eines grofsen Theiles vom Grunde des Dock Yard. 
In liühern Zeiten war St. Michaels Mount ein Kloster. Durch seine 
isolirtc Lage zu einer Festung geeignet, hat die Kunst wenig zu 
seiner Befestig-uns; cethan, und nur ein Paar kleine Bastionen und 
ein Paar Platefonnen angebracht, auf welchen jetzt kleine, dem 
Besitzer des Berges gehörige, Kanonen stehen. Es hat in älteren 
Zeiten mehrere Belagerungen ausgehalten. Man führte uns in eine 
Capelle, im gothischen Stile gebaut, mit alten gemalten Fenster- 
scheiben. Dann zeigte man uns das Schlofs. In demselben ist 
indefs nicht viel Merkwürdiges zu sehen, ausgenommen das alte 
Refectorium des Klosters the chevij cltaccroom genannt, mit sonder- 
baren Basreliefs, alte Jagden vorstellend. In diesem Saale sind 
sehr alteMeubles: ein Sessel soll 300, ein anderer 500 Jahr alt sein. 
Aus den Fenstern des Schlosses hat man eine vortreffliche Aussicht 
auf die Mountbaij und ihre Ufer, bei welcher sich die Städte Mara- 
zion und Penzance, die 3 Meilen von einander entfernt sind, sehr 
artig ausnehmen. Nicht fern voh dem letzteren Orte lag die mir 
so wohl bekannte Titel is vor Anker: ich bedauerte sehr, keine Zeit 
zu haben, um meinen wackern Freund Sir John Phillimore auf 
einen Augenblick sehen zu können. Ueber der Kirche des Schlus- 
ses befindet sich ein Thurm, den ich jedoch nicht bestieg, weil 

D 2 



52 

ich müde war, und die Treppe in einem sehr schlechten Zustande 
sein soll. Wir fuhren nach Marazion zurück, das früher i\hir/>rljcw 
hiefs, und 1101) Einwohner hat, und kamen über Helstonc, gegen 
l Uhr in der Nacht, sehr ermüdet wieder nach Falmouth. 

Penryn, wohin ich, bei dem sehr schönen Wetter, mehrere 
Spaziergange machte, hat eine Reihe neugebauter eleganter Hau 
ser , mit hübschen Gärten , und eine catholische Kirche. Die herr- 
liche Terrasse, «auf der die neuen Häuser, mit ihren Gärten, stehen, 
heifst the green bank y und ist eine ganz herrliche Promenade. 

Das Gouvernement hat in Falmouth einen Uhrmacher, Namens 
Gaffe, angestellt, der das Geschäft hat, die Chronometer der 
Paketböte in Ordnung zu halten. Auch regulirte er die Chrono- 
meter der Pallas. Er macht selbst neue und verkauft die Taschen- 
chronometer für 56 Guineern Er zeigte uns eine kleine Phiole mit 
einem gcheimnifsvoll präparirten Oel , von welchem er den Tropfen 
auf eine Guinee taxirte; mit demselben werden die Chronometer 
geölet. Der Erfinder dieses Oeles starb , als er eben wegen des 
Verkaufs seines Geheimnisses unterhandelte, ehe der Handel zu 
Stande kam, und so ist dasselbe leider! verloren gegangen. Von 
dem Uhrmacher hinweg, ging ich zu Herrn Lake, um meinen 
Abschiedsbesuch zu machen: denn morgen, den 18. Juni, wollte 
die Pallas in See stechen. Und als ich nach Hause kam, da wurde 
ich noch durch meinen Freund Sir John Phillimorc sehr angenehm 
überrascht. Sir John war mit seiner kreuzenden Fregatte heute 
vor Falmouth angekommen , und hatte bei Capt. King seine Woh- 
nung genommen. In seiner Gesellschaft brachte ich bei dem 
Letzten den Mittag und den Abend auf eine recht angenehme 
Weise hin. 



III. 



Die Fahrt von Falmouth nach Boston. 
Vom 18. Juni Lid 26. Juli 1825. 



Endlich erschien der so sehnlichst herbeigewünschte Augen- 
blick unserer Abreise. Am 18. Juni gegen 3 Uhr begab ich mich 
mit Capt. Byk an Bord der Pallas: der brave Capt. King hatte 
uns bis zu dem Einschiffungsplatze begleitet. Bei unserer Ueber- 
fahrt grüfste mich die Jstraea mit 21 Schüssen; die Pallas ant- 
wortete mit derselben Zahl. Gegen 6 Uhr Abends war der letzte 
Anker gelichtet, und mit einem günstigen Süd - Ostwinde verliefsen 
wir die Bai von Falmouth. Mehrere junge Damen dieser Stadt, 
welchen unsere Offiziere nicht mifsfallen hatten , waren bis auf die 
letzten Felsen unter Pendennis Castle gegangen , und weheten mit 
ihren Tüchern diesen Herren ein Lebewohl nach. Aufserhalb der 
Bai erwartete uns Sir John Phillhnore mit seiner Fregatte Thetis, 
fuhr eine Zeit lang neben uns, und liefs seine gute Musik von Bügel- 
hörnern blasen. Da der Wind etwas stark wehete, so wurde ich 
von der unglückseligen Seekrankheit heimgesucht, und mufste 
mich in einem jämmerlichen Zustande sehr bald niederlegen. 

"Wir waren während der Nacht gut fortgerückt und hatten den 
Leuchtthurm vom Cap Lezeard gesehen. Auch waren wir an den 
Scilly islands vorübergefahren , die ich gern gesehen hätte. Die 
Fregatte Thetis begleitete uns bis 6 Uhr früh, und kehrte dann 
zurück. Ich laborirte den ganzen Vormittag an der Seekrankheit, 
und konnte nicht das Geringste bei mir behalten. Der Wind blies 
aus Osten uns gerade in den Rücken und bewegte das Schiff auf 
eine unbequeme Weise. Die Mittagsbeobachtung ergab eine Breite 
von 49° 14' 44" und eine Länge von 7° 12' 24" westlich von 
Greemcich. Unser Lauf ging gerade westlich auf Boston zu. ^Pn 



54 

Wetter war den {ranzen Tag über nebelig, wa9 in dieser Gegend 
des Meeres, von den holländischen Schillern de Gronden genannt, 
weil man hier mit dem Senkblei Grund findet, sehr häufig Statt 
hat. Auch soll man hier oft von heftigen Stürmen heimgesucht 
werden. Gegen Abend drehete sich der Wind etwas nach Norden 
und die Bewegung wurde minder unangenehm. 

Den 20. Juni blieb der Wind uns so günstig, als gestern, war 
aber Vormittags sehr heftig. Ich fühlte mich so unwohl, dafs ich 
bis 4 Uhr Nachmittags in meiner Hangmatte liegen blieb. Das 
Resultat der Mittagsbeobachtung war eine Breite von 48° 3' 54" 
und eine Länge von 11° 23' 3"; ein Beweis für den guten Wind 
und den Marsch der Pallas. Abends fühlte ich mich besser, setzte 
mich auf's Verdeck, und beschäftigte mich mit Lesen. 

Den 21. Juni. Der Wind so gut, als gestern, wiewohl etwas 
schwächer. Ich fing nach und nach an, mich an das Schwanken 
des Schiffes zu gewöhnen. Der Himmel war den ganzen Tag über 
umwölkt: defshalb konnte die Länge nicht genommen werden; die 
Breite war 46° 54' 44". Es wurden Versuche mit Barlows cor- 
recling plate fortgesetzt, die schon auf dem Schiffe während sei- 
nes Aufenthalts in Portsmouth angefangen waren. Das im Schiffe 
vertheilte Eisen nämlich hat einen mehr oder weniger starken Ein- 
flufs auf die Magnetnadeln und macht die Beobachtungen mit den- 
selben unsicher. Um nun den Einüufs des Eisens der Pallas auf 
den Compafs zu erforschen und zu bestimmen, befestigte man — in 
Portsmoui/t harbour — auf einem der Raster zwischen dem Besans- 
und Hauptmast einen Pfahl, und auf dem Pfahl einen Azimuthal- 
compafs, und zwar so hoch, dafs man über die Verschanzung des 
Schiffes hinwegsehen konnte. Wenn nun die Magnetnadel mit dem 
Kiel des Schilfes parallel steht, und wenn man von dem Grundsatz 
ausgeht, dafs das Eisen auf beiden Seiten des Schiffes gleich ver- 
theilt ist: so mufs dasselbe von allen Seiten gleich stark auf die 
Nadel einwirken. Dreht das Schiffsich also z. B. östlich: so bildet 
die Nadel einen Winkel mit dem Kiel des Schiffes, und das Eisen 
am Backbord wird seinen Einüufs auf die Nadel äufsern. Das 
Maximum des Einflusses wird Statt finden, wenn die Nadel mit 
dem Kiel einen rechten Winkel macht; und dieser Einflute wird 
wieder vermindert werden, wenn dasSchifY sich noch weiter drehet. 
Um nun diesen Einflufs mit Bestimmtheit herauszubringen, brachte 
man einen Compafs an auf einem nahe gelegenen Puncte des Ufers, 
an welchem, wie man annehmen zu dürfen glaubte, das Eisen 
keinen Einüufs auf den Compafs ausüben konnte, und stellte die- 



55 

sen Compafs völlig gleich mit dem Azimuthalcompafs auf dem 
Schiffe. Hierauf machte man dieselbe Drehung mit dem Compafs 
und mit dem Schiff, auf ein von diesem gegebenes Zeichen, und 
die beiderseitigen Beobachtungen wurden aufgeschrieben hier und 
dort. Die Differenz dieser Beobachtungen ergab die Stärke des 
Einflusses vom Eisen im Schiff auf den Compafs. Um nun diesen 
Einllufs so viel als möglich zu paralysiren, oder vielmehr, um ihn 
zu contrebalanciren, wird auf einer, durch Versuche erforschten 
Höhe am Pfahl des Azimuthalcompasses, in einem rechten Winkel 
mit demselben, ein kupferner Stab angebracht, auf welchem man 
eine eiserne Platte festschraubt. Durch Versuche bringt man her- 
aus, aufweichen Abstand diese Platte vom Pfahl entfernt sein mufs, 
um die Attraction des Eisens auf der andern Seite des Pfahls und 
des Compasses zu contrebalanciren. Befindet sich der Compafs, 
wie auf der Pallas, am hinteren Theile des Schiffes, und ist folg- 
lich die gröfste Masse Eisen vor dem Compasse: so kommt die 
Platte hinter denselben; beiände er sich auf dem vorderen Theile, 
so müfste die Platte auch vor den Compafs kommen. Die Platte 
ist rund, hält gegen 16 Zoll im Durchmesser, und besteht aus zwei 
parallelen dünnen Eisen-Scheiben, die durch eine schmale Scheibe 
Holz getrennt, jedoch mit kupfernen Schrauben zusammengehal- 
ten werden. Das Holz ist eingelegt, um die Platte nicht zu 
schwer zu machen. 

Den 22. Juni hatten wir fast gar keinen Wind, und machten 
in 4 Stunden kaum eine Seemeile. Die Mittagsbeobachtung ergab 
eine Breite von 46° 12' 10" und eine Länge von 17° 43' 13". Das 
Schiff war dem Spiele der Wellen Preis gegeben. Dadurch entstand 
eine widerwärtige Seitenbewegung, slivgeren genannt, die so hef- 
tig war, dafs auf dem Schiffe Nichts fest stand, und dafs an Schrei- 
ben nicht zu denken war. Glücklicherweise war das Wetter gut. 
Ich hielt mich daher fast immer auf dem Verdeck auf, schauete 
ins Meer hinein, oder unterhielt mich mit meinen Büchern. Es 
kam mir sehr zu Statten, dafs ich von meinen Zeltstühlen ein Paar 
mitgenommen. Uebrigens waren wir täglich Schiffen begegnet, 
Maren aber keinem so nahe gekommen, dafs wir mit demselben 
hätten sprechen können. 

Den 23. Juni. Es war etwas ruhiger in der See; jedoch 
hatten wir Südwestwind, der uns nicht günstig war. Breite 46° 
10' 20", Länge 18° 30' 17". Ich schrieb den ganzen Vormittag, 
und nahm eine im vorigen Winter angefangene literarische Arbeit 
wieder vor. Gegen Abend zogen quer vor uns Gewitterwolken 



56 

auf, und droheten mit einem Sturme, den zu erwarten, alles in 
Bereitschaft gesetzt wurde. Die Wolken verzogen sich zwar, aber 
spät am Abend hatten wir doch Regen und ziemlich starken Wind. 
Die Bewegung des Schilfes wurde wieder stärker, und vorwärts ge- 
richtet, was die Holländer stampen nennen. 

Den 24. Juni brachte ich den Vormittag, so wie gestern, mit 
Schreiben und Lesen zu. Breite 46° 43' 21", Länge 19° 22' 35 ; '. 
Der Wind aus Nordosten, meistens schwach, nur gegen Abend 
stärker, so dafs wir gegen 7 Knoten liefen. Wir sahen viele 
Braunfische in ganzen Heerden um das Schiff spielen: für mich 
ein neues Schauspiel, das bei der Eintönigkeit im Schiifsleben 
einige Zerstreuung gab. Auch erblickten wir eine Möve und ein 
Paar schwalbenartige Vögel. Ein kleiner Haifisch folgte dem 
Schür und bifs in die Angel ; leider rifs die Angelschnur und 
brachte uns um unsere Beute. Durch das Erscheinen der Vögel 
schlofs man auf die Nähe von Felsen : vielleicht die Felsen der 
zweifelhaften Insel Mayda, die auf mehreren Charten angegeben 
wird. 

Den 25. Juni. Capt. Ryk hatte die Güte, sich eines schönen 
Doppelfestes in meiner Familie , das auf den heutigen Tag fiel , zu 
erinnern. Als ich aufs Verdeck kam, war nicht allein die grofse 
holländische Flagge aufgezogen, sondern die Flaggen weheten 
auch von allen drei Masten. Das Offizier-Corps wünschte mir 
Glück zu diesem für mich so lieben Fest, und die Matrosen, den 
Schiller an der Spitze, riefen mir ein dreimaliges Hurrah zu. 
Diese braven Leute bekamen dafür eine tiufserordentliche Ration 
Genever, welches man ein Oorlam nennt. Wie gewöhnlich brachte 
ich den Vormittag mit Lesen und Schreiben zu. Die heutige Mit- 
tagsbreite war 46° 22' 43" und die Länge 21° 36' 13". Zum Diner 
waren 14 Personen , und die Provisionen jeder Art wurden tüchtig 
angegriffen. Beim Dessert sang Capt. Ryk Verse, die er auf den 
heutigen Tag gedichtet hatte. Es wurden mehrere mir sehr theue- 
re Toasts ausgebracht. Bei jedem Toast wurde eine Kanone ge- 
löset; und dieses erhöhete unsere frohe Stimmung ungemein. Der 
Wind war den ganzen Tag über Hau ; jedoch wehete er von der 
guten Seite. Auch war es sehr warm. 

Den 26. Juni wurde Vormittags ein bewaffneter Appel der 
ganzen Schiffsmannschaft gehalten, die bei ihren Kanonen antre- 
ten mufste. Hierauf versammelte sie sich auf dem Verdeck und 
wurde nach ihrer Bewaffnung in verschiedenen Pelotons auf zwei 
Glieder gestellt. Auf dem rechten Flügel standen die Unteroffiziere 



57 

und die Stück-Commandanlen, mit Entersäbeln und Pistolen be- 
waffnet; dann kamen die Mariniers; hierauf die mit Flinten, Säbeln 
und Patrontaschen bewaffneten Matrosen; dann ein Peloton mit 
Enterbeilen, und zuletzt die Schiffsjungen, welche, wie der Vierte 
bei Malbrouks Begräbnifs , Nichts trugen , und , weil sie zum Tragen 
der Munition und andern Faustarbeiten bestimmt sind, vuisteniers 
genannt werden. Breite 46° 16' 30"; Länge 22° 50' 16". Gegen 
Nachmittag umzog sich der Himmel gegen Osten , die Barometer 
fielen, und wir sahen schlechtem Wetter. u««l Windstöfsen entgegen. 
Die See wurde unruhig, und gegen Abend slingerte das Schiff sehr 
heftig:. 

Am Morgen des 27. Juni sprachen wir das Schiff Concordia 
von Rotterdam , das vor 54 Tagen Rio - Janeiro verlassen hatte, 
und nach Rotterdam zurückkehrte. Die See ging sehr hoch, und 
ich erstaunte nicht \wnig über die Gröfse und Länge der Wellen, 
die uns in einem Augenblick auf eine ansehnliche Höhe erhoben, 
und dann sich plötzlich öffneten, so dafs man glauben mufste, sie 
würden über uns hinstürzen. Den Wind hatten wir glücklicher- 
weise beständig im Rücken ; das Schiff slingerte aber so gewaltig, 
dafs in den Cajüten alles durcheinander fiel. Die Tische und Stühle 
muteten fest gebunden und eine Hangmatte für die Chronometer 
und andere Instrumente aufgehangen werden, um sie gegen die 
gewaltigen Stöfse, die das Schiff bekam, zu sichern. Die Stück- 
pforten waren vorigen Winter von Holz gemacht w orden , das nicht 
trocken genug gewesen war; während der wenigen warmen Tage, 
die wir gehabt hatten, waren sie daher so zusammengeschwunden, 
dafs bei jedem heftigen slingeren das Wasser zwischen den Kanonen 
und den Pforten in die Batterie lief, und dieselbe unter Wasser 
setzte. Die Herren Offiziere safsen gerade beim Diner, als eine 
Welle hereinschlug. Alles auf ihrer Tafel ward untereinander 
geworfen, und das Sauerkraut, das sie eben verzehrten, garstig 
versalzen. Man behauptete, dafs dieses heilige slingeren durch 
den übelen Bau der Pallas, die gegen 15 Fufs zu kurz sei, 
verursacht werde. Unser Schifls-Construeteur, Freund Tramp, 
der übrigens die Pallas nicht gebaut hat, mufste darüber manche 
beifsende Bemerkung der Offiziere hören, und man lobte allgemein 
die Mafsregel unsers Gouvernements, Herrn Tromp reisen zu 
lassen, damit er wisse, wie es einem Seemann in einem schlecht 
gebauten Schiffe zu Muthe sei. Die Pallas hat auch bei weilen 
keinen so schnellen Gang, als wir Anfangs geglaubt hatten. Unser 
frugales Diner mufsten wir halb stehend einnehmen, und die Teller 



58 

lieständitr in der Hand halten. Ich wurde hei dieser Gelegenheit 
zumal da durch «las eingedrungene Wasser der Boden sehr glatt 
geworden war, einmal ziemlich unsanft in eine Ecke geschleudert 

Da kein Licht auf einem Tische stehen blieb, und mir diese ewige 
Bewegung herzlich zuwider WV, so legte ich mich bald zu Belle. 
Nach den angestellten Beobachtungen hatten wir heute eine Breite 
Won 45° 46' 9" und eine Lunge von 26° 35' 59". 

Den 28. Juni hatten wir wahrend der flacht immerfort stürmi- 
sches Wetter gehabt; aber wir waren vorwärts gekommen. Die 
Bewegung des Schiffes hatte, wo möglich, noch zugenommen, 
die Batterie stand unter Wasser, und die Wellen schlugen in mei 
neu s. r. Abtritt, und (iossen aus diesem in die Cajüte, in welcher 
Alles, was nicht festgebunden war, wieder durcheinander fiel. Ich 
blieb bis 4 Uhr Nachmittags in meiner Ilangmatte liegen, und 
vertrieb mir die Zelt so gut als möglich mit Lesen und mit herz- 
brechenden Betrachtungen über den Zustand des Menschen auf der 
See bei schlechtem Wetter. Der Schlufs war, dafs man, um das 
Leben zur See leidlich zu finden, von Jugend auf an dasselbe ge- 
wöhnt sein mufs, und die Bequemlichkeiten des Lebens zu Lande 
noch nicht kennen darf. Gegen Abend wehetc der Wind weniger 
heftig; aber das widerwärtige slingeren dauerte fort. Die Beob- 
achtungen ergaben eine Breite von 43° 49' 52", und eine Länge 
\ou 3ü° 14' 30": ein Beweis für den guten Wind. Dieses tröstete 
uns einigermafsen in unserer unangenehmen Lage. In der letzten 
Nacht hatten die meisten Segel eingezogen und die noch bleiben- 
den vermindert weiden müssen. Bis zum Aufziehen der Sturmsegel 
war es jedoch nicht gekommen. 

Den 29. Juni. Der heftige Wind hatte aich zwar gelegt; doch 
blieb die See noch in so grofser Bewegung, dafs ich nicht schrei- 
ben konnte. Ich hielt mich fast den ganzen Tag auf dem Verdeck 
auf und beschäftigte mich mit Lesen. Breite 43° 55' 17"; Länge 
34° 54' 24". Wir befanden uns auf der Hälfte des Weges nach 
Boston, und halten mithin Hoffnung, in wenigen Tagen die Bank 
von iScwfoundlaiulm erreichen. Die von mir in England >or zwei 
Jahren, und zum Theil noch im vorigen Monat in Vorlsmoiilli 
gekauften ficscrvcd mcais kamen mir jetzt trefflich zu Statten: 
denu an dar* gesalzene Fleisch konnte ich mich noch nicht recht 
gewöhnen. Gegen Abend sahen wir sswei Schilfe in der Entfernung. 
Die Offiziere benutzten das heutige bessere Wetter, um ihre durch 
die gestern und vorgestern hereingeschlagenen Weilen durchnäfs- 
ten Effecten, Charten und Bücher zu trocknen. Eine Kiste mit 



59 

broschirten Büchern, dem Dr. Sckileü gehörig, war ganz vom 
Seewasser durchnäfst. Meine Bücher halten Gottlob Nichts ge- 
litten. 

Den 30. Juni hatten wir Anfangs bei Ost - und später bei 
Südwind eine sehr ruhige See, so dafs ich diese gute Gelegenheit 
benutzte, um in diesem Buche nachzutragen. In unserer Cajüte 
sowohl, als auf dem ganzen Schiffe, fing es an, wieder ordentlich 
auszusehen. Die angestellten Beobachtungen gaben uns Mittags 
eine Breite von 43° 24' 58" und eine Länge von 37° 17' 36". 
Uebrigens verschlich dieser Tag, so wie seine Vorgänger, höchst 
einförmig, und ich vertrieb mir die Zeit meistens mit Lesen. 

Am I.Juli ward ich auf eine sehr unangenehme Weise durch 
das „Psalmensingen'" früh halb fünf Uhr aus dem Schlafe geweckt. 
Denn man fing gerade über meinem Kopfe damit an, (1l'\\ schweren 
Kalkstein, in der französischen Marine sehr richtig la pierre infer- 
nale benannt, hin und her zu schleifen. So beginnt das grofse 
Scheuerfest. Die Mittagsbeobachtung ergab eine Breite von 43° 
20' 0" und eine Länge von 40° 22' 6". Wir begegneten heute 3 
Schiffen, die sq nahe kamen, dafs wir wechselseitig die Flaggen 
aulzogen. Das eine war ein französisches Kauffahrteischiff; die 
beiden andern waren englische Schiffe, \on welchen die Cecilia 
>on Glasgow, die mehrere Weiber und Kinder an Bord hatte, 
erkannt wurde. Der Wind drehete sich gegen Südwesten und 
wurde uns weniger günstig, als er es bisher gewesen war; auch 
halten wir Abends ziemlich starkes Regenwetter. Wahre Gewitter- 
Bchwüle. 

Den 2. Juli. Der Wind Anfangs südlich « zuletzt westlich. Die 
Beobachtungen ergaben Mittags eine Breite von 43° 37' 20" und 
eine Länge von 41° 50' 3". Gegen 3 Uhr Nachmittags, als ich 
gerade auf dem Verdeck safs, ereignete sich ein sehr trauriger 
Vorfall. Einer der SchifTsjungen, Namens H'iliau. wollte auf den, 
unter dem Bugspriet angebrachten, Abtritt gehen, und mufsle es 
ungeschickt angefangen haben; denn plötzlich schrie ein Matrose 
aus dem Mastkorbe vom Fockmast: „jonge oeer boord!'' und kurz 
daraufsahen wir den armen Jungen, der kein Lebenszeichen mehr 
\ oii sich gab, auf dem Rücken am Hintertheile des Schiffes, das gerade 
sehr geschwind lief, schwimmen. Die reddingsboejc wurde sogleich 
losgelassen, um den letzten Versuch zur Rettung anzustellen; wir 
sahen aber von dem Verunglückten Nichts mehr, und hatten alle 
mögliche Mühe, der boeje wieder habhaft zu werden, deren \uf- 
Fischung; wohl eine Stunde laue dauerte. Das Schiff mulste mehr- 



00 

nials gedreht und zuletzt noch eine Sehaluppc ins Wasser gesetzt 
werden, die endlich die boeje zurückbrachte , und wegen der immer 
höher werdenden See viele Schwierigkeiten hatte, das Schiff wie- 
der zu erreichen. Gegen Abend wurde der Wind sehr stark, und 
verwandelte sich gegen 8 Uhr in einen förmlichen Sturm, den 
ersten, den ich ausgehalten habe. Die See ging ungemein hoch; 
aber es trat heftiges Regenwetter ein, und die Seeleute hofften, 
dieses werde die See besänftigen. Das Schiff bewegte sich natür- 
lieh sehr \iel; jedoch bestand seine Bewegung meistens aus Stam- 
pfen , das , wiewohl äufserst unangenehm , doch nicht so erschüt- 
ternd ist, als das widerwärtige slingcrcn. Alle Segel waren einge- 
zogen, bis auf die drei ominösen Sturmsegel. Der Wind blies aus 
Westen , und war uns folglich gänzlich entgegen. Ich legte mich, 
da ich wegen der heftigen Bewegung nichts unternehmen konnte, 
und auf dem Tische kein Licht stehen blieb, bei Zeiten in meine 
Ilangmatte, konnte jedoch nur wenig schlafen. Eine neue Unan- 
nehmlichkeit für mich war die Nachbarschaft des hectischen Lieute- 
nants HaringmaH , der seit einiger Zeit im Studiensaale schlief und 
die ganze Nacht über seinen Kirchhofshusten hören liefs *). — . 

Den 3. Juli legte sich des Morgens der Wind , und die See 
War eben gew orden , so dafs ich mich Vormittags mit Schreiben 
und Lesen beschäftigen konnte. Breite 43° 51' 28"; Länge 43 J 
14' 0". Der Wind hatte sich nach Norden gedrehet, und war uns 
folglich minder ungünstig, als gestern Abends. Das Wetter gut. 

Auch den 4. Juli hatten wir den ganzen Tag sehr gutes und 
warmes Wetter, jedoch Westwind, so dafs wir in einer nördlichen 
Directum steuern mufsten. Breite 43° 13' 5"; Länge 44° 32' 15". 
Eine des Nachmittags mit dem Chronometer angestellte Beob- 
achtung liefs. uns fürchten . dafs wir etwas zurückgetrieben wären, 
und uns folglich im Bereiche des Stromes befänden, der unter dem 
Namen Guljstrcam aus dem Meerbusen von Mexico kommt. Die 
See war so eben, dafs wir, wie auf dem Brügger Canal, fuhren, 
und fast keine Bewegung im Schilfe wahrnahmen. Gegen Abend 
umzog sieh der Himmel ; auch fielen die Barometer. Wir bedauer- 
ten . heute nicht in den Vereinten Staaten zu sein , da der heutige 
Tag der 49. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung dieses Landes 
ist, der dort mit Recht ganz besonders gefeiert wird. 

Den 5. Juli. Dichter Nebel. Man sagt, hier in der Nähe der 
Bank von IScwfoundland seien die Nebel sehr häufig. Während 



") Er Btarli l Monat ppäter zn Worfolk in Viipinien. 



Ol 

der Nacht hatte es geregnet. Der Wind war Anfangs sehr un- 
günstig, wurde aber gegen Mittag etwas besser, [ndefs rückten 
wir nur sehr wenig vorwärts, und glaubten, uns nocli im Gulfsfrcam 
EU befinden. Man sagt: in demselben sei das Wasser merklich wär- 
mer, als die Luft. Defshalb wurde ein Thermometer, der in der 
Luft auf 68° Fahrcnheit stand, an die Leine eines Senkbleis befe- 
stigt, und in die See gesenkt: beim Herausziehen zeigte derselbe 
zu unserer Verwunderung nur 64°. Nach jener Behauptung konn- 
ten wir uns also nicht im Strom befinden. Es blieb ein Räthscl, 
warum wir so wenig vorrückten; denn nach den heutigen Beobach- 
tungen war unsere Breite 43° 30' 5" und unsere Länge 44° 38' 36". 
Wir hatten südwestlich eine Brigg gesehen; sie kam uns aber 
nicht nahe, und des Nachmittags war sie uns aus dem Gesichte 
verschwunden. Die Barometer stiegen. Abends ging die Sonne 
sehr schön unter, und der Himmel hellte sich ganz auf. Schon seit 
mehrern Tagen sahen wir eine grofse Art von Seeschwalben , Ma 
laviten genannt, um das Schifl' herumtliegen, die, wenn sie müde 
sind, sich auf dem Wasser ausruhen. 

Den 6. Juli war es des Morgens wieder sehr neblig; dann hei- 
terte sich das Wetter auf und wir bekamen einen schönen Tag. 
Zugleich drehete der Wind sich nach Osten und wurde uns sehr 
günstig. Die Mittagsbeobachtung bestimmte unsere Breite auf 
43° 49' 0" und die Länge auf 46° 32" 6'. Ich vertrieb mir die 
Zeit so gut als möglich mit Schreiben und Lesen. Der Gulfsfrcam 
liefs sich heute weniger fühlen, als gestern, und wir hatten Hoff- 
nung, die Bank von Neicfoundfaml bald zu erreichen. 

Am Morgen des 7. Juli ward um 5 Uhr das * enkblei ausgewor- 
fen , um zu sehen , ob wir bald auf der Bank wären. Auf 100 Fa- 
den fand man noch keinen Grund. Um 9 Uhr wurde das Senkblei 
zum Zweitenmal geworfen: man fand 29 Faden tief Grund: Sand 
mit kleinen schwarzen Steinchen und Muscheln , so wie es auf der 
Charte angegeben ist. Für Capt. Ryk gereichte es zur g jfsen 
Satisfaction, sich gerade auf dem Punkt zu finden, auf welchem wir 
uns nach seiner Rechnung befinden mufsten. Den ganzen Tag 
über hatten wir Reffen und sehr dichten Nebel, so dafs Mittaffs 
keine Höhe genommen werden konnte, und man nur ein sogenann- 
tes gegisdes besfek aufmachte, nach welchem unsere Breite 43° 54' 
0", und unsere Länge 49° 32' 12" betrug. Der dichte Nebel hin 
«leite uns wahrscheinlich, die französischen Fischer zu sehen, die 
in der jetzigen Zeit sich hier auf der Bank, wegen des Cabeljau- 
Fanges, aufhalten. Gegen Abend wurde es etwas heller, und die 



(52 

untergehende Sonne bildete auf dem Nebel einen schönen Regen- 
bogen. 

Den 8. Juli war der Nebel früh so dicht, dafs wir eine Fischer 
brigg aus Dieppe, die auf der Bank vor Anker lag, fast in den 
Grund gesegelt hätten; denn man wurde sie erst gewahr, als wir 
ganz nahe Maren. Etwas später hörten wir aus dem Nebel heraus 
ein Waldhorn blasen, und schlössen daraus, dafs vir bei einem 
Schilfe vorbeifuhren. Um Unglück zu verhüten, wurde daher alle 
\ iertelstunden die Glocke auf der Pallas geläutet. Gegen Mittag 
verzojr sich der Nebel : wir sahen mehrere Schiffe vor Anker Be- 
gen, und fuhren auf das nächste zu. Es war le Phoqne du Ilavre, 
von 125 Tonnen, in Dieppe zum Cabeljnufang ausgerüstet. Der 
Capitata des Schiffes kam zu uns an Bord und brachte so viele Ca- 
beljaue mit, dafs nicht allein die Oifiziere, sondern auch die Matro- 
sen auf mehrere Tage zu essen hatten. Bezahlung wollte der höf- 
liche Mann, den wir mit uns frühstücken liefsen, nicht annehmen, 
und nur mit Mühe konnten wir seinen Matrosen etwas aufdringen. 
Im Monat April von Dieppe ausgelaufen, war er nach der Insel 
St. Pierre und Miquelon gefahren , welche nebst der kleinen Insel 
Langlcy die französischen Besitzungen an der Rüste von Neir- 
foundland oder Terreneuve ausmachen. Er erzählte uns , dafs auf 
Miquelon die Hauptniederlassung sei, und dafs sich daselbst ein 
kleines Städtchen von 400 Einwohnern befände, die in hölzernen 
Häusern wohnten. Bei den verschiedenen Kriegen zwischen den 
Franzosen und Engländern ist dieser unglückliche Ort von Letz- 
tern mehrmals niedergebrannt worden. Die Einwohner sind mei- 
stens Amerikaner mis den Vereinten Staaten , die von den ameri- 
kanischen und französischen Fischern leben, welche während des 
Sommers dort landen. Truppen sind nicht da. Ein französischer 
Fregalten-Capitain ist Direktor der Fischerei. Mit den Wilden 
von Terreneuve treiben die Einwohner einigen Handel, und be- 
kommen meistens Pelzwerk von ihnen. Der Phoqne lag seit 4 Tagen 
auf der Bank vor Anker, und hatte schon über 3000 grofse Cabeljaue 
gefangen. Diese werden aufgeschnitten, ausgeweidet, in den 
Grund des Schiffes geworfen und leicht gesalzen. Hat das Schiff 
hinlängliche Ladung, so kehrt es nach Miquelon zurück, und läfst 
dort die Cabeljaue zu Stockfischen trocknen. Dann geht es wieder 
auf die Bank, fischt von Neuem, bringt von Neuem seinen Fang 
nach Miquelon , und setzt dieses Gewerbe bis in den Monat Oclober 
fort, in welchem es nach Europa zurück kommt. Die Cabeljaue 
werden an Angeln gefangen, die man vom Schiff aus bis 3 Fufs 



63 

vom Grund in das Wasser Iäfst. Als Köder befestigt man kleine 
Fische, oder noch besser Eingeweide von Geflügel an die Angel 
haken. Diese Eingeweide sind in Miquclon ein Handelsartikel. Die 
Seeleute, die auf einem solchen Schiffe dienen, müssen sehr ab- 
gestumpfte Geruchsnerven haben. • Denn von dem Phoque kam ein 
ganz abscheulicher Gestank nach unserem Schifle herüber, und der 
brave Capitain hinterliefs in unserer Cajüte einen Geruch, der den 
ganzen Tag nicht fortzubringen war. Seine frischen Cabeljauc 
hingegen gewährten uns einen grofsen Genufs, da wir seit 3 Wo- 
chen keine frischen Fische gehabt hatten. Während wir en pannc 
waren, um mit dem Phoque zu sprechen, fingen unsere Matrosen 
selbst einen sehr schönen und grofsen Cabeljau. Wir sahen heute 
wenigstens 10 Schifle, die vor Anker lagen, und mit dem Fischfange 
beschäftigt zu sein schienen ; unter ihnen bemerkten wir einen ziem- 
lich grofsen Dreimaster; alle andere führten nur zwei Mäste. Nicht 
weit von unserem Schifle sahen wir auch einen Nordkaper schwim- 
men, eine kleinere Art von Wallfisch, ungefähr 30 Fufs lang, der 
öfters aus dem Wasser auftauchte. Die heutigen Beobachtungen 
ergaben eine Breite von 44° 26' 0" und eine Länge von 51° 37' 
51". Der Wind war seit gestern schwach ; aber nicht ungünstig. 
Gegen Abend erhob sich wieder ein dichter Nebel, der später zum 
liegen ward, und einen Theil der Nacht fortdauerte. Die Glocke 
wurde alle Viertelstunde geläutet; das Senkblei, mehrmals ausge- 
worfen, zeigte auf etwa 30 Faden Grund, der meistens aus kleinen 
schwarzen Kieseln bestand, an welchen öfters kleine Schnecken 
angewachsen waren. 

Am Sonnabend, den 9. Jufi, waren es drei Wochen, seit vwr 
Falmuutk verlassen hatten, um uns auf dem feuchten Elemente her- 
umschaukeln zu lassen: ein Vergnügen, dessen ich herzlich über- 
drüssig war! Das Wetter fast den ganzen Tag nebelig und reg- 
nerisch, so dafs w'w Nichts sahen, und uns nicht viel auf dem Ver- 
deck aufhalten konnten. Gegen Mittag hatten wir einen Augenblick 
Sonnenschein, der zu Beobachtungen benutzt wurde. Breite 44° 
47' 0", Länge 54° 4' 55' '. Auch hatten wir um diese Zeit die 
Bank von Terreneme verlassen , und fuhren nun in der Mündung 
des Golfes vom St. Lorenzstrome. Der Wind drehete sich Abends 
gegen Westen und wurde uns sehr ungünstig; auch versprachen 
die fallenden Barometer uns kein gutes Wetter. 

Den 10. Juli dauerte das nebelige und regnige Wetter fast den 
ganzen Tag fort. Da wir uns nur in geringer Entfernung von ge- 
fährlichen Küsten befanden, so war man nicht ohne Besorgnils, 



64 

Mittags war unsere Breite 45° 21' 31" und unsere Länge 56° 10' 18". 
Nachmittags erhob sich ein sehr starker Wind, so dafs die obern 
Segel nicht allein eingezogen werden mufsten, sondern dafs man 
auch in den Bramsegeln zwei Striche nahm. Dieser Wind wehete 
den ganzen Abend und einen T heil der Nacht hindurch aus Süd- 
westen, uns gerade entgegen. Wir steuerten immer noch im Golf 
des St. Lorenzstromes, und der Wind trieb uns in der Richtung von 
Cap Breton. Um dieses zu vermeiden, wendeten wir gegen Abend 
und steuerten nach Süden zu. Das Schiff stampfte bei dem heftigen 
Winde sehr beträchtlich. Wir waren heute über zwei Bänke, green 
lank und banquereau, gefahren. Auf letzterer hatten wir unsern 
Lauf verändert. 

Den 11. Juli hatten wir den ganzen Tag über heiteres Wetter, 
und auch wieder bessern Wind , indem er sich mehr nach Süden 
gedreht hatte. Unsere Breite betrug 44° 55' 28" und unsere Länge 
56° 44' 45", ein Beweis, dafs wir nicht sehr weit nach Westen 
vorgerückt waren. Auf der ganzen Reise war es noch nicht so 
langsam gegangen. Je gröfser unser Wunsch war, nunmehr un- 
ser Ziel bald zu erreichen , desto unangenehmer Mar uns diese 
Langsamkeit, desto gröfser unsere Besorgnifs vor neuen widrigefi 
Winden. Wir näherten uns jetzt der Küste von Nova Scotia, wel- 
che wegen mehrerer Sandbänke und vorzüglich wegen einer klei- 
nen Insel, Sable Island genannt, äufserst gefährlich ist. Der 
Wind war heute zwar schwächer; aber die See ging in Folge der 
gestrigen Windstöfse noch hoch , und die Pallas stampfte zuweilen 
sehr stark : man schrieb dieses vorzüglich ihrem zu kurzen Bau 
und ihrem hohen Takelwerke zu. Es war trotz des heitern Wetters 
den ganzen Tag über so kalt, dafs wir nicht glaubten, uns im ho- 
hen Sommer zu befinden. Man bemerkte heute von Zeit zu Zeit 
ganz sonderbare Bewegungen im Meere, wie Wallungen, auch 
veränderte sich die blaue Farbe der See in eine grüne, so dafs wir 
entweder auf den Zusammenflufs von Strömungen oder auf die Nä- 
he von Bänken schlössen. 

Den 12. Juli sahen wir früh sechs grofse Nordkaper, von 
welchen ein jeder wenigstens 30 Fufs lang Mar, um das Schiff 
herumschwimmen, Sie spritzten das Wasser, gleich Fontainen, 
aus ihren Nasenlöchern heraus. Das Mar für mich ein neues und 
angenehmes Schauspiel, Kurz daraufbekamen Mir aber ein ernste- 
res Schauspiel zu sehen. Ein Matrose hatte mehreren Schiffsjungen 
allerlei widernatürliche Zumuthungen gemacht, welche von diesen 
nicht allein verworfen, sondern auch angezeigt w aren. Der Matrose 



65 — — 

erhielt dafür 150 aufgezählt. Dieser Gesell war schon früher auf 
einer unserer Fregatten im mittelländischen Meere wegen solcher 
Laster bekannt gewesen. Er war desertirt und ein Türke gewor- 
den. Er hatte in Tunis Dienste genommen , war von dort wieder 
fortgelaufen, war nach Holland zurück gekommen, und unter 
einem andern Namen auf einem andern Schilfe wieder in Dienst 
getreten; endlich Mar er in J lief singen als Deserteur erkannt , ab- 
gestraft und auf die Pallas abgegeben Morden. Das Wetter wurde 
gegen Mittag Mieder sehr neblig, und der Wind blies uns aus Süd- 
westen gerade entgegen. Breite 44° 0' 57"; Länge 57° 46' 43". 
Wir näherten uns immer mehr dem gefährlichen Sable isl-and. Um 
dasselbe während der Nacht zu vermeiden, wurde gegen Abend 
der Cours nach Süden gerichtet. Die Unglücksfälle an der Küste 
von Nova Scotia und vorzüglich am Sable isl-and müssen öfters 
Stattfinden, da man auf dieser Insel Hütten gebaut hat, um den 
Schiffbrüchigen für den ersten Augenbück ein Obdach zu ver- 
schaffen. 

Den 13. Juli hatten wir fast den ganzen Tag starken Nebel, 
der an dem Tauwerk der Pallas sich verdichtete und als Regen 
auf das Verdeck fiel: es wurde so nafs, dafs man kaum gehen 
konnte. Der Wind wehete aus West-Süd-West, gerade von Boston 
her uns entgegen, und zuweilen ziemlich stark, so dafs das Schiff 
viele Bewegung hatte. Wegen des ungünstigen Windes mufsten 

DO O DO 

wir laviren , und richteten , um im Nebel das wiederholt erwähnte 

Sable Island zu vermeiden, unsern Lauf so viel als möglich südlich. 
Breite 43° 54' 39"; Länge 58° 46' 34". 

Den 14. Juli. Wir sahen früh einen Cachelot mit einem weifsen 
Kopfe, der grofse Wasserstrahlen ausspritzte; seine Länge konn- 
ten Mir nicht erkennen , da er sich nie ganz aufser dem Wasser 
zeigte, und schnell vorüberschwamm. Der Nebel mit Regen ver- 
mischt, Mar uns sehr lästig. Gegen Mittag hellte sich das Wetter 
für eine kurze Zeit auf, und wir erblickten eine Brigg, wie es 
schien, auf demselben Wege, den wir machten. Der Wind blies 
uns fortwährend gerade entgegen; wir mufsten den ganzen Tag 
laviren. Unsere heutige Breite betrug 34° 1' 0" und unsere Länge 

D D D 

59° 10' 52". Gegen Abend hatten wir Mieder helleres Wetter und 
fafsten die Hoffnung, dafs der Wind und das Wetter uns morgen 
günstiger sein würden. Der beständige Nebel hatte durch das 
ganze Schiff eine grofse Feuchtigkeit verbreitet, die Alles durch- 
drang, alle Kleidungsstücke feucht machte, und Ursache Mar, dafs 
fast nichts von Schimmel und Moder frei blieb. Ein höchst Midri- 
/. E 



66 

ger Geruch im ganzen Schiffe war die Folge, und Niemand 
fand seine Lage comfortable. Man schob die Schuld dieses Uebels 
darauf, daffl das Schiff im Winter gebaut worden. 

Den 15. Juli. Wir hatten des contrairen Windes wegen süd- 
lich gesteuert, und waren wieder in eine der östlich führenden 
Strömungen des Meeres gerathen. Der Wind wurde sehr schwach 
und wir wurden zurückgetrieben. Die Beobachtungen ergaben 
t ine Breite von 43" 46' 15" und eine Länge von 59° 9' 37". Der 
modrige Geruch hatte in unserer Cajüte so überhand genommen, 
dafs die Schränke aufgemacht und gelüftet werden mufsten. Wir 
fanden den Schimmel an fast allen Büchern und Kleidungsstücken 
auf eine schreckliche Art angeschossen, besonders an den Stiefeln. 
Das Wetter hellte sich auf, und wir hatten bei einer völligen Wind- 
stille eine sehr warme Luft. Die See war ruhig und das Schiff 
bewegte sich so wenig , als wenn es im Hafen läge. Gegen Abend 
endlich erhob sich, wiewohl Anfangs sehr schwach, ein Ostwind, 
der, wenn er fortgefahren wäre, uns bald nach liodon gebracht 
haben würde. Beim Sonnenuntergänge freute ich mich über den 
äufserst schönen Anblick des Himmels. Er war fast dunkelblau ; 
und die goldgelben Federwolken sahen auf diesem Blau fast grün 
aus. Endlich wurde der ganze Himmel rosenroth, und das Meer 
nahm eine Goldfarbe an. Hätte Jemand diese Scene zu malen ver- 
mocht: gewifs, Personen, die nie zur See gewesen sind, würden 
nicht glauben, dafs die Natur solche Erscheinungen darbiete! 
Wegen des Kreuzens in der Nähe des ewigen Sablc islqnd's wurde 
das Senkblei mehrmals ausgeworfen, und zweimal fanden wir 
Sandgrund. 

Am 16. Juli war der Wind nordöstlich , und trieb uns gut vor- 
wärts. Zwei Tage solchen Wind, und wir würden an dem Ort 
unserer Bestimmung gewesen sein! Die Breite war 43° 23' 18"; 
die Länge 60° 6' 25". Früh Nebel; gegen Mittag Sonnenschein 
und sehr warmes Wetter; Nachmittags tielen die Barometer, und 
Abends hatten wir Regen. Dennoch behielten wir günstigen Wind 
und liefen Abends 8 Knoten, wobei, so wie gestern, das Schiff 
fast keine Bewegung hatte. Gegen 10 Uhr Abends begegneten 
wir einem, aus Boston kommenden Schooner, fuhren aber so 
schnell an ihm vorüber, dafs wir kaum einige Worte miteinander 
wechseln konnten. Heute waren es bereits 4 Wochen, dafs wir 
Falmouth verlassen hatten. 

Den 17. Juli. Der Wind, abermals westlich, war während der 
Nacht sehr heftig gewesen ; auch hatten wir ein Gewitter gehabt, 



67 

das ich jedoch verschlafen hatte. Wir sprachen Vormittags das 
Schiff Schuylkill von New -York, Schiffer Nicholls, das mit 130 
irländischen Emigranten von Cork in Irland kam und bereits 42 
Tage in See gewesen war. Es befand sich in Noth aus Mangel an 
Wasser. Seit mehreren Tagen hatte jeder Passagier nur ~ Flasche 
Wasser auf 24 Stunden ei halten. Wir waren reichlich mit Wasser 
versehen; also halfen wir mit mehreren Fässern aus. Das Schiff 
liefs dieselben durch eine Schaluppe abholen. Der amerikanische 
Steuermann, der mit dieser Schaluppe gekommen war, konnte uns 
die Lage der armen Reisenden nicht schrecklich genug beschrei- 
ben. Unter ihnen, sagte er, wären viele Weiber und Kinder, und 
von den Letzteren mehrere krank. Er fragte, ob wir ihnen keinen 
Arrowroot schicken könnten. Leider hatten wir keinen an Bord. 
Wir schickten ihnen aber Wein und Zucker; und ich fügte von 
meiner conservirten englischen Milch und von meinen Suppen hin- 
zu , um zur Labung dieser armen Geschöpfe auch das Meinige 
beizutragen *). Es rührte uns tief, als Mir das Jubelgeschrei der 
unglücklichen Reisenden hörten, da sie ihre Schaluppe mit Pro- 
visionen von unserm Schiff ankommen sahen. Wäre dieses Schiff 
uns nicht begegnet, so hätte es irgend einen Hafen von Nova 
Scoiia aufsuchen müssen. Es schien sehr alt zu sein ; seine Mäste 
und Segel waren in einem schlechten Zustand; und dieses erklärte, 
warum es, da sein Weg doch kürzer war, als derunsrige, 13 Tage 
länger als wir in See gewesen war. Der Steuermann war sehr 
erkenntlich: er gab uns die Adresse seines Patrons in New -York, 
und sagte, dafs er sich bestreben würde, wenn Mir in jene Stadt 
kämen, uns seine Dankbarkeit zu bezeigen. Unsere heutige Mit- 
tagsbreite betrug 43° 13' 32" und unsere Länge 62° 42' 10". 
Damit wir die Gewohnheit des Nebels nicht verlören, erhob sich 
Nachmittags Mieder ein sehr ansehnlicher Dunst. Dabei wurde der 
Westwind immer heftiger, so dafs in den Marssegeln zwei Riffe 
genommen Meiden mufsten. Durch den dichten Nebel Mar es so 
glatt auf dem Verdecke geworden, dafs man sich kaum aufrecht 
erhalten konnte. Wir mufsten Miederum laviren, um die gefähr- 
liche Küste von Nova Scoiia zu vermeiden, die Mir im Nebel, zu- 



*) In New -York erfuhr ich spater, der Schiflcr Nicholls habe den armen 
Jrlündern Nichts von diesen Provisionen gegeben, und sie selbst auf- 
gezehrt. Er wurde auch wegen der vielen klagen, welche die I'.issa- 
giero gegen ihn anbrachten, von seinem Kheeder seines Dienstes t<i. 
Lassen. 

E 2 



08 

mal mit einbrechender Nacht, nicht zu erkennen im Stande waren. 
Wir wendeten uns link. 1 «, wo der Gttlfslream auch keine angenehme 
Nachbarschaft gewährte. Auf die Nähe desselben schlofs man aus 
den Klumpen grasartigei Mooses, das wir auf der Oberfläche der 
See schwimmen sahen. 

Den 18. Juli. Sehr schönes Wetter; leider aber beständiger 
und mitunter sehr heftiger Westwind. Wir mnfsten fast den ganzen 
Ta"- mit 2 Riffen in den Marssegeln schiffen und dabei beständig 
la\iren, um nur nicht wieder zurückgetrieben zu werden. Die 
Mittagsbeobachtungen zeigten eine Breite von 43° 24' 42" und 
eine Länge von 63° 7' 57". 

Am 19. Juli. Nachmittags drehete sich der Wind und wurde 
so günstig, dafs wir nicht mehr zu laviren brauchten, sondern 
unsern Lauf wieder auf Bosion richten konnten. Aber wir fuhren 
kaum einen Knoten in der Stunde. Breite 42° 37' 33"; Länge 63° 
47' 4". Gegen Mittag sprachen wir das Schiff Legatus von Sunder- 
Iwid, das gestern Mittags St. John in New-Brunsuic verlassen 
hatte, und nach England, mit Holz beladen, zurückkehrte. Es 
schien sich in einem sehr guten Zustande zu befinden, und sah neu 
und äufserst reinlich aus. Wir bemerkten wieder viele Braunfische, 
und einen grofsen Hai , nach welchem jedoch eine Angel vergebens 
ausgeworfen wurde. Alle Tage hatten wir die kleinen Seevögel, 
Malaviten genannt, um unser Schiff herumfliegen sehen; heute 
setzte sich eine auf die Segelstange vom Besansmast. Wir schlössen 
auf die Nähe von Land, und wirklich befanden wir uns gegen 
Mittag nur 15 Seemeilen vom Cap Sable, der südwestlichen Spitze 
von Nova Scotia. Das Wetter war den ganzen Tag über ziemlich 
hell. 

Den 20. Juli. Der Wind war Vormittags günstig, aber sehr 
schwach; und gegen Mittag drehete er sich wieder nach Westen, 
so dafs der kleine Strahl von Hoffnung, der uns erschienen war, 
nur zu bald wieder verschwand. Breite 43 3 3' 9"; Länge 64° 37' 
28". Es war berechnet worden, dafs wir gegen 4 Uhr Nachmittags 
das Cap Sable sehen würden. Wir freuten uns herzlich; denn nach 
so langem Herumschwanken wird die Sehnsucht nach Land sehr 
grofs. Leider wurden wir durch einen eintretenden Nebel getäuscht, 
der an Dichtheit keinem der starken Nebel nachstand, die uns seit 
2 Wochen verfolgt hatten. Der Wind wurde so schwach, dafs unser 
Schiff während einer halben Stunde dem Strome nachgab , und sich 
mit der Spitze östlich drehete. Endlich gegen Abend ward er 
wieder besser und trieb uns auf den rechten Weg zurück. Zugleich 



69 

hatten wir Donner und Blitz ; erstem* jedoch entfernt und ziemlich 
schwach. Bevor der Nebel uns überfiel, sahen wir in unserer Nähe 
einen Schooner und in weiterer Entfernung drei andere gröfsere 
Schifte; unter ihnen einen Dreimaster. An dieser Menge von 
Schilfen erkannten wir , dafs wir uns Gottlob einer bewohnten Küste 
näherten. 

Den 21. Juli. Der Nebel dauerte fast den ganzen Tag fort, 
und artete oft in Regen aus; der "Wind war im Ganzen nicht un- 
günstig; früh ziemlich stark, Nachmittags schwächer; die See 
unruhig. Seit 3 Tagen hatten wir die Sonne nicht gesehen, und die 
gewöhnlichen Beobachtungen mit den Sextanten hatten nicht vor- 
genommen werden können. Defswegen wurde die Höhe nur nach 
dem Compafs und dem Logg, was sehr unsicher ist, bestimmt; 
und nach dieser Bestimmung betrug unsere heutige Breite 42° 58' 
21 " und die Länge 66° 6' 0". Wir hatten endlich die ki'.ste von 
Nova Scotia, und vorzüglich das wegen seiner Sandbänke getähr- 
liche Cap Saide im Rücken. Das Senkblei, oft ausgeworfen, zeigte 
meistens auf 40 Faden Grund, gewöhnlich Sand mit kleinen gelb- 
lichen Steinen, einmal mit Muscheln, auch einmal mit Schwämmen, 
ordentlichen Waschschwämmen. Wir waren über die la Have Bank 
gefahren, und kamen nun in die Bai von Massachusetts. Unsern 
Lauf richteten wir auf Cape Cod, Cabcljau-Cap , bei Boston, und 
kamen nach der George Bank , welche sieb, von diesem Cap aus, 
weit östlich in die See erstreckt. Gegen 6 Uhr Abends, wo der 
Nebel sich auf eine kurze Zeit vertheilte, erblickten wir nicht weit 
von uns einen mit Fischen beschäftigten Schooner. Wir schickten 
eine Schaluppe zu demselben, mit einem Offizier, um Fische zu 
kaufen. Der Schooner war von Cape Cod ausgelaufen und be- 
schäftigte sich, neben andern Schiften, seit 8 Tagen mit dem auf 
dieser Bank äufserst ergiebigen Fange der Cabeljaue und Eelbotte. 
Für einen Piaster (Dollar) und ein Paar Flaschen Genever schickte 
er uns so viele Fische, dafs unser ganzes Schiftspersonal auf mehrere 
Tage davon zu essen hatte. Unter den Eelbots befand sich einer, 
der über 2 niederländische Ellen — metres — lang, und 70 Zoll 
— centinutres — dick war. Ich bewunderte diesen colossalen Eel- 
bot, hörte aber, dafs man zuweilen dreimal gröfsere fange. Die 
Art zu fischen ist hier dieselbe, wie die der Franzosen auf der 
Bank von Terrencuve, von welcher ich früher gesprochen habe. 
Der Nebel ward Abends wieder äufserst dicht, und während der 
Nacht hatten wir starkes Wetterleuchten. Der Wind war äufserst 
unbeständig; wir konnten nur wenige Segel gebrauchen; und da 



70 

vir uns Sandbänken und verborgenen Klippen naheten, und keinen 
der himmlischen Körper, nach welchen die Seeleute ihren Cours 
richten, sehen konnten, so befanden wir uns allerdings in einer 
etwas kritischen Lage. Diese kritische Lage dauerte den folgenden 
Tag, den 22. Juli, fort. Der Nebel nahm eher zu, als ab; die 
Sonne kam kein einziges Mal zum Vorschein. Der Wind weitete 
glücklicherweise nur schwach, und trieb uns in der guten Richtung. 
An vielem herumschwimmenden Seegrase sahen Mir, dafs vir uns 
der Küste näherten. Dieses Seegras hat solche mit einer weiften 
Gallerte gefüllte Knollen, wie das Seegras an der holländischen 
Küste; an dieselben hatten sich viele Muscheln mit einer sehr dün- 
nen und weifslichen Schale angesetzt. Früh hatten wir eine auf- 
fallende drückende Gewitterluft, die jedoch nicht lange anhielt; 
auch hörten wir stark donnern, wiewohl auf eine grofse Entfernung. 
Nach dem gegisden besteh betrug unsere Breite 43° 10' 54" und 
unsere Länge 67° 21' 8". 

Da fast kein Wind wehete, und die See sich sehr ruhig zeigte, 
so stellte Capt. Ryk gegen Mittag einige Experimente mit dem 
Batliom ei er an, wie ihm von unserm Gouvernement befohlen war. 
Dieses Instrument ist von einem Arzt in Delft, Namens Stiprian 
Liiiscius, der sich in seinem Fach eines sehr guten Rufes erfreuen 
soll, erfunden worden. Für die an unserm Bord befindlichen 
Exemplare hatte das Gouvernement 1000 Fl. bezahlt. Das Instrument 
soll dazu dienen, die Tiefe des Meeres zu messen, da, wo das Senk- 
blei nicht mehr zureicht. 

Es besteht, wie die Skizze zeigt, aus 2 parallel über einander 
liegenden messingenen Scheiben, die ungefähr 3 deeimetres im 
Durchmesserhaben, von einander 3 centimetres entfernt sind, und 
die Maschine A bilden. Zwischen den Scheiben um die Axe b dre- 
hen sich 4 Flügel c, welche ein Räderwerk mit einem Weiser in 
dem Kasten d dergestalt in Bewegung setzen können, dafs der 
V-, eiser anzeiget, wie oft sich die Flügel um ihre Axe gedreht ha- 
ben. Der Rand der Maschine, der beide Scheiben mit einander 
verbindet, besteht zu einem Drittheil aus einem Drahtgitter, welches 
das Wasser schief auf die Flügel fallen läfst, und zu zwei Drittheilen 
aus einem festen Messingblech. Die Maschine hängt an einer Boje e. 
Das Ganze (Boje e und Maschine Ä) ist spezifisch leichter, als 
das Vi asser. Durch das hinzugefügte bleierne Gewicht / wird es 
aber zum Sinken gebracht. Nun ist die Idee des Erfinders folgende. 
Die Maschine wird ins Wasser gesenkt. Das Gewicht /, durch 
welches ein Stab gehet, an dem die hölzerne Kugel g befestiget ist, 



n 




zieht dieselbe auf den Meeresgrund. Das Wasser, welches in das 
Innere der Maschine eindringt, setzt die Flügel c in Bewegung. 
Die Flügel drehen ihrer Seits das bei d befindliche Räderwdft 
und <\<-n Weiser. Wenn nun die Kugel g den Grund des Meeres 
berührt, so stufst sie vermittelst des Stabes, an welchem sie hängt, 
auf den Pflock //. Dieser wird dadurch in die Maschine hinauf 
geschoben, hemmt wie ein Riegel die Bewegung der Flügel, und 
drückt zugleich auf 2 Federn, die sich bei i öffnen. Dadurch 
trennen sich das bleierne Gewicht/, die Kugel £, und der bis an 
dea Pflock h reichende Stab von der übrigen Maschine, und bleiben 
auf dem Grunde des Meeres liegen; die Maschine hingegen kommt 
wieder auf die Oberfläche des Meeres herauf. An der über der 



72 

Boje angebrachten kleinen Flagge erkennt man, wo die Maschine 
heraufsteigt. An dem, in dem Kästchen d befindlichen Weiser 
kann man lesen, \wc oft das Rad sich umgedrehet hat; und hieraus 
ist die Tiefe des Meeres zu berechnen. 

Leider entsprach das Resultat der Experimente keineswegs der 
Erwartung, die man sich gemacht hatte. Die Pallas hatte zweier- 
lei Bojen zu diesen Versuchen bekommen ; hohle von Messingblech 
und volle von Korkholz, mit kupfernen Reifen festgehalten. Auf 
eine Tiefe von 30 Faden war der Druck des Wassers so stark , dafs 
er beim ersten \ ersuch die messingene Boje gänzlich zerquetschte. 
Auf eine Tiefe von 100 Faden wurde dann ein anderer Versuch mit 
der korkenen Boje angestellt, und an diese aus Vorsicht, um die 
Maschine nicht zu verlieren, ein Tau befestiget, an dem man sie, 
wie ein Senkblei, in das Wasser hinabgleiten liefs. Die Maschine 
kam zwar wieder herauf; jedoch war die Boje durch den Druck des 
Wassers sehr verletzt; ganze Stücken Kork waren herausgerissen, 
und die Oelfarbe, mit der sie bestrichen war, sehr beschädigt. Der 
Pflock h, anstatt sich als Riegel vorzuschieben, war herausge- 
sprungen, und das Rad aus seiner Axe gefallen. Wenn man, nach 
des Erlinders Angabe, die Maschine, ohne sie an einem Tau zu 
befestigen, in das Wasser liefse, so würde es sehr schwer sein, die 
Boje wiederzufinden. In der Tiefe des Meeres finden gewöhnlich 
Strömungen Statt; ohne Zweifel würde die Boje, die eine bedeu- 
tende Zeit braucht, um wieder empor zu steigen, durch diese 
Strömungen sehr weit hinweggetrieben werden. Inzwischen hat 
aber auch das Schiff seine Stellung verändert. Um so mehr müfste 
man wohl auf die Hoffnung \ erzieht leisten, die Boje und den 
Kasten wieder zu Gesicht zu bekommen. Mit Bedauern sahen wir, 
dafs der Bailtomt-tcr , dessen Erfindung dem Genie des Herrn 
Stiprian übrigens Ehre macht, der Erwartung nicht entsprach. 
Von uns ward auch heute das gewöhnliche Senkblei fast alle halbe 
Stunden ausgeworfen ; und nach der Tiefe des Meeres, und nach 
den Proben des Grundes, die das Senkblei mit heraufbrachte, 
orientirte man sich auf der Charte. Um bei dem dichten Nebel, 
der so stark war, dafs man vom Bosnnsmast kaum die am Fockmast 
stehenden Menschen erkennen konnte, Unglücksfällen vorzubeu- 
gen, wurde Abends oft an die Glocke geschlagen. Dafs wir nicht 
allein hier waren, bewies der Schall eines Ilornes, der durch den 
Nebel zu uns herüber tönte. 

Den 23. Juli. Seit wir Falmmdh verlassen Latten, waren schon 
5 V ochcn vergangen. Gegen Mittag ka n die Sonne zum Vor- 



73 

schein. Unsere Herren Offiziere benutzten diesen Augenblick, um 
Beobachtungen mit dem Sextanten zu machen , und unsere Stellung 
zu verificiren. Nach diesen Beobachtungen betrug unsere Breite 
42° 44' 35", unsere Lunge 68° 12' 30"; und man fand, dafs die 
gegisden bestehs richtig gewesen waren. Wir sahen heute mehrere 
Schooner, und sprachen einen Fischer von Marblehcad bei Boston, 
der 4 Monat in See gewesen war, und eine grofse Ladung gesalze- 
ner Fische mit nach Hause nahm. Der Wind, der den ganzen 
Tag über nur schwach, für uns aber in einer guten Richtung ge- 
wehet hatte, wurde gegen Abend so stark, dafs vir über 9 Knoten 
liefen. Leider erhob sich Abends auch Mieder ein dichter und 
feuchter Nebel, der Alles durchdrang und alle Aussicht hinderte. 
Man mufste also wieder seine Zuflucht zum Senkblei nehmen, das 
uns spät Abends blauen Schlamm heraufbrachte, zum Beweise, dafs 
wir uns in der Nähe des Landes in der Bai von Massachusetts 
befanden. Ein grofser Haifisch schwamm heute lange um unser 
Schilf herum. Die Seeleute sehen das nicht gern} weil sie bald 
einen Todten an Bord zu haben fürchten. Der Hai mufs in dieser 
fischreichen Gebend des Meeres viele Beute antreffen ; denn er war 
nicht zubewegen, ein delicates Stück Speck, das wir ihm an der 
Angel präsentirten, anzunehmen. 

Der 24. Juli war ein Sonntag. Das AVetter hellte sich auf; es 
wurde ziemlich warm. Während der Nacht hatten wir Gegenwind 
gehabt; gegen Morgen ward er uns aber günstig. Inzwischen 
waren wir in eine der Strömungen gerathen, die an dieser Küste 
so häufig sind, und die uns gegen Norden trieb. Vormittags 
halb 12 Uhr endlich, als ich gerade in der Cajüte mit Schreiben 
beschäftiget war, hörte ich die Glocke zu einem aufserordcntlichen 
oorlam *) schlagen. Ich errieth sogleich, dafs man Land sähe. 
In demselben Augenblicke bestätigte Freund Tromp, der, so wie ich, 
an unserm Bord das meiste Interesse hatte, bald ans Land zu 
kommen, diese schöne Vermuthung. Ich eilte aufs Verdeck und 
erblickte gegen Westen mit meinem guten Fernrohr einen blauen 
Strich, der, je mehr Mir uns näherten, desto deutlicher hervor- 
trat. Wir erkannten eine weifse Küste mit Bäumen bewachsen, und 
entdeckten aufser mehreren Häusern zwei Leuchtthürme. Es Mar 
dieses Cape Anne, nördlich von Boston gelegen. Die Lootsen- 
flagge wurde aufgezogen und zu ZMei verschiedenen Malen eine 



*) Außerordentliche Austheilung von geistigen Getränken an die SchiftV 
mannnrhaft 



Kanone gelöset, um einen Lootscn zu rufen: es Tiefs sich jedoch 
keiner blicken. Wahrend dieser Zeit zog vom Lande her ein 
schweres Gewitter auf, das einen gewaltigen Regengnfs um ] einige 
tüchtige Schlüge brachte. Einer dieser Schläge fiel dicht \or dem 
Schiff ins Meer und hätte den Schiffer *) beinahe erschlagen. 
Nach einer guten halben Stunde war indefs Alles vorüber. Obgleich 
das Gewitter nicht lange dauerte, so war es doch äufserst heftig 
gewesen, und der Blitzableiter, so wie die Feuerspritze , waren auf 
jeden möglichen Fall in Bereitschaft gebracht. Die See war dabei 
nicht aufs erordentlich bewegt. Nach dem Gewitter hatten wir hei- 
teres und sehr schönes Wetter, auch ziemlich günstigen Wind. 
Gegen 6 Uhr Abends kam endlich aus Gloucester bei Cape Anne ein 
Lootse an Bord, um uns nach Boston zu geleiten. Es war ein 
schlichter Landmann, ziemlich bejahrt und sehr gesprächig. Er 
erzählte uns von einem grofsen Brande, der vor 4 bis 5 Wochen in 
Boston Statt gehabt hätte : über 50 zum Theil sehr schöne Häuser 
wären abgebrannt. Auch erzählte er, dafs am 17. Juni, dem 50jähri- 
gen Jahrestage der Schlacht bei Bunkers/rill , der General Lafayette 
in Boston gewesen sei, um dieses Jubiläum an Ort und Stelle zu 
feiern. Ein neuer Beweggrund für mich, die viele in Holland und 
England verlorne Zeit zu bedauern! Hinter einem kleinen Hügel 
sahen wir die 4 Kirchen und Thürme der Stadt Gloucester , die sich 
gröfstes Theils vom Fischfänge nähret, und etwa 11,000 Einwohner 
hat. Meine liebe Vaterstadt Weimar hat 2 Kirchen, und diese sind 
für die Bedürfnisse meiner Landsleute mehr als zureichend. Nehme 
ich dieses zum Mafsstabe der Frömmigkeit, so mufs hier in den 
Vereinten Staaten eine grofse Religiosität herrschen , da, man für 
11,000 Einwohner 4 Kirchen braucht. Die Verschiedenheit der 
Secten macht aber wahrscheinlich so viele Kirchen nothwendig. 
Denn es finden sich hier Presbyterianer , Unitarier, Episcopalen 
und Methodisten. Uebrigens fiel mir bei dieser Frömmigkeit, die 
sich im Bau vieler Kirchen äufsert, eine Maxime der Wechabiten 
ein , die Aly Bey el Abassi in seinen Reisen citirt : „Tst Dein Nachbar 
Einmal am Grabe des Propheten gewesen , so hüte Dich vor ihm ; 
hat er aber die Pilgerschaft zwei Male vollbracht, so siehe Dich nach 
einer andern Wohnung um." 

Die heutigen Mittagsbeobachtungen ergaben eine Breite von 
42^ 38' 15" und eine Länge von 70° 15' 48". Wegen des schwa- 
chen Windes näherten wir uns sehr langsam unsrer Bestimmung, 



*) Erster I'nlcr-Offizicr auf einem Kriegsschiff. 



75 

und hatten Mufse , die Küste zu betrachten, auf welcher wir vieles 
Holz, zum Theil Tannenholz, erblickten. Das Ufer schien sandig 
zu sein, und ich sah mehrere den römischen Pinien ähnliche 
Bäume. Die Sonne ging sehr schön unter, und auf den lieblichen 
Abend folgte eine mondhelle, sehr warme Nacht; die erste seit Fal- 
moutlt. Ich hielt mich bis 12 Uhr meistens auf dem Verdeck auf 
und beobachtete die Leuchtthürmo von Cape Anne, wo 2 stehen, 
von Salem und in der Ferne von Boston, dessen Licht sich dreht, 
und defswegen für uns in jeder Minute nur 20 Secunden sichtbar 
war. Ich hörte, dafs Salem eine sehr blühende Handelsstadt sei, 
die Boston vielen Abbruch thue , und gegen 80 Schilfe in See habe, 
von welchen mehrere mit Ostindien und China Handel treiben; ich 
hörte auch, dafs es bei Cape Anne viele Klapperschlangen gäbe. 

Den 25. Juli. Völlige Windstille und grofse Schwüle. Die 
Pallas war während der Nacht südlich von der Bai von Boston 
getrieben worden. An der ziemlich waldigen Küste bemerkte man 
zwei kleine Oerter, hier Städte genannt, Scituate und Konohasset. 
Der letzte liegt in einer kleinen Bucht; der erste scheint gegen 
40 Häuser zu enthalten und hat 2 Kirchen. Gegen 3 Uhr Nach- 
mittags erhob sich ein cerincer Wind. Wir benutzten denselben, 
um nach dem Leuehtthurme von Boston zu steuern, und diese 
Stadt, womöglich, heute noch zu erreichen. Der Leuchtthurm 
liest an einer felsigen Insel am Einlange der Bai von Boston , und 
ist noch 9 englische Meilen von dieser Stadt entfernt. In der Bai 
Liesen ungefähr 20 Inseln. Nach langem Laviren bekamen wir die 
Inseln mit dem Thurme hinter uns , und da der Wind uns wieder 
ent«-e<ren trat, so mufsten wir in dem Archipel abermals laviren, um 
die Inseln zu umschiffen. Bei dem kurzen Wenden um eine der- 
selben wäre die Pallas beinahe auf den Grund gestofsen, und es 
bedurfte des kalten Blutes vom Capt. Byk, um uns durch ein sehr 
schnelles Drehen aus dieser gefährlichen Lage zu reifsen. Indefs 
mufsten wir in der Nähe einer Insel, die long; island heifst, von 
Neuem einen Anker auswerfen, um die Nacht über hier zu bleiben. 
Dieses geschah gegen 7 Uhr Abends; wir waren noch gegen 7 
englische Meilen von Boston entfernt. Aon unserm Ankerplatz aus 
hatten wir eine schöne Aussicht auf den Archipel und auf die Stadt, 
die wir auf einer Anhöhe über mehrere Inseln hinweg erblickten. 
Eine hohe Kuppel schien der höchste Punct der Stadt zu sein. Auf 
einer der vor uns liegenden Inseln sahen wir das Fort Indepcn- 
dence; auf long island ein Haus mit einem Leuchtthürmchen und 
einer Semaphore, um die Signale zu wiederholen, die vom grofsen 



76 ■ 

Leuchtthurm aus, auf welchem ein Flaggenstab stellt, gegeben 
werden. Auf vier Insel Nangaskvt sahen wir ein Dorf gleiche! 
Namen /wischen zwei Hügeln liegen; auf den andern Inseln stan- 
den nur einzelne Häuser, meistens hölzerne mit Schindeln gedeckt. 
Der Grund der Inseln ist theils felsig, theils besteht er aus greisen 
Geschieben, siuf welchen Thonerde ruhet. Auf zwei Plätzen, wo 
gefährliche Felsen sind, hat man Pyramiden aufgerichtet, die den 
Seefahrern als Merkmal und als Warnung dienen. Diese Bai soll, 
wie der Lootse uns versicherte, von Haifischen wimmeln. Als wir 
den Anker ausgeworfen hatten, näherte sich uns ein sehr eleganter 
Schooner, auf dem die Gesundheitsbeamteten sich befanden. Sie 
erkundigten sich mit vieler Höflichkeit nach dem Namen des 
Schiffes und nach unsrer vollbrachten Reise; und als sie nach der 
Stadt zurückfuhren, hatten sie die Aufmerksamkeit, sich zu erbie- 
ten, diejenigen, die ans Land steigen wollten, auf ihrem Schiffe 
mitzunehmen. Diese Höflichkeit machte auf uns einen sehr guten 
Eindruck. Wir betrachteten sie als ein gutes Omen für unsre Auf- 
nahme in diesem Lande, nach welchem wir, ohne, es zu kennen, 
ein gewisses Heimweh fühlten. 

Am 26. Juli wurden wir früh gegen 4 Uhr durch das Auf- 
winden des Ankers aus dem Schlafe geweckt. Ich freute mich 
sehr, weil ich endlich unsrer Reise ein Ende sah. Leider ward 
aber unsre Geduld noch Einmal auf eine harte Probe gestellt; 
denn der Wind setzte sich uns noch Einmal emVe«ren , und nach- 
dem wir eine halbe Stunde lavirt hatten , mufste der Anker abermals 
ausgeworfen werden. Da es nun schien, als würde es vor Abends 
nicht weiter gehen : so bestieg ich mit Capt. Byk und Freund 
Tromp eine Schaluppe, um nach Boston zu fahren. Die Stadt 
schien näher zu liegen , als es der Fall war. Um 8 Uhr verliefscn 
wir die Pallas, — es war der 37. Tag, den ich mich an ihrem Bord 
befand — , und steuerten zwischen den Inseln hindurch, liefsen das 
Fort Independence zur Linken liegen, und zur Hechten Governors 
island, ebenfalls mit einem Fort. So näherten wir uns endlich 
Boston, dieser Wiege der amerikanischen Freiheit Die Stadt, 
die sich auf einer Halbinsel kegelförmig erhebt, gewährte einen 
schönen Anblick. Wir wufsten nicht recht, wo wir ans Land steigen 
sollten ; also fuhren wir längs des Ufers hin , wo wir gute Quais 
vermifsten , aber sehr viele Schiffe antrafen , die mit Aus - und Ein- 
laden beschäftigt waren. An einem langen Pier, the long wharf 
genannt, fanden wir eine Treppe, und stiegen ans Land. Es war 
früh 10 Uhr, als ich meinen Fufs in Amerika auf ein breites Stück 



77 

Granit setzte ! Es ist unmöglich, das Gefühl zu beschreiben, das 
mich in diesem Augenblicke durchdrang. Bisher hatten zwei Mo- 
mente in meinem Leben eine schöne Erinnerung hinterlassen : der 
erste, als ich, 17 Jahr alt, nach der Schlacht bei Wagram das Kreuz 
der Ehrenlegion erhielt; der andere, als mein Sohn Wilhelm mir 
geboren Mar. Meine Ankunft in Nord-Amerika, in dem Lande, das 
zu sehen von Jugend an mein heifser Wunsch gewesen war, wird 
mir eine dritte schöne Erinnerung bleiben für mein ganzes Leben! 



IV. 



Aufenthalt in Boston. 

Vom 20". Juli bis 9. August 1825. 



Sogleich nach unsrer Ankunft erkundigten vir uns nach dem 
Hanse des holländischen Consuls ManzonL Er war abwesend, und 
hatte seine Geschäfte einem hiesigen Mäkler Namens Dozier über- 
tragen. Ein Knabe führte uns längs des Piers an einem sehr lan- 
gen, 4 Etagen hohen, von Backsteinen erbauten Magazine vorbei, 
das in der Mitte eine Kuppel hatte, auf welcher verschiedene Flag- 
gen weheten: diese Flaggen correspondiren als Semaphore mit 
dem Semaphor auf long Island. Hierauf gingen vir durch ver- 
schiedene breite, mitTrottoirs versehene und sehr lebhafte Strafsen. 
Auffallend waren uns Frachtkarren mit vier Ochsen und vorweg 
mit einem Pferde bespannt. Die Iiitze war sehr grofs : 92 c Fahren- 
heit im Schatten. Man Versicherte, vor einigen Tagen habe sie 
100 r betragen, und in Boston wären mehrere Menschen, die kaltes 
Wasser getrunken halten , plötzlich todt niedergestürzt. Den Yice- 
Consul trafen wir auf seinem Comptoir. Unsere erste Frage war 
nach einem comfortablen W irthshanse. Der Consul hatte die Ge- 
fälligkeit, uns nach dem Exchange Coffeehouse zu bringen; und 
hier schlugen wir unser Hauptquartier auf. Kaum war dieses ge- 
schehen, so ging ich zu einem Buchhändler, um einen Plan und 
eine ßeschreibun«; von Boston zu kaufen. Ich fand aber weder das 
Eine, noch das Andere. Auf dem Rückwege kaufte ich einen Stroh- 
hut mit einer kolossalen Krempe, wie man sie hier trug. Nicht 
lange nachher erhielt ich einen Besuch \on Herrn Andrew I» lichte, 
den ich vor 2 Jahren in Mngland kennen gelernt hatte. Es freute 
mich sehr, diesen wackern Mann wiederzusehen, der hier in 
grofsem Ansehen stand und seit 1j Jahren sich wieder verheirathet 
hatte mit der Tochter des Herrn Ulis, eines hiesigen gleichfalls sehr 
angesehenen Einwohners, ehemaligen Senators der Republik und 
Chefs der Föderalisten-Partei. Ich dinirte, dem hiesigen Gebrauche 



Lage Ton Boston. 

Zu Seke 79. 




a 


ßosfow. 


6 


Cftarleslown mit dem Navyyard 


c 


South Boston. 


<Z 


Cambridge. 


e 


Charlesriver. 


f 


Govcrnors island. t 


g 


Fori Independence. 


/< 


Ligthouse. 


7 


Bujikerskill. 



79 

gemäfs um 2 Uhr an der Wirthstafel, an welcher man mir den Ehren- 
platz neben dein Wirth , Herrn Hamilton , einräumte. Dieser war 
Mährend des letzten Krieges Oberst bei den Freiwilligen gewesen, 
und hatte seinen Titel beibehalten. Ich fand an ihm einen höflichen 
Mann, wie ich denn überhaupt die Höflichkeit der Gäste, deren 
sich mehrere mit mir bekannt machten, nicht genug rühmen kann. 
Die Speisen waren sehr gut zubereitet, und wären sie auch min- 
der gut gewesen , ich w ürde sie dennoch , da ich frische Provisionen 
so lange hatte entbehren müssen, mit dem gröfsten Appetit verzehrt 
haben. So ging es mir auch mit dem Obst, das auflallend klein 
und schlecht war, und mir dennoch gut schmeckte. Wegen der Un- 
geheuern Hitze, wie seit 20 Jahren keine Statt gefunden hatte, war 
alles Obst zu früh reif geworden. Der Wein ward in Rubeln mit 
Eis auf die Tafel gebracht, und in jedes Glas Bier ward ein Stück 
Eis gelegt, um das Getränk zu erfrischen. 

In dem Wirthshause befindet sich unten neben dem grofsen 
Speisesaal ein gemeinschaftlicher Platz mit 2 Seitenzimmern, in 
welchem die Fremden, die Nichts zu thun haben, sich den Tag 
über aufhalten. An einem Büffet konnte man Wein, Limonade, 
Sodawasser u. s. w. , Alles mit Eis, bekommen. Acht Zeitungen lagen 
auf einem grofsen Pulte befestiget Diese Zeitunjrcn haben alle das 
Format der englischen und sind jnüfstes Theils mit mercantüischen 
und andern Ankündigungen angefüllt. Das Haus ist übrigens ganz 
wie ein englisches Gasthaus eingerichtet. Die Bedienung fand ich 
höflich und aufmerksam; schwarze und weifse Bedienten unterein- 
ander. Nach 4 Uhr kam Herr Ritchie mit seinem Schwiegervater 
und dessen Sohn, der vor Kurzem von seiner Reise nach Europa 
zurückgekommen war, um Herrn Tro?np und mich in der Stadt 
herumzuführen *). 

In einer der Uauptstrafsen, Cornhill, finden sich viele elegante 
Läden. Ein neues Gebäude, für einen Zweiff der amerikanischen 
Bank, hat eine einfache Fronte, 2 dorische Säulen, jede aus Einem 
Stück Granit, 18 Fufs hoch und beinahe 5 Fufs im Durchmesser. 
Im alten Rathhause wurden die ersten Volksversammlungen beim 
Beginne der amerikanischen Revolution gehalten. Ein grofser Saal, 
der zur Versammlung der Aldennen dient, enthält ein lebensgroßes 
Portrait des grofsen Washington, von Stuart gemalt, und die Büste 
des alten Präsidenten Adams, Vaters des jetzigen. Die Büste ist 
mit einem Kranz von Sternen umgeben. Auf 4 Säulen sind die 



') Man s< iic das beiliegende Chärtchen. 



80 

Namen aller Männer eingegraben, welche während der Revolution 
sich ums \ aterland verdient gemacht haben. Unter dem Rathhause 
befindet sich der Fleisch - und Gemüsemarkt. Da aber dieser Platz 
mit Hecht zu diesem Zwecke für unschicklich gehalten wurde, so 
bauet«- man einen neuen Markt, nicht weit von einer der vielen 
Einbuchten der See, welche einen Hafen bildet. Der Magistrat hat 
damit begonnen, einen alten Pfuhl anfüllen zu lassen und ein langes 
Gebäude, dessen Erdgeschofs von Granit, und die drei anderen 
Stockwerke von Backsteinen sind, zu errichten, welches als Magazin 
an hiesige Kaufleute verkauft worden ist. Dieser Verkauf hat so 
viel eingebracht, dafs von dem Gewinne die neue Markthalle, pa- 
rallel mit diesen Magazinen, ganz von Granit aufgeführt werden 
konnte. Sie ist 525 Fufs lang , 50 Fufs breit, und enthält, aufser 
dem Erdgeschosse, nur eine Etage. Auf der andern Seite dieser 
Halle, und wiederum parallel mit derselben, wird eine neue Reihe 
von Magazinen , der ersten ähnlich , angelegt. Durch mehrere 
sehr elegante und breite Strafsen führte Herr Ritcltie uns nach 
seinem, auf der öffentlichen Promenade, beacon /tili , gelegenen 
Hause, einem der gröfsten in Boston. Viele Häuser sind noch von 
Holz; neue Häuser müssen aber von Stein erbauet werden. Die 
meisten sind von Backsteinen; einige hat man roth gelassen, viele 
sind mit hellen Farben angestrichen. In den Erdgeschossen, und 
besonders bei den Läden, ist häufig Granit gebraucht, der 20 
Meilen von Boston in grofser Menge gebrochen wird. Die soge- 
nannte Promenade besteht aus einer grofsen Wiese, kärglich mit 
Bäumen bepflanzt, die sich den Berg hinunter bis an's Meer er- 
streckt. Auf dem höchsten Punkte des Hügels steht das Staaten- 
haus, oder das Capitol, mit einer grofsen, mit Kupfer gedeckten 
Kuppel. Das Haus ist von Backsteinen erbaut, und mit einer 
Facade von 10 gekuppelten Säulen geziert. Diese sind von Holz, 
und sieben dem Ganzen ein etwas baufälliges Ansehen. Aus Herrn 
Ritcftie's 4 Etagen hohem Hause hat man eine schöne und weite 
Aussicht. Das Haus ist reich und geschmackvoll meublirt, und 
mit einigen Gemälden geziert, die er von seinen Reisen mitgebracht 
hat; ich bemerkte unter denselben sehr gelungene Copien der 
Madonna della sedia von Raphacl , einer andern Madonna von 
Sassoferrato und der Scene aus der Sündiluth von Poussin. Wir 
brachten den Abend bei Herrn Ritcltie zu , und lernten seine junge 
Frau, ferner eine Mifs Foster und die Wittwe des Generals Htun- 
j)/trey , Adjudanten des Generals Washington, und ehemaligen Ge- 
sandten der V.St. in Lissabon und Madrit, kennen. Die Generalin 



81 r 

stammt aus einer englischen Familie , ist in Lissabon geboren und 
mufs in ihrer Jugend sehr schön gewesen sein. Noch waren gegen- 
wärtig die beiden Herren Otis, Vater und Sohn. Obgleich sehr 
ermüdet, gefiel es mir in dieser Gesellschaft äufserst wohl. Als wir 
gegen 9 Uhr zu Hause gingen, war es noch immer sehr warm, 
und der volle Mond stand wie eine glühende Kohle am schwülen 
Himmel. Uebrigens war die Pallas gegen Abend bei Boston ange- 
kommen, und hatte in der Nähe des long ivharf die Anker ausge- 
worfen. Im Vorbeisegeln hatte sie das Fort Indcpendence mit 17 
Schüssen salutirt, und mit 18 die Antwort erhalten. 

Ich hatte mir vorgestellt: man würde in Amerika nicht die 
geringste Notiz von mir nehmen; ich fand mich aber bald ange- 
nehm enttäuscht. Schon am andern Morgen erhielt ich eine Ein- 
ladung zum Diner auf morgen bei Herrn Otis Vater, und zugleich 
mehrere Besuche. Ich gedenke des Obersten Heuderson, eines 
sehr feinen Mannes, der Commandant en cltef der Marines ist, und 
von Washington, wo er sein Hauptquartier hat, hieher gekommen 
Mar, um das hier stehende Detaschement seines Corps zu inspiciren. 
Auch besuchte mich ein englischer Kaufmann, Herr Dixon , der 
mich zu seiner Frau, und später zu seinem reichen Schwiegervater, 
Herrn Homer, brachte. Dieser bewohnt auf dem beacon hid ein 
grofses und schönes Haus und hat 2 sehr liebenswürdige Töchter. 
Ich freute mich über den Luxus , der in diesem Hause herrschte ; 
wie denn überhaupt die Häuser und Zimmer viel gröfser, reicher, 
heller und luftiger eingerichtet sind, als die englischen. Mit Herrn 
Ritchie machte ich der G«neralin Humphrey einen Besuch, deren 
Haus wirklich prächtig meublirt war. Um 2 Uhr dinirte ich wieder 
an der Wirthstafel. Abends besuchte ich den russischen Hofrath 
von Wallenstein, Gesandschafts-af/acÄe in Washington, der während 
des Sommers sich seiner Gesundheit wegen hier aufhält. Ich fand 
an ihm einen angenehmen und wohldenkenden Mann. Später ging 
ich zu Herrn Edward Everett, Professor der griechischen Sprache 
an der Universität Cambridge. Herr Everett hatte früh einen 
deutschen Brief an mich geschrieben, und mir seine Dienste auf 
eine äufserst freundliche Weise angeboten. Während einer fünf- 
jährigen Reise durch Europa hat er 2 Jahre in Göttingen studirt, 
und auch Weimar besucht. Er erinnerte sich dessen sehr dankbar, 
und freute sich vorzüglich der Bekanntschaft des St. M. v. Göthe. 
Er ist von seinen Landsleuten zum Mit^liede des Congresses er- 
nannt worden, und hat defshalb auf seine Professur Verzicht ge- 
leistet. 

/. P 



82 

Dieser Herr Everdt holte mich den nächsten Tag ab, um 
mit mir nach der Universität Harvard College in Cambridge, 
3 englische Meilen tou Boston, zu fahren. Um 12 Uhr verliefsen 
Vir bei einer grofsen Hitze Boston und fuhren über die 3400 Fufs 
lange, hölzerne Brücke, wiche beide Städte mit einander ver- 
einigt. Die Stadt Cambridge ist sehr weitläuftig gebauet und 
nimmt defswegen eine grofse Fläche ein. Die Häuser sind mei- 
stens von Holz, wenige von Backsteinen, und ganz von Granit 
sehr wenige; sie sind aber gröfstes Theils mit lebhaften Farben 
angestrichen und gewähren einen freundlichen Anblick. Jedes 
Haus hat einen Garten. Viele Triften sind wie in England mit drei 
übereinanderliegenden Latten eingezäunt; auf den Feldern wird 
Mais gebaut; das Graa sah sehr verbrannt aus. 

Die Harvard Universität ist die älteste hohe Schule in den 
V. St. , gestiftet im Jahr 1638 nach dem Testament eines Geist- 
lichen, Namens Harvard, der ihr gegen 800 Pfund Sterling hinter» 
liels. Durch mehrere spätere Beiträge ist sie so weit gekommen, 
dafs sie jetzt ein sehr bedeutendes Einkommen hat. Delicits deckt 
der Staat von Massachusetts , der jedoch keine bestimmten Beiträge 
liefert. Die Universität enthält 8 Gebäude, meistens von Back- 
steinen, und nur ein neueres von Granit. In dem letzteren befindet 
sieh die — unitarische — Capelle, in welcher aufser dem gewöhn- 
lichen Sonntagsgottesdienste, täglich Morgen - und Abendandachten 
gehalten werden, an welchen alle Studenten Theil nehmen müssen. 
Vor den Gebäuden ist ein grofser, mit Bäumen umgebener Platz, 
auf welchem die Studenten sich amüsiren»können. Es befinden sich 
gegen 350 hier, die gröfstes Theils in den Universitätsgebäuden 
wohnen und essen; Mehrere jedoch, die keinen Platz finden, oder 
die an Familien empfohlen sind, wohnen in Privathäusern. Sie 
sind übrigens alle, nach Art der englischen Universitäten, einer 
sehr strengen Disciplin unterworfen. Die Bibliothek, welche in 
zwei Sälen aufgestellt ist, enthält gegen 18,000 Bände. Man besitzt 
das grofse Werk über Aegypten , die erste Ausgabe ; eine Poly- 
glotten-Bibel aus der Sammlung von Lord Clarendon ; eine Pracht- 
ausgabe der Lusiade von Camöens mit Kupfern nach Zeichnungen 
von Gerard in Paris, vom Marquis de Souza besorgt und in Paris 
bei Didot gedruckt. Von dieser Ausgabe sind nur 250 Exemplare 
abgedruckt, und dieses Exemplar ist der Universität vom Marquis 
selbst geschenkt worden. Von Manuscripten sah ich nur einige 
griechische , welche Herr Everett bei seiner Reise durch Europa 
in Constantinopel gekauft hatte , und ein anderes sehr künstliches, 



63 

die Aphorismen von Hippokrates enthaltend, welches ein englischer 
Schulmeister geschrieben hat, und welches ganz wie gedruckt aus- 
sieht. Im Hörsaal der mathematischen Wissenschaften fand ich 
eben keinen reichen Apparat. Auch sind nur wenige astronomische 
Instrumente vorhanden , und an einem Observatorio fehlt es ganz. 
Eine neue Electrisirmaschine mit einer Glaskugel war erst vor Kur- 
zem aus England angekommen. Die mineralogische Sammlung 
verdankt Herrn Ritchie einen grofsen Theil ihrer schönsten Exem- 
plare, die er, während seiner Reisen in Europa, zu Dresden gekauft 
und der Universität zum Geschenke gemacht hat. Ein Stück Basalt, 
das in dieser Gegend in der Erde gefunden ist, hat Aehnlichkeit 
mit dem Profil eines menschlichen Gesichts. Man weifs nicht, ob 
es ein Naturspiel ist, oder ein Werk von menschlicher Hand. 
Sollte es etwa ein Ueberbleibsel sein von einem früheren Menschen- 
geschlechte, das von der Erde verschwunden ist, dessen Dasein 
aber so Viele nicht ohne Grund vermuthet haben ? Die übrigen 
naturhistorischen Sammlungen waren nicht ansehnlich; eine Samm- 
lung von Insecten und Schmetterlingen gab es gar nicht. Die Ge- 
weihe zweier Hirschköpfe hatten sich, in einem Kampfe zwischen 
ihren ehemaligen Inhabern , dergestalt in einander geschoben , dafs 
sie durchaus nicht getrennt werden können. Die Hirsche sind , so 
verschlungen, getödtet worden. Das chemische Laboratorium ist 
in einem besondern, wie eine Capelle gebauten Hause angebracht. 
Das anatomische Theater ist aus Mangel an Raum von Cambridge 
nach Boston verlegt worden. In dem vormaligen anatomischen 
Hörsaale sind aber noch mehrere schöne Präparate von Wachs, in 
Florenz verfertiget. Unter ihnen schienen mir vorzüglich zwei 
lebensnrofse Figuren merkwürdig, ein männlicher und ein weib- 
licher Körper. Der Letztere stellt eine schwangere Frau vor, die 
man lagenweise auseinander nehmen kann. Neben der Capelle 
befindet sich der Versammlungssaal des academischen Senates , in 
welchem sehr schöne Kupferstiche aufgehängt sind. Auffallend war 
mir unter diesen Kupferstichen die Vertheidigung von Gibraltar 
durch Elliot, und die Gefangennehmung des Admirals Dewinter 
durch den Admiral Duncan. Dem Aufwärter, der uns herumführte, 
gab ich zwei Dollars. Er schien von meiner Generosität so 
erbaut zu sein, dafs er, als wir in der Capelle waren, dem Orga- 
nisten etwas ins Ohr sagte. Dieser spielte sogleich God save the 
Ring: was mir gleichfalls sehr auffiel. Im botanischen Garten 
fühlte uns der Professor Nutall herum, ein Engländer von Geburt, 
der mehrere naturhistorische Reisen in dem westlichen Theile der 

F 2 



— .- 84 

V. St gemacht hatte. Unter den Gewächshauspflanzen bemerkte 
ich eine Slrclilzia, die au» selbstgewonnenen Samen gezogen 
war; ferner eine blühende sehr schöne lnua gloriosa, und ein 
Hedychhtm lottgifolwm. Das Gewächshaus, so wie der ganze 
Garten, ist nicht sehrgrofs; auch bemerkte ich in dem Garten keine 
Bufserordentlichen Gesträuche oder Blumen, dagegen mehrere für 
mich ganz neue Käfer mit lebhaften Farben und wunderschöne 
Schmetterlinge. Unter den Studenten der Universität befindet sich 
übrigens ein Sohn des jetzigen Präsidenten /. Q. Adams und ein 
Herr Jer&me Bonaparte, legitimer Sohn des vormaligen Königs 
ron Westphalen aus seiner ersten Ehe mit Mifs Patterson in Balti- 
more, welche Ehe bekanntlich durch einen Machtspruch des Kaisers 
Napoleon aufgelöset wurde. Man sagte sehr viel Gutes von diesem 
jungen Manne, der gegen 20 Jahr alt war. 

Meine Bekanntschaften vermehrten sich immer. Ich erhielt 
Besuche von vielen angesehenen Männern. Unter denen, die mir, 
am dritten Tage nach meiner Ankunft, diese Ehre erwiesen, war 
der dänische Gesandte in Washington, Herr Peterson, der mit sei- 
ner Familie eine Reise nach dem nördlichen Theil der V. St. mach- 
te, und mir von Herrn Rilchie vorgestellt wurde; es war unter 
ihnen der Mayor der Stadt, Herr Josiah Quincy, ein würdiger 
und äufserst gefälliger Mann, dem ich viele Verbindlichkeiten schul- 
dig geworden bin. 

Nachdem sich die Herren entfernt hatten, begab ich mich 
nach dem New England Museum, von welchem mir eine sehr 
pomphafte Ankündigung zu Gesichte gekommen Mar. Dieses Mu- 
seum ist eine Privatunternehmung , und besteht aus einem Quod- 
libet von Wachsfiguren, Schwarzwälder-Spieluhren, ausgestopf- 
ten Thieren, Portraits, französischen Caricaturen, Schmetterlin- 
gen u. s. w. Mich interessirten nur zwei Artikel : nämlich zwei le- 
bendige Klapperschlangen, und drei ägyptische Mumien. Die 
Schlangen, in der Gegend des JEr/c-Sees gefangen, lagen in ei- 
nem mit Glas bedeckten Kasten , und bekamen keine andere Nah- 
rung, als Wasser. Es sind hafsliche Geschöpfe, schwarzgrau, mit 
grofsen, spitzen Schuppen und gelben Bäuchen, grofsen dicken 
Köpfen, weit hervorstehenden schwarzen Augen, und langen zwei- 
spitzigen Zungen. Die eine, gerade in der Häutung begriffen, war 
momentan blind; sie hatte 4 Hasseln an ihrem Schwanz, und be- 
kam eine 5te. Die andere, ungefähr 4| Fufs lang, hatte 6 Rasseln, 
und bekam eine 7te. Der Aufwärter reizte sie auf alle Weise; aber 
sie liefsen ihr Rasseln nicht hören. Salmiak soll ein wirksames 



85 — 

Mittel gegen ihren Bifs sein. Die Mumien sind voriges Jahr von 
einem amerikanischen Schiff aus Aegypten mitgebracht Morden. 
Die eine war noch in dem Zustand , in welchem sie im Sarge gele- 
gen hatte ; nur hatte man die Binden vom Gesicht hinw eggenom- 
mcn. Die beiden andern waren mehr oder weniger aufgewickelt 
worden. Ihre Särge sind wohl erhalten. Ich beminderte die Fri- 
sehe der Farben an den Figuren , die auf denselben gemalt sind. 
Die eine Mumie hat 2 Särge gehabt; man schliefst daraus, dafs 
sie eine vornehme Person gewesen sein müsse. Ich sah hier fer- 
ner ein chinesisches Tableau , alle in China üblichen Torturen und 
Todesstrafen vorstellend: ein Schauder und E!el erregender An- 
blick! Endlich bemerkte ich ein gutes Modell der ehemaligen Ba- 
stille in Paris, aus einem der Steine dieses Gebäudes gemacht. 

Der Mayor, Herr Qm'ncu, hatte die Güte, uns das Staaten- 
Gefiingnifs, statc prison, zu zeigen. Dieses Gefängnifs liegt aui 
einer Landspitze in Charlestown, ist vor ungefähr 20 Jahren 
auf Kosten des Staates Massachusetts angelegt, und von Granit 
erbauet worden. Es besteht aus einem Corps de logis, in welchem 
sich die Wohnung und die Bureaux des Commandanten befinden, 
so wie die Wachtstube, und aus zwei Flügeln, in welchen die Ge- 
fangenen wohnen. Hinter dem Gebäude ist ein grofser Hof, der 

• • • 1 1 

die verschiedenen Werkstätte der Gefangenen enthält. Eine hohe 
Mauer mit Palissaden versehen, schliefst denselben ein; und ein 
Rundenweg auf der Mauer ist Tag und Nacht von mehreren Schild- 
wachten besetzt. Die Hauptbeschäftigung der Gefangenen besteht 
im Zuhauen und Poliren der Granitblöcke, welche zum Bau der 
Häuser in Boston und den Umgebungen dieser Stadt gebraucht 
werden. Jeder Gefangene, dessen Leibesbeschaffenheit nicht zu 
schwach ist, mufs mit dieser harten Arbeit seinen Straf-Cursus be- 
ginnen, und je nachdem er sich bessert, oder andere Geschicklich- 
keiten besitzt, kommt er in eine bessere Werkstatt. Als Steinhauer 
mufs er täglich sein Pensum abarbeiten; macht er weniger oder 
schlechte Arbeit, so wird er durch einsame Einsperrung — solilarif 
confinement: dasselbe, was in den französischen Gefängnissen au 
secret heifst — gestraft; arbeitet er mehr, als sein Pensum, so 
wird ihm diese Arbeit bezahlt. Ueber diese ihm zu gut geschrie- 
bene Bezahlung kann er bei seiner Entlassung disponiren. Die 
neuangekommenen Gefangenen , so wie diejenigen, die sich nicht 
gut aufführen, sind halb grün und halb blau gekleidet; wenn sie 
sich aber bessern, so verlieren sie diesen auszeichnenden Anzug. 
In andern Werkstätten wird fiir Entrepreneurs von Tischlern, 



86 

Drechslern, Böttchern, Kupfer- und Eisen9chlägern u. s. w. gear- 
beitet. Wieder Andere weben wollene und baumwollene Zeuche 
für die Kleidung der Gefangenen; auch sind Schuster und Schnei- 
der Air d.is Haus beschäftigt Ein Kupferstecher, der wegen \ er- 
falschnng englischer Nova Sco/m-Banknoten verurtheilt war, halte 
eine besondere AYerkstätte, und stach recht saubere Landcharten. 
Die Gefangenen schlafen zu 4 in einer ziemlich gut gelüfteten Zelle, 
und jeder Gefangene hat eine besondere Ilangmatte. Die Nah- 
rung der Gefangenen besteht aus schwarzem Brod und aus Suppe. 
Zum Frühstück und zum Abendessen erhalten sie etwas S)rup mit 
Mehl, eine Art von Pudding. Aufser dem sonntäglichen Gottes- 
dienst in ihrer G'apelle haben sie täglich eine Betstunde. 

Ein Bericht über den Zustand des Gefängnisses in dem Jahre 
vom 30. Sept. 1823 bis zum 30. Sept. 1824 , der öffentlich von dem 
Aufseher — Warden — Herrn Titomas Harris bekannt gemacht 
worden ist, giebt folgende Resultate. 

Vom Jahre 1805 bis zum 30. Sept. 1824 waren im Ganzen 1816 
Missethäter in das Gefänjrnifs abgeliefert worden, Von diesen 1816 
waren, nach Ablauf ihrer Strafzeit, 1103 entlassen; begnadiget 
waren 298; entsprungen 15; gestorben 102; übrig geblieben 298. 
— Von den entlassenen — 1103 — waren 213 zum zweiten Male, 
wegen neuer Vergebungen , dem Gefängnifs überliefert, und un- 
ter diesen 213 waren 24, die Begnadigung erhalten hatten. 

Am 30. Sept. 1823 hatten sich 308 Gefangene in dem Gefäng- 
nisse befunden. Von denselben waren 80 entlassen, 10 begnadigt, 
6 gestorben. Mithin waren 212 zurück geblieben. 86 waren hinzu 
gekommen, so dafs die Zahl der Gefangenen am 30. Sept. 1824, 
wie oben bemerkt wurde, 298 betrug. L'nter ihnen befanden sich 
nur 3 Frauen. 

Von diesen 298 waren 54 schwarze oder farbige Menschen, 
und 59 weifse Fremde; nämlich: 13 Engländer; 17 Irländer; 8 
Schottländer; 4 aus Nova Scotia; 2 Canadier; 1 |vom Vorgebirge 
der guten Hoffnung; 3 AVest-Indier ; 4 Franzosen; 2 Schweden; 
2 Italiäner; 1 vom grünen Vorgebirge; 1 Portugiese; 1 Deutscher. 

222 waren verurtheilt wegen Diebstahls ; 26 , weil sie falsches 
Geld auszugeben versucht; 16 wegen Einbruchs; 7 wegen versuch- 
ter Nothzucht; 6 wegen Mordversuche; 5 wegen Brandstiftung; 
11 wegen Fälschung; und 5, unter welchen die 3 Frauen, wegen 
lläiiberei. 

Die Gefangenen wurden auf sehr verschiedene Weise beschäf- 
tigt. 121 mufsten Steine behauen, und 27 die Steine transportiren ; 



87 

30 waren Schreiner; 11 Bürstenmacher; 8 Weber; 6 Schuhmacher; 
10 Schneider u. s. w. Die Alten und Schwachen zupften Werg. 
Im Hospital waren 11; 4 im solltary conßnement; 6 in den Straf- 
zeiten, und 3 werden als Invaliden aufgeführt. 

Die Kosten des Gefängnisses betrugen 41,695 Dollars für den 
Unterhalt der Gefangenen, für Nahrung, Kleider und Betten , für 
Medicin u. s. w. , endlich für die Anschaffung des Materials, das zu 
den Arbeiten der Gefangenen nöthig ist; und 15,926 Dollars für 
die Verwaltung, für die Besoldung der Beamteten u. dergl. Im 
Ganzen betrug die Ausgabe 57,622 Dollars. 

Dagegen betrug die Einnahme für die Arbeiten der Gefangenen 
58,834 Dollars. Mithin halte das Gefängnifs dem Staate gar Nichts 
gekostet; vielmehr hatte sich ein Ueberschufs oder ein Gewinn für 
den Staat — a proßt to the Commonwealth front the Institution — 
von 1,212 Dollars ergeben! 

Aus diesem merkwürdigen Gebäude hinweg führte uns der 
Mayor nach Cambridge. Auf dem Platz vor der Universität hatte 
eine freiwillige Jäger-Compagnie aus Boston, the Washington Ran- 
gers, einen fieldday, d. h. sie passirte eine Revue. Die Compagnie 
war bei unserer Ankunft schon im Rückmarsche begriffen; sie hatte 
aber die Höflichkeit, Haltzumachen, und noch einmal zu tirailli- 
ren. Es fiel sehr gut aus. Die Jäger sind grün, etwas fantastisch, 
gekleidet, und mit langen gezogenen Büchsen bewaffnet. Mit den 
Offizieren und Unteroffizieren, lauter jungen Leuten aus den besten 
Familien, machte ich Bekanntschaft. Auch sprach ich einige Cam- 
bridger Studenten, von welchen mehrere in Uniform waren , und 
zu einer eigenen, nur aus Studenten bestehenden, Compagnie 
Freiwilliger gehören. 

Weiter fuhren wir auf das Schlachtfeld von Bunkershill bei 
Charlestown. Der Raum ist klein, aber die Bedeutung grofs in 
der amerikanischen Geschichte. Nur durch eine Brücke mit dem 
festen Lande zusammenhängend , liegt dieses Feld auf einer kleinen 
Insel, und hat 2 Hügel; der höchste, nördlich gelegen, heilst 
Bunkershilt, und der südliche, der Charlestown, und die Rhede 
von Boston iheil weise beherrscht, Breedshill. Im Jahr 1775 hatten 
die Amerikaner diese Hügel besetzt und genirten von hier aus mit 
ihrer Artillerie , die in einer eiligst aufgeworfenen Redoute aufge 
stellt war, die englische Besatzung von Boston und die Flotte. 
Am Morgen des 17. Juni machten die Engländer einen Ausfall aus 
Boston, landeten an einer, östlich von der Redoute gelegenen 
Landspitze, welche die Amerikaner in schwach besetzt hatten, 



. 88 - 

formirten liier ihre Angriffs-Colonnen, während ihre Artillerie von 
Boston aus CharU'stoitn in Brand schofs, und griffen die Redoute 
an. Sie wurde 00 gut vertheidigt, dafs die Engländer zwei Male 
mit sehr grofaem \ erlöste weichen mufsten. Bei einem dieser ver- 
unglückten Angriffe wurde der englische Major Pitcairn, der kurz 
zuvor die englische Avantgarde bei der Affaire von Lexington 
conunandirt hatte, von einem jetzt noch lebenden amerikanischen 
Scharfschützen erschossen, in demselben Augenblicke, da er seinen 
Soldaten zu:L'f, sie möchten vor diesen damrud rcbels keine Furcht 
haben: es wäre nur ein Haufe von Heuschrecken. Die Engländer 
bekamen aber Verstärkung; und erneuerten den Angriff. Die Arne- 
rikaner hingegen hatten sich verfeuert, und die wenige Munition, 
die man ihnen von Cambridge aus, wo General Lee sein Haupt- 
quartier hatte, zuschickte, war für das Caliber ihrer Stücke zu 
grofs. Succurs konnten sie nicht bekommen, da ein englisches 
Kriegsschiff die einzige Verbindungsbi ücke mit dem festen Lande 
heilig beschofs. Sie mufsten sich also entschliefsen , die Redoute 
zu räumen, und verloren viele Menschen. Bei dieser Gelegenheit 
erschofs ein englischer Offizier den Dr. Warren, einen der vorzüg- 
lichsten amerikanischen Patrioten, der vor Kurzem vom Congresse 
zum General ernannt worden war. Die Engländer verfolgten die 
Amerikaner nicht weiter , als bis Bunkerskitt, und zogen sich wäh- 
rend der Nacht nach Boston zurück. Man sieht noch die Ueber- 
bleibsel der Redoute; und am letzten 17. Juni hatte man den Grund- 
stein zu eirum Monument gelegt, das daselbst aus einem 210 Fufs 
hohen Obelisk errichtet werden soll. Bei dieser Ceremonie Maren 
130 Veteranen gegenwärtig, die Letzten von den 1700 Amerika- 
nern , die an dieser Affaire Theil genommen hatten. 

Endlich führte uns Herr Quincy in Charlestoitn zu einem 
Miliz-Major, der sich viel mit Oeconomie, mit Vieh- und Pferde- 
zucht, abgiebt. Die Wirthschaft war interessant. Besonders zeigte 
lins der Major einen prächtigen englischen Ochsen, von welchem 
er sehr schöne und starke Kälber gezogen hatte, und einen schönen 
10jährigen englischen Beschäler, der ihm gleichfalls gute Dienste 
leistete. 

Bei solchen Fahrten und Wanderungen erkundigte ich mich 
hin und wieder nach der Engländerin Mifs JVright, die vor einigen 
Jahren Briefe über Amerika herausgegeben hat, welche zu ihrer 
Zeit in Europa, wie in Amerika, Aufsehen gemacht haben. Man 
sagte: diese Dame habe mit ihrer Schwester ohne männliche Be- 
gleitung das Land in Dampfböten und öffentlichen Wagen durch- 



89 

streift; sie sei dem General Lafayette immer nachgezogen; wenn 
der General irgendwo angekommen sei, so habe man daraufrech- 
nen können, Mifs Wright würde den nächsten Tag auch eintreffen; 
in Boston habe man von der guten Dame nicht viel Notiz genom- 
men, und defswegen erwarte man, dafs sie nächstens einen litera- 
rischen Ausfall auf Boston machen würde. Uebrigens sei sie nicht 
mehr jung, von grofser Statur und männlichen Manieren. Im 
Ganzen machte man nicht viel aus ihren Briefen, und fand die 
Schmeicheleien, mit welchen sie von den Amerikanern und allen 
ihren Einrichtungen spricht, übertrieben. 

Am 30. Juli war ich am Bord der Pallas , um wegen der Aus- 
schiffung meiner Effecten allerlei zu besorgen. Ich blieb dort ein Paar 
Stunden, weil ich es in dem Schiffe viel kühler fand, als am Lande. 
Den ganzen Tag — so erzählte man — wurde das Schiff von 
Besuchenden nicht leer: denn Capt. Ryk verwehrte, mit der ihm 
eigenen Liberalität, Niemanden, der gut gekleidet war, den Zu- 
tritt. Auf amerikanische Kriejcsfahrzeuge dürfen durchaus keine 
Civilisten kommen, wenn sie nicht einem oder dem anderen Offi- 
ziere bekannt sind; defshalb ist die Neugierde der hiesigen Ein- 
wohner so grofs, ein fremdes Kriegsschiff zu sehen. 

Als ich nach der Stadt zurückgekommen war, machte ich 
Herrn Quincy meinen Besuch. Er brachte mich nach dem Rath- 
hause, um mir die Gewehrkammern der hiesigen 13. Compagnie 
Freiwilliger zu zeigen. Eine dieser Compagnien existirt seit 1638; 
alle bestehen aus jungen milizpilichtigen Leuten aus guten Familien, 
die nicht mit ganz gemeinen Leuten in denselben Compagnien die- 
nen wollen, sondern, in sehr eleganten Uniformen, sich mit einan- 
der vereinigen, und die Flanken-Compagnien der Miliz-Bataillone 
bilden. Zu ihren wöchentlichen Waffenübungen bei schlechtem 
Wetter, haben sie einen grofsen Saal auf dem Rathhause. Auf 
denselben gehen die Thüren aller Gewehrkammern. Jede Com- 
pagnie ist an 60 Mann stark. Ein eigener Gewehrmacher hält die 
Waffen in gutem Stande. Die meisten Compagnien haben Infan- 
teriegewehre mit Bajonetten nach englischem Modell , und nur die 
rifiemen Tangers haben rifles oder gezogene Büchsen. Nicht allein 
die Waffen der Compagnie, sondern auch die Degen und Säbel 
der Offiziere und Unteroffiziere werden in den Kammern des Rath- 
hauses aufgehoben. 

Von dem Rathhause hinweg führte mich Herr Quincy ins 
Athenaeum , eine Lesegesellschaft. Man findet daselbst die Jour- 
nale aus den vorzüglichsten Plätzen der V. St. und eine Bibliothek 



90 

von circa 20.000 Bänden, die theils durch Geschenke, theils durch 
Actien angeschafft worden sind. Ein angestellter Bibliothekar 
zeigte uns Alles; er zeigte uns besonders mehrere interessante 
Medaillen; auch die von Thomasson in Birmingham geinachte 
Sammlung, welche die Elginschen Marmors vorstellt. Auf dem 
/ atibuU des Hauses und im grofsen Lesesaal stehen Gypsabgüsse, 
welche der Advokat Thorndike aus Rom mitgebracht und dem 
Athcnaco geschenkt hat. Das schöne Haus selbst, dessen Werth 
auf 20,000 Dollars geschätzt wird, ist der Gesellschaft durch einen 
Herrn Pcrkins, Bruder des berühmten Mechanikers in London, 
geschenkt worden. 

Einige Tage später — 2. August — hatte Herr Quincy die 
Gefälligkeit, mir verschiedene Hospitäler der Stadt zu zeigen. 

Das Civil-Hospital ist vor ungefähr 20 Jahren angelegt worden. 
Es ist ein von Granit massiv errichtetes Gebäude , mit 10 ionischen 
Säulen von demselben Steine geziert. Das Gebäude ist auf frei- 
willige Subscription angelegt worden ; später durch Legate berei- 
chert, erhält es sich durch die Interessen der Capitale und durch 
die Pension , welche einige Kranke bezahlen. Die Administration 
der Hospitäler und sonstiger Wohlthätigkeitsanstalten in Boston 
wird von den angesehensten Einwohnern unentgeltlich besorgt, 
und man rühmt diese Verwaltung als äufserst gut und ökonomisch. 
Das Haus hat ein Kellergeschofs und zwei Stockwerke nebst einem 
Boden, und kann gegen 80 Kranke beiderlei Geschlechts aufneh- 
men. Es ist in zwei Seiten getheilt, so dafs die Geschlechter keine 
Verbindung mit einander haben. In demselben befanden sich 56 
Kranke, durch 6 Wärterinnen — ?iurscs — besorgt, die unter der 
Direction einer Matrone stehen, so wie das Haus unter derDirection 
eines Hausverwalters steht, der zugleich Arzt ist. Diejenigen 
Kranken , welche 10 Dollars die Woche bezahlen , haben ein beson- 
deres Zimmer und besondere Bedienimg; andere bezahlen nur 3 
Dollars die Woche und mehrere gar Nichts. Diese wohnen in ge- 
meinschaftlichen Sälen, die aber sehr hell und gut gelüftet sind. 
Die Kranken schlafen in Betten von hartem Holze , haben gute hä- 
rene Matratzen und ausnehmend feine Bettwäsche. Die Treppen 
sind von Granit, die Fluren, Säle und Zimmer gedielt, die Fufs- 
böden mit Oelfarbe angestrichen. Ich habe viele Hospitäler ge- 
sehen, aber noch kein einziges, in welchem die Kranken so be- 
quem und schicklich untergebracht wären, und kein einziges, in 
welchem eine so grofse Reinlichkeit herrschte. Im Kellergeschosse 
befinden sich die Küche und das Waschhaus. In der Küche 



91 

werden die Speisen vermittelst des Dampfes gekocht; das Wasch- 
haus hat dieselbe Einrichtung;, wie jenes im Marine-Hospital zu 
Plyjnouth, nämlich die coulissenartigen Rahmen zum Trocknen. 
Im ersten Stockwerke sind aufs er einigen Krankenzimmern das 
Sessioiiszimmer der Administration und ein anatomisches Theater ; 
im 2. Stockwerke befindet sich aufser den Krankenzimmern die 
Wohnung der Matrone. Auf dem Boden sind zwei grofse Wasser- 
behälter wegen. Feuersgefahr. Das Wasser wird vermittelst Pum- 
pen hinaufgeschafft. Bei unserer Besichtigung begleitete uns einer 
der Directoren, Herr Cooledge. Derselbe begleitete uns auch zur 
Besichtigung des Narrenhauses — lunatic asylum — das unter der- 
selben Verwaltung steht. 

Dieses Gebäude liegt zwischen Cambridge und Charlcstown 
auf einem Hügel. Man hat zur Einrichtung ein freundliches Land- 
haus gekauft, das zur Wohnung des Verwalters und des Haupt- 
arztes , so wie zur Küche und zum Waschhause dient. Hinter diesem 
Hause, und tiefer liegend, sind zwei sehr solide, 3 Stockwerk hohe 
Flügel angebaut, der eine für die Männer, der andere für die 
Weiber bestimmt. Die Flügel haben etwas gefängnifsartiges ; sie 
Meiden aber durch das Hauptgebäude, das eine recht freundliche 
Ansicht hat, versteckt, und dadurch wird der unangenehme Ein- 
druck vermieden , welchen die Anstalt sonst auf die unglücklichen 
Gemüthskranken bei ihrer Ankunft machen dürfte. An jedem Flü- 
gel befindet sich ein grofser, mit Mauern umgebener Grasgarten 
zum Spaziergange der Kranken. Durch jedes Stockwerk läuft der 
Länge nach ein gut erleuchteter Corridor hindurch , auf welchen 
zu beiden Seiten die Thüren der Zellen für die Kranken stofsen. 
In den Zellen ist Nichts vorhanden, als ein hölzernes Bett, wie im 
Hospital. Jedes Stockwerk hat. einen Speisesaal und ein Versamm- 
lungszimmer. In dem Letzten, in welchem sich die Kranken den 
Tag über aufhalten können, befindet sich ein Tisch mit Bänken, 
niet- und nagelfest. Die Rasenden kommen in einsame Gefäng- 
nisse, und wenn man sie nicht bändigen kann, so werden sie unter 
ein kaltes Regenbad gebracht. Die Heizung wird, wie im Hospital, 
durch unterirdische caloriferes besorgt. Uebrigens herrschte auch 
in diesem Irrenhause , in welchem sich 40 Kranke befanden , durch- 
weg die gröfste Reinlichkeit. 

Am 3. August holte mich Herr Quincij gegen 12 Uhr ab, um 
mich, nebst dem Capt. Ryk und Herrn Tromp, dem ehemaligen 
Priisidenten Adatns, dem Vater des jetzigen , vorzustellen. Dieser 
würdige 90jährige Greis , einer der Unterzeichner der Unabhängig- 



92 

keitsacto nm 4. Juli 1776, lebte 10 Meilen von Boston auf seinem 
Landhause in der Gemeinde Quincy , gepllegt von seiner Familie, 
und verehrt von der ganzen Nation, die ihn wie einen gemein- 
schaftlichen Vater betrachtet Ieh fühlte mich tief ergriffen , als 
ich mich diesem ehrwürdigen Mitstifter der amerikanischen Unab- 
hängigkeit nahete, und als der alte Mann mir die Hand reichte. 
Kr war noch im völligen Besitze seiner Geisteskräfte, hatte ein sehr 
gutes Gedächtnifs, erinnerte sich nicht allein der Dinge, die vor langer 
Zeit vorgefallen waren, sondern wufste auch Alles, was vor Kurzem 
geschehen, und was noch geschah. Seine Körperkräfte nahmen 
jedoch ab, und vorzüglich fühlte er eine grofse Schwache in den 
Beinen. Er unterhielt sich mit uns etwa eine halbe Stunde lang, 
besonders über Holland, wo er während des Revolutionskrieges 
Gesandter gewesen war, und seine alten Züge heiterten sich auf, 
als er davon sprach, dafs er die Ursache gewesen wäre, dafs Hol- 
land damals an England den Krieg erklärt, und der englische 
Gesandte, trotz aller seiner Intriguen, nichts auszurichten vermocht 
hätte. Als Herr Tromp ihm vorgestellt ward, erinnerte er sich der 
grofsen Vorfahren desselben, schüttelte ihm freundlich die Hand, 
und rief ihm bewegt zu: God blefs you, van Tromp! Mit unbe- 
schreiblicher Rührung nahmen wir von diesem würdigen Greis 
Abschied, und wünschten uns Glück, diesem seiner irdischen Auf- 
lösung so nahen Veteranen einer Revolution, die man wohl heil- 
sam nennen darf, noch vorgestellt worden zu sein! 

In seinem Hause sahen wir mehrere gute Portraits von ihm 
selbst; auch seine Büste; ferner Portraits von seiner vor 7 Jahren 
verstorbenen Frau, von seinem Sohne, dem Präsidenten, und von 
dem General Dr. JVarren, der bei Bunkershill gefallen ist. Auch 
fanden wir einen Sohn des jetzigen Präsidenten, der Advokat in 
Boston ist, und den ich vor einigen Tagen im Athenaeo- kennen 
gelernt hatte. 

Der Weg von Boston nach Quincy, den wir gekommen waren, 
ist eine gute Chaussee, Turnpike road genannt. Er läuft über 
einige Hügel , auf welchen man ein schönes Panorama hat : hinter 
sich die Stadt, links die Bai, vor sich eine wohlangebaute Gegend 
mit hübschen Landhäusern , und rechts die unter dem Namen der 
bitte fiills bekannten Berge. Man kommt an mehreren netten 
Landhäusern vorbei; die Besitzungen sind durch trockene Mauern, 
deren Steine zum Theile behauen sind , von einander geschieden, 
ungefähr wie in Schottland. Alte Bäume sieht man nicht : denn die 
ersten Ansiedler haben unvorsichtigerweise alles Holz ausgerodet, 



93 

und jetzt mufs es mit grofser Mühe wieder angepflanzt werden. Man 
hat viele italiänische Pappeln und Platanen. In der Gegend scheint 
viel Wohlstand zu herrschen; wenigstens haben die Bauern ein 
gutes Vorkommen , und die Häuser ein gutes Aussehen. Wir 
bemerkten z. B. eine gewöhnliche Dorfschmiede, die massiv von 
Granit aufgebaut war. Bei dem sehr netten Dorfe Miltonbridge 
fährt man über den Flufs Neponset , der für kleine Fahrzeuge 
schiffbar ist. 

Die Gemeinde Quincy zählt ungefähr 4000 Einwohner, und 
hat ihren Namen zur Ehre der Familie des Mayor angenommen, 
die hier sehr geliebt und geachtet ist. Herrn Quhicy's Landhaus, 
nach welchem wir uns , von dem Hause des alten Präsidenten hin- 
weg; begaben, ist ungefähr 2 englische Meilen von demselben 
entfernt, und liegt in der Nähe der See auf einem kleinen Hügel. 
Von diesem Hügel erfreut man sich einer schönen Aussicht auf die 
Bai. Herr Quincy stellte uns seiner Familie vor, seiner Frau, 
2 Söhnen und 4 Töchtern. Die älteste Tochter ist sehr gebildet 
und zeichnet vorzüglich gut Landschaften in Sepia. Vor einigen 
Jahren war sie mit ihrer Familie an den Wasserfällen des Niagara 
gewesen, und hatte mehrere Ansichten zu Papiere gebracht. Die 
andern Töchter sind ebenfalls sehr gut erzogen und haben musi- 
kalische Talente. Wir trafen hier mehrere Herren aus Boston, 
unter andern Herrn Shepherd, Herrn Everett und den Präsiden- 
ten Kirkland aus Cambridge. Dieser hatte einen alten englischen 
Schulmann, Cooper , bei sich, der mit Priestleu vor 35 Jahren 
aus England geflüchtet war, und jetzt das Columbia College in 
Süd-Carolina dirigirte. Er schien ein finsterer , strenger Mann zu 
sein, dessen Weise gegen das humane, freundliche Benehmen des 
Dr. Kirkland sehr abstach. Gegen Abend fuhren wir auf einem 
näheren Wege nach Boston zurück, und passirten den Neporiset 
auf einer hölzernen langen Brücke , die Herr Quincy hatte bauen 
lassen, nicht weit von der Mündung dieses Flusses in die See. 
Dann fuhren wir durch die Gemeinde Dorchestor, und sahen rechts 
auf einer Anhöhe die Ueberbleibsel zweier von den Engländern 
erbauten Redouten, die einst der grofse Washington eroberte, 
verstärkte, und dadurch vorzüglich zur Räumung Bostons von 
Seiten der Engländer beitrug:. 

Bei einer Landpartie — 4. August — zu einem Herrn Natha- 
rtiel Amory , fuhren wir über den langen Milldam , der einen Theil 
der Boston umgebenden See abschneidet, welcher Theil nach und 
nach ausgefüllt und mit Häusern bebaut werden soll. Sechs Meilen 



94 

von der Stadt gingen uir auf einer hölzernen Brücke über den 
Charhsrirer , um das gegenüber liegende Arsenal zu besehen. 
Dieses Etablissement ist im Jahr 1816 erbaut worden. Ein langer 
Hof ist mit einer Mauer von Granit umgeben. Vorn steht das 
Hauptarsenal, 3 Stockwerk hoch, mit zwei Flügeln, in welchen 
die Bureaux sind , und die beiden Directoren , Major Craige und 
Lieutenant van Nessen, wohnten. Hinter diesem Gebäude, auf 
beiden Seiten des Hofes , stehen die Werkstätte der verschiedenen 
zum Arsenal gehörigen Handwerker, und einen Büchsenschufs vom 
Arsenal entfernt ist das Pulvermagazin aus Granit errichtet, das 
gegen 50,000 Pfd. enthält. Im Arsenal werden 30,000 Infanterie- 
gewehre aufgehoben, in Kisten zu je 20 Stück. Ich sah daselbst 
eine neu erfundene Maschine, um 162 bleierne Kugeln auf ein Mal 
zu giefsen und zugleich den Angufs abzuschneiden. Uebrigens 
liegt das Arsenal in einer sehr freundlichen Gegend, in der Ge- 
meinde Watertown. 

Wir fuhren weiter längs des Ufers vom Charlesriver in einer 
romantischen Gegend nach der Gemeinde Waltham. Daselbst ist 
eine Branche einer grofsen Baumwollenmanufactur angelegt, die 
einer Gesellschaft von 25 Personen gehört. Sie steht unter der 
Direction eines Herrn Jackson, der eine sehr hübsche Wohnung 
hat, in welcher er mit seiner liebenswürdigen Familie ein glück- 
liches Leben zu führen scheint. Es werden gegen 450 Arbeiter 
beschäftigt, die in verschiedenen , der Fabrik gehörigen Gebäuden 
wohnen, und eine eigene Colonie bilden. Sie haben zwei Schulen, 
eine Kirche und einen eigenen Geistlichen. Es scheint viel Wohl 
stand unter ihnen zu herrschen, wie der gute Anzug, das reinliche 
Aeufsere und das gesunde Aussehen der Arbeiter beweisen. In 
den Fabrikgebäuden wird die Baumwolle gesponnen und gewebt; 
das Färben und Drucken wird in einem andern Etablissement be- 
sorgt. Die Maschinen werden durch Wasser in Bewegung gesetzt, 
welches im Winter niemals frieren soll, an welchem es aber in dem 
dürren Sommer etwas mangelte. Zum Spinnen bedient man sich 
anderer und einfacherer Maschinen, als der Mulljennys, und auch 
die Dressinz-machines sind anders, als die niederländischen; ich 
glaube aber, nicht besser, da sie nur einen Cylinder auf einmal 
aufwinden. Die Webemaschinen sind meistens von Holz, das sehr 
wohlfeil ist. Ich glaube jedoch, dafs die eisernen, wie wir sie haben, 
besser sind. Die Arbeiter in dieser Fabrik sind, wie ich später 
erfuhr , in der ganzen Gegend wegen ihrer guten Sitten gut ange- 
sehen, und man lobt allgemein ihre Moralität. In 10 Jahren hat 



95 

man ein einziges Beispiel gehabt, dafs ein Mädchen verführt 
Morden. 

Von dieser Fabrik hinweg , fuhren wir an mehreren geschmack- 
vollen Landhäusern und Parks vorbei. Die Parks sind weniger 
grofs, als in England; denn hier zu Lande giebt es keine Majorate, 
und das Erbtheil der Eltern zerfällt bei ihrem Tod in so >iele 
Theile, als sie Kinder hinterlassen. Daher finden sich keine so 
grofsen und mächtigen Grundeigenthümer, als in England. Man 
kann vielleicht streiten, ob die Majorate oder die Theilungen den 
Vorzug verdienen; gewifs aber ist: hier, in Amerika, verbreitet 
sich der wirkliche Wohlstand weit mehr unter der Nation, und das 
Land wird besser angebaut. 

Herrn Nathanicl Amorys Landhaus liegt auf einer kleinen 
Anhöhe in einem mittelmäßig grofsen Park, und gewährt eine weite 
Aussicht über die Gegend von Boston. Herr Amory hat von seinen 
Reisen mehrere gute Gemälde aus der niederländischen Schule 
und einige schöne Mosaiken aus Rom mitgebracht, mit welchen 
die Zimmer seines Hauses geschmückt sind. Nachmittags machten 
wir einen Spaziergang durch den Park nach einem cottage, welches 
dem englischen Sehiffs-Capitain Wormley , dem Schwager des Hrn. 
Amory gehört, das zwar klein, aber äufserst nett eingerichtet ist, 
und eine sehr schöne Lage hat. In der Landschaft, die man dort 
erblickt, nimmt sich ein mit Bäumen beschatteter kleiner Landsee, 
ihe freslt pond genannt, sehr malerisch aus. Nachdem wir uns bei 
dieser freundlichen Familie recht gut amüsirt hatten, fuhren wir 
nach 9 Uhr Abends über Cambridge nach Boston zurück. 

Den Navy yard besah ich — 5. August — in Gesellschaft 
des Major Mainwright von den Mariniers und des Lieutenants 
Girynn, der interimistisch das Commando über den ]\avy yard 
führte. In der kleinen Kaserne der Marines, mit welcher wir 
begannen, sind die Stuben nicht grofs; die Betten stehen in den 
Stuben auf einem Gerüste, so dafs es sehr eng und dumpfig ist. 
Die Soldaten hatten auch kein besonderes Aussehen. Der Navy 
yard ist erst seit 12 Jdhrcn angelegt und noch nicht vollendet, aber 
sehr geräumig. Ein dry dock ist noch nicht vorhanden , sollte aber 
auf einem sehr guten Local angelegt werden. In ordinary befan- 
den sich die beiden Linienschiffe Columbus und Independence und 
die Fregatte Java. Zwei Linienschiffe und eine Corvette standen 
auf dem Stapel, und hatten noch keinen Namen. Die beiden 
ersteren, unter Dach gebaut, waren vollendet, so dafs sie vom 
Stapel laufen konnten, so bald das Gouvernement es befehlen 



96 

würde. Da man aber Nichts versäumte, so liefs man die Schiffe 
so lange als möglich auf dem Stapel und unter Dach stehen, damit 
das Hob noch besser austrocknen könnte. Die Dächer sind gröfser, 
als die englischen, und förmlich wie Häuser eingerichtet. Sehr 
bescheiden nennt man die beiden Schiffe 74ger, sie sind aber beide 
Drcidecker, das eine für 130 Kanonen, 32 Pfünder, und das an- 
dere für 106 von demselben Caliber eingerichtet. Sie sind durch- 
gängig von virginischem Eichenholze gebaut, und um den dryrot 
zu vermeiden, hat man in alle Fugen Salz gestreut, was, wie man 
mir versicherte, eine sehr gute Wirkung hat. Die Schiffe sind 
so hoch und geräumig gebaut, dafs ich in den beiden unteren 
Batterien unter den Balken aufrecht stehen konnte. Was die Con- 
struction betrifft: so hatte man hier von einigen Methoden, die in 
anderen Marinen angewendet werden, und die zur Verstärkung 
und zugleich zur Erleichterung der Schiffe beitragen, noch keinen 
Gebrauch gemacht. So bemerkte ich nicht die kreuzförmige Ver- 
stärkung der Seitenwände und die Diagonalen-Decke nach dem Plane 
von Sir Robert Sepphigs, von welchen beiden Verbesserungen 
man doch sowohl in der englischen, als in der niederländischen 
Marine den gröfsten Vortheil zieht. Dagegen hat man, wie in 
England, das System, zu Schiff-Constructeurs nicht, wie in den 
Niederlanden und in Frankreich, Ingenieurs, sondern nur Zimmer- 
leute zu gebrauchen. Herr Backer, der hiesige Master Shipwright, 
mit dem wir Bekanntschaft machten, wird als ein sehr geschickter 
Mann gerühmt. 

Nachdem wir den Navy yard besehen, uns über den guten 
Zustand desselben herzlich gefreut, und ihm eine baldige Vollen- 
dung gewünscht hatten, machten wir der Frau des Commissioner, 
Capt. Craine, der selbst ab.vesend war, unsern Besuch. Das Haus 
des Commissioner's gehört dem Gouvernement, und liegt auf einer, 
den Navy yard beherrschenden Anhöhe. Der Architect, der den 
Plan dazu gemacht hatte, belästigte den damaligen Commissio/ier 
mit ewigen Anfragen wegen der Form des Hauses, dergestalt, dafs 
dieser endlich, im höchsten Grad der Ungeduld, antwortete: er 
möchte es bauen like his — . Der Architect nahm ihn beim Worte, 
und führte sein Gebäude mit zwei so dicht neben einander stehen- 
den cylindrischen Aussprüngen auf, dafs man vom Navy yard aus 
einen ganz sonderbaren Anblick hat. Uebrigens sahen wir im Navy 
yard Segel von starkem Baumwollenzeuge, die man sowohl wegen 
ihrer leichten Behandlung, als wegen ihrer besondern Dauerhaftig- 
keit den Segeln von Leinwand vorzieht. In der navy liebt man sie 



97 

jedoch nicht, weil sie zu leicht Feuer fangen, und folglich während 
einer Affaire dem Schifte sehr gefährlich werden könnten, und 
defswegen bedient mau sich ihrer auch nur am obern Theile der 
Masten. 

Am folgenden Tage lud Herr Quincy mich freundlich ein, mit 
ihm einige der hiesigen ölVentlichen Schulen zu besuchen, die unter 
seiner Inspection stehen. Ich nahm diese Einladung sehr gern an. 
Denn in einem Lande, wie dieses, in welchem das Volk sich selbst 
regiert, wird ohne Zweifel der herrschende Geist am Besten aus 
den Anstalten für die öffentliche Erziehung erkannt. E> giebt aber 
in Boston, aufser verschiedenen Privatschulen, zwei öffentliche 
Schulen, eine lateinische und eine philosophische, high school ge- 
nannt. Beide werden durchaus auf Kosten der Stadt erhalten. 
Knaben aus allen Volks-CIassen werden zugelassen und brauchen 
nicht das Geringste zu entrichten *). Zu Lehrern hat man tüch- 
tige junge Leute ausgesucht, die sehr gut besoldet werden. Der 
erste Lehrer an der high school hat einen jährlichen Gehalt von 
2500 Dollars. Das Studium der alten Sprachen, der lateinischen und 
griechischen , ist die Basis des öffentlichen Unterrichts. Bei ihrer 
Erlernung wird zugleich die Aufmerksamkeit, der Scharfsinn und 
das Gedächtnifs der Zöglinge auf mannichfache Weise geübt. Sagt 
z.B. Einer einen Vers aus der Aeneide her, und wiederholt den 
letzten Buchstaben: so tritt sogleich ein Anderer auf und sagt aus 
demselben Gedicht einen Vers her, der mit diesem Buchstaben an- 
fängt. Die jungen Leute machten dieses Kunststück mit bewunde- 
rungswürdiger Schnelligkeit. Bei unserer Anwesenheit fanden 
gerade Declamirübungen Statt. Einer der Schüler recitirte die 
Rede eines englischen Parlamentsmitgliedes für die Emancipation 
der Irländischen Catholiken mit einem Feuer und mit einer so 
richtigen Diction, dafs die Rede im Parlamente kaum besser gehal- 
ten sein kann. Ein Anderer recitirte eine Rede, in welcher die 
\ ortheile eines gemäfsigten Gouvernements vor einem despotischen 



*) Die Kosten des öffentlichen Unterrichts — mit Ausnahme der Harvard 
l niversity — werden durch eine, von den Repräsentanten des Staats 
Massachusetts bewilligte , Schultaxc bestritten , zu welcher jeder Staats- 
bürger ein Quantum beizutragen verpflichtet ist. Diese nachahmungs- 
würdige Einrichtung besteht auch in den Staaten, Maine, New- Hamp- 
shire, lermont, lihodc- island und Connecticut. Im letzteren Staate 
müssen sogar die Eltern , welche ihre Kinder zum Besuche der Schule 
anzuhalten unterlassen, für jedes fehlende Kind 5 Dollars iura Besten 
der Schul-Casse als Strafe zahlen. 

7. G 




«>8 

auseinander gesetzt wurden, ebenfalls sehr gut und deutlich. Nach 
jedem Lehrtage wird jedem Schüler nach Maafsgabe des bewie- 
senen Fleifses für den folgenden Tag seine Nummer in der Classe 
m.iii Lehrer angezeigt, und zugleich in ein Buch eingetragen. 
Am Ende des Monats werden nach diesen Nummern die Censuren 

ertheilt 

In der high school werden die mathematischen und physikali- 
schen >\issenschaften gelehrt: sie hat ein recht gutes physikalisches 
Cabinet. Wir kamen zum arithmetischen Unterricht in der einen, 
und zum Unterricht in der analytischen Geometrie in der andern 
(hisse. In der ersten sah ich, dafs das Kopfrechnen sehr stark 
getrieben wird, und wunderte mich über die schnellen und richti- 
gen Aullösungen schwieriger Aufgaben. In der höhern Classe 
stellte der Lehrer eine Frage auf und augenblicklich erhoben sich 
Alle, welche dieselbe beantworten zu können glaubten. Einer 
wurde vom Lehrer zum Antworten bezeichnet; und wenn nun ein 
Anderer glaubte, in der Antwort sei etwas nicht ganz richtig, so 
erhob er, ohne zu unterbrechen, die Hand, und berichtigte dann, 
aufgefordert, die AntMOrt. Ich freute mich sowohl über das freund- 
liche Wesen der Lehrer, als über das bescheidene, anständige, 
uno-ezwunjrene Benehmen der Schüler. Die Knaben hatten meistens 
hübsche Gesichter und alle eine aufgeweckte Physiognomie. Dabei 
hegen sie, wie ich mich vielfältig überzeugte, die gröfste Hoch- 
achtang gegen ihre Eltern und Lehrer. Es scheint mir unmöglich, 
dafs junge Leute, die eine so liberale Erziehung bekommen, zu 
bösen oder heimtückischen Menschen heranwachsen können. Ich 
war in der That gerührt . als ich die Schulen verliefs, und konnte 
nicht umhin, Herrn Quincif von Herzen Glück zu wünschen zu 
einer solchen werdenden Generation! Capt. Ttyk, der uns beglei- 
tete, theilte meine Ansichten und nieine Gefühle. 

Aus den Schulen hinweg begaben wir uns nach dem Staaten- 
hause oder dem Capitol, von dessen äufserem Anblick ich schon 
gesprochen habe, dessen innere Einrichtung ich jedoch noch nicht 
gesehen hatte. Im Innern aber befinden sich, aufser allen zur 
Administration des Staates gehörigen Bureaujc, die Versammlungs- 
säle der drei Kammern, welche den Staat regieren, des Rathes 
vom Gouverneur, des Senats und der Deputirten. Diese Gemächer 
sind zwar sehr geräumig; man sieht jedoch aus Allem, dafs man 
vor 37 Jahren, da diefs Gebäude aufgeführt winde, sehr eilig ver- 
fahren ist, und dafs die Baukunst damals in den V. St die Fort- 
schritte noch nicht gemacht hatte, die sie seitdem gemacht hat 



99 

Alle Treppen sind von Holz. In einem der Zimmer ist eine Tro- 
phäe von Braunschweigischen Waffen aufgerichtet, die in der 
Schlacht bei Saratoga erbeutet worden sind. 168 Stufen führen 
in die Laterne der von Holz gebauten und mit Kupfer bedeckten 
Kuppel. Trotz der gewaltigen Hitze stiegen wir hinauf, und 
fanden uns durch eine ganz herrliche Aussicht für unsere Mühe 
reichlich entschädiget. Die Laterne ist der höchste Punct in der 
Gegend; man übersieht nicht nur die ganze Stadt und die Bai, 
sondern man hat auch einen weiten Blick in das Land hinein, und 
bemerkt überall eine Meno-e netter Wohnungen. 

So verliefen fast 14 Tan;e auf eine uno;cmein angenehme und 
lehrreiche Weise. Im Allgemeinen befand ich mich so wohl, dafs 
ich mich des Neuen und Interessanten überall mit heiterm Geist 
erfreuen konnte ; nur ein Paar Tage war ich , wahrscheinlich von 
der grofsen Hitze, etwas unpäfslich. Auch die Zwischenstunden, 
welche dem Besuchen öffentlicher Anstalten nicht gewidmet werden 
konnten, gewährten gröfstes Theiles lehrreiche Vergnügungen. 
Die Morgen brachte ich hin mit Lesen und Schreiben; alsdann 
wurden Besuche gemacht oder empfangen, und immer fand ich 
Artigkeit, Zuvorkommenheit, Gefälligkeit. An den Sonntagen, 
die ich in Boston zubrachte, und die in Amerika noch stiller zu 
sein pflegen, als in England, besuchte ich die Kirchen: das- erste 
Mal ging ich, von einem Sohn des Mai/or begleitet, in die Kirche 
der Umtarier; das zweite Mal, in Gesellschaft des Herrn Lloi/d^ 
eines sehr angesehenen Mannes und Mitgliedes des Senats der \. St., 
in die Kirche der Episcapalat. Den Mittag speisete ich ein Paar 
Mal an der allgemeinen Tafel des Gasthauses; gewöhnlich aber 
folgte ich einer freundlichen Einladung; und die Abende verlebte 
ich alle sehr vergnügt in Gesellschaften, musikalischen Soirees und 
andern Unterhaltungen. Auch wurden, aufser den schon ange- 
führten, noch ein Paar Ausflüge auf das Land gemacht. 

Die Gesellschaften, besonders die Gesellschaften, in welchen 
die Damen nicht fehlen, sind ungemein heiter und fein. Denn 
beide Geschlechter sind <"*hr wohl erzogen und unterrichtet. Auf 
die Erziehung des weibliden Geschlechtes wird so viele Sorgfalt 
▼erwendet, dafs man es in andern Ländern vielleicht übertrieben 
finden dürfte. Die jungen Damen lernen sogar das Lateinische und 
Griechische; sie wissen aber auch von andern Dingen zu sprechen, 
als von Moden und Stadtgeschichten. So wohnte ich bei der 
Generalin Humpkrey einer Soiree bei, die ganz im europäischen 
Stile \\ar; ohne Spiel, ohne Tanz, ohne Musik, und doch heiter 

G 2 



100 

und ajtgenehm. So habe ich sehr vergnügte Stunden verlebt bei 
Elerrn Ritchie, bei Herrn Dixon, bei Herrn Homer, bei Madame 
Otts, bei Herrn Shepherd und bei Herrn Artigenave, einein Fran- 
zosen, vormals Schauspieler beim Theätre francais in Paris und 
jetzt Professor der französischen Sprache bei der Universität Cam- 
bridte. Viele der Herren, die man in einer solchen Gesellschaft 
antrifft, haben Reisen in Muropa gemacht; zuweilen haben die 
Frauen sie begleitet; off sind Europäer gegenwärtig; und so fehlt 
es nicht an den Elementen der Unterhaltung. Auch bieten die 
meisten Häuser irgend etwas Erfreuliches aus dem Gebiete der 
schönen Kunst dar. Und wenn man des Abends nach Hause geht, 
so findet man die Stadt, wie die Brücken und den Milldam, zwar 
noch nicht mit Gas, jedoch mit Reverberen, vortrefflich erleuch- 
tet, und trifft nicht das Mindeste von dem Unfug in den Strafsen 
an, der in den Städten Imglands so oft das Gefühl empört. 

Einen Ausflug aufs Land machten wir — 1. August — mit 
Herrn Dixon auf seinem Dearborn. Ein Dearborn ist ein ein- 
spänniger 4rädi iger äufserst leichter Wagen mit zwei Bänken. Wir 
fuhren über die Landenge, the neck genannt, welche Boston mit 
dem festen Lande vereinigt, und im Revolutionskriege von den 
Engländern verschanzt worden war. Dann bergauf nach den Höhen 
von Roxbury, aufweichen, während derBlokade, der rechte Flügel 
der amerikanischen Linien stand. Der Grund ist sehr felsig und 
zumTheüe mit Tannengebüsche bewachsen; das früher hier gestan- 
dene Holz mul's ganz hinweggeschlagen sein, da man keinen einzigen 
hohen Baum bemerkt. Weiterhin kamen wir an sehr hübsche 
Landhäuser und Gärten, erstere meistens 2 Etagen hoch und mit 
bedeckten Säulengängen umgeben. Wir machten in einem der 
geschmackvollsten Landhäuser dem Besitzer, Herrn Rufus Amory, 
unsern Besuch. Eine Allee von Eichen, Ulmen und Ahornen führte 
nach dem auf einem kleinen Hügel stehenden Wohnhause, von 
welchem aus man eine weite und reizende Ansicht von Boston und 
der Bai geniefst. Aeufserst zuvorkommend und gastfrei wurden 
wir von dem freundlichen Besitzer aufgenommen. Durch eine 
romantische Gegend fuhren wir nach der Gemeinde Dorchester, um 
dem General Sumner auf seinem Landsitz einen Besuch zu machen, 
trafen ihn jedoch nicht zu Hause. Hierauf kehrten wir auf einem 
andern sehr schönen Wege nach Boston zurück und fuhren an einer 
grofsen Taumanufactur vorbei, deren Werkzeuge durch eine 
Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wurden. 

Bei einer andern Landpartie nach Dorchester, an welcher 



101 — 

mehrere junge Leute, Söhne der reichsten hiesigen Einwohner, 
Theil nahmen , wurde gekegelt. Dieses Spiel heifst hier teil pj/w, 
weil man 10 Kejrel hat. 

Endlich kann ich eines Besuchs nicht unerwähnt lassen , den 
ich, von Herrn Ritchie begleitet, bei Herrn Coolidgc, Sohn, 
machte. Herr Coolidge hatte vor etwa 3 Monaten eine Mil's Raii- 
dolpti, Enkelin des ehemaligen Präsidenten Jcß'erson, geheiratbet. 
Seine junge Gemahlin, etwa 30 Jahre alt, ist von ihrem Grofsvater 
auf dem Land und in seiner Bibliothek erzogen worden. Sie ist, 
sagt man, so gelehrt, dafs der alte Jefjerson sie oft um Rath ge- 
fragt haben soll. Erst vor wenigen Tagen war sie angekommen, 
und hatte ansagen lassen, dafs sie Besuch empfangen würde. Wir 
trafen daher das Zimmer £anz mit Menschen angefüllt. Von diesen 
nahm ein Jeder bei'm Weggehen ein Stück Hochzeitskuchen , in 
Papier gewickelt, mit sich. Die jungen Damen, sagt man, legen 
diesen Kuchen unter das Kopfkissen, und träumen alsdann von 
ihrem zukünftigen Schatze. 



V. 

Reise von Boston über Worcester und Norihamptön 
nach Albany. Aufenthalt daselbst. 

Vom 8. bis 14. August 1825, 



So lieb und werth mir auch Boston geworden Mar, und so 
angenehm und lehrreich ein längerer Aufenthalt noch immer ge- 
wesen sein würde: so glaubte ich doch nicht länger verweilen zu 
dürfen. Ich entschlofs mich also, meine Reise fortzusetzen, und 
mich zuerst nach den westlichen Staaten zu wenden, wohin vorzüg- 
lich der Wasserfall des Niagara mich zog, alsdann über den See 
Ontario, den St. Lawrenze hinab, nach Canada zu gehen, und 
über den Lake Champlain nach den V. St. zurückzukehren. Da 
aber diese Reise mit mehreren Schwierigkeiten verknüpft ist, und 
da ich sie defswegen nicht gern allein , nur von einem Diener be- 
gleitet, machen wollte, so bat ich Freund Tromp, dessen Gegen- 
wart auf der Pallas nicht nöthig war, mir auf dieser Reise Gesell- 
schaft zu leisten. Herr Tromp nahm den Vorschlag an, und meine 
Freude war um so gröfser, je weither mir der junge Mann wegen 
seiner soliden Kenntnisse, seiner Bescheidenheit und seines biedern 
und liebenswürdigen Characters geworden war. 

Nachdem also Abschiedsbesuche gemacht und Gegen-Besuche 
empfangen waren ; nachdem wir Alles überlegt und die nöthigen 
Vorbereitungen gemacht hatten, setzten wir uns, den 9. August 
gegen 1 Uhr, in die Mail-coach, um noch bis nach Worcester, 
40 englische Meilen weit, zufahren. Eine solche Mail-coach, so 
wie die Diligencen oder Stage-coaches , bestehen aus einer langen 
Calesche mit 3 Bänken, jede für 3 Personen. Das Verdeck kann 
nicht abgenommen, aber die Seitenleder können in die Höhe ge- 
rollt werden, so dafs man frische Luft geniefsen und sich der Aus- 
sicht erfreuen kann, ohne den Sonnenstrahlen ausgesetzt zu sein. 
Sie sind mit 4 Pferden bespannt und werden, wie die four in 
hand in England, vom Bocke, gefahren. Plätze outside giebt es 
nicht. 



103 

Wir verliefsen mit dankbaren Herzen das gastfreie Boston, 
und fuhren über den Milklam in das Innere des Landes hinein. 
Vier Male wechselten wir Pferde, meistens in kleinen unbedeu- 
tenden Orten ; nur Framingham und Westborough schienen ansehn- 
licher zu sein. Die Gegend sah zuweilen etwas wild aus und wenig 
angebaut, obgleich der Staat Massachusetts am Meisten bevölkert 
sein soll in Nord-Amerika. Getraide sahen wir gar nicht, wohl 
aber türkisches Korn und hin und wieder Hirse. Obstgärten viele, 
meistens mit Aepfelbäumen bepflanzt, die so voll von Früchten 
hingen, dafs mehrere Aeste gebrochen waren. DieAepfel sind klein 
und gelb und werden zur Bereitung des sehr beliebten und guten 
Aepfelweines, Cider, gebraucht. Nach und nach kamen wir in 
Wälder, aus Eichen, zahmen Kastanicnhäumen, Ulmen und Pla- 
tanen bestehend. Zuweilen sieht man auchSumach, dessen Rinde 
zur Bereitung des Leders sehr gut sein soll. Es besteht hier durch- 
aus keine Forstadministration , so dafs das Holz sehr verwahrloset 
Wird. Der Weg war gröfstesTheilcs eine gute Chaussee, auf deut- 
sche Weise gemacht. Wir kamen über mehrere kleine Flüsse und 
Bäche auf hölzernen Brücken, die sehr leicht, jedoch mit gro&er 
llolzversch Wendung gebaut sind. Die Bieter sind nicht einmal auf 
die Tragbalken fest genagelt, so dafs es mir, zumal da der Wagen 
sehr schnell über diese Brücken hinweg fuhr, Anfangs Angst und 
bange wurde. Etwa 2 Meilen vor Worcester fuhren wir über einen 
Landsee, Quansiganog-pond genannt, auf einer hölzernen Brücke, 
die eine Viertelmeile lang ist. Die Ufer dieses Sees sind mit Holz 
bewachsen und nehmen sich sehr gut aus. Unterwegs wurden wir 
von einem ziemlich starken Gewitter heimgesucht, das den Staub 
löschte und uns einen angenehmen Abend bereitete. Gegen 7 Uhr 
langten wir in Worcester an und stiegen in einem recht guten 
Wirthshause ab. Diese Stadt zählt gegen 4000 Einwohner, und 
besteht aus einer Hauptstrafse mit einer Allee von alten Ulmen- 
bäumen, und aus einigen Nebenstrafsen, die, wie jene, sämmtlich 
ungepllastert sind. Die Häuser, meistens von Holz, und nur wenige 
um Ziegelsteinen gebaut, sind alle mit Gärten umgeben, und mit- 
hin ziemlich weit von einander entfernt, so dafs die Stadt das An- 
sehen eines Dorfes erhält. Sie hat vier Kirchen , eine Bank und 
drei Buchdruckereien, deren jede eine Zeitung liefert. Auch in meh- 
reren Dörfern, durch welche wir gekommen waren, sind Buch- 
druckereien, so wie in jedem eine Feuerspritze. Wir machten 
Abends dem hier wohnenden Gouverneur von Massachusetts, Levi 
Lincoln, unsern Besuch. Wir trafen ihn in seinem Hause mit 



_ 104 

seiner Frau und seiner Schwägerin, wurden von diesem wackern, 
von seinen Mitbürgern allgemein hochgeschätzten Manne recht 
freundlich empfangen und brachten den Abend sehr angenehm 
bei ihm zu. Ein Beweis der öffentlichen Achtung, deren er ge- 
niefst, ist, dafs bei der letzten Gouverneurwahl keine einzige 
Stimme gegen ihn war, ein Fall ohne Beispiel in den \. St. Dem 
Gouverneur kommt das Prädicat „ Excellenz " zu. Am andern 
Morgen führte uns der Gouverneur nach einem neu angelegten 
Museum, das vorzüglich bestimmt ist, die in den V. St. zerstreut 
gefundenen Antiquitäten zu sammeln. Es ist erst im Entstehen 
und enthält wenig; merkwürdige Gegenstände; auch ist die Biblio- 

© CT Ö ' 

thek von geringem Belange ; jedoch mufs man dem wissenschaftlichen 
Streben der Einwohner alle Gerechtigkeit widerfahren lassen. \ on 
hier fuhren nir mit dem Gouverneur um die Stadt herum, an dem 
Tribunal und dem Gefängnisse vorbei, welches zu besehen wir leider 
keine Zeit hatten, und nach unserm Wirthshause zurück. Die Gärten, 
an denen wir vorbei kamen, sahen etwas wild aus. Man zieht, wie 
es schien , etwas Gemüse , einige Wassermelonen und Obst ; keine 
Blumen, Sonnenblumen ausgenommen. 

Um 10 Uhr verliefsen wir in der Stage-coach Worcester, und 
fuhren nach Nort hampton , 47 Meilen weit. Unsere Gesellschaft 
in der Stage-coach bestand aus 2 Herren und 2 Damen aus dem 
Staate Missisippi, welche wegen der ungesunden Luft in ihrer Ge- 
gend eine Reise nach den nördlichen Gegenden unternahmen , und 
uns durch Erzählungen von ihren Besitzungen recht angenehm 
unterhielten. Der Weg war weniger gut, als gestern, und zuwei- 
len sandig; die Pferde meistens schlecht, so dafs es mitunter lang- 
sam von Statten ging. Die Gegend ist weniger bevölkert; die 
Cultur dieselbe; jedoch mehr Holz, auch sehr verwahrloset. Wir 
sahen Cypressen und einige grofse Cedern. Da hier keine Trift- 
gesetze bestehen , so sind wegen des im Walde weidenden Viehes 
und namentlich wegen der Schafe, Einzäunungen von jungen 
zahmen Kastanienbäumen gemacht, die man der Länge nach in 
4 Stücke gespalten hat. Gewöhnlich liegen 6 übereinander mit 
einem Zwischenräume von wenigen Zollen. Diese Verzäunungen 
j-ind eckenförmig angelegt, so ungefähr im Grundrisse. 



— ~ 105 

Da, wo die Holzstücke sich berühren, sind sie in einander gefalzt, 
und gewöhnlich dient hier dem Holz ein grofser Stein zur Basis. 
Es ist eine arge Holz - und Platzverschwendung , nur in einem so 
dünn bevölkerten und dichtbewachsenen Lande verzeihlich. Meh- 
rere Strecken Holz waren erst vor Kurzem urbar gemacht, und die 
stehen gebliebenen Stämme durch Feuer ausgerodet worden. Der 
Boden ist nicht besonders fruchtbar. "Wir bemerkten viele Granit- 
blöcke, die nach und nach sehr gut, die grofsen zum Bau und die 
kleinen zu Chausseesteinen, gebraucht werden können. Die Oerter 
an unserm Wege heifsen Leicester 7 , Spencer 5, Brookfield 7, 
Ware 8, Betc/iertown9, und Madleu 10 Meilen. Meistens sind es 
kleine, weitläufig, gröfstes Theils mit hölzernen, «aber sehr netten 
Häusern gebaute Ortschaften ; in jedem befindet sich eine hölzerne 
Kirche und ein Schulhaus. Läden sieht man in den meisten Ort- 
schaften; in Bclchertown sogar einen Modeladen. Bei den Kirchen 
befinden sich lange Schoppen, unter welchen, während des Gottes- 
dienstes, die Wagen und Pferde der Andächtigen gegen die Son- 
nenstrahlen oder das schlechte Wetter Schutz linden. Ware, am 
Flufs gleiches Namens, über den hier eine etwas besser als ge- 
wöhnlich gebaute hölzerne Brücke führt, ist erst seit 3 Jahren an- 
gelegt; es ist ein blühender, sehr netter Ort, und gehört der 
Familie Dexter in Boston , die hier eine Wollert - und Baumwollen- 
Manufactur gegründet hat, deren Arbeiter, über 300 an der Zahl, 
die Einwohner des Platzes ausmachen. Herr Dexter in Boston 
hatte mich gebeten, ein Packet wichtiger Papiere an seinen in 
Ware wohnenden Bruder mitzunehmen. Da wir hier Mittag mach- 
ten , so gab ich diese Papiere selbst ab. Wir fanden Herrn Dexter 
mit seiner schönen Frau in seinem geschmackvoll angelegten cot- 
tage, mitten in einem Garten, und wurden recht freundlich em- 
pfangen. Von seinem Fenster aus kann er sein ganzes Dorf und 
seine Fabrikgebäude übersehen. Bisher, sagte Herr Uexf er, habe 
er die meiste AVoile aus Sachsen gezogen , der man hier vor der 
spanischen den Vorzug gäbe; jetzt aber habe man Schafe aus 
Sachsen kommen lassen , die man in den Wäldern , da in Massachu- 
setts keine reifsenden Thiere seien, frei herumlaufen lasse, und 
die eine ganz vorzügliche Sorte von Wolle gäben. Leider hatten 
vir keine Zeit, um Herrn Dexters Einladung, seine Etablissements 
zu besehen, anzunehmen. In dem sehr reinlichen Wirthshause 
erhielten >ür ein recht gutes Mittagsmahl, und setzten dann unsere 
Reise fort. Auch die Arbeiter in Ware sollen sich durch ihre 
strenge Sittlichkeit auszeichnen. Sie haben eine besondere Schule, 



106 

in welche sie ilire Rinder zu schicken gezwungen sind, wie denn 
Oberhaupt im Staat Massachusetts alle Einwohner durch die Gesetze 
rerpflichtel sind, ihre Kinder in die Schule zuschicken: im Unter- 
lassungsfälle werden sie mit einer Geldbufse gestraft. In Ware 
befindet sich ein eigener Arzt, der in einem hübschen Banse eine 
wohh ersehene Apotheke hat. Die strengen Republikaner sind 
eifersüchtig auf das Etablissement grofser Fabriken, weil sie fürch- 
ten, dal's einzelne Staatsbürger durcli ihr Vermögen einen zu 
greisen EinHufs auf eine grofse Masse der niedern VolkseJasse 
bekommen werden; ich möchte aber glauben, dafs die Republik 
von dieser Seite Nichts zu fürchten habe, da dem Eintlufs Einzel- 
ner die gute Erziehung der niedern Yolksclassen das Gegengewicht 
halten dürfte. 

Ungefähr eine kleine Meile vor Northampton passirten wir den 
beiläufig 500 Schritt breiten Co/*«ec//c«<-Fluls auf einer ziemlich 
kleinen Fähre, welches, da die Nacht schon eingebrochen war, 
eben kein grofses Vergnügen machte. In Northampton stiegen wir 
mflarnar's kotel ab, einem grofsen , reinlichen und gut eingerichte- 
ten Wirthshause. Vor dem Hause ist ein breiter bedeckter Gang, 
und vor der ersten Etage — es hat nur eine — ebenfalls ein sehr 
breiter bedeckter Balcon. Die Männer sitzen unten, und oben ge- 
hen die Damen spatzieren. Man nennt es eine piazza, und die 
Einrichtung hat >iel Bequemes. Vor dem Hause stehen Ulmen- 
bäume und ein grofses Reverbere, welches das Haus und den Platz 
beleuchtet. Dieses, und der schöne warme Abend, und die vielen 
Menschen, die unter der piazza ausruheten, oder ab und zugin- 
gen, machten einen angenehmen EOect. Man ist liier sehr gottes- 
fürchtig, und geht aufser dem Sonntage drei Mal in der Woche in 
die Kirche. Als wir ankamen, war so eben die Kirche zu Ende, 
und wir sahen recht elegante Damen herauskommen. In jeder der 
Schlafstuben unsers AVirthshauses lag auch eine Bibel. Uebrigens 
lernte ich heute eine neue Art kennen, Briefe und Zeitungen zu 
bestellen. Der Kutscher des Postwagens wirft die Briefe und Zei- 
tungen, die ihm mitgegeben Bind, vor den Häusern, die sie erhal- 
ten sollen, auf die Erde; er wirft sie sogar auf das freie Feld an 
den Wegen hin , die von seiner Strafse nach der Gegend ablaufen, 
nach welcher die Papiere adressirt sind. 

\ or zwei Jahren hatten die Herren Cogswell und Bancroft eine 
Erziehungs-Anstalt in Northampton angelegt. Am Tage nach un- 
serer \nkunft — 11. August — besuchte mich Herr Cogswell, und 
stellte mir einen seiner Professoren vor, den Dr. Beck aus Heidel- 



107 

berg, einen Stiefsohn des Dr. De Wette aus Weimar, der hier Un- 
terricht in der lateinischen und griechischen Sprache giebt. Ein 
anderer deutscher Professor, den ich jedoch nicht gesehen habe, 
giebt Unterricht in der Turnkunst. Diese beiden Herren führten 
uns nach dem Institute, das in einem Wald auf einem Hügel, round 
h'dl genannt, ungefähr eine kleine Meile von Nort hampton ent- 
fernt liegt. 

Norihampton zählt gegen 4000 Einwohner, und hat hinsicht- 
lich seiner Bauart Aehnlichkeit mit Worcester , eben so >iele Kir- 
chen, eine Bank, ein Tribunal mit Gefängnifs und eine Buchdru- 
ckerei. Von Herrn Cogswclis Institut aus hat man eine herrliche 
Aussicht auf das fruchtbare und gut angebaute Thal des Connecti- 
cid -Flusses, der sich hier zwischen zwei hohen Bergen, Holyoakc 
und Mounttobie , seinen Weg bahnt. Links gewähren die hohen 
Gebirge von New- Hampshire einen schönen Anblick. Das Institut 
zählte im Jahr 1824 nur 40 Zöglinge , und im Jahr 1825 bereits 
74; auch ist Herr Cogswcll genöthigt, aulser den 3 grofsen Häu- 
sern, die zu seinem Etablissement gehören, noch ein viertes, grö- 
fseres zu bauen. Es soll nach dem Modell \on, Schulpforte einge- 
richtet sein; da mir deren Einrichtung jedoch unbekannt ist, so 
kann ich weiter Nichts darüber sagen. Die Turnübungen, zu de- 
ren Ausführung ein eigener Platz im Walde mit den nöthigen Ge- 
rüsten eingerichtet ist, machen einen Haupttheil der hiesigen Er- 
ziehung aus. Die Knaben sind von der Welt gänzlich abgeschieden; 
jedoch macht Herr Cogswcll, damit sie ihr nicht zu fremd werden, mit 
ihnen jährlich ein Paar Ful'sreisen in die umliegende Gegend. Herrn 
Bancroft , den ich an einem bei den Turnübungen versprungenen 
Fufse sehr leidend antraf, besuchte ich auf seinem Zimmer. Beide 
Herren sind enthusiastisch für Deutschland und für die dortige Er- 
ziehung eingenommen, und wollen Alles bei sich nach diesem Sy- 
stem einrichten. Mit einem Advocaten , den wir bei Herrn Cogs- 
well kennen gelernt hatten, kehrten wir nach der Stadt zurück. 
Hier zeigte uns Herr Eates, so hiefs er, die eine Kirche, das Tri- 
bunal und eine, einem Doctor und Apotheker Hunt gehörige Mi- 
nevaliensammlunor in welcher ich vorzüglich zwei schöne Stücke 
amerikanischen Ben 11s, so wie einige schöne Stücke BergkrystaU 
bewunderte. Bei unserer Rückkehr ins Wirthshaus erhielt ich ei- 
nen Besuch -von einem Arzte, Dr. Seeger aus dem Würtembergi- 
schen, der mit Schiller auf der Würtembcrgischen Militairschule 
erzogen worden war. Er wünschte, mich, meines Herrn Vaters 
wegen, kennen zu lernen, für d<:n er die allergröfste Verehrung 



_ 108 

bezeugte. Ich kann nicht leugnen: in einer so fernen Gegend von 
meinem Vaterlande, that dieses meinem Herzen ungemein wohl; 
und die Bekanntschaft mit dem würdigen alten Dr. Seeger, der 
schon seit 40 Jahren die V. St. bewohnt, und hier als ein recht- 
schaffener .Mann und guter Arzt in allgemeiner Achtung steht, bleibt 
mir eine angenehme Erinnerung. 

In Springfield, 20 Meilen von Nort hampton , den Connecticnt- 
llufs hinab, liegt die, dem Gouvernement gehörige, Gewehrfa- 
brik. Um diese Fabrik zu sehen, verliefen wir gegen 11 Uhr Vor- 
mittags bei einer schrecklichen Hitze Nort hampton y mit 5 Damen 
und 2 Herren in die Stage-coach, wie in das trojanische Pferd, 
eingepackt. Gegen 3 Uhr Nachmittags trafen wir ein, und fanden 
wieder ein sehr gutes Wirthshaus, ebenfalls mit einer piazza ver- 
sehen. Wir waren durch eine wohl angebaute Gegend längs des 
rechten Ufers des Co/Mec/ic?/flusses gefahren; Mais und Hirse, 
auch Kartoffeln Maren das Meiste , das wir angebaut fanden ; hie 
und da sahen wir auch Hanf, und T jedoch sparsam, Hopfen. 

Springfield liegt auf dem linken Ufer des Connecticut , über 
welchen, dicht vorder Stadt, eine hölzerne und bedeckte Brücke 
geht, 500 Schritt lang und sehr plump gebaut. Es sieht einer Stadt 
viel ähnlicher, als Worcester und Northampton; denn man sieht 
doch einige steinerne Häuser so nahe an einander stehen, dafs sie 
eine Strafse bilden. Der Oberst Lee hatte die Gefälligkeit, uns in 
seinem Wagen nach der Gewehr-Maaufaetur , deren Director er ist, 
abzuholen. Sie liegt ungefähr eine Meile von Springfield, in ei- 
nem sehr hübschen Thal , an einem Bache. Sie beschäftigt täglich 
274 Arbeiter. Diese haben sich in der Nähe der Manufactur an- 
gebaut, bilden eine Art von Colonie, und haben eine eigene Schule 
für ihre Kinder. Sie sollen sieh gleichfalls durch ein besonders 
gutes und sittliche« Betragen auszeichnen. Die Infanteriegewehre 
iür die amerikanischen Armeen werden nach dem verbesserten fran- 
zösischen Modelle von 1777 gemacht, nur etwas kürzer, wogegen 
die Bajonette etwas länger sind. Die Läufe und Bajonette werden, 
wie bei den Engländern, braun gemacht, auf eine Weise, die Du- 
pin in einer Anmerkung zu dem ersten Theile seiner myages dans la 
Grande Bretagne >veitläu(ig beschreibt. Wir sahen alle Arbeiten, 
vom ersten Anfan«: bis zum Ende; sie werden in verschiedenen 
Häusern gemacht, und die Maschinen durch Wasser in Bewegung 
gesetzt. Man verfertigt jährlich 15000 Gewehre , von welchen das 
Stück dem Gouvernement 11 Dollars zu stehen kommt. Wie viel 
könnte man ersparen, wenn man, wie in andern Ländern, die Ge- 



109 — 

wehre bei Privatarbeitern machen liefse! Das Arsenal, in welchem 
diese Gewehre aufbewahrt und in Kisten zu 20 Stück eingepackt 
werden, liegt nicht weit von der Manufactur und besteht, nachdem 
das alte grofse Arsenal vor anderthalb Jahren abgebrannt ist, aus 
einem Corps de logis für die Büreaux, aus zwei isolirten Flügeln, 
zur Aufbewahrung der Waden, und aus mehreren Nebengebäuden 
mit den nöthigen Werkstätten. Diese Gebäude bilden zusammen 
ein längliches Viereck, von welchem das eigentliche Zeughaus die 
eine kurze Seite ausmacht; auf der andern, dem Corps de logis 
gegenüber, steht Oberst Lees geschmackvoll eingerichtete Woh- 
nung. Die Häuser zum Arsenal gehörig, sind äufserlich von Back- 
steinen gebaut, inwendig ist alles Holz; und da die Gebäude wäh- 
lend des Winters mit caloriferes , und diese mit Holz geheizt wer- 
den, so schienen sie mir der Feuersgefahr sehr ausgesetzt zu sein. 
Ich bemerkte dieses dem Herrn Oberst Lee, und er schien meine 
Besorgnifs zu theilen. Als wir nach unserm Wirthshause zurück- 
gekehrt waren, stellte mir Herr Calhoun, dem wir durch Herrn 
Bates bekannt geworden, mehrere Herren aus der Stadt vor, und 
brachte uns Abends in eine musikalische Soiree bei einem Herrn 
Vitig/d , wo wir die schöne Welt der Stadt vereinigt fanden. Die 
Damen sangen recht gut, und spielten auf dem Pianoforte Stücke 
aus dem Freischütz, welche Oper jetzt in Amerika die Lieblings- 
musik ist. 

Unsere Absicht Mar, den 12. August nach New Libanon zu 
fahren , um dort das Bad und das nahe Sha/cersdorf zu besehen ; 
aber es stand in den Sternen anders geschrieben. Wir verliefsen 
früh 2 Uhr bei einer ziemlich kühlen Nacht Springfield in der Dili- 
gence, fuhren über die bedeckte Brücke hinweg, durch JVestficld, 
das, so viel wir in der Nacht sehen konnten, ein ganz hübscher 
Ort ist, und befanden uns mit Tagesanbruch in einem romantischen 
Thale am JVestßeldi\usse , der sich über grofse Felsenblöcke hin- 
stürzt. In Rüssel, einem 17 Meilen von Springßeld in einem wil- 
den Thale gelegenen, einzelnen Posthause nahmen wir ein vor- 
treffliches Frühstück ein und freuten uns über das gute und 
reinliche Aussehen des Hauses und seiner Bewohner. Es war 
früh so kalt, dafs ein tüchtiges Caminfeuer, welches wir in diesem 
Hause fanden, uns recht willkommen war. Der Weg in dem wil- 
den, romantischen Thale, meistens bergauf, längs des Waldstromes, 
war ziemlich schlecht und öfters sehr eng; anstatt eines Geländers 
am Abgrunde, lagen nur grofse Baumstämme da, die man auf eine 
unverantwortliche Weise vermodern läfst. Die Brücken waren eben 



110 

so schlecht, als die, über welche ich früher lamentirt habe. Der 
Wald hatte sehr schöne Bäume, von denen jedoch viele ausire- 
rodet wurden, um neuen Ansiedlern Plätze zu ihren "Wohnungen 
zu verschaffen. Diese Wohnungen wurden, Blockhäusern gleich, 
von grofsen Baumstämmen erbaut. Unter den einzelnen Ansiedlern 
bemerkten wir mehrere Neger- und Mulatten-Familien. Von den 
Oertern Chcstcr, Büket und Lee, durch welche wir kamen, beste- 
hen die beiden ersten nur aus einzelnen Höfen; letzteres jedoch 
scheint ein blühendes Dorf zu sein. "Wir verliefsen hier das Gebirge 
und kamen wieder in besser angebaute Gegenden, in welchen wir 
auch Stoppeln vonGetraide bemerkten.' In Stockbridge, 47 Meilen 
von Springfield, einem freundlichen Orte, hielten wir in einem guten 
Wirthshause Mittag. Von der grofsen Hitze und dem elenden und 
engen Sitzen in der Stage-coach fühlte ich mich sehr ermüdet, 
und wollte defswegen einen Wagen miethen, um nach New-Libanon 
zu fahren, das nur 14 Meilen entfernt ist. Der Mensch aber, den 
ich wegen eines Wagens ansprach, war so unverschämt, 10 Dollars 
zu fordern; also entschlofs ich mich, um nicht einem neuen Yan- 
kee! rieh zu begegnen, meine Reise in der widerwärtigen Stage- 
coach direct nach Albany fortzusetzen. Bei der nächsten, 13 Meilen 
entfernten Station Canaari verliefsen wir den Staat Massachusetts 
und betraten den Staat New - York. Die andern Plätze , die wir 
nach Canaan berührten, waren Chatham, 6 Meilen, Nassau oder 
Unionrillage, 4 Meilen, und Schoodie, 5 Meilen. Albany ist im 
Ganzen Hl Meilen von Springfield entfernt. Die erwähnten Plätze 
sahen alle recht wohlhabend und reinlich aus. und die Felder waren 
auch recht gut angebaut. Als wir nach Schoodie kamen, brach 
die Nacht ein, wurde jedoch leider durch ein auf einer Anhöhe 
brennendes Haus erleuchtet. Dicht vor Albany, am Dorfe Green- 
bush, passirten wir auf einer Pferdefähre den Uudsonjlufs , auch 
Northriver genannt, und nahmen in Albany, wo wir gegen 10 Uhr 
Abends eintrafen, unser Quartier in Crullenden's board'uig-house, 
auf einer Höhe neben dem Capitol oder Staatenhause gelegen. 

Albany zählt gegen 15000 Einwohner. Die Stadt liegt am 
rechten Ufer des Hudson, und erstreckt sich westlich eine Höhe 
hinauf. Sie ist im Jahr 1614 durch die Holländer unter dem Namen 
Fort Orange angelegt worden, und hat ihren jetzigen Namen, 
nach ihrer Besitznahme durch die Engländer , zu Ehren des nach- 
herigen unglücklichen Königs Jacob IL bekommen, der damals 
Herzog von York und Albany hiefs. Noch stehen mehrere der 



111 

alten holländischen Häuser, und mehrere Strafsen haben noch ihre 
holländischen Namen beibehalten. 

Im Wirthshause trafen wiv mit einem Herrn Jackson aus New- 
5 ork zusammen , der fast gleichzeitig ankam, und seine Schwester 
und einen zehnjährigen, altklugen Sohn, Cohnnbus genannt, bei 
sich hatte. Er ist ein Schulmann. Wegen der Nähe der Bäder von 
Ballst oii, Saratoga und Neic-Libanon und der fashionable season 
war es in dem Hause so voll von Fremden , dafs ich mit Herrn 
Tromp in einer kleinen Kammer schlafen mufste. Beim allgemei- 
nen Frühstück am andern Morgen, fand ich den Herrn Jackson 
und seinen kleinen Coltanbua wieder, und da er in Albany bekannt 
war, so nahm ich seine Einladung an, mit ihm in der Stadt herum- 
zugehen. Sie sah alt und mitunter baufällig aus. Sie hatte sich 
während des letzten Krieges gegen England sehr gehoben, war aber 
seit dem Frieden durch mehrere bedeutende Bankerotte und 
durch einen grofsen Brand wieder zurückgekommen. Durch den neu 
angelegten JEne-Canal , der hier seinen Anfang nimmt und westlich 
bis nach dem jE/wc-See, 362 Meilen weit, läuft, so wie durch den 
aus diesem Ganal auslaufenden Verbindungscanal mit dem See 
Champlain , kam von Neuem Leben und Handel in die Stadt, und 
man versprach sich für sie die schönsten Resultate. Schon bei 
unserer Ankunft hatte ich eine Jeremiade über das schlechte Pflaster 
angestimmt; und fortwährend mufste ich dieselbe erneuen , zumal 
da die Strafsen noch obendrein sehr krumm sind. Wir besuchten 
mehrere Buchhandlungen, die recht gut versehen zu sein scheinen, 
und machten dann eine Promenade nach dem neuangelegten Bassin, 
aus welchem der Canal ausläuft. Es ist durch einen, parallel mit 
dem rechten Ufer des Hudson laufenden, 4000 Fufs langen, Damm 
vom Hudson getrennt, ist 300 bis 400 Fufs breit und hält 10 Fufs 
Wasser. Der Damm ist von starken Balken, die seine beiden 
Wunde bilden, und deren Zwischenraum mit Erde und Steinen 
ausgefüllt ist. Mehrere höchst plumpe hölzerne Brücken, in deren 
Mitte Zugbrücken zum Durchlassen der Schifte angebracht sind, 
verbinden ihn mit dem Ufer. Das Aufbauen dieses Dammes hat 
130,000 Dollars gekostet. Man hat ihn in Loose vertheilt und ein- 
zeln verkauft, unter der Bedingung. Magazine darauf zu bauen, 
und dieser Verkauf hat die Summe von 190,000 Dollars eingebracht. 
Meiner Ansicht nach hätte die Gesellschaft der Unternehmer des 
Canalbaues, auf deren Kosten das Bassin und die beiden Canälc 
angelegt sind, besser gethan, den Damm zu behalten und zu ver- 
miethen. Da er von Holz gebaut, da dieses mehr oder weniger 



112 

dem Verfaulen unterworfen ist, und da man nun gar Magazine 
darauf errichten will, die ihn sehr drücken werden, so ist zu fürchten, 
dafs <i in einer Zeit von zehn Jahren einstürzen, oder dafs man sich 
zu einer grolsen Uauptreparatur, oder wohl gar zu seinem Wieder- 
aufbau in Stein genöthiget sehen wird. Da die Steine hier zu 
Lande sehr wohlfeil sind, und ihr Behauen in den Gefängnissen 
geschieht: so hätte man den Damm sogleich in Stein aufbauen 
sollen. Der jetzige gehört meiner Ansicht nach in die Kategorie 
der halben Maafsregeln. In dem Bassin fanden Mir auf einem 
Canalschiff eine schwimmende Buchhandlung. Herr JVilcox, m el- 
cher dieselbe seit 2 Jahren auf dem jEr/e-Canal etablirt hat, soll 
jährlich einige Reisen, hin und zurück, und auf diesen Reisen 
recht gute Geschäfte machen. Er war so eben zurückgekommen, 
um sein Magazin wieder zu erneuern. Die meisten Bücher, die er 
in den Ortschaften in der Gegend des Canals verkauft, sind alte 
Autoren; dann medizinische und religiöse, nach diesen juristische 
Schriften und endlich Romane. Früher ein bemittelter Kaufmann 
in Albany, ist der Mann durch einen Bankerott ruinirt worden, 
und erhält nun durch diese glückliche Speculation seine Familie, 
die mit ihm sein Schiff bewohnt. Ich kaufte von ihm eine recht 
gute Charte vom Staat New- York. 

Später besahen wir mehrere am Ufer liegende Dampfböte, die 
zur Communication zwischen Albany und New -York dienen. Das 
gröfste heifst the commerce, ist mit gut eingerichteten Zimmern 
versehen, und macht die Reise in 19 Stunden. Die Eleganz des- 
selben läfst Nichts zu wünschen übrig; was jedoch die Maschine 
betrifft, so meinte Freund Tramp, dafs diese auf den englischen 
Dampfböten vervollkommneter sei. In der That haben die ameri- 
kanischen Dampfmaschinen hier im Lande nicht den Ruf einer sehr 
grofsen Sicherheit, hinsichtlich der Solidität des Dampfkessels; 
und mehrere Explosionen haben zur Vermehrung dieses übelen 
Rufes beigetragen. Aus dieser Ursache, verbunden mit der Un- 
annehmlichkeit der erschütternden Bewegung der Dampfmaschine, 




113 

wollten mehrere Personen ihre Leiber diesem Transportmittel nicht 
anvertrauen ; und defswegen hat man , wie der Holzschnitt auf der 
vorigen Seite zeigt, eine safety bärge angebracht. Diese ist ein 
wahres schwimmendes Hotel, mit dem gröfsten Luxus meublirt. 
In dem Damenschlafzimmer befinden sich sogar seidene Bettvor- 
hänge. Die Damen haben aufserdem ein besonderes Toiletten- 
und Versammlungszimmer , so wie die Herren , denen der Speise- 
saal zum Versammlungszimmer dient. Rings um das Schill' herum 
läuft eine piazza, die bei warmem Wetter sehr angenehm sein mufs. 
Der Name dieser safety bärge, auf der die Reise sammt der Nah- 
rung nur 4 Dollars kostet, ist Lady Clinton, zur Ehre der Frau 
des Gouverneurs vom Staate New- York, De JVitt Clinton. Ein 
anderes sehr gut eingerichtetes Dampfboot, Constellatian, das 
jedoch noch keine safety bärge hat, besahen wir ebenfalls. Man 
hat jetzt Dampfböte eingerichtet, um gewöhnliche Flufsschifte 
den Flufs hinunter und hinauf zu bugsiren , welche man steam tow 
boats nennt. 

Zuletzt besahen wir die oben erwähnte, durch Pferde in Be- 
wegung gesetzte Fähre. Diese Fähre besteht aus zwei anein- 
ander befestigten Schiften , die ein gemeinschaftliches Verdeck und 
zusammen eine elliptische Form haben. Auf demselben steht ein 
rundes Haus, in welchem 6 Pferde im Kreise herumgehen und ein 
horizontales Kammrad drehen ; das Kammrad bewegt ein Stirnrad 
und das Stirnrad ein verticales Rad, um dessen Axe sich zwischen 
den beiden Schiften zwei gewöhnliche Räder mit Schaufeln wie bei 
den Dampfböten drehen und das Ganze in Bewegung setzen. Die 
Wagen — und 22 zweispännige können auf ein Mal übergefahren 
werden — , stehen rechts und links auf der Fähre neben dem run- 
den Hause, in welchem die Pferde sind. Ein vorn und ein hinten 
angebrachtes Steuerruder geben der Fähre die gehörige Di- 
rection. 

Hauptzweige des hiesigen Handels scheinen Zimmerholz und 
Breter zu sein, von denen wir eine bedeutende Quantität auf den 
Quais und dem Damme liegen sahen. Beim Mittagsessen lernten 
wir den spanischen Consul in Boston, einen recht feinen jungen 
Mann , in Frankreich erzogen , kennen. Nach dem Essen besahen 
wir das nicht weit von unserm Wirthshause auf einem Hügel lie- 
gende Capitol oder Staatenhaus. Albany ist der Sitz des Gouver- 
neurs und der Hauptort des Staates New 'York; soll es aber, wie 
man sagt, nicht lange mehr bleiben, da die Absicht ist, den Sitz 
des Gouvernements weiter westlich, in die Mitte des Staates, nach 

i. n 



114 

/ tica zu verlegen. Das Capitol bildet ein von braunem Sandstein« 
gebautes Viereck, dessen eine Seite mit einer groben Treppe und 
4 ionischen Säulen von weilscm Marmor geziert ist. Die > ersamnv 
Innsssile der verschiedenen Behörden sind geräumig; etwas beson 
ders Merkwürdiges fand ich jedoch nicht. In einem Saale befindet 
sich ein lebensgrofses Portrait von Washington und in einem andern 
&.\n des alten Gouverneurs Clinton, Oheims des jetzigen. Auf dem 
(Gipfel des Capitols steht eine Laterne, von welcher aus man eine 
schöne Aussicht hat auf die Stadt Albany und das Thal des Hudson, 
die rechts durch die /i rt/s/t /'//-Gebirge und links durch die Gebirge 
>on / ermont begränzt wird. Ueber der Laterne steht eine hölzerne 
Statue der Gerechtigkeit, an deren Rücken ein schwerer Blitz 
ableiter befestiget ist, so dafs Witzlinge gesagt haben, sie stehe 
am Pranger. 

Bei Albany besteht noch ein Rest vom Feudalwesen. Die 
Familie van Ihnfsclaer, eine der ältesten unter den holländischen 
Einwanderern, hatte seit der ersten Niederlassung die Gegend von 
Albany als ein Lehen bekommen, dieses in mehrere Theile getheilt 
und mit den Theilen andere Vasallen gegen gewisse Abgaben und 
Dienste belehnt. Der älteste der va?i Renjselacrsvhen Familie führt 
bis diesen Tag den Titel: Patroon, und geniefst gewisser feu- 
daler Vorrechte, deren Erhaltung die Familie seit der amerikani- 
schen Revolution ihrer grofsen Popularität in dieser Gegend ver- 
dankt, obgleich alle Erinnerung an das Feudalwescn ganz gegen 
den (»eist der hiesigen Regierung ist. Das Haus des alten General 
ran JicnßeUwr wird in der Gegend Ute Manor of ihe Falrotm 
genannt. 



VI. 

Reise von Albany nach den Wasserfällen des Niagara* 
Der Eric - Canal. Schenectady. Utica. liocJicster. 

Buffalo. 

Die Wasserfälle des Niagara. 
Vom 14. bis 25. August 1823. 



Den 14. August begaben Mir uns früh 7 Uhr nach dem Bassin 
und schifften uns auf dem, zur Canalschiffahrt bestimmten, Packet- 
boot Albany ein, um unsre Reise nach dem See Erie anzutreten. 
Dieser Canal hat 2,500,000 Piaster gekostet und wird in 4 Wochen 
vollendet sein : nur in der westlichen Gegend arbeitet man noch 
an demselben. \ origes Jahr hat der bis dahin fahrbare Theil des- 
selben 300,000 Dollars eingetragen, und man erwartet dieses Jahr 
eine Einnahme von 500,000 Dollars, so dafs in sehr kurzer Zeit der 
ganze Kostenaufwand ersetzt sein und der Staat einen unglaublichen 
\ ortheil ziehen wird , wenn nicht etwa grofse Reparaturen, die, wie 
ich glaube, allerdings bevorstehen , einen ansehnlichen Theil dieses 
Einkommens absorbiren sollten. Das System der grofsen Canäle 
war bis jetzt in den V. St. unbekannt und nicht sehr populär. Es 
galt daher, das Publikum durch ein grofses, schnell ausgeführtes 
Werk « so zu sagen , zu verblüffen ; und so wurde dieser Canal so 
schnell als möglich ausgeführt, ohne dafs man die langen Erfah- 
rungen, die andere Nationen im Canalbaue gemacht haben, beson- 
ders dabei zu Rathe gezogen hätte. Allerdings macht die Unter- 
nehmung dieses Canals, 362 Meilen, mit 83 Schleusen, welche die 
Schiffe vom Hudson nach dem See Eric bringen, dessen Niveau 
68SFufs über den des Hudson erhaben ist, dem Geiste der Erfinder 
alle mögliche Ehre; hat man aber die französischen, niederländi- 
schen und englischen Canäle gesehen und noch im frischen Ge- 
dächtnisse, so findet man, dafs hier zu Lande die Wasserbaukunst 
noch Fortschritte machen kann. Der Canal hat an der Oberfläche 

IT O 



~ 11(3 

des Waisen eine Breite ton 35 Fufs, aufeinem Grunde von 28, und 
das Wasser eine Tiefe ton 4 Fufs, so dafs nur eigends dazu ge- 
baute flache Schiffe und FlöTse auf demselben fahren können. Das 
Pai ketboot, das uns heute bis Schenectady brachte , war 70 Fufs lang, 
14 Fufs breit und zog 2 Fufs Wasser. Es war bedeckt, enthielt 
einen geräumigen Saal nebst einer Küche und war recht nett einge- 
richtet Wegen der vielen Schleusen geht die Fahrt nur langsam 
von Statten: unser Packetboot machte nur 3 Meilen in einer Stunde, 
da jede Schleuse im Durchschnitt 4 Minuten aufhielt. Die Schleusen 
sind im Lichten 15 Fufs breit, und ihr Fall ist zwischen 7 und 12 
Fufs. Das Packetboot wurde durch 3 hintereinander gespannte 
Pferde gezogen, die aufeinem längs des Canals laufenden schma- 
len Saum-Wege gingen, der auch unter den vielen über den Canal 
geschlagenen Brücken hinweg läuft. Diese Brücken, gegen 300 
zwischen Albany und Utica, sind alle von Holz und sehr plump 
gebaut; meistens gehören sie den Bauern, und dienen zur Com- 
munication mit ihren Feldern. Von Albany bis Schenectady sind 
es zu Lande nur 15 Meilen und man kann diesen W r eg in kurzer 
Zeit mit der Stagc-coach zurücklegen ; da es uns aber darum zu 
thun Mar, den Canal zu sehen, und wir übrigens Zeit gewinnen 
wollten , um in unsern Tagebüchern nachzutragen , so hatten wir 
den weitern Weg zu Wasser, 28 Meilen lang, vorgezogen. 

Fünf und eine halbe Meile von Albany, bei Troy, steht ein, 
dem Gouvernement gehöriges, Arsenal, das ein grofses Etablisse- 
ment zu sein scheint. Der Canal läuft bis hieher ziemlich parallel 
mit dem Hudson-Fhifs. Troy, das auf dem linken Ufer am Fufse 
ziemlich ansehnlicher Berge, von denen einer der Berg Ida heilst, 
recht malelisch liegt, scheint, nach den grofsen Magazinen amUfer 
und dem guten Aussehen der Hauser zu urtheilen, ein wohlhaben- 
der Platz zu sein. Aus unserm Canale geht hier ein Seiten-Canal 
mit 2 Schleusen nach dem Hudson, zur Communication mit Troy. 
Hierauf kommt man an einen Platz, wo 9 Schleusen übereinander 
sind, durch welche man 78 Fufs steigt. Vorher geht ein Canal 
rechts ab, der sich mit dem Hudson und dann mit dem Canale 
des CIta?nplain-f$ees vereinigt. Hier verliefsen wir den Hudson und 
hielten uns längs des il/o//aw7i-Flusscs. Wir bemerkten eine gegen 
()00 Fufs lange bedeckte hölzerne Brücke, die auf 15 hölzernen 
Pfeilern über den letztern Flu fs gehet, nahe vor seiner Mündung. 
Hier sahen wir den berühmten und oft abgebildeten Cohoes- Wasser- 
fall im Afo/mtt'/i-FIusse, 78 Fufs hoch, und etwa 400 Fufs breit. 
Im Frühjahre soll dieser Wasserfall , wo er sich über das ganze Bett 



117 _ 

des Mohawk erstreckt, sehr majestätisch sein; bei der jetzigen 
Dürre nahm er sich zwar schön aus , war jedoch sehr schmal. Der 
Flufs war beinahe ganz ausgetrocknet: ich ging in seinem aus 
Schieferfelsen bestehenden Bette trocknes Fufses bis in die Mitte 
und bis dicht an den Wasserfall. Das Wasser hat den Felsen hin 
und wieder tief ausgewaschen; man sieht Löcher voll Wasser, in 
welchen man recht gute Fische fangen soll. Da sich sehr grofse 
Schwierigkeiten fanden, um hier den Canal auf dem rechten Ufer 
des Mohawk fortzusetzen, so hat man ihn vermittelst eines 1188 
Fufs langen Aqueducts auf das linke Ufer geleitet. Dieser Aque- 
duet ist von Holz gebaut und ruhet auf 2(5 steinernen Pfeilern, vor 
welchen, auf eine Distanz von beiläufig 100 Schritt, hölzerne 
Eisbrecher in dem Flusse gebaut sind. Das Wasser in diesem höl- 
zernen Canal ist gegen 20 Fufs breit und auf der einen Seite zum 
Wege für die Pferde mit einem 8 Fufs breiten Trottoir versehen. 
Diese hölzerne Wasserleitung wird wohl nächstens einer Reparatur 
bedürfen, und man dürfte endlich genöthiget sein, sie von Eisen 
zu machen. Der Canal ist, fast so weit er auf dem linken Ufer des 
Mohawk läuft, aus dem Felsen gehauen, und nimmt sich sehr schön 
aus. Zwölf Meilen weiter kehrt er vermittelst eines andern 748 Fufs 
langen, auf 16 Pfeilern ruhenden ähnlichen Aqueducts auf das 
rechte Ufer des Mohawk zurück. Oberhalb dieses Aqueducts , der 
ebenfalls durch hölzerne Eisbrecher gedeckt ist, geht eine gewöhn- 
liche hölzerne Brücke für Wa<ren über den Flufs. Vier Meilen 
weiter ist Schenectady, das wir erst nach Sonnenuntergang erreich- 
ten. Zwischen Albany und dieser Stadt hatten wir 27 Schleusen 
passirt. Die Schleusen sind von harten Kalksteinen gebaut, bedür- 
fen jedoch einer baldigen Reparatur, da sie an mehreren Plätzen 
das Wasser durchlassen. Auch schliefsen die Schleusenthüren 
schlecht; das durch sie filtrirende Wasser bildet gar artige Casca- 
den. Die Gegend, durch welche wir heute gekommen waren, ist 
gröfstes Theiles bergig und waldig und kärglich angebaut. 

Schenedady ist eine alte Stadt von ungefähr 5000 Einwohnern; 
sie wird durch den Canal in zwei Theile getheilt. Wir verlicfsen 
hier das Packetboot, um morgen mit einem andern nach Utica 
zu fahren, und fanden in Givens hotel ein recht gutes Unterkom- 
men , das uns nach der grofsen Hitze des Tages sehr wohlthätig 
war. Die Einwohner sind zum Theil Nachkommen von Nieder- 
sachsen, von denen einige, die im Wirthshause waren, mir in 
schlechtem Plattdeutsch die Conversation machen wollten. Am 
andern Morgen machten wir früh einen Spaziergang durch die 



. 118 

Stadt, und sahen zwei grofse, auf einer Anhöhe liegende Gebäude, 
in welchen sich eine Universität, Union College, befindet. Die 
Studenten hatten Ferien, und defswegen war es sehr still. Nach 
dein baufälligen Zustande der Gebäude zu schliefsen, ist dieses 
Collegiimi nicht sehr in Aufnahme. Man hat von demselben aus 
eine schöne Aussieht auf die Stadt und auf das Thal des Mohawk, 
das hier recht gut angebaut zu sein scheint. In der Stadt bemerk 
ten wir eine sonderbare Windmühle mit einem horizontalen Wind- 
rade, dessen Flügel, ungefähr 20 an der Zahl, perpendiculär und 
jalousienförmig auf dem Rade stehen. 

Um 10 Uhr früh verliefsen wir Schenectadif am Borde des 
Packetboots Samuel Young, das uns bis morgen \ ormittags nach 
Utica, 80 Meilen weit, zu bringen versprach. Es Mar so grofs, als 
das Gestrige, nur Maren Verschlage für die Damen angebracht, M'eil 
man eine Nacht auf dem Boote zubringen mufs. Der Canal ffinff 
heute Mieder längs des Mohawk in demselben gut angebauten Thale, 
und die Gegend war, Megen des Laubholzes auf den Anhöhen, 
recht freundlich. Einige nett aussehende Häuser bilden das 
'Township Amsterdam-, gegenüber, auf dem rechten Ufer des 
Mohawk, liegt Rotterdam. Ueber mehrere kleine Regenbäche, 
die man hier, so Mie die kleineren Flüsse, mit dem indischen 
Namen Creek belegt, kamen Mir auf kleinen Aqueducts hinweg, 
von welchen die längsten nur auf 3 Pfeilern ruheten. Der Canal 
führte durch 2 Flüsse, Schoharrie Creek und Canajoharie Creek, 
welche ihm das meiste Wasser zuführen. Bei dieser Durchkreu- 
zung der Flüsse Merden die Pferde auf einer besondern Fähre 
übergefahren. Bei der ersten Ueberfahrt liegt ein Dorf, Fort 
Hunter genannt, wo vor dem 7jährigen Kriege ein Fort, oder 
vielmehr eine lledoute dieses Namens gestanden hat. Gegen 
Abend kamen wir durch ein enges Thal , durch zwei felsige Berge 
gebildet, von weichen der eine Anthonys nose genannt wird. Die 
Häuser, an denen wir vorbeifuhren, sahen meistens recht Mohlha- 
bend aus; auch bemerkte ich heute und gestern mehrere Säge- 
mühlen. Zwischen Schencctadij und Utica sind 26 Schleusen. Der 
Tag war unerträglich heifs und unsere Gesellschaft nicht sehr zahl- 
reich. So viel als es sich thun liefs, schrieb ich heute; während 
der grofsen Hitze konnte ich mich aber des Schlafs nicht erwehren. 
Abends bekamen wir glücklicherweise ein Gewitter, das die Luft 
sehr abkühlte. Während der Nacht wurden, da die Cojen nicht 
zureichten, auf alle Bänke Betten gelegt, und für mich, als den 
Gröfsten, in der Mitte ein ganz besonderes auf die längste Bank 



_ 119 _ 

und einen Stuhl als Supplement. Es sah aus wie ein Erbbegräb- 
nifs, und ich lag in der Mitte wie der Familienvater. Ich brachte 
übrigens eine schlechte Nacht zu, weil ich sehr eng lag, weil In- 
secten mich quälten, und weil bei jeder Annäherung einer Schleuse 
der Steuermann auf dem bügle seine schönen Weisen anstimmte. 
Während derselben hatten wir einen Aqueduct passirt, der über 
einen kleinen Wasserfall, litth falls genannt , hinweg führt. Ge- 
gen Morgen kamen wir durch eine recht gut angebaute Gegend mit 
einzelnen netten Häusern, Gcrman jlats genannt, zur Zeit der 
Königin Anna von deutschen Ansiedlern angelegt. Gegen 12 Uhr 
Mittags erreichten wir Llica, nachdem wir 9 Meilen zuvor durch 
die letzte Schleuse gefahren waren. Aul" mehr als 70 Meilen vor- 
wärts giebt es keine Schleuse wieder. Der Boden scheint ange- 
schwemmter Grund zu sein, und besteht aus Sand mit Rieseln. 

Uti'ca, durch welches der Canal hindurchgehet, ist eine blü- 
hende Stadt von beiläufig 4000 Einwohnern, und stehet auf dem 
Piatue, wo früher eine Rcdoute gegen die [ndianer, Fort Scfiuyler 
genannt, gestanden hat. Im Jahre 1704 war ein kleines Wirths- 
haus das einzige bewohnte Gebäude in dieser Gegend; und jetzt 
stritt Ulica da als eine der blühendsten Städte des Staates New- 
York, und fortwährend werden neue Häuser gebaut. In der 
That, man fängt hier an, die grofsen Fortschritte, die dieses 
junge Land in der Cultur macht, zu bewundern, und bekommt 
ganz neue Ideen vom menschlichen Ersrliaffungs- und Unterneh- 
mungsgeist! fMcmi, am rechten Ufer des Mofauck, hat 2 Banken, 
4 Kirchen, und eine Akademie, grofse und gut eingerichtete La- 
den mit einer Buchhandlung; und einer Buchdruckerei. Aufser 
mehreren Schenken giebt es 3 ffrofse Wirthshäuser. Wir fanden 
in dem gröfstcn, Shephefda hold , ein sehr gutes Unterkommen. 
In diesem Hause sind beständig über 70 Betten zur Aufnahme der 
Fremden bereit; und öfters sollen sie kaum zureichen. Man erin- 
nerte sich nicht, dafs in einem Sommer so viele Reisende hier ge- 
wesen seien, als in diesem, besonders aus den südlichen Staaten, 
wo die Hitze unei träglich , und wo es überhaupt im Sommer unge 1 
sund sein soll. In einem solchen amerikanischen Wirthshause ist 
Alles äufserst reinlich, und verhältnifsmäfsig bilKg. Man mufs auf 
die Person mit Wohnung und Nahrung täglich 1 Dollar rechnen. 
Früh vor 7 Uhr wird zum Aufstehen geläutet. Die Schlafzimmer 
sind äufserst geräumig, die Betten weit und gut, und die Wäsche 
lein und sehr reinlich/. Uebrigens sind alle Schlafzimmer mit den 
nöthigen Waschtischen u. s. w. versehen. Nachdem man ange-' 



120 

kleidet ist, begiebt man sich ins Erdgeschofs , in den barroom. Da- 
selbst findet man alle Sorten von erfrischenden und herzstärkenden 
Getränken; auch ist daselbst das Comptoir des ersten waiters, der 
die Rechnungen besorgt. Der Wirth ist gewöhnlich ein geittle- 
Ttian, der mit den Gästen ifst, und die Conversation macht. Aufser 
dem Vorplätze, wo die Stiefeln und Schuhe Abends hingestellt 
Verden, und wo man sie am andern Morgen wohlgeputzt wieder 
findet, sind hier mehrere offen stehende Stuben zum Sitzen, Le- 
sen , Schreiben u. s. W. Will man jedoch , zumal wenn man mit 
Damen reiset, einen besonderen sitthigrootn haben, so bekommt 
man auch diesen gegen besondere Bezahlung. Eine halbe Stunde 
nach dem Aufstehen wird zum Frühstücke geläutet. Man begiebt 
sich in den diningroo?n, und trifft eine gedeckte Tafel an, mit 
beefsteak, Schöpsenfleisch, gebratenen Hühnern oder anderem Ge- 
flügel , Fischen und gesottenen Kartoffeln , welche von einer ganz 
besonders guten Qualität sind. Die waiters, oder an manchen Or- 
ten auch Dienstmädchen , präsentiren Kaffee und Thee. » ie über- 
haupt die Amerikaner sehr stille Menschen sind, so geht es auch 
bei einem solchen Frühstücke, das in aller Eile abgethan wird, 
sehr still zu. Das Diner wird gewöhnlich gegen 2 Uhr eingenom- 
men. Gegen 7 Uhr Abends wird zum Thee geläutet. Alsdann ist 
die Tafel besetzt, wie zum Frühstück, und aufserdem noch mit 
Ragouts und Backwerk. Wein ist Niemand zu trinken verbunden. 
Auf dem Tische stehet Wasser und Branntwein, welches man ver- 
mischt im Sommer für das gesundeste Getränk hält. Ein Jeder 
mufs zulangen , so gut er kann und mag : denn die Speisen werden 
nicht herumgegeben. Servietten bekommt man nicht, und mufs 
sich statt ihrer des Tischtuches bedienen. Aufser den Löffeln sieht 
man kein Silberwerk auf der Tafel; die Gabeln sind zweizinkige 
von Stahl, und ihre Stiele, sowie die Messerstiele, von Hirsch- 
horn. Eine gute Einrichtung ist es, dafs man beim Weggehen 
keine Ilaustrinkgelder zu geben braucht. 

In Utica vereinigten wir uns zu 7 Passagieren , um eine Dili- 
gence nach den 14 Meilen von hier befindlichen Wasserfällen, 
Trenton-falls , zu miethen. Wir zahlten 9 Dollars für den Wagen. 
Unsere Gefährten waren theils aus New -York, und theils aus dem 
Staat North- Carolina. Wir fuhren über den Mohawk auf einer 
bedeckten hi kernen Brücke, die auch plump und schlecht gebaut 
war, an welcher ich übrigens die gute Warnung angeschlagen 
fand, dafs jeder, der diese Brücke zu Pferde oder zu Wagen 
schneller, als im Schritte, passire, einen Dollar Strafe zahlen solle. 



121 

Dann ging es bergauf in einen Wald hinein , der aber zum Theil 
ausgerodet wurde, um Felder anzulegen. Mit dem Holze geht man 
hier so sorglos um, dafs man wahrscheinlich schon in 50 Jahren 
Mangel fühlen wird. Nicht weit von den Wasserfällen , welche zum 
Hest-Ca/iada-Creek gehören, ist in dem Walde, den man vor Kur- 
zem aufgeklärt hat, ein neues Wirthshaus, ganz von Holz, in ei- 
nem schlechten Stil , erbaut worden. Daselbst verliefsen wir den 
Wagen, und gingen zu Fufse durch den dichten Wald, durch wel- 
chen ein Steig ausgehauen ist, nach den Wasserfällen. Eine neue 
hölzerne Treppe, zur Bequemlichkeit der Fremden angelegt, führt 
auf einigen 80 Stufen nach dem Flufsbette hinab. Dasselbe besteht 
ganz aus Schieferfelsen, ist ungefähr 200 Schritte breit, und zwi- 
schen hohen Felsenufern eingeschlossen, die mit den herrlichsten 
Riesentannen, Ahornen, Platanen, Ulmen, Cedern und Lebens- 
bäumen bewachsen sind. Diese schöne Masse von Grün , auf dem 
dunkelblauen Himmel , mit den grofsen Felsenpartien und den drei 
nicht weit hinter einander liegenden Wasserfällen , gewähren einen 
herrlichen Effect. Bei diesen Fällen, die übrigens wegen des hei- 
fsen Sommers kaum die Hälfte der Breite des Flusses einnahmen, 
hat das Wasser den Felsen so ausgewaschen , dafs dieser einen or- 
dentlichen Kessel bildet. Der obere Fall, der etwa 90 Fufs hoch 
sein mag, ist der schönste, und ein speculativer Kopf hat in der 
Nähe, unter dem Schatten der Lebensbäume, eine kleine Schenke 
angelegt, die sich sehr malerisch ausnimmt, und sich gut verin- 
teressiren soll. Man findet im Felsen schöne Versteinerungen von 
Muscheln , Pflanzen und Thieren , eine 11 Fufs lange Versteine- 
rung glich einem jungen Alligator; von den kleineren nahm ich 
einige mit mir. Wir nahmen im Wirthshaus ein mittelmäfsifires Di- 
ner ein, und fuhren gegen Abend nach Utica zurück. Der Tag 
war sehr schön , und nicht zu warm. Das gestrige Gewitter hatte 
uns gut gethan. Ich bedauerte , dafs wir zu spät in Utica anka- 
men , um eine hydrostatische Schleuse zu besehen , welche bestimmt 
ist, die auf dem Canal fahrenden Schiffe zu wägen. 

Da wir nun genug vom Canale gesehen hatten , da die Fahrt 
auf demselben etwas langsam von Statten geht, und wir das Land 
besser kennen zu lernen wünschten , das von hier an bis zum Nia- 
gara ganz neu angebaut ist, so entschlossen wir uns, morgen un- 
sere Reise mit der Stage-coach fortzusetzen. Wir verliefsen also 
den 17. August früh 4 Uhr in dieser Weise Utica, und kamen an 
diesem Tage 73 Meilen weit bis Auburn. Die Stage-coaches ma- 
chen hier nicht, wie in England, 10 Meilen in einer Stunde, son- 



122 

'lern gewöhnlich nur t>. Denn die Gegend ist meistens bergig; 
die coaeh, wenn sie die mail mitnimmt, hält in jedem Dorf an, 
weil sich, wegen der großen Menge von Zeitungen, in jedem ein 
"post-nfjice befindet; das Felleisen mufs abgegeben, geöflnet, nie- 
der geschlossen, und dann zurückgegeben werden; dabei wird 
den Pferden gewöhnlieh Wasser gereicht; die Kutscher sind auch 
nicht sehr pünktlich: und so geht die Reise nicht so schnell, als 
sie sollte. Die Ortschaften, welche wir zwischen Utica und Au- 
Iiirrit passirten, waren: New-Harißhrd', 4 Meilen weit; Manchester^ 
5 M.; Fernen, 8 M.; Oneida, 5 >!.; Lenox, 4 M.; Sullivan, 8M.; 
Man! ins, 6 M.; Jamcsvillc , 5 M.; Onondaga Hollow, 5 M.; Onon- 
da%a Hill; 2M.; MarceUus, 8M.; Skeneateless, 6 M. 

Zwischen Manchester und Fernen brach der Tag an. Y*ir be- 
fanden uns in einer ziemlich wilden Gegend in den Urwäldern, die 
nur wenig gelichtet waren. Oneida ist eine Indianische Niederlas- 

CT CT 

sung, von dem Reste des ehemaligen sehr mächtigen OncidaSlum- 
ines angelegt, die ihren Landsleuten, welche vorder Civilisatiori 
llüchteten, nicht nach den westlichen Gegenden folgen wollten, 
und die nun, ein jämmerliches Volk, gleich einer Zigeunerbande, 
\ on ihren Nachbarn verachtet und gedrückt werden. Man hat aus 
ihnen Handwerker und Landbauer gemacht; auch sind sie durch 
Missionare , von welchen der vorzüglichste ein gewisser Williams, 
selbst ein Indianer, von den Quäkern erzogen, sein soll, zuin-Cbri- 
stenthume gebracht worden. Beim Einfahren in das Dorf sahen wir 
links auf einer Anhöhe eine kleine, nette, hölzerne Kirche, für den 
Gottesdienst der Indianer bestimmt, und dann einen freien Platz 
mit Butternufsbäumen umgeben, Council grorc genannt, unter wel- 
chen die Aeltesten des Stammes sich versammeln, um über die An- 
gelegenheiten desselben zu bernthschlagen. Die Häuser der India- 
ner stehen einzeln in ihren Feldern, sind gleich Blockhäusern von 
starken Baumstämmen gebaut, und ziemlich klein. In der Mitte 
des Dorfes haben sich weifse Einwohner, Handwerker und Schenk - 
wiithe, niedergelassen; und die letzteren machen besonders gute 
Geschäfte, da die Indianer grofse Freunde starker Getränke sind. 
Das Land gehört dem ganzen Stamm, und seine einzelnen Glie- 
der arbeiten zum Besten des Ganzen. Wir bemerkten einzelne In- 
dianer längs des Weges. Sie sehen braungelb aus, und haben 
schwarzes Haar ; die Männer scheinen gut gewachsen zu sein , die 
Weiber sind dick und untersetzt, und gleichen den Portraits der 
Esquimauxw eiber in Parrys Reisen. Einige liefsen die Ilaare ge- 
rade herunterhängen , und das trug wo möglich noch bei zur Ver- 



m — 

mehrung ihrer Häfslichkeit. Männer und Weiber tragen Hosen, 
meistens blau, und mit weifsem Garn benähet; auch wohl von zwei 
Farben, wie die Züchtlinge in Boston. Die Männer tragen Hem- 
den über ihre Hosen, und darüber Oberrocke von Tuch, wie die 
Röcke anderer Menschen. Die Weiber hüllen sich in weifse oder 
blaue wollene Decken ein. Anfangs glaubte ich mich hier im civili- 
sirten Europa zu belinden; denn eine Menge Kinder lief neben dem 
Wagen her, um zu betteln, und dieses war mir, seit ich in den 
Vereinigten Staaten reisete, noch nicht vorgekommen. Bald je- 
doch ergab sichs, dafs es indianische Kinder waren, ziemlich wie 
ihre Ehern gekleidet, und von derselben Farbe. Die Mädchen 
trugen ihre Decken mit messingenen Sternen auf der Brust zusam- 
mengenestelt, und meistens Halsbänder von bunten Glasperlen. 

Hinter diesem Dorfe ging es eine ansehnliche Höhe hinauf, von 
welcher wir eine schöne Aussicht hatten auf den OneidaSee, der 
sieh wie ein sehr breiter Strom ausnahm. Man hat hier oft weite 
Aussichten; sie sind aber ziemlich einförmig, weil man nichts als 
Wälder, wenig angebautes Land, und selten Häuser sieht. Weiter- 
hin sahen wir einen andern kleinen See mitten im Walde, Salt-Lake 
genannt, an dessen Ufer wir drei neue kleine Städte, Liverpool, 
Salina und Syracusa, sehr malerisch liegen sahen. Letztere beide 
Ortschaften liegen nahe bei einander, und werden mit der Zeit 
wohl nur eine Stadt bilden. Bei Salina sind reichhaltige Salzquel- 
len, deren Salzwasser daselbst in Reservoirs gesammelt, und durch 
die Sonne verdünstet wird, um das Salz zu gewinnen. Jenseits 
Si/Ilican kamen wir durch ein Dorf, Chitteningo. In demselbeu 
sind mehrere Mühlen und eine Baumwollenfabrik; auch ein Canal, 
der aus dem grofsen .Er/e-Canal ausläuft, und eine Art von Haien 
bildet, um den hier fabricirtcn Artikeln und dem in der Nähe ge- 
brochenen Gyps und Wasserkalk einDebouehe zu verschaffen. Die- 
ser Kalk wird unter dem Wasser hart, und defshalb vorzüglich zu 
Wasser-Bauten gebraucht. In Manlius, einem neu angelegten, mit 
zwei Kirchen versehenen Orte, machten wir Mittag. Aufser der ge- 
MÖhnlichen Stage-coach gingen heute zwei andere coaches ab, alle voll 
von Menschen. In die unsri«re setzte sich für eine kurze Zeit ein 
Bauer, Nachkomme eines deutschen Auswanderers, der noch 
Deutsch sprach , wie man vor 100 Jahren in Deutschland gespro- 
chen haben mag. Er meinte: mein Deutsch sei ihm zu hoch, denn 
ich spräche es, wie ein Pfarrer. Wir fuhren südlich vom Canal, der 
hier einen Bogen beschreibt, um in der Ebene zu bleiben, wäh- 
rend die Stralse über die Hügel den nähern Weg nimmt. Die bei- 



124 

den Onondagas scheinen auch blühende Orte zu Bein, mit Fabri- 
ken; sie haben eine ganz hübsche Lage. Marcellus ist ebenfalls 
ein neues Stadtchen mit 2 Kirchen. Die meisten der kleinen Ort- 
schaften haben 2 Kirchen, eine Episcopal- oder Anglicanische, 
und eine Presbvterianische Kirche. Schulen sind in jedem Orte, 
selbst in dem indianischen Dorf. Auch sah ich zu meiner wahren 
Freude Buchhandlungen in mehreren Orten. Jenseits Marcellus 
brach die Nacht ein: zu meinem grofsen Bedauern; denn ich konnte 
von dem S/ceneatelessSce , an dem die Stadt gleiches Namens liegt, 
die eine aufseist schöne Lage haben soll, fast nichts sehen. Gegen 
9 Uhr Abends erreichten wir Auburn, und fanden im dortigen Gast- 
hofe gleichfalls ein recht gutes Unterkommen. Von dieser Stadt 
aber erfuhr ich nur, sie habe über 150 Häuser, ein Tribunal und 
ein Staaten-Gefängnifs oder penitentiaru, das sehr gut eingerichtet 
sei. Zu meinem Leidwesen sah ich Nichts. Denn wir wurden am 
andern Morgen — den 18. August — schon um 4 Uhr wieder in 
die Stage-coach eingepfercht, um nach Röchest er zu kommen, das 
69 Meilen entfernt ist. Die Ortschaften, die vir auf dieser Fahrt 
berührten, waren: Cayuga, 9 Meilen; Seneca falls, 3 M.; Water- 
loo, 5 M. ; Geneva, 6M.; Canandaigua, 16 M.; Mendon, 15 M.; 
Pittsford , 7 M. ; und von hier aus hatten wir noch 8 Meilen bis 
Rocltester. 

Der Tag brach an, als wir die Gegend von Cayuga erreichten, 
an dem See gleiches Namens, der ungefähr 20 Meilen lang, und 
1 bis 3 breit ist. Dieser See hat an seinem nördlichen Ende einen 
Ausiiufs in den *Sc«eca-Flufs, der sich später mit dem Mohawk ver- 
einigt. Nicht weit von dem Ausflusse fuhren wir über den See auf 
einer Brücke, die eine Meile lang, 18 Schritte breit und sehr grob 
und nachlässig gebaut ist: die Bieter sind nur darauf gelegt, und 
nicht festgenagelt: die Eisbrecher sind in einem schlechten Zu- 
stand. Auf der andern Seite des Sees steht ein grofses Zollhaus, 
auf welches die Brücke zuläuft. Nicht weit von diesem Hause kamen 
wir nach SenecafaUs, so genannt von einem nahen Wasserfall im 
ScHeca-FIusse , der übrigens höchst unbedeutend ist, und vorzüglich 
durch ein Mühlwehr gebildet wird. Im Wirthshause trafen wir ei- 
nen durchwandernden Indianer mit seiner Frau, vom OiieidaStam- 
me , die einen Besuch beim iSe?*eca-Stamme abstatten wollten. Wir 
sprachen mit dem Manne, der in der Schule gewesen war, und 
englisch verstand. Er erzählte uns , dafs er von einem Quäker-Mis- 
sionar erzogen worden sei , und sich mit dem Ackerbau beschäftige. 
Er endigte damit , uns um einen Zehrpfennig anzusprechen , den 



125 



er wahrscheinlich im nächsten Kruge mit seiner häfslichen Ehehälfte 
vertrunken haben wird. 

Alle Plätze, die wir berührten , sind ganz neu, und an vielen 
Orten kamen wir durch den Urwald , den man nur hier und da auf- 
zuklären angefangen hatte. In Jfaterloo ist das erste Haus 1816 
angelegt worden; jetzt hatte dieser Ort zwei Kirchen, und gegen 
3000 Einwohner , die meistens recht wohlhabend zu sein schienen. 
Mehrere der Häuser sind von Backsteinen gebaut, und enthalten 
gut versehene Läden. Im Wirthshause sahen wir einen schönen, 
jungen, sehr grofsen Adler , der im Neste gefangen, und zahm ge- 
worden war. Ueber Waterloo hinaus kamen wir durch morastige 
Gegenden: der Weg ging über Knüppeldämme , die von grofsen 
Baumstämmen gemacht sind. Wir wurden garstig zusammengesto- 
fsen. Geneva liegt an der nördlichen Spitze des Seneca-Sees , der 
einige 50 Meilen lang, und gegen 5 breit ist. Der Ort verdankt 
seinen Namen der Aehnlichkeit seiner Lage mit der Lage von Genf 
in der Schweiz. Er ist ebenfalls ganz neu, und zählt gegen 4000 
Einwohner. In der Stadt stehen 2 Kirchen und mehrere grofse 
steinerne und backsteinerne Häuser, von welchen das schönste und 
gröl'ste ein neues Wirthshaus, Franklin hutel, war, dicht am See 
gelegen. Ich ging in eine Buchhandlung, um mich zu erkundi- 
digen , welche Art von Büchern den meisten Absatz in dieser Ge- 
gend fänden, und hörte, am Meisten würden alte Classiker und 
Andachtsbücher gekauft; zuweilen auch Romane, juristische und 
einige medicinische Werke. Das Collegium soll einige 100 Studen- 
ten zählen. Vor der Stadt, längs des See's, sieht man recht hüb- 
sche Landhäuser mit Gärten. Auf der andern Seite der Stadt steht 
der Wald den Häusern ziemlich nahe, und ist noch nicht viel 
ausgehauen. Wir sahen aber mehrere Striche Holz in Feuer 
stehen; die Bäume wurden verbrannt, um das Land urbar zu 
machen. 

Canandaigua liegt an der nördlichen Spitze des ungefähr 20 
Meilen langen Sees gleiches Namens, und ist ein äufserst netter 
und freundlicher Ort, der sich auch erst seit kurzer Zeit gehoben 
hat. Der Herzog de la Rochefoucault erzählt : bei seiner Reise in 
Amerika im Jahr 1790 habe an diesem See ein einziges Haus im 
Walde gestanden, in welchem er die Nacht in der ein/igen Boden- 
kammer , die zum Magazine diente , zugebracht habe. Jetzt steht hier 
eine schöne, handeltreibende Stadt, mit einer Bank, einem Ge- 
richtshof und einem ganz vorzüglich guten Wirthshaus. Es war 
gerade Gerichtstag; defshalb waren viele Menschen versammelt. 



■ 12(5 

und die Stadt hatte ein sehr lebhaftes Ansehen. In derselben tren- 
nen sich zwei Sirafsen; die eine, zur Linken, geht über Ihdaria 
und mehrere unbedeutende Orte nach ßttffalo am Eric-Sa*, die 
andere, rechts , führt nach Rochester und von da nach dem Onta- 
fia See und -den Fällen vom Niagara ; auch nähert sich diese Straise 
wieder dem .fine-Canal, und soll die interessanteste sein. Defs- 
wegen winde sie von uns gewählt, obgleich sie die weiteste ist. 

Nachmittags verliefsen wir Canandaigua und fuhren über 
/ iclnr , Mendon und Pittsford nach Röchest er. Wir sahen indefs 
auf diesem letzten Theil unserer Reise weiter Nichts Merkwürdi- 
ges, als etwa mehrere ganz neue Ansiedelungen, deren Besitzer 
in Loghäusern*) wohnten, die ein eigenthümliches, aber keines- 
wegs unangenehmes Ansehen haben. Ich freute mich sehr über 
das rechtliche und reinliche Vorkommen der Einwohner. 

Rochester erreichten wir Abends um halb 8 Uhr und nahmen 
in der Eagle tavern unsre Wohnung. Ueber den Flufs Genessee^ 
der Rochester in zwei Theile theilt, kamen wir auf einer hölzernen 
Brücke, der ersten ordentlich und fest gebauten , die wir bis jetzt 
in den Vereinten Staaten getroffen hatten. Sie ruht auf steinernen 
Pfeilern, und ist von soliden Balken mit tüchtigen Bohlen, die fest- 
genagelt sind. Am anderen Morgen gingen wir in der Stadt spa- 
zieren , und freuten uns über ihr schnelles Zunehmen. Im Jahre 
1812 stand noch kein einziges Haus; man sah Nichts, als Wald; 
den acre konnte man für \\ Dollar kaufen. Jetzt ist Röchest c r eine 
der blühendsten Städte im Staate -New -York. Sie enthält 4 Kir- 
chen, eine Bank, die Gebäude des Tribunals und der Administra- 
tion der Grafschaft, und zählt gegen 4000 Einwohner. \ iele 
Häuser sind von blauen Kalksteinen, andere von Backsteinen ge- 
baut. Die Stadt enthält mehrere Mühlen und Fabriken; unter an- 
dern eine Nagel-Fabrik, in welcher die Nägel mit einer Maschine 
gemacht werden, wie in Birmingham. Auch macht man hier ge- 
zogene Büchsen, die jedoch sehr lang, schwer und stark von Eisen 
sind. Auf dem rechten Ufer des Genessee-Flusses ist der Anbau der 
Stadt noch nicht so weit, als auf dein linken, vorgerückt; es stehen 
daselbst noch viele hölzerne, sogar noch Loghäuser; und auf dem 
Platze, auf dem in kurzer Zeit hoffentlich schöne Quais zu sehen 
sein werden, stehen jetzt noch die Stämme der abgehauenen Bäu- 
me: für den Beobachter der Fortschritte dieses Landes ein wirklich 



') Häuser aus iiliereinanucrgelcgtcn hölzernen Baumstämmen , die, wenig- 
stens nach auf»en zu, nicht behauen »init. 




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127 

sehr interessanter Anblick. Die neuen Häuser Meiden meistens, 
der Grund von rothem, grob zugehauenen Sandsteine, die Ecken 
der Häuser, die Thüren und Fenster von einem weifsen, marmor- 
artigen Sandstein, und das Uebrigevon Backsteinen gebaut. Der 
weil'se Sandstein wird in der Nähe gebrochen, und auf einer vom 
tfrcwssee-Flussc getriebenen Sagemühle in Stücken und Platten ge- 
schnitten. Ich sah 3 Blöcke zersägen; in einem Rahmen waren 
5 Sägen gespannt. Wenige" 100 Schritt unterhalb der Brücke bil- 
det der ungefähr 200 Schritt breite Gencss<>c-F\ul's einen 90 Fufs 
hohen Wasserfall, der jetzt jedoch keinen grofsen Effect machte. 
Durch ein Wehr oberhalb des Wasserfalls wird ein Theil des Was- 
sers abgeleitet, um ein Paar Mühlen zu treiben; hierauf fällt es 
unterhalb des Wasserfalls wieder in das Flufsbctt, und bildet 
3 hübsche Cascaden, die mich an die Villa des Mäcen bei Tivoli 
erinnerten. 

In Rochcstcr geht der Ur/c-Canal in einem steinernen Aque- 
duet, ähnlich dem vom Bridgciratcrschcn Canal bei Manchester 
in England, über den Genessce-Vlufs. Dieser Aqueduct, ungefähr 
1000 Schritte oberhalb des Wasserfalls, steht auf einem Grunde 
von Schieferfelsen, und ist 780 Fufs lang. Ein sehr gutes neu 
erschienenes Buch, ihe northern tour genannt, giebt von demselben 
folgende Beschreibung: „Der Aqueduct besteht aus 11 breiten 
Bogen, gebildet von Cirkelsegmenten , deren Kronen 11 Fufs 
über die Corde des Bogens und 15 über das Niveau des AVassers 
im Flufs erhoben sind. Die beiden äufsern Bogen haben eine 
Spannung von 40 Fufs, und unter ihnen niefsen die Wasserströme 
für die Mühlen; die andern 9 Bogen sind 50 Fufs weit, u. s. w." 
Auf der einen Seite befindet sich ein Weg mit einem eisernen 
Geländer für die Pferde. Das Ganze ist ein solides Werk, das 
seinem Erbauer, Benjamin JVright, grofse Ehre macht. 

Um 9 Uhr verliefsen wir Rockest er auf dem Canal Packctboot 
Ohio, Schiffer Storch. Der Canal läuft bis Lockport, 63 Meilen 
von Rochester, durch ein ziemlich ebenes Land nördlich von der 
sogenannten ridge. Diese Ridge ist eine Folge von Felsen , mei 
stens aus sogenannten Uebergangsgebirgen bestehend, die nöixl 
lieh xom ErieSee ihren Anfang nimmt, östlich streicht, den Niagara. 
welches der Ausflufs dieses See's ist, aufhält, und seinen Wasserfall 
bildet, dann sich immer mehr östlich erstreckt, die verschiedenen 
Wasserfälle der nördlich nach dem Ontario-See zu strömenden Flüsse 
erzeugt, und sichln der Gegend des läTjzcfoon-Flasaes verliert. Der 
Canal war in dieser Gegend erst seit vorigem Jahre befahrbar; er 



128 

fuhrt durch Walder, welche fast gar nicht gelichtet sind, und in 
welchen sich nur wenige neue Ansiedelungen befinden, wie Spen- 
cers basi/t, Bates und Breckport. Die Brücken sind besser und 
höher gebaut, als die früheren. In unserer Reisegesellschaft be- 
fand sich ein holländischer Geistlicher aus Curacao, Namens Boschs 
und zwei andere Geistliche aus New - York , von holländischer Ab- 
kunft, Sluiter und Wykoff. Die Conversation m urde daher meistens 
holländisch geführt: denn auch Schiffer Storch ist ein Amsterdam- 
mer Jude von Geburt, ist viel gereiset, spricht mehrere Sprachen 
und trug durch sein munteres Wesen viel zur Annehmlichkeit der 
Reise bei. Vor und nach dem Mittagsessen, so wie vor dem 
Thee, sagten die beiden Geistlichen aus New- York ziemlich lange 
Gebete her, und ehe wir uns zu Bette legten, las der eine eiu 
Paar Capitel aus der Bibel vor und recitirte dann ein langes 
Gebet. 

Am 20. August erreichten wir gegen 7 Uhr des Morgens 
Lockport. Hier wird der Canal durch 5 grofse Schleusen, durch 
welche das Wasser 76 Fufs hoch gehoben wird, über die rklge 
hinweggeführt. Es sind aber eigentlich 10 Schleusen, nämlich 5 
über einander, in zwei Reihen abgetheilt, so dafs, während in 
einer Reihe Böte hinauf steigen, andere zu derselben Zeit in der 
andern Reihe herunter kommen. Durch diese Einrichtung wird 
die Schiffahrt ungemein erleichtert , und das ganze Werk , in den 
Felsen gehauen, und mit 100 Fufs hohen Felsen umgeben, ge- 
währt, sowohl von unten, als von oben betrachtet, einen imposanten 
Anblick. 

Lockport, wohin wir uns begaben, das Boot im Bassin am 
Fufse des Schleusensystems lassend, ist für den Beobachter ein 
äufserst interessanter Ort, oberhalb der Schleusen gelegen. Im 
Mai 1821 bestand derselbe aus 2 Loghäusern; jetzt enthält er 600 
Häuser, unter welchen mehrere von Stein; er hat ein post-office, 
eine Buchdruckerei, in der wöchentlich eine Zeitung erscheint, 
und 2 Kirchen. Freilich sieht er im Ganzen noch wild aus ; aber 
in einer Zeit von 4 bis 5 Jahren wird auch dieses Aussehen ver- 
schwunden sein, und er wird glänzend dastehen, wie Canandaigua 
und Rochester. Bei diesem Orte war der Canal auf eine Strecke 
von ungefähr 5 Meilen, bei unserer Anwesenheit, noch nicht voll- 
endet; man glaubte jedoch, noch vor Ende des Jahres würde er 
vollendet werden. Man mufs über 3 Meilen lang den Canal aus 
den Felsen , meistens 30 Fufs tief, ausbrechen. Dieses geschieht 
gröfstes Theiles durch Pulver. Mehrere Hundert Irländer arbeiten 



129 

an dem Canal. Sie leben in Loghäusern, die neben demselben 
gebauet sind. Sie verdienen vieles Geld; leiden aber auch sehr 
durch die ungesunde Luft, besonders an Fiebern, die ihnen nicht 
selten tödtlich werden. Die Steine , welche man gewinnt , »erden 
zum Bau der Häuser und zur Anlegung und Reparatur von Chaus- 
seen angewandt. Bei dem Durchbrechen des Felsens findet man 
oft schöne Versteinerungen und andere merkwürdige Mineralien, 
z. B. Stronf//ia?i und einen aufseist feinen durchsichtigen Gyps. 
Ich sah hier einen grofsen versteinerten Baumstamm liegen; auch 
fand ich eine schöne versteinerte See-Coralle. 

Um nach BujJ'alo zu kommen, wohin wir von dem Wunsche, 
den Canal bis zu seiner Vereinigung mit dem Erie-See zu sehen, 
gezogen wurden, nahmen wir in Lochport einen Stuhlwagen. 
Allerdings geht von Lockport bis zu dem Wasserfall des Niagara 
eine gute Diligence; wir nahmen den schlechten Karren, um nur 
5 Meilen weit bis zu dem befahrbaren Theile des Can ils zu gelan- 
gen. Der Weg ging durch den Wald, in dem man die Bäume 
längs des Canals abgehauen hatte, und schlängelte sich zwischen 
den Wurzeln hindurch, so dafs er, zumal da es den Tag zuvor 
geregnet hatte, ungemein schlecht war. Als wir endlich Mieder an 
den befahrbaren Theil des Canals kamen, da bestiegen wir ein 
ziemlich schlechtes Boot, auf dem, aufser den gewöhnlichen Ilerz- 
stäi kungen, nichts zu haben war. Das Dorf, an dem wir uns ein- 
schifften, heifst Cottensburgh', und ist eine ganz neue Ansiedelung. 
Der Canal ist auch hier im Felsen gegen 30 Fufs tief ausgehauen. 
Zwei bis drei Meilen weiter, fällt er in den Tonnawanta- Crcek, 
der, 12 Meilen weit, als Canal benutzt wird. Dieser Cr eck hat 
beinahe keinen Abllufs. Falls nun das Wasser in demselben zu 
hoch meiden sollte, so wird der Canal durch Sicherheitsschleusen, 
die nahe bei seiner Vereiniffung mit dem Creck angebracht sind, 
vor zu vielem Wasser geschützt. Bei der Mündung des Crecks 
in den Niagara ist ein Wehr, um das Wasser im Creck beständig 
auf einer gewissen Höhe zu halten. Der Creek selbst ist gegen 
50 Schritte breit, und läuft durch den dichtesten und schönsten 
Wald, der durchaus noch nicht angetastet ist: nur hat man einen 
"Saumweg für die Pferde gemacht. Ich safs auf der Spitze des 
Schiffes wahrend der ganzen Fahrt. Nichts unterbrach die feier- 
liche Stille, als etwa das Zähneklappen der Schiffer, die in dieser 
ungesunden Gegend hart vom kalten Fieber heimgesucht sim!. Ein 
anderer kleiner Flufs, Elcvemniles-Crcck, vereinigt sich mit dem 
Hauptflufs; und nicht weit von dieser Vereinigung war der Platz 
/. I 



130 

zu einer neuen Stadt, Tonnmcania, abgemarkt. Einige kleine 
flauer und eine Holraagemühle waren schon errichtet; die Be- 
wohner schienen aber auch sehr am Wechsellieber zu leiden. Der 
Touiiauanfa-Creck vereinigt sich hier mit dem Niagara, wo das 
oben erwähnte Wehr angelegt ist. Daselbst hatten wir den ersten 
Anblick vom Niagara-Strom , der bekanntlich der Ausfluß vom Erie- 
See in den Ontario ist, aus welchem am anderen Ende der St. 
Lawrence strömt. Wir sahen in dem Strome das über 1100 Acker 
grofse, dicht mit Holz bewachsene Grand island liegen, welches 
ein Neio - Yorker Zeitungsschreiber Moses Mardochai Noah , seines 
Glaubens ein Jude, gekauft hatte, um hier eine jüdische Colonie 
anzulegen. Der Boden ist sehr gut; bei einem Krieg aber zwischen 
England und den Vereinten Staaten — bekanntlich macht der 
Niagara die Grenzen zwischen diesen und der englischen Provinz 
Ober-Canada — dürfte das Eiland Zeuge blutiger Gefechte wer- 
den. Der Canal läuft von hier aus längs des Ufers des Niagara, 
von diesem nur durch einen schmalen, ziemlich nachlässig aufge- 
worfenen Damm getrennt, und hält sein Wasser mehrere Fufs über 
dem Niveau des Stromes, der hier wegen der Nähe der Wasserfälle 
schon ziemlich reifsend werden soll. Wir sahen auf dem Tomia- 
wanta-Creek mehrere aus einem einzigen Baumstamm ausgehöhlte 
Kähne. Von Tonnaicania bis nach Bujfalo sind es 8 Meilen; von 
denselben legten wir 5 Meilen auf dem Canal bis Black-rock zurück, 
liier ist ein Bassin, gebildet durch einen, nach einer kleinen Insel 
— Sqiiaw island — gelegten, Damm, in welchem sich eine Schleuse 
befindet zur Communication mit dem Niagara. Dieses ganze Werk 
ist von Holz gemacht, und dürfte defswegen auf keine lange Dauer 
rechnen können. Im Bassin lag ein neues, gegen 300 Tonnen 
haltendes Dampfschiir, Henry Clay, zur Fahrt auf dem jEne-Sea 
bestimmt. Wir hatten von hieraus die erste Aussicht auf den See, 
dessen Ufer dicht mit Wald bewachsen zu sein schienen. Das an- 
dere Ufer konnten wir natürlich nicht sehen , und defswegen schien 
es, als blickten wir in das offene Meer. Weil der Canal bis Bujfalo 
noch nicht vollendet war, so nahmen wir in Black-rock wieder eine 
stagc, und fuhren mit derselben 3 Meilen weiter bis Bujfalo. Wir 
trafen gegen 5 Uhr Abends ein, und nahmen im Mansion - /touse, 
am See auf einer kleinen Anhöhe sehr hübsch gelegen, unser 
Quartier. 

Buffalo war im letzten Kriege von den Engländern verbrannt 
worden, erhob sich aber wieder recht schön aus seiner Asche. Die 
Stadt zählte gegen 5000 Einwohner und dürfte, durch die Mündung 



131 

des Canals und durch ihren Hafen, an welchem man sehr stark 
arbeitet, in kurzer Zeit ein bedeutender Ort werden. Am Eingänge 
des Hafens steht ein Leuchtthurm; und wir bemerkten mehrere auf 
dem See fahrende Schooner , die bis zu 300 Tonnen halten konnten. 
Ein Dampfboot, Siiperior, lag bereit, um mit einigen 50 Passa- 
gieren nach Erie und von da nach Detroit zu fahren. In den 
Strafsen sahen wir mehrere ziemlich gut gekleidete Indianer vom 
(Se/ieca-Stamm, die 3 Meilen von hier ihren Wigwam haben. Unter 
ihnen waren einige Wejber, die wirklich, ihre braune Farbe abge- 
rechnet, für schön gelten konnten. Auch hatten wir ein lustiges 
militärisches Schauspiel. Es fand nämlich eine Revue der Miliz 
Statt. Diese bestand aus 30 Mann , mit Einschlufs von 7 Officieren 
und 2 Fahnenträgern. Sie war, gleich einem Bataillon, in 6 Divi- 
sionen formirt, und machte mehrere Manoeuvres aus der Bataillons- 
schule. Die Gemeinen waren nicht alle mit Gewehren bewaffnet, 
sondern zum Theile mit Ladestöcken. Nur die Ofli eiere und die 
Jäger-Compagnie, 4 Mann stark, waren in Uniform. Die Musik 
bestand aus IG Mann und wurde von einem Orticiere mit Oberst- 
Epauletts und mit gezogenem Säbel commandirt! 

Am folgenden Tage, den 21. August, brachen wir gegen 
9 Uhr früh von Buffalo auf, und begaben uns 23 Meilen weit nach 
dem ganz kleinen Dorfe Manchester, am rechten Ufer des Niagara, 
dicht beim Wasserfalle. Bis Tonnawanta verfolgten wir zu Lande 
den Weg, den wir gestern auf dem Canale gemacht hatten. Er 
war durch den Wald gehauen , und sehr schlecht. Man hatte sicli 
nicht die Mühe gegeben, die abgehauenen Bäume hinwegzuschaf- 
fen, sondern man hatte sie nur neben den Weg; geeilt ; die herr- 
liebsten Stämme verfaulen auf eine traurige Weise. Zur Linken 
hatten wir die Aussicht auf den Flufs, und auf das dicht mit Holz 
bewachsene grand Island. Wo dieses zu Ende geht, da ist der 
Flufs über eine Meile breit. Auf dem andern, canadischen, Ufer 
liegt das Dorf Chippeica. An dieser Stelle konnten wir schon den, 
vom Wasserfall aufsteigenden Dampf bemerken, in einer Entfer- 
nung von 3 Meilen; im Wasser verrieth Nichts die Nähe des Ab 
grundes. Erst kurz vor Manchester., wo man auch das, mitten 
im Wasserfalle liegende, Goat island mit seinen hohen, so lange 
unangetastet gebliebenen Bäumen erblickt, beginnen die Felsen im 
Strom, und die sogenannten rapids nehmen ihren Anfang: eine 
Menge kleiner Wasserfälle, welche beinahe eine Meile lang, bis zu 
den beiden grofsen, vom Goat Island getrennten Wasserfällen, 
fortlaufen, die zusammen fast eine Meile breit sind. 

I 2 



132 

"Wir nahmen zn Manchester im Wirthshause Eagle tarern unser 
Quartier; und eilten sogleich nach dem Wasserfalle, versteht sich, 
auf der nmci ikanischen Seite. Das gewaltige Brausen leitete unsere. 
Schritte. Und siehe: plötzlich standen wir vor dem Abgrund, und 
erblickten vor uns die ungeheure Wasser-Masse hinabstürzend mit 
entsetzlichen] Tosen zu einer furchtbaren Tiefe! Es ist unmöglich, 
den Anblick zu beschreiben; es ist unmöglich, das Gefühl der 
Ohnmacht und der Gröfse zugleich auszusprechen, das in der 
menschlichen Brust aufsteigt vor diesem Riesenwerke der Natur! 
Alan kann nur staunen, bewundern und anbeten. Die Felsen an 
beiden Seiten gehen schroff hinab; man hat aber eine bedeckte 
hölzerne Treppe angebracht , auf welcher man bis zu dem untern 
Thcile des Flusses gelangt. "Wir stiegen hinab. Allein wegen des 
leinen Regens, den der Schaum des Falles erzeugt, hatten wir 
unten keineswegs den schönen Anblick, auf welchen von uns ge- 
rechnet Mar. Defswegen stiegen wir bald wieder hinauf, und er- 
füllten uns von oben mit dem Anschauen des Erhabenen und Maje- 
stätischen. LDd als wir, des mächtigen Eindruckes voll, in die 
Eagle tavern zurückkamen: da fanden Mir zu unserer grofsen 
Freude sogleich eine schöne Gelegenheit, von der Herrlichkeit zu 
sprechen, die wir gesehen hatten. Die Lieutenants de Goer und 
ran Violen von der Pallas waren nämlich so eben angekommen, um 
auch diesem Naturwunder ihre Huldigung darzubringen. 

In Begleitung dieser Herren gingen wir nach dem Goat Island, 
zu welchem seit 7 Jahren zwei bequeme hölzerne Brücken über die 
rapids hinweg geschlagen Morden sind. Die erste Brücke führt 
auf eine kleine Insel, Ute ballt island genannt, weil man auf der- 
selben eine Badeanstalt, mit einem Billardsaal, eingerichtet hat; die 
zweite Brücke geht alsdann nach goat islatid, das uitgefähr eine 
Meile im Umfange hält, und mit alten herrlichen Bäumen bewachsen 
ist. Die Indianer, welche vormals in dieser Gegend lebten, haben 
die Insel für heilig gehalten. Sie sagten, the great manitto , der 
grofse Geist, bewohne dieselbe. Und in der That: wie könnte sich 
der grofse Geist unwiderstehlicher offenbaren, als in dieser zer- 
malmenden Gewalt des ungeheueren Wassersturzes? 

Auf der Insel selbst kann man ganz nahe an den amerikani- 
schen Wasserlall hinangehen; man kann in den Abgrund hinein 
schauen. Die Thiere in der Gegend sind so vertraut mit diesem 
Abgi unde, dafs Kühe und Pferde bis 5 Schritt von demselben in 
das Wasser treten, um ihren Durst zu löschen. Vom Fuf's des 
Wasserfalls sieht man indefs fast Nichts, weil Alles in Schaum und 



133 

Dampf eingehüllt ist. Nicht minder kann man sich auf Qoat island 
dem anderen und bei Weitem gröfseren Theile des Faüs, dem cana- 
dischen, nalien. Dieser hat in der Mitte eine halbrunde Aushöhlung, 
thc horse shoe — das Hufeisen — genannt. Hier ist das Getöse 
noch viel stärker, als auf der andern Seite. Der aus dem horse shoe 
aufsteigende Dampf bildet Wolken, die man auf eine grofse Ent- 
fernung erblickt. Es ist schauerlich und grausend, in den horse 
shoe hinabzusehen. Auch kann es nur augenblicklich gesehenen, 
wenn der Wind den Dampf ein wenig hinwegtreibt. Man steht \>ie 
versteinert. Uebrigens hat man das Niveau vom J£rte-See über 
dem Meer zu 564 Fufs berechnet, und über dem Wasser des Onfa- 
no-See's zu 334 Fufs. Der O/z/anVSee wäre folglich 230 Fufs 
höher, als das Meer. Vom Erie-Sce bis zu den rapids s<mkt sich 
das Wasser 15 Fufs, in den rapide 57 Fufs, und nach einer neuen 
Messung ist der Wasserfall an der amerikanischen Seite 162 Fufs 
hoch. Von hier bis nach Lewiatown senkt sich der Flufs 104 Fufs, 
und von da bis zum OntarioSec 2 Fufs. 

Am andern Morgen — 22. August — machten wir einen neuen 
Gang nach Goat island. Wir stiegen auf der Treppe nach dem 
untern Flufs hinab, und setzten nicht weit von beiden Fällen in 
einem kleinen Boot über denselben. Beide Fälle haben durch ihre 
Gewalt das Flufsbett so ausgewaschen, dafs man sagt, es sei hier 
246 Fufs tief. Der Strom geht unter der Oberflache des Wassers 
fort, und kommt erst in einer Entfernung von 3 Meilen wieder zum 
Vorschein. Auf der canadischen Seite hat man eine viel schönere 
Aussicht der Wasserfälle, als auf der amerikanischen; denn man 
übersieht beide Fälle zugleich. Auch hier ist eine hölzerne, eben- 
falls bedeckte Treppe. Wir stiegen dieselbe den Felsen hinauf 
und näherten uns, in einem beständigen vom Wassersturze verur- 
sachten Regen, dem Falle. Die Sonne schien auf den Wasserstaub 
und machte einen herrlichen Regenbogen. Eine andere hölzerne 
Wendeltreppe führt nahe am Wasserfalle den Felsen wieder hinab; 
man kann von hieraus unter dem Wasserfall 120 Fufs weit hingehen, 
und Mehrere unserer Herren unternahmen diese nasse Partie; nach 
ihren Berichten jedoch hatten sie fast nichts gesehen. Ich be- 
gnügte mich daher, den Wasserfall vom Table rock aus, der fast 
über ihm steht, zu bewundern. Ein Stück dieses Felsens hat sich 
vor einigen Jahren losgerissen, und ist in den Abgrund gestürzt; 
der noch stehende Theil ist so vom Wasser unterwaschen, dafs er 
auch vielleicht bald folgen wird. Die ganze Breite vom amerikani- 
schen bis zum canadischen Ufer soll 1400 Yards betragen. Von 



134 

diesen kommen auf den amerikanischen Wasserfall 380, auf Goat- 
island 330, und auf den canadischen oder Aorse-sfoe-WasserfaU 700 
Yards. Auf der canadischen Seite sind gerade über dem Falle zwei 
Wirthshauser gebaut; in dem gröfsten, Forsi/th hdtel, bestellten 
wir Quartier auf morgen, da wir dem englischen Gouverneur von 
Ober-Ganada, Sir Percgrinc Mailland, der wenige Meilen von den 
Wasserfallen entfernt ein Landhaus bewohnt, unsern Besuch ab- 
statten wollten. Eine Meile oberhalb dieses Wirthshauses ging im 
letzten Kriege eine Brücke über den Flufs, welche nebst einer 
dabei stehenden Mühle, von den Amerikanern, bei ihrem Rückzug 
nach der Schlacht bei Lundifs laue, verbrannt worden ist. Vor 
einigen Jahren hat man hier eine brennende Quelle entdeckt, deren 
es mehrere in den Vereinten Staaten geben soll. Sie ist in eine 
Tonne gefafst , und enthält ein schwärzliches , schlammiges , jedoch 
kaltes und schwefelartig schmeckendes Wasser. In die Tonne hat 
man ein kleines, unten offenes Fafs gestellt, in dessen obern Ende 
eine Röhre angebracht ist. Hält man ein brennendes Licht einen 
Fufs über die Mündung der Röhre, so entsteht sogleich eine starke 
Flamme, ähnlich der Flamme der Gasbeleuchtung. Nimmt man 
das Fafs heraus, und hält das brennende Licht über die Oberfläche 
des Wassers, so entsteht ebenfalls eine starke Flamme, die jedoch 
sogleich wieder verlöscht. In der Nähe von Forsyth Itutd ist der 
einzige Punct, von welchem man eine vollkommene Aussicht auf 
beide Wasserfälle zugleich hat; sie wird indefs oft durch die auf- 
steigenden Wasserdämpfe gestört. 

Bei unserer Rückkehr auf das amerikanische Ufer, besahen 
wir auf einer Felsenspitze über der amerikanischen Treppe eine 
Camera ohscura , welche >on einem Schweizer an«rele«rt worden ist. 
In derselben hat man einen ziemlich guten Anblick des Wasserfalles. 
Dann führen wir — 3 Meilen weit — nach dem sogenannten Wlnrl- 
fool, einem Strudel , den der Niagara, der hier zwischen engen 
Felswänden einher üiefst, in einem Felsen Kessel bildet. Man sagt, 
der bei den Wasserfällen verschwindende Strom komme hier wieder 
herauf. Es ist merkwürdig, dieses Gewirr im Wasser zu sehen, 
dessen Anblick ich mit Nichts anderem, als mit Weisendem, ge- 
schmolzenen Blei zu vergleichen weifs. Die hohen, dicht mit Holz 
bewachsenen Felsen, welche dieses Wasser bilden, gewähren einen 
majestätischen Anblick. Abends ging ich bei einem herrlichen Mon- 
denschein auf Goal island, um die Wasserfalle auch im Mondlichtc 
zu sehen. Und in diesem Lichte machten sie einen ganz eigenen, 



133 — 

sehr schönen Effect, der noch besonders durch einen Mond-Regen- 
bogen erhöhet wurde. 

Den folgenden Tag — 23. August — verliefsen uns alle unsere 
Begleiter, und ich blieb mit Freund Tromp allein. Wir begaben 
uns auf die andere Seite des Flusses, und nahmen in Forsyth hötcl 
unser Quartier. Hier trafen wir Sir Michael und Lady Cläre von 
der Insel Jamaica, wo Sir Michael Mitglied des Parlaments der 
Insel ist: er machte mit seiner Gemahlin eine Vergnügungsreise 
durch die V. St. Feiner lernte ich einen Herrn Grymcs kennen, 
der von Geburt ein Yirginier, General- Advocat des Staates Loui- 
siana gewesen ist, und die Wittwe des Gouverneurs Claiborne, eme 
sehr reiche und schöne Creolin, geheirathet hat. Diese Familie 
machte ebenfalls eine Reise nach Canada, und ich hatte die Hotl 
nung, diese Reise mit ihr zurücklegen zu können. M rä Grymcs 
ist in der französischen Sprache erzogen Morden, was mir wegen 
der leichtern Conversaiion sehr angenehm und willkommen war. 
Auch fand ich den Sohn und Adjudanten des Gouverneurs, Sir Perc- 
grinc Madland, den sein Vater hierher gesandt hatte, um mich zu 
erwarten. Kurz darauf kam dieser würdige General selbst, um 
mich zu besuchen und mir eine Wohnung in seinem, 4 Meilen 
entfernten collage anzubieten. Dieses lehnte ich ab; fuhr aber am 
Abend des folgenden Tages, in Gesellschaft mit Sir Michael und 
Lady Cläre, zu Sir Peregrinc. Der Weg geht zum Theil über das 
Schlachtfeld von Lundy's lane (25. Juli 1814) , das auf einer sanften 
Anhöhe liegt, und durch das recht hübsch gebaute Dorf Slamford. 
Die Felder sind hier viel besser angebaut, als in den Vereinten 
Staaten, und das Holz ist nicht so vergeudet worden, als dort. 
Die Ausrodungen geschehen mit viel mehr Ordnung. Sir Percgi ine. 
bewohnt übrigens sein Cottage, das von seinem verstorbenen 
Schwiegervater, dem Herzoge von Richemond, erbaut ist, und das 
in einem zu einem Park um geschaffenen Walde liegt, nur im Som- 
mer. Seine Winter -Residenz ist York, am nördlichen Ufer des 
Onlario-Secs, wo sich das Parlament von Ober - Canada zu ver- 
sammeln pflegt. 



VII. 

Reise von den Wasserfällen des Niagara bis Montreal. 

Das Schlachtfeld von Queenstown. Newark. 

Kingston. Montreal. 

Vom 25. August \>U 3. September 1825. 



Donnerstags, den 25. August, nahmen wir feierlichen Abschied 
von den Wasserbällen , verliefsen Vormittags mit den Familien Gry- 
mes und Cläre das Wirthshaus , Forsyth hotel , und fuhren gegen 
14 Meilen weit nach dem Städtchen Newark , das am Ausllusse des 
Niagara in den Ontario-See auf dem canadischen Ufer liegt. Unser 
Weg ging Anfangs auf Anhöhen fort, bis wir das Schlachtfeld von 
Queenstown , eine steile Anhöhe , die höchste in der Gegend , hinter 
dem Städtchen Queenstown gelegen , und die ganze Gegend domi- 
nirend, erreicht hatten. Alsdann wird die Gegend bis an den 
QxtarioSee hin ebener. Queenstown gegenüber liegt, auf dem 
amerikanischen Ufer, das Städtchen Lewist oten. 

Die A (faire von Queenstown fand am 13. October 1812 Statt. 
Die Engländer, angeführt vom General Brock, hatten die Anhöhe 
— deren rechter Flügel an den Niagara stöfst, vor deren Mitte ein 
tiefes Ravin ist, und deren linker Flügel nach anderen, minder an- 
sehnlichen IJöhen zu sich sanft abdacht — besetzt und leicht ver- 
schanzt. Der General Salomon ran Rensselaer hingegen, — jetzt 
Postmeister in Albamj, und Vetler des alten Generals Stephan van 
llensselaer , des Patroons — campirte mit den amerikanischen 
Truppen, aus Linie und Miliz bestehend, auf dem anderen Ufer 
bei Lewistown. Dieser General halte die Nachricht erhalten , dafs 
der General Brock mit dem gröfsten Theil seines Corps westlich 
marschiit sei, und dafs sich nur wenige Truppen auf den Höhen 
beländen. Also beschlofs er, mit seinem Corps über den Flufs zu 
setzen, um sich Meister von dieser so wichtigen Position zu machen. 






137 

Während der Nacht liefs er gcine Linien - Truppen , gegen 1400 
Mann, über den Flufs setzen, und gab Befehl, dafs die Miliz sich 
in den zurückkehrenden Kähnen einschiffen, über den Flufs folgen 
und sich als Reserve hinter den Linien-Truppen formiren sollte. 
Diese Truppen griffen die Höhen an , und überfielen beinahe die 
Engländer, welche jedoch einen guten "Widerstand leisteten. Die 
Amerikaner aber würden doch wohl Meister des Schlachtfeldes ge- 
blieben sein, wenn nicht der General Brock mit seinem Detaschement 
zurückgekommen wäre. Dieser, ein braver Soldat, sah seine zu- 
rückgelassenen Truppen in einer mifslichenLage und griff sogleich, 
mit einer einzigen Compagnie, die Amerikaner an. Bei dieser Ge- 
legenheit fand er einen rühmlichen Tod. Die Amerikaner hielten 
eich , so lange als möglich , auf der Höhe ; als sie sich jedoch bei- 
nahe verfeuert hatten, schickte General ran Renssdacr der Miliz 
den Befehl zum Vorrücken zu. Die Miliz war aber noch nicht über 
den Flufs gegangen. Der General eilte selbst auf d!ls andere Ufer, 
um die Ueberschiffuno: zu beschleunigen; er erhielt aber von der 
Miliz die Antwort: sie sei bestimmt, die Grenzen der Vereinten 
Staaten zu vertheidigen , und es sei gegen die Verfassung des Lan- 
des, sie über die Grenzen zu führen. Und Nichts vermochte sie 
zum Einschiffen zu bewegen. Die Linientruppen hatten sich Mäh- 
rend dieses Vorgangs zurückgezogen, weil es ihnen an Munition 
gefehlt hatte; sie hatten gehofft, sich einschiffen zu können, fanden 
aber keine Schiffe, und wurden gezwungen, sich nach einer tapfern 
Gegenwehr zu Gefangenen zu ergeben. Auf dem Platze , wo Gene- 
ral Brock frei, errichtete das canadische Parlament dem Andenken 
dieses braven Militairs ein Monument. Es besteht in einer hohen 
Säule, die man von der ganzen umliegenden Gegend erblicken 
kann. Sie war indefs noch nicht ganz vollendet, und entbehrte 
der Inschrift noch. 

Wir hatten gehofft, in Newark das Dampfboot Queenstown 
vorzufinden, und gedacht, mit demselben nach Kingston zu gehen, 
am östlichen Ende des OnlarioSee's. Wir trafen es aber nicht an, 
weil es, wie wir später erfuhren, wegen notwendiger Reparaturen 
in einen andern Hafen eingelaufen war. Also sahen wir uns genö- 
thigt , in Newark drei Tage zu bleiben. Unser Quartier hatten wir 
in Mogers hötel genommen. 

Newark ist ein sehr regelmäfsig gebautes Städtchen mit eini- 
gen netten Häusern; es liegt am Ausflüsse des ISiagara in den 
0/</ar/o-See, zwischen zwei Schanzen, Fort George und Missa- 
sagtta. Letzteres liegt dicht am See; das Fort George steht südlich 






138 

von Newark, und liegt in Trümmern. Die Amerikaner hatten wäh- 
rend des letzten Krieges beide Forts auf einige Zeit besetzt. \ om 
Fort George nach der Stadt zu hatten sie ein Epaulement aufge- 
worfen, und so eine Art verschanztes Lager gebildet. Als sie diese 
Position räumen, und sich auf das rechte Ufer des Niagara zurück 
ziehen mufsten, liefs der commandirende General M'Clure das 
Städtchen Newark verbrennen: eine Handlung, wegen welcher er 
in seinem Vaterlande hart getadelt worden ist. Seitdem kann der 
Ort sich nicht recht Mieder erholen; und wird auch in der Zukunft 
schwerlich wieder emporkommen, da das Gouvernement der Colo- 
nie gegenwärtig , westlich von Newark, einen Canal zur Verbin- 
dung zwischen dem Erie- und Ontario-See graben läfst, der 
wahrscheinlich mit der Zeit den ganzen Transite -Handel an sich 
ziehen wird. Die Zeit ward uns in diesem Städtchen recht ange- 
nehm gemacht, besonders durch die Aufmerksamkeit des würdigen 
Sir Peregrine Maitland, der sich hierher begeben hatte; durch 
die Freundlichkeit des Majors Cole und der wackeren Offiziere des 
76. Regiments, von welchem 4 Compagnien in Newark standen, 
und durch den herrlichen Gesang der schönen M" Grymes , die mit 
ihrem Gemahl ausharrte, während viele Andere, welche mit uns 
zu fahren beabsichtiget hatten, die Gelegenheit nicht abwarten 
mochten. 

Wir machten eine Fahrt über den Flufs nach dem amerikani- 
schen Fort Niagara, das mit seinen weifsen Häusern und der we- 
hend an amerikanischen Flagge einen recht hübschen Anblick ge- 
währte. Das Fort liegt auf einer Landspitze. Es ist in der Mitte 
des vorigen Jahrhunderts von den Franzosen gebaut und kurz 
nachher von den Engländern erobert worden. Nach dem Versailler 
Frieden, 1783, ward es an die V. St. abgetreten, im letzten Kriege 
von den Engländern überfallen, und nach dem Genter Frieden 
wieder an die V. St. zurückgegeben. "Wir besahen, was zu sehen 
war, und fanden Manches, wie die Caserne, reinlich und gut. 
Indefs will ich, bei dieser Gelegenheit nur bemerken, dafs die Uni- 
form der Infanterie der V. St. sehr einfach ist: dunkelblau, mit 
einer Reihe weifser Knöpfe , blaue Schnüre , derselbe Kragen und 
dieselben Aufschläge , weifses Riemenzeug und lederne Schakots. 

Einen anderen Ausflug machten wir nach dem, 3 Meilen von 
Leicistown, aufdem Gebiete der V. St. liegenden Dorfe des Indischen 
7 wscarw«-Stammes. Dieses Dorf besieht aus einzelnen Häusern 
oder wigwams, und liegt in einem sehr hübschen, mit Wald umge- 
benen Thal. Es hat eine hölzerne Kirche , in der ein Methodisti- 



139 

scher Missionar Gottesdienst und, während des Winters, Schule 
für die Kinder hält. Die meisten Häuser sind mit Gemüse - urd 
Obstgärten umgeben; die Felder, auf denen meistens Mais gezogen 
wird, schienen in einem recht guten Zustande zu sein. Man führte 
uns in das Haus eines Indianers , welcher einige 40 Jahre alt , in 
einer Schule zu New - York erzogen , geläufig englisch spricht und 
schreibt. Wir trafen ihn, an Rhevmatismen leidend, im Bett. 
Er erkundigte sich nach unsern Geburtsländern, und war mit der 
Geographie derselben ziemlich gut bekannt. Wir betrachteten 
seine Bibliothek, und fanden meistens methodistische Andachts- 
bücher ; jedoch fehlte eine Geschichte der V. St. nicht. Der Mann 
hat auch eine Sammlung von indianischem Kriegsgeräthe, bestehend 
aus einem Tomahawk (casse-tete) von Nufsbaumholz , aus einer 
Streitaxt von Stein , aus Bogen und Pfeilen , deren Spitzen aus Feuer- 
stein gemacht und recht künstlich zugespitzt sind, aus einem läng- 
lichen Stein , einer Art Serpentinstein , den die Wilden sonst bei 
einem Gefecht auf die Brust befestigten, und aus Verzierungen, 
von Glasperlen und Muscheln gemacht, die sie ebenfalls zum Ge- 
fecht um den Leib banden. Ich wollte alle diese Gegenstände 
kaufen; der Indianer sagte mir aber, er habe sie nur, um sie den 
Fremden zu z?igen , und sie seien ihm nicht feil. Dagegen ver- 
kaufte er mir Mocassins, eine Art sehr weicher, mit Seide und 
Glasperlen verzierter, und aus Hirschleder gemachter Schuhe , und 
ein Körbchen. Bei den Indianern müssen die Weiber alle Arbeiten 
verrichten, und besonders die niedrigsten Arbeiten thun. Herr 
Tromp hatte, um mehrere Gegenstände bequemer sehen zu können, 
seinen Hut auf den Fufsboden gelegt. Kaum bemerkte dieses; der 
Indianer , so gab er der M™ Grymes zu verstehen , dafs sie diesen 
Hut sogleich aufheben und auf einen Stuhl legen sollte. Sein 
Enkel, ein 11 jähriger Knabe, schofs mit Bogen und Pfeil recht 
geschickt nach einem Apfel. 

Am Abend des Tages nach unserer Ankunft langte das Dampf- 
schiß' Frontenac an, um am folgenden Abend nach Kingston zu 
fahren. Wir besahen die Localität desselben. Um den Efs-Saal 
herum befanden sich 6 Kammern; jede enthielt 4 Schlafstellen. Mir 
wurde eine besondere Kammer, in der ich mich völlig ausstrecken 
konnte, zum Schlafplatz angewiesen. In dem Damenzimmer be- 
fanden sich 14 Schlafplätze. Uebcr einen grofsen Theil des Ver- 
decks war ein Dach errichtet, so dafs man der irischen Luft ge- 
niefsen konnte, ohne von der Sonne oder vom schlechten Wetter 
belästigt zu werden. Das Schill' enthielt 750 Tonnen, und hatte 



140 • 

eine, bei Bolton und Wutt in Soho bei Birmingham Verfertigte Ma- 
schine mit der Kraft von 27 Pferden. Sir Peregrinc brachte mich 
an Bord dieses Schifies, den 27. August um 5 Uhr, in seinem 
Wanden. Das Schiff lag unter dem Fort George vor Anker. Sir 
Pcrcgrine hatte die grofse Aufmerksamkeit gehabt, eine Compagnie 
des 76. Regiments mit einer Fahne aufzustellen, und mich mit 21 
Kanonenschüssen begrüfsen zu lassen; und er hatte die fernere 
Aufmerksamkeit, mir seinen Sohn mitzugeben, damit ich in 
Kingston keine Schwierigkeiten finden sollte , den dortigen Werft 
— navij yard — zu besehen. Um halb 6 Uhr setzte der Fronlenac 
sich in Bewegung. In wenigen Augenblicken befanden wir uns im 
See; in kurzer Zeit hatten wir alles Land aus dem Gesicht verloren 
und schitften, wie im offenen Meere. Der "Wind blies nicht sehr 
heftijr ; das Schiff hatte daher bei seiner Gröfse keine starke Be- 
wegung, so dafs Niemand incomraodirt war. Den ganzen Abend 
erfreute uns M« Grymes durch ihr schönes Guitarrespiel und ihren 
herrlichen Gesang französischer und spanischer Lieder. Die Nacht 
verging ruhig; aber mit Tages Anbruch ward es etwas anders. 
Es regnete wiederholt ; der Wind ging stärker ; das Schiff schwankte, 
und mehrere Personen wurden seekrank. Uebrigens hat der On- 
tario-See eine elliptische Form; er ist gegen 200 Meilen lang, und 
da, wo er am Breitesten ist, hält er 55. Er ist überall sehr tief, 
an mehreren Stellen 500 Fufs , und friert niemals gänzlich zu. Ihn 
umgeben mehrere gute Häfen, und die Grenzlinie zwischen Eng- 
land und den V. St. theilt ihn in zwei ziemlich gleiche Theile. 

Nachmittags erblickten wir nördlich eine Halbinsel, Prince 
Edirards island genannt, und fuhren dann zwischen den Inseln, 
the ducks, hinweg. Gegen 9 Uhr Abends erreichten wir Kingston, 
den englischen Kriegshafen am Ontario, an einer Bai gelegen. 
Wir lielsen dicht bei der Stadt den Anker fallen. Ich blieb die 
Nacht über auf dem Schiff. Als ich am andern Morgen erwachte, 
fand ich eine Compagnie vom 37. Regiment, das hier in Garnison 
stand, mit der Musik als Ehrenwache auf dem Quai beim Schiff 
aufmarschirt. Natürlich entliefs ich sie sogleich. Nachdem ich 
hierauf den Besuch einiger Ofliciere empfangen hatte, fuhren wir 
über die Bai nach dem Dockyard, der Kingston gegenüber erbaut, 
mit einer hohen Mauer umgeben, und mit einer starken Wache 
besetzt ist. In der navy list fand ich, dafs hier 10 Schiffe, mit 
306 Kanonen, in ordinary lagen. Es schien mir indefs, als sei die 
Anzahl der Stücke zu gering angegeben. Denn der St. Lawrence, 
eins von diesen Schiffen, führt 120 Stück, und 2 noch auf dem 



141 

Stapel stehende Schifte, der Montreal und der Wolf, sind Drei- 
decker, jedes zu 130 Kanonen eingerichtet, welche auf der Liste 
geringer erscheinen. Nach dem Genter Friedens- Vertrage dürfen 
hier keine neuen Schilfe während des Friedens erbaut werden ; 
defswegen bestand das Arsenal -Personale, aufser den nöthigen 
pfficieren und Beamteten, nur aus 12 Zimmerleuten, die fast 
nichts zu thun hatten, als an einem kleinen, sehr elegant gebauten 
Schooner zu arbeiten, der nächstens vom Stapel laufen und als 
Yacht dienen sollte. Die grofsen auf dem Stapel stehenden Schilfe 
waren unbedeckt und schienen vom Wetter sehr gelitten zu haben. 
Der St. Lawrence war das gröfete im Wasser liegende Schill', und 
sollte sich auch in einem baufälligen Zustande befinden; vorzüglich 
sollte der unter dem Wasser befindliche Theil der Schiffe vom 
süfsen Wasser sehr leiden und von Würmern angefressen sein. 
Die Quais des Dock-yard sind von Holz gebaut, und tragen das 
Gepräge der Eile, mit »elcher sie errichtet worden sind : sie be- 
fanden sich in einem baufälligen Zustande. \ or wenigen Jahren 
ist von Sandstein ein 3 Stockwerk hohes und 192 Fufs langes Ma 
gazin , mit eisernen Thüren und Fensterläden , zur Aufbewahrung 
der Segel und des Tauwerks gebaut worden. Die inneren Schei- 
dungen sind von Holz gemacht. Sogleich nach unserm Eintritt 
ins Magazin wurde die eiserne Eingangsthür nieder verschlossen 
und verschlossen gehalten , indem man hier ein grofses Mifstrauen 
gegen die Amerikaner äufsert. Unter dem Gebäude befindet sich 
ein Keller, ebenfalls zum Magazin eingerichtet, dessen Fufsboden 
Kalkfelsen ist, welcher dem ganzen Gebäude zum Fundament ge- 
dient hat. Die Treppe im Hause ist von Stein in einen steinernen 
Tlir.rm gebaut; auch scheint man die Absicht zu haben mit der 
Zeit die Fufsboden der verschiedenen Etagen von Eisen zu machen, 
damit dieses Magazin, wie ein ähnliches in Flymouth, feuerfest 
werde. In einem besonderen massiven Gebäude befindet sich die 
Schmiede, und in einem dritten die Büreaux. Neben den Büreaux 
ist ein grofser Saal, in welchem die verschiedenen Maafse der zu 
erbauenden Schiffe auf den Fufsboden gezeichnet werden. Dem 
Dock-yard gegenüber, der auf einer Landspitze erbaut ist, steht 
auf einer andern Landspitze das Fort Frederik, das zu besehen 
ich jedoch keine Zeit hatte. Hinter dem Dock-yard standen auf 
einer Anhöhe eine Menge von Zelten. Wir erfuhren, dafs hier 
gegen 400 Irländische Auswanderer campirten, welche das engli- 
sche Gouvernement auf seine Kosten aus ihrem Vaterland hieher 
geschallt habe, um ihnen am nordwestlichen Ufer vom Ontario- 



142 

See Land einzuräumen, und dafs sie nächstens dahin abgehen 
sollten. Die Sadt Kingston ist übrigens nicht besonders gebaut, 
und soll gegen 2000 Einwohner zählen. 

Nach 11 Uhr verliefsen wir Kingston am Borde des Dampf- 
schi lies Lady Dalhousie, das uns bis Prescott, 68 Meilen von 
Kingston, auf dem linken Ufer des St. Laicrence gelegen, bringen 
sollte. Unsere Gesellschaft war beständig dieselbe, nur der Ad- 
judant Maitland verliefs uns in Kingston. Als wir diesen Platz 
kaum verlassen hatten, schürten wir um ein Vorgebirge, auf wel- 
chem das Fort Henry liegt, und kamen in den St. Lawrence. Dieser 
Strom ist hier sehr breit und bildet einen Archipel, gegen 50 Meilen 
lang, the thousomd islands genannt. Die mit Glänzbestimmungen 
beauftragten englischen und amerikanischen Commissarien haben 
sich die Mühe gegeben, die Inseln zu zählen, und gefunden, dafs 
ihre Anzahl 1692 betrage; sie haben aber jeden hervorragenden 
Felsen, der einen Baum trägt, als eine Insel gerechnet. Dieser 
Archipel gewährt einen sehr hübschen Anblick : die meisten Inseln 
haben einen felsigen Grund , und sind dicht mit Holz , meistens mit 
Cedern, bewachsen. Hin und wieder ragen riesige Tannen hervor, 
die vorzüglich aufstellen, wo der Wald weniger dicht ist, auf dem 
kahlen Felsengrund einen malerischen Effect hervorbringen. Man 
bemerkt etwas Aehnliches auf den Compositionen von Friedrich, 
an dessen Gemälde ich auf dem St. Lawrence oft erinnert wurde. 
Achtzehn Meilen von Kingston legte unser Schiff am canadischen 
Ufer an, bei dem Dorfe Gananoqui, um Holz für die Dampfma- 
schine einzunehmen. Ich ging einen Augenblick ans Land, und 
fand einen ziemlich unbedeutenden Ort, in dessen Nähe ein kleiner 
Flufs gleiches Namens sich in den St. Lawrence ergiefst. Dieser 
Flufs Gananoqui fliefst in einem felsigen Bett ; über denselben geht 
eine hölzerne Brücke, und jenseits dieser Brücke steht auf einer 
kleinen Anhöhe ein viereckiges hölzernes Blockhaus von 2 Etagen, 
indem die obere Etage den Fufs des Hauses vermittelst 7nachicoidis 
vertheidigt, für eine Besatzung von circa 40 Mann. Im letzten 
Kriege hatten hier die Amerikaner einen englischen Posten über- 
fallen, und ein Magazin, das derselbe decken sollte, wegge- 
nommen. Nach diesem Unfälle wurde das Blockhaus gebaut. Am 
Ende des Archipels der tausend Inseln bemerkten wir ein anderes 
ähnliches Blockhaus zur Deckung der Stromschillahrt. Ungefähr 
50 Meilen unterhalb Kingston; wo der Archipel endigt, liegt auf 
dem canadischen Ufer ein kleiner Ort, Brockville, wo wir ansehn- 
liche Magazine am Wasser stehen sahen. Hier brach die Nacht ein, 



143 

die mondhell und sehr warm war. Gegen 10 Uhr Abends erreich- 
ten wir Frescoti, einen kleinen Ort, der ziemlich vielen Handel 
treiben soll. Im Orte befanden sich nur 2 Wirthshäuser. Diese 
waren voll von Menschen, und sahen so schmutzig aus, dafs ich 
lieber die Nacht auf dem Dampfschiire zubrachte. Die Familien 
Cläre und Grymes folgten diesem Beispiele. Das Dampfschiff 
enthielt 100 Tonnen, und die Maschine hatte eine Kraft von 25 
Pferden ; war übrigens nicht so bequem und reinlich eingerichtet, 
als der Front enac. 

Von hier an beginnen die sogenannten rapids im St. Lmrrencc. 
Es sind Felsen, welche quer durch den Strom gehen, und über 
welche sich dieser mit grofser Gewalt hinwegstürzt , so dafs zwi- 
schen hier und Montreal , 113 Meilen weit, die Dampfschiffe nur 
theilweise fahren können. Defswegen ist zwischen Frescott und 
Montreal eine Linie von Stage-coaches und Dampfschiffen angelegt 
worden, die sich wechselseitig ablösen, und man hat viele Schererei 
mit dem Trausportiren der Bagage. Man kann auf zweifache Weise 
die rapids hinabfahren. Zuerst mit sogenannten bateaux, oder 
schmalen Böten ; und dann mit Dnrhamboats. Dieses sind flache 
Schiffe, die gegen 40 Tonnen halten, ein halbes Verdeck haben, 
und 18 Zoll im Wasser gehen. Die Dnrhamboats haben einen Mast 
und zwei Segel, und führen viele Waaren. Wir hatten Lust, diese 
etwas gefährliche Fahrt zu unternehmen, um die rapids zu sehen 
und zu wissen, was eigentlich an der Gefahr sei, von welcher man 
so viel spricht. Also begaben wir uns auf das Durliamboat , the 
fiying dutcltman, bezahlten 2 Dollars für jede Person, und erhielten 
von dem Schiller die Versicherung, dafs, wenn der Wind gut wäre, 
wir in einem Tag in Montreal sein würden. Sir Michael entsehlofs 
sich , das Wagstück mit zu unternehmen , und die gute Lady Cläre 
begleitete ihren Gemahl, trotz ihrer Angst. M w Grymes aber 
fürchtete sich zu sehr, und wollte den Weg lieber theils zu Lande, 
theils im Dampfschiffe machen; und Herr Grymes fügte sich den 
Wünschen seiner Gemahlin. 

Den 30. August schifften wir uns früh gegen 6 Uhr auf dem 
fliegenden Holländer ein. Der Morgen war schön, und wir freuten 
uns über den herrlichen Anblick von Prcscott, in dessen Nähe eine, 
im letzten Kriege erbaute, Redoute steht, Fort Wellington genannt. 
Der Strom ist hier sehr breit. Auf seinem rechten — amerikani- 
schen — Ufer sahen wir die Stadt Ordensburg liegen, welche im 
letzten Kriege von den Amerikanern befestigt, aber \on den Englän- 
dern erobert und ihrer Festungswerke beraubt worden ist. Die 



144 

Bequemlichkeit auf uQserm Schiffe war, wie wir nach und nach 
bemerkten, nicht sehr» grofs. Es war offen; als Fufsbodcn dienten 
uns einige Fässer mit Pottasche, und Sitze erhielten wir dadurch, 
dafs man Breter auf unsere Cofl'er legte. Sechs Meilen unterhalb 
Prescott kamen wir an einige Inseln, t/te Gallop Islands genannt, 
und fanden zugleich die ersten rapids. Das Wasser scheinet, wenn 
man sich nähert, zu kochen, und hohe schäumende Wellen schlagen 
auf, durch welche man äufserst schnell hindurch fährt. Sie sind 
nicht so hoch, als die Wellen in der See, haben aber eine sehr 
kurze Bewegung. Da jedoch unser Durhamboat bedeutend lang 
war , so durchschnitt es die Wellen , ohne dafs wir eine besondere 
Bewegung gefühlt hätten. Kaum waren wir über diese rapids 
hinweg, so wurde das Wasser wieder sehr ruhig; und da wir fast 
keinen Wind hatten , so ging die Reise nur langsam von Statten. 
Andere, 9 Meilen lange, rapids wurden in einer Stunde durch- 
schnitten , und auch diese schienen uns eben so wenig gefährlich, 
als jene. Inzwischen versicherte man uns, dafs ein. Zweig dieser 
rapids , von welchem wif durch eine Insel getrennt wurden , sehr 
gefährlich sei. Er heifst the lest Channel; und Duncan giebt in 
seiner Reisebeschreibung eine schöne Schilderung von einem 
Schiffbruche , der hier Statt gefunden , und mehreren Menschen das 
Leben gekostet hat. Unser Schiff war nicht nur, wie alle, die über 
die rapids fahren, unten flach, sondern hatte auch einen künst- 
lichen Kiel, den man, wenn man in tiefem Wasser fährt, hinabläfst, 
und den man heraufzieht, wenn man an Untiefen kommt. Der kiel 
steht dann wie eine Scheidewand im Schiff, und wird durch Stricke 
bewegt, die an einem Cabestan befestigt sind. Unsre Reisegefähr- 
ten waren meistens Canadier aus den untern Volksclassen , die ein 
sehr schlechtes Französisch sprachen , dem Wallonischen ähnlich;; 
Auch befand sich ein junger, 3 Monat alter, sehr munterer, schwar- 
zer Bär am Bord. 

Ge"-en 20 Meilen unterhalb Lnngsault erreichten wir am cana- 
dischen Ufer das Dorf Cornwall. Der Wind war so schwach, dafs 
wir keine Hoffnung hatten, vor Einbrüche der Nacht ein erträg- 
liches Wirthshaus zu finden. Del'shalb entschlossen wir uns, hier 
zu übernachten. Gegen Abend kam auch die Familie Grijmes zu 
Lande an, und nahm in demselben Wirthshaus ihr Quartier. Der 
Ort ist nicht grofs; aber die Straften sind in rechten Winkeln ge- 
zogen, und enthalten mehrere neue steinerne Häuser. Viel Leben 
scheint nicht zu herrschen. Die Gegend ist ziemlich flach, und die 
Engländer benutzen die Ebene bei dem Ort, um Pferderennen zu 



145 

halten. In einigen Tagen sollte ein solches Rennen Statt finden ; 
es waren schon Pferde angekommen und Quartiere waren bestellt. 
Das englische Gouvernement bringt in dieser Gegend viele scholli- 
sche Auswanderer als Ansiedler unter. 

Am folgenden Morgen verzögerten die Damen unsere Abfahrt 
um 2 Stunden. Erst gegen 7 Uhr verliefscn wir Cornwall mit unse- 
rem Durltamboat. Der Morgen war sehr schön ; auch hatte sich 
ein ziemlich starker Südwest» ind erhoben, der uns schnell vor- 
wärts trieb. Fünf Meilen unter Cornwall sahen wir auf dem rechten 
Ufer das Dorf Sf. liegis liegen, das letzte, das den V. St. gehört. 
Die amerikanische Glänze verläfst hier den St. Lawrence, dessen 
beide Ufer nunmehr, bis zu seinem Austlufs ins Meer, zu Canada 
gehören. Auf dem linken Ufer des Stromes erblickt man ein neues, 
von Schotten angelegtes Dorf, Gleugarry settlement genannt. 
Ptwas weiterhin kommt man in einen Landsee, durchweichen der 
.SV. Lawrence fliefst , Lac St. Francois, durch welchen die Grunze 
zwischen Ober- und Nieder-Canada gezogen ist. Dieser See, 
gegen 40 Meilen lang, und gegen 6 Meilen breit, umspült mehrere 
Inseln. Nicht weit >on St. Kegis fuhren wir an einer von Indianern 
bewohnten Insel vorbei, welche durch einen katholischen Missionar 
getauft worden sind, und die Insel recht gut angebaut haben sollen. 
Einer der Indianer kam mit seiner Frau in einem Canot an unser 
Schiff, und verkauft^ uns Fische. Da, wo der Lac St. Francois 
aufhört, und der St. Lawrence wieder beginnt, stellt auf dem linken 
Her das Dorf Coteau du lac. Bei diesem Dorf ist ein ziemlich 
starker rapid, stärker als die, welche wir gestern überwunden 
hatten. Damit man diesen rapid vermeiden könne, und damit 
den Schilfen, die Strom aufwärts gehen, die Fahrt erleichtert 
werde, hat das Gouvernement einen kleinen Canal mit 2 Schleusen 
neben dem Strome graben lassen, der durch ein kleines Fort, fort 
du coteau genannt, gedeckt wird. 

Unser Schiller hatte bei dem hiesigen Douanen-Büreau Ge- 
schäfte; er hielt also eine Stunde lang an, und ich benutzte diese 
Zeit, um das Fort zu besehen. Wir setzten dann bei einem sehr 
starken Winde, der ein Gewitter herauf trieb, unsere Fahrt fort. 
Die Ufer und Inseln des Stromes sind meist mit Holz, gröfstes 
Theiles mit Cedern bewachsen. Zwischen denselben zeigen sich 
nette Häuser und Kirchen mit blinkenden zinnernen Dächern. Bei 
dem Dorfe coteau des cedres hatten wir den letzten und gefähr- 
lichsten der rapids, les cascades, zu bestehen. Die Wellen waren 
ungemein hoch, und wir schwammen über die gelährliche Stelle 
/• K 



146 

mit einer unglaublichen Geschwindigkeit hinweg. Neben diesen 
rapid» ist ebenfalls für die Strom aufwärts fahrenden Schiffe ein 
Canal mit Schleusen angelegt. Wenn man diese raplds vom l Ter 
aus betrachtet, so seheint es unglaublich, dafs ein Kahn sich in 
dieselben hinein wagen könne, ohne verschlungen zu werden. Es 
gehl ober doch so übel nicht, wie wir nunmehr erfahren hatten. 
Unter diesem rapid dehnte sich der Strom, der hier den Ottawa 
Plnfs aufnimmt, wieder so weit aus, dafs er einen andern See 
macht, lac St. Louis. Nördlich von diesem See, da, wo der Ottawa 
sich mit dem <S/. Lawrence vereinigt, bildet er einen andern See, 
lac des deux montagnes, der vom lac St. Louis durch 3 Inseln, 
Jesus* Perrot und Montreal , getrennt wird. Das Gewitter zog mit 
einigen Schlägen dicht an uns vorüber; der Wind blies sehr stark, 
aber günstig. Wir begegneten einem Dampfschiffe, das eine Leiche 
am Bord hatte , und defshalb seine Flagge an der Mitte des Stabes 
trog; das gilt für ein übeles Omen! Ein anderes Dampfschiff, wel- 
ches, wie wie, nach la Chine steuerte, fuhr vor uns her, und erregte 
unseren Wunsch, schneller zu segeln und früher In Chine zu er- 
reichen. Plötzlich aber sahen und hörten wir über dem See einen 
schrecklichen Sturm nahen. In der gröfsten Eile versuchte man, 
die beiden Segel herunter zu nehmen. Das kleine w ard auch glück- 
lich* eingezogen; das grofse aber, dessen Tauwerk sich in sehr 
schlechten Umständen befand, war erst halb herunter, als der 
Sturm uns erreichte. In der Nähe bemerkten wir eine Tonne im 
See, die eine gefährliche Klippe bezeichnete, welche wir links 
vermeiden mufsten; und der Sturm trieb uns mit unserm halben 
Seo-el gerade auf die Tonne zu. Sechs Mann konnten kaum das 
Steuerruder regieren. Das Segel hing halb im Wasser; wir sahen 
den Augenblick unsers Unterganges vor uns. Niemand wufste, wer 
commandirte; die Matrosen wollten es besser wissen, als der Schiffer, 
und Alles schrie furchtbar durch einander. Ich hielt für das Beste, 
zu schweigen und mich in den Willen der Vorsehung zu ergeben, 
die über mich und mein Schicksal wacht. Endlich kletterte ein 
Matrose auf den Mast und schnitt die Taue ab , so dafs das Segel 
herunter genommen werden konnte; und nun kamen wir glücklich 
um den gefährlichen Punct herum. Zugleich liefs der Sturm, der 
im Ganzen nicht viel über 5 Minuten gewüthet haben mochte, etwas 
nach. Das vor uns fahrende Dampfschiff war gleichfalls auf dem 
Puncte gewesen, auf den Felsen bei der Tonne geworfen zu wer- 
den, und hatte sich nur durch ein schnelles Wenden und Zurück- 
kehren in den See, wo es den Anker auswarf, gerettet. Gleich 



147 

nach dem Sturme, während dessen es geregnet hatte, bemerkten 

wir ein sonderbares Phänomen , nämlich einen Regen von weifsen 
geflügelten Insecten , von welchen eine grofse Menge auf unser 

Schiff fiel. Er hielt über 5 Minuten an. Wahrscheinlich waren 
diese Insecten durch den Sturm aus dem nahen Walde herausge- 
trieben worden. Dieser Sturm hatte inzwischen für uns den Vor- 
theil gehabt, dafs wir sehr schnell vorwärts gekommen waren. 
Nach 6 Uhr Abends erreichten wir ohne weiteren Unfall la Chine, 
ein auf der Insel Montreal liegendes Dorf, mit einem Hafen. 

tx La Chine scheint ein unbedeutender Ort zu sein, der jedoch 
durch seine günstige Lage ?iel gewinnen soll. Ich hörte hier ein 
schlechtes Französisch sprechen , und glaubte mich in unsere Pro- 
vinz IIenneo;au oder Namur > ersetzt. Der Ort soll seinen Namen 
daher haben, dafs man zu der Zeit, da diese Colonie noch franzö- 
sisch war, glaubte, man werde den St. Lawrence hinauf einen Weg 
nach China finden können; und dafs man zu diesem Zweck eine 
Expedition ausrüstete, die sich in la Chine einschiffte. 

Zwischen la Chine und Montreal ist ein sehr gefährlicher 
rapid im Strome ; defswegen hat das Gouvernement einen Canal mit 
mehreren Schleusen zu dieser Stadt, 9 Meilen lang, graben lassen, 
der für den Handel von grofser Bedeutung ist. Wir indefs mie- 
theten eine Stage-coach für diesen Weg. Gegen 8 Uhr Abends, 
während eines starken Gewitters, traten wir denselben an. Die 
arme Lady Cläre, die sich von dem Schrecken unsrer Wasserpartie 
nicht erholen konnte, wäre gern während der Nacht hier in einem 
schlechten Wirthshause geblieben; denn sie fürchtete sich sehr vor 
der Nachtreise bei dem Gewitter. Und bald zeigte sich , dafs ihre 
Furcht nicht ohne Grund gewesen war. Kaum nämlich hatten wir 
3 Meilen auf einer,* übrigens sehr guten Chaussee zurückgelegt, 
als wir vor einem Wirthshaus auf mehrere mit Eisenstangen bela- 
dene Karren stiefsen. Die Führer waren ins Wirthshaus gegangen, 
die Karren standen mitten auf der Chaussee. In der Dunkelheit 
kamen wir einem dieser Karren zu nahe, und unser hinteres Sattel- 
pferd stiefs sich 3 Eisenstangen in die Brust. Es stürzte sogleich 
nieder und starb augenblicklich unter jämmerlichem Gestöhne. 
Nach vielen Discussionen zwischen dem Rutscher und den Kärnern 
■ihren wir mit 3 Pferden weiter, und erreichten gegen 10 Uhr 
Abends Montreal. Wir stiegen im Masonic hall hötel ab. Dieses 
Botel ist erst seit einem Jahr etablirt, ist sehr grofs und gut ein- 
gerichtet, ganz massiv, 4 Stockwerk hoch, von blauen Steinen 
gebaut. Es hat eine schöne Aussicht auf den St. Lawrence > der 

K 2 



148 

hier über 1200 yards breit ist. Bei unserer Ankunft lernte ich 
»oirleich einen [ngenieur-Capitain Mellish kennen, der ans England 
biehei geschickt worden war, um eine wissenschaftliche Expedition 
in's Innere dieser Colonic zu unternehmen. 

>\ir blieben last 3 Tage in Montreal. Die Stadt, die ich zu 
erst in Begleitung des Oberst Lieutenants Evans vom 70. Regiment«*, 
das hier in Garnison steht , besah, enthält gegen 25,000 Einwohner. 
Sie «lehnt sich auf einem Hügel ziemlich lang aus, zwischen dein 
St. Lawrence und einem 700 Fufs hohen , mit Wald bewachsenen 
Berg, le Moni Real genannt. Sie hat 2 Hauptstrafsen , die paral- 
lel mit dem Flusse laufen; zu ihnen kommt jetzt noch eine dritte, 
die aus dem Graben der demolirten Festungswerke gemacht wurde. 
Die Häuser sind meistens von blauen Steinen gebaut und mit Zinn 
gedeckt, das in der Sonne glänzt. Der Feuersgefahr wegen sind 
sie mit eisernen Thiiren und Fensterläden versehen, und diese 
geben der Stadt ein sehr finsteres Ansehen. Uns fielen mehrere 
junge Leute auf, die in blaue Oberröcke gekleidet waren, auf allen 
Psäthen mit weifsen Schnüren besetzt, und mit Schärpen um den 
Leib. Wir erfuhren, es seien die Zöglinge der von katholischen 
Geistlichen diriffirten Schule. Bekanntlich sind die meisten Cana- 
dier, und ^ der Einwohner von Montreal katholisch; sie sollen 
sehr bigott, und die untern \ olksclassen sehr wenig unterrichtet 
sein. Eine Querstrafse, welche die beiden Hauptstrafsen verbindet, 
ist sehr breit, und defswegen ist in ihrer Mitte ein bedeckter Markt- 
platz angelegt worden. An dem einen Ende dieses Platzes steht 
das Tribunal und das Gefängnifs. Hinter diesen Gebäuden hat 
man den Raum, der durch die Demolirung der Festungswerke ge- 
wonnen worden ist, zu einem Paradeplatze gemacht. Montreal hat 
mehrere Hospitäler, die durch Nonnen besorg* werden. Man fand 
indefs diese Hospitäler nicht zureichend , zumal da die Nonnen 
keine Fieberkranken annehmen. Defswegen haben sich die reich 
sten hiesigen Einwohner vereinigt, und in einer sehr gesunden 
Lage ein neues, drei Stockwerk hohes Hospital für 70 Kranke 
beiderlei Geschlechts bauen lassen. In diesem Hospital werden die 
Kranken — deren Zahl sich auf 50 belief — für einen billigen 
Preis sehr gut verpflegt. Die ersten Aerzte der Stadt besorgen 
die Kranken umsonst, und mnses pflegen dieselben. Die Einrich- 
tung gleicht der Einrichtung des Hospitals in Boston; nur scheint 
hier weniger Luxus, als in diesem Hospitale zu herrschen. 

Die öffentliche Bibliothek ist noch nicht sehr reich , aber sie 
wird täglich vermehrt. Auch hat man ein Naturalien-Cabinet mit 



— 149 

derselben vereiniget. Zu einer neuen katholischen Ilauptkirehc, 
die durch freiwillige Beiträge erbaut wird, und die sehr grofs zu 
weiden scheint, waren die Fundamente gelegt. In der Caserne 
gefiel mir die Mefs der Unter-Officiere ungemein: denn mit der- 
selben ist eine Bibliothek verbunden; auch gefiel mir die Schule 
für Soldaten, die nicht lesen und schreiben können, und für Solda- 
tenkinder. Die Caserne war sonst ciu.lesuiter-Collegium und stand 
in der alten französischen Citadelle, von welcher jetzt keine Spur 
mehr übrig ist. ISicht weit \on der Caserne ist eine Dampf 
■aschine, welche das Wasser aus dem Flusse herauf pumpt, in der 
Stadt vertheilt, und zugleich eine Mahlmühle in Bewegung setzt. 
Auf dem Marktplatze steht ein Monument , welches dem Lord Nelson 
zu Ehren von der Colonie errichtet worden. Es ist eine Säule, auf 
welcher des Admirals Bild in Lebensgjöfse steht. Die eine Seite 
des Fufsgestelles hat eine Inschrift; zwei andere enthalten Abbil- 
dungen \on Seetreffen; auf der vierten findet man eine Darstellung 
der Capitulation von Copenhagen. 

Am andern Tage führte mich der Obrist-Lieutenant Mau 
Gregor aulWen Parac> platz , wo er den Theil seines Regiments, 
der hier steht, vereinigt halte. Die Leute formirten ein Bataillon 
von () Divisionen. Das Aeufsere des Bataillons war eben nicht aus- 
gezeichnet, aber die Manoeuvres, sehr complicirt und wohl nui 
für den Paradeplatz berechnet, wurden mit grofser Präeision i\ns\ 
einer bewundernswürdigen Schnelligkeit ausgeführt. Ich lernte 
eine neue Art von Fertigmachen kennen. Auf das Commaiulo: 
„Fertig", nahmen die Soldaten das Gewehr Aach, spannten in 
dieser Lage den Hahn , und brachten auf das Commando: „An", 
das Gewehr mit der gröfsten Langsamkeit an den Backen. Die 
Infanterie war in zwei Glieder aufgestellt, formirte sich abei beim 
Flankenmarsch durch das Durchtreten der Rotten in drei Glieder. 
Die Pelotons waren in Sectionen von 4 bis 6 Rotten eingetheilt 
vermittelst welcher der schiefe Marsch sehr leicht ausgeführt 
wurde. 

Nach diesem Manoeuvre begaben wir uns, von den Offici- 
begleitet, in einen Kahn, und fuhren nach der Insel St. Helene, die, 
Montreal gegenüber, mitten im St. Lawrence liegt. Auf dieser 
Insel ist ein grofses Artillerie-Depot unter der Direction des Major 
Wallace. Bei unserer Landung wurden wir mit 2t Schüssen von 
der Batterie an der Westspilze der Insel begrülst. Diese Batterie 
isl in Form einer Lünctte gebaut, und dient der hier stehenden 
Artillerie Compagnie zum Uebungsplatzc. Die Kanoniers ever 



150 

urteil so eben mit einem 9Pfünder, einem GPfünder und einer 
fitolligen Haubitze, und warfen aus allen drei Stücken Granaten, 
mit HimYnkugeln angefüllt. Das Ziel war im Strom aufgestellt; 
sie trafen so gut, dafs die Granate jedesmal über dem Ziele platzte. 
Die Kunst besteht vorzüglich in der richtigen Berechnung der 
Stopine, so dafs diese das Pulver in der Granate gerade in dem 
Augenblick entzündet, da sie über dem Ziel ist. 

Die Insel St. Helene war der letzte Punct, den die Franzosen 
noch hielten , als die Engländer ganz Canada ihrer Macht schon 
unterworfen hatten. Sie hat gegen 2 Meilen im Umfang, und ist 
mit sehr schönem Holze, vorzüglich mit Ulmen und verschiedenen 
Arten Nufsbäumen, meistens hickory, bewachsen; durch die Sol- 
daten sind gute und becpieme Fufswege um die Insel herum und 
in derselben angelegt worden. Das Gouvernement hat hier seit 
einigen Jahren einen botanischen Garten einrichten lassen, in wei- 
chein alle nordamerikanischen Gewächse versammelt werden, um 
die englischen botanischen Gärten mit denselben zu versehen. Auf 
der Nordseite der Insel hat man mehrere schöne Aussichten auf 
beide Ufer des Stroms , und Montreal nimmt sich am Fufse des grü- 
nen Berges mit seinen vielen Kirchen vortrefflich aus. Hier steht 
auch das Arsenal und die Caserne, neu und massiv aufgebaut, und 
durch eine Brustwehr auf einer Seite, so wie durch Schiefslöcher 
in der Mauer gegen einen coup de main gesichert. Das Innere der 
Insel ist hüglig. In einer wirklich romantischen Vertiefung steht 
ein Pulvermagazin, das 4000 Fafs Pulver enthält. Bei dem Major 
JVallace, der in der Caserne ein sehr hübsches Quartier bewohnt, 
lernten wir seine Frau und Tochter kennen , die in ihrer einsamen 
Lage sich die Zeit mit Musik und Zeichnen recht gut vertreiben. 
AVährend des Winters sind die gezwungenen Bewohner der Insel 
durch das Eis zuweilen 6 Wochen lang von Montreal abge- 
schnitten. 

Als wir nach Montreal zurückgekommen waren , machten wir 
wieder eine Wanderung durch die Stadt, und bemerkten mehrere 
sehr grofse Läden. Da Montreal vermittelst des Ottawa-Flusses 
mit den Pelzhändlern der jetzt vereinigten Hudsonsbai - und Nord- 
west-Compagnien Verkehr hat, so glaubte ich, hier feines Pelzwerk 
lür einen billigen Preis bekommen zu müssen. Ich fand aber wenig 
gutes ; und dieses wurde zu enormen Preisen gehalten. Am Abend 
gingen wir noch nach dem „Royal circus", dessen pomphafte 
Ankündigung eine starke Truppe Kunstreiter und ein Schauspiel 
versprach. Die Reiter, vier erwachsene Personen und zwei Kinder, 



151 

machten auf 2 Pferden sehr mittelmäfsige Kunstslücke. Das 
Schauspiel wurde so schlecht aufgeführt, dafs wir sehr bald 
wieder nach Hause zurückkehrten. Das Theater ist übrigens 
hübsch eingerichtet: zwei Reihen Logen, in der Mitte die Reit- 
bahn, die bei Schauspielen das Parterre bildet, gegenüber die 
Scene. Neben der Masonic hall ward ein neues Theater erbauet, 
ohne Reitbahn, das zwar klein war, aber recht nett zu werden 
schien. 



VIII. 

Reise von Montreal nach ßuebcl. Aufenthalt in 
Quebek. Rückreise nach Montreal. 

Vom 3. bis 9. September 1825. 



Am 3. September, Abends -8 Uhr, verllefsen wir mit den Fa- 
milien Grynies und Cläre unsere Wohnung, und schifften uns ein 
am Bord des Dampfschiffes Lady Sherbroo/c, um nach Quebek zu 
reisen, 180 Meilen von Montreal. In Montreal fehlt es an guten 
Quais. Dieser Mangel wurde uns besonders bei dem Einschiffen 
fühlbar; denn wir mufsten im Dunkeln durch tiefen Roth am Ufer 
waten; und diese Expedition war für die Damen am Wenigsten an- 
genehm. Wir hatten auf dem Schiffe sogenannte state rooms oder 
besondere Zimmer genommen , so dafs die Damen für sich allein 
wohnten, und nicht in der allgemeinen Ladies Cabin zu schlafen 
brauchten. Mir war es auch angenehm, ein Kämmerchen für mich 
allein zu haben. In Montreal hatte ich den englischen Artillerie- 
Capitain King getroffen, den ich in Boston kennen gelernt hatte, 
und der ebenfalls die Reise nach Quebek machte. Uebrigens war 
unsere Reisegesellschaft nicht zahlreich. 

Das Dampfschiff, 150 Fufs lang, hielt 800 Tonnen, und die 
Maschine hatte die Kraft von 60 Pferden : viel zu wenig für ein so 
grofses und schweres Schiff. Abends nach 9 Uhr setzte dasselbe 
sich in Bewegung. Während der Nacht hielt es sich gegen eine 
Stunde lang auf an der Mündung des Flusses Sorel in den St. Law- 
rence bei dem Städtchen William Henry , welches diesen Namen 
dem Herzoge von Ciaretice zu Ehren erhalten hat. Es mufste Holz 
einnehmen. Denn die Maschinen auf den amerikanischen und ca- 
nadischen Dampfschiffen werden nicht, wie die europäischen, mit 
Steinkohlen, sondern mit Holz geheizt, das auf den Schiffen vie- 
len l iatz, und beim Einladen viele Zeit hinwegnimmt. Gegen 



» 



Lage von Quebek. 
Zu Seite 153. 



AÄ/ 




a Obere Stadt. 

b Citadelle oder Cape Diamond. 

c Untere Stadt. 

d River St. Charles , hölzerne Brücke. 

e Wolfs cove. 

f Martello towers. 

g St. Lawrence. 

h Point Levi. 

i Isle d'Orleans. 

k Falls of Montmorenci. 

I Platz , wo General Montgomtneri fiel. 

m Porte du palais , wo General Arnold blessirt wurde. 

n Gouvernements-Haus. 



153 

Morgen hielten wir am linken Ufer bei dem Städtehen Leu 
frois rivieres an, welches, 2500 Einwohner enthaltend, 80 Mei- 
len von Montreal entfernt ist, und am Ausflusse de* Plusses St. 
Maurice in den St. Lawrence liegt. Es ist längs des Stromes ge- 
baut, in welchem bis hieher die Ebbe und Fluth bemerkbar ist. 
Bevor wir diesen Platz, erreichten, waren wir durch den lac St. 
Pierre gefahren , der durch eine Erweiterung des St. /«airrciicc ge 
bildet wird. Die Ufer des Stromes sind auf beiden Seiten gut be- 
wohnt, und sollen auch sehr gut angebaut und fruchtbar sein. 
Der Strom ist durche;äno-i<r zwischen 1 und 2 Meilen breit; nur 52 
Meilen unterhalb trois rivieres bei dem Dorfe Richelieu wird er 
eng, und hier befinden sich die letzten rapids, rapids de Richelieu 
genannt. Die Ufer, die bisher ziemlich flach waren, zumal auf 
der linken Seite, werden nun höher und felsig. Die Gegend ist 
lüfserst schön und malerisch. Der majestätische Strom mit seinen 
freundlichen Ufern, und der Blick auf die entfernten blauen Gebirge 
bei Quebek machen einen unbeschreiblich herrlichen Effect. Das 
Wetter begünstigte uns sehr; es war ein heller, sonniger Tag, 
und nicht sehr warm; denn in diesem nördlichen Himmelsstriche 
machte sich der herannahende Herbst schon durch die kühlen 
Nächte und Morgen fühlbar. 

Um 10 Uhr Abends erreichten wir Quebek. Diese Stadt be- 
steht aus 2 Thcilen: aus der obern Stadt, die auf den Felsen ge- 
baut, und aus der unteren Stadt, die zwischen dem Felsen und 
Dem Strom eingezwängt liegt. Die Lichter in der unteren Stadt 
nahmen sich gegen den dunkeln Felsen, auf welchem auch die Fe- 
stung steht, vortrefflich aus. Der erste Anblick bei Nacht erin- 
nerte mich an Namur , vom rechten Maas-Ufer angesehen. Im 
Strom lagen viele Schifte, welche meistens zum Holzhandel ge- 
braucht werden. Da es schon spät war und wir Schwierigkeiten 
für den Transport unsrer Bagage bei Nachtzeit gefunden haben 
würden, so wie viele Unbequemlichkeit, um sogleich Quartier für 
die Damen zu linden, so brachten wir diese Nacht noch am Bord 
des Dampfschiffes zu, wo wir uns recht bequem fühlten, und uns 
einer grofsen Reinlichkeit erfreuten. 

Nachdem ich am folgenden Morgen die Ehrenwache entlassen 
hatte, welche von dem Gouverneur bei dem Schiffe aufgestellt war, 
verliefsen wir, um 7 Uhr, dieses Schilf, und begaben uns in unser 
Quartier, Lcmoine's boarding house, in der obern Stadt gelegen 
Die untere Stadt isr sehr eng gebaut, und sieht schmutzig und 
alt aus. die Strafsen sind nicht gepflastert und nur schlecht mit 



154 

froffoirs vorteilen. Nach der obern Stadt führt ein sehr steiler 
Weg. Sie sieht auf einem felsigen Grund, und ihre Citadelle ist 
350 Ful> über das Niveau des Wassers erhaben. Von der untern 
Stadt ist sie durch eine, auf den Felsen gebaute, crenelürte Blauen 
in der Form eines Hornwerks, getrennt. Durch dieselbe geht ein 
Thor, mit einer Wache besetzt, deren Wachtstube gerade über 
dem Thor ist, und vermittelst machicoulis den Eingang vertheidigt. 
Zur Bequemlichkeit der Fufsgänger ist neben dem Thor eineThür, 
durch welche man auf einer hölzernen Treppe in die obere Stadt 
gelangt Rechts vom Thore steht ein Gebäude, das einer Capelle 
ähnlich ist, und dem Unterhause des canadischen Parlaments zum 
Versammlungssaale dient. Um nach unserm Hause zu gelangen, 
mufsten wir ein Stück längs des Walles hingehen. Daselbst hat 
man eine unbeschreiblich schöne Aussicht auf die Bai vor Qucbek, 
«md auf das rechte Ufer des Flusses, das hier ein Vorgebirge bildet, 
pointe Levi genannt. 

Kurz nach unserer Ankunft erhielt ich einen Besuch vom 
Obersten Duchesnay , erstem Adjudanten des General-Gouverneurs, 
und vom Obersten Durnford, Dhector des Geniewesens. Jener 
wollte mich im Namen des Gouverneurs becomplimentiren ; dieser 
erbot sich, mir die Festungswerke zu zeigen. Lord Dalhousie, 
General-Gouverneur aller englischen Besitzungen in Nordamerika, 
war mit Urlaub in England , wurde aber täglich zurück erwartet. 
In seiner Abwesenheit führte der Lieutenant-Gouverneur, Sir 
Francis Burton, Bruder von Lord Conyngha?n, den Ober-Befehl 
in der Colonie. Er ist ein Civilist, soll sich übrigens seines hohen 
Postens in jeder Hinsicht würdig machen. Seinem guten Betragen 
und humanen und freundlichen Benehmen gegen die hiesigen 
Einwohner soll das Gouvernement den guten Geist gröfstes Theiles 
au verdanken haben, der in der Colonie herrscht. Von Lord 
Dalhousie sagte man , er habe durch sein hochmüthiges und abso- 
lutes Wesen die IJerzen von sich und dem Gouvernement entfernt 
und der Oppositions-Partei im canadischen Parlament grofsen 
Zuwachs verschafft. 

Mit den oben genannten beiden Stabs-Offizieren traten wir 
unsre Wanderungen an und besuchten zuvörderst das Gouverne- 
mentshaus. Dieses ist ein altes grolses Gebäude, welches während 
Lord Dalhousie's Abwesenheit leer stand. Die Zimmer sind nicht 
grofs, und waren nicht so reich meublirt, als ich von der Wohnung 
eines englischen General -Gouverneurs erwartet hatte. Auf der 
Rückseite des Hauses, über dem Abgrund, ist ein langer Balcon 



155 

angebracht, von welchem man einen grofsen Theil der untern 
Stadt, des Hafens und der umliegenden Gegend übersehen kann. 

Die Citadelle ist ein neues Werk, und noch nicht ganz vollen- 
det. Die Engländer sprechen gewöhnlich mit einer Art von Ver- 
ehrung von den Festungswerken von Quebck, und setzen sie den 
Werken von Gibraltar gleich. Ich erwartete also , etwas Aufser- 
ordentliches zu finden ; ich kann aber nicht sagen , dafs meine Er- 
wartung; befriedigt worden sei. 

Die nächsten Höhen bei der Stadt sind die bekannten plaincs 
d' Abraham, oder richtiger liauteurs d' Abraham, auf welchen am 
12. September 1759 die Schlacht zwischen dem englischen General 
Wolfe und dem französischen General, Marquis de Montcalm, Statt 
fand; eine Schlacht, die beiden Generalen das Leben kostete, die 
von den Franzosen verloren ward, und späterhin den Verlust der 
Stadt und der Colonie zur Folge hatte. 

General Wolfe nämlich hatte die Isle d Orleans besetzt, und 
sich Meister der pointe Levi gemacht. Der Marquis de Montcalm 
stand auf den Höhen bei den Wasserfällen von Moidmorcnci mit 
seiner Armee in einem verschanzten Lager, und schlug einen Angriff 
des Generals Wolfe tapfer, und mit grofsem Verlust für die englische 
Armee zurück. Hierauf schifYte der General Wolfe, in der Nacht, 
seine Armee ein , benutzte die Dunkelheit zu der Fahrt unter der 
Stadt hinweg, den St. Lawrence hinauf, und landete an dem Platze, 
der jetzt Wolfe 's cove heifst. Er erstieg mit vieler Mühe die Felsen, 
und stellte dann, mit Tagesanbruche sein Heer auf den haut curs 
d" Abraham in Schlachtordnung. Um der Stadt zu Hülfe zu kom- 
men, und die Engländer von den hauteurs d' Abraham zu vertrei- 
ben , hielt der Marquis de Montcalm für nothw endig , seine starke, 
unangreifbare Position bei Montmorcnci zu verlassen, und auf einer 
Brücke, die durch einen doppelten Brückenkopf gedeckt war, über 
den Flufs St. Charles zu gehen. Nun stellte er, den Rücken ge- 
gen Quebek, seine Armee auf den Höhen in Ordnung und lieferte 
die Schlacht, deren Resultat für ihn und sein Gouvernement so 
unglücklich ausfiel. 

Die englischen Ingenieurs gebrauchen zum Bau der Casemalten 
in der Citadelle Backsteine, die in England gebrannt worden sind. 
Das Tausend dieser Steine kommt dem Gouvernement mit den 
Transport-Kosten, auf 2 Pfund 10 Schillinge zu stehen! Man sagt 
freilich , die hier im Lande gebrannten Backsteine würden in der 
hiesigen strengen Winterkälte springen; ich gestehe aber, dafs 



156 

ich einigen Zweifel habe gegen diese Besorgnifs, und dafs icfl 
glauben mochte, der Gebrauch habe einen andern Grund. 

Das Zeughaus ist ein großes, jedoch nicht bombenfestes Ge- 
bäude, in welchem über 20,000 Infanterie-Gewehre, nebst einigen 
-ehr sweckmäfsigen Wallüinten , aufbewahrt weiden. Wir sahen 
hier auch mehrere, sehr schon verzierte, doppelte und einfache, 
gezogene Büchsen, zu Geschenken für indianische Chefs be- 
nimmt. 

Die obere Stadt ist gleichfalls sehr alt und winklig; die 
Strafsen sind schmutzig und viele nicht gepllastert. Beide Städte 
enthalten zusammen gegen 25,000 Einwohner. Die katholische 
Cathedrale ist ein ganz anständiges Gebäude, mit 3 Altären und 
Gemälden von keinem grofsen Werft. Wegen des kalten Climai 
ist sie gedielt. Inwendig ist sie, so wie die englischen Kirchen, 
mit Verschlagen abgetheilt. Sie stufst an das Seminarium, ein 
altes französisches Gebäude, massiv, mit sehr dicken Mauern, und 
4 ausspringenden Ecken , wie Bastionen. In diesem Seminaria hat 
der katholische Bischof von Quebck seine Wohnung. Wir hatten 
den Bischof Plessis , in einer Gesellschaft bei Sir Francis B/nion 
schon kennen gelernt, und ihn als einen sehr feinen und gebildeten 
Mann erkannt. Er ist . der Sohn eines Fleischers aus Montreal 
und hat sich nur durch seine eigenen Verdienste empor gehoben. 
\ or einigen Jahren hat er eine Reise nach England, Frankreich 
und Italien unternommen, und ist vom Papst zum Erzbischof von 
Canada ernannt worden; das englische Gouvernement hat indefs 
bedenken getragen, diese Ernennung zu genehmigen, weil er als 
Erzbischof im canadischert Parlamente den Vorrang vor dein angli- 
canischen Bischof bekommen müfste. Wir statteten dem würdigen 
Mann unsern Besuch ab. Er empfing uns freundlich , von mehreren 
jungen Geistlichen umgeben. Sein Secretair zeigte uns das Ge- 
bände und den Garten. Die Seminaristen hatten grade Ferien, 
und es war keiner im Hause. Sie sind nicht alle für den geistlichen 
Stand bestimmt; denn die meisten angesehenen Leute hier im 
Lande lassen ihre Söhne in diesem Institut erziehen , in welchem 
sie sehr guten Unterricht bekommen sollen. Der katholische Clerus 
steht in grofsem Ansehen, und soll es auch durch seine Bildung 
und die guten Dienste, die er leistet, verdienen. Das englische 
Gouvernement hat ihm alle seine Emolumentc und Prärogativ«) 
gelassen, die er vor der Eroberung der Colonie durch die Englän- 
der besessen hatte. Defshalb ist der Clerus dem Gouvernement 
unbedingt ergeben, und übt seinen Eintlufs auf das Volk zum 



157 

Besten des Gouvernements. Im Semmario befindet sich ein physi 
kaiisches Cabinet, das jedoch nicht sehr reich ist Es hat eine 
kleine Electrisir -Maschine, ein Planetarium, eine Luftpumpe und 
eine galvanische Säule mit den dazu gehörigen Apparaten. Das 
Naturalien Cabinet ist auch nicht reich; das Beste ist eine Samm 
hing ostindischer Muscheln. Der Garten des Seminariums ist 
ziemlich grofs, und dient als Obst- und Gemüse -Garten; er dient 
auch zum Spaziergang und Gott weifs, wozu noch sonst! 

Neun INI eilen von Quebek ist der Wasserfall von Moni mor citri. 
Wir machten eine Fahrt zu demselben, von dem Obersten Duches- 
nai/ begleitet. Der Weg ging durch die parle du palais. Dieses 
ist dasselbe Thor, auf welches General Arnold , bei dem Sturm 
am letzten December 1775, seinen Angriff richtete, und bei wd 
ehern er am Beine verwundet wurde. Seine Colonne war schon in 
die Stadt gedrungen, und würde dieselbe unfehlbar erobert haben, 
wenn sein Angriff mit dem Angriffe des Generals Montgmnmery, der 
t von der Seite des St. Lawrence die untere Stadt atlaquirte, gehörig 
zusammengetroffen wäre. Dieses war jedoch nicht möglich , da 
General Montgommerv fiel, und da nach seinem Tode seine Colonne 
in Confusion gerieth und zurückging. Ein englischer Kanonier. 
der zu der einzigen, hier aufgestellten und schon verlassenen ka 
none zurückkehrte und sie abfeuerte, tödtete diesen Helden, nebst 
12 Mann, und rettete die Stadt. 

Lieber den Flufs St. Charles kamen wir auf einer Ian<ren, 
hölzernen, sehr gut gebauten Brücke, und setzten dann unsern 
Weg fort auf einer theilweise in den Felsen gehauenen Strafse, den 
Et. Lawrence betändig im Gesichte. Die Gegend ist gut angebauet ; 
mehrere Landhäuser haben aber ein sehr altertümliches Ansehen 
Eines der hübschesten gehört dem Seminario in Quebek, und dient 
den Geistlichen zum Erholungsort. Auf der Hälfte des Weares 
liegt das Dorf Beanport , bei welchem man eine sehr schöne Aus- 
sicht auf die Stadt hat, auf das rechte Ufer des St. Lawrence, auf 
die Insel Orleans und den Strom hinab. 

Am Mon&worenci-Flufs, über welchen eine hölzerne Brücke 
führt, verliefsen wir den Wagen, und gingen bis nahe an den Ein- 
(lul's des Montmorenci in den St. Lawrence. Daselbst befindet sich 
der Wasserfall , der 275 Fufs hoch ist. Die Gegend ist äufserst 
hübsch. Neben dem Wasserfalle scheint durch einen Erdlall die 
Erde versunken, oder durch das Wasser ausgewaschen zu sein: 
denn es ist hier eine enge tiefe Schlucht, in die man nur mit Schau 
dern hinabblickt. Der Wasserfall selbst besteht, bei hohem Was 



158 

ser, aus drei Fällen. Der mitteiste stürzt gerade herunter, die bci- 
dea andern kreuzen rieh aber demselben. Der trockene Sommer 
des Jahres 1885 aber, und die Anlegung eines Canals, der das 
\\ aaser des Flusses zum Treiben von Säge- und andern Mühlen 
ableitet, hatten den Flufs so sehr vermindert, dafs nur ein einziger 
der drei Fälle Wasser hatte, und dafs man anstatt der beiden an- 
dern,* nur den kahlen Felsen sah. Dieser Felsen besteht aus Thon- 
■chiefer. Bei Qucbclc und der Pointe Lern ist er Kalkstein; in Qßtm 
be/c mit kleinen diamantartigen Krystallen durchstreuet : daher hat 
das Cape Diamond seinen Namen. Der Stein vom Pointe Lern 
wird zum Bau der Häuser und der Festungswerke gebraucht; alle 
Revetements sind aus diesem Steine gemacht. Die meisten Bäume 
in der Gegend des Wasserfalls sind Cedern. Unterhalb des Was- 
serfalls, «am St. Laicrence, ist vermittelst zweier Piers ein kleiner 
Hafen angelegt worden , aus welchem , wegen der Nähe der Säge- 
mühlen , Handel mit Bietern getrieben wird. Ungefähr \\ Meilen 
oberhalb des grofsen Wasserfalls sind in demselben Flusse meh- 
rere, aufeinander folgende, Wasserfälle. Das Flufsbett ist bei 
denselben sehr eng, zwischen Felsen, die treppenförmig ausgewa- 
schen sind. Dcfshalb nennt man sie the natural steps. Sie glei- 
chen en miniature den Wasserfällen von Trenton bei Utica, und 
liegen in einem dichten Tannen-, Kiefern- und Cedern-Walde. 
Den Weg von der Brücke bleuer, und von hier nach der Strafse 
zurück, machten wir zu Fufse durch den Wald auf einem fast un- 
gebahnten Fufssteige. 

Am zweiten und letzten Tage meines Aufenthalts in Quebek 
begab ich mich noch, von den Obersten Diirnford und Ditcltesnay 
begleitet, auf die Parade. Ich wurde sehr angenehm überrascht, 
als ich die ganze Garnison unter den Waffen fand: jene Stabs-Offi- 
ziere wollten mir ihr Corps zeigen. Auf dem rechten Flügel stan- 
den 2 Compagnien Artillerie, dann kam eine Compagnic Suppeurs 
und Mineurs, hierauf das (»Hste und endlich das 71ste Infanterie- 
Regiment. Das letzte ist ein leichtes Regiment, und besteht 
aus Bergschotten; es schien in besonders gutem Stande zu sein. 
Das Regiment trägt nicht das Costüm der Hochländer, welches 
nur von den Bockpfeifern , von welchen einige sich bei demselben, 
befinden, getragen wird. Es hat ein sehr gutes Corps von Bügel- 
hörnern, und trägt sonderbare Schakots, blau, von Wolle, und 
unten weifs uhd roth gewürfelt. Die Truppen defilirten zweimal 
vor mir; dann bat ich sie, wieder einzurücken. 

Arno. September, um 6 Uhr Abends, begaben wir uns nach 



i 



159 

dem Dampfschiffe Lady Shcrbrook, auf dem wir vorgestern Abends 
angekommen waren, um wieder nach Montreal zurückzukehren. 
Sir Francis hatte seinen Wagen geschickt, den unsere beiden Damen, 
die Ladies Grymes und Cläre benutzten. Am Quai stand eine Com 
pagnie vom t>8. Reginiente mit der Fahne aufmarschirt als Eh 
renwache, die ich sogleich entliefs; die Festung grüfste mit 2) 
Schüssen, welche in den Bergen ein schönes Echo hervorriefen. 
Bald nachher setzte sich das Schiff in Bewegung. Zugleich brach 
die Nacht ein; wir hatten indefs doch noch Licht genug gehabt. 
um bei Tage von der herrlichen Gegend, in der Qucbck liegt, Ab- 
schied zu nehmen. 

Strom aufwärts ging die Reise natürlich langsamer, als sie 
Strom abwärts gegangen war. Glücklicher Weise half uns, wäh- 
rend der Nacht , die erste Fluth über die rapids de Richelieu hin- 
weg. Bei trois riw'eres hielten wir am Morgen an, um Holz ein- 
zunehmen. Alsdann ging es langsam weiter. Ich benutzte die Mu- 
fse , um zu schreiben , wurde aber oft unterbrochen. Auf diesem 
Schiffe nämlich nimmt man täglich 4 Mahlzeiten ein , und jedes Mal 
vertrieb man mich von meinem Schreibplatze. Früh 7 Uhr wird 
zum Aufstehen und Anziehen geklingelt; um 8 Uhr wird gefrüh- 
stückt: Thee und Kaffee , Bratwurst und Schinken, Beefsteak und 
Eier; um 12 Uhr wird der luncheon genommen; um 4 Uhr >\ird 
dinii t ; um 8 Uhr wird Thee getrunken; und zu jeder Mahlzeit wird 
der Tisch zuweilen eine Stunde vorher gedeckt. Das Wetter war 
den ganzen Tag über trübe, und wurde gegen Abend regnerisch; 
es regnete die ganze Nacht hindurch. 

Bei Sorcl , oder William Henry, legten wir Nachmittags an, 
um Passagiere abzusetzen, und Holz einzunehmen. Dieser Ort 
liegt am Zusammenflusse des Sorel oder Richelieu, des einzigen 
Ausflusses vom Champlain-See, mit dem St. Lawrence , am rech- 
ten Ufer beider Ströme. Die Franzosen hatten hier ein Fort ange- 
legt, das noch steht, wenn anders die mit schlechten Palissaden um- 
gebenen Baracken und Gouvernementsmagazine den Namen eines 
Forts verdienen. Der Ort selbst ist im Jahre 1785 von amerikani 
sehen sogenannten Loyalisten und abgedankten Soldaten angelegt 
worden: er enthält 2 Kirchen, und in ungefähr 100 Häusern 600 
Einwohner, deren Häuser, meistens hölzerne, sehr einzeln in Stra- 
fsen stehen, die sich in rechten Winkeln durchschneiden, und ei- 
nen grofsen Platz umgeben. Er ist auf einen sandigen Grund ge 
baut, und hat ein ärmliches Ansehen. Ueberhaupt haben die Ort- 
schaften in Canada , in Vergleich mit den Ortschaften in den V. St.. 



. 160 

ein ärmliches aussehen . und werden wohl auch niemals in einen 
so caten Zustand kommen, als diese; denn die Ansiedler in Ca- 
nada sind grofstes Theiles arme Schotten und [rländer, die auf Ko- 
sten des Gouvernements herauskommen, Land erhalten, und un- 
ter den Druck des Feudalwesens gestellt werden, das alles \ul" 
streben niederhält; Auswanderer hingegen, die etwas zuzusetzen 
haben, und Unternehmungsgeist besitzen, siedeln sich lieber in 
den V. St. an, wo Nichts sie niederdrückt, wo vielmehr Alles zu 
ihrer Erhebung beiträgt. *••* *S*f V 

Tm Fort Sorel stand ein Detaschement vom 70. Regiment, 
von einem Sergeanten commandirt, in Garnison; ein Artillerie 
Detaschement, das Artillerie-Requisiten in einer Schaluppe nach 
Montreal transportiren sollte, band diese Schaluppe an unser 
Dampfschiff an und kam zu uns an Bord. Die Kanoniers waren 
meistens betrunken. Gegen Abend erfuhren wir zu unserm nicht 
geringen Schrecken, dafs in dem Kahn 3 Kisten mit Schiefspulver 
wären. Die Gefahr war um so gröfser, da aus dem Schlot der 
Dampfmaschine beständig Funken herausflogen, die der Wind 
nach der Schaluppe hintrieb. Ich war einer der Ersten, an wel- 
chen diese Kunde kam ; und sogleich machte ich Lärm. Die ganze 
Reisegesellschaft stimmte ein und veranlafste den Capitain, wäh- 
rend der regnichten und stürmischen Nacht, den Zeughausbeamte- 
len mit 3 der am wenigsten betrunkenen Kanoniers in die Scha- 
luppe auszusetzen, und vom Schiffe zu entfernen. Die Nacht war 
übrigens so dunkel, dafs der Anker ausgeworfen werden mufste, 
und dafs wir gezwungen wurden , die ganze Nacht über liegen zu 
bleiben. 

Am andern Morgen war das Wetter noch immer trübe und reg - 
nicht. Der Strom war äuJberst stark; auch wehete uns der Wind 
gerade entgegen. Die Maschine war zu schwach, um uns \<>r- 
wärls zu treiben; wir behielten daher Montreal über 3 Stunden im 
Gesicht, ohne die Stadt erreichen zu können; besonders war der 
Strom zwischen Montreal und der Insel St. Helene so stark, dafs 
wir trotz der Maschine rückwärts getrieben wurden. Endlich mufs- 
ten 6 Ochsen und 2 Pferde vorgespannt werden; und mit diesem 
Gespann zogen noch 10 Menschen. Die Lady Sherbrook ist aber 
auch eins der ältesten Dampfschiffe auf dem St. Lawrence, und 
der Capitain selbst gestand, sie sei so verfault, dafs sie keiner Re- 
paratur mehr Werth sei, und wohl nächstens demolirt werden würde. 
Gegen 4 Uhr Nachmittags, nachdem wir 46 Stunden zu einer Reise 
gebraucht hatten, die Strom abwärts in 26 Stunden zurückgelegt 



161 

war, stiegen wir in Montreal ans Land. Die Batterie auf der Insel 
St. Helene grüfste mit 21 Schüssen. Wir bezogen wieder unser 
altes Quartier in der Masonic hall. Die erste Nachricht, die wir 
erhielten, war: dafs gestern Vormittags 50 Häuser in einer Vorstadt 
abgebrannt seien, und dafs dieses Unglück die ärmsten Einwohner 
der Stadt, deren Häuser nur selten versichert wären, betrofien 
habe. 

Ein Herr Bingham aus Philadelphia, der hier eine sehr reich* 
Erbin geheirathet hat, und um zu ihrem Besitze zu gelangen, ka- 
tholisch geworden ist, gab heute, dem ersten Geburtstage seiner 
einzigen Tochter zu Ehren, einen Ball, und hatte die Aufmerk- 
samkeit, unsere Gesellschaft dazu einzuladen. Wir nahmen die Ein- 
ladung an, und fuhren um 9 Uhr zum Balle. Der Mann war 24 und 
seine Frau 19 Jahr alt Er hat viele Freunde; denn er besitzt ei- 
nen sehr guten Keller, und hat das Talent, sein Geld gehörig un- 
ter die Leute zu bringen. Wir fanden in seinen, reich und ge- 
schmackvoll meublirten Salons die ganze schöne Welt von Montreal 
versammelt. Man tanzte meistens französische Contre-Tänze, auch 
sogenannte spanische Tänze. Zu den Contre-Tänzen hatte man 
langweilige schottische Melodien adoptirt, den Offizieren vom 
70. Regiment zu Ehren, welches die jeuncs gens par excellence 
hiesiger Stadt sind; zu den spanischen Tänzen spielte man deut- 
sche Walzer. Die einheimischen Damen sprachen sämmtlich. un- 
sere junge hübsche Wirthin nicht ausgenommen, das hiesige 
schlechte Französische. Mir fiel eine Mifs Er?natiqger auf, die 
Tochter eines Schweizers, und einer Indianerin, wegen ihres al- 
lerdings sonderbaren , aber recht hübschen , indianischen Gesichtes. 
Sie war am geschmackvollsten angezogen, und tanzte recht gut. 
Der Ball war überhaupt äufserst animirt. Uebrigens herrschte bei 
Herrn Bingham, der ein Bruder der Frau des Banquier Baring in 
London ist, welche bekanntlich ihren Mann verlassen hat, ein sehr 
grofser Luxus, besonders an Silberwerk und Krystall. 



Reise von Montreal nach New-Yorl. Islc aux noix. Lake 

* 

Clmmpl La ,r g € < Wasserfälle des Hudson: 

Glenn Bädei von Saratoga. Schlachtfeld von 

Saratoga. Shaher-Colonie in Nem-Lebanon. 

Militair-Schule in Westpoint. 

\ow 9. bis 19. September 1«25. 



Bei der schon sehr vorgerückten Jahreszeit wünschte ich so- 
bald als möglich nach New- York zu kommen. Wir fafsten also den 
lintsehlufs, alsobald abzureisen, uns nach dem See Champtain zu 
begeben, bis an das südliche Ende desselben, alsdann nach Sara- 
loga und Albany zu gehen , und weiter den Hudson hinab nach 
New- }ork; unterwegs jedoch die Kattsh ///-Gebirge zu besteigen, 
und die berühmte Militair-Schule von JVestpoint zu besehen. 

Mit dieser Absicht bestiegen wir, Freitags den 9. September, 
an einem sehr schönen Morgen, das Dampfschiff Montreal,, das 
als Fähre zwischen Montreal und dein rechten Ufer des Stromes 
dient. Der Oberst-Lieutenant Mac Gregor und der Major Loring 
begleiteten uns bis an Bord. In einer halben Stunde befanden 
wir uns am andern Ufer. Wir stiegen bei dem Dorfe Longueuil 
ans Land. Daselbst »arteten Stage coaches, die uns und unsere 
Bagage nach St. Joint bringen sollten, am Flusse Richelieu, angeb- 
lich 27 Meilen von Longueuil gelegen. Der Weg ging, mehrere 
Meilen lang, am Ufer des St, Lawrence hin, bis zu dem Dorfe la 
Prairie. In diesem Dorfe nahmen wir Abschied von dieser herrli- 
chen Gegend und dem majestätischen Strome, der uns so lange ge- 
lragen, an dessen Ufer wir so lange und gröfstes Theiles sehr an- 
genehm verweilt hatten. Der Weg führte durch eine ebene, nur 
wenig mit Holz bewachsene und mittelmäfsig angebaute Gegend; 
wir trafen nur das einzige Dorf Savane. Hier und da bemerkten 



163 

wir Anpflanzungen von Lerchenbäumen. Gegen halb 2 Uhr Nach- 
mittags erreichten wir das Dorf St. John, nachdem wir ungefähr 
eine Meile vorher an den Flufs Richelieu gekommen Maren. Hier 
schifften Mir uns auf dem Dampfschiffe Phenix ein, einem ameri- 
kanischen Fahrzeug, um mit demselben nach Wtitchall zu fah- 
ren. Das Schiff führt den Namen Phönix mit Recht; denn das 
Schiff, an dessen Stelle es getreten ist, hatte denselben Namen, 
und verbrannte vor einigen Jahren auf dem Cha?nplain-See. Diese 
schreckliche Catastrophe ist auch in Europa bekannt geworden, 
und Mifs Wright und das Morgenblatt haben zu jener Zeit ausführ- 
liche Beschreibungen von derselben gegeben. Der neue Phenix 
Iwar bequem und reinlich, 120 Fufs lang, mit einer Maschine, 
»velche die Kraft von 46 Pferden hatte. Die beiden Ufer des 
Flusses wurden sehr Maldig. Zehn Meilen oberhalb St. Johns er- 
reichten wir eine Insel, hie aux noix, der letzte englische be- 
festigte Posten am Lake Champlain. Der Capitata hatte die Ge- 
fälligkeit, eine Zeitlang anzuhalten, damit ich diese Insel und ihre 
Festungswerke besehen konnte. 

Isle aux noix enthält gegen 90 Acker, und ist sehr flach und 
morastig. Das Fort, dem verstorbenen Herzog von Richmond 
zu Ehren, Fort Lenox genannt, besteht aus einem regulären 
Viereck mit 4 Bastionen und 2 Ravelins, nach Vaubans erstem 

! System angelegt. Wegen des morastigen Grundes Mar das Fort, 
das hier früher gestanden, fast ganz eingestürzt. Das Revetement 
ist ein halbes und besteht, soM'ohl das der Escarpe, als das 
der Contre-Escarpe , aus Holz. Der ganz untere Wall besteht aus 
horizontal über einander gelegten Baum-, meistens Ceder-Stämmen, 
und nur die das Revetement ausmachenden Baumstämme stehen 
aufrecht. Auf die horizontal liegenden Stämme ist die Erde auf- 
geschüttet und festgestampft. 








Die Ingenieurs glauben, dieses kostspielige Werk werde 
jlreifsig Jahre aushalten. Ich möchte indefs glauben, man hätte 
besser gethan, Menn man einen Grund von eingerammten Baum- 

L 2 



164 

stammen gemacht, auf denselben einen Rost gelegt, und dann ein 
Werk mit einem guten steinernen Revetement, oder noch besser, 
mit Gewölben cn fleckarge, gebaut hätte. Die, ebenfalls auf Holz 
l>a>iiten, beiden Ravelins, liegen vor der nördlichen und südlichen 
Front. Unter die Courtine der östlichen Front baut man Case- 
matten für die Garnison. Neben dem Thor sind kleine Magazine 
im »all angebracht, und im Innern des Forts steht das Wacht- 
haus, welches zugleich das Gefängnifs enthält. Das Erdgeschofs 
dieses, so wie der wenigen im Fort stehenden Gebäude, ist bom- 
benfest. Die Gebäude sind von einem blauen Kalkstein aufgeführt, 
der aus dem Staate Vermont kommt. Ein palissadirter bedeckter 
Weg umhiebt das Fort; ich bemerkte hier Palissaden, die man 
rückwärts niederschlagen kann, um die Ausfälle zu begünstigen. 
Bei der Besichtigung dieses Werks begleitete mich der Capitain 
Keed vom 70. Regiment, der hier mit seiner Compagnie auf ein 
Jahr in Garnison stand, und Commandant war, so wie auch die 
2 hier anwesenden Ingenieur-Offiziere. Nördlich vom Fort steht 
der Jiavy yard, noch in demselben Zustand, in welchem er sich 
zur Zeit des Genter Friedensschlusses befand. Gegen 12 Kano- 
nier-Böte befanden sich unter Dächern, und auf dem Stapel ver- 
fault seit jener Zeit der Kiel und das Gerippe einer Fregatte von 
36 Kanonen, Chavqilain genannt. Hinter dem Schiffsbauplatz ist 
ein Magazin für die Marine-Bedürfnisse und die AVohngebäude der 
Offiziere, Beamteten und Arbeiter vom Werfte. Die beiden Arme 
des Stromes, welche die Insel vom festen Lande trennen, sind 
ziemlich schmal, und die Ufer dicht mit Wald bewachsen. 

Eilf Meilen oberhalb hie aux noix verliefsen wir Canada , und 
befanden uns wieder auf dem Grundgebiete der V. St Auf dem 
Puncto, wo der Flufs Sorel den See Ckamplain verläfst, und wo 
wir in diesen hineinfuhren { hat das amerikanische Gouvernement 
ein Fort angelegt, Hous's point genannt, au:> einem casemattirten 
defensiven Thurme bestehend, der, soviel ich im Vorbeifahren be- 
urtheilen konnte, zweckmäfsig und wenig kostspielig angelegt zu 
sein scheint. Dieser Thurm beherrscht vollkommen die Communi- 
cation zwischen dem See und dem Flusse Sorel, und die Besatzung 
hat, da die Stücke alle in Casematten stehen, das feindliche Infan- 
terie- und verticale Feuer wenig zu befürchten. Das Fort steht 
auf einem Vorgebirge. Da nach dem Genter Friedensschlüsse der 
45. Grad nördlicher Breite zwischen dem Staate Maine und dem 
St. Lawrence zur Grenze zwischen den V. St. und Canada bestimmt 
ist, und da zu dessen Vollziehung die beiderseitigen Commissarien 



165 — ♦— 

mehrere Orte astronomisch bestimmt haben : so hat man entdeckt, 
dafs dieses Fort zwar gar wenig, aber doch etwas nördlicher liegt, 
als 45°, und folglich auf der eanadischen Seite. Der Champlain- 
See erscheint nirgends breiter, als höchstens 6 Meilen, und enthält 
mehrere grofse Inseln. Das Ufer zu unserer Rechten, zum Staate 
New -York gehörend, zeigte sich ziemlich tlach und waldig; das 
andere gehört zum Staate Vermont und ist bergiger. Die einbre- 
chende Nacht machte unmöglich, dafs wir uns der schönen Gegend 
erfreueten. Zu meinem Bedauern mufste ich auch Versieht darauf 
leisten, das Schlachtfeld von Plaltsburg/i (aus dem Jahre 1814), 
bei welcher Stadt das Schiff während der Nacht einen kurzen Auf- 
enthalt machte, zu besehen. An der Glänze kamen amerikanische 
Zollbeamtete an Bord; jedoch fragte Keiner nach unsrer Bagage; 
und das war mir allerdings eine neue, nicht unangenehme Er- 
scheinung. 

ö * 

In derselben Nacht wurde bei Burlington im Staate Vermonl 
angehalten, und die Familie Grymes verlieft uns, um von hier 
nach Boston ZU reisen. In New -York hoffe ich diese Familie, die 
mir äufserst werth geworden war, in 14 Tagen wieder zutreffen. 
Gegen Morgen kamen wir an den Ruinen vom Fort Crownpoint 
vorbei, die auf einem Berge liegen. Der See wird sehr eng und 
gleicht mehr einem Flusse. Die Ufer meistens mit Laub -, hin und 
>vieder auch mit Fichten - und Kiefernholz bewachsen , sind hüglig, 
und gewähren einen erfreulichen Anblick. Bei dem Dorfe Shorc/tam, 
12 Meilen oberhalb Crownpoint , auf dem östlichen Ufer — Staat 
Vermont — gelegen, verüefsen wir den Phenix, der seine Reise 
gegen 20 Meilen weiter, bis Wliit ehalt. , der südlichen Spitze vom 
Champlain-See, fortsetzte, und stiegen ans Land, um den Lake 
George, der wegen seiner romantischen Lage und Ufer berühmt 
ist, zu sehen. Sir Michael und Lady Cläre blieben bei uns, und 
wollten sich erst in Albanif von uns trennen, um nach Boston zu 
reisen. Als ein schwacher Ersatz für den Verlust der Familie 
Grijmes schlofs sich von hier bis Albantf ein Herr Schoemaker an, 
nebst seiner Frau , aus Philadelphia. Diese Leute waren Quäker, 
die jedoch das auffallende Costüme ihrer Secte abgelegt hatten. 

An dem Wirthshause von Shoreham befindet sich ein Aus- und 
Einladungsplatz für Schiffe, die vielen Gyps und blaue Kalksteine 
zum Bauen nach Canada transportiren. Unter den Steinen am 
Ufer des Sce's fanden wir mehrere, dem Anschein nach, sehr 
reichhaltige Eisensteine, die man in Vermont häufig antreffen soll 
Im Wirthshause befand sich ein ältliches Frauenzimmer vom Mittel- 



166 

stände, das Tabak rauchte, und man sagte, diese Gewohnheit sei 
hierbei ältlichen Weibern ziemlich gemein. Ueber den See setzten 
Wir in einer Führe. Wir landeten am andern Ufer — die lieber- 
fahrt betragt kaum eine halbe Meile — nicht weit von den Ruinen 
des Parts Ticonderoga. Dieses ist ein altes französisches Fort, auf 
der Anhöhe eines Vorgebirges gelegen, das die Schiffahrt auf dem 
See beherrscht. Aus den Ruinen sahen wir, dafs es ein Viereck 
mit 4 kleinen Bastionen und 3 Ravelins Mar, die Escarpe und die 
Contre-Escarpe mit starkem Mauerwerke revetirt; die Bastionen 
casemattirt, so wie auch die Courtine der östlichen Front. Im Fort 
hatten mehrere massive Gebäude gestanden , so dafs es sehr wenig 
Raum gehabt haben mufs. Gegen 300 Schritt östlich vom Fort 
auf der äufsern Landspitze stand eine fünfeckige kleine Redoute, 
die mit dem Fort vermittelst einer Caponiere communicirte. Das 
Vorgebirge hängt mit dem festen Lande — Staat New -York — 
durch eine Landenge zusammen, welche durch ein, von Erde auf- 
geworfenes, Kronwerk abgeschnitten war. Die Höhe, auf welcher 
dieses Kronwerk liegt, dominirt einigermafsen das Fort, und es 
scheint hier ein verschanztes Lager errichtet gewesen zu sein. 
Zwischen dem Fort und dem Kronwerke bemerkten wir die Ueber- 
bleibsel von 2 viereckigen Redouten. Auf demselben Ufer südlich 
vom Fort , doch von diesem durch eine Bucht des See's getrennt, 
liegt der Mont Defiance, welcher das Fort beträchtlich dominirt, 
und von welchem aus im Juli 1777 die Engländer unter • General 
Burgoync das Fort beschossen, das von den Amerikanern, unter 
General St. Clair , nur zu schnell geräumt wurde. Auf dem öst- 
lichen Ufer des See's, Ticonderoga gegenüber, liegt ein' anderer 
Berg, Mount Independcnce , von derselben Höhe als das Fort, auf 
welchem damals die Amerikaner Werke angelegt hatten, unter 
deren Schutze sie nach der Räumung des Forts den See passirten. 
Dieses ist später von den Engländern zerstöret worden. Im Juli 
1758 , als das Fort noch den Franzosen gehörte , griffen die Eng- 
länder dasselbe an, wurden aber mit einem Verluste von 1800 
Mann zurückgeschlagen. 

Von Ticonderoga fuhren wir in einer Stage 3 Meilen weit bis 
zum Lake George in einer sehr bergigen Gegend. Das Niveau 
dieses See's ist gegen 300 Fufs höher als das des Champlain-Sees ; 
der Bach, der aus dem ersten See in den andern ßiefst, bildet 
daher eine Folge kleiner Cascaden, treibt jedoch auch mehrere 
Sägemühlen. Den Lake George erreichten wir an seiner nördlichen 
Spitze. Wir schifften uns ein an Bord des bereit liegenden Dampf- 



■ 167 

schiffes the Mountaineer, 90 Fufs lang, mit einer Maschinen-Kraft 
von 16 Pferden. 

Der Lake George gleicht den Schottischen Seen. Er ist 36 
Meilen lang, und nirgends über 5 Meilen breit. Die Ufer sind 
sehr bergig, die Anhöhen alle mit Wald bedeckt, keine, wie mir 
schien, über 800 Fufs hoch. Im See viele Inseln, meistens mit 
Holz bewachsen. Eine einzige, Diamond island — wegen der 
schönen Kryslalle, die man auf derselben findet — ist bewohnt. 
Die Bewohner bestellen in einer einzigen indischen Familie, die in 
einem kleinen Hause lebt und sich Tom Suchen und Verkaufen der 
Krystalle nährt. Gegen 5 Uhr Abends erreichten wir die südliche 
Spitze des Sees. Die Gegend ist sehr schön. Einer der hohen 
Berge, die sich unmittelbar aus dem See steil erheben, heifst 
Rodgers rock, nach einem amerikanischen Capitaine Rodgers, der 
im Revolutionskriege, von Indianern hart verfolgt, auf die Spitze 
dieses Felsens flüchtete, und, im strengen Winter von der Gefahr 
gedrängt, auf der glatten Fläche nach dem gefrornen See glück- 
lich hinabrutschtc. Ortschaften sieht man nicht: nur wenige ein- 
zelne Häuser stehen an den Ufern des See's. An dem südlichen 
Ende aber liegt das Dorf Caldwell, ein neuer Ort, vor ungefähr 
20 Jahren gegründet, der aufser einem recht guten und grofsen 
Wirthshaus, in welchem wir unsere Wohnung nahmen, mehrere 
nette Häuser zählt. In früheren Zeiten stand hier am See ein 
englisches Fort, William Henry , welches, nach seinen wenigen 
Ueberbleibseln zu urtheilen, eine von Erde aufgeworfene, vier- 
eckige Redoute gewesen sein mufs. Es war im Jahr 1755 auf 
Befehl von Sir William Johnstone , der die englische Armee in der 
damaligen Colonie New- York befehligte , angelegt worden , nach- 
dem er am 8. September desselben Jahres ein französisches Corps, 
das aus Ticonderoga gekommen Mar, um sein in der Gegend des 
Forts campirendes Corps zu überfallen, gänzlich geschlagen hatte. 
Der französische General, Baron Dieskau, hatte bei dieser Gele- 
genheit sein Leben verloren. Im folgenden Jahre jedoch kam 
der Marquis de Montcalm mit einem starkem Corps, und eroberte 
das Fort. Der englischen Garnison wurde freier Abzug zugestan- 
den; beim Ausmarsch wurde sie aber von den Indianern auf eine 
schändliche Weise überfallen und gutes Theiles niedergemacht. 
Der Marquis de Montcalm liefs nach der Eroberung das Fort 
schleifen. Nicht weit von dieser Stelle , in einer höhern Lage, auf 
einem felsigen Boden , legten später die Engländer ein neues Fort 
an. Fort George genannt , das bei der verunglückten Expedition 



168 

des Generals Bourgoyne im Jahr 1777 seiner Armee zum Depot und 
Magazin diente, bis er zu weit vorrückte und alsdann vom Fort 
abgeschnitten wurde. Von diesem Fort sieht man noch deutlich die 
Ruinen. Es war eine stark gemauerte, viereckige Redoute, deren 
Eingang durch eine kleine Flesche gedeckt Mar. Es liegt in einer 
vortlieilhaften Lage, beherrscht das ganze südliche Ufer des See's 
und einen grofsen Theil der umliegenden Gegend , steht, wie schon 
gesagt, auf einem felsigen Grund, und ist von einer Seite durch 
einen Morast gedeckt. Nur östlich wird es von einem hohen Berge, 
der jedoch ziemlich entfernt ist, beherrscht. Wenn das amerika- 
nische Gouvernement sich entschlösse, Crown point und Ticon- 
deroga wieder herzustellen, so könnte besonders der letztere Ort, 
durch Befestigung der Berge Deßance und Indcpendence, einllaupt- 
waffenplatz werden; er könnte grofse Depots in sich fassen, als 
verschanztes Lager dienen und von einer geringen Garnison nach- 
drücklich vertheidigt Meiden. Von hier aus könnte man Flotten 
ausrüsten, um den Champlain-See zu beherrschen, und eine Ex- 
pedition gegen die Isle aux noix und gegen Canada zu organisiren. 
Eine gute Strafse müfste freilich von Ticonderoga nach der nörd- 
lichen Spitze vom Lake George, 3 Meilen weit, führen, und hier 
müfste der Einschiffungsplatz durch ein Fort gedeckt sein. Auf 
dem Platz der Ruinen von Fort George müfste ebenfalls ein neues 
Fort angelegt werden. Zwischen diesem Fort und dem Fort 
William Henry, ist ein gutes Local zur Anlegung eines Schiffs- 
werftes. Die Communication zwischen Ticonderoga und den V. St. 
MÜrde alsdann gut und zwiefach gedeckt sein, durch die südliche 
Spitze vom Lake C/ia/nplain , von WhitehaU aus, und durch den 
Lake George. Die Engländer, wenn sie von dieser Seite aus die 
V. St. angreifen wollten , müfsten zuverlässig viele Kräfte aufwen- 
den, und könnten keinen Schritt vorwärts thun, ohne sich von 
Ticonderoga Meister gemacht zu haben. 

Wir verliefsen Caldirell am folgenden Tage, den 11. Septem- 
ber um 8 Uhr, in zwei ziemlich schlechten Wagen, und begaben 
uns auf einem höchst uninteressanten , tiefen, sandigen Wege, der 
grofstes Theiles durch eine hüglige, mit Nadelholz bewachsene 
Gegend fühlte, nach den Bädern von Saratoga, Saratoga Springs 
genannt, Mohin während des Sommers die ganze fashionable Welt 
ans den V. St. wallfahret: denn die fashionables haben hier die 
Manie, gesund oder krank, des Sommers nach den Bädern zu 
reisen, eben so stark, als in andern Ländern. Die Entfernung 
betrügt 27 Meilen. Auf dieser Fahrt bot sich uns nur ein einziger 






169 



interessanter Punct dar : die Wasserfälle des Z/i/cZson-FIusses , den 
wir bei Albany verlassen hatten , und den wir 9 Meilen von Caldwell, 
von Westen herkommend, wieder erreichten. 

Diese Wasserfälle sind unter dem Namen der Glennfalls be- 
kannt. In ihrer Nähe steht an den felsigen Ufern des Flusses ein 
Dorf gleiches Namens. Ueber den Flufs kommt man auf einer 
hölzernen Brücke, die ein Hängewerk ist. Die Bogen entspringen 
aus Pfeilern von grofsen Balken, welche, wie bei mir zu Lande 
die Hölzer zu einem Meisenkasten, übereinander gelegt sind. Man 
könnte daher der Brücke den Namen einer Vogelbauer-Brücke 
geben. Diese Vogelbauer ruhen auf einem Grunde von Kalkstein, 
welcher den Hudson quer durchschneidet, und dann weiter geht. 
Er ist in dieser sandigen Gegend eine wirklich auffallende Erschei- 
nung. Oberhalb der Brücke ist der Flufs 160 yards breit und wird 
von einem Wehr durchschnitten , das das Wasser nach Sägemühlen 
treibt, die längs des Ufers liegen. Ein einzelner Felsen, auf dem 
ebenfalls eine Sägemühle steht, theilt den Hauptfall, der 40 Fufs 
hoch ist , in zwei Theile. Es befinden sich aber sowohl oberhalb, 
als unterhalb der Hauptfälle, eine Menge kleinerer Fälle, welchen 
wir uns, da das Wasser sehr niedrig war, bequem nähern konnten. 
Diese Fälle gehören allerdings nicht zu den gröfsten , aber doch 
zu den schönsten , die ich gesehen habe. Sie verursachen vielen 
Wasserstaub ; und da die Sonne heute besonders schön schien , so 
bildete sie in demselben mehrere Regenbogen zu gleicher Zeit. 
In dem Felsen bemerkten wir auch hier, wie am Niagara, einige 
sonderbare, tiefe Aushöhlungen. Sie entstehen durch die in dem 
Kalkfelsen zerstreuten Feuersteine, welche von der Gewalt des 
Wassers losgewaschen werden. Wenn nun diese Feuersteine einen 
Widerstand finden, oder wenn sie in eine kleine Vertiefung gera- 
then, so Meiden sie von der Gewalt des herabstürzenden Wassers 
beständi«; im Kreise herumgetrieben und reiben dann nach und 
nach die tiefen Löcher in den weicheren Kalkfelsen ein. An der 
Basis der kleinen Insel, welche den Hauptfall in zwei Theile schei- 
det, befindet sich unterhalb der Fälle eine sonderbare Höhle, durch 
welche man unter dem Felsen hinweg gehen kann; ohne Zweifel 
ilt auch diese Höhle vom Wasser ausgewaschen. Die Sägemühlen, 
alle von Holz, sind sehr kühn über (Jen Wasserfall gebaut, und 
sehen dabei meistens so baufällig aus, dafs man fürchtet, sie dürften 
bald in den Abgrund hinabstürzen. Oberhalb der Glennsfalls ist 
der Hudson theilweise schiffbar, und 2 Meilen oberhalb dieser 
Fälle hat man einen schiffbaren Canal herausgeleitet, der mit 13 



170 

Schleusen versehen, 7 Meilen nördlich vom Hudson läuft und sich 
dann mit dem Chawplain-Can&l vereinigt. 

In Saraloga Springs kamen wir nach 2 Uhr Nachmittags an, 
und stiegen ab in dem grofsen Wirthshause Congrefs hau. Die 
meiste Badegesellschaft war schon abgereiset; wir fanden nur 
etwa 40 Personen vor, und unter ihnen den Gouverneur des Staates 
New -York, den berühmten De Witt Clinton, welchen die öffent- 
liche Meinung in diesem Staate bei der nächsten Wahl zum Präsi- 
denten der V. St. bestimmt. Ich liefs mich sogleich Sr. Excellenz 
vorstellen, und wurde von diesem grofsen Staatsmanne sehr gut 
empfangen. 

Das Wasser der Quellen ist kalt , hat einen ziemlich salzigen 
Geschmack, und schmeckt stärker, als das Egerwasser. Es soll 
besonders wirksam für die Stärkung der Eingeweide sein. Als die 
ganze hiesige Gegend noch Wald , meistens von Indianern und nur 
sparsam von Weifsen bewohnt war, kannten die Indianer die Heil- 
kräfte dieses Wassers; aber nur eine Quelle, jetzt high rock spring 
genannt, war entdeckt. Sie führten den oben erwähnten Sir 
William Johnstone, der von den Indianern sehr geliebt wurde un<J 
kränklich war , zu dieser Quelle. Durch das Trinken des Wassers 
erlangte er seine Gesundheit wieder, und so wurde diese Heilquelle 
bekannt. Es ist nicht über 12 Jahr , dafs man angefangen hat , das 
Holz auszuhauen und Häuser anzubauen; jetzt bilden mehr als 
hundert, meistens aus Holz gebaut, eine Strafse. Die meisten 
Häuser sind zur Aufnahme von Fremden eingerichtet. Die 4 gröfs- 
ten Hotels sind: Congrefs hall, Union hall, the Pavillon und thc 
United statcs hdtcl, letzteres von Backsteinen, die anderen von 
Holz gebaut. Nur die Congrefs hall war noch offen, alle anderen 
Hotels waren seit dem 1. September geschlossen, da die Fröste 
schon begonnen hatten. Das Hotel ist zur Aufnahme von 200 
Fremden eingerichtet. Abends versammelt man sich in den grofsen 
Sälen im Erdgeschosse, um diese Jahreszeit leider schon am Ca- 
minfeuer, macht Musik, tanzt, oder macht eine Partie. Hasard- 
spiele sind durch die Gesetze des Staates sehr streng verböte* 
Ueberhaupt ist in den V. St. die allgemeine, öffentliche Meinung 
sehr gegen die Hazardspiele. Man erzählte mir, in einem Bad m 
Pensylvanien seien einst aus verschiedenen Gegenden der V. St. 
drei sehr anständige junge Leute angekommen. Man habe sie 
Anfangs sehr gut behandelt, habe aber in der Folge gefunden, sie 
seien Spieler. Und augenblicklich habe man allen Verkehr mit 



171 

ihnen auf eine so auffallende Weise abgebrochen, dafs sie genö- 
thiget gewesen seien , das Bad zu verlassen. 

Die verschiedenen Quellen , welche nicht weit von einander in 
demselben Thal, in einem morastigen Wiesengrunde liegen, heifsen 
Hamilton, Congrejs, Colwnbia^ Fiatrock, Mitnroe, high rocA", 
President und red spring. Das Wasser wird vorzugsweise getrun- 
ken ; doch sind auch Bäder eingerichtet. High rock spring quillt 
aus einem 5 Fufs hohen, conischen, weifsen Kalkfelsen, in welchem 
oben eine runde Oeffnung ist, gegen 9 Zoll im Durchmesser, 
durch welche man das Wasser in der Quelle in einer beständigen 
Wallung erblickt. Es entwickelt sich auf seiner Oberfläche eine so 
grofse Menge fixer Luft, dafs ein Thier, welches man hineinhält, 
— wie in der Hundsgrotte bei Neapel — nicht über eine halbe 
Minute leben kann. Herr Scltoemaker streckte seinen Kopf über 
die Oeffnung; er hatte ihn mit einem Schnupftuch bedeckt, und 
fuhr dennoch sogleich halb ohnmächtig zurück ; auch behielt er 
von diesem Experiment mehrere Tage lang einen bösen trocknen 
Husten. Die Gegend um Saratoga Springs hat durchaus Nichts 
Anziehendes. Promenaden sind noch nicht aagelegt. Die einzige 
Annehmlichkeit mufs man hier in der Gesellschaft suchen. >- or 
der Congrefs hall ist eine grofse piazza, an deren Säulen wilder 
Wein sich fast bis zum Dache hinaufrankt. Den Abend brachte ich 
im untern Gesellschaftszimmer am Camine zu mit dem Gouverneur 
und einem Herrn Schley , aus dem Staate Maryland, in sehr ange- 
nehmen und interessanten Gesprächen. Wahrscheinlich war der 
Sonntag die Ursache, dafs die anwesenden Damen keine Musik 
machten. 

Der Gouverneur hatte die Güte, mir ein Paar Empfehlungs- 
briefe für New -York, und einen Introductions-Brief für die Sha- 
kers in New-Lebanon zu geben. Mit diesen Briefen ausgerüstet 
verliefsen w.ir am 12. September um 9 Uhr in einer bequemen Stagc 
die Saratoga Springs, um nach Albany zu gehen, 36 Meilen weit. 
^4" fuhren durch eine häfsliche, sandige Gebend. Die Einförmig- 
keit wurde indefs sehr angenehm unterbrochen durch den Saratoga 
lake, einen Landsee, der gegen 8 Meilen lang ist. Bei dem Dorfe 
^ml water erreichten wir den Hudsoti-F\u(s. Nicht weit von dem- 
selben läuft der neue, mit dem £r»e-Canal zugleich angelegte, aber 
noch nicht ganz vollendete Champlain-Canul , dessen ich bei meiner 
Fahrt von Jlbany nach Schencctady bereits gedacht habe. Wir 
besuchten bei Stillwater die zwei Schlachtfelder von Freemans form 
und Berms's hights, die am 19. Septbr. und 7. October 1777 be 



172 

rühmt geworden sind. Bekanntlich fanden diese Affairen bei der 
Expedition des Generals Bourgoyne Statt. Sie endigten mit der 
Gefangennehmung des ganzen Corps dieses Generals, zu welchem 
auch die Braunschweigischen Truppen unter dem General von 
Riedesel gehörten , bei Saratoga. Von diesen Schlachten hat man 
ausführliche Beschreibungen und mittelmäfsige Pläne; auch ist 
hier der Ort nicht, eine Beschreibung dieser Campagne, die ohne 
Charten unverständlich wäre, zu Hefern. Unser Führer auf beiden 
Schlachtfeldern, die dicht bei einander liegen, war ein 80jähriger 
Bauer, Buel, den seine Nachbarn Major Buel nennen, weil er 
während der Campagne Führer der amerikanischen Armee gewesen 
ist. Das Schlachtfeld hat sich seitdem sehr verändert; alles damals 
weggeschlagene Holz ist wieder nachgewachsen, so dafs man, 
aufser schwachen Ueberbleibseln der englischen Linien, eigentlich 
Nichts sieht. Nicht weit vom Flufs auf einer Anhöhe erblickt man 
die Reste der sogenannten grofsen englischen Redoute eines sehr 
kleinen Werks. In derselben liegt der General Fräset' begraben, 
von dessen Leichenbegängnisse Frau von Riedesel eine so anzie- 
hende und doch Schauder erregende Beschreibung giebt. Ich 
brach an dem Grab einen Rieferzweig ab , um ihn für den Frei- 
herrn von Riedesel , Landmarschall des Grofsherzogthums S. Wei- 
mar, mitzunehmen. Ich fragte auch nach dem Haus, in welchem 
die Frau Mutter desselben gewohnt hatte, und in welchem der 
General Fräser gestorben war. Dieses Haus stand nicht mehr 
auf dem alten Flecke, weil der Canal über diese Stelle hinläuft; 
auf der neuen Stelle soll es aber eben so eingerichtet sein , wie es 
damals war. Indem bnr-room (Schenkstube) zeigte man mir den 
Platz, wo General Fräser gestorben war, und eine kleine Stube 
hinter demselben , in welcher Frau von Riedesel mit ihren Kindern 
gewohnt hatte. 

Bei dem Städtchen Waterford fuhren wir, um in der Dämme- 
rung die schlechte Brücke über den Mohaitk zu vermeiden, auf 
das linke Ufer des Hudson auf einer langen hölzernen Brücke. 
Wir setzten unsern Weg in der Dunkelheit, auf einer sehr guten 
Strafse, fort, und kamen durch die Ortschaften Lansingburg und 
Troy. Das Letzte ist sehr gut gebaut, und mit vielen, am Abeml 
wohl erleuchteten, Läden versehen. Hier kehrten wir wieder auf's 
rechte Ufer des Hudson zurück und erreichten nach 10 Uhr Abends 
Albany. 

Am folgenden Morgen, 13. September, fuhr ich mit Herrn 
Tromp in einer Stage coaeft nach dem Dorfe New Lebanon , 28 






173 

Meilen von Albany, um die dortige Colonie von Shakers zu bese- 
hen. Wir kamen durch die Dörfer Greenhush, bei welchem uns 
das Pferdeboot auf das linke Ufer des Hudson setzte, Schodack, 
Union, Stephentown und Canaan. Die Gegend um Ncw-Lebanon 
ist äufserst reizend; die Berge sind auf den Gipfeln mit Wald be- 
wachsen und am Fufse gut angebauet. Das Thal ist breit, mit 
sehr netten Häusern; es gleicht einem Garten. Besonders wird 
hier viel Obst gezogen. Auf einer kleinen Anhöhe, am Fufs eines 
Berges, liegt äufserst hübsch das Shaker-DoxL Es ist ungefähr 
1 Meile lang; die Häuser stehen gruppenweise, ziemlich weit von 
einander entfernt, sind meistens grofs, von Holz gebaut und gelb 
angestrichen; nur die Kirche, oder vielmehr the ?neeting house, 
ist weifs, mit einem bogenförmigen Schiefer-Dache. 

Die Shakers sind eine religiöse Secte, die aus England her- 
stammt. Sie ist gestiftet von Ann Lee, der Tochter eines Grob- 
schmidts aus Manchester , und Ehefrau des Grobschmidts Stanley 
in derselben Stadt. Die Haupt-Grundsätze ihrer Lehre sind : Ge- 
meinschaft der Güter, völlige Enthaltsamkeit hinsichtlich der Ver- 
i mischung beider Geschlechter, und Verehrung der Gottheit durch 
1 Tanzen. Die Stifterin gab höhere Inspirationen vor; sie that Wun- 
der, verkündigte die baldige Wiedererscheinung Christi auf Erden, 
sprach vom tausendjährigen Reich und dergleichen Herrlichkeiten 
mehr. Sie fing an in England Proselyten unter den gemeinsten 
Yolksi lassen zu machen, die ihr bei ihren öffentlichen Predigten 
nachfolgten, lärmende Bet- oder vielmehr Tanzstunden hielten und 
dadurch die öffentliche Ruhe störten. Diese würdige Prophetin 
wurde defshalb mit ihren Freunden zu verschiedenen Malen 'gefäng- 
lich eingezogen; einmal begann auch das ungeduldige und unjrläu- 

CT CT ' CT CT CT CT 

bige Publicum, sie zu steinigen. Die gute Seele, von welcher die 
böse Welt übrigens behauptete, dafs die meisten ihrer' Verzückun- 
gen durch geistige Getränke bewirkt würden, wanderte defshalb im 
Jahr 1774 mit ihrer Familie und mehreren ihrer Freunde nach New- 
York aus , und liefs sich daselbst nieder. Ihr Ehemann aber wurde 
der schwesterlichen Verhältnisse müde, in welcher er mit ihr lebte, 
und ergriff die Partie, seine schwesterliche Ehehälfte von sich zu 
entfernen und eine andere Frau zu nehmen. Hierauf wandte sich 
die \ erstofsene nach Albany, liefs sich Anfangs bei Watervliet nie- 
der, und hielt Versammlungen. Diese Versammlungen kamen je- 
doch den Amerikanern — es war gerade zur Zeit des Revolutions- 
krieges — so verdächtig vor, dafs die gute Dame mit mehreren 
ihrer Freunde in Albany festgesetzt, und durch den Schub nach 



174 

der Gegend von New -York spedirt wurde, um sie den Engländern, 
»eiche diese Stadt damals noch besetzt hatten, zu überlassen. Sie 
k;im aber bald wieder nach IVatervlict zurück; und ihre Getreuen 
kauften nun Land in der Gegend von Niskayuna , zwischen Jllxviy 
und Schcnedady , und bauten sich daselbst an. Ein grofser Theil 
von diesen Leuten, namentlich solche, die sich in Amerika zur 
Beete geschlagen hatten, stiftete die Colonie von New-Lebanon. 
Ann Lee starb in ]\iskayuna im Jahr 1784. Da sich diese Secte 
nun sehr ruhig betrug, und kein öffentliches Scandal gab, so 
liefs die Regierung sie auch ruhig leben. Die Colonie hat jetzt 
600 Mit";lieder, die in Familien eingetheilt sind. Einige dieser 
Familien zählen über 100 Köpfe beiderlei Geschlechts. Jede wohnt 
in einer Häusergruppe zusammen, und hat einen Aeltesten an ihrer 
Spitze. Die Aeltestea aller Familien bilden einen Rath, der das 
Wohl der Gemeinde besorgt. Für den Gottesdienst haben sie eine 
Art Prediger, 2 männliches und 2 weibliches Geschlechts, welche 
Sonntags Vorträge halten. In den Häusern, in welchen übrigens 
die allergröfste Reinlichkeit herrscht, wie ich sie nirgends, aufser 
etwa im Hospital zu Boston, auf einem so hohen Puncte gesehen 
habe, leben auf einer Seite die Brüder und auf der andern die 
Schwestern. Sie haben einen gemeinschaftlichen Speisesaal , in 
welchem jedes Geschlecht wiederum seine eigene Seite hat , aber 
verschiedene Werkstätten. Sowohl die Brüder, als die Schwestern 
wohnen meistens je 2 in einer Stube, und schlafen auch je 2 in 
demselben Bette. Mehrere der Schwestern hatten, trotz der 
guten Nahrung, die sie bekommen, ein sehr blasses und bleiches 
Aussehen. 

Wenn eine Familie zu den SJtakcrs treten will , so müssen 
sogleich geschwisterliche A erhältnisse zwischen Mann und Frau 
eintreten. Die Kinder werden dann in den Shaker- Grundsätzen 
erzogen. Auch finden verwaisete Kinder bei ihnen Aufnahme; 
jedoch laufen über den Ursprung dieser Waisen allerlei übele Ge- 
rüchte um. Es versteht sich: wenn die Grundsätze dieser Menschen 
überhandnähmen, was jedoch der Himmel wohl verhüten wird, so 
würde die Welt bald menschenleer sein. In übervölkerten Ländern 
indefs dürfte es vielleicht gut sein, Missionare dieser Secte auf- 
zunehmen, und den Prosei) tismus zu befördern. 

In jeder Familie hat man einen Laden , in welchem alle in der 
Familie verfertigten Gegenstände zum Verkauf ausgestellt sind. 
Diese Artikel bestehen meistens in hölzernen Haus- und Stall- ' 
geräth, in Sieben, Bürsten, Lederwaaren, in Tafelzeug —etwas 



175 . 

grob — , in silbernen Schreib-Federn , sehr gutem Rosenwasser 
u.s.w. Ueberdiefs verkaufen sie Bücher, »eiche die Grundsätze 
ihrer Secte und das Leben ihrer Stifterin Ann Lee, die sie Mothcr 
Ann nennen , enthalten. Mit der Viehzucht beschäftigen sie sich 
ebenfalls, machen gute Butter und besonders guten Käse; mit 
demselben treiben sie grofsen Handel. Ihre Schweine sind vor- 
züglich schön, und auch auf diese hat sich die Reinlichkeit er- 
streckt. Es ist eine seltene Freude , in einem Shaker Schweinstalle 
herumzugehen! Hinter der Kirche haben sie einen grofsen Gemüse- 
garten , in welchem sie die Gemüse gröfstes Theiles des Samens 
wegen ziehen, der hier in ganz vorzüglicher Güte zu bekommen 
i sein soll. Ein anderer Haupt-Handelsartikel der Gesellschaft sind 
die officinellen Kräuter, Wurzeln und Beere, welche sie in einem 
besondern grofsen Garten sehr sorgsam ziehen, und welche, wie 
ich in Albany hörte , von ausgezeichneter Qualität sind. 

Des Gouverneurs Schreiben verschaffte mir überall guten 
Eingang , da man sonst Fremde nur ungern in der Colonie herum- 
führt. Die wenigen Männer, welche ich sprach, und die mich 
begleiteten, Maren ältliche Leute, die schon vor langer Zeit, mei- 
stens mit ihren Eltern, Shaker s geworden waren. Ein alter Mann 
erzählte mir, er sei einer der ersten Anhänger von Mother Amt 
bei ihrer Ankunft in Amerika gewesen. Sie Maren recht höflich 
gegen mich , und hatten Alle etwas Mönchisches. Sie zeigten mir 
auch ihre Kirche, Mas sie sonst, Sonntags abgerechnet, da jeder- 
mann ihrem Gottesdienste beiM'ohnen kann, nicht gern thun. Lei- 
der erlaubte mir mein Reiseplan nicht, einen Sonntag bei ihnen 
zuzubringen. Der Saal, der ihnen zur Kirche dient, mag gegen 
80 Fufs lang, und über 50 Fufs breit sein. An einer Seite stehen 
amphitheatralische Bänke für die Zuschauer und für die alten Mit- 
glieder der Gemeinde, welchen das Springen schwer fällt. Der 
Fufsboden ist mit schönem Cedernholze gedielt und gut polirt; die 
Bieter sind in einander ohne Nägel gefalzt. Der Gottesdienst 
beginnt, Mie man mir erzählte, mit einer Rede, m eiche die Ge- 
meinde , bei m elcher die Geschlechter Mieder getrennt erscheinen, 
stehend anhört. Zuweilen kommt der Geist über den Einen oder 
über den Andern: sie m erden von der Rede so ergriffen, dafs sie 
anfangen, sich zu schütteln, und ganz sonderbare Contorsionen zu 
machen. Dann beginnen die Gebete, die gesungen Meiden, und 
bei denen getanzt wird. Jedes Mitglied hat zu seinen Sprüngen 
einen Platz von ungefähr 4 Q Fufs; und man versichert, die 



176 

Capriolen wurden mit solchem Eifer gemacht, dafs die Luftspringer 
zuweilen wie ohnmächtig niederstürzen. 

AN ir hatten uns bei den S/takers zu lange aufgehalten , als dafs 
wir noch heute nach Albany zurückzukommen vermocht hätten, 
venu wir, wie es erst unsere Absicht war, noch nach dem Badeorte, 
Lcbanon Springs gefahren Maren. "Wir gaben also diese Partie 
auf, und fuhren grades Weges nach Albain/ zurück. Bei unsrer 
Rückfahrt überfiel uns die Nacht, und mit derselben ein tüchtiges 
Gewitter. Es wurde so dunkel, dafs der Kutscher kaum seinen 
Weg finden konnte. Er nahm daher, ganz gegen meinen Rath, 
eine Laterne zu Hülfe. Diese aber verlöschte , und nun befanden 
wir uns in einer noch schlechteren Lage. Zwei Meilen von Green- 
bush verliefs der Kutscher die breite Strafse, fuhr rechts an einen 
Abhang, und warf uns um. Der Wagen hätte sich beinahe ganz 
überschlagen. Er fiel auf die rechte Seite, wo ich safs, und ich 
beschädigte mich am Kopf und Arm , wiewohl nur leicht ; desto 
schwerer aber an der rechten Seite, so dafs ich fürchtete, ein 
paar Rippen gebrochen zu haben, und Eine war wirklich gebro- 
chen, wie sich später ergab. Herr Tromp beschädigte sich am 
Kopf und an der Hand. Der Wagen lag da, Bagage hatten wir 
nicht; und da wir keine 2 Meilen mehr von Greenbush entfernt 
w aren , so entschlossen wir uns , den Wagen im Stiche zu lassen 
und zu Fufse bis Greenbush zu gehen. Etwa um 11 Uhr kamen 
wir am Ufer des Hudson an. Kein Mensch war mehr auf der 
Strafse; alle Lichter waren ausgelöscht; die Fähre befand sich 
auf der andern Seite des Flusses. Unser Rufen und Schreien half 
Nichts; ich konnte auch vor Schmerzen in der Seite keinen Laut 
machen. Indefs kam nach einer halben Stunde der Wagen, den 
der Kutscher mit Hülfe einiger Bauern wieder aufgehoben hatte; 
und nun machte dieser einen so argen Lärm, dafs endlich, nach- 
dem w ir eine Stunde gewartet hatten , die Fähre herüberkam , und ' 
uns nach Albany brachte. Auf dem elenden Pflaster dieser Stadt ' 
hatte ich von den Stöfsen des Wageng furchtbar auszustehen. Als 
ich nach 12 Uhr ausstieg, konnte ich vor Schmerz kaum sprechen ' 
und gehen. Ich hatte dieselbe Seite schon vor 2 Jahren, bei 
meiner Ueberfahrt von Ostende nach London, beschädigt, und seit 
jener Zeit beständig ein schmerzliches Gefühl behalten. 

Am nächsten Morgen erwachte ich mit so heftigen Schmerzen 
in meiner rechten Seite, dafs ich mich kaum im Bette bewegen 
konnte. Der gefällige Sir Michael Cläre stand mir sogleich mit 
Rath und That bei. Er öffnete mir eine Ader am Arm, nahm 



177 

16 Unzen Blut hinweg, liefs mich eine öffnende Arznei einnehmen, 
und verordnete Einreibungen in der Seite; wodurch gegen Nach- 
mittag der Schmerz in so fern gelindert wurde , dafs ich mich ein 
wenig freier bewegen konnte. Ich mufste indefs den ganzen Tag 
das Bette hüten. Die Familie van Rensselacr bezeigte mir viele 
Theilnahme. Am zweiten Tage konnte ich das Bette zwar ver- 
lassen, durfte aber an eine Fortsetzung meiner Reise noch nicht 
denken. Am dritten Tage den 16. September verliefsen Sir Michael 
und Lady Cläre Albany, und begaben sich auf den Weg nach 
Boston , von wo sie dann weiter nach New - York gehen wollten. 
Mit meinen Schmerzen ging es nicht viel besser. Dennoch ent- 
schlofs ich mich, den Weg nach New -York fortzusetzen, weil, 
wie ich in den Zeitungen gelesen hatte , die Pallas dort angekom- 
men war, und weil ich mich der Behandlung des Dr. Schilett anzu- 
vertrauen wünschte. Auf die Partie nach dem Ratskill-Geblrge 
mufste ich freilich Verzicht leisten, aber in Westpoint gedachte ich 
doch anzuhalten, um die Militair - Schule zu besehen. 

Um 10 Uhr begaben wir uns daher an Bord des Dampfschiffes 
Richmond, und eine Stunde später setzte sich das Schiff in Bewe- 
gung. Die Ufer des i///dso/i-Flusses sind recht schön, hin und 
wieder auch recht gut angebaut. Von Albany bis New - York sind 
es 144 Meilen, und bis Westpoint 96 M. Hudson, ein Städtchen, 
27j Meile von Albany entfernt, das wir nach Mittag erreichten, 
scheint ein nahrhafter und ganz hübscher Ort zu sein. Bei dem- 
selben ist ein Hafen , in welchem wir mehrere Schooner erblickten ; 
auch bemerkten wir am Ufer einige, 5 Stockwerk hohe, von Back- 
steinen erbaute Magazine. Gegenüber auf dem rechten Ufer des 
Stromes, liegt das Dorf Athen, und zwischen beiden Orten scheint 
viele Communication zu sein , da sie durch ein Pferdeboot unter- 
halten wird. Eine sehr flache Insel , die mitten im Strome zwischen 
diesen beiden Orten liegt, erschwerte früherhin diese Verbindung; 
denn die Fähre mufste einen grofsen Umweg nehmen. Um dieser 
Unbequemlichkeit vorzubeugen , hat man quer durch die Insel einen 
Canal gegraben, durch welchen das Pferdeboot nunmehr sehr 
schnell und gemächlich hindurchfähi t. Von liier aus hat man einen 
schönen Blick auf das hohe Katsh "///-Gebirge. 

Gegen 11 Uhr Abends landeten wir bei Westpoint , am rechten 
Ufer des Hudson , an einem hölzernen , mit einem Wachthause ver- 
sehenen Quai. Ein Wache haltender Artillerist examinirte uns. 
Ich erfuhr später, dafs diese Contrnle wegen der Besuche, welche 
die Cadets empfangen, eingefühlt worden sei. Wir mufsten einen 
/. M 



178 

ziemlich Pfeilen Weg hinauf steigen, um das Haus zu erreichen, 
das zum Empfange der Fremden eingerichtet ist. Man räumte uns 
eine kleine, aber sehr reinliche Stube ein. Das Gebäude gehört 
dem Gouvernement, und ist zum Mefs room der Officiere und 
Cadets bestimmt. Der Entrepreneur dieses Tisches ist durch 
seinen, mit dem Gouvernement geschlossenen Contract verpflich- 
te! , mehrere Zimmer mit Betten zum Empfange der Verwandten 
der Cadets in Bereitschaft zu halten , und so ist eine Art von Wirths- 
haus daraus geworden. 

Am Morgen nach unserer Ankunft machten wir früh dem 
Oberst-Lieutenant T/tayer, Super-Intendanten der Militair-Schule, 
unsern Besuch, und wurden sehr freundlich empfangen. Seit 8 
Jahren befand er sich an der Spitze dieser, seit dein Jahr 1802, 
zur Zeit des Präsidenten Jefferson, eingerichteten Schule, und 
hatte ihr eine ganz neue Einrichtung gegeben. Auf seinen Reisen 
in Europa hat er die französischen Militairschulen besehen, und 
der seinigen eine der polytechnischen Schule ähnliche Einrichtung 
zu geben gestiebt. Dieser ehemals so berühmten Schule an Voll- 
kommenheit gleich zu kommen, wird ihm jedoch schwer fallen, 
da er mit dem besten Willen von der AVeit m diesem Lande keine 
so vorzüglichen Professoren bekommen kann, als bei der poly- 
technischen Schule vereiniget waren. Für den Unterricht sind die 
Cadets, deren Zahl auf 250 gebracht werden kann, beim letzten 
Examen aber aus 221 bestand, in 4 Classen vertheilt. Die Cadets 
werden zwischen 14 und 20 Jahren zugelassen, bestehen ein 
Examen, bevor sie eintreten, und müssen dann einen Probe- 
Cursus, der ein halbes Jahr dauert, durchmachen, bei welchem 
die Mathematik der hauptsächlichste Theil des Unterrichts ist 
Nach 6 Monaten werden die jungen Leute über den empfangenen 
Unterricht examinirt, und nur diejenigen, welche gut bestehen, 
bleiben in der Schule, um ihre Studien fortzusetzen; die anderen 
werden in ihre Familien zurückgeschickt. 

Der Unterricht wird den Cadets, deren ein Jeder monatlich 
8 Dollars vom Gouvernement als Sold erhält, unentgeltlich ertheilt. 
Alle Jahre findet am Ende Juni's ein öffentliches Examen mit den 
Cadets Statt, welches durch eine vom Staats-Secretair des Kriegs- 
Departements ernannte Commission vorgenommen wird. Zu dieser 
Commission w erden Stabs-Ofiiciere aus der Armee und der Marine 
genommen, ferner Congrefsmitglieder, Gouverneure einzelner 
Staaten, Gelehrte und andere ausgezeichnete Staatsbürger. Nach 
diesem Examen vyerdeR die Besten unter denjenigen , welche ihren 



179 

Cursus durchlaufen haben, als Officiere in der Armee angestellt: 
die Allerbesten können sich das Corps auswählen , in welchem sie 
dienen wollen. Die Uebrigen werden nach ihren Fähigkeiten in 
folgender Ordnung in die Corps untergebracht: Ingenieurs, Ar- 
tillerie, Infanterie, Mariniers oder Seesoldaten. Sollten selbst die 
Cadres dieser Corps an Officieren vollzählig sein, so werden die 
jungen Leute als überzählig mit vollem Sold angestellt. Bei dem 
Examen avanciren auch die Cadets aus einer Classe in die andere. 
Die Namen der 5 besten Cadets in jeder Classe werden in den 
Zeitungen bekannt gemacht, und auch in der, jedes Jahr erschei- 
nenden, Armeeliste abgedruckt: gewifs, eine sehr aufmunternde 
und nachahmungswerthe Einrichtung. 

Die Cadets werden äufserst streng gehalten; sie verlassen die 
Schule nur als Officiere, wefshalb ihre Lehrzeit im Cadetten-Corps 
als praktische Schule des passiven Gehorsams gilt. Die Strafen 
bestehen in Arrest, bei welchem der Unterricht jedoch keineswegs 
unterbrochen wird. Kommt aber ein Cadet in den Fall, zum 
zweitenmal wegen desselben Disciplinarfehlers bestraft zu werden : 
so wird er entlassen. Dasselbe geschieht, wenn er nach zwei 
öffentlichen Examens nicht genug gelernt hat, um in eine höhere 
Classe hinaufrücken zu können. 

Der Tag ist in dieser Schule auf folgende Art eingetheilet. 

Von Tagesanbruch bis zum Sonnenaufgange. 
Reveille bei Tagesanbruch — Appel nach der Reveille — Reini- 
gung der Stuben , der Waffen und Montirungsstüc'ke — eine halbe 
Stunde nach dem Appel, Inspection der Stuben. 

Vom Sonnenaufgange bia 7 Uhr. 

1. Classe: Militair- Genie -Wissenschaften. 

2. Classe : Natural - und Experimental-Philosophie. 

/ ^, Mathematik. 

4. Classe: ) 

Von 7 bis 8 Uhr. 
Frühstück um 7 Uhr — Wachtparade um halb 8 Uhr. 
Classenparade um 8 Uhr. 

Von 8 bis 11 Uhr. 

1. Classe: reafations (die Eleven müssen erklären) und Genie- und 

militairische Zeichnungen. 

2. Classe : recitaiions in natürlicher und Experimental-Philosophie. 

3. Classe: J Al . , .... 

a p. m \ mathematische reedattons, 

M9 



180 

Von 11 bis 12 Uhr. 

1. Classe: Vorlesungen über Ingenieur- und Kriegswissenschnften. 

2. Classe: Vorlesungen über natürliche und Experimental- Philo- 

sophie. 

3. Classe: ) mathematische Studien. 

4. Classe: j 

Von 12 bis 1 Uhr. 

1. Classe: Montags, Mittewochs und Freitags Vorlesungen über 

Chemie, angewandt auf die Handwerke und Künste, 
oder Mineralogie und Geologie. — Dienstags, Don- 
nerstags und Sonnabends Studien über dieselben Ge- 
genstände. 

2. Classe: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Vorlesungen 

über Chemie. — Montags, Mittwochs und Freitags 
Studien über denselben Gegenstand. 

3. Classe: Französische Recitationen. 

4. Classe : Französische Studien und Recitationen. 

Von 1 bis 2 Uhr. 
Mittag - Essen (sehr einfach und frugal) um 1 Uhr — Erholung 
vom Mittag-Essen bis 2 Uhr. 

Von 2 bis 4 Uhr. 

1. Classe: Studien und Recitationen über Geographie, Geschichte, 

schöne Wissenschaften und National-Gesetze. 

2. Classe : Laiukchafts - und topographische Zeichnung. 

3. Classe: Montags, Mittwochs und Freitags Zeichnen nach der 

menschlichen Figur. — Dienstags und Donnerstags 
Studien der französischen Sprache. 

4. Classe: Französische Studien und Recitationen. 

Von 4 Uhr bis zum Sonnenuntergänge. 

Militärische Exercitien — Inspeclion der Kleidung und Appel bei 
Sonnenuntergänge. 

Vom Sonnenuntergänge bis eine halbe Stunde spater. 
Abend-Essen gleich nach der Parade — Signal, um gleich nacl 
dem Abendessen nach den Stuben zu gehen. 

Eine halhe Stunde nach Sonnenuntergänge bis halb 10 Uhr. 

1. Classe: Studien über Ingenieurwissenschaften und Kriegskunst. 

2. Classe: Studien über Natural- und Experimental-Philosophie. 

.' . [ mathematische Studien. 

4. Classe: ) 



181 

Von halb 10 bis 10 Uhr. 
Zapfenstreich um halb 10 Uhr — Appel sogleich nach dem Zapfen- 
streich — Signal zum Auslöschen der Lichter und Inspection 
der Stuben um 10 Uhr. 

T a b l e a u 

der in der Schule gelehrten Wissenschaften und der Bücher, die 

im Gebrauche sind. 





Wissenschaften. 


Besondere Gegenstände. 


Lehrbucher. 


— 

n 


Ingenieur- Wissen- 
schaften. 

Lehrer : 
Cu|il. Douglafs. 
Lt. Mordccai. 


Artillerie-Wissenschaf- 
ten, Feld- und per- 
mamente Fortification , 
Tactik im Grofsen, Ci- 
v il-Militair - Archilectur 
und Constructioncn. 


Treatisc un the science of 
war and fortification , by 
Gay de f'crnon. 

Tratte" des machincs, par 
Hachctte - Programme dun 
cours de construetion par 
Sgansin. 


9 

00 

oo 
O 

B 

- 

= 
— 


Geschichte und schö- 
ne Wissenschaften. 

Rcvd M'llvainc, Ca- 
ll lau. 


Geographie. 
Geschichte. 
Moral-Philosophie. 
Völker-Recht. 


Morse's geography. 

Tytkrs Clements of gene- 
ral Ilistory. 

Palcys primiplcs of Moral 
and Political Pliilosophy. 
f'attcVs Law of \ations. 


e-, 
a 


Chemie und Minera- 
logie. 
Dr. Torrcy. 
Lt. Prcscott. 


Anwendung der Che- 
mie auf die Künste. 

Mineralogie. 


Clcvcland's treatisc on Mi- 
ncralogy and Chrmislry. 




Tactik. 
Maj. Ji'orth. 
Capt. Uitehcoek. 
Lt. C. Smctft. 
Lt. hinsley, Lehrer 
der Artillerie. 


Soldaten-Pelotons und 
Bataillons - Schule - Li- 
nien- Evolutionen. 

Exercitieu und Ma- 
noeuvres der Artillerie. 


Rules and Hegulalions for 
the Field-Ercrcive and Ma- 
noeuvres of Infantry. 

Lalkmunds treatisc ou A>~ 
tillcry. 


IC 

n 
B 


Natürliche und Expe- 
riraental-Philesophie. 

Prof. Uausfield. 
Lt. 8, Snu'tA. 

Lt. /'nrrot. 


Statistik. Dynamik, Hy 
drostalik , Hvdro-Dyna- 
mik, Pneumatik 

Magnetismus , Elektri- 
zität, Optik. Astronomie. 


Gregory 's treatisc of flfe- 
Jianics. Newtons priiuiptu. 

Knßeld's institutes of Na- 
tural philosophy. 


Ol 


Chemie 


Chemische Philoso- 
phie. 


Henrys chymistry. 



- 182 





WtftenscWten. Besondere Gegenstände. 


Lehrhüchcr. 


p« 


Zeichnen. 


Landschaft. 




1 


C.iot. Pouglafs. 
Zcuhncnmcister 


Topographische Zcich- 




Oi 


Cimbrcdc. nun S- 










Tratte du calciil differen- 
tial et integral par Lacroix. 




Mathematik. 


DifTerential - und In- 


Essai de Geometrie analy- 




Prof. Davies. 


tegral-Rechnung. 


liquc appliquee aux courbes 


o 
o 

s 


Lt. lio/*. 
Lt. Wobster. 
Lt. Grccne. 

Lt. Mahan. 


Analytische Geometrie. 

Perspective, Schatten. 

Beschreihende Gcomc-| 
trie und Kegelschnitte. 


et aux surfaecs du second or- 
dre , par Biot. 

Crozcts treatise on perspco- 
tive, shades and shadows. 

Crozcts treatise on descrip- 


Ol 

S. 






tive Geomctry and conical 


<* 






sections. 


1 


Französ. Sprache. 
Sprachmeister 
Bcrard und 


Uehersetzung aus dem 
Französischen in's Eng- 


Histoire de Gil-Blas , les 
3 derniers tomes. 

Histoire de Charles Xll par 




Ducommun. 




T'oltaire. 




Zeichnen. 








Zcichncnracistcr 


Menschliche Figur. 






Göntrcdc. 












Treatise on plane andsphe- 


tu 




Messen und Aufneh- 


rical trigonometry, and on 
the application of algebra to 


•«T* 




men. 


gcomclry, translatcd front the 




Mathematik. 


Trigonometrie. 


Frcnch of Lacroix and Bc- 


OL 




Geometrie. 


zout, by Professor Farrar. 




Algehra. 


Lcgcndres geomctry. Com- 
plcmcnt des elemcns d" Alge- 


<? 

w 






bra par Lacroix. Lacroix's 


i-i 






Fjlemcnts of Algebra. 


& 

(5 


Französische 


Lchcrsctzungcn aus 
dem Französischen ins 


Histoire de Gil-Blas, tome I. 
Bcrard's lecteur franqais. 




Sprache. 


Englische. 


Bcrurds frcnch grammar. 



AofTallend war mir, dafs die jungen Leute ihre Stuben und 
Kleider selbst reinigen, so wie ihre Betten selbst machen müssen. 



183 

Nur das Putzen der Schulte und Stiefeln, so wie das Holen des 
Holzes dürfen sie durch Aufwärter besorgen lassen. Oberst Thai/er 
glaubt aber, dafs, wenn zu viele Aufwärter in der Schule wären, 
die Cadets zu leicht Gelegenheit bekämen , mit der Welt in Ver- 
bindung zu bleiben ohne Vorwissen der OfKciere. Die Cadets sind 
in 4 Compagnien eingetheilt und bewohnen 2 grofsc, 3 Stockwerk 
hohe, massive Gebäude. In dem einen wohnen je 3, in dem an- 
dern, — altern — Gebäude aber je 2 in einer Stube. Sie schla- 
fen auf Matratzen, die Abends auf dem Fufsboden ausgebreitet 
werden, und haben immer 2 Zimmer, ein Schlaf- und ein Studien- 
zimmer. Dieses hat einen Ausgang auf einen langen Corridor. 
Die Gewehre haben die Cadets ebenfalls in ihren Stuben. Die 
Uniform der Cadets besteht in einer grauen, mit 3 Reihen gelber 
Knöpfe und schwarzen Schnüren besetzten Jacke; im Winter in 
grauen, im Sommer in weifsen Pantalons, weifsem Lederzeuge, 
ledernen Schakots, wie die Armee trägt, und, zum kleinen Dienste, 
ledernen Kappen. Die Officiere tragen die Uniform des Artillerie- 
Corps, zu dem sie gehören. Trotz der aufserordentlichen gesun- 
den Lage der Schule haben die Cadets keine gesunde Gesichts- 
farbe, vielleicht, weil sie zuwenig Erholung haben. 

Nachdem wir des Obersten Tltat/er reiche Privatbibliothek be- 
sehen hatten, führte er uns in die Schule. Wir trafen die eine 
Classe beim Repetiren der descriptiven Geometrie an. Einige 
Cadets, die am Biete standen, demonstrirten ein paar Probleme 
aus dieser Wissenschaft sehr gut und beantworteten mit grofser 
Leichtigkeit und Richtigkeit mehrere Fragen und Einwürfe, die 
Professor Davies ihnen machte. Dann wohnten wir einer physica- 
lischen Vorlesung des Lt. Prcscott bei, die jedoch nur elementa- 
risch zu sein schien : er trug die Anfangsgründe der Wärmelehre 
vor , und erzählte dann die Theorie und Gesclüche der Thermo- 
meter. 

Das Institut besitzt übrigens eine ziemlich ansehnliche Biblio- 
thek, umlerne Chartensammlung, die immer vermehrt wird; wir 
fanden mehrere der neuesten deutschen Charten. Oberst T/tat/ci 
ist ein Mann, der an einer Krankheit leidet, die man bei mir gleich 
falls entdeckt haben will, nämlich an der Bibliomanie; defswegen 
hielt ich mich lance mit ihm in dieser Bibliothek auf. Ich bemerkte 
in derselben auch ein lebensgrofses Portrait des ehemaligen Prä- 
sidenten Jcfferson von Seilt/ in Philadelphia gemalt, und ein anderes 
des Ingenieur-Generals Williams, Stifters der Schule. 

Das Institut hat 4 Hauptgebäude. Die beiden gröfsten dienen 



. 184 

als Casernen für die Cadets; ein drittes Haus dient zum Mefs room 
und Wirthshaus, und in dem vierten befinden sich die Kirche, das 
chemische Laboratorium , die Bibliothek und der Zeichnensaal , in 
welchem mehrere der besten Zeichnungen der Cadets zu sehen 
sind. Als ein Modell von Situations-Zeichnungen hatten sie den 
Montjoui bei Gironna , nach dem Atlas vom Marschall Cr. St. Cyr 
gezeichnet. Ihre Art, Plane zu zeichnen, ist die französische; 
Lehmanns Werk, in's Englische übersetzt, habe ich jedoch auch 
in der Bibliothek bemerkt. Eine schöne Marmorbüste vom Kaiser 
Napoleon stand im Zeichnensaal. 

Vor den Gebäuden ist eine grofse Ebene von mehreren Ackern, 
die eine Halbinsel bildet und die Schiffahrt auf dem Hudson, über 
den sie 188 Fufs erhaben ist , beherrscht. Nach dem Flusse hinab 
ist sie mit steilen Felsen umgeben , so dafs sie schwer zu ersteigen 
sein dürfte , aufser auf dem gewöhnlichen Fahr-Wege. Da , wo die 
Ebene mit dem Lande zusammenhängt , wird sie von einem Berge 
beherrscht, dessen Gipfel 596 Fufs über den Hudson erhaben ist. 
Diese Position erinnerte mich an die Ebenheit unter dem Lilien- 
stein in Sachsen, dem Königsteine gegenüber. Auf der Höhe dieses 
Berges stehen die Ruinen vom Fort Putnam, so dafs die Ebene, 
auf welcher die Schulgebäude stehen, ganz isolirt und sowohl von 
der Wasser - , als von der Landseite sehr gut zu vertheidigen ist. 
Wahrend des Revolutions-Krieges war dieses Fort, so wie das 
Fort Clinton angelegt worden, und diese Position war unangreif- 
bar. Die Engländer nahmen , um sich ihrer zu bemächtigen , zur 
Bestechung ihre Zuflucht, und der General Arnold, welcher zu 
Westpoint commandirte,* war auf dem Puncte, diese Position den 
Engländern zu überliefern. Glücklicherweise wurde durch die 
Arrestation des Majors Andre diese schändliche Verrätherei ver- 
hindert. Des Majors tragisches Ende, so wie Arnolds Flucht an 
Bord der englischen Corvette Vulture, die bei Verplank's point 
bereit lag, um ihn zu empfangen, sind bekannt. 

Das eben erwähnte Fort Clinton stand auf der östlichen Spitze 
der Ebene, und ward als ein Reduit betrachtet. Es bestand aus 
einem Kronenwerk von 3 Bastionen und einer Redoute als Reduit, 
auf welche beide Schenkel des Kronenwerks stiefsen. Das Reduit 
steht auf der äufsersten Felsenspitze, und man sieht darin die 
Ueberbleibsel der Batterie, welche den Flufs sowohl oberhalb, als 
unterhalb Westpoint vollkommen bestrichen. Das Fort ist jetzt 
ganz verfallen, und von den Gebäuden in demselben sieht man 
nur noch die Grundmauern. Im Revolutionskriege war hier der 



185 

Strom mit Ketten gesperrt. Auf dem linken Ufer , schief gegen 
Westpoint über, liegt ein anderer , jedoch nicht so hoher Felsen, 
gleich einer Halbinsel, auf drei Seiten vom Hudson bespült, und 
vom Lande durch einen morastigen Wiesengrund getrennt. Auf 
diesem Felsen haben während jenes Krieges 2 Redouten gestanden, 
um die Sperrung des Stromes vollkommen zu machen. 

Auf der Ebene von Westpoint stehen, aufser den erwähnten 
Schulgebäuden, noch mehrere einzelne Häuser mit Gärten, zur 
Wohnung der Officiere und Professoren bestimmt. Aufserdem 
steht hier noch eine grofse hölzerne Caserne, von einer Artillerie- 
Compagnie bewohnt, und von einigen zur Kettenstrafe verurtheil- 
ten Soldaten , die hier gebraucht werden , um den Felsen zu spren- 
gen. Diese Sträflinge haben an dem einen Fufs eine lange Kette, 
an welcher eine 24pfündige Kugel hängt, die sie entweder nach- 
schleifen , oder im Arme tragen müssen. Vor der Caserne sind drei 
eiserne 6p fündige Kanonen aufgestellt. Die Amerikaner bedienen 
sich eiserner Stücke zum Feldgeschütz, wie die Schweden, und 
sind mit denselben sehr zufrieden. Auf einem andern Platz auf 
derselben Ebene befinden sich 5 metallene GPfünder, mit welchen 
die Cadets exerciren. Drei sind französische Stücke , von Ludwig 
XVI den Amerikanern geschenkt, mit dem französischen Wap- 
pen und dem Sinnspruch: ultima ratio regum, geziert. Die zwei 
andern Stücke sind englische, im Revolutions-Kriege eroberte, 
und sind, wie eine Inschrift sagt, vom Congresse dem General 
Greene als Belohnung für sein gutes Betragen im Süden der V. St. 
während des Krieges geschenkt worden. Seine Erben haben sie 
bis jetzt noch nicht reclamirt, und so bleiben sie einstweilen hier 
stehen. Eine Pyramide von weifsem Marmor, nicht weit von 
diesen Stücken, ist, nach der Inschrift, vom General Brown dem 
Andenken des im Jahr 1814 beim Ausfall aus Fort Erie gebliebenen 
Oberst -Lieutenants Wood, eines Zöglings dieser Schule , errichtet 
worden. 

Am Abend sahen wir die Cadets exerciren. Sie formiren ein 
kleines Bataillon von 4 Divisionen und werden von ihren OfHcieren 
und von den ältesten Cadets aus der ersten Classe, welche rothe 
Ofticierschärpen tragen und den Degen ziehen , commandirt. Die 
jungen Leute sind ungemein gut exercirt, und ich freute mich über 
die gute Ordnung, die dabei herrschte. Sie haben ein eigenes, 
vom Gouvernement bezahltes Musik-Corps, welches in den V. St. 
als die beste militairische Musik gerühmt wird. Jedermann hat 
seinen Geschmack: ich mufs aber gestehen, dafs sowohl die engli- 



185 

sehe Militair-Musik , selbst die so sehr gerühmte der englischen 
Garden, als die amerikanische, weit hinter der Musik der Fran- 
zosen, Niederländer und Deutschen zurücksteht. 

In Gesellschaft des Obersten T/tayer fuhren wir über den 
Hudson, um auf dem andern Ufer eineEisengiefserei zu besuchen, 
die einer Gesellschaft gehört, und den Herrn Camel, einen Freund 
des Obersten Thayer, als Director an ihrer Spitze sieht. In dersel- 
ben befinden sich 2 hohe Oefen , die stark im Gange sind , da die 
Giefserei das eiserne Geschütz fürs Gouvernement in Entreprise 
hat. Es war so eben ein Stück gegossen worden ; wir selbst sahen 
noch mehrere einzelne Gegenstände giefsen , die zur Construction 
eines neuen hohen Ofens gehörten. Neben dem Giefshaus ist das 
Bohrwerk des Geschützes , in welchem 10 Stück auf einmal gebohrt 
werden können. Die Stücke liegen zum Bohren in einer horizon- 
talen Lage. Das Bohrwerk wird durch ein grofses, oberschläg- 
tiges Wasserrad in Bewegung gesetzt Da jedoch bei heifsen und 
aufserordentlich trockenen Sommern, oder bei strengen Wintern 
das Wasser mitunter mangelt, so hat man vor, als Wassersurrogat 
eine Dampfmaschine anzuwenden. 

Trotz meiner Schmerzen bestieg ich den felsigen Berg , auf 
welchem die Trümmer vom Fort Putnam stehen. Mein Weg führte 
durch einen schönen Wald von Eichen, Buchen, Kastanien und 
Nufsbäumen. Das Fort, von dessen Lage ich oben Erwähnung 
gethan , nahm den Gipfel des Berges ein , war von starkem granit- 
nen Mauerwerk in Redansform angelegt, und, nach der feind- 
lichen Seite zu, völlig unersteiglich. Es hatte nur ein einziges 
Thor, so wie sehr starke Casematten und zwei kleine Pulvermaga- 
zine. Es war während der Revolution auf ein Privateigenthum 
gebaut worden; der Grundeigentümer hatte es als sein Eigen- 
thum reclamirt und das Gouvernement sich genöthigt gesehen, es 
ihm zurückzugeben; alsdann liefs der Mann es zerstören. Später 
hat das Gouvernement den Boden, auf welchem Westpoint steht, 
so wie die anstofsenden Höhen acquirirt. Mir schien, wenn nicht 
nothwendig , doch gut und nützlich , nun das Fort Putnam wieder 
herzustellen, um die wichtige Stellung von IFestpointy die in 
Kriegszeiten zum verschanzten Lager , zum Depot , zum Zufluchts- 
ort für das Landvolk u. s. w. dienen kann , wiederum eben so unan- 
greifbar zu machen , als sie früher gewesen ist. Zu meiner Ver- 
wunderung aber erfuhr ich, dafs dieses wohl nicht geschehen wer- 
de , dafs man sich vielmehr in Hinsicht der Vertheidigung des Lan- 
des, auf die Befestigung der Rhede von New -York, verlasse, und 



187 

überhaupt im Innern des Landes wohl keine Befestigung anlegen 
dürfte. Man scheint zu glauben, die Unangreifbarkeit des Landes 
bestehe vorzüglich darin , dafs es keine mächtigen Nachbarn habe ; 
England könne keine starke Armee über's Meer schicken; und 
wenn dieses auch geschähe, so müfste England seine Kräfte zu 
sehr zerstreuen, also, dafs man die Hoffnung hegen dürfe, mit 
den einzelnen Corps fertig zu werden. Diese Ansicht kommt mir 
indefs bedenklich vor; ich wünsche von Herzen, dafs diese braven 
Leute niemals erfahren mögen, dafs sie sich getäuscht haben; 
aber eine zu grofse Sicherheit hat immer ihre Gefahr. \ om Fort 
Piitnam aus hat man übrigens eine sehr schöne Aussicht auf das 
Plateau von Westpoint und auf den Hudson, der liier mit seinen 
hohen Ufern an den Rhein erinnert Besonders schön ist die 
Aussicht nördlich, wo man im Hintergrunde das am Strome gele- 
gene Städtchen Newburgh erblickt. Vom Katskill-Gebivge sahen 
wir Nichts. 

Wir gingen mit dem Obersten TJiayer und den Cadets auch 
in die Kirche. Der C'taplain der Schule Dr. M'Ilraine, ein epi- 
scopalischer Geistlicher, hielt Gottesdienst. Die Predigt war sehr 
gut und verständig, und recht für die jungen Leute geeignet. Er 
stellte mehrere Einwürfe auf, die man gegen die Yorzüglichkeit 
der christlichen Religion gemacht hätte, und widerlegte sie alle, 
indem er seine Gegenbeweise aus dem neuen Testament und aus 
der menschlichen Vernunft schöpfte. Ich freute mich sehr über das 
anständige Benehmen der Cadets in der Kirche, ein Benehmen, 
das man an den jungen Leuten in anderen Landein bei solchen 
Gelegenheiten nicht immer bemerkt. 

Bei dem >vackern Capitain Doiiglafs, Lehrer der Ingenieur- 
Wissenschaften, sah ich die Fortifications-Zeichnungen , welche 
die Cadets machen müssen, und nach welchen sie in der Fortifi- 
cation unterrichtet werden. Als Basis der Lehre der verschiedenen 
Systeme Mird das sogenannte Systeme moderne, oder das von den 
französischen Ingenieurs verbesserte Cormoniaignesche System 
vorgetragen; auch bleiben ihnen Montalcmbert , Bousmard, und für 
die Minen Mouze und Gillet nicht fremd. Beim Unterricht im 
Brücken - und Strafsenbau , den Capt. Douglafs ebenfalls vorträgt, 
macht er von Wiebeking Gebrauch. Viele der Cadets, die nicht 
im Militairdienst als Officiere bleiben wollen — zu welchem Dienst 
sie nur für ein Jahr nach ihrem Austritt aus der Schule verpflichtet 
sind — , dienen, ein Jeder seinem Staat als Civil-Ingenieurs, und 
leisten sehr M^sentliche Dienste. Alle Ollicierstellen in der Armee 






188 

und bei den Mariniers werden jetzt durch Cadets aus der Militair- 
Schule besetzt; denn bei den Regimentern hat man keine Cadets, 
und in Friedenszeiten macht man keine Unter-Ofiiciere zu Oflfi- 
ieren. 

Es that mir sehr leid, dafs wir schon am dritten Tage nach 
unserer Ankunft, den 19. Sept., das liebe Westpoint, das mir so 
üufserst wohl gefallen hatte, verlassen sollten; ich mufste aber doch 
endlich nach New -York! Um 11 Uhr Vormittags kam das Dampf- 
schiff Franklin von Albany an , machte einen Augenblick am Quai 
Halt, und nahm uns an Bord. Unsere Freunde von Westpoint 
begleiteten uns bis ans Schiff, und hier nahmen wir einen recht 
herzlichen Abschied von ihnen. Ein Capitain Randolph aus Vir- 
ginien, den ich in Westpoint kennen gelernt hatte, reisete mit 
seiner Frau ebenfalls nach New - York , so dafs ich auf dem Schiff 
eine angenehme Unterhaltung hatte. Das Schiff war mit Menschen 
überfüllt; wir fanden kaum Platz zum Mittags - Essen. Die Ufer 
des Stromes blieben sehr schön; wir fuhren an mehreren hübschen 
Orten vorbei und an Landhäusern, welche bewiesen, dafs wir uns 
auf dem Wege zu einer grofsen und blühenden Stadt befanden. 
Bei einer Biegung des Stromes nähern sich die Ufer. Daselbst 
liegt ein hübsches Landhaus mit einem Garten, Verplancks point 
genannt; gegenüber stand ein Fort, stony point, um dessen Besitz 
während des Revolutionskrieges mehrere blutige Gefechte Statt 
gefunden haben. Ein Städtchen Singsing , wo sich ein Zuchthaus 
befindet, hat eine sehr hübsche Lage; wir sahen die Züchtlinge 
mit Sprengen des Felsens beschäftiget. Der Flufs wird nunmehr 
breit, und bildet 2 aufeinanderfolgende Seen, der erste Haverstraw- 
bay und der andere Tappan- Sea genannt. An dem rechten Ufer 
des letzten liegt das Städtchen Tappan, wo der unglückliche Major 
Andre, vom Kriegsrath für einen Spion erklärt, aufgehenkt und 
begraben worden ist. Das englische Gouvernement hat ihn vor 
wenigen Jahren ausgraben, seine Gebeine nach England Irans 
portiren, und, wenn ich nicht irre, in der Westminster-Ahlei bei- 
setzen lassen, während die Gebeine des Generals Fräser, der als 
ein Held in offener Schlacht an der Spitze königlicher Truppen 
fiel, ohne den geringsten Denkstein in der alten Redoute bei Still 
water liegen bleiben. Der auf Andres Grab gewachsene Baum ist 
auch nach England geschafft, und wie man mir versicherte, in 
den königlichen Garten hinter Carlton palacc verpflanzt worden. 

Unterhalb des Tappan-Sea nähern sich die Ufer des Stromes 
abermals, und werden auf der rechten Seite sehr L.eil und hoch; 






189 

sie nehmen sich aus, wie die Felsen bei Pirna an der Elbe, 
und werden ihe palissades genannt. Nach Sonnen - Untergang 
kamen wir in die Nähe von Neiv - York , dieser gröfsten Stadt in 
den V. St. , die fast den ganzen Handel des Landes an sich zieht, 
und jetzt schon gegen 170,000 Einwohner zählt. Wir landeten 
gegen 8 Uhr Abends, stiegen sogleich ans Land, und wurden 
wegen der unglaublichen Menge von Fremden in 5 Wirthshäusern 
abgewiesen. Endlich mufsten \vir froh sein, nachdem wir uns auf 
dem Pflaster dieser grofsen Stadt müde gelaufen hatten , in einem 
gemeinen und schlechten Wirthshause, tlicatrc hutel, in einer 
schönen Lage an einem square, the park genannt, neben einem 
der Theater gelegen, eine elende Schlafkammer zu finden. 



JV.« 

Aufenthalt in N e w - Y o r k. 

Vom 20. September bis 9. Octobcr. 



Unsere erste Sorge am nächsten Morgen war , sobald als mög- 
lich eine andere Wohnung zu suchen. Da wir nun in den ersten 
Hotels nicht unterkommen konnten, so nahmen wir einstweilen 
unser Quartier in einem französischen boarding house 76, Broad 
street. Nach einigen Besuchen und einigen Einkäufen bei Buch- 
händlern, durchlief ich zuvörderst die Stadt, um eine allgemeine 
Local-Kenntnifs zu bekommen. Sie ist theilweise regelmäfsig ge- 
baut *). Die Strafsen sind schlecht gepflastert, haben jedoch gute 
Trottoirs. Auch laufen nicht so viele Schweine in denselben um- 
her , als in den Strafsen zu Albany. Die Hauptstrafse , broadicay 
genannt, 3 Meilen lang, gefiel mir ungemein wohl, wegen ihrer 
Breite und ihrer schönen Läden, auch wegen ihrer bequemen 
Trottoirs. Der schon erwähnte Park nimmt sich gleichfalls sehr 
gut aus; nicht minder das in demselben stehende Rathhaus, City 
hall, das für eines der schönsten Gebäude in den V. St. ausgege- 
ben wird. Besonders gefiel es mir jedoch nicht, wie ich denn auch 
an den hiesigen Kirchen keinen edlen Stil zu entdecken vermochte. 
Die Zahl dieser Kirchen ist grofs; die meisten haben Kirchhöfe; 
seit einigen Jahren werden indefs die Todten auf Kirchhöfen 
begraben, die man aufserhalb der Stadt angelegt hat. An einer 
Kirche am Park bemerkte ich ein ziemlich geschmackloses Monu-I 
ment, dem Andenken des, beim Angriff auf Quebek gefallenen 
Generals Montgommery errichtet. 

Hinter dem City hall steht auf einem freien Platz ein grofses 
Gebäude mit der Inschrift American Museum. Wir gingen hinein 
und liefsen uns dasselbe zeigen. In zwei grofsen Sälen war eine 



*) S. den beiliegenden Plan. 






191 — 

Menge Merkwürdigkeiten aus dem Thier - und Mineral-Reiche sehr 
gut aufgestellt. Eine ziemlich vollständige Sammlung von ameri- 
kanischen Vögeln nimmt fast alle Wände des einen Saales ein. 
Auch eine Menge 4füfsiger Thiere , weniger gut; dann eine in- 
teressante Sammlung von Fischen, sehr gut conservirt, so wie eine 
schöne Suite von Schildkröten , von der 7 Fufs 6 Zoll langen Rie- 
senschildkröte bis zu den kleinsten. Von Schalthieren ebenfalls 
eine ansehnliche Suite. Mineralien, wenige, und diese in keine 
Suite gebracht. Mehrere indische Wallen, Kleidungsstücke und 
andere Utensilien der Indianer; auch mehrere alte und moderne 
Waden von verschiedenen Nationen ; curiosa, z.B. eine auf dem 
Schlachtfelde von Waterloo gefundene Schakotplatte vom 1. Regi- 
ment Nassau ! Wenige aus Italien hergebrachte Alterthümer , mei- 
stens Lämpchen und andere Kleinigkeiten. Besonders schön ist 
ein grofses Stück Bergkrystall , in einem Silber-Bergwerk in Mexiko 
gefunden, das, wie man uns versicherte, 212 Pfund wiegt. In- 
teressant ist auch eine indische Mumie. Sie wurde , wie man er- 
zählt, im Jahre 1814 bei Glasgow im Staate Kentucky, 9 Fufs unter 
der Erdoberfläche , in einer salpeterreichen Höhle , 200 yards vom 
Eingange gefunden; sie befand sich in einer sitzenden Stellung, in 
welcher sie noch ist, und war in Hirschhäute und Tücher einge- 
wickelt. Ein sehr leichtes Boot, Knickerbocker genannt, hat bei 
einem Wettrudern den ersten Preis davon getragen. Die Spitze 
und der sehr grob gearbeitete Stern eines Kriegsbootes der India- 
ner vom Flusse Columbia , der sich in den stillen Ocean ergiefst. 
Mehrere sehr schlechte Wachsfiguren; mittelmäfsige Gemälde und 
schlechte Abbildungen der Seegefechte der Amerikaner und Eng- 
länder im letzten Kriege: Gegenstände, die wohl verdienen, den 
Pinsel eines wahren Künstlers zu beschäftigen. Unter den Wachs- 
figuren befand sich ein — wohlgetroflenes — Bild der Hexe von 
Endor. Sie war wie eine Köchin angezogen, und safs in einem 
Lehnstuhle; neben ihr stand Samuels Schatten in einem weifsen 
Schlafrock und mit einer Nachtmütze von derselben Farbe. König 
Saul aber hatte einen grofsen schwarzen Bart und war angethan 
mit einem sammtnen Hofkleide. 

Den Abend brachten wir mit Capt Ryk im Hause eines deut- 
schen Kaufmanns Böker zu, der hier Agent der Berliner Seehand- 
lung ist. Wir fanden eine kleine, aber recht angenehme Gesell- 
schaft. Mehrere Damen spielten sehr gut auf dem Pianoforte und 
sangen recht angenehm. Ich lernte einen General Swift kennen, 
der früher beim Ingenieur - Corps gedient halte und jetzt Director 



192 

des Zollwesens ist, so wie den lutherischen Geistlichen Dr. Schäfer. 
Auf ähnliche Weise ging es an den folgenden Tagen, während 
ich immer neue und meistens auch interessante Bekanntschaften 
machte. 

Ein Spaziergang führte mich nach der sogenannten Batterie, 
an der Südspitze der Stadt und der Insel New - York. Früher stand 
hier ein altes holländisches Fort; man hat dasselbe aber demolirt 
und den Platz in einen öffentlichen Garten umgeschaffen. Dieser 
Garten gewährt eine sehr schöne Aussicht auf die Einfahrt in die 
Bai von New -York, und auf Long Island. Westlich von def 
Batterie, am Ufer des i/wtZsow-Flusses , oder vielmehr im Flusse, 
steht ein Fort, Castle Clinton genannt, das vermittelst einer, 90 
Schritt langen hölzernen Brücke mit der Batterie zusammenhängt. 
Das Fort bildet einen Halbcirkel. Auf dem Durchmesser stehen 
die ehemaligen Casernen, und hinter der Mauer, welche den 
Halbcirkel umschliefst, stand eine Batterie von 24 Kanonen unter 
Casematten. Nördlich von diesem Fort stehen auf demselben Ufer 
längs der Stadt zwei ähnliche Forts , North battery und Fort Gänse- 
voort genannt, welche jedoch, da sie eigentlich Nichts deckten, 
verlassen worden sind. Castle Clinton dient jetzt zu einem öffent- 
lichen Vergnügungsort. In der Caserne ist ein Caffeehaus ; in der 
Casematten sind Nischen für Partien angebracht, und auf der 
Plateform amphitheatralische Bänke, weil der Hof des Forts als 
Circus für Kunstreiter gebraucht wird. Von der Batterie ging icl 
rechts längs des Hafens bis nach der Fähre von Brooklyn, und 
freute mich sehr über die Menge von Schiffen und das rege Leben, 
das im Hafen herrschte. Brooklyn liegt bekanntlich auf der Insel 
Long island, New -York gegenüber. Die Meerenge east rivcr, 
ist bei Brooklyn ungefähr eine halbe Viertelstunde breit Es sind 
hier beständig zwei Dampfschiffe und zwei Pferdeschiffe in Bewe- 
gung, um die Communication zwischen beiden Ufern zu erhalter 
Die Ueberfahrt dieser Schiffe geschieht in 6 Minuten« In Brooklyi 
das, nach der Menge der Läden zu schliefsen, ein nahrhaftes Städt- 
chen sein mufs , wendete ich mich links und ging über eine Meile 
weit nach dem Navy yard, und von hier nach der Stadt zurück, 
schwer seufzend über die gewaltigen Distanzen. 

Mit einem Herrn Home, Gouverneur der hiesigen Caual-Bank, 
einem sehr reichen und angesehenen Mann *), und einem Hern 
Derniter, einem hiesigen Kaufmann, aus Grammont in Flandern 



') Gegen« artig Major von New -York. 



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193 

gebürtig, fuhr ich an Bord der Pallas. Das Schiff lag im Hudson- 
Flusse /wischen New - York und dem , auf dem rechten Ufer 
— Staat New -Jersey- — stehenden Dorfe Jersey. Kurz nach un- 
serer Ankunft, langten die Schaluppen der Pallas an, die von Capt. 
Ryk ans Land geschickt waren, um einige Damen zu holen, welche 
die Pallas zu sehen gewünscht hatten. Es ward in der Cajüte so 
eng, dafs man sich kaum umdrehen konnte. Die Damen, denen 
Capt. Ryk ein sehr anständiges Frühstück unter dem Zelt auf dem 
Verdecke gab, gehörten zu den liebenswürdigsten und elegantesten 
aus der Stadt. Bis gegen 3 Uhr blieben sie an Bord, und ich kehrte 
dann mit ihnen, bei ziemlich starkem Regenwetter, nach dem Lande 
zurück. Als ich am Abend aus einer Soiree beim Consul Zimmer- 
7iiann, wo Musik gemacht und getanzt wurde, nach Hause fuhr, 
bemerkte ich , dafs die Strafsen in der Nacht nicht gut erleuchtet 
waren. Die Regierung der Stadt hatte, wie man mir später er- 
zählte , mit einer Gas - Compagnie einen Streit wegen der Aufstel- 
lung der Laternen und der Laternenpfähle; dieser Streit verlän- 
gerte die Unbequemlichkeit. Glücklicherweise wurde dem Uebel- 
stand einigermafsen abgeholfen durch die vielen Läden, die bis 
spät Abends offen bleiben, und mit Oel-Gas sehr elegant erleuch- 
tet werden. Die Gasleuchter haben recht hübsche Formen; unter 
andern sah ich an einem Musikladen einen Leuchter , der die Form 
einer Harfe hatte. 

Ein hiesiger sehr berühmter Arzt, Dr. David Hosack, der, 
seit er zum zweiten Male verheirathet ist, ein jährliches Einkommen 
von 50,000 Dollars habensoll, empfangt im Winter alle Sonnabende 
die hiesigen Gelehrten und ausgezeichnete Fremde. Alsdann ist 
seine Bibliothek und seine Kupferstichsammlung offen zur Be- 
nutzung; zuweilen wird auch über den einen oder d< n andern Ge- 
genstand eine Vorlesung gehalten. Dieser geiehite und gefällige 
Mann erbot sich mir zum Führer in dieser Stadt. Ich nahm das 
Erbieten dankbar an, und habe in seiner Gesellschaft mehrere 
interessante Institute besehen. 

Das Civil-Hospital ist im Jahre 1770 aus freiwilligen Beiträgen 
errichtet worden; es erhält sich von dem Ertrage seiner Capitalien, 
und wird aufserdem vom Staat unterstützt. Das Gebäude, von 
blauen Steinen gebaut, steht auf einer Anhöhe und hat eine sehr 
gesunde Lage. Man gelangt dahin durch [eine Allee von alten, 
hohen Umenbäumen. Im ersten Stockwerke befindet sich ein ge- 
pnmiges Zimmer zur Versammlung der Administratoren. In die- 
sem Zimmer steht auch die Bibliothek, die an botanischen Werken 
/- N 



194 

besonders reich ist. Im Kellergeschofs ist die Küche; auch sind 
in demselben Säle für venerische Kranke. Für diese sollte jedoch 
ein neues Hospital errichtet werden, wie denn schon ein Lunalic 
-fst/h/m. das vormals in einem Flügel des Hospitals war, aufscrhalh 
der Stadt errichtet worden war. Im Ganzen können in dem Hospital 
400 kranke beiderlei Geschlechts ein Unterkommen finden. Sie 
weiden in Sälen, die zum Theil 16 Betten enthalten, von nurses 
frepllcgt. Die Bettstellen sind von Holz: ich erkundigte mich, 
warum man sie nicht lieber von Eisen mache, und erhielt zur 
Antwort, man fürchte, diese würden bei den heftigen Gewittern, 
die hier öfters Statt finden, zu gefährlich sein. Sechs Aerzte und 
4 Wundärzte gehören zum Hospital und haben abwechselnd den 
Dienst. Ein Arzt und ein Wundarzt haben freie Wohnung in dem 
Gebäude, und einer von ihnen mufs beständig gegenwärtig sein, 
für aufserordentliche Fälle. Auch ist eine Apotheke im Hause, 
welches übrigens sehr reinlich gehalten wird, jedoch, wie mir 
schien , in dieser Hinsicht hinter den Hospitälern von Boston und 
von Montreal zurück bleibt. 

Um das so eben erwähnte neu eingerichtete Irrenhaus Lunatic 
Asylum zu sehen , begaben wir uns zu einem Herrn Eddy , einem 
alten ehrwürdigen Quäker, der an der Spitze der Hospitäler , der 
Wohlthätigkeits - und Straf- Anstalten stand , und den ich bei Dr. 
Ilasack kennen gelernt hatte. Wir trafen Herrn Eddy mit seinen 
zwei Töchtern, einem Sohn und seinem Associe, ebenfalls einem 
Quäker. Die Familie war mit der gröfsten Einfachheit gekleidet, 
und diese Einfachheit, mit der gröfsten Reinlichkeit gepaart, 
herrschte im ganzen Hause. Herr Kddy besitzt eine schöne Bi- 
bliothek, die er uns zeigte. In derselben befanden sich mehrere 
naturhistorische Prachtwerke, z. B. Wilsons amerikanische Orni- 
thologie, mit dem kostbaren Supplementbande, von dem Prinzen 
Marignano, Charles Laden Bonaparte, einem Sohne Luden Bona- 
•partes , herausgegeben. Herr Eddy stieg alsdann in unsern Wa- 
gen und fuhr mit uns nach Dr. Hosacks Landhause, welches in 
einer schönen Gegend am nördlichen Ufer des East river liegt, 
dem Tsavy yard schief gegenüber. Dr. Hosack, der in erster Ehe 
mit einer Schwester des Herrn Eddy verheirathet gewesen ist, 
begleitete uns ebenfalls nach dem Lunatic Asylum. Diese Anstalt 
liegt gegen 5 Meilen von der Stadt entfernt, in einer äufserst 
gesunden Lage auf einer Anhöhe nicht weit vom Hudson-Vlusse 
Der Weg führt zwischen Landhäusern und hübschen Gärten hin 



195 

durch, und war einer der angenehmsten, die ich in Amerika ge- 
sehen hatte. 

Das Asylum von einem Garten umgeben, ist 3 Stockwerk 
hoch, und von Sandsteinen erbaut. Es verdankt seine Existenz 
gröfstes TheilesSubscriptionen, wird jedoch auch vom Staat unter- 
stützt. Herr Eddy ist einer der gröfsten Wohlthäter und Beför- 
derer desselben. In der Anstalt befanden sich 133 Wahnsinnige, 
und von dieser Zahl war es beinahe ganz angefüllt. Man wollte 
noch zwei Flügel anbauen. Im rez de cltaussee sind, aufser den 
Versammlungszimmern der Commissaire, die Apotheke und die 
Krankenstuben der ärmern Patienten, die einen grofsen Corridor 
und einen sittins; room haben. In dem einen Flügel des Hauses 
wohnen die männlichen und in dem andern die weiblichen Patienten. 
Aus den Corridors gehen unterirdische Gänge nach dem grofsen 
und geräumigen Hof, in welchem zwei mit Mauern umgebene Ver- 
tiefungen sind, welche den Kranken einen geräumigen Spaziergang 
gewähren und Gelegenheit, sich mit allerlei Spielen die Zeit zu 
vertreiben. In der Mitte eines jeden Hofes ist ein bedeckter mit 
Bänken umgebener Platz, der zum Aufenthalte bei schlechtem 
Wetter dient. In den obern Etagen sind , aufser den Stuben der 
Aufseher, mehrere besondere Zimmer, in welchen Kranke allein 
wohnen können. Diese haben 2 Personen zu ihrer Bedienung. 
Ueberall herrschte eine grofse Reinlichkeit. Indefs schien mir die 
Einrichtung weniger vollkommen, als die Einrichtung des Asylunis 
von Boston, oder des Asylunis von Glasgow in Schottland. Der 
Garten wurde recht gut unterhalten. Er enthält auch ein Gewächs- 
haus, dessen Pflanzen meistens aus Dr. Hosacks Sammlung kom- 
men. Auf dem Dache des Hauses ist eine Plateforme, von welcher 
aus man eine schöne und weite Aussicht hat. 

Eine philosophische Gesellschaft hält ihre Versammlungen in 
demselben Hause, in welchem sich das schon erwähnte Museum 
befindet. In einem der Zimmer ist eine Mineraliensammlung, die 
zwar noch nicht sehr bedeutend zu sein schien, die jedoch eine 
schöne Suite Mineralien von der nördlichen Grenze der Y . St. ent- 
hielt. Ein anderer Saal enthielt eine Gemäldesammlung , deren 
Werth mir gleichfalls nicht grofs vorkam. Das beste Gemälde war 
ein Portrait des berühmten amerikanischen, in London verstor- 
benen Malers Benjamin West, von Sir Tliomas Lawrence meister- 
haft ausgeführt. Zwei Gemälde sollten von Teniers, ein Paar von 
Salvador Rosa sein. Von diesen gefiel mir das eine ungemein 
wohl : ein alter Krieger betet in einer wilden Landschaft an einem 

N 2 



196 

einfachen Kreuz! Ein Paar andere Gemälde giebt man aus für 
Werke von Rubens; unter diesen bemerkte ich Rubens Portrait, 
\on welchem das Original in der Schampschen Sammlung in Gent 
ist. Auch befinden sich hier gute Gypsabgüsse von den besten 
römischen Antiken; dann von einer Venus von Milo und von den 
drei Grazien von Canova; so wie zwei lebensgrofse Fechter von 
demselben Meister. 

Das Haus des Commodore Chauncy *) liegt im Navy-yard 
;iuf einer Anhöhe, von welcher man einer schönen Aussicht auf den 
Werft und auf Long island geniefst. Der Commodore führte mich 
im Werfte herum. Als ich aus dem Hause trat, fand ich eine Ehren- 
wache von einigen 30 Marinicrs aufmarschirt, von einem Haupt- 
mann commandirt. Zu gleicher Zeit wurde ich von dem Linien- 
schiffe Franklin mit 21 Kanonenschüssen begrüfst. Diese Ehre hatte 
ich in den V. St. keineswegs erwartet, und defswegen überraschte 
sie mich um so angenehmer und war für mich um so schmeichel- 
hafter. In Construction befanden sich 2 Fregatten und 2 Cor- 
vetten, die noch keinen Namen hatten. Die eine Fregatte war 
vollendet, stand jedoch noch unter Dach. Beide Fregatten führen 
den Namen von 44gern ; enthalten aber jede 64 Kanonen. Sie 
sollen 32Pfünder bekommen, welches jetzt das allgemeine Caliber 
der Marine -Artillerie der V. St. ist. Die Schiffe sind von Eichen- 
holz aus Nord-Carolina gebaut; in die Fugen ist ebenfalls Salz 
gestreut , um den dryroi zu vermeiden. In ordinary lagen die drei 
Linienschiffe Franklin, Washington und Ohio, alle drei 74ger 
genannt , die beiden ersten jedoch zu 86 , und der letztere zu 106 
Kanonen eingerichtet, so wie auch die weltberühmte Dampf-Fre- 
gatte Fulton the firsl , von der so viel gefabelt Morden ist. Aus- 
gerüstet und segelfertig lag im Hafen der Schooner Shar/c von 
8 Kanonen, nach der Küste von Afrika bestimmt, wohin er in eini- 
gen Tagen absegeln sollte, um dort zur Verhinderung des Sklaven- 
handels zu kreuzen. 

Bei einem zweiten Besuche gingen wir zuerst an Bord der 
Dampffregattc Fulton the first. Dieses Schiff war völlig desarmiit 
und diente zum reeeicing ship. Sie ist eine schwimmende Batterie, 
und sollte 30 Stück lange 32Pfünder tragen. Die Wände sind 
6 Fufs dick, von kreuzweis übereinander gelegten Lagen dicker 
eichener Balken gemacht, so dafs man das Schiff mit einem schwim- 
menden Blockhause vergleichen könnte. Die Einrichtung ihrer 



*) Conunamlanton de« Nävy Yard. 



197 

Maschinerie gleicht der Maschinerie des horse boats. Sie hat 2 
parallele Kiele; zwischen denselben steht die Maschine von der 
Kraft von 120 Pferden, und treibt ein einziges grofses Wasserrad. 
Der Platz im Schiff ist sehr geräumig; man kann auf verschiedenen 
Plätzen Reverbcre-Oefen aufstellen, um Kugeln glühend zu 
machen. Bevor die Fregatte desarmirt war, führte sie zwei kleine 
Mäste mit dreieckigen Segeln; der Commodore halte aber zur 
Instruction der Matrosen grofse Mäste mit den gehörigen Segel- 
stangen anbringen lassen. Die Maschine war seit einigen Monaten 
herausgenommen und in einem Magazin im Werft aufgestellt; der 
Platz, den sie eingenommen, war mit Bohlen vernagelt worden, 
um ein allgemeines Verdeck zu haben für die Wohnung der Ma- 
trosen. Seitdem hatte man auch ein oberes Verdeck angebracht, 
auf dem eine Dünette zur bequemen Wohnung der Officiere gebaut 
wurde. Man hat von dieser Fregatte gesagt, sie sei ein wahres 
Wunderwerk; sie strecke dem stürmenden Feind einen Wald von 
Schwertern und Spiefsen entgegen und begiefse ihn mit siedendem 
Wasser. Von dem Allen ist kein Wort wahr. Ihre Erbauung, die 
in die letzte Epoche des Krieges gegen England fällt, war eigent- 
lich ein Versuch, der übrigens bei den Engländern grofse Besorg- 
nifs erregt hat. Alle sachverständigen Männer, mit welchen ich 
über das Schiff gesprochen habe, waren gegen dasselbe, und 
meinten, dafs diese grofse Masse nur zur Verteidigung von Meer- 
engen zu gebrauchen sein dürfte. In der See war sie noch nie 
gewesen; und Manche fürchteten, sie würde in derselben nicht 
manoeuvriren können. Da nun auch, wie man sagte, der Navy 
board — die Admiralität ■ — in Washington gegen die Anwendung 
der Dampfkraft auf Kriegsfahrzeuge gestimmt ist: so wird wahr- 
scheinlich die Construction der 2. Dampffregatte, zu welcher je- 
doch die Maschine, die wir in einem Magazine sahen, fertig ist, 
unterbleiben. 

Wir waren auch am Bord der beiden Linienschiffe Ohio und 
Franklin. Der Ohio ist von einer neuen Construction , und hatte 
noch nicht gedient; der Franklin und Washington hingegen hatten 
schon mehrere Reisen gemacht. Die Wände des Ohio sind dicker, 
als die der anderen Schiffe , und seine Verdecke sind höher. Die 
Linienschiffe haben keine moderne runde, sondern breite Steine; 
in jedem steht eine Batterie von 12 Stücken. Nur eine der noch 
auf dem Stapel stehenden Fregatten hat einen elliptischen Stern, 
welcher die Vertheidigungskraft der runden mit der Eleganz der 
breiten Sterne vereinigt. 



198 

In den Majrazinen schien noch Alles im Entstehen zu sein. 
In dem Hause, in welchem die Büreaux des Commodore und 
Seiner Beamteten sind, ist ein Saal zur Capelle eingerichtet, der 
in der Woche zum Schulsaale für die Midshipmen gebraucht wird. 
V ii fanden diese jungen Leute mit ihrem mathematischen Unter- 
richt unter der Aufsicht des Caplans beschädiget. 

Im Hafen besahen wir zwei zur line von Liverpool bestimmte 
Packetbote, William Thompson und Pacific *) genannt. Line 
nennt man hier jede geregelte Verbindung zwischen zwei Plätzen 
vermittelst stages, Dampf-, Pferde-, oder Canal- Böten, oder 
•packetboats , die derselben Entreprise gehören. Bereits vor 2 
Jahren hatte ich in Liverpool das PacketschilT Cortez gesehen und 
mich über seine elegante Einrichtung gefreut. Die Einrichtung 
der beiden genannten Schifte indefs übertraf jene bei weitem an 
Eleganz und comfort. Beide haben einen grofsen dining room, 
in der Mitte eine lange mit einem Rande versehene Tafel von Maha- 
goni , an beiden Wänden state rooms — Schlafkammern — welche 
je 2 Betten übereinander enthalten und einen Waschtisch. In die- 
sem Saale befinden sich 10 solcher state rooms, auf jeder Seite 5, 
und aufserdem an den Fenstern im Stern zwei einzelne Cojen, so 
dafs 22 Herren in denselben schlafen können. Der Besansmast 
geht durch diesen Saal, und durch die Tafel. Der Saal erhält 
sein Licht theils durch die Fenster im Stern und theils durch einen 
grofsen Kukuk. In die Schlafkammer fällt das Licht durch oben 
angebrachte ovale Patentgläser. Für die Damen befindet sich ein 
Zimmer vor dem dining room, beim grofsen Mast, wo die Bewe- 
gung des Schiffes am wenigsten fühlbar ist. Auf jeder Seite sind 
2 Schlafkammern, so dafs 8 Damen ihr bequemes Unterkommen 
finden. Die Wände des dining room und der Ladies cabin sind von 
Mahagoniholz und Maple — Ahornholz — mit Spiegeln; auf dem 
Pacific steht sogar zwischen 2 state rooms eine Säule von weifsem 
oder von schwarzem weilsgeaderten Marmor. Die Meubles sind 
alle von Mahagoniholz und mit schwarzem pferdehaarenen Zeug 
überzogen, und beide Zimmer mit kostbaren Teppichen belegt. 
Ueber der Treppe des dining room, die ebenfalls von Mahagoni- 
holz gemacht ist, ist ein Dach, unter welchem Bänke und Tische 
stehen , zum Aufenthalt für seekranke Reisende. Ueber dem Rade 
des Steuerruders bis weiter zurück ist ebenfalls ein Dach, unter 
welchem man umher gehen und Schutz gegen den Regen und gegen 



') Auf diesem machte ich im Sommer 182G die ltückrciac nach Europa. 



199 

die Sonnenstrahlen finden kann. Die Ueberfahrt von New -York 
bis Liverpool kostet nur dreifsig Guineen, und man soll für diesen 
billigen Preis äufserst gut am Bord verpflegt werden. Jedes Schiff 
hält 500 Tonnen und soll die Fahrt oft in 17 Tagen zurückgelegt 
haben. Den 1. und 16. jedes Monats geht eines der 8 Schiffe dieser 
Line nach Liverpool ab , und an denselben Tagen ein anderes von 
Liverpool nach New - York. 

An dem ersten Sonntage meines Aufenthalts in New- York, den 
25. September, begab ich mich mit dem Consul, Herrn Zimmer- 
mann, in die neue lutherische Kirche, um dem Gottesdienste bei- 
zuwohnen. Der Gottesdienst wurde in englischer Sprache gehal- 
ten; denn in New- York verstehen nur wenige der Nachkömmlinge 
von deutschen Colonisten die deutsche Sprache. Dr. Schaefer 
predigte. Er ist aus Philadelphia gebürtig, und der Sohn eines 
deutschen Predigers. Seine Predigt war gut und dauerte nicht 
lange. Nach derselben aber kam eine Lamentation über den 
schlechten Zustand der kirchlichen Finanzen , die mich eben nicht 
besonders erbauete. Es schien ein Deficit von 18,000 Dollars ent- 
standen zu sein, welches das Consistorium durch freiwillige Bei- 
trüge decken wollte, und zu diesen Beiträgen wurde die Gemeinde 
aufgefordert. Früher gehörte diese Gemeinde zu einer älteren 
hier bestehenden lutherischen Gemeinde; sie hat sich aber von 
derselben getrennt und eine eigene Kirche gebaut, die zu elegant 
eingerichtet ist, als dafs die Einnahme nicht von der Ausgabe be- 
trächtlich übertroffen werden sollte. Der Prediger klagte zugleich 
über sein eigenes geringes Einkommen, und gab zu verstehen, 
dafs ihm eine Zulage gar nicht unangenehm sein würde, weil er sie 
nöthig habe. Ucbrigens war es schwer, an diesem Tage mit einem 
Wagen durch die Strafsen zu kommen, da sie während des Gottes- 
dienstes vor allen Kirchen mit Ketten gesperrt werden, um die 
Communication zu verhindern. Das Land der Freiheit hat auch 
seine ketten! 

So waren acht Tage schnell verlaufen, und das Angenehme 
hatte bei de... Nützlichen und Neuen nicht gefehlt Besonders hatte 
ich einige Abende in freundlicher Gesellschaft recht heiter hinge- 
bracht. In diesen Gesellschaften, zu Mittage und Abend, lernte 
ich immer mehrere interessante Menschen kennen, verschiedenes 
Geschäfts und verschiedenes Berufs. In den Häusern , in welchen 
ich solchen Gesellschaften beiwohnte, herrschte gröfstes Theiles 
eine grofse Pracht an Silberwerk, Porcellan und Kr y stall; auch 
fehlte selten etwas aus der schönen Kunst. In den Soirces wurde 



200 

gewöhnlich Musik, gemacht und getanzt. Die Mittagsgcsellschaf- 
ten, aus 20 bis 30 Personen bestehend, waren mehr der Con\er- 
sation gewidmet Uebrigens ist in New- York , so wie an allen 
Orten, in welchen die englischen Sitten herrschen, Gebrauch, 
dafs beim Dessert die Damen aufstehen, und die Herren sitzen 
bleiben, um zu trinken. Wer jedoch zum Trinken keine Lust hat, 
der wird nicht genöthiget. Die Damen sieht man nicht Mieder. 
Jedermann steht auf und geht weg, wie es ihm gefüllt. Die auf- 
wartenden Dienstboten sind meistens Neger oder Mulatten; hat 
man weifse Dienstboten, so sind es gröfstes Theiles Irländer; denn 
die Amerikaner haben eine grofse Abneigung gegen das Dienen. 
Livreen sieht man gar nicht ; die männlichen Dienstboten sind in 
Fracks gekleidet. Alle Herrschaften klagen über die schlechte 
Bedienung und die Insolenz ihrer Domestiken, die sich so viel 
als ihre Herrschaft dünken. Von diesem Dünkel sah ich in der 
That täglich Beispiele. Neger und Mulatten sieht man sehr viele; 
sie gehören aber alle zu den untersten Volksclassen und sind meistens 
Handwerker. Sclaven giebt es in dem Staat New - iork nur 
äufserst wenige , und diese Wenigen sind nach einem vom Staate 
genommenen Beschlufs im Jahre 1827 alle frei. Man hat Schulen 
zum Unterricht der Negerkinder angelegt, und diese kleinen, 
affenartigen Geschöpfe sollen mitunter recht gut lernen. Es giebt 
auch eigene Nejjerkirchen, die zur anglicanischen und meistens 
zur methodistischen Kirche gehören. Ein schwarzer Geistlicher, 
der in einem episcopalen Seminarium erzogen worden ist, soll sehr 
gut predigen. Man hat indefs hier zu Lande eine grofse Abneigung 
gegen diese Menschenrace , die fast wie die indischen Parias zu 
leben gezwungen sind. In der Armee werden sie höchstens als 
Tambours oder Musikanten, aber nie als Soldaten angenommen. 
Ja, die Soldaten dürfen nicht einmal von gemischtem Blute sein! 

Nach diesen acht Tagen verliefsen wir unsere Wohnung, die 
zu einsam lag, und eine zu gemischte Tischgesellschaft darbot, 
und bezogen ein sehr anständiges , und sogar prächtiges Quartier 
im city-kotel am Broadway. Und in dieser neuen Wohnung be- 
grüfsle mich sogleich — den 28. September — der glücklichste Tag, 
den ich, bei allen Freuden, auf der Reise in Amerika erlebt habe, 
und den ich eben defswegen nicht unbemerkt zu lassen vermag. 
Ich erhielt nämlich Briefe aus meiner Familie, in welchen mir die 
Geburt meines Sohnes llerrmami Bernhard Georg , am 4. August, 
gemeldet wurde. Ich dankte der gütigen Vorsehung für dieses 
neue Geschenk und für die Erhaltung der geliebten Mutter meiner 



201 

Kinder, so fromm und so tief gerührt , wie selten in meinem Le- 
ben. Erst am folgenden Tage setzte ich meine Wanderungen fort 
zur Erheiterung und zur Belehrung. 

Der Oberst Bankhead vom 2. Artillerie-Regiment, der hier 
mit der Recrutirung für die Armee beauftragt Mar, hatte sich nebst 
den anwesenden Ingenieurs erboten, mir die zur Yertheidigung der 
Bai von New - York angelegten Befestigungen zu zeigen. Er holte 
mich nebst dem Generale Swift und einem Ingenieur-Hauptmann in 
einem Boot ab. Wir fuhren zuerst nach Governors- Island, New- 
York gegenüber. Diese kleine Insel enthält ein Fort — Colum 
Ins — von 4 Bastionen, das nach der Stadtseite zu zwischen zwei 
Bastionen noch einen Redan hat. Das Werk ist von rothem Sand- 
stein aufgeführt, und leider in Entreprise. Da weiter vor im Sunde 
neue Befestigungen angelegt sind , so wird dieses Fort als unnöthig 
angesehen, und nicht unterhalten. Im Innern befindet sich eine 
Caserne nebst den Zeughäusern. Die Caserncn sind in recht gu- 
tem Zustand , und werden von einer Compagnie Artillerie bewohnt. 
Ich bemerkte in jeder Stube eine Bibel, und hörte, diese Bücher 
seien Geschenke der New -Yorker Bibelgesellschaft. 

Westlich vom Fort, dicht an's Ufer gebaut, steht ein von Sand- 
stein und Backsteinen aufgeführter Montalembertscher Thurm, nach 
seinem Erbauer, Castle Williams, genannt. Dieser Thurm ist im 
Jahre 1803 angefangen , und im Jahre 1811 beendigt worden. Der 
im Fort commandirende Oberst Macrea von der Artillerie empfing 
mich mit 21 Kanonenschüssen. Die Officiere haben Pavillons mit 
Gärten auf dem Glacis des Forts; auch steht daselbst eine hölzerne 
Caserne, die in Kriegszeiten von einem Bataillon Infanterie be- 
wohnt wird. Ein grofses, frei stehendes, 2 Etagen hohes, mit ei- 
ner Piazza umgebenes Haus ist zum Hauptquartier des comman- 
direnden Generals bestimmt. Castle Williams gegenüber liegen 
zwei kleine, ebenfalls mit Batterieen besetzte Inseln, Fort Wood 
und Fort Gihson genannt. Diese Batterieen scheinen klein zu sein, 
und die Hauptvertheidigung besteht in Castle Williams, in wel- 
chem ich auch Oefen zum Glühendmachen der Kugeln bemerkte. 
Die Stadt, von hier aus gesehen, gewährt einen sehr schönen 
Anblick. 

Wir fuhren alsdann längs des westlichen Ufers von Lotig island 
nach einer von Long- und Staten island gebildeten, 1000 yards 
breiten Meerenge, ilie narrows genannt, die auf dem Ufer von Sta- 
ten island durch das Fort Tomp/cins, und auf dem Ufer von Long 
island durch das Port Lofayctlc vertheidigt wird. Letzteres besahen 



202 

wir. Es ist auf einem felsigen Grunde , 250 yards vom Ufer, in der 
See erbaut, und ist folglich eine Insel. Es bildet ein Viereck, und 
ist nach General Swifts Plan angelegt worden. Von Aufsen hat es 
das Aussehen eines Mofitalembertschen Thurms. Die üufsere Be- 
kleidung der Mauer ist von rothem Sandsteine, das Innere vonGneifs. 
Die Besatzung bestand nur aus einer Compagnie Artillerie. Die in- 
nere Mauer hat gewölbte OefFhungen zum Abzüge des Rauches, 
welche so über einander gebaut sind, dafs das untere Gewölbe den 
Pfeiler des oberen tragen mufs. Auf die Plateforme hat man wäh- 
rend des Friedens ein Dach gebaut, unter welchem die Garnison 
während dieses heifsen Sommers gewohnt hatte. Ueber den Kano- 
nen hat man, ebenfalls um dem Rauch einen leichtern Abzug zu 
verschaffen, kleine Oeffnungen mit Oessen angebracht, die in der 
Brustwehr der Plateforme ihren Ausgang haben. 

Diesem Fort gegenüber, auf Staten Island, steht auf einer 
Anhöhe ein anderes, jedoch bastionirtes Fort, das schon erwähnte 
Fort TompkinS) das am Ufer eine Batterie hat, um die narrows 
durch ein rasirendes Feuer zu vertheidigen. Von Lang island aus 
ist Fort Lafayette dominirt, und zwar von einer Anhöhe, beim 
Dorfe New-Utreclrf gelegen. Hier ist auch eine Bai, in welcher 
die englischen und hessischen Truppen im Jahre 1776 gelandet sind, 
als sie von Staten island herüber kamen, um sich von Long island 
Meister zu machen. Um diesen Punct gehörig zu besetzen , w ird 
jetzt nach dem Plane vom General Bernard auf dieser Höhe ein 
Fort angelegt, welches an das Fort Franz bei Koblenz erinnert. 
Unter dem Walle , dessen lange Face , oder vielmehr Front-Face 
375 Fufs lang wird , kommen Casematten, zur Wohnung und Ver- 
teidigung eingerichtet. Auf diese wird Erde geschüttet, und ein 
gewöhnlicher Wall gemacht. Vor diese Face in den Graben kommt 
eine gemauerte Caponiere, niedriger als der Wall, mit 6 Kanonen, 
3 auf jeder Seite, um den Graben nachdrücklich zu vertheidigen. 
Zur Vertheidimmo: des Grabens der beiden Seitenfacen werden — 
wie man auf dem Croquis sehen kann — kleinere Casematten , jede 
für drei Caronaden , gebaut. Längs der Contre-Escarpe läuft ein 
bedeckter Weg mit abgeschnittenem Glacis. Die Kehle des Werks 
wird durch eine doppelte Mauer geschlossen , deren Zwischenraum 
mit Erde ausgefüllt werden soll , um dem Werk als parados zu die- 
nen. Der Eingang ins Werk wird vermittelst einer Poterne ge- 
macht. In der Verlängerung der Capitale des rechten Schulter- 
winkels ist auf beiläufig 100 yards von dem Werk eine kleine An- 
höhe, von wo aus man einen Ravin einsieht Diese Höhe, auf der 



203 

bis jetzt ein hölzernes Blockhaus steht, wird durch eine viereckige 
Redoute mit einem steinernen Thurme, so wie sie in Bei i clor s science 
des Ingenieurs abgebildet sind , besetzt. Eine andere Anhöhe be- 
herrcht etwas die linke Seite des Forts, das jedoch durch eine 
zweckmäfsijre Schickung der Brustwehr vom bedeckten Wege da- 
gegen defilirt wird. Man hatte den Bau dieses Forts , das den Na- 
men Hamilton führen soll , erst begonnen , und die Ingenieur-Offi- 
ciere glaubten , dafs er gegen 4 Jahre dauern würde. Die Revcte- 
ments-Mauern werden von Gneifs aufgeführt, und die Gewölbe 
wahrscheinlich von Backsteinen. Das hiesige Gouvernement hat 
durch eignen Schaden den Nachtheil der in Entrepise gemachten 
Bauten eingesehen , und dieses wohldurchdachte Werk wird glück- 
licherweise nicht in Entreprise gemacht. General Bernard ist be- 
kanntlich ein Franzose ; er war Ingenieur in Antwerpen , und ge- 
wann durch seine soliden Kenntnisse und seine grofse Bescheiden- 
heit das Wohlwollen des Kaisers Napoleon, der ihn zu seinem Ad- 
judanten ernannte. Nach dem Kriege von 1815 kam er auf Empfeh- 
lung des Generals Lafayette in die Dienste der V. St. , und ist mit 
der Besoldung eines Brigadiers unter dem Titel Assistant Engeneer 
beim Ingenieur-Corps angestellt worden, ohne jedoch weder die 
Uniform des Corps zu tragen , noch einen Rang in der Armee zu 
bekleiden. Er war eine vorzügliche Acquisitum für dieses Corps, und 
ich war verwundert über die Kälte , mit welcher ich über diesen aus- 
gezeichneten Ingenieur sprechen hörte. Die Ursache dieser Kälte 
liegt wahrscheinlich in einem übel verstandenen Patriotismus; der 
General ist ein Ausländer , und viele Erfahrungen beweisen , dafs 
die Lage eines Ausländers im Militärdienste nur selten erfreulich ist. 
Uebrigens will man jetzt auch aufserhalb der narrows, um dieRhede 
von New- York noch besser vertheidigen zu können, 2 neue Forts 
auf Klippen anlegen, die durch ein kreuzendes Feuer feindlichen 
Schilfen das Einlaufen erschweren, und den Forts Lafayette und 
Tomphins als Vorposten dienen sollen. 

Ein Gewehrmacher Namens Ellis hatte ein Patent für s. g. Repe- 
tir-Gewehre bekommen. Ich besuchte denselben mit Herrn Tramp. 
So ein Gewehr feuert mehrere Male nach Einer Ladung. Es be- 
steht aus einem langen Rohr, in welches auf gewisse Distanzen so 
Aiele Zündlöcher eingebohrt sind, als es Schüsse thun soll. Dann 
ladet man das Gewehr mit der gewöhnlichen Ladung, setzt auf 
diese ein Stück Sohllcder, auf dieses wieder eine Ladung, und 
abermals ein Stück Leder, und so fort, bis die gehörige Anzahl 
Ladungen im Rohre sind. Für jede dieser Ladungen , deren Höhe 



204 

durch ein Zeichen am Ladestock bemerklich gemacht ist, befindet 
sich an der rechten Seite des Rohres ein besonderes Zündloch, das 
durch einen Schieber geschlossen wird. Das Schlote, bei welchem 
ein Magazin fürs Pulver zum Selbstautechütten angebracht ist, 
schiebt sich in einer Coulisse vom letzten Zündloche nach dem Ma 
tee der Abfeuerung bis zum ersten zurück , und in demselben Mafse 
mute man die Schieber der Zündlöcher offnen. Die Sache war mir 
sehr interessant. Herr Ellis hatte aber auch einen Versuch gemacht, 
sein System auf eine amerikanische Soldatenbüchse anzuwenden, 
und das schien mir zu weit gegangen. Denn ein solches Gewehr 
wird durch die Verlängerung des Rohrs viel zu lang und zu schwer; 
das Laden hält zu lange auf; überdiete möchte es sehr schwierig 
sein, einen Mann zur Behandlung dieser künstlichen Waffe gehö- 
rig abzurichten. Diese Ansicht, die sich mir sogleich aufdrang, 
bestätigte sich, als ich bei Herrn Ellis Versuche mit dem Rc- 
petir-Gewehre anstellte. Denn diese Versuche bewiesen , dafs die 
Ladung eines solchen Gewehres eine ungemeine Vorsicht erfordert, 
wenn keine Gefahr obwalten soll. Bei einem Gewehr zu 5 Schüssen 
gingen die beiden ersten einzeln los, die drei letzten aber zu- 
gleich ! 

Ebenfalls mit Herrn Tromp fuhr ich nach den verschiedenen 
Privat- Werften, die längs der Eastriver angelegt sind. Von den- 
selben gehört der ansehnlichste den Herren Bayard, meinen Ban- 
quiers. Auf einem der Werfte stand eine Fregatte von 64 Kanonen 
auf dem Stapel, welche für die Griechen bestimmt war. Man ar- 
beitete sehr fieiteig, und hoffte, dafs sie nächstes Jahr zu ihrer Be- 
stimmung abgehen würde. Sie wurde, wie die Schiffe des Gou- 
vernements, von life oak aus Carolina gebaut. Dieses Holz soll 
aufser seiner Dauerhaftigkeit den Vortheil haben, dafs, wenn Ku- 
geln hineinschlagen, diese durch das Holz gehen, ohne grotee 
Splitter zu machen , und durch solche Splitter werden bekanntlich 
mehr Menschen aufser Gefecht gebracht, als durch die Kugeln 
selbst. Auf einem andern Weifte lag eine Fregatte von 68 Kano- 
nen , mit einem elliptischen Sterne schon im Wasser. Sie war für 
Rechnung der Repubfik Columbia gebaut, und bald segelfertig. 
Ihre Bauart glich der eines Linienschiffes. In der Batterie war sie 
so hoch, dafs ich aufrecht stehen konnte. Auf dem obern Decke 
befanden sich die Kanonen in einer ununterbrochenen Reihe ; und 
dieses gab der Fregatte noch mehr das Ansehen eines Linienschif- 
fes. Die drei Maslbäume standen etwas rückwärts gelehnt, wie auf 
einem Schooner ; man sagte, dieses sei mehr Mode, als nützlich, 



205 

Man war, als wir an Bord traten, gerade beschäftigt, die Verschlage 
für die Cajüten der Ofliciere zu machen. Diese wurden von Ahorn- 
und Mahagoniholz gemacht; die Cajüten waren geräumig, und die 
Schlafstellen lang, so dafs den Officieren der Aufenthalt am Bord 
so angenehm als möglich gemacht wurde. Da die Cajüten nebst 
dem Mefs room sich im untern Deck befinden , so w ürde man , selbst 
während eines Gefechts, nicht genöthigt sein, die Verschlage hinweg 
zu nehmen. In der Batterie waren nur die Zimmer des Capitains. 
Noch standen auf dem Stapel zwei andere Kriegsfahrzeuge von 
kleinerem Schlage, welche ebenfalls für Columbia bestimmt sein 
sollten. Die Stücke für alle diese Schifle wurden in Herrn Cameis 
Eisengiefserei bei JVcstpoint gegossen. 

Das Gebäude der amerikanischen Bibelgesellschaft, zu wel- 
chem Herr Edd'j mich begleitete, ist durch freiwillige Beiträge der 
Mitglieder der Bibelgesellschaft erbaut, und war vor 3 Jahren vollen- 
det w orden. Es ist vier Stockw erk hoch , von rothem Sandstein 
und von Backsteinen, jund hat 22,000 Dollars gekostet. Im Erdge- 
schosse befindet sich das Bureau und das Magazin von gebundenen 
Bibeln, die, zwischen Breter geprefst, zum Versenden bereit lie- 
gen. Die englischen Bibeln werden zu 1 Dollar 40 Cents und die 
spanischen, von denen eine grofse Anzahl für Südamerika gedruckt 
werden, für \\ Dollar das Stück, verkauft. Für diesen Debit ist 
im Magazin eine Hinterthür, so dafs das kaufende Publicum und 
die zum Packen bestimmten Arbeiter nicht ins Haus zu kommen 
brauchen. Es werden auch viele Neue-Testamente einzeln ver- 
kauft. Im Bureau sah ich eine Sammlung alter und neuer Bibeln. 
Unter denselben bemerkte ich eine fValtonscke Polyglotte, von der 
ich bereits in der Bibliothek von Harvard College bei Boston ein 
Exemplar gesehen hatte. Ferner eine alte in der Schweiz gedruckte 
Bibel mit dem ganz alten deutschen Texte; dagegen auch eine 
neue, in Zürich sehr elegant in Folio gedruckt. Eine in irländi- 
scher Sprache mit ganz sonderbarer Schrift; eine halb in slavoni- 
scher und halb in russischer Sprache — bei welcher mir erzählt 
wurde, die Bibelgesellschaften seien in Rufsland verboten wor- 
den — , und zwei Bibeln in chinesischer Sprache, von denen die 
eine in Calcuüa, und die andere in Macao gedruckt waren. Die 
Buclulruckereien und die Buchbinderei der Gesellschaft befinden 
sich im 2., 3. und 4. Stockwerke des Gebäudes, und sind an einen 
Buchdrucker und einen Buchbinder in Aecord gegeben. Auf dem 
Boden dos Hauses werden die frisch gedruckten Bogen getrocknet. 
Die englischen und spanischen Bibeln weiden mit Stereotypen ge- 



206 

druckt; es sind jetzt 12, auch wohl 13 Pressen im Gange. Diese 
IVt -tu md von Eisen und sehr einfach; ohne Zeichnung würde 
ihre Beschreibung jedoch unverständlich sein. Bei jeder Presse ist 
ein Arbeiter und ein Knabe angestellt, der das Schwärzen der 
Platten zu besorgen hat. Bei dem Buchbinder werden mehrere 
A\ eiber und Mädchen zum Falzen der Bogen und zum Completiren 
gebraucht. Diese Personen arbeiten im 3. Stockwerke, und um 
ihnen alle Verbindung mit den männlichen Arbeitern abzuschneiden, 
hat man für sie eine besondere Treppe angelegt. Den grofsen 
\ ersammlungssaal der Mitglieder der Bibelgesellschaft zierten zwei 
ziemlich gut gemalte, lebensgrofse Portraits : das eine stellte den 
ehemaligen Gouverneur Jay vor und das andere den ersten Präsi- 
denten der hiesigen Bibelgesellschaft, Dr. Godenaugh. 

Die sogenannte high scfiool ist gleichfalls durch freiwillige 
Beiträge errichtet worden. In dem Gebäude derselben werden 
gegen 300 Knaben erzogen, jedoch nicht umsonst, wie in Boston, 
sondern gegen monatliche Beiträge, die verschieden sind in den 
verschiedenen Classen. In der ersten Classe wird für jedes Kind 
monatlich 3 Dollars gezahlt, in der zweiten 5 und in der dritten 
7 Dollars. Die Unterrichts-Methode ist die Lancast ersehe. In der 
untern Classe befinden sich kleine Kinder, von denen manche nur 
4 Jahre alt sind ; sie lernen buchstabiren , lesen , schreiben und die 
Anfangsgründe des Rechnens. Die Knaben sind alle auf den Pfiff 
abgerichtet, wie die Matrosen: sie stehen auf und setzen sich, neh- 
men ihre Schiefertafeln und stellen sie hinweg, formiren Classen 
zum wechselseitigen Unterricht, begeben sich wieder auf ihre 
Plätze: Alles auf ein mit der Pfeife gegebenes Zeichen. In der 
mittleren Classe wird der Unterricht weiter ausgedehnt. Die Kinder 
lernen die Grammatik, englisch und lateinisch, Geschichte, Geo- 
graphie, Physik; in der Mathematik rücken sie ebenfalls weiter 
vor. In der letzten Classe werden die Knaben in der höheren 
Mathematik unterrichtet und überhaupt vorbereitet, um die Uni- 
versität besuchen zu können. Als ich in den Schulsaal trat, wurde 
gerade Unterricht in der Geographie ertheilt. Der Lehrer fragte: 
wo liegt Weimar? Am Rhein, war die Antwort. Uebrigens er- 
zählte der Lehrer den Schülern in meiner Gegenwart die grofsen 
Verdienste, welche meine Vorfahren sich um die Reformation er- 
worben haben, und rühmte die Aufmunterung, die in neueren 
Zeiten den Gelehrten in Weimar geworden. Er sprach überhaupt 
mit der gröfsten Achtung von der deutschen Literatur, und schlofs 
mit dem Wunsche, dafs die Zöglinge bald in dieser Schule Unter- 



207 

rieht in der deutschen Sprache bekommen mochten. Als ich die 
Classe verliefs, hatten die Schüler, ohne äufsere Veranlassung, die 
Aufmerksamkeit, zu applaudiren ; und ich gestehe, dafs ich nicht 
ungerührt blieb. In dieser Classe wurden die Zeichen ebenfalls 
mit der Pfeife gegeben , jedoch in Verbindung mit einem , auf dem 
Katheder stehenden, kleinen Telegraphen. Die Schule, die erst 
seit ungefähr 7 Jahren besteht, besitzt übrigens eine ganz hübsche 
Mineraliensammlung und ein kleines physikalisches Cabinet. 

Das Institut für juvenile ojfcnders liegt aufserhalb der Stadt. 
Es ist für solche Rinder bestimmt, welche von Tribunalen zu Ge- 
fangnifsstrafen verurtheilt sind, und welche man, um sie zu bessern 
und zu erziehen, aus den Gefängnissen hinwegnimmt. Sind sie 
gebessert, und haben sie einige Erziehung bekommen, so werden 
sie entweder an Landbauer als Arbeiter, oder, wenn man glaubt, 
dafs sie einer fernem strengen Aufsicht bedürfen, als Mafiosen bei 
der Marine untergebracht. Die Mädchen bringt man als Dienst- 
mägde auf dem Lande an. Um ein zweckmäfsiges Local zu diesem 
Etablissement zu bekommen, kaufte die Gesellschaft, die dieses 
Institut errichtete, vom Gouvernement der V. St. ein Arsenal, 
welches ^ zu >veit vom Wasser entfernt, für den Dienst nicht be- 
quem g< iug lag. Es bestand noch kein volles Jahr und zählte 
schon 44 Inquilinen beiderlei Geschlechts. Die beiden Geschlechter 
leben völlig getrennt von einander, und jedes Kind bewohnt eine 
einsame Zelle. Bei Tage sind sie theils mit Lernen und theils mit 
häuslichen Arbeiten beschäftiget. Da das Gebäude noch nicht hin- 
reichend war, um a\\e juvenile offenders, die sich noch in den ver- 
schiedenen Gefängnissen des Staates befanden, zu beherbergen, 
so wurde im Innern des grofsen Hofes ein neues Gebäude aufge- 
führt, bei dessen Bau die Knaben Handlangerdienste verrichten 
mulsten. Einer dieser Burschen, der schon zweimal entsprungen 
war, ging mit einer Kette herum, an welcher eine schwere eiserne 
Kugel befestigt war. Als Unterlehrer, Rechnungsführer und Unter- 
aufseher des Etablissements diente ein junger Mensch von einer 
guten Familie, 16 Jahr alt, der wegen unwiderstehliches Hanges 
zum Stehlen eingesperrt war, von dem man jedoch hoffte, er 
würde noch ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft 
»erden. 

Von diesem Gefängnisse hinweg führte mich Herr Eddy nach 
dem, ebenfalls durch Subscription errichteten und erhaltenen Insti- 
tut für elternlose Kinder. Das Haus, in welchem sich 100 Zöglinge 
beiderlei Geschlechts befanden, hat eine sehr gesunde Lage, alle 



208 

Stuben sind geräumig und die Kinder schlafen in Sälen von 12 
Betten. Sic bekommen Unterricht im Lesen, Schreiben und Rech- 
nen, vorzüglich im Kopfrechnen, und werden, wenn sie 12 Jahre 
alt sind, auf dem Lande bei guten Pachtern untergebracht. Meh- 
rere der Knaben waren sehr stark im Kopfrechnen und löseten z.B. 
mit grofser Schnelligkeit und Präcision folgende 2 Fragen auf: 
wieviel beträgt 32ümal340, und wie viel Tage machen 3 Jahre, 
7 Monate und 21 Tage? Die Unterrichts -Methode ist ebenfalls die 
Lancaat ersehe. An der Spitze der Directoren des Instituts stehen 
meistens Quäker , unter denen sich besonders ein Ilerr Collins aus- 
zeichnen soll. 

Endlich fuhr ich mit Herrn Eddy nach dem state prison, das 
gegen 550 Gefangene beiderlei Geschlechts beherbergte und für 
700 Platz enthalten soll. Das Gebäude steht im Dorfe Greemrich, 
ist vor ungefähr 20 Jahren gebaut worden und befand sich damals 
ganz isolirt. Seitdem hat die Bevölkerung so zugenommen, dafs 
Greemvich mit New - York vereinigt und das Gefängnifs auf 3 Seiten 
mit Häusern umgeben ist; auf der 4. Seite ist der Hudson-Flufs. 
Im vordem Gebäude befinden sich die Bureaux und Magazine; 
hinter demselben sind 2 Höfe, die durch die Kirche getrennt sind. 
Ein Hof ist für die Männer und der andere für die Weiber bestimmt. 
Die Wohngebäude umgeben die Höfe und enthalten 3 Stockwerke. 
Die Gefangenen wohnen zu 8 in einer Stube, schlafen auf Stroh- 
säcken und decken sich mit wollenen Decken zu. Jede Schlafstube 
ist besonders verschlossen. Aufserdem haben sie grofse Speisesäle. 
Siebekommen ein gutes schwarzes Brod , Suppe, und dreimal in 
der Woche Fleisch, die andern Tage Fische. Die Werkstätte 
befinden sich in besonderen Gebäuden , die , zum Theile vou Holz, 
in einem besonderen Hofe stehen. Man findet alle Arten von Hand- 
werkern, und alle im Hause gebrauchten Kleidungssücke und 
Utensilien werden gemacht. Zum Verkaufe machte man vorzüglich 
Ilolzwaaren, Bürsten und anderen kleinen Hausrath. Die Gefan- 
genen bekommen kein Geld; und wollen sie durchaus nicht arbei- 
ten, oder führen sich sonst schlecht auf, so bringt das berühmte 
Solitary confinement sie sehr bald zur Besinnung. Im Gebäude 
fand ich Nichts auszusetzen , als dafs alle Treppen von Holz sind, 
und dafs überhaupt zu viel Holz angewendet ist. Das schien mir 
die Feuersgefahr sehr grofs zu machen. 

Noch sei mir vergönnt , ehe ich New - York verlasse , einige 
Einzelnheiten anzuführen, die vielleicht nicht ohne alles Interesse 
sein dürften. 



209 

Am zweiten Sonntage meines Aufenthalts in dieser Stadt 
— 2. Octobr. — ging ich mit dem Consul , Herrn Zimmermann, 
in eine deutsche lutherische Kirche. Ein alter Geistlicher, Namens 
Geiscnlteimer , hielt den Gottesdienst in deutscher Sprache. Es 
traf sich sonderbar, dafs, als ich in die Kirche trat, ein altes Lied, 
vom Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar gedichtet, gesungen 
wurde. Mein in Gott ruhender Vorfahr hat wohl nicht gedacht, 
dals der unwürdigste seiner Nachkommen erst in der neuen Welt 
erfahren sollte, dafs Er geistliche Lieder gedichtet habe, und dafs 
dieses Lied ihm zuerst, in New- York zu Gesichte kommen würde! 
Die Kirche ist sehr alt und keineswegs elegant; auch schien die 
Gemeinde eben nicht aus angesehenen Personen zu bestehen; Alles 
aber ist bezahlt, und die Kirche soll noch ein ansehnliches Capital 
besitzen. Ich freuete mich sehr über die gute Orgel und das gute 
Spiel des Organisten. 

Zwei Male war ich im Theater. Im Chalham th'aire, dem 
kleineren der Stadt, am Ende eines CafTeegai tens gelegen, wurde 
das Melodrama ihc Lady of Ute Lake ziemlich gut aufgefuhret. 
Der Saal gefiel mir gar wohl, und besonders gefielen mir die 
Decorationen. Das Theater war voll von Menschen, und die Hitze 
unerträglich. Es ist hier nicht Sitte, dafs Damen von der guten 
Gesellschaft oft ins Theater gehen. Im Parterre bemerkte ich 
auch nur Männer, von denen viele, wegen der Hitze, ihre Röcke 
ausgezogen hatten. Im grofsen oder jjarfe tl/catre, so genannt, 
weil es am Park steht, ward ein Drama William Teil gegeben, 
und eine Farce: Lore, Law and P/tysic. Das erste Stück ist 
keineswegs eine Nachahmung des Schillerschen, sondern ganz im 
englischen Geschmack; auch an Prügeleien fehlt es in denselben 
nicht. Wurde etwas zum Lobe der Freiheit gesagt, so applaudirte 
das Parterre jedes Mal. Uebrigens waren die Decorationen sehr 
hübsch; auch gefiel mir die Einrichtung des Saales; aber das Haus 
war ziemlich leer. Das Publicum genirt sich hier nicht viel; die 
Herren behielten in den Logen ihre Hüte auf den Köpfen, und 
machten sich's im Parterre so bequem als möglich. 

Am 3. October, Nachmittags, fand eine grofse Procession von 
mehreren hundert Negern Statt. Zum Theil gut gekleidet, zogen 
sie, Musik an der Spitze und mit Fahnen, paarweise durch die 
Stadt. Ein Neger-Clubb, IVilbcrforcc sociefy genannt, feierte 
durch diese Procession, die mit einem Diner und einem Ball be- 
schlossen wurde, den Jahrestag der Freisprechung der Schwarzen. 
Die in New-Ywk zu dieser Gesellschaft gehörigen Neger und 
/. O ^ 



210 

farbigen Personen halfen eine Casse angelegt, welche sie durch 
kleine freiwillige wöchentliche Beiträge erhalten , um kranke oder 
renmgluckte farbige Nebenmenschen zu unterstützen. Diese Cas- 
v,., in einem himmelblau angestrichenen Kasten aufbewahrt, wurde 
in der Procesaion getragen; der Cassirer Mar an einem grofsen 
goldenen Schlüssel, den er in der Hand hielt, kenntlich. Die 
übrigen Beamteten trugen Bänder von verschiedenen Farben und 
Medaillen, wie die Beamteten unsrer Freimaurer-Logen. An den 
Seiten gingen Steivards mit langen Stäben. Weiber und Kinder 
gingen nicht mit in der Procession, sondern neben derselben auf 
den Trottoirs. Während einer Viertelstunde begegnete man in 
hroadwoii fast nur schwarzen Gesichtern. 

Ein Herr J.R.Livingston, einer der angesehensten Einwohner 
des Staats Neio-York, lud mich ein, ihn auf seinem Landgute 
Massena bei Redhook, den Hudsons-¥\ufe ungefähr 100 Meilen 
hinauf, in der Gegend des Städtchens Hudson, zu besuchen, und 
einem Ball, den er zu geben gedächte, beizuwohnen. Ich nahm 
diese Einladung an, zumal da man mir sagte, ich würde die beste 
Gesellschaft, die noch gröfstes Theiles auf dem Lande lebte, ver- 
sammelt finden. Die Familie Grymes, die nicht lange nach mir 
in New - York angekommen war , nahm auch Theil an der Partie. 
Wir verliefsen also — den 5. Octobr. Abends um 5 Uhr — New- 
York, und begaben uns an Bord der nach Albany gehenden safety- 
barge , Lady van Rensselaer , welche eben so eingerichtet ist, als 
die bei meinem ersten Aufenthalt in Albany beschiiebene Lady 
Clinton. Das uns ziehende Dampfschiff hei fst Swiftsure; die Ma- 
schine hat die Kraft von 75 Pferden. Da Herr Livingston meh- 
rere Personen von der besten Gesellschaft in New- York zu seinem 
Feste eingeladen hatte , die sich alle auf demselben Schiffe befan- 
den , so gebrach es nicht an sehr angenehmer Unterhaltung. Gegen 
halb 6 Uhr setzten wir uns in Bewegung und erfreuten uns nicht 
lange am Anblick der schönen Ufer; denn es wurde sehr schnell 
dunkel. In der Nacht wurden wir ziemlich unangenehm mit der 
Nachricht geweckt, dafs der Swifiatire, während des dichten Ne- 
bels , der uns umgab , gestrandet sei. Nach vergeblichen Bemü- 
hungen, ihn wieder ilott zu machen, die gegen 5 Stunden dauer- 
ten, mufsten wir uns entschliefsen, auf ein anderes den Flufs hin- 
auf fahrendes Dampfschiff, Henry Eckford genannt, zu steigen, 
um so nach Redhook zu gelangen. Dieses Dampfschiff war schon 
alt und wurde eigentlich nicht mehr zum Transport von Reisenden, 
sondern nur als tow boat, um andere Schiffe zu bugsiren, gebraucht. 



— — 211 

Es hatte rechts und links ein Schiff, mit Waaren beladen, ange- 
bunden , und sah aus , wie eine Fähre. Wir befanden uns nicht 
sehr bequem an Bord, hatten übrigens alle mögliche Zeit und 
Mufse, um, nachdem der Nebel gefallen war, die ganz herrlichen 
Ufer vom Hudsons-Fluh zu betrachten. Anstatt früh 8 Uhr am 
Ort unsrer Bestimmung anzukommen, erreichten wir ihn erst gegen 
5 Uhr Abends. Wir wurden vom Besitzer, einem 76jährigen Greis 
und seiner liebenswürdigen Tochter empfangen, und setzten uns 
kurz nach unsrer Ankunft zum Diner. Das Haus liegt sehr schön 
auf einer Anhöhe in einem nicht besonders unterhaltenen Park. 
Es ist mit einer piazza umgeben; die Galleric und Säulen sind 
von Holz. Aufser mehreren neuen Bekanntschaften, die meistens 
zu der sehr ausgebreiteten Livingstonschen Familie gehörten, 
machte ich die eines Bruders unsers Wirthes, Herrn Edicard 
Livingston , Mitgliedes des Congresses der V. St. , eines Mannes, 
der wegen seiner Talente und seines persönlichen Characters in 
diesem Lande in grofsem Ansehen stand. Er hatte sich in Loui- 
siana niedergelassen, und war beschäftigt, ein neues Criniinal- 
Gesetzbueh für den Staat Louisiana auszuarbeiten, welches von 
Sachkundigen, die einzelne Hauptstücke gelesen hatten, sehr ge- 
rühmt wurde. Ich erfreute mich ganz besonders an dem Gespräche 
mit diesem würdigen altqpi Manne. Abends gegen 8 Uhr vereinigte 
sich die Gesellschaft zum Balle. Dieser Ball war sehr animirt; die 
Damen in sehr eleganten Toiletten. Man tanzte nur französische 
Contretänze; denn die amerikanischen Damen wollen aus Prüderie 
nicht walzen. Der Ball dauerte bis 2 Uhr Morgens. Ich lernte auf 
demselben zwei junge Officiere aus Westpoint kennen , Bache mit 
Namen, Urenkel vom Dr. Franklin. Ihre Grofsmutter war dieses 
grofsen Mannes einzige Tochter. Der eine war Lieutenant bei der 
Artillerie-Compagnie in Westpoint, und der andere — so wie sein 
Vetter in dieser vortrefflichen Schule erzogen — war im vorigen 
Jahre der Zögling, der alle ersten Preise davongetragen hatte. 
Er war dann als Lieutenant beim Ingenieur-Corps angestellt, und 
zweiter Professor der Ingenieur-Wissenschaften unter Hauptmann 
Douglafs geworden. 

Am folgenden Tage fuhr ich, trotz der grofsen Hitze, die 
besonders für mich in dieser vorgerückten Jahreszeit auflallend 
war, 2 Meilen weit, nach dem Landhause der verwittweten Gene- 
ralin Montgommery , der 82jährigen Schwester der beiden alten 
Herren Liviiigston und Wittwe des am 31. Decbr. 1775 bei Quebek 
gebliebenen Generals Montgommery. Diese würdige Frau war in 

O 2 



212 

ihrem höhet Alter noch im rollen Besitz aller ihrer geistigen 
Kräfte* nur ihre Augen hatten gelitten. Aufser ihrem schonen, 
auf einer Inhohe gelegenen Landhause, von welchem aus man 
einer rortreffOcheii Aussicht auf den Hudson - Flufs geniefst, hat 
vi«- ein bedeutendes Vermögen. An das Haus stöfst ein kleiner 
Park mit schönen Spaziergängen und einem gegen 40 Fufs hohen, 
natürlichen Wasserfall. Im Hause bemerkte ich, aufser mehreren 
alten Familicn-Portraits, für welche, wie ich allgemein bemerkt 
habe, die Amerikaner eine sehr grofce Hochachtung hegen, ein 
Portrait vom General Montgommery. Nach demselben mufs er ein 
sehr schöner Mann gewesen seyn. Um 4 Uhr Nachmittags ver- 
lieben wir dankbar unsern freundlichen Wirth, und fuhren auf dem 
Uii\i\p{'si:W\iX Olive blanche , welches der Familie Livingston gehörte, 
nach New -York zurück. Am andern Morgen um 6 Uhr langten 
w'w an. 

Inzwischen dachte ich an die Abreise, um nach Philadelphia 
zu gehen, und traf meine Einrichtungen zu derselben. Am letzten 
Tage meines Aufenthalts in New -York — 9. October — erhielt 
ich noch zwei interessante Besuche von dem preufsischen Geschäfts- 
träger in Washington, Herrn Niedersteücr, und von einem piemon- 
tesischen Grafen, Charles Vidua, der mehrere Reisen durch Scan- 
dinavien, Rufsland, die Türkei, Klein-A*|ien , das gelobte Land, 
Aegvpten u. s. w. gemacht hatte, und nun auch Amerika bereisete. 
Später machte ich selbst einige Abschieds-Besuche. Bei Herrn 
Eddy traf ich eine ganze Gesellschaft von Quäkern, Männern 
und Frauen. Man gab sich viele Mühe, mich von der Vortreft'- 
lichkeit ihrer Secte zu überzeugen , und schien nicht abgeneigt, 
mich in dieselbe aufzunehmen. Wenigstens rieth man mir ange- 
legentlich, den Briefeines englischen Schidscapitains zu lesen, der 
ein Quäker geworden war, und in diesem, an den König von 
England gerichteten Schreiben auf seine Anstellung in der Marine 
Verzicht geleistet hatte. Auch gab mir Herr Eddy Barclays Apo- 
logie der Quäker, ins Deutsche übersetzt, zum Lesen und Nach- 
denken. 



XL 

Reise nach Philadelphia und Aufenthalt in dieser Stadt. 
Bethcleliem und Nazareth. 

Vom 10. bis zum 25. Otteber 1825. 



Am 10. Oetober, früh um 6 Uhr, verliefsen wir die Stadt 
New- York in dem Dampfschiffe TltisHc , das uns gegen 40 Meilen 
weit in den Fluls Bariton bis New - Brunswic brachte. Wh* hatten 
einen starken Nebel, der den ganzen Tag anhielt. Schon seit 
mehreren Tagen hatten wir trübes und dabei sehr warmes Wetter 
gehabt; man schrieb es einem grofsen Hol/brande im Staate Maine 
zu. Kaum hatte sich unser Schiff in Bewegung gesetzt, als sich 
an der Dampfmaschine Etwas verwirrte, das nicht augenblicklich 
zu repariren war. Glücklicherweise kam das Dampfschiff Bellona 
in unsre Nähe, schlofs sich an uns an, und schleppte uns eine Zeit 
lang fort, bis unsre Maschine reparirt und wieder brauchbar war. 
Hierdurch hatten wir aber wenigstens eine Stunde verloren. Zur 
Linken hatten wir Staaten- ist and, und zur Rechten das feste L;uid 
>om Staat New -Jersey. Wegen des Nebels konnten wir sehr wenig 
von den Ufern sehen. Sie schienen (lach und morastig zu sein, 
und <\cn Ufern der holländischen Ströme zu gleichen. Erst als wir 
den Bariton hinauffuhren, wurden die Ufer höher. 

Inder Nähe von New-Brumwic gab man auf unserm Schiffe 
zu verschiedenen Malen durch 8 Schläge an die Glocke zu erken- 
nen, dafs die Passagiere im Schiffe 8 Slage coaehes brauchten. 
Bei unserer Ankunft standen denn auch diese 8 coaehes mit je 4 
Pferden bereit, und die Reisegesellschaft war so zahlreich, dafs 
wir alle 8, jede inwendig zu 9 Personen /reichlich ausfüllten. Wir 
hatten kaum Zeit, unser Gepäck unterzubringen, und konnten uns 
folglich nicht umsehen. Die Reise ging sogleich weiter durch 
New-Brunswic hindurch, welches ein nahrhafter und gutgebauiei 



214 



Ort zu sein leiden, 30 Meilen zu Lande, bis nach Trenton am 
Jhlmrnrc. Der Weg führte durch eine hüglige Gegend, war 
aber mit Sorgfalt angelegt; mehrere Vertiefungen waren ausge- 
füllt, um die Strafte eben zu machen. Diese Strafse ist nach Art 
der deutschen Chausseen gebaut, von klein geschlagenen Steinen 
niii Sommerwegen und Chausseegraben. Die Gegend ist gröfstes 
Thciles waldig; jedoch sieht man nur Laubholz, meistens zahme 
Kastanien - und Eichbäume. Das Holz ist planmäfsig ausgeschlagen 
und gewahrt einen reinlichen Anblick. Da, wo man den Wald 
ausgerodet hat, ist das Land gut angebaut, meistens mit türkischem 
Korn und vielen Obstbäumen. An mehreren der reinlichen Häuser, 
an welchen wir vorüberfuhren, sahen wir Obstpressen, um Aepfel- 
wein zu machen. Wir wechselten nur einmal die Pferde, in Prin- 
cefon , einem Städtchen, in dem sich ein College und ein geistliches 
Seminarium befinden. Gegen 4 Uhr Nachmittags erreichte unsre 
Caravane Trenton. Sie machte am Ufer Halt, und sogleich bega- 
ben wir uns an Bord des bereit liegenden Dampfschiffes Pliila- 
delpliia. 

Ich bedauerte sehr diese grofse Eile; denn ich hätte mich 
gern in Trenton etwas umgesehen. Es ist eine recht hübsche 
Stadt; und für mich hatte sie besonders das Interesse, dafs wäh- 
rend des Winters 1776 — 1777 General Washington von Philadel- 
phia aus, nachdem er den Delaware oberhalb Trenton auf dem 
Eise passirt war, die in Trenton stehenden Hessen überfiel und 
1400 von ihnen gefangen nahm. Der hessische Oberst Kall blieb 
bei diesem \ organge , einer der schönsten Waffenthaten in dem 
amerikanischen Kriege. Auch geht bei Trenton eine merkwürdige 
Brücke über den Delaware. Sie besteht aus 5 grofsen Bogen von 
hölzernem Hängewerke, die auf zwei gemauerten Piers und drei 
steinernen Pfeilern ruhen. Der Unterschied dieser Brücke und den 
gewöhnlichen Brücken dieser Art besteht darin, dafs bei diesen der 
Fahrweg auf der Tangente der Bogen zu laufen pflegt, bei jener 
hingegen der Fahrweg in den Bogen hängt und ihre Sehne aus- 
macht. Die Brücke scheint im Innern in zwei Strafsen getheilt zu 
sc) n , damit die Wagen sich nicht begegnen können ; auch scheint 
sie auf beiden Seiten Trottoirs zu haben. Leider war der Schiffer 
so eilig, dafs ich diese interessante Brücke nicht genau besehen 
konnte. 

Die Ufer des Delaicare sind hüglig, gut angebaut und mit 
netten Dörfern und eleganten Landhäusern bedeckt. Die Gegend 
und sdbst die Breite des Flusses, erinnerte an den Main bei Frank- 



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215 

Gort. Leider konnten wir uns auch nicht lange an dieser schönen 
Landschaft erfreuen , da wir uns sogleich nach unsrer Abfahrt zum 
Essen setzten, und es später dunkel wurde. Wir fuhren unter 
andern an den Städtchen Burlington und Bordentown vorbei , wo 
der Graf Survilliers — Joseph Bonaparte, vormaliger König von 
Spanien — ein sehr schönes Landhaus haben soll. Gegen 8 Uhr 
Abends erreichten wir Philadelphia. Herr Tromp, der einige 
Tage früher von New*. York abgereiset war, hatte für Wagen 
und Quartier gesorgt; er kam sogleich an Bord und brachte uns 
nach dem Mansion - housc. In demselben wohnten wir nicht so 
prächtig, als in New - York , fanden aber Alles gut und bequem. 
Bin Advocat aus New -York, Namens Palmer, den wir in Boston 
kennen gelernt und in unsrer Reisegesellschaft wieder gefunden 
hatten, schlofs sich an uns an. 

Am folgenden Morgen fuhren wir bei Zeiten aus, um uns in 
dieser Stadt, die über 120,000 Einwohner zählt, umzusehen, zu 
orientiren, und sogleich einige Merkwürdigkeiten zu besehen *). 
Es ging die Marktstrafse hinab, über den Schuylhill hinweg. In 
der Mitte der breiten Marktstrafse, oder high-street, fielen uns zu- 
erst die sehr langen Markthallen in die Augen, und auffallend 
waren uns die langen geraden Strafsen, die ins Unendliche zu 
gehen schienen. Sie sind gröfstes Theiles mit Pappeln bepflanzt) 
und mit breiten sehr reinlichen Trottoirs von Backsteinen versehen. 
An Eleganz der Läden und an Lebhaftigkeit in den Strafsen, 
schien uns hingegen Philadelphia weit hinter New -York zurück 
zu stehen. 

Die beiden Brücken über den Schuylkill sind von Holz. Die 
erste , am Ende der Marktstrafse , Market - Street Bridge , besteht 
aus drei bedeckten Bogen, von sehr starkem Holze, die auf zwei 
steinernen Piers und zwei steinernen Pfeilern ruhen. Diese Piers 
und Pfeiler sind auf Felsengrund gebaut. Der westliche Pier hat 
\ielc Arbeit erfordert, da der Felsen, auf den er gegründet ist, 
41 Fufs unter dem gewöhnlichen Wasserstande liegt. Mehr als 
75,000 Tonnen Steine sollen bei diesem Pier verwendet worden 
sein. Die Länge dieser Brücke, mitEinschlufs der Piers, beträgt 
1300 Fufs, wovon das eigentliche hölzerne Werk nur 550 Fuß 
einnimmt; die Spannung des mittlem Bogcns beträgt 190 Fufs, und 
die der beiden andern, jede 150 Fufs. Eine im Jahr 1798 errich- 
tete Gesellschaft hat diesen Bau unternommen , und denselben in 



) S. den beiliegenden Plan 



216 

<) Jahren vollendet. Am Anfang der Brücke steht ein Obelisk, 
dessen Inschrift diese Angabe enthält. Aufser einer Ausgabe von 
40,000 Dollars für das Areal, auf welchem die Brücke mit ihren 
Pependenzien erbaut worden ist, hat ihr Bau 235,000 Dollars ge- 
bortet Etwa eine Meile oberhalb dieser Brücke geht eine andere 
Über den Sckuylkill, die im Jahre 1813 beendigt Morden ist, und 
150.000 Dollars gekostet hat. Sie ist ebenfalls von Holz gebaut und 
besteht aus einem einzigen Bogen , dessen ^Sehne 340 Fufs 4 Zoll 
beträgt. Auf beiden Brücken erlegt man einen kleinen Zoll. 

Etwas nördlich von der letzten Brücke , auf dem linken Ufer 
des Sckuylkill, ist die Wasserkunst — water works — vermittelst 
welcher die ganze Stadt Philadelphia mit Wasser versehen wird, 
die Häuser bis ins höchste Stockwerk. Man hat durch die Anlegung 
eines Wehrs das Wasser im Scltuylkill erhöht *). Es läuft in ein, 
hinter dem Damm gelegenes Bassin, wie in einen Mühlteich. Von 
hier aus treibt es durch seinen Fall 3 Räder, welche in einem Ge- 
bäude befindlich, 16 Fufs im Durchmesser haben. Diese setzen 

3 horizontal liegende Pumpen in Bewegung, die das Wasser an- 
saugen, und dann durch eiserne Röhren in 2 Bassins treiben, 92 
Fufs über der Oberfläche des Flusses, In 24 Stunden können über 

4 Millionen Gallonen Wasser in die Bassins gebracht werden. Aus 
diesen Bassins wird in Röhrenfahrten das Wasser durch die ganze 
Stadt verbreitet. In allen Strafsen stehen auf gewisse Distanzen 
Brunnen, an welche bei Feuersgefahr die Schläuche angeschraubt 
werden, um die Spritzen mit Wasser zu versehen. Gewöhnlich 
geht nur ein Wasserrad und eine Pumpe; die andern dienen 
mehr zur Reserve, und werden nur bei Wassermangel oder bei 
Feuersgefahr gebraucht Seit 2 Jahren ist dieses Werk, das von 
einem Wassei baukundigen, Namens Graff, erfunden worden ist , im 
Gange; seine Anlegung hat 432,512 Dollars gekostet; sein täglicher 
Unterhalt, mit dem Lohn von 2 Aufpassern, kostet höchstens 5 
Dollars. Durch Anlegung des Wehrs ist auch oberhalb desselben 
der Schuylkill schiffbar gemacht, und um die Schiffahrt des obern 
Theils mit dem untern zu verbinden, ist ein Canal gegraben worden, 
der eine Schleuse enthält. 

Ein hoher viereckiger. pyramidalischer Thurm erregte unsere 
Aufmerksamkeit und lockte uns an. Es war eine Schrot-Fabrik. 
Der Thurm ist 166 Fufs hoch und dient dazu, das Blei, das durch 
einen blechernen Kasten gegossen wird, dessen Oeflhungen so 



*) S. die Ansicht der Wasserwerke. 



217 

grofs sind, als man die Schroten haben will, von der ganzen Höhe 
hinab in Wasser fallen zu lassen. Im Fallen bildet es sieh von 
selbst zu Rugeln und wird kalt, sobald es ins Wasser kommt. 
Man giefst verschiedene Nummern von Schroten unter einander. 
Um sie zu sondern, bringt man die Schroten in eine Art Mulde, 
deren Boden tlach ist , und bewegt diese mit etwas Wasser ganz 
leicht, die eine schmale Seite des Kastens etwas tiefer, als die an- 
dere , haltend. Die guten Schroten rollen alsdann in einen , unten 
stehenden Behälter, und die schlechten bleiben liegen. Hierauf 
schüttet man die guten Schroten durch Trichter in eine Art Com- 
mode, die auf Kufen wie eine Wiege steht. Die Schubfächer 
haben blecherne durchlöcherte Böden. Im obersten Schubfachc 
sind die gröfsten Löcher, im untersten die kleinsten. Sind die 
Schroten in die obern Kasten geschüttet, so schliefst man diese, 
und wiegt die Commode einige Minuten lang. Dadurch scheiden 
sich die Schroten nach ihren Nummern, deren Zahl, wenn ich 
nicht irre, 14 ist. Um den Schroten eine glatte und völlig kugel- 
runde Form beizubringen, wirft man sie in einen an einer Mühl- 
welle befestigten Kasten, in dem sie einige Zeit lang herumo-e- 
schleudert werden. Dann packt man sie nach ihren Nummern in 
Säcke , und bringt sie ins Magazin. 

^ or dem Staatenhause, dessen Erdgeschofs zum Rathhause 
dient, war eine grofse Menge Menschen versammelt. Wir hörten, 
man habe vor, einen neuen Stadtrath zu wählen. In den Wirths- 
häusern in der Nähe dieses Hauses — das übrigens in historischer 
Hinsicht merkwürdig ist, weil am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeits- 
Acte in demselben unterzeichnet wurde , und der Congrefs in dem- 
selben seine Sitzung hielt, bis er nach Washington verlegt wurde — 
waren Fahnen ausgesteckt, die zu erkennen gaben, welcher Partei, 
Föderalisten, oder Democraten, diese Häuser zum Sammelplatze 
dienten. Man hatte Zettel in den Häusern ausgegeben, um die 
Bürger einzuladen, für eine oder die andere Partei zu stimmen. 
Nach diesen Zetteln hätte man schliefsen mögen, die Stadt sei 
in grofser Gefahr *). Die Wahl ging aber zum Verwundern 
(ruhig ab. 



") Hier ist ein solcher Zettel. 
SM, 

TFic cucloscd Fedeiial Repihlica* Ticket is carncstly recnniincndcd 
lo yon for ynur snpport, TMS DAY. Our opponents arc active— Dann. . 
threatens — Evcry vdte is important— onc may be decisive 0c tnercfor« 



218 

In Chesnul slrect , der elegantesten Strafse der Stadt , zog die 
Bank der V. St. unser Auge auf sich. Es ist das schönste Gebäude, 
das ich bis jetzt hier im Lande gesehen hatte. Es ist aus weifsein 
Marmor nach dem Modell des Parthenon zu Athen gebaut. Seinen 
Eingang zieren 8 dorische canellirte Säulen. Eine grofse breite 
Treppe, ebenfalls von weifsem Marmor, führt nach diesem Ein- 
gänge. Der weifse Marmor ist hier übrigens sehr gemein ; an den 
meisten Häusern sind die äufseren Treppen davon gemacht. Die 
Treppengeländer sind meistens von Eisen und mit messingenen 
blanken Knöpfen versehen. Sogar an vielen der Fufskratzen be- 
merkte ich diese blanken Knöpfe. Die Privathäuser sind durch- 
gängig von Backsteinen gebaut. In den Kellern scheinen die 
Küchen u. s. w. sich zu befinden , denn ich bemerkte eine sehr gute 
Einrichtung, die ich bereits in mehreren Städten gesehen hatte, 
dafs sich nämlich im Pflaster der Trottoirs vor den Häusern mit 
eisernen Platten verschlossene OetThungen befinden, durch welche 
Holz, Kohlen u. s. w. hinunter geworfen werden, ohne dafs die 
Arbeiter das Haus betreten. 

Noch besuchte ich einige Buchhandlungen. Der Laden von 
Carey und£ee schien besonders gut assortirt; und unter den Land- 
charten-Handlungen schien die von Tanner die beste zu sein. 

Auf ähnliche Weise ging es in den folgenden Tagen , die ich 
in Philadelphia verweilte. Zu gleicher Zeit wurden einige interes- 
sante Bekanntschaften gemacht, jedoch weniger als bisher, weil 
die Mufse dazu fehlte. Das Merkwürdigste, das ich gesehen habe* 
erlaube ich mir in derselben Ordnung näher anzugeben , in w elcher 
es mir bekannt geworden ist. 

Das Museum ist von einem Maler, Namens Peal, zusammen- 
gebracht worden, gehört aber jetzt der Stadt. Eine hölzerne 
ziemlich breite Treppe führt in die erste Etage. Auf einer der 



on the alert — vote carly for your nwn convenienee", and the public good. 
Drin»; your friends to the poll, and all will be well. 

The improvement. of the City ig carcfully regardcd— good order and 
tranquillity abounds— general prosperity is cverywherc apparent. Tbcn 
Mime, by your vote This Day, a continuance of the present happy 
Btate of things. 

Onr Mayor is independent , faithful, and vigilnnt : — TflTw will bc 
Wayor, if we fall .'.'/— Tliink on litis , and hegitate no longer, but voto 
llic whole of Üic enclesed ticket. 

(Natur alized Citizens will plcaec to takc their certificate^ with thcni) 
Tuesdag, Ottobor Utk, 1825. 



219 

Stufen befindet eich ein ziemlich lockeres Bret : wenn man den Fufs 
auf dasselbe setzt, so wird eine Klingel bewegt, die den Thür- 
hüter benachrichtiget, dafs Fremde kommen. Die beiden ersten 
Säle sind mit Portraits der berühmtesten Männer aus der amerika- 
nischen Revolution und einiger berühmten noch lebenden Gelehr- 
ten und Naturforscher ausgeschmückt. Am besten gefiel mir ein 
grofses Gemälde, welches den 82jährigen Maler Peal vorstellt und 
von ihm selbst gemalt worden ist: der Maler hebt einen Vorhang 
auf, der den Eingang zum Museum verdeckt, und man erblickt 
hinter demselben 'einen Theil dieses Etablissements dargestellt. 
Der eine Saal enthält meistens vierfüfsige Thiere, mehrere grofse 
Seethiere und Affen. Von diesen scheinen einige in einer Schmiede 
und andere in einer Schuhmacherwerkstatt zu arbeiten ; einer lieset 
die Zeitung. Auch sieht man liier eine bedeutende Suite von Eich- 
hörnchen , und ein Schnabelthier aus Neuholland. In einem andern 
Saale steht eine grofse Sammlung von Vögeln; die meisten sind 
amerikanische, jedoch auch einige ausländische. Unter diesen be- 
merkte ich besonders eine sehr schöne Mänura. Ferner befinden 
sich in demselben Conchyfien verschiedener Art und Mineralien, 
jedoch auch eine Menge Kleinigkeiten, Guckkasten und dergl. 
Interessant sind die indianischen Costüme und Waffen aus verschie- 
denen Weltgegenden. Merkwürdig 2 lebendige schwarze Schlan- 
gen und ein häfslicher lebendiger Leguan. 

Das Merkwürdigste unter Allen aber ist unstreitig das be- 
kannte, so oft beschriebene und abgezeichnete Skelett eines Main- 
moitth, das eigentlich das Museum berühmt gemacht hat, und das 
wohl einen bessern Platz verdiente, als den Winkel, in welchem es 
hinter einer Menge Kasten mit Kleinigkeiten versteckt stehet. Die 
Höhe der Schultern beträgt 11 Fufs; die Länge des Thiers, über 
die Biegungen des Rückens, von der Spitze des Kopfes bis zum 
Schwanz gemessen, 31 Fufs; in gerader Linie beträgt diese Ent- 
fernung nur 17j Fufs. Die beiden grofsen nach aufsen gekehrten 
Zähne sind 10 Fufs 7 Zoll lang. Einer der Backzähne — Vorder- 
zähne hat er nicht — hat 1 Fufs 6] Zoll im Umfang und wiegt 
4 Pfund 10 Unz. Das ganze Skelett wiegt ungefähr 1000 Pfund. 
Es fiel mir auf, dafs die Knie der Vorderbeine sich rückwärts und 
nicht vorwärts biegen. Dieses Gerippe ist übrigens in einem Morast 
im Staate New -York gefunden worden, und ein Gemälde stellt die 
Maschine vor, mit welcher man das colossale Gebäu aus diesem 
Moraste herausgebracht hat. Des Contrastes wegen hat man an 
den einen Fufs des Mammoulh das Skelett einer Maus gestellt. 



220 

Im oberen Stockwerk ist das Gerippe eines galoppirenden 
Pferdes, auf welchem das Gerippe eines 6 Fufs greisen Reiters 
tatst] dann mehrere Menschen- und Thierschädel; das Gerippe 
eines Osage- Indianers; mehrere Monstrositäten, z.B. eine Kuh mit 
(i Beinen, von »eichen 2 aus dem Rücken gewachsen sind; ein 
ausgestopftes Crocodil; mehrere ausgestopfte Scldangen, beson- 
ders mehrere Arten von Klapperschlangen, mit häfslichen dicken 
und breiten Köpfen: eine derselben hat 13 Klappern an ihrem 
Schwänze. Auch noch eine recht artige Coneh\lien-Sammlung. 

Die Academy qf fine arts ist eine Sammlung von Gemälden 
und Statuen. Die besten Werke, die wir sahen, gehören dem 
Grafen Survillicrs , der sie hieher geborgt hatte. Unter ihnen 
waren des Grafen eignes Portrait im spanischen Krönungsornat, 
die Portraite seiner Gemahlin und seiner beiden Töchter, noch als 
Kinder, alle von Gerard in Paris gemalt; dann 4 Büsten: M"" 5 
Mere. die Königin von Neapel — M»' c Mural — , die Prinzessin 
Borghese und die Kaiserin Marie Louise, endlich eine liegende 
Statue, den kleinen König von Rom vorstellend, sämmtlich von 
Canova. Unter den anderen Gemälden bemerkte ich mehrere aus 
der flämischen Schule, wenige italienische, aber einige recht brave 
Stücke von Grauet, das Innere italienischer Klöster zeigend. Zwei 
grofse Gemälde, die Kinder der Niobe von Rchberg, und die Er- 
weckung des Todten durch die Berührung der Gebeine des Pro- 
pheten Elisa , von dem amerikanischen Maler Allston , mögen we- 
gen der Composition ihre grofsen Verdienste haben, mich aber 
wollte weder das Colorit ansprechen, noch die Ausführung. Die 
Statuen sind meistens Gypsabgüsse der berühmtesten Antiken ; je- 
doch bemerkte ich unter ihnen auch die Venus von Canova. 

Bei einer Wanderung durch die Strafsen, fiel mir ein Gebäude 
auf, mit einer Kuppel, nach Art des römischen Pantheons. Ich 
hörte, es sei eine Baptisten-Capelle. Also trat ich hinein. Die 
innere Einrichtung aber war sehr einfach, und bot Nichts Merk- 
würdiges dar. In der Mitte befindet sich der Taufstein, um Er- 
wachsene zu taufen, eine Art Marmorbad, wie etwa im Weimari- 
schen Schlosse. Bei dieser Gelegenheit will ich bemerken, dafs 
nach einer Beschreibung von Philadelphia folgende Secten in die- 
ser Stadt ihre Kirchen haben: 1) Katholiken, 2) Protestant Epis- 
copal Church ; 3) Presbyterians; 4) ihe Seots Presbyterians; 5) the 
Convcnanters or reformed Presbyterians ; 6) Ute Baptists; 7) the 
Metkodists— die meisten Schwarzen, ebenfalls in grofser Anzahl 
hier in Philadelphia, gehören zu dieser Secte — ; 8) the Friends, 



221 

or Quäkers; 9) t he free Quäkers; 10) Gcrman Lt/t heran; 11) 
Germern reformed; 12) Reformed Vulch; 13) Ute Universalis! s; 
14) Swedenborgians ; 15) Moravians , or United Brei /iren — Herrn 
Initiier — ; 16) Swedisch Luthertm; 17) Mouni Zion; 18) Meno 
nists; 19) Bible Christians; 20) Mariners Church; 21) Z.7//M 
r/a/*s und 22) Juden. Und alle diese Sccten leben friedlich neben 
einander und mit einander. 

Ein Kaufmann, Herr Halbach, an den ich empfohlen war, 
brachte mich in zwei, in der Nähe der Stadt liegende, Gärten. 
Der eine dieser Gärten gehört einem sehr reichen Kaufmann, 
Namens Pratt. Er liegt auf einer Art felsiger Halbinsel, welche 
der Schuylkill bildet, dicht hinter den Waterworks, Der Grund 
besieht meist aus Gneifs mit Thoncrde. Der Besitzer kommt wenig 
hin, und dieses sieht man dem Garten an; denn anstatt schöner 
Bowlingreem stehen Kartoffeln in demselben und Rüben. Die 
Bäume aber sind sehr schön, meistens Kastanien und einige hickory- 
Nufsbäume; auch bemerkte ich 2 besonders grofse und starke 
Tulpenbäume, von welchen der eine wohl 15 Fufs im Umlange 
haben mochte. In den Gewächshäusern ist eine hübsche Orangerie, 
auch eine schöne Sammlung von ausländischen Pilanzen, besonder; 
von Fettpflanzen; unter denselben fielen mir einige Euphorbien aus 
Südamerika auf. Palmen wenige. Der Gärtner, ein Engländer 
von Geburt, schien mit seinen Pllanzen sehr gut bekannt zu sein. 
Durch einen hydraulischen Widder wird das Wasser aus dem Flufs 
in mehrere Bassins und bis ins Gewächshaus getrieben. Auch be 
findet siclf eine mineralische, eisenhaltige Quelle in dem Galten. 
Von. mehreren Puncten desselben hat man übrigens eine sehr schöne 
Aussiebt auf den Schuylkill, dessen mit Holz bewachsene Ufer 
wegen der bunten Farben der Blätter, die der Herbst ihnen gege- 
ben hatte, einen reizenden Effect gewährten. Der andere Galten. 
Woodlands, gehört der Familie Hamilton. Der Weg führte uns, 
durch das fast ganz aus Landhäusern bestehende Dorf Manhfa, in 
welchem Herr Halbach ebenfalls ein Landhaus besitzt. Woodlands 
sieht mehr, als Herrn Pralls Landsitz, einem englischen Park ähn- 
lich. Das Wohnhaus ist grofs und mit 2 Perrons versehen; von 
beiden geniefst man schöner Aussichten: von dem einen auf den 
Schuylkill, über welchen hier eine schwimmende Brücke führt 
Im Wohnhause befindet sich eine hübsche Gemäldesammlung, in 
welcher mehrere Stücke aus der niederländischen .Schule sind. 
Besonders fiel mir das Bild einer weiblichen Figur auf, die, im 
tiefsten Negligee, auf dem Rücken liegt, und deren brechende 



222 

Augen eine besondere jouissance verrathen. Auch fehlt es nicht an 
einer Orangerie und an einem Treibhause, das einen französischen 
Kunstgärlner zum Vorgesetzten hat. 

In dem Navyyard, den ich mit Herrn Tromp besuchte, wurden 
wir von einem Lieutenant von der Navy und dem Major Miller von 
den Mariniers herumgeführt. Ich lernte dabei den Schiffs-Con- 
strueteur Humphreys kennen, der für einen der geschicktesten 
Männer in seinem Fach in den V. St. gehalten wird, und vor 3 
Jahren auf Befehl des hiesigen Gouvernements England und die 
dortigen Werfte bereiset hat. Der Navy yard selbst ist eben nicht 
grofs; denn die grofsen Schiffe Meiden hier zwar gebaut, aber 
nicht ausgerüstet, weil im Delaware nicht Wasser genug ist, um 
völlig armirte Linienschiffe zu tragen. Auf dem Stapel standen 
ein noch nicht vollendetes Linienschiff und eine Fregatte , die in 
kurzer Zeit fertig sein konnte. Das erstere konnte 140 Stück ent- 
halten, und sollte das gröfste Schiff werden, welches je gebaut 
worden ist. Die Fregatte wurde für 64 Stück eingerichtet. Beide 
Schiffe hatten elliptische Sterne und standen unter Dach und Fach. 
Das über dem Linienschiffe stehende Haus war so grofs , dafs ich 
an einer Seite 104 Fenster zählte. Zwischen diesen beiden Häusern 
wollte man den Kiel zu einer Corvette legen. In Dienst befand sich 
kein Schiff hier; in ordinary lag eine kleine, vor einigen Monaten 
aus Westindien, wo sie gegen die Seeräuber gekreuzt hatte, zurück- 
gekommene und zum fernem Seedienst unbrauchbare Dampfbrigg, 
Sea Gull, welche als reeeivitig ship diente. Die beiden in Con- 
struclion befindlichen Schilfe wurden von life oak gebaut und durch 
Salz gegen den dry rot geschützt. 

In Philadelphia wohnen viele Deutsche und Nachkommen von 
Deutschen. Angesehene Männer unter ihnen haben eine deutsche 
Gesellschaft gebildet , welche besonders für die unglücklichen 
Deutschen, die vor einigen Jahren in grofser Zahl hier einwander- 
ten, ungemein viel gethan hat. Als diese Herren meine Ankunft 
erfahren hatten, luden sie mich zu einem Diner ein, das sie mir zu 
Ehren veranstalteten. Es fand Statt am 15. October, in der Maso- 
m'c hall, einem grofsen, von den hiesigen Freimaurern errichteten 
Gebäude , dessen Erdgeschofs mit seinem schönen grofsen Saal zu 
öffentlichen Festen eingerichtet ist. Ich fand eine Tafel von 70 
Couverts. Alles war splendid. Vor dem Essen ward ich mit den 
anwesenden Gästen bekannt gemacht; die deutschen Abkömmlinge 
hatten ihre alte Muttersprache beinahe vergessen. Diese sind mei- 
stens llcchlsgelehrte. Die anderen waren gröfstes Theiles Kauf- 



223 

leute; auch einige Handwerker. Beim Dessert wurden mehrere 
toasts zu Ehren Amerika's und Deutschlands , und auch der meinige 
ausgebracht, für den ich, wie sich von selbst versteht, in einer 
Rede dankte. Alle Diener waren Schwarze. Auch die Musik wurde 
von Schwarzen gemacht; denn weifsc Musikanten spielen niemals 
öffentlich. Nach jedem tonst wurde gespielt; unsere Virtuosen 
kannten aber nur 2 deutsche Stücke , die ausreichen mufsten. Nach 
meiner Gesundheit spielten sie: „ein Schüsserl und ein Reimerl"; 
und nach der des deutschen Athens : „o du lieber Augustin". Nach- 
dem alle vorgeschriebenen toasts durch den Präsidenten, einen 
Herrn Hampole, ausgebracht waren, wurden sogenannte rohmtarij 
toasts getrunken, die ins Unendliche gingen. Ich zog mich aber 
sobald als möglich zurück und begab mich zu einem Herrn Hals/t, 
Redacteur einer Zeitung, an den ich empfohlen war. 

Bei Herrn Hals/t fand ich eine zahlreiche Gesellschaft, meistens 
Gelehrte. Diese Gesellschaft nennt man die Histar party. Es 
ist ein gelehrtes Kränzchen, das seine Existenz einem alten Quäker- 
Arzt, Dr. Wistar, verdankt. Dieser Mann versammelte nämlich 
alle Sonnabende <lie Gelehrten und public characters von Philadel- 
phia in seinem Hause; und alle gut empfohlene Fremde wurden 
eingeführt. Nach seinem Tode ist die Gesellschaft von seinen 
Freunden unter seinem Namen fortgesetzt worden , jedoch mit dem 
Unterschiede, dafs sie sich jeden Sonnabend bei einem andern Mit- 
gliede Versammelt. Man unterhält sich gewöhnlich über gelehrte 
und wissenschaftliche Gegenstände. Ich traf dieses Mal unerwartet 
Herrn E. Livingstoti in der Gesellschaft; auch lernte ich den Mayor 
von Philadelphia, Herrn Watson, kennen. Ich wurde mit sämmt- 
lichen Herren bekannt gemacht, und hörte sehr interessante Ge- 
spräche. 

Herr Shoemaker , selbst ein Quäker, brachte uns nach einem 
Quäker meeting Jtouse. Die Quäker haben bekanntlich keine Geist- 
lichen, sondern sie sitzen ruhie; in ihrer Versammlung, bis dafs der 
Geist über den Einen kommt oder über den Anderen. Der Ergrif- 
fene predigt alsdann ad libitum, es sei Mann oder Weib. Die 
Versammlung war ganz ruhig, als wir eintraten, und blieb ruhig. 
Wir safsen über eine Stunde; der Geist aber kam über Niemand. 
Endlich trat die Langeweile ein, und wir gingen unerbaut nach 
Mause. Die Kirche, oder vielmehr das meeting house, ist übrigens 
aufseist einfach, ohne die geringste Verzierung. Der ganze Saal 
ist mit Bänken angefüllt und gegenüber, auf erhöheten Bänken, 



224 

sitzen dio Aeltesten der Gemeinde beiderlei Gesclilecltts, und 
diejenigen, welche schon gepredigt haben. 

Kin Quäker, Herr Jattx, steht an der Spitze verschiedener 
öffentlicher Anstalten in Philadelphia. Ich war ihm durch Herrn 
Eddy empfohlen worden; er hatte mich sehr freundlich, obwohl 
mit Du, empfangen, und versprochen, mir jene Anstalten zu zeigen. 
Wir begaben uns also zu ihm. In seinem Hause sahen wir zuvör- 
derst mehrere Gemälde und Kupferstiche, welche auf das erste 
Etablissement der Quäker in diesem Staat Bezug hatten ; auch das 
Modell zu einem Monument, das dem Andenken William Patn's 
errichtet werden sollte. Das Modell stellte einen Obelisk vor, und 
war aus Holz von dem Ulmbaum gemacht, unter welchem dieser 
grofse Wohlthäter der Menschheit den Tractat mit den Indianern 
abgeschlossen hat *). Hierauf fuhren wir nach dem neuen Pcni- 
Iciitiary, einem Gefängnisse, das in der Nähe der Watcr works 
gebauet wurde. Man wollte versuchen , im Gesetzbuche von Pen- 
sylvanien die Todesstrafe ganz abzuschaffen und an deren Statt 
das solitary confinement , das bis jetzt eigentlich nur als eine Haus- 
strafe in den Gefängnissen betrachtet ward, einzuführen, und zwar 
auf Lebenszeit. So wollte man auch die Gefangenen, die zu hard 
labor verurtheilt sind, nicht mehr zusammen in Werkstätten arbei- 
ten lassen, sondern jeden einzeln einsperren und ihnen keine Arbeit 
mehr geben. Zu diesem Ende baute man in Quadrat einen grofsen 
Hof, dessen Seiten 650 Fufs lang sind. Dieser Hof hat nur einen 
Eingang, über dem ein gothisches Gebäude steht, zur Wohnung 
der Beamteten , zu den Büreaux, zu Wachtstuben und zur Infir- 
merie bestimmt. Das Eingangsthor selbst gleicht hinsichtlich seiner 
Festigkeit dem Thor einer Citadelle. In die Mitte dieses Hofes 
kommt ein runder Thurm, zum Aufenthalt der Wächter bestimmt, 
und von diesem Mittelpunct aus lauten in einer excentrischen Rich- 
tung 6 Flügel mit den Zellen der Gefangenen. Jeder Flügel be- 
steht aus einem gewölbten Corridor, der von einem Ende bis zum 
andern des Flügels geht. Auf beiden Seiten der sechs Corridors 
zählt man je 19 Zellen, die ilvn Eingang von der andern, 
äufsern, Seite haben. Nachdem Corridor zu, hat jede? Zelle nur 
eine kleine, ganz mit Eisen, gleich einer Schieisscharte, ausge- 
schlagene Oeffnung, die mit einer kleinen eisernen Thür verschlos- 



*) Dieses Ercignifs fand Statt an den Ufern des Delaware in Kcnsington, 
nahe hei Philadelphia. Der Ulnihanm ist vor wenigen Jahren vom 
Blitz getroffen und zertrümmert worden. 



225 

sen ist und nur von Aufsen geöffnet werden kann, um dem Gefan- 
genen Essen und Trinken in sein Gemach hinein zu reichen. Vor 
jeder Zelle ist ein Hof, IG Fufs lang und 7 Fufs breit, mit einer 
20 Fufs hohen Mauer umgeben; durch denselben gelangt man in 
die Zelle; in demselben darf auch der Gefangene zu gewissen 
Stunden, wenn die Gefangenen in den nächsten Zellen eingesperrt 
sind , spazieren gehen. Die Zelle selbst ist 8 Fufs lang und o Fufs 
breit; der Eingang niedrig und schmal und durch eine äufsereThür 
und ein iiufseres Gitter verschlossen. Der Fufsboden der Zelle ist 
gedielt; die Decke ein Gewölbe, das nach Aufsen zu eine Senkun«* - 
zum Ablaufen des Wassers, und ein rundes Patentglas hat, um dem 
Gefängnisse Licht zu geben. Kleine Oeffnungen befinden sich in 
den Mauern , um den Luftzug zu unterhalten , so wie auch andee 
Oeffnungen , um Mährend des Winters erwärmte Luft zu bekommen. 
Jede Zelle hat ihr Water doset, das mit einer Ilauptröhre in Ver- 
bindung steht, welche unter dem Corridor den Flügel der Länge 
nach durchläuft. Wegen des Lagers der Gefangenen war man 
noch nicht einig, ob man ihnen eine Bettstelle oder eine Hangmatte 
geben wollte. 

Auf die grofse Frage, ob es gut und rathsam sei, die Todes- 
strafe ganz abzuschaffen, mag ich mich um so weniger einlassen, 
je wichtiger sie ist: aber ich möchte behaupten, dafs dieses solitary 
conßnement , in welchem den Gefangenen aller menschliche Umgang 
genommen ist, in welchem sie keine Arbeit haben, keine Bewegung 
und fast keine frische Luft, viel härter sei, als die Todesstrafe. 
Durch den Mangel an Bewegung werden die Menschen gewifs un- 
gesund ; durch den Mangel an Arbeit werden sie der Arbeit ent- 
wöhnt, und ihre vielleicht früher erworbene Geschicklichkeit gibt 
verloren, so dafs sie, wenn sie wieder in die Welt kommen, zu 
keiner Arbeit mehr zu gebrauchen sind, und eine elende Existenz 
hinschleppen. Nun will man ihnen in Philadelphia auch keine 
andere Leetüre verstatten, als die Bibel. Es scheint mir daher 
leicht möglich, dafs diese gänzliche Isolirung sehr nachtheilig auf 
die\erstandeskräfte der Gefangenen wirke und sie zu Schwärmerei 
und Ueberspannung treibe. Ich konnte mien nicht enthalten, Herrn 
Vaux, als er mich um meine Meinung fragte, zu antworten , dafs 
die Einrichtung dieses Gefängnisses mich an die der spanischen 
Inquisition, so wie Llorcnte sie beschreibe, erinnere. Herr Vaux 
erwiderte: es sei ein Versuch, ob die Todesstrafe abgeschall't wer- 
den könne. Der Versuch schien mir indefs, von der Bedenklich- 
keit dieser Philanthropie hinweg gesehen, auch etwas theuer. Demi 
L P 



r- 226 

die Baukosten dieses Gefängnisses sind auf 350,000 Dollars ange- 
schlagen, ond die Unterhaltung wird dem Staate Pens t/1 Milien jähr- 
lich zu> erlässig eine namhafte Summe kosten. Bei Beförderung 
der öffentlichen Wohlfahrt sollte man wohl zuerst auf die guten 
Staatsbürger Bedacht nehmen, und ihnen soviel als möglieh die 
Lasten, die sie drücken, zu erleichtern suchen. Zu diesen Lasten 
gehört unstreitig auch , dafs die schlechten Staatsbürger, die man 
Anderen zum abschreckenden Beispiel, oder um sie unschädlich zu 
machen, ihrer Freiheit beraubt hat, ernähren müssen. Von diesem 
Gesichtspunct aus scheint es das Bestreben der Staats verwaltet' sein 
zu müssen, die Strafanstalten so einzurichten, dafs sie sich selbst 
erhalten. Hat man diesen Zweck erreicht, so kann man sich auch, 
und desto förderlicher, mit der moralischen Verbesserung der Ge- 
fangenen beschäftigen. Eine ununterbrochene Beschäftigung 
möchte zu dem Einen wie zu dem Andern das sicherste Mittel sein. 
Kann man bewirken, dafs der Gefangene etwas Geld verdiene, um 
sich seine Lage im Gefängnisse zu verbessern , und um ihm , wenn 
er in die Welt zurückkehrt, eine kleine Summe zu seinen dringend- 
sten Bedürfnissen in die Hand zu geben : so würde dieses , glaube 
ich, in jeder Hinsicht besser sein, als alle philanthropischen Ver- 
suche. 

In dem Counly goal werden die Gefangenen aufbewahrt, die 
sich noch in Untersuchung befinden : selten jedoch sitzen die Ge- 
fangenen länger als einen Monat, ohne gerichtet zu werden. Das 
Haus besteht aus einem Hauptgebäude und zwei Flügeln ; der eine 
ist für die Männer, der andere für die Weiber. Im Hauptgebäude 
befinden sich die Bureaux , die Wohnungen der Beamteten und der 
Wächter, so wie die Inlirmerie, in welcher die Kranken gute Bet- 
ten haben und sorgsam gepflegt werden. In den Flügeln sind lange 
Corridors mit Stuben auf beiden Seiten, die während der Nacht 
mit eisernen Gitterthüren verschlossen sind. Gegen 8 Gefangene 
schlafen in einer Stube; sie schlafen auf dem Fufsboden, und haben 
nur 2 wollene Decken zum Lager und zum Zudecken. Der Boden 
ist übrigens gedielt, und ich freute mich über die äufserst grofse 
.Reinlichkeit , die im ganzen Hause herrschte. Am Ende jedes 
Flügels ist ein Hof, in welchem die Gefangenen herumgehen, und 
in jedem Hofe ist ein bedeckter Platz, unter welchem sie arbeiten 
können. Die Männer fand ich mit Zupfen von Pferdehaaren be- 
schäftigt, und die meisten Weiber mit gewöhnlichen weiblichen 
Handarbeiten. Aber selbst an einem solchen Orte tritt der grofse 
Abstand hervor zwischen den Weifsen und den Schwarzen! Unter 



227 

den Weibern befanden sich ziemlich gleich viele Gefangene von 
jeder Farbe, und den Schwarzen und Farbigen war nicht erlaubt, 
sich auf dieselbe Bank zu setzen, auf welcher die Weifsen safsen. 
Jene safsen abgesondert zur Linken! Ich liefs mir das Eintritts- 
Register zeigen, und verwunderte mich, dafs es in diesem Lande 
der Freiheit einer Magistratsperson frei steht, jemand wegen Flu- 
chens in der Strafse auf zwei Tage einsperren zu lassen , wie ich 
in diesem Buche fand. Uebrigens giebt es auch in dem County goal 
mehrere Zellen für solitary covßnement , enge dunkle Löcher, in 
denen während des Sommers eine unerträgliche Hitze herrschen 
soll. In dieselben werden solche Gefangene , die sich etwas unge- 
berdig anstellen , so lange eingeschlossen , bis sie mürbe geworden 
sind. 

Unter den milden Stiftungen besuchten wir zuerst zwei neben 
einander stehende Häuser, von »eichen das eine ein Waisenhaus 
ist, und das andere ein Hospital für hülflosc Wittwen. Sie verdan- 
ken ihren Ursprung dem Vermächtnifs einer milden Dame, zu wel- 
chem dann freiwillige Beiträge hinzugekommen sind. Sie stehen 
unter der Aufsicht einer Commission von Damen — meistens Quä- 
kerinnen — , denen einige Herren als Rathgeber zur Seite stehen. 
Im Waisenhause befanden sich gegen 90 Kinder beiderlei Ge- 
schlechts , die bis in ihr 12. Jahr bleiben und dann zu Handwerkern 
in die Lehre gethan werden. Ihr Unterricht ist derselbe, wie bei 
den Waisen in New - York. In den freien Stunden können die 
Kinder in einem Garten herumlaufen. Im Hause herrscht eine 
grofse Reinlichkeit. Die Schlafsäle sind geräumig und enthalten 
gegen je 20 Betten ; jedoch müssen 2 Kinder in einem Bette schla- 
fen. Vor mehreren Jahren ist das Haus abgebrannt; und das Feuer 
hat so furchtbar schnell um sich gegriffen , dafs über 30 Kinder in 
den Flammen umgekommen sein sollen. Bei dem Wiederaufbau 
hat man die löbliche Vorsicht gebraucht , das Holz aus dem Bau zu 
verbannen , und selbst nur steinerne Treppen anzulegen. Das Witt- 
wenhaus hingegen wird von alten hülflosen Weibern bewohnt, über 
deren Zulassung die oben erwähnte Commission entscheidet. Sie 
erhalten bis zu ihrem Tode Wohnung, Nahrung, Kleidung und 
Pflege. Sie wohnen zu zwei, auch wohl einzeln in den Stuben, 
und haben gemeinschaftliche Versammlungs - und Speisezimmer. 
Auch hier herrschte eine sehr grofse Reinlichkeit. 

Das grofse weltberühmte Hospital ist von den Quäkern gestiftet 
worden , und wird von ihnen administrirt Seine Entstehung und 
Unterhalt verdankt dasselbe freiwilligen Beiträgen und Vermacht* 

P2 



228 

nissen. Von einem Garten umgeben, besteht es aus einem Haupt- 
trebaade mit 2 Flügeln und mehreren besonderen Nebengebäuden : 
du eine ist zur Wohnung der ineurablen Wahnsinnigen, das andere 
für venerische Kranke bestimmt, und wieder in anderen befinde* 
gich WirthschaftsrauBie und Stalle: denn es »erden auch Wagen 
gehalten, in denen die Convalescenten, wenn ihnen Ausfahren ver- 
ordnet ist, spazieren fahren. Hinter dem Hauptgebäude ist ein 
Küchgarten. In demselben steht ein Gewächshaus mit mehreren 
exotischen Pflanzen, und ein besonderes Gebäude, das errichtet 
worden ist, um ein grol'ses, von Benjamin West gemaltes und 
seiner Vaterstadt Philadelphia von ihm geschenktes Bild, die Hei- 
lung der Kranken durch Christus, aufzustellen. Weder die Com- 
positum, noch die Ausführung dieses Gemäldes schienen mir gelun- 
gen; und vielleicht konnte dieses Werk nur hier, wo man nicht 
gewohnt ist, grofse und gut ausgeführte Gemälde zu sehen, die 
grofse Bewunderung erregen, die es erregt hat. Interessant ist 
es, dafs man neben dieses Stück, welches gewifs auch nicht ohne 
Verdienste ist, eine kleine Sudelei aufgehängt hat, nämlich das 
allererste Bild Benjamin Wesis, das er in seiner Jugend gemalt 
hat, und das hier zufälligerweise aufgefunden worden ist. 

Das Hospital selbst ist drei Stockwerke hoch. Im Erdgeschosse 
befinden sich dieBureaux, die Apotheke, die Wohnungen zweier 
Acrzte, von welchen Einer beständig im Hause sein mufs, und die 
Bibliothek , die sehr schöne medicinische und einige naturhistorische 
Werke enthalten soll. Als eine Antiquität zeigt man hier William 
Penn's Lehnsessel. Dieses grofsen Mannes lebensgrofse Bildsäule, 
in Blei in England gemacht und ihn in seiner Quäkertracht dar- 
stellend , steht im Hofe vor dem Eingange des Hospitals. Corridors 
laufen durch beide Flügel , und auf dieselben stofsen die Thüren 
der Zimmer, in welchen bis 12 Kranke zusammenwohnen, Sie 
sind weiblicher Pflege anvertraut und liegen in hölzernen Bett- 
stellen; nur die Wahnsinnigen haben eiserne. Ueberall herrschte 
eine musterhafte Reinlichkeit. Dvn Geisteskranken erlaubt man 
jede Beschäftigung, die sie wählen und die nicht gefährlich für sie 
oder für die anderen Kranken sein kann. Einige arbeiteten in dem 
Garten, 2 waren als Schreiner beschäftiget, und ein Darmstädter 
Schlosser arbeitete seit 2 Jahren an einer Flinte, zu welcher er 
ein colossales Schlofs von Draht und Blech zusammengeschlagen 
hatte. 

Als ich aus dieser merkwürdigen Anstalt nach Hause zurück- 
kam, erhielt ich einen Besuch von einem Gelehrten aus Leipzig, 



229 

Namens Rivinus. Dieser junge Mann hielt sich schon ein Paar 
Jahre iri dieser Stadt auf, um Bemerkungen über Amerika zu sam- 
meln und in Deutschland bekannt zu machen. Herr Rivinus interes- 
sirtc mich sehr. Er schien mir ganz dazu geeignet, die Eigen- 
tümlichkeiten der neuen Welt aufzufassen , um sie der alten mit- 
zutheilen, und vielleicht mag er auch dazu beitragen, die deutsche 
Literatur zur Kenntnifs der Amerikaner zu bringen. 

Herr Taux hatte die Gefälligkeit , mich auch in einige litera- 
rische Institute zu führen. "Wir gingen zuerst in die Franklinische 
Bibliothek. Diese Sammlung, gegen 30,000 Bände stark, ist durch 
freiwillige Subscriptionen errichtet worden , und wird auf dieselbe 
Weise unterhalten. Die Unterschreibenden haben das Recht, Bü- 
cher nach Hause kommen zu lassen. Sie soll meistens aus juristi- 
schen Werken bestehen; doch enthält sie auch mehrere Rupfer- 
werke, unter andern eine schöne Sammlung der Hogarthschcn Ku 
pfer. Die Bibliothek ist in zwei grofsen Sälen aufgestellt, und als 
eine Merkwürdigkeit zeigt man Dr. Franklins Bibliothekssessel. 
Die Statue dieses berühmten Mannes steht in einer Nische über dem 
Eingange des Hauses, und ist, wie eine Inschrift sagt, von Herrn 
Bingham, dem verdienstvollen Vater des Herrn Bingham in Mont- 
real, der Gesellschaft geschenkt worden, welcher die Bibliothek 
gehört. Weiter begaben wir uns in die philosophische Gesellschaft, 
welche auch ein eigenes Gebäude mit einer ziemlich reichen Bi- 
bliothek und einem Museum besitzt. Aus dieser Bibliothek können 
keine Bücher verliehen werden , sondern man mufs sie an Ort und 
Stelle benutzen. Der Bibliothekar Vaughan, ein Greis, der wegen 
seiner Gelehrsamkeit und Philanthropie sehr geachtet ist, machte 
die Honneurs. Er zeigte uns mehrere Handschriften berühmter 
Männer aus der Revolutionszeit. Das Museum enthält unter An- 
dern eine Mineralien- und eine Conchylien-Sammlung, auch Mo- 
delle von Instrumenten zum Ackerbau. Zuletzt gingen wir noch 
ins Staatenhaus , und sahen den einfachen nicht sehr geräumigen 
Saal, in welchem am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeits-Erklärung 
unterzeichnet worden ist. Dieser Saal dient jetzt zur Mayors muri, 
einem der Gerichtshöfe der Stadt, und ist mit einer lebensgroßen, 
aus Holz gehauenen Statue des Präsidenten Washington geziert. 
Auf demFufsgestelle "steht die Inschrift : fust in war,first in peace, 
ßrst in the hearts of his countri/mcn. 

Den 18. October reisete ich früh um 4 Uhr mit der Sfage nach 
Bethlehem, einem Ort, der von der evangelischen Brüdergemein- 
de — Herrnhuter — im Jahr 1741 angelegt worden ist. Ich kpnntc 



230 

unmöglich den Staat Pejisi/lcanien verlassen, ohne diese Gründung 
der Brüdergemeinde besucht zu haben; denn diese Gemeinden ste- 
hen liier, wegen des mannich fachen Nutzens , den sie stiften, und 
wegen ihrer Sittlichkeit, in einer besonders hohen Achtung. Herr 
) aus gab mir ein Empfehlungsschreiben. 

BetMehem liegt 52 Meilen von Philadelphia, Da der Ver- 
kehr zwischen beiden Plätzen eben nicht stark ist, so geht nur drei- 
mal in der Woche eine sehr mittelmäfsige Stage hin und zurück. 
Es Mar noch Nacht, als ich in der ganz angefüllten Stage Philadel- 
phia verliefs ; die Kälte war ungewöhnlich streng. In der Reisege- 
sellschaft lernte ich zwei Herren Rice, Mitglieder der Brüderge- 
meinde und Einwohner von Bethlehem, sehr bald kennen, und fand 
an ihnen recht liebe , verständige und unterrichtete Männer. Der 
eine war in Deutschland gereiset, und beide redeten die deutsche 
Sprache sehr gut. Wir wechselten nur zwei Male Pferde , und zu- 
gleich die Stage, die leider jedesmal schlechter wurde; das erste 
Mal in Whitemarsh, und das andere Mal in Quakertown. Die Stra- 
fse w ar gröfstes Theiles eine sogenannte Turnpike-road , ungefähr 
wie manche unsrer deutschen Chausseen , nur w aren die aufgeschüt- 
teten Steine nicht sehr klein geschlagen, und die Fuhrgleisen nicht 
ausgefüllt. Bei der zweiten Station kamen wir auf eine neue ange- 
legte Tunipike-road: die Steine waren aufgeschüttet, und noch 
nicht im Geringsten eingefahren. Der letzte Theil des Weges war 
noch gar nicht chaussirt, und ein ziemlich steiniger Feldweg, der 
übrigens bei der trocknen Witterung der bequemste war. Man sieht 
an dem Feldbau , dafs die Gegend schon lange urbar gemacht wor- 
den. Die Häuser sind meistens massiv, von bläulichen Kalksteinen 
gebaut, jedoch mit Schindeln gedeckt. Auf die Scheuern wird gro- 
sser Luxus verwendet; mehrere hatten das Ansehen von Kirchen. 
Die Felder und Triften sind mit Lattenzäunen eingefafst, meistens 
mit solchen zackigen Zäunen, die man irorm fenecs nennt. Auf 
den Feldern stand gröfstes Theils noch das indische Korn; man hatte 
indefs angefangen, es einzubringen. Die Winterfrucht war auf an- 
dern Feldern schon aufgegangen , und gewährte einen freundlichen 
Anblick. Der Handel mit Weizenmehl wird im Staate Pensylvania 
sehr stark betrieben; denn dieses Mehl geniefst mit Recht eines 
sehr guten Rufs , und wird besonders in Westindien gesucht. Nir- 
gends, selbst nicht in Europa, habeich so gutes Brod gegessen, 
als in diesem Staate. Die Urwälder sind zwar ausgerodet, und man 
sieht nur sehr wenige von den ganz alten und schönen Stämmen, 
v.ie im Staate New- York; das Holz ist aber nachgewachsen, und 



231 

besteht meistens aus grofsblättrigen Eichen , aus Kastanien , Wall- 
nufs- und Hyckorybäumen. Der Grund ist theils kalk - und theils 
lehmartig. Kalkboden ist, besonders in der Nähe von Bethlehem, 
vorherrschend. Es gibt sehr viele Felsen ; auch bemerkt man — 
Mas man gewöhnlich nur bei Kalkgebirgen antrifft: — Erdfälle. 

Die Einwohner der Gegend sind meistens Nachkommen von 
Deutschen, die noch ihre Sprache, wiewohl etwas verdorben, bei 
behalten haben, und Einwanderer, meistens Würtemberger. Es 
werden hier für das Landvolk in amerikanischem Deutsch Zeitun- 
gen und Wandkalender gedruckt. Uebrigens beginnt im Staat Pen 
sylranien der Unterschied in der Erziehung der unteren Volksclassen 
zwischen den nördlichen und den südlichen Staaten merklich zu wer 
den. In den südlicheren Staaten soll diefs noch mehr der Fall sein. 
Besonders klagte man, dafs die deutschen Bauern ihre Kinder früher 
wenig oder gar nicht zur Schule geschickt hätten; seit einiger Zeit 
jedoch thäten sie es häufiger aus Ambition. Der Legislatur des 
Staats Pensylvanicn nämlich hat ein Gesetz beliebt , nach welchem 
niemand in der Jury sitzen soll, der nicht vollkommen gut die eng- 
lische Sprache lesen und schreiben kann. Die deutschen Bauern 
aber machen es zur Ehrensache, in der Jury zu sitzen, und sehen 
sich nun durch ihre Ignoranz dieser Ehre beraubt. Aus dieser Ur- 
sache lassen sie jetzt ihren Söhnen die englische Sprache lehren, 
um sie dereinst dieser Ehre theilhaftig zu machen. Ich sah im 
Walde 2 kleine achteckige Häuser stehen, und hörte, es seien Schu 
len, die aber fast nie besucht würden. In manchen Dörfern, in 
welchen man schöne, massive Häuser , Ställe und Scheunen sieht, ist 
das Schulgebäude nur em Loghaus, schlechter als die Schulen, 
die ich bei den Indianern gesehen hatte. Kirchen fehlen nicht; 
meistens sind es lutherische; jedoch auch reformirte und Quäker 
mectinghouses; AViedertäufer undMennonilen haben gleichfalls ihre 
Gotteshäuser. Zwischen Quahertown ■ — wie der Name zeigt, durch 
Quäker angelegt, aber jetzt gröfstesTheiles von Deutschen bewohnt 
— und Bethlehem liegt eine Gemeinde von Schweizer-Mennoniten, 
die man hier, weil die Männer ihre Barte wachsen lassen, Bart 
männer nennt. Als wir durchfuhren, wurde gerade ein Mädchen 
begraben, und fast die ganze Gemeinde folgte dem Sarge. 
Zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags erreichten wir Bethlehem. Ich 
nahm mein Quartier in Bischoffs Wirthshause, das sehr reinlich und 
gut eingerichtet ist. 

Bethlehem hat eine schöne Lage. Es ist theils in einem Thalc 
erbaut, theils auf einem Hügel am LeÄfg/r-Flufs, in welchen sich 



232 

der Manok es y-Bndi ergießt Uebcr den Flufs führt nahe bei dem 
Ort eine, im Jahre 1791 gebaute, hölzerne Brücke, die auf drei 
steinernen Pfeilern ruht; über den Bach eine steinerne von 2 Bo- 
gen , die neu gebaut ist. Der erste Anblick von Bethlehem nimmt 
sogleich ein. Dem Orte gegenüber, auf dem rechten Ufer des 
Itfhigh, sind ziemlich hohe, mit "Wald bewachsene Gebirge. Die 
massiven Häuser des Ortes stehen amphitheatralisch; über sie ragt 
die Kirche mit einem kleinen Thurme hervor, und das Ganze wird 
vom Begräbnifsplatze, der auf einer Anhöhe liegt, und mit ita- 
lienischen Pappeln bepflanzt ist, gekrönt. Die Felder um den Ort 
herum sind vortrefflich angebaut, und die Landschaft wird durch 
die, 18 Meilen entfernten, „blauen Berge" begränzt, eine lange 
Bergkette, die keinen hervorragenden Punct, wohl aber ein Paar 
Oeflhungen hat. Die Strafsen in Bethlehem sind nicht gepflastert, 
aber mit Pappeln bepflanzt, und mit breiten Trottoirs von Back- 
steinen versehen. Die Häuser sind entweder von blauen Kalkstei- 
nen oder von Backsteinen gebaut. Das gröfste Gebäude im Orte, 
das früherhin zum Brüderhause diente , ist die Kostschule für Mäd- 
chen. Ein gewölbter Marktplatz für den Verkauf des Fleisches ist 
ebenfalls vorhanden. Auf dem Platze, wo jetzt der Bischoßsche 
Gasthof steht, stand vor nicht gar langer Zeit ein kleines hölzernes 
Häuschen, welches der Graf Zinzendorf zur Zeit der Stiftung 
Bethlehems erbaut hatte. Der Ort zählt gegen 700 Einwohner, 
meistens Handwerker oder Kaufleute. Der Clerus bestand aus dem 
Bischof Hiijfel und den beiden Predigern Seidel und von Schwei- 
vilz. Letzterer, ein Urenkel des Grafen Zinzendorf, war gerade^ ab- 
wesend in Deutschland , auf einer allgemeinen Synode in Herrnhut. 
Der eine Herr Rice installirte mieh im AYirthshaus, und benach- 
richtigte dann die Geistlichen von meiner Ankunft. Kurz darauf 
erhielt ich einen Besuch vom Prediger Seidel, einem Sachsen von 
Geburt, aber schon seit 19 Jahren in den V. St. Ich fand einen gar 
freundlichen und angenehmen Mann an ihm, mit dem ich mich lange 
unterhielt. Auch traf ich einen alten Eisenacher, Namens Sticket, 
der mit den Hessen als Chirurg nach Amerika gekommen war, und 
sich seit einem Jahr im Bischojf sehen Gasthofe niedergelassen hatte, 
wo er den Fremden die Honneurs machte. 

Am andern Morgen erhielt ich abermals einen Besuch vom 
Prediger Seidel , und ging mit demselben zum Bischof Ilüffel. 
Dieser Bischof ist ein Sechsziger, ebenfalls ein Sachse, und ein 
sehr freundlicher Mann, der viel gereiset ist, und angenehm spricht. 
Er hatte auch eine schöne Mineralien-Sammlung, besonders von 



233 

amerikanischen Marmorarten. Herr Seidel bewohnt mit ihm die 
älteste Wohnung im Orte , die ganz wie das Haus eines deutschen 
Landpredigers eingerichtet ist, und sogar deutsche Schlösser und 
Drücker hat. In diesem Hause befindet sich ein grofser Saal , der 
ehemals der Gemeinde als Kirche diente, bis die Kirche vollendet 
war. Diese Kirche besuchte ich, von den beiden Geistlichen be- 
gleitet. Sie ist äufserst einfach eingerichtet: ein weifser Saal mit 
Bänken ; ein etwas erhöhter Sitz für den Geistlichen , der einen 
Tisch vor sich hat, und eine sehr gute, in New- I ork verfertigte 
Orgel. Der Bischof, der ein sehr fertiger Clavierspieler ist, hatte 
die Gefälligkeit , in meiner Gegenwart zu spielen. Vom Thurme 
d?r Kirche hat man eine schöne Aussicht auf die umliegende Ge- 
gend, auf den LeÄ/gÄ-Flufs, auf die Gebirge gleiches Namens 
und nach den blauen Bergen hin. In dem Kirchengebäude , neben 
dem grofsen Saale, sind mehrere besondere Stuben, in denen sonst 
Schule gehalten wurde, ehe man das neue Schulgebäude erbauet 
hatte. Jetzt finden die Conferenzen der Aeltesten und kleinere 
Gemeinde-Versammlungen in denselben Statt. Durch das Erbauen 
dieser neuen Kirche hatte, wie ich hörte, die Gemeinde sich etwas 
in Schulden gesteckt; auch ist das Gebäude nicht sehr geschmack- 
voll ausgefallen. Der Begräbnifsplatz der Gemeinde ist auf einer 
kleinen Anhöhe angelegt, und, einem Garten gleich, mit Bäumen 
bepflanzt. Die Gräber liegen in Reihen; ein einfacherliegender 
Stein enthält den Namen, den Geburts- und Sterbetag des Heim- 
gegangenen. Schon am Morgen dieses Tages hatte ich bemerkt, 
aufweiche Weise ein Sterbefall der Gemeinde angezeigt wird. Ein 
junger Bursche war gestern Abends gestorben ; um den Todesfall 
anzukündigen, wurden früh mit Posaunen drei Choräle vom Thurme 
geblasen: gewifs eine einfache und rührende Ceremonie! Eine 
Leiche wird in ein Leichenhaus am Begräbnifsplatze gebracht; die 
Beerdigung findet Statt in Gegenwart der ganzen Gemeinde. Nicht 
weit von dem Begräbnifsplatz ist auf der Anhöiie eine Cisterne, in 
welche vermittelst eines Druck werks das Wasser aus dem Bache 
getrieben wird und von welcher aus alle Häuser und Strafsen des 
Ortes mit dem nöthigen Wasser versehen werden. 

Weiter gingen wir ins Schwesternhaus. Alle alte Jungfrauen 
aus der Gemeinde, und einige jüngere, die keine Familie mehr 
haben, wohnen zusammen. Früher waren alle unverheirathete 
Frauen genöthigt im Schwesternhause zu wohnen. Das ist aber 
abgeändert worden, und diejenigen , deren Familie lebt , dürfen in 
derselben bleiben. Die zusammenwohnenden Schwestern haben 



234 

entweder einzelne Zimmer, oder mehrere haben einen gemein- 
schaftlichen Sitting room. Sie sorgen für ihren Unterhalt durch 
den Verkauf der von ihnen verfertigten weiblichen Arbeiten. Ein 
Brüderhaus giebt es nicht, da junge fleifsige Arbeiter in diesem 
glücklichen Lande, wo Gottlob keine Zünfte bestehen, sich sehr 
leicht etabliren können. Der Gemeinde gehört der Grund, auf 
dem die Häuser stehen, und Jedermann, der sich anbaut, zahlt 
ihr einen gewissen Zins. Uebrigens findet hier keineswegs Gemein- 
schaft der Güter Statt; vielmehr mufs Jedermann für seinen eigenen 
Unterhalt sorgen , und die Gemeinde hilft ihm nur , wenn er unver- 
schuldet in Arrouth geräth. 

Nach dieser interessanten Wanderung besuchte ich Herrn Rice, 
der ein Kaufmann ist, eine grofse Mühle besitzt, und vorzüglich 
Geschäfte mit Mehl macht. Auch hält derselbe einen Store oder 
ein Magazin, in welchem man alle Artikel findet, die von den 
Landleuten gebraucht werden , von Tüchern und feiner Leinwand 
an , bis zu Wagenwinden hinab. Alsdann dinirte ich zu Hause in der 
munteren Gesellschaft von 6 jungen Mädchen aus Proridence, die 
so eben angekommen waren , um ihre Erziehung in der hiesigen 
Mädchen boarding - sekool zu vollenden. Wie in Deutschland , so 
haben auch hier die Brüdergemeinden solche Kostschulen, in wel- 
chen Kinder beiderlei Geschlechts, deren Eltern nicht zur Brüder- 
gemeinde gehören, eine sorgfältige Erziehung bekommen. Die 
Mädchenschule befindet sich hier und die Knabenschule in Nazareth. 

Nach Tische fuhr ich mit Dr. Stichel aus, um eine im Lehigh- 
Flufs angelegte neuerfundene Schleuse zu besehen. Seit einigen 
Jahren sind , 30 Meilen von hier , bei Mauch Chmik , jenseits der 
blauen Berge, wichtige Steinkohlenbergwerke eröffnet Morden. 
Diese Bergwerke versorgen Pftiladetphia und die umliegende Ge- 
gend mit den sogenannten Lehrgh-coah , die viel besser sind, als 
die englischen Steinkohlen. Diese Kohlen wurden früher auf leich- 
ten Kähnen bei der Grube eingeschult, welche den Lehigh-FluCs 
hinunter in den Delaware nach Philadelphia fuhren, und dann, 
weil sie wegen des starken Falles vom Lehigh diesen Flufs nicht 
wieder Strom aufwärts zurückfahren konnten, zerschlagen und ver- 
kauft. Da nun die Schiffahrt auch schon Strom abwärts, wegen 
des oft sehr niedrigen Wassers, mit Schwierigkeit verbunden war, 
so hat die Gesellschaft, welche die Kohlenbergwerke exploitirt, 
den Flufs mit Wehren , durch welche Canäle mit Schleusen gehen, 
gestammt , und auf solche Weise mehr schiffbar gemacht. In den 
eingedruckten Skizzen stellt Fig~ 1 ungefähr das Profil eines solchen 
Wehres dar, welches vonBaumstämmen und grofsenSteinen gebaut ist. 




Fig. 2 ist der Grundrifs des Wehres a , mit einem Canalc b , mit 
zwei Schleusen c , und mit einem schmalen Neben-Canale d , in 
welchem sich bei c bewegliche Kasten befinden. 

Fig. 2. 



a 



^- 



Der zur Durchfahrt bestimmte Canal b enthält nämlich zwei Schleu- 
sen, mit liegenden Klappen, die sich heben und senken. Wenn 

sie cehoben sind, so schliefsen sie den Canal; sind sie gesenkt, so 

• • • i i 

strömt das Wasser über sie hinweg. Fig. 3 zeigt, wie eine solche 

Schleuse sich ausnimmt, wenn ihre beiden Klappen / gehoben 

sind; die punctirten Linien aber zeigen die Klappen, wenn sie 

liegen. 

Fig. 3. 




Von den Klappen ist die untere 20 und die obere 25 Fufs lang, 
und beide sind 20 Fufs breit. Sie liegen auf Querbalken g , und 
unter ihnen befinden sich bei h hohle Räume. Der kleine Neben- 
canal d, Fig. 2, ist vom Hauptcanal durch eine Wand Fig. 4 ge- 
trennt. In dieser Wand sind unten, neben den Schleusen, Oeflhun- 
gen zum Durchlassen des Wassers. 

Fig. 4. 



23ö 

Das durch diese Ocflhnngeo strömende Wasser hebt die beiden 
Klappen, u:ul bringt sie durch sein Abtliefsen wieder zum Sinken. 
Um nun von der einen Seite das Wasser bei i hineinströmen zu 
lassen, und von der andern Seite den Ausflufs bei k zu verhüten, 
wird der kleine Canal d neben der Schleuse durch Kasten e ge- 
stopft, diese Kasten sind so breit, als der Canal, und in demselben 
durch eine Walze, die quer durch den Schwerpunct geht, befe- 
stiget. Fig. 5 zeigt das Profil eines solchen Kastens. 



Fig. 


5. 




X \ 




<x 


.. .. , V 


n/\imX 



Das Wasser kommt nämlich von der linken Seite* Will man nun, 
dafs die Schleuse sich hebe : so drückt man den Kasten aus der mit 
Puncten angedeuteten Lage in die mit Strichen angegebene. Also- 
bald strömt das Wasser durch die Oeffnungen *', in die Schleuse 
bei // , und hebt die Klappe in die Höhe. Will man sie aber wieder 
fallen lassen : so drückt man den Kasten in die mit Puncten ange- 
gebene Lage zurück. Dadurch wird der Zuflufs des Wassers ab- 
geschnitten ; das in der Schleuse befindliche Wasser läuft durch die 
Oeffnungen bei k ab, und die Klappen, die nun keine Unterstützung 
mehr haben, fallen nieder. Diese Art von Schleusen ist die Erfin- 
dung eines Herrn White > welcher einer der Hauptbetreiber des 
Kohlenwerkes ist, und ein sehr geschickter Mann sein soll. Damit 
aber während des Baues dieser Anstalt wenigstens die Kohlenschiffe 
Strom abwärts fahren konnten, hatte man im Wehr eine Oeffnung 
angebracht mit einem Boden versehen , der durch Ketten wie eine 
Klappe aufgezogen werden kann, so dafs dadurch das oberhalb 
des Wehrs befindliche Wasser gestauet wird. In der Nähe des 
Lehigh befinden sieb übrigens viele Kalkfelsen. Diese sprengt 
man, theils um schwere Steine zu bekommen, die man auf die 
Wehre wirft , theils um sie in den vielen , hier in der Gegend zer- 
streut liegenden Kalköfen zu brennen. Der gebrannte Kalk wird 
nicht allein zum Bauen, sondern auch vorzüglich zum Düngen der 
Felder gebraucht. 

Von den Schleusen — welche > wegen ihres Abstände» vom 
Kohlenwerke , thirty seren mile lock genannt Meiden — nach Beth- 
lehem zurück y nahmen wir einen andern Weg. Wir fuhren durch 



237 

ein äufserst gut angebautes Thal, in welchem ein von Deutschen 
angelegter Ort, Bidstown, aus ein/einen, massiven, sehr gut 
gebauten Häusern besteht. Dann führte der Weg durch einen 
Eichenwald, der sich in einem recht guten Zustande zu befinden 
schien, und der Brüdergemeinde gehört. Abends ging ich mit 
Herrn Seidel in ein Concert, das die im Orte zerstreuten Lieb- 
haber gaben. Im Schulgebäude des Orts ist ein Saal zu diesen 
Concerts eingerichtet, die wöchentlich einmal Statt finden. Das 
Orchester bestand aus 11 Musikern, lauter Handwerkern aus Beth- 
lehem, welche die Musik nur zu ihrem Vergnügen, aber mit vielem 
Glücke treiben. Ein jrrofser Theil des Gottesdienstes der Brüder- 
gemeinde ist musikalisch; defswegen ist der Unterricht in der Musik 
ein Hauptzweig der hiesigen Erziehung. Die Musik war wirklich 
über alle Erwartung gut. Ich hörte recht wackere Sänger und 
Sängeiinnen; unter andern Herrn Seidel und eine der jungen 
Lehrerinnen an der Kostschule, Mifs Hinnphreys. Zuletzt hatte 
der gütige Bischof Hüffel noch die Gefälligkeit, zu unsrer grofsen 
Freude auf dem Pianoforte zu phantasiren. Nach dem Concert 
blieb ich noch einige Zeit bei Herrn Seidel; seine Frau ist eine 
Deutsche von Geburt. Auch hatte ich einen emeritirten Prediger 
Früauf, aus Dietendorf bei Gotha gebürtig, kennen gelernt. Er 
hat eine Schwester vom Herrn von Schwci/iitz geheirathet und lebt 
von seinen Renten. Ich fand einen freundlichen alten Mann an 
ihm, der sich sehr freute, einen Landsmann an mir getroffen zu 
haben. Uebrigens war es eine nicht geringe Freude, dafs ich den 
ganzen Tag über nur Deutsch reden durfte, und dafs ich ein so 
gutes und reines Deutsch sprechen hörte, was sonst in Amerika 
fast niemals der Fall ist. 

Am dritten Tage meines Aufenthalts in Bethlehem holte mich 
Herr Früauf ab , um mit mir nach der 10 Meilen entfernten Brüder- 
gemeinde Nazareth zu fahren. Der Weg führt theils durch einen 
gut unterhaltenen Wald , theils durch gut angebaute Landschaften. 
\ icle einzelne Höfe lassen auf den Wohlstand ihrer Bewohner 
schlicfsen. Einer der Orte, durch welche w\r fuhren, wird Heck-* 
toitn genannt. Dieser Name ist aus einem Spitznamen entstanden, 
und verdankt seine Entstehuno- einem Scherze des Herrn Früauf 
über die grofse Fruchtbarkeit der Einwohner. Nazareth ist eben- 
falls sehr gut gebaut, und gleicht Bethlehem, nur ist es, wo mög- 
lich, noch stiller, als dieses. Im Jahr 1744 ist es angelegt 
und das grofse massive Gebäude, das jetzt zur Kostschule der 
Knaben dient, ursprünglich für den Grafen Zinzendorf als 



238 

Wohnhaus gebaut worden. Die Gegend zählt mit der nahe liegen- 
den QtmemdeSchSneck über 500 Einwohner, meistens Handwerker 
und Landbauer. In derselben befanden sich zwei Geistliche, van 
/ leck, Sohn des emeritirten Bischofs von Bethlehem, und Ron- 
ihal, ein Deutscher von Geburt, der lange in Rufsland in der 
Gemeinde Sarepta angestellt gewesen war. 

"Wir besuchten zuerst den Prediger van Fleck , und besahen 
dann den Gemeindegarten. Derselbe liegt an einem Abhänge, und 
hat einige Pavillons und sehr hübsche Promenaden. Dann gingen 
wir in die Kostschule. In dieser Schule bekamen 60 Knaben Unter- 
richt, von welchen 40 im Hause und 20 im Orte bei ihren Eltern 
wohnten. Sie ist ebenfalls für Kinder eingerichtet , deren Eltern 
nicht zur Brüdergemeinde gehören, und wird allgemein gelobt. 
Ich bemerkte sogleich eine ausgezeichnete grofse Reinlichkeit, die 
im ganzen Hause vorherrschend war. Die Schüler sind in4Classen 
eingetheilt, und werden mit 8 Jahren angenommen. Die Lehrer 
sind meistens Deutsche, oder reden wenigstens diese Sprache, 
welche auch nach Verlangen der Eltern den Knaben gelehrt wird. 
Die Schule besitzt ein kleines Naturalien-Cabinet, das in recht 
guter Ordnung war, und eine durch die Schüler angelegte Samm- 
lung von Eiern aus der Gegend. Die Schüler schlafen gemein- 
schaftlich in 2 grofsen Sälen; in jedem schlafen auch 2 Aufseher. 
Sie essen gemeinschaftlich und machen alle Nachmittage mit ihren 
Lehrern einen starken Spaziergang. Aufser den gewöhnlichen 
Schulwissenschaften, und aufser der englischen, deutschen und 
französischen Sprache, wird Zeichnen, Musik und doppelte Buch- 
haltung gelehrt. Zum Musikunterrichte war in jeder Classe ein 
Pianoforte. Ein Betsaal ist für den häuslichen Gottesdienst be- 
stimmt. Die Knaben haben alle ein gesundes , munteres und freies 
Ansehen, und werden sehr reinlich gehalten. In dem Gebäude ist 
auch ein Seminarium für junge Leute, welche sich dem geistlichen 
Stande widmen. Es bestand aus 5 Mitgliedern. Ihre Studien 
müssen diese Seminaristen im allgemeinen theologischen Seminar 
zu Gnadenfeld in Ober-Schlesien vollenden. Auf dem Dache der 
Schule ist eine Gallerie , von welcher man die umliegende Gegend 
übersieht. Nazarelh liegt ziemlich hoch und nur 8 Meilen von 
den blauen Bergen entfernt. Die Umgebungen w ürden sehr hübsch 
sein , wenn mehr Wasser in der Gegend sichtbar wäre ; an diesem 
scheint es aber zu fehlen. 

Hierauf gingen wir in das Schwesternhaus , in welchem 37 alte 
Frauenzimmer wohnen. Sie schlafen alle in Einem grofsen Saale. 



239 

In ihrem Betsaale, so wie in dem Betsaale des Schwesternhauses in 
Bethlehem, befindet sich eine kleine Orgel, die von einer Schwe- 
ster gespielt wird. Schon in Bethlehem und auch hier in Naza- 
reth bemerkte ich, dafs das alte Ilerrnhuter-Costüm der Frauen, 
und namentlich die Mützchen *) abgekommen sind ; nur ganz alte 
Frauen tragen dieselben; (\\e jungen gehen ohne Mützen, und sind 
recht gut gekleidet. Zuletzt machten wir noch dem Prediger Ron- 
thal und dem Gemeindevorsteher Hoeber unsern Besuch. Bei dieser 
Gelegenheit lernte ich einen ehemaligen Missionar, Oppelt , ken- 
nen , der lange Jahre unter den Indianern , 100 Meilen jenseits De- 
troit, gelebt, und mehrere getauft hat. Er hatte sich nach Nazareth 
zurückgezogen, und beschäftigte sich mit dem Ausstopfen von Vögeln. 
Auf unserem Rückwege nach Bethlehem nahmen wir einen 
Umweg, um einen grofsen, von einem Nassauer, Namens Schla- 
bach, bewohnten Pachthof zu sehen, der wegen seiner guten Oeko- 
nomie hier im Lande bekannt ist. Seine Felder befinden sich in der 
That in einem vortreftlichen Zustande, so wie alle seine Scheunen 
und Wirtschaftsgebäude. Dieser Schlabach, der jetzt ein reicher 
Mann ist, kam so arm nach diesem Lande, dafs er seine Ueberfahrt 
abverdienen mufste; und nur seinem Fleifs und seiner Sparsamkeit 
verdankt er seine jetzige Wohlhabenheit. In Bethlehem kamen 
wir gerade zur Essenszeit an. Nach Tische ging ich mit Herrn 
Seidel nach der grofsen Mädchenschule , deren Vorsteher er ist. 
Im Bureau , in welchem sich zugleich die kleine Hausbibliothek be- 
findet, die nicht allein aus religiösen, sondern auch aus belletristi- 
schen Werken und Reisebeschreibungen besteht, traf ich den ehr- 
würdigen Bischof Hiiffel, der mich nebst Herrn Seidel bei der Be- 
sichtigung der Schule begleitete. In dieser Schule befanden sich 
gegen 100 zum Theil sehr schöne junge Mädchen zwischen 8 und 
18 Jahren, die eine sorgfältige Erziehung bekommen, und aufser 
dem Schulunterricht auch Anweisung im Zeichnen, in der Musik 
und im Verfertigen aller Arten weiblicher Arbeiten erhalten. Sie ma- 
chen äufserst feine Stickereien und Tapisserie-Arbeiten , auch be- 
sonders schöne sogenannte Bänderblumen. Sie sind in 4 Classen 
eingelheilt; in jeder Classe stand ein Pianoforte. Ich hörte, dafs 
sie ihre häuslichen Morien- und Abendandachten sinkend verrieb- 
ten. Nach Tische haben sie keinen andern Unterricht, als Musik 
und weibliche Arbeiten; später gehen sie in dem grofsen, in einem 



*) Vom Grafen Zinzcndorf „Seines Scliwcifstuchs treustes Contcrfcy" ge- 
nannt. 



240 

Thalc hinter dem Hause gelegenen, Garten spazieren. Sie haben 
ebenfalls einen Betsaal, in welchem ein Pianoforte steht, und welcher 
auch zum Concertsaal gebraucht wird. Sie schlafen in großen Sälen 
mit den Aufseherinnen. Ueberall herrscht eine äufserst grofse 
Reinlichkeit ; auch haben die Mädchen ein sehr gutes Aussehen. 
Das aber , was in europäischen Pensionen Statt zu finden pfiegt, 
dafs alle Mädchen dieselbe Tracht tragen, und dafs die Classen 
durch verschiedenfarbige Bänder unterschieden werden, findet hier 
nicht Statt; vielmehr kleidet sich jedes Mädchen, wie es will. 
Uebrigens sind die Schülerinnen aus allen Theilen der V. St.; sogar 
aus Alabama waren einige hier. 

Nach Besichtigung dieses interessanten Etablissements ging 
ich mit dem Bischof und Herrn Seidel am Bache spazieren, um 
einige dort am Wasser gelegene Werke zu besehen. Das erste, 
das wir sahen , war das Werk , welches das Wasser auf die Anhöhe 
in die Cisterne treibt, deren schon früher gedacht ist. Durch einen 
Abieiter des Baches wird ein unterschlägtiges Wasserrad in Bewe- 
gung gesetzt; das Rad bringt zwei Pumpen in Thätigkeit; diese 
saugen das Wasser an und drücken es in eiserne Röhren hinein, 
welche dasselbe nach der Cisterne führen. Nicht weit von diesem 
Werk ist eine grofse, einem gewissen Leipert gehörige Roth- und 
Weifsgerberei. Bei derselben ist das Wasser ebenfalls der Haupt- 
Moteur. Man hat hier zwei Arten , das Wasser zu schöpfen. An 
der einen Seite eines grofsen unterschlägtigen Wasserrades sind 
Kasten befestigt; diese Kasten füllen sich mit Wasser, wenn sie 
unten sind, und giefsen dasselbe in eine Rinne aus, wenn sie in 
die Höhe kommen ; das ist die eine Art. Die andere aber ist eine 
gewöhnliche Pumpe, die vermittelst einer Kurbel in Bewegung 
erhalten wird. Diese Kurbel ist an einer Axe befestigt, welche auf 
dem andern Ende einen Drilling hat, der mit einem Kronrade in 
Verbindung ist. Das Kronrad ist auf einer schiefen Fläche befe- 
stigt, die mit dem Boden einen Winkel von etwa 30 Graden be- 
schreibt, und 2 Hunde, welche auf derselben 'gehen, setzen sie, 
und mit ihr das Ganze, in Bewegung. Die Kurbel dreht zu glei- 
cher Zeit auch noch einen Schleifstein. In der Gerberei war auch 
eine neu erfundene Maschine, um die Dicke der Ochsenhäut» 
um die Hälfte zn vermindern, und um das abgeschnittene Stück, 
das sonst abgeschabt wurde, und zu nichts mehr gut war, zu zwei 
Paar Schuhen brauchbar zu machen. Endlich führten mich mei- 
ne Herren Begleiter zu einem Gastwirthe, der mit Mühe und 
Kosten ein Cabinet Yon antiken und anderen Münzen angelegt hatte. 



241 

In der That war diese Sammlung) für Amerika schon ziemlich reich 
und nicht ohne Werth. 

<s Den Abend brachte ich sehr angenehm in der Mädchenschule 
zu. Alle Mädchen waren versammelt. Es ward ein musikalisches 
entertainement gegeben, meistens Gesang, gröfstes Theiles mehr- 
stimmig, geistliches und weltliches Inhalts, recht gute Chöre von 
, den älteren Mädchen. Da aber die Mädchen früh zu Bette gehen 
müssen , so war das entertainement , das ich der Attention des Herrn 
Seidel verdankte, bald zu Ende. Ich blieb noch einige Zeit bei 
Herrn Seidel, nahm dann von diesem wackern Manne, von dem 
würdigen Bischöfe Hiiffel und von dem gefälligen Herrn Früauf 
herzlichen Abschied, mit dem festen Vorsatze , nächstes Frühjahr 
mit Gottes Hülfe diesen lieben Ort, wo es mir so wohl gefallen 
hatte, wieder zu besuchen. Beim Nachhausegehen hörte ich die 
Mädchen ihre Abendhymne singen. Als ich nach Hause kam, 
brachten mir 20 junge Leute des Orts, welche, obgleich zur Brü- 
dergemeinde gehörig, die militairische Musik der Miüz ausmachen, 
ein sehr hübsches Ständchen mit Blasinstrumenten. 

Nicht ohne Rührung konnte ich mich — 21. October früh 4 
Uhr — von dem friedlichen, stillen Bethlehem trennen, dessen 
Bewohner in grofser Eintracht zu leben, nur eine einzige Familie 
auszumachen, und, bei gleicher Erziehung und bei stetem Zusam- 
menleben, völlig gleiche Gewohnheiten angenommen zu haben 
schienen. Ich fuhr mit der Stage auf demselben schlechten Wege 
nach Philadelphia zurück , auf welchem ich gekommen war ; er- 
freuete mich jedoch einer freieren Aussicht auf die schöne, dicht 
bevölkerte und sehr gut angebaute Gegend. Besonders war mir 
der letzte Theil des Weges interessant. In den blühenden Orten 
Gcrmantown und Lystown giebt es schöne Gärten und Landhäuser 
der Patricier von Philadelphia. In der Gegend IVhitemarsh be- 
merkte ich Ueberbleibsel der Verschanzungen von dem Lager des 
Generals Washington. Gennantown, ursprünglich von Deutschen 
angelegt, bildet nur eine Strafse, die über 3 Meilen lang ist. 
Während die Engländer Philadelphia und die umliegende Gegend 
besetzt hatten, überfiel der General Washington die in und bei 
Gcrmantown stehenden Engländer. Von diesen warf sich jedoch 
ein Bataillon in ein massives Landhaus und vertheidigte sich in 
demselben so lange, bis die Armee sich sammeln und die Amerika- 
ner zurücktreiben konnte. Das Haus liegt in einem Garten, etwas 
über 100 Schritt von der Landstrafse. An der Strafse steht ein 
Ziehbrunnen , welcher die Bewohner des Hauses mit Wasser ver- 
/. Q 



242 

sieht Der Besitz dieses Brunnens war den Engländern sehr wich- 
tig, und es sollen in seiner Nähe viele Menschen das Leben ver- 
lor« n haben. Um 6 Uhr Abends erreichte ich Philadelphia. 

Am andern Morgen ging ich mit Herrn Halbach zu Hern 
/ <ni.i -, um in Begleitung desselben noch einige öffentliche Anstal- 
ten zu besehen. Bei Herrn Vaux trafen wir mehrere der hiesigen 
public charaders an, mit welchen viel über das allgemeine Beste, 
über Schul-, Straf- und andere Anstalten gesprochen wurde. Dann 
gingen wir in eine Lancastersche Freischule. In derselben erhalten 
trejren 500 Knaben und einige hundert Mädchen aus den unteren 
\ olksclassen Unterricht. Die Mädchen sahen wir nicht: es war 
Sonnabends, und an diesem Tage ist für sie keine Schule. Die 
Knaben von sehr verschiedenem Alter, sind, unter der Aufsicht 
eines einzigen Lehrers und mehrerer Monitoren , in 8 Hauptclassen 
eingetheilt. Sic sind auf Signale eingelernt; nach denselben >er- 
richten sie alle ihre Bewegungen und geben alle ihre Antworten mit 
der gröfsten Pünctlichkeit. Es wurden Gedächtnifsübungen ange- 
stellt. Sie recitirten im Chor mehrere Gedichte und rechneten auf 
gleiche Weise Exempel im Kopf aus. Ihre Handschrift ist gut; 
aber ein Knabe schreibt fast, wie der andere. Sie bekommen auch 
Unterricht in der Geographie: einer der Knaben hatte eine ziemlich 
gute und richtige Skizze von Thüringen gezeichnet. Auf den 
Anzug der Kinder sollte etwas mehr gesehen werden; denn meh- 
rere waren zerlumpt. Die Schule wird übrigens völlig von der 
Stadt erhalten und steht unter der Aufsicht der Quäker. 

Ueber die Gerichtshöfe sage ich Nichts. Sie sind ganz nach 
den englischen Formen gebildet. Interessante Sachen kamen nicht 
vor. Jene Formen der Rechtspflege aber sind zu bekannt, und 
ziniel besprochen worden, als dafs ich für angemessen halten 
könnte, noch Etwas hinzuzufügen. 

Das Staats-Gefängnifs , vor etwa 50 Jahren als county goal 
erbaut, enthielt provisorisch die Gefangenen, welche in das oben 
beschriebene penUenÜary kommen sollten. Daher war dieses Ge- 
fängnifs, in welchem sich mehr als 500 Gefangene befanden , über- 
füllt; die Gefangenen waren nicht genug bewacht und oft fielen 
Unordnungen vor. Durch eine übel angebrachte Philanthropie der 
Quäker, welche auch über diese Anstalt die Aufsicht führen, stehen 
keine Wachen auf der Mauer oder in den Gängen, von wo aus sie 
die Gefangenen beobachten können; und nur 5 Aufseher gehen 
beständig unter den arbeitenden Gefangenen umher, deren Leben 
nicht selten in Gefahr ist. Der Inspector des Hauses , Herr Swift, 



243 

schien auch keineswegs für ein System eingenommen zu sein, 
welches die Gefangenen nicht nur nicht bessert, sondern auch die 
öffentliche Sicherheit gefährdet. Damals schien ein übeler Geist 
unter den Gefangenen zu herrschen, und man fürchtete täglich 
eine Explosion. Die Quäker selbst hatten, wie mir vorkam, trotz 
ihrer Philanthropie, kein grofs Vertrauen zu diesen Menschen. Bei 
unserer Promenade durch die Anstalt glaubte ich Herrn 1'atix deut- 
lich anzusehen, dafs es ihm unbehaglich zu Muthc war; und als 
um 12 Uhr die Gefangenen sich an der grofsen Treppe versammel- 
ten, um zum Essen zu gehen, da begab ersieh schnell hinter die 
Gitterthür, wo er nöthiges Falls in Sicherheit war. 

Die weiblichen Gefangenen bewohnen den einen Flügel des 
Gebäudes und werden mit weiblicher Arbeit, mit Spinnen, Nähen, 
Stricken und Zupfen von Pferdehaaren, mit Strohflechten und 
Waschen beschäftiget. Sie sitzen in langen geheizten Corridors, 
aufweiche die Thüren ihrer Schlafstellen stofsen. Zehn und mehr 
schlafen bei einander, auf Ilaarmatratzen mit wollenen Decken. Es 
giebt für sie auch Zellen zum Solitary confinement ; in einer der- 
selben befand sich seit 4 Wochen ein junges, hübsches Mädchen, 
das , wegen Diebstahls verurtheilt , sich simpel und taubstumm ge- 
stellt hatte. In dem Solitary confinement hatte sie angefangen, 
recht gut und vernünftig zu sprechen. Die männlichen Gefangenen 
bewohnen den anderen Flügel und haben den ganzen Hof für sich. 
In demselben sind mehrere Werkstätte erbaut worden. Die meisten 
Gefangenen sind im Hofe mit Zersägen von Marmorblöcken be- 
schäftigt; andere müssen weben; noch andere sind Schneider oü"er 
Schuhmacher; auch giebt es mehrere geschickte Tischler, dig für 
Meubles-Iländler in der Stadt arbeiten und recht elegante Meubles 
machen. Alle Hände sind beschäftigt und Müssiggänger werden 
nicht geduldet. Die Invaliden werden meistens mit Zupfen von 
Pferdehaaren beschäftigt. In dem Backhause für die Anstalt wird 
recht gutes schwarzes Brod gebacken, und die Gefangenen erhalten 
täglich \\ Pfund. Die Gefangenen haben einen langen unterirdi- 
schen Corridor, der mit Lampen erleuchtet ist , zum Efs-Saal, und 
bekommen täglich sehr gute Bouillonsuppe, frisches Fleisch und 
Kartoffeln. Sie leben also gewifs viel besser, als mancher ehrliche 
Arbeitsmann, der eine Familie redlich ernährt. In dem Solitary 
confinement für die Männer safs ein Weber, der seine Faden, 
weil sie. etwas verwirrt gewesen, in einem Augenblicke von Unmuth 
mit dem Messer durchschnitten hatte. Für die Kranken beiderlei 
Geschlechts ist in jedem Flügel eine besondere Infirmerie. Trotz 

Q2 



244 

der l'eberfullung des Gefängnisses herrschte doch grofse Rein 

henkelt 

Sc. Bxceüciw John Quincy Adams, Präsident der V. St., war 
von /Y< //- } ork und Boston , wo er seinen alten ehrwürdigen Vater 
besucht hatte, angekommen, und hatte im Mansion house, in der 
Stube neben mir, seine Wohnung genommen. Er war — am 22. 
Octobcr — in die Wistar party im Hause des Obersten Biddle ein- 
geladeil , und hatte die Einladung zur allgemeinen Freude Büge 
nommen. Ich besuchte die party gleichfalls. Der Präsident ist ein 
Sechsziger, eher klein als grofs, mit einer kahlen Scheitel und 
mit einem sehr einfachen und würdigen Ansehen. Er spricht nicht 
sehr viel , aber was er sagt, ist gut gesagt. Ich darf wohl bekennen : 
selten in meinem Leben habe ich eine so wahre, tief gefühlte Ehr- 
furcht empfunden, als in dem Augenblicke, da der ehrwürdige 
Mann mir die Hand schüttelte, den 11 Millionen Menschen, oder 
doch die Besten unter ihnen , für würdig erachtet haben , sie zu 
regieren. Er erkundigte sich sehr viel nach seinen Genter Freun- 
den und besonders nach der De Meulemeesterschen Familie. Leider 
konnte ich mich nicht lange mit ihm unterhalten, weil jeder aus 
der Gesellschaft gegründetere Ansprüche als ich auf die Ehre seiner 
Unterhaltung hatte. Ich machte inzwischen mehrere neue und 
interessante Bekanntschaften. So lernte ich zum Beispiel einen 
Quäker Namens Wood kennen, der eine grofse Reise durch Eng- 
land und Frankreich, durch einen Theil von Deutschland, durch 
Dänemark, Schweden und Rufsland unternommen hatte, gröfstes 
TUeilsinder philanthropischen Absicht, den Zustand der Strafanstal- 
ten in diesen Ländern kennen zu lernen. Ich erfreute mich sehr 
an seinem unterrichtenden Gespräch, obgleich ich einen harten 
Straufs mit ihm zu bestehen hatte über die Gefangnifs-Systeme ; 
denn er hatte gehört, dafs ich mit ihm wegen des neuen peniten- 
tiary, von welchem er einer der thätigsten Beförderer ist, nicht 
völlig einerlei Meinung sei. Herr Livingston, der in seinem Straf- 
buche für Louisiana die Todesstrafe ganz abgeschafft hat, wurde 
hier von den Philanthropen bis zum Himmel erhoben. Gott gebe 
sein Gedeihen ! 

Am folgenden Tage machte ich; dem Präsidenten einen Besuch, 
und überreichte ihm die Medaillen, welche mir Herr Cornelissen 
in Gent für denselben anvertraut hatte. Die eine silberne war die 
Medaille der botanischen Gesellschaft in Gent, mit einer passenden 
Inschrift für den Präsidenten; die andere bronzene war die Me- 
daille , w eiche im Jahre 1823 zur Ehre des Haerlemer Jubelfestes 



245 

wegen der Erfindung der Buchdruckerkunst geschlagen worden ist.* 
Beide sind von dem geschickten Künstler Braemt in Brüssel ge- 
macht worden. Am Abend sah ich den Präsidenten in einer Gesell- 
schaft bei Herrn Walsh , welche er mit seiner Gegenwart beehrte, 
von Neuem. Ich hatte eigentlich die Absicht gehabt, an diesem 
Tage nach Baltimore mit dem Steam boat abzureisen ; durch die 
Ankunft des Präsidenten war aber mein Entschlufs geändert wor- 
den, weil ich in seiner Gesellschaft dem Feste beizuwohnen 
wünschte, das den 24. October gefeiert werden sollte, und dann 
mit ihm bis Baltimore zu reisen. 

Um nämlich den Tag in gesegnetem Andenken zu erhalten, 
an welchem im Jahre 1683 William Penn's Landung in Amerika 
Statt fand — eine Begebenheit, welche, an sich unbedeutend, die 
Gründung zuerst der Provinz, und dann des Staates Pensylranicn 
zur Folge gehabt hat — ist hier von seinen Verehrern eine Gesell- 
schaft gebildet worden , welche diesen Tag — den 24. October — 
durch eine öffentliche Handlung zu feiern beschlossen , und welche 
defshalb Statuten aufgesetzt haben. Dieses Mal bestand die Feier 
in einer Rede, die im Universitätsgebäude gehalten ward, und in 
einem öffentlichen Diner. Zu der Itede ward ich von Herrn Vaux 
gegen 12 Uhr abgeholt. Das Universitätsgebäude von Pensylvanien 
ist eigentlich vom Staat für den Präsidenten Washington erbaut 
worden; Washington jedoch lehnte das Geschenk ab, und nun ward 
es zur Universität bestimmt. In einem der medicinischen Hörsäle 
hatte sich ein zahlreiches Auditorium versammelt; man placirte 
mich auf der Tribüne, welche später der Redner betrat; auf der- 
selben erhielt auch der Präsident, der kurz nach mir hereintrat und 
mit lautein Zuruf begrüfst wurde, seinen Sitz. Die Rede wurde 
von einem Advocaten, Dr. Ingersoll, gehalten. Sie enthielt mehr 
ein statistisches Tableau des Staates Pens y Ivanien , als eine Erzäh- 
lung der Landung William Penn's. Dieses war den Quäkern nicht 
ganz, recht, obgleich die Rede sehr gut abgefufst war, und auch 
sehr vielen Beifall fand. Der Redner gedachte eines interessanten 
Factum, das, meines Wissens, in Europa noch nicht bekannt ist. 
William Penn nämlich sagt in einem Schreiben , welches ich schon 
vor einigen Tagen bei Herrn Vaughan in der Bibliothek der philo- 
sophischen Gesellschaft im Original gesehen hatte: Carl //. habe 
in der Acte, welche von diesem König über das ihm zugestandene 
Land ausgefertigt worden, dieses Land, seinein Vater, dein 
Admiral Penn, zu Ehren, Pensulcanicu genannt. Er, WH 'Harn Penn, 
habe den Namen New- Wales vorgeschlagen. Dieser Name sei 



246 

aber von dem Könige nicht genehmigt worden, nierauf habe er 
dem Secretair 20 Guincen geboten, wenn das Land nur Sylranien 
genannt würde; aber auch dieser Vorschlag sei nicht gelungen. 
Der Name l'cnsi/lrania sei ihm äufserst unangenehm gewesen; 
denn man werde in demselben vielleicht eine grofse Eitelkeit von 
seiner Seite finden, da er doch von aller Eitelkeit weit entfernt sei. 
Jn den Bemerkungen über die Fabriken von Pensyhanien , ging der 
Redner hin und wieder etwas zu weit. Er sagte z.B., dafs nirgends, 
selbst nicht in Europa, bessere Wagen gemacht würden, als in 
Philadelphia, da doch die hiesigen Wagen gerade nicht die besten 
und bequemsten sind. Die Unterrichtsanstalten des Staates zeigte 
er in einem weniger günstigen Licht, und gestand klagend ein, 
dafs sie nicht so weit vorgerückt wären, als in den nördlichem 
Staaten ; besonders sei die Universität von Pensyhanien weit zu- 
rück. Auch klagte er über den grofsen Hang der unteren Volks- 
classen zur Unmäfsigkeit. — Man zollte dieser Rede vielen Beifall ; 
auch gab das Publicum dem Präsidenten, als er sich zurückzog, 
auf eine gleiche Weise seine Achtung zu erkennen. 

Ich safs in der Tribüne neben dem 82jährigen Richter Peters, 
der während der Revolution Secretair des Kriegsdepartements ge- 
wesen war. Auch wurde ich hier dem Herrn Washington, Neffen 
des Helden , und Richter in supreme court of the U. S. , vorgestellt. 
Er ist der Erbe seines Oheims, und besitzt Mount Vermon, den 
Landsitz dieses grofsen Mannes, wo auch dessen Gebeine ruhen. 
Nach der Rede besah ich das im Universitätsgebäude befindliche 
anatomische Cabinet. Es ist nichtsehr reich ausgestattet, aber es 
hat einige interessante Dinge ; z. B. zwei lebensgrofse Wachsfigu- 
ren, die man aus einander nehmen kann; ferner eine Sammlung 
von Menschenschädeln, unter n eichen mir ein Paar ganz platt ge- 
drückte Schädel von Peruanischen Indianern auffielen; unter den 
menschlichen Skeletten , ein sehr gut zusammengesetztes von einem 
Crec7f-Indianer ; mehrere Exemplare gebrochener und schlecht zu- 
sammengeheilter Menschenknochen , so wie von allerlei Krankheiten 
zerfressene ; auch alle sonstigen Theile des menschlichen Körpers, 
ausgespritzt oder in Weingeist aufgehoben. 

Um 4 Uhr fuhr ich mit Herrn Vaux nach der Masonic hall, 
in welcher das Diner gegeben wurde. Einige 70 Peronen, mei- 
stens Herren meiner Bekanntschaft, wohnten demselben bei. Der 
Präsident safs zur Rechten des alten Richters Peters , der, in 
William Penns Stuhle sitzend , Präsident des Diner war. Ich safs 
zur Linken dieses würdigen Greises. Mir zur Linken der heutige 



247 - 

Redner, Dr. Ingcrsoll. Hinter Herrn Peters Stuhl war William 
Penn's Portrait , in Oel gemalt, aufgestellt, und unter diesem der 
bekannte Kupferstich, der seinen Tractat mit den Indianern vor- 
stellt. Der Vice - Präsident der Tafel war ein alter Franzose, 
Duponccau , welcher seit 47 Jahren in diesem Lande , während des 
Revolutions- Krieges, Adjudant des Barons Steuben gewesen, jetzt 
aher Advocat ist, und sehr gut in englischer Sprache plaidirt. 
Dieser alte Mann besitzt ein seltenes Sprachtalent und hat eine 
grofse Vorliebe für die deutsche Sprache. Göthe's Faust ist sein 
Lieblingswerk in dieser Sprache; und da sich unser Geschmack 
hier begegnete, so unterhielten wir uns lange über den Faust und 
recitirten wechselsweise unsere Lieblingsstellen. Die erste Gesund- 
heit, welche ausgebracht wurde, war natürlich die des Präsidenten. 
Se. Excellenz stand auf, und sprach in einer kurzen Rede seinen 
herzlichen Dank «aus. Als meine Gesundheit getrunken wurde, 
stand ich gleichfalls auf, entschuldigte es in englischer Sprache, 
dafs ich nicht wagte, den Herren in dieser Mundart zu danken, 
und bat um Erlaubnifs, meinen Dank in französischer Sprache, die 
mir geläufiger wäre, ausdrücke« zu dürfen. Alsdann sprach ich 
einige Worte aus vollem Herzen. Ich bezeugte meine innigste 
Theilnahme an dem herrlichen und freudigen Gedeihen dieses 
Landes. Ich wünschte der Gesellschaft Glück zu dem frommen 
Sinne, mit welchem sie das Andenken an die Väter, und besonders 
an den vortrefflichen Mann feierte, der den Grund gelegt habe 
zu diesem grofsen gemeinen Wesen: in diesem Sinne habe das 
Land die feste Bürgschaft einer glücklichen Zukunft. Ich sprach 
meine Freude darüber aus, dafs ich grade in dem Augenblicke 
dieser Feier anwesend , und Zeuge der Gesinnung sei , die sie 
beseele. Ich dankte gerührt für die freundliche Aufnahme, die 
mir zu Theil geworden, und verschwieg den Eindruck nicht, den 
ihr Thun und Treiben auf mich gemacht habe. Das Andenken an 
dieses Fest, sagte ich, dessen Feier noch durch die Gegenwart 
des ersten Magistrates dieses grofsen Volkes erhöhet und verherr- 
licht worden sei, werde niemals aus meiner Seele verschwinden, 
so wie ich auch hoffte, Freunde in der neuen Welt zurückzulassen 
bei meiner Llückkehr in die alte. Ich schlofs mit Wünschen des 
Segens und des Heils. Und es schien, als wurden meine einfachen 
Worte nicht unfreundlich aufgenommen. Gegen 8 Uhr zog der 
Präsident sich zurück; ich blieb bis gegen 10 Uhr. Unter den 
sogenannten rolunfccrs brachte man folgende Toasts aus: „Weimar, 
«las Vaterland der Wissenschaften!" Ich stand auf und sagte: „auf 



. 248 

diesen Toast könnte ich nur mit einem bescheidenen Schweigen 
antworten. Denn er könne nur würdig von einem Weimaraner 
beantwortet werden mit einer Rede voll grofser Gelehrsamkeit; 
und leider! könnte ich mich derselben nicht rühmen. Sehr jung 
vom älterlichen Hause entfernt und fast als Kind in eine kriegerische 
Laufbahn getreten, seien die Wissenschaften in meine Thür nicht 
eingekehrt. Defswegen wolle ich, anstatt der Antwort, folgen- 
den Toast einsetzen : „Pensylcanien , der Zufluchtsort für unglück- 
liche Deutsche!" Dieser Trinkspruch wurde mit grofsem Jubel 
aufgenommen. Der alte 82jährige Richter Peters sang selbst mit 
einer noch ziemlich sichern Stimme ein Lied, das er gestern Abends 
gedichtet hatte , und Alles war ungemein heiter und fröhlich. 

Die Gesellschaft hat ihre Statuten in ein sehr elegant einge- 
bundenes Buch mit Pergamentblättern zierlich einschreiben lassen. 
Dieses Buch war dem Präsidenten und mir zum Unterzeichnen 
vorgelegt worden. Wir haben unterzeichnet, und sind dadurch 
Ehrenmitglieder dieser achtungswerthen Gesellschaft geworden. 

Uebrigens gedachte ich treulich an diesem Feste der Brüder, 
die in denselben Stunden in einer andern Hemisphäre zu einem 
andern Feste versammelt waren , und die vielleicht bei ihrer letzten 
Gesundheit^-: „die auf dem Erdenrund zerstreueten Brüder!" — • 
heute auch meiner gedachten, des weit Entfernten und doch so 
Nahen ! 



XII. 

Reise nach "Baltimore und Aufenthalt in dieser Stadt. 
Vom 25. October bis 2. November 1825. 



Den 25. October machte ich einige Abschiedsbesuche, und be- 
gab mich dann, um 12 Uhr, auf das Dampfschiff Baltimore, um 
das liebe Philadelphia zu verlassen, das mir so theuer geworden 
war. Herr Tromp war schon einige Tage früher abgereiset, um 
in Norfolk die Pallas aufzusuchen, und auch die Familie Grymes 
Mar in ihre Heimath zurückgekehrt. Kurz nach mir traf auch der 
Präsident auf dem Schiffe ein, von mehreren Herren aus der Stadt 
begleitet. Auf dem Quai , an dem das Dampfschiff lag , hatte sich 
eine grofse Menge Bürger versammelt, um den, von allen gut- 
denkenden Menschen mit Recht so innig verehrten Chef des Gou- 
vernements noch ein Mal zu sehen. Als sich das Schiff, \ nach 
12 Uhr , in Bewegung setzte , rief das versammelte Publicum , das 
durchgängig aus gutgekleideten Personen bestand, dem Präsi- 
denten ein Hurrah nach. Er blieb lange mit unbedecktem Kopfe 
stehen. 

Wir fuhren den Delaware gegen 40 Meilen hinab. Der Flufs 
wird sehr breit ; die Ufer sind flach, scheinen aber gut angebaut 
zu sein. Der Präsident hatte die Güte, sich lange mit mir zu 
unterhalten. Ich lernte auf dem Schiff auch einen Herrn Sullivan 
aus Boston kennen, der bei dem Präsidenten viel zu gelten schien, 
und einen englischen Infanterie - Capitain Maclean, von der Garni- 
son von Halifax, der hier im Lande zu seinem Vergnügen reisete. 
Zugleich traf ich Herrn de Salazar , Columbianischen Gesandten, 
nebst seinem Gesandtschafts-Secretair Gomcz , und den Mexikani- 
schen Gesandten Obregon, welche Herren ich schon von New - 5 ork 
aus kannte. Ich erfreute mich sehr an ihrem interessanten Ge- 
spräch und an ihren gemäfsigten Ansichten. 



250 

Zwischen 4 und 5 Uhr Abends landeten wir in New- Castle, 

einein auf dem rechten Ufer des Stromes im Staate Delaware gele- 
genen, }riil gebauten Städtchen. Um dem Entrepreneur derStagea 
in New Castle anzuzeigen, wie viel Slages nöthig waren, hatte 
man auf dem Schiire eben so viele grofse Kugeln auf einem Tau 
in die Höhe gezogen. Wir brauchten 8, um nach Frenchtown im 
Staate Maryland, am Elkriver , zukommen. Ich setzte mich mit 
den Herren de Salazar, Obregon und Gomez in einen Wagen, 
und gegen 7 Uhr waren die 16 Meilen zurückgelegt. Da der 
Präsident sich in einer der Stages befand, so führen die Kutscher 
etwas geschwinder als gewöhnlich. Der Weg war gröfstes Theiles 
sandig und ging durch Wälder; Ortschaften sahen wir nicht; auch 
ward es bald dunkel, und das interessante Gespräch zog überdiel's 
von der Betrachtung der Gegend ab. Frenchtown ist übrigens ein 
kleiner Ort, welcher von dem englischen Admiral Cockburn im 
letzten Krieg ausgeplündert und verbrannt worden ist. Wir be- 
stiegen hier das Dampfschiff Constitution. Dieses Schill* ist sehr 
grofs und geräumig, und auch mit Betten versehen; jedoch ver- 
ursachte die Maschine einen grofsen Lärm und vieles Stofsen. Wir 
hatten eine schöne mondhelle Nacht, und die mit Holz bewachse- 
nen Ufer des Susquehannah und später der Chesapeak-bay nahmen 
sich recht hübsch aus. Ich blieb lange auf dem Verdeck und unter- 
hielt mich mit dem Capitain Muclean; aber auch dann war im Bette 
an keine Ruhe zu denken. Denn die Dampfmaschine machte ihr 
(Jetöse; 6 Pferde, die gerade über mir auf dem Verdecke standen, 
lärmten , und ein deutscher Handwerker, der nicht schlafen konnte, 
hielt Nachtmonologen. Gegen Morgen langten wir sehr früh im 
Hafen von Jiallimare an. 

Der Präsident nahm sogleich nach unserer Ankunft einen Wa- 
gen , um nach Washington zu reisen , das nur 36 Meilen entfernt 
ist. Der gröfste Theil der Reisegesellschaft blieb liegen, bis zwi- 
schen 6 und 7 Uhr. Dann ging ich ans Land und durch die noch 
ziemlich öden , regelmässigen Strafsen nach dem Gasthof, Indian 
Queen, in welchem Quartier für mich bestellt war. Ich hatte die 
Freude, Sir Michael Cläre und seine Frau hier zu treffen; auch 
erhielt ich kurz nach meiner Ankunft einen Besuch von Herrn 
Ihnjgens, dem Sohn des Chevalier Bangemann Huygons , Nieder- 
ländischem Gesandten in Washington, Ofiicier in unserer Artillerie 
und altache an die Gesaitdtschaft. Sein Vater hatte die Attention, 
mir diesen jungen Mann entgegen zu schicken und einstweilen zu 
meiner Disposition zu stellen. Sobald ich mich in dein Wirthshaus 



251 

etablirt hatte, ging ich mit Sir Michael aus, um einige Merkwür- 
digkeiten in der Stadt zu besehen. Die Stadt *) ist sehr regelmäfsig 
gebaut und enthält, wie man versicherte , 75,000 Einwohner. Man 
hat grofse Projecte , sie noch zu vergröfsern; diese Projecte sind 
jedoch durch einige bedeutende Bankerotte etwas ins Stocken ge- 
rathen. Fast ist es unglaublich, wie schnell diese Stadt zugenom- 
men hat; denn im Jahre 1752 standen hier nur 10 Häuser. Die 
Strafsen sind breit und mit Trottoirs versehen, zum Theil auch, 
Mie in Philadelphia, mit Pappeln bepflanzt. Die Stadt scheint 
ziemlich lebhaft zu sein. Ich bemerkte eine ungewöhnliche Anzahl 
Neger in den Strafsen. Der Staat Maryland ist der erste, den 
ich betrat , in welchem die Sclaverei der Neger gesetzmäfsig bei- 
behalten worden ist. Weiter südlich herrscht sie überall. Ich aber 
bleibe bei dieser Thatsache stehen. Es kommt mir nicht zu , mich 
über diesen delicaten Gegenstand zu äufsern. Auf meiner Reise 
habe ich jedoch von Neuem die alte Erfahrung gemacht, dafs man 
sehr leicht irrige Urtheile über Gegenstände fället , die man nicht 
genau kennet, nicht selbst gesehen und selbst geprüft hat. 

Zuerst besahen wir das auf einer Anhöhe stehende Monument 
Washingtons. Es ist oder wird vielmehr vom Staate Maryland er- 
richtet, und besteht aus einer Säule von weifsem Marmor, die 
gegen 160 Fufs hoch ist, und mit bronzenen Basreliefs, Scenen 
aus dem Leben des Helden , geziert werden soll. Auf die Kuppel 
der Säule soll eine colossale Statue des grofsen Mannes kommen. 
Die Fonds scheinen indefs nicht zuzureichen; defswegen sind die 
Verzierungen noch nicht gemacht. Wir stiegen auf einer Wendel- 
treppe von 226 Stufen auf die Säule hinauf; aber der Standpunct 
gewährte keine schöne Aussicht, weil die Luft neblig war. 

Hierauf besahen wir ein anderes Monument, welches den Bür- 
gern zu Ehren errichtet worden ist, die am 12. September 1814 
bei der Vertheidigung von Baltimore gefallen sind. Auf einem 
Piedestal steht eine Säule, deren Schaft aus einem Bündel von 
Stäben besteht. Auf die Bänder, welche die Stäbe zusammen- 
halten, sind die Namen der gefallenen Bürger eingegraben. Ueber 
der Säule steht die Statue einer Victoria. Auf den 4 Ecken des 
Piedestal sitzen Greife. 

Wir bemerkten ferner mehrere schöne öffentliche Gebäude, 
unter welchen sich einige Kirchen besonders auszeichnen. Die 
schönste ist die katholische Kathedrale, welche eine Kuppel hat, 



') S. den beiliegenden Tlan. 



252 

die der Kuppel des römischen Pantheon ähnlich ist. Im Innern 
ist die Kirche geschmackvoll und reich verziert und besitzt mehrere 
gute Gemälde, die gröfstes Theiles zur Zeit der französischen 
Revolution hieher gekommen sind. Das schönste unter ihnen ist 
eine Kreuzabnahme von Guerin in Paris, welches Gemälde, wie 
eine Inschrift sagt, auf Ansuchen eines Grafen Menou von Ludwig 
XVIII. dieser Kirche geschenkt worden ist. Es ist Schade, dal's 
es wegen seiner Gröfse nicht als Altarbild aufgestellt werden kann. 
Man hatte es neben dem Eingang aufgehängt. Der jetzige König 
Carl X. soll der Kirche ein Pendant zu diesem Gemälde versprochen 
haben. Ich lernte in der Kirche den Erzbischof von Baltimore, 
Mareckal, kennen, der eigentlich der katholische Primas der V. St. 
ist. Er ist von Geburt ein Franzose, wohnt aber schon seit dem 
Jahre 1792 in den V. St., wohin er zuerst als Missionar kam. Man 
rühmt ihn als einen Mann von vielem Geist und grofser Gewandt- 
heit. Er hat ein sehr einfaches Aeufsere, ist ein kleiner Mann, und 
ziemlich lebhaft. Im ersten Augenblicke, da er mich ansprach, 
hielt ich ihn, mit seinem Buch unter dem Arme, für einen fran- 
zösischen Sprachmeister ; er stellte sich mir aber bald selbst als den 
Erzbischof vor. Im Staate Maryland wohnen die meisten Katho- 
liken ; es ist der einzige Staat — aufser dem Staate Louisiana und 
dem Territorium Florida — , in welchem die Katholiken , wegen 
ihres Vermögens, Einflufs haben. Nicht weit von der Kathedrale 
steht eine Kirche der Unitarier, von aufsen geschmackvoll mit 
Säulen verziert und mit einer Kuppel versehen. Die englische 
Episcopalkirche steht auch nicht weit entfernt. Sie hat ebenfalls 
eine Colonnade am Eingang, aber einen äufserst geschmacklosen 
Thurm. Das Portal der Kirche ist mit 2 Statuen geziert, Christus 
und Moses, von einem hier lebenden italienischen Bildhauer, Ca.- 
pellaro. Man erzählte, die Einwolmer von Daliimore hätten sich 
sehr an Moses Hörnern scandalisirt , und den Künstler genöthigt, 
sie ihm wieder abzunehmen. Gewifs ist, der hiesige Moses. trägt 
diese Zierde nicht. Noch sahen wir ein anderes Gebäudo, neu 
aufgeführt, das Athenaeum genannt. In demselben ist eine kleine 
Bibliothek und ein Lesezimmer für amerikanische und englische 
Zeitungen, so wie ein grofser Concertsaal. Dieses Gebäude ist auf 
Subscription errichtet worden. Endlich gingen wir in ein grofses 
Maus, the exchange genannt, in welchem sich das Zollamt und die 
Börse befinden. 

Wenige Stunden nach dieser Wanderung reisete Sir Michael 
und Lady Cläre nach Ncw-Yvrk ab, wo sie sich nach Jamaica 



253 

einzuschiffen gedachten. Ich verdankte ihnen indefs noch die 
Bekanntschaft des Dr. Macaulay , eines hiesigen Arztes von grofsem 
Rufe: eine Bekanntschaft, die mir um so angenehmer Mar, da ich 
bald bemerkte, dafs ich in Herrn Macaulay einen sehr unterrich- 
teten und vielseitig gebildeten Mann gefunden hatte. In Begleitung 
desselben fuhr ich nach dem Fort M'Hcnry. Dieses Fort Hegt 
2 Meilen südlich von Baltimore auf der äufsersten Spitze der Land- 
zunge, welche von dem östlichen und westlichen Arm des Patapsco 
gebildet wird , der unterhalb des Forts in die Chesapeak-bay fallt. 
Es ist defshalb interessant, weil es am 12. September 1814 einen 
Angritf der Engländer zur See abschlug, und durch seine gute 
Vertheidigung viel zur Rettung von Baltimore beitrug. 

Die Fmgländer nämlich hatten auf dem östlichen Ufer des 
Patapsco Truppen ans Land gesetzt, welche die Stadt von der 
Landseite angreifen sollten, während die Marine bestimmt Mar, das 
Fort M'Hcnry zu bombardiren und einzunehmen. Die gelandeten 
Truppen, deren General Rofs erschossen wurde, fanden bei den 
Bürgern, die ihnen entgegengerückt Maren, so vielen und so 
kühnen Widerstand, dafs sie sich genöthigt sahen, mit bedeutendem 
Verlust zurück zu gehen, und der Angriff auf Fort M Henry hatte 
keinen bessern Erfolg. Die englischen Bombenschiffe blieben in 
einer zu grofsen Entfernung von dem Fort, als dafs die Bomben 
grofsen Schaden hätten anrichten können; dagegen genirte das 
Feuer der unteren Batterien vom Fort ihre Schiffe sehr. Da sie 
dem Fort von dieser Seite nichts anhaben konnten, so schifften 
sie Mährend der folgenden Nacht Truppen in Böte ein, welche, 
durch die Dunkelheit begünstigt, am Fort vorbei, in den m estlichen 
Arm des- Patapsco fuhren. Sie wurden aber zeitig genug von wei- 
ter zurückgelegenen Batterieen entdeckt, und in den Grund ge- 
schossen. Das Fort ist äufserst klein und unansehnlich : ein Pen- 
tagon mit 5 kleinen Bastionen , in deren jeder höchstens 3 schwere 
Stücke stehen können; vor dem Eingang ist ein kleines Ravelin, 
das jedoch Nichts vertheidigt. Eine Contre-Escarpe ist nicht vor- 
handen. Die Wälle sind revetirt. Nach der Landseite zu hat man 
das Fort vom Lande durch eine crenellirte, sägeförmig geführte 
Mauer getrennt, welche ihm jedoch eher nachtheilig,' als vortheilig 
sein dürfte. Nach der Wasserseite hin ist unter dem Fort eine; 
Küstenbatterie , in welcher über 50 Stücke stehen können , die über 
Bank feuern. Auch sind hier ein Paar Oefen, um die Kugeln 
glühend zu machen. Diese Batterie war es, Melche den Englän- 
dern den meisten Widerstand bot. Sie war mit französischen 



254 

schworen Schiflsstücken besetzt, von Jerömc Bonapartcs hier g< 
strandetem Linienschiff, und wurde von amerikanischen Matrosen 
bedient. Es standen 1500 Mann in dem engen Räume; kein einzi- 
ges bombenfestes Gebäude, nicht einmal ein Pulvermagazin war 
im Fort; und dennoch verlor diese Besatzung nicht mehr als 30 
Mann an Todten und Verwundeten. Seitdem haben die Ingenieurs 
unter dem Wall auf beiden Seiten des Thors Casemalten angebracht. 
Auch sind seitdem ein bombenfestes Pulvermagazin und bomben- 
feste Brunnenhäuser gebaut worden. Das Fort befand sich in einem 
ziemlich baufälligen Zustand; auch soll es wegen seiner unwichtigen 
Lao-e verlassen werden. Die Ingenieurs sind Willens, mehrere 
Meilen weiter hinaus an der Chesapeak-bay neue Befestigungen an- 
zulegen. Die Lage des Forts M' Henry ist übrigens so ungesund, 
dafs es während des Sommers von seiner Garnison geräumt \>ird. 
Vom Fort aus hat man eine hübsche Aussicht auf beide Arme des 
Patapsco und die Ufer; besonders schön nahmen sich die Bäume 
in ihrem Herbstschmuck mit ihren bunten Blättern aus. Bei unsrer 
Rückkehr nach der Stadt bestiegen wir einen die Stadt beherr 
sehenden Hügel , von welchem aus man wieder eine äufserst schöne 
Aussicht hat. Auf demselben steht ein Haus mit Signalstäben, 
welche die ankommenden Schiffe signalisiren. 

D. Macaulay zeigte uns auch die Arzneischule , ein auf Kosten 
des Staates Maryland erbautes, mit einem Porticus geziertes, gro- 
fses und schönes Gebäude. Es enthält eine von oben erleuchtete 
amphitheatralische Rotunde für practische Vorlesungen in der 
Anatomie; ferner ein halbes Amphitheater für die physicalischen 
Vorlesungen, bei welchem sich ein Laboratorium und ein Cabinet 
mit physicalischen Instrumenten befindet. In diesem Cabinete gab 
es 4 Electrisir-Maschinen, 3 Luftpumpen mit den nöthigen Appa- 
raten, alle nöthigen Gerätschaften zur Erzeugung von Gasen, 
eine Sammlung von Säuren, und 2 grofse galvanische Batterieen, 
nach Sir Humphrey Davy's System zum Herumdrehen auf .einem 
Rade. Die meisten Instrumente sind in Paris verfertigt. Das 
anatomische Cabinet schien noch nicht reich dotirt zu sein , da die 
Schule noch sehr neu ist. Ich bemerkte eine weibliche Wachsfigur, 
die einen Nabelbruch zeigte ; ferner mehrere menschliche Embryo- 
nen und Mifsgeburten. Auch sah ich eine ziemlich reichhaltige 
Mineraliensammlung, in welcher ich eine Basaitsäule von giants 
causeicay aus Irland als alte Bekannte begrüfste. An der Arznei- 
schule lehren 8 Professoren, und die Vorlesungen finden während 
4 Wintermonaten Statt. Neben diesem Gebäude steht ein Kranken- 



255 

haus für Arme, welches zur Arzneischule gehört, und in welchem 
die Kranken durch barmherzige Schwestern gepflegt werden. 

Das Museum ist von demselben alten Maler Pcal, der das 
Museum in Philadelphia angelegt hat, etablirt worden; einer seiner 
Söhne hat es fortgesetzt. Diese Söhne sind schon in der Wiege 
von ihrem Vater zu Künstlern bestimmt Morden; denn ihre Tauf- 
namen sind: Rubens, Reinbrandt und Titian. Reinbrandt ist an 
der Spitze dieses Museums. Einen der Säle hat er seinen eigenen 
malerischen Productionen gewidmet. Einige Copien, z. B. der 
König Lear, der dem Sturme trotzt, nach B. West, sind ihm gut 
gelungen; weniger gelungen hingegen möchten die Originale sein, 
besonders das lebensgrofse Portrait Napoleons zu Pferde. Ziemlich 
gut sind einige Miniaturbilder von einer Mifs Peal, Tochter oder 
Schwester des Malers Peal. Das Museum ist nicht so reich als 
das Museum in Philadelphia, enthält aber auch sehr interessante 
Gegenstände, Ich hatte jedoch nicht Zeit genug, um alles en 
detail zu sehen , weil ich von D. Nacaulay's Gefälligkeit keinen 
Mifsbrauch machen wollte. Es ist in 2 Etagen vertheilt; in der 
ersten sind mehrere 4füfsige Thiere und Vögel aufgestellt; unter 
den ersteren bemerkte ich nieder ein Schnabelthier aus Neu-Süd- 
Wallis. Die Vögel sind alle inländische und in Wilsons Ornitho- 
logie beschrieben. Die Suite amerikanischer Insecten und Schmet- 
terlinge ist schön, unter ihnen mehrere Tausendfüfse , grofse 
Scorpionen und die Riesenspinne aus Süd-Amerika, welche den 
Colibri tödtet. Diese Insecten sind sämmtlich gut aufbewahrt, 
und zwar in Kästen von weifsem Gyps. Der Gyps wird mit heifsem 
Wasser flüssig gemacht; wenn er noch ganz heifs ist, wird die 
Vertiefung hinein gedrückt, in welche die Insecten kommen sollen. 
Hierauf steckt man die Nadeln, an denen die Insecten befestigt, 
sind, in den Gyps, während er noch so heifs ist, dafs er alle 
Motten, die mit in die Vertiefung gekommen sein könnten, tödtet, 
und verschliefst sie endlich hermetisch mit einem Uhrglas. Auch 
giebt es eine schöne Sammlung indischer Antiquitäten, Waffen und 
sonstiger Geräthe. Unter den Waffen besonders eine Menge Pfeil- 
spitzen von Feuerstein, wie ich sie bei den Tuscaroras gesehen 
hatte. Ferner eine Menge Spielereien und andere Kleinigkeiten; 
ganz gemeine deutsche Tabakspfeifen : bei einigen steht geschrie- 
ben : austrian pipes; bei einer: a german pipe; mehrere Guck- 
kasten und Spiegel, um sich im Protil zu sehen u. s. w. Auch ein 
iWanunouth -Skc\ett, jedoch nicht so vollständig, als das in Phila- 
delphia: die grofsen Zähne fehlen; die Unterkinnlade aber ist 



256 

besonders gut erhalten; sie war indefs vor einigen Wochen mit 
der Kette, mit welcher sie an der Stubendecke befestigt gewesen, 
heruntergefallen und in zwei Stücken zerbrochen. Endlich eine 
recht schöne Mineraliensammlung. Schade, dafs so viele seltene 
Gegenstände nicht besser geordnet und von so vielen geringfügi- 
gen Gegenständen, welche die Holländer mit dem eignen Wort 
■prallen bezeichnen, getrennt waren. 

Die Stadt -Bibliothek ist auf Subscription angelegt. Sie soll 
gegen 15,000 Bände enthalten. Ich liefs mir Humboldts Pracht- 
werk über Mexico zeigen ; sonst besitzt die Bibliothek eben Nichts 
Seltenes. Ihre meisten Werke sollen juristisches Inhalts sein. 

Ein Quäker, Herr Titomas, einer der hiesigen philanthropi- 
schen public characters, dem ich von Herrn Vaux in Philadelphia 
empfohlen war, begleitete mich nach einer am Hafen gelegenen 
Dampfmahlmühle. Eine solche Mühle würde, wie mir scheint, 
Nachahmung verdienen, vorzüglich in Flandern, wo man wenig 
fliefsendes Wasser hat. Die Maschine, welche die Hauptwelle in 
Bewegung setzt, ist von Bolton und Watt zu Soho in England ge- 
macht worden , und hat die Kraft von 60 Pferden. Die Mühle hat 
8 Gänge, von welchen jedoch gewöhnlich nur 4 Gänge in Thätig- 
keit sind. Die meisten Geschäfte, die sonst durch Menschen ge- 
than werden müfsten, werden durch Vorrichtungen, welche alle 
mit der Dampfmaschine in Verbindung stehen, verrichtet. Ein 
hölzerner, horizontalliegender, langer Kasten führt aus dem 
Innern der Mühle nach dem Quai , an welchem die Getreideschiffe 
anlegen. Aus den Schiffen schüttet man den Weizen in das eine 
Ende des Kastens oder vielmehr Canals , in welchem seiner Länge 
nach eine Schneckenschraube — vis dArchimede — läuft. Diese 
bringt durch ihr Umdrehen den Weizen ins Innere des Hauses , in 
ein grofses Reservoir. Nun wird der Weizen durch ein Kasten- 
werk — die Kasten sind an einem Kiemen befestigt — bis unter's 
Dach des Hauses gehoben und in eine Kornrolle von Draht ge- 
schüttet, in welcher er allen Unrath, unnütze Hülsen und zu kleine 
Körner verliert. So gereinigt, wird er vermittelst Rinnen auf die 
Mühlsteine geleitet. Das Schrot fällt in ein gemeinschaftliches 
Reservoir, wo es wiederum durch ein Kastenwerk bis in eine, aus 
ganz feinem und dicht geflochtenem Draht gemachte Beutelmaschine 
gehoben und darin gebeutelt wird. Das ganz feine Mehl fällt dann 
durch eine Rinne auf einen Platz , wo es vermittelst eines horizon- 
tal sich um eine Axe drehenden Rechens ausgebreitet wird, um 
sich abzukühlen. Ist dieses geschehen , so läfst man es durch eine 



257 

Rinne bis auf einen Platz im Erdgeschosse fallen, um es in eichene 
Fässer zur Versendung einzupacken. Ein Arbeiter füllt das Fafs 
mit einer Schaufel, schiebt es auf einen daneben stehenden eiser- 
nen Ring, der die eine Schale einer Wage bildet, um es zu 
wägen, und dreht es dann etwas weiter unter einen wollenen Ballen, 
der vermittelst eines Hebels das Mehl im Fasse festdrückt. Hierauf 
wird das Fafs auf die gewöhnliche Weise verspundet, und kann nun 
sogleich zur Versendung eingeschifft werden. Diese Mühle kann 
täglich über 2000 Barrel des feinsten Mehles mahlen, geht Tag 
und Nacht, und hat nur 12 Arbeiter. Der Eigenthümer sagte, er 
könnte mit noch wenigeren Arbeitern auskommen, er möchte aber 
Niemand entlassen. Die Maschine hat 3 Wasserkessel; einer der- 
selben ruht, um gereinigt zu werden, und um im Fall eines Un- 
glückes in Reserve zu sein. \ on dem Dache der Mühle hat man 
eine schöne Aussicht auf die Stadt und den Hafen. 

Herr Thomas brachte uns auch nach dem Armenhause , welches 
fast 3 Meilen von der Stadt entfernt und vor ungefähr 4 Jahren auf 
Kosten des Staates Maryland angelegt worden ist: er selbst ist 
einer der Administratoren. Das Haus besteht aus einem Corps de 
logtSi in welchem die Wohnung des Aufsehers, das Bureau und 
das Magazin ist, und aus zwei isolirten Flügeln, der eine für die 
M inner, und der andere für die Weiber i.nd für die Kinder. Diese 
letzten sind entweder Kinder, die mit ihren Eltern in das Armen- 
haus gekommen sind, oder Kinder lüderlicher Eltern, welche 
man von Seiten der öffentlichen Behörden hier aufgehoben hat. Meh- 
rere der Armen sind mit der Aufsicht über diese unglücklichen Ge- 
schöpfe beauftragt; zwei, durch das Laster der Trunkenheit zurück- 
gekommene Schulmeister, die als Arme im Hauseleben, ertheilen 
ihnen Unterricht im Lesen und Schreiben. Zu meinem Leidwesen 
waren diese beiden Lehrer mit einer Geifsel bewaffnet. Die Armen 
— ausgenommen die Kranken, welche besondere Infirmerien in 
den Flügeln haben — schlafen in grofsen und gut gelüfteten 
Schlafsälen. Jeder hat sein eigenes Bette. Nur einige infirme 
Weiber haben besondere Stuben, in welchen sie zu 3 oder 4 zu- 
sammen wohnen. Jeder Flügel hat 3 Stockwerke, und ein Keller- 
geschofs. In diesem sind die Küchen, die Wasch- und Back- 
häuser. Das Brod, das die Armen bekommen, ist sehr weifs und 
gut; auch haben sie sehr gutes Essen: vier Male in der Woche 
Fleisch, zwei Male Gemihe und Freitags — weil viele Katholiken 
sind — Heringe. Das Gebäude hat 2 grofse Höfe mit den nöthi- 
gen Werkstätten für mehrere \rten von Handwerken, einen grofsen 
f. R 



256 

Gemüsegarten und hinlängliche Oeconomiegcbäudc. Es liegt auf 
einer Anhöhe in einem urbar gemachten Wahl, und hat ansehnliche 
Grundstöcke, welche durch die Armen bestellt werden. \ach 
Mafggabe ihrer Kräfte und Fähigkeiten werden dieselben auf \ er 
v, biedene Weise beschäftigt, vorzüglich mit Arbeiten für das Haus 
und zur Verfertigung ihrer Kleidungsstücke. Was nicht im Hanse 
gebraucht wird, das sucht man zu verkaufen. Jeder Arme wird 
bei seinem Eintritt ins Haus geschoren, gebadet, und gekleidet 
Für die Kleidung wird er dem Etablissement verschuldet und kann 
nicht eher entlassen werden, als bis er seine Schuld ab verdient hat. 
Die Dircctoren der Anstalt entscheiden alsdann, ob ein solcher 
Armer im Stande ist, sich sein Brod auf eine ehrliche Weise zu 
verdienen, und beschliefsen über seine Entlassung. Diejenigen, 
welche sieb im Hause schlecht aufführen, werden durch das tolitary 
confinement gestraft. Da sich beständig Kranke im Hause befinden, 
oder hineinkommen, so sind 2 Aerzte an's Etablissement attachirl, 
die täglich wechselnd das Haus besuchen. Aufserdem haben 4 
Studenten von der Arzneischule ihre Wohnungen im Hause und 
2 müssen beständig gegenwärtig sein. Für die Wahnsinnigen be- 
finden sich besondere Zellen im Kellergeschofs. 

Noch erlaube ich mir, einiger Einzelnheitcn aus dem freund- 
lichen Baltimore zu gedenken. 

Ich war zwei Male in der katholischen Kathedrale. Das erste 
Mal — Sonntags den 30. October — entschied mich die Hoffnung, 
gute Musik zu hören, für diese Kirche; und ich hatte keine Ur- 
sache, ineinen Entschlufs zu bereuen. Ich blieb anfangs an der 
Thüre stehen; man bemerkte mich aber, und führte mich in einen 
Kirchenstand, nahe am Altar. Der Erzbischof fafs unter einem 
Baldachin auf einem erhöheten Sessel. Die Kirchenmusik war 
ganz vorzüglich gut, sowohl hinsichtlich der Composition, als der 
Ausführung. Damen sangen im Chor, und eine Dame spielte auf 
der Orgel. Auch war die Predigt, die ein Herr IVhceler über die 
Barmherzigkeit und die Freude des Wohlthuns hielt, sehr erbau- 
lich. Dieser Text war vorzüglich gewählt, um der Gemeinde eine 
katholische Armenschule ans Herz zu legen. 

Einige Tage später — den 1. November — ging ich aber- 
mals mit Herrn de Vallenüla> welcher der Columbianischen Ge- 
sandtschaft attachirt und hier seit Kurzem verheirathet war, nach 
der katholischen Kathedrale, weil ein neuer Bischof, D. Femvick, 
zum Bischof von Boston geweiht werden sollte. Die Kirche war 
voll von Menschen, und mit Mühe bekamen wir Plätze in einer 



239 

Tribüne, dem Chor gegenüber. Man führte eine Messe von 
Cimarosa.) unter Herrn Gilles Leitung, meisterhaft auf. Ich 
erinnere mich lange keine so ganz vorzüglich gute Musik gehört 
zu haben. Die schönsten weiblichen Stimmen waren die einjr M«"* 
French, einer M m c Gilles und einer Mifs Oliria Donaldson, Schwä- 
gerin des Herrn de Jallenilla. Die Ceremonie dauerte sehr lange. 
Ich hielt von früh 10 Uhr bis 2 Uhr Nachmittags aus ; dann ging 
ich hinweg, und die Ceremonie soll bis nach 3 Uhr gedauert haben. 
Der Erzbischof offieiirte selbst in pontißcalibus , mit seiner Bischofs- 
mütze von drap d'or und seinem vergoldeten Krummstab. Er war 
von den beiden Bischöfen von Charleston und Philadelphia assistirr, 
die Beide Bischofsmützen von drap d'argent trugen. Ersterer, 
Ingland mit Namen, hielt in einem sehr irländischen Dialect eine 
lange Predigt, von der ich nicht viel verstand, jedoch das, dafs 
er eine Parallele zwischen einem republikanischen Staatsbürger und 
einem guten Katholiken zog. Er sprach mit vieler Vehemenz und 
declamirte stark. Dieser Prälat soll einer der Hauptpfeiler der 
römischen Kirche in den V. St. sein. 

Die Gesellschaften in Baltimore fand ich ungemein angenehm. 
Bei den Diners ging Alles ungezwungen zu , und die Conversation 
Mar lehrreich und belebt; in den Soirces wurde Musik gemacht, 
und vortrefflich; die Damen, zum Theil sehr schön, pflegten zu 
singen, und sie sangen nicht minder vortrefflich. In einer solchen 
musikalischen Soiree bei Herrn Gilles lernte ich, am Abend vor 
meiner Abreise, den General Bernard, dessen ich schon früher 
Erwähnung gethan habe, nebst seiner Frau kennen, die eine 
geborne Baronin Lerchenfeld aus Baiern ist. Ich freute mich 
dieser Bekanntschaft, und fand an dem General einen anspruchs- 
losen, einfachen und dabei sehr interessanten Mann. Als ich Herrn 
Thomas meinen Abschieds-Besuch machte, traf ich bei ihm seinen 
A ater. Der 88jährige Greis war noch im vollen Besitz seiner 
Geisleskräfte, und unterhielt sich lange mit mir. Er erzählte mir 
unter Anderen, dafs er den Platz, auf welchem jetzt Baltimore 
steht, noch als Wald gesehen habe, von Indianern bewohnt. 



4 

n 2 



XIII. 

Aufenthalt in Washington. 

Vom 2. b i t zum 15. Norcmbcr 1825. 



Am Morgen des 2. Novembers erhielt ich noch einen Besuch 
von dem Herrn de ) ''allem IIa. Er zeigte mir eine goldne Medaille, 
welche einst von Williamsburg in tirginien dem Präsidenten Was- 
hington verehrt worden, und ein sehr gut von Stewart gemaltes 
Miniaturbild dieses grofsen Mannes mit seinen Haaren. Die Me 
daille war in einer Kapsel von dem Hol/ eines der Bäume, die an 
Washingtons Grabe stehen. Diese Gegenstände waren von fhis 
hington s Familie dem Präsidenten Bolivar zum Geschenke bestimmt, 
und Herr de F allenilla beauftragt, in wenigen Tagen nach Carra- 
eas unter Segel zu gehen, um seinem Gönner, dem Befreier Jioli 
var, diese Objecto zu überreichen. 

Nach 9 Uhr verliefs ich mit Herrn Huygens in der gewöhnli- 
chen Stege das freundliche Baltimore, wo es mir so sehr wohl ge 
fallen hatte, um nach IVasiiinglon zu fahren, dem Sitze des Gouver- 
nements der V. St., 39 Meilen weit Das Wetter war gut, und 
ziemlich warm. Die Stagc ging langsam, und wir kamen erst um 
5 Uhr Abends an. Der Weg war fast durchgängig Chaussee, recht 
gut unterhalten , und durch morastige Gegenden über Dämme ge- 
führt. Die Gegend zum Staat Maryland gehörig , meistens hüge- 
lig, mit Wald von großblättrigen Eichen und Tannen, schien 
nur schwach bewohnt zu sein. Der Boden ist sandig; die Felder 
»aren mit indischem Korn und Tabak bebaut gewesen. Meistens 
ist die Gegend sehr einförmig; wir kamen durch kein einziges or- 
dentliches Dorf. Der Unterschied zwischen dieser Gegend und 
den nördlichen Staaten ist auffallend. Die Häuser sind viel kleiner 
und schlehter gebaut, als die schlechtesten Loghäuser im Staate 
Neiv-York. Die meisten dieser kleinen Häuser haben schwarze 
Bewohner, die zum Theil ein sehr zerlumptes Vorkommen hatten.*" 



261 

Wir passirtcn mehrere Creeks auf guten hölzernen Brücken , und 
Zuletzt 6 Meilen von Washington hei ßiadensburg den east brauch 
vom Potowmack auf 2 hölzernen Brücken. Hier fiel im Jahre 1814 
eine Affaire zwischen den Engländern und den Amerikanern vor, 
hei welcher die amerikanische Miliz sich ehen nicht sehr tapfer be 
nominell haben soll. In Folge dieser Affaire marschirten die Eng 
(ander nach Washington , und verbrannten das Kapitol und das 
Haus des Präsidenten. 

Ich hatte mir keine grofse Idee von Washington gemacht; ich 
fand aber, was ich sah, unter meiner Erwartung. Das Kapitol 
steht auf einer Anhöhe, und soll in die Mitte der Stadt zu stehen 
kommen ; bis jetzt ist es nur von unansehnlichen Häusern und Fel- 
dern umgeben, aufweichen gleichfalls kleine Häuser zerstreuet ste 
hen. Von demselben gehen mehrere Alleen aus. Wir fuhren in 
<lie Pcnstilrania-avenue, und kamen endlich an Häuser, die so weit 
von einander gebauet sind, dals dieser Theil der Stadt einem neu 
angelegten Badeorte gleicht. Die Gegend ist übrigens recht schön, 
und man hat mehrere hübsche Aussichten auf den breiten Potow- 
mack. Wir fuhren am Hause des Präsidenten vorüber; es ist ein 
einlaches Gebäude *) von weifsem Marmor in einem kleinen Garten. 

wm un 






Das Haus in der Mitte ist das Haus des Präsidenten, und die 
4 andern enthalten die ßureauv. der Staatsverwaltung, die der aus 
wältigen Angelegenheiten, des Innern, der Justiz, des Kriegswe- 
sens und der Marine. Diese 4 Häuser sind von Backsteinen gebaut. 
Irh stieg im Vranklinhouse , dem besten hiesigen Wirthshaus, ab, 
wo Herr Huygens, der nahe bei tfashington'm Georgetown wohnt, 
Quartier für mich bestellt hatte. 

Der Plan, nach welchem Washington angelegt werden soll, ist 
colossal, und wird schwerlich ausgeführt werden. Nach demselben 
könnte es eine Bevölkerung; von einer Million Menschen fassen, 
während es jetzt nur gegen 13,000 enthalten soll. Für die Haupt 



') Das 1 *.i 1 .i i - des Herzogs von Leinster ist (tir dieses Gehünde zum Mo- 
dell genommen worden: nur Ut jenes ein Stockwerk höher, als dieses. 



262 

stadt eines so grofsen Landes Hegt Washington viel zu nahe an der 
See. Dieser \achtheil ist»im letzten Kriege fühlbar geworden; 
denn d?e EngBmder nahmen die Stadt durch einen Streifzug hin- 
weg. Man hat den guten Vorschlag gethan, den Sitz des Gouver- 
nemeptB nach Wheeling, im westlichen Theil von Virginicn am 
Ohio, zu verlegen, um es mehr ins Innere des Landes zu bringen. 
Man sagt aber, der Vorschlag sei verworfen worden, weil man den 
Engländern nicht die Freude lassen wollte, durch ihre Zerstörung 
der vorzüglichsten Gebäude der Hauptstadt zu dieser Verlegung 
beifiretrac-en zu haben. 

Am folgenden Morgen erhielt ich ganz früh einen freundschaft- 
lichen Besuch von dem französischen Gesandten, Baron Durand 
de Mareuil, den ich vor 19 Jahren in Dresden kennen gelernt, den 
ich später in Neapel als französischen Gesandten getroflen hatte, 
und dem ich zuletzt in derselben Eigenschaft in Brüssel begegnet 
war. Später erhielt ich einen Besuch vom General Macojnb, Com- 
mandanten des Ingenieur-Corps der V. St. , an dessen interessan- 
ter Unterhaltung ich viel Vergnügen fand. Mit ihm kam der Lieu- 
tenant Huygens zu mir , mit dem ich zu seinem Vater , tler mich 
schon den ersten Abend besucht hatte, nach Georgetoivn fuhr. 
Diese kleine Stadt liegt amphitheatralisch am Potowmack, dessen 
rechtes, mit Holz bewachsenes, und theilweise angebautes Ufer 
sich sehr gut ausnimmt. Georgetown ist von Washington, oder 
vielmehr von dem Platz, auf welchem diese Stadt dereinst ste- 
hen soll, durch einen kleinen Flufs getrennt, Rockey Creek ge- 
nannt, der sich hier in den Potowmack ergiefst. Eine ziemlich 
schlechte hölzerne Brücke macht die Verbindung zwischen beiden 
Plätzen. Ich fuhr mit dem Gesandten nach Washington zurück, 
um mehreren der ersten Autoritäten und des diplomatischen Corps 
vorgestellt zu werden. Zuerst begaben wir uns ins Bureau der aus- 
wärtigen Angelegenheiten zum Staatssecretair Clay, einem der be- 
rühmtesten amerikanischen Redner. Er ist ein langer hagerer 
Mann; ich fand ihn in Trauer um eineseiner Töchter, von wel- 
chen er das Unglück gehabt hat, drei in kurzen Zeiträumen zu 
verlieren. Hierauf gingen wir zum Präsidenten, der uns sehr gut 
empfing, und mich wie einen alten Bekannten behandelte. Das 
Haus des Präsidenten ist, wie schon bemerkt wurde, von weifsem 
Marmor gebaut. Inwendig hat es eine grofse Halle mit Säulen. 
Wir wurden in einem gut meublirten, mit rother Seide tapezirten 
Zimmer empfangen. Es standen schöne Bronzen auf dem Camin 
und den Consolen, und ein lebensgrofses Portrait des Präsidenten 



. 263 

Washington hing an der Wand. Vom Präsidenten hinweg gingen 
wir ins Bureau des kriegsdepartemenls zum Staatssecretair Bar- 
bour, den wir jedoch nicht antrafen , und dann ins Marine-Bureau 
zum Slaals-Secrelair Soidkard. Dieser Staatsbeamte hat den Ruf, 
einer der gelehrtesten Männer in den V. St. zu sein. 

Die 4 Burcaux sind völlig gleich gebaut, sehr einlach, 11111 
hölzernen Treppen; sie haben im Inneren das Ansehen von Schul 
gehäuden. Man findet weder Schildwachten , noch Thürsteher; im 
Marine-Bureau hielt sogar unten ein Obstweib ihre Waaren feil. 
Per Präsident selbst hat gewöhnlich keine Schildwachten, und nur 
wählend der Nacht tritt ein Piquet von Mariniers aus dem Aar// 
ward bei ihm auf. 

Weiter besuchten wir den Baron Marenil, und ich freute mich 
sehr, die Bekanntschaft mit seiner liebenswürdigen Frau zu er- 
neiiern. Sein Haus liegt ganz isolirt, wie ein Landhaus. Die Häu- 
ser stehen überhaupt so einzeln in Washington, dafs, nenn man 
den Plan dieser Stadt ansieht , man mehr Strafsen als Häuser fin- 
det. Zuletzt machten wir unsern Besuch beim russischen Gesandten, 
Baron Tnill, und beim englischen Gesandten Vaughan, trafen 
aber keinen >on Beiden an. Um 5 Uhr diuh'le ich beim Baron 
Marenil , welcher dem Namenstage des Königs von Frankreich zu 
Ehren ein diplomatisches Diner gab. Ich traf den gröfsten Theil 
des diplomatischen Corps versammelt und fand , dafs besonders die 
französische Legation sehr zahlreich war. Sie bestand aus dem Gc- 
nernl-Consul Durand de St. Andre, Bruder des Barons Marenil, 
«lein \ ice-Consul Thierru, dem Legations Secretär de liresson, dem 
QtdXGanay, und Iln. de Sonntag — einem Stiefsohne des Barons 
Marenil, welcher der Gesandlschaft attachirt war — und einem 
Herrn Laborie, der jedoch nicht erschien. Von der russischen Ge 
sandtschaft traf ich Herrn von tVallenstein, den ich in Boston Ken- 
nen gelernt hatte, und der liier wegen seines verständigen Betra- 
gens und seines guten Charakters, besonders aber auch wegen sei- 
ner soliden Instruction und richtigen Ansicht der Dinge sehr geach- 
tet und geliebt wird. Der Präsident soll ganz besonders viel auf 
ihn hallen. Einen Baron Mallilz von derselben Gesandtschaft, der 
\or einigen Monaten eine Amerikanerin geheiralhet halle, lernte 
ich gleichfalls kennen, sowie den Brasilianischen Geschäftsträger 
Chevalier Hebello. Ferner lernte ich den Staatssecretair der Fi- 
nanzen, Herrn Bush, kennen, der mehrere Jahre Gesandter. in 
England gewesen war, und traf auch mit Herrn lirent, dem Unter- 
staatssecretair der auswärtigen Angelegenheiten , zusammen. Ich 



264 

halte ihn schon in Philadelphia bei seinem Schwager, Herrn Walsh, 
kennen gelernt Von Damen waren nur M<"c de Maren il und M«i c 
de St. Jndrt zugegen. Das Diner war wirklich prächtig. 

An den folgenden Tagen ging es mit Besuche-Machen und Be- 
sucht- Empfangen weiter. Die Zahl der Bekanntschaften mehrte 
sich, und es fehlte nicht an angenehmen und interessanten Gesell- 
schaften. Zugleich wurde besehen, was Washington und die Um- 
gegend Merkwürdiges hat. 

Mit den Herren Huygens, Vater und Sohn, fuhr ich nach dem Na- 
ry yard, der dicht am Potowmaclc liegt. Dieses Etablissement steht 
unter dem Befehl eines Commodore. Der Commodore war gerade 
verreis't, und defswegen führte uns der 2te Commandant, Capt. 
JJooi/i, herum. In diesem Navy yard werden die Schilfe nur ge- 
baut und ausgebessert; sie gehen alsdann den Potowmaclc hinab in 
die CJtesapeack bay und in die Mündung derselben nach Norfolk, 
v o sie ausgerüstet werden. In diesem Augenblicke befanden sich 
nur 2 Fregatten im Yard, sogenannte 44ger, aber für 64 Stück ein- 
gerichtet: derCongrefs, ein altes Schiff, das reparirt ward, und 
der Potoicmack , ein ganz neues Schilf, das schon im Wasser gewe- 
sen, aber nieder herausgezogen, und unter Dach gestellt war. 
Auf dem Platz, auf dem die Fregatte Brandywine gebaut war, welche 
den General Lafayette nach Frankreich zurückgebracht hat, wurde 
der Kiel zu einer neuen Fregatte gelegt, und zugleich der Grund 
zu einem Hause über dieses neue Schiff. Da der Boden feucht ist, 
fo mufste dieses Gebäude auf Pfahlwerk erbaut werden. Dem Ein- 
gange des Navy yard gegenüber steht eine Rostralsäule von wei- 
ßem Marmor mit allegorischen Figuren. Sie ist von den Officie- 
ren und Midshipmen der Marine der V. St. ihren beim Angriff auf 
Tripoli gefallenen Cameraden zum Andenken errichtet worden. 
Die Engländer haben bei ihrer Oc.cupation von Washington am 25. 
.Juni 1814 an diesem Monument einer allegorischen Figur, Ameri- 
ka, die Finger der einen Hand abgeschlagen, und der Muse der 
Geschichte ihren Griffel aus der Hand genommen. Daher eine In- 
schrift der Säule: mutitated by the British. Am Fufse des Monu- 
ments stehen zwei bronzene spanische 24Pfünder, welche von den 
Amerikanern in Tripoli erbeutet worden sind. 

In dem Navy yard befinden sich mehrere Gebäude, als in den 
anderen , die ich bisher in Amerika gesehen hatte. Es giebt hier 
grofse Schmieden, in welchen die chaincables geschmiedet und 
probiit werden, auf dieselbe Weise, wie ich es vor 2 Jahren in 
Newbridge in Süd-Wallis gesehen hatte. Alles alte von den Schif- 



265 

fen kommende Kupfer wird hier geschmolzen, und mit einem Zu- 
satz von Messing zu allen auf den Schiffen nöthigen Utensilien ge- 
gossen ; das nöthige Kupfer >vird geschlagen und gestreckt. Eine 
Dampfmaschine mit der Kraft von 14 Pferden setzt eine Sägemühle 
mit 2 grofsen und einigen kleineren cirkelförmigen Sägen in Bewe- 
gung, und zugleich Maschinen, um die Blocks zu machen, die je- 
doch keineswegs mit der Bnmelschcn Blockmaschine mPortsmoirfh 
verglichen werden können. In dem kleinen Arsenal stehen die Ge- 
wehre für die Schiffe, die Enterbeile und die Säbel. Bei den 
Schlössern für die Kanonen bemerkte ich eine Vorrichtung zum 
Selbstaufschütten des Pulvers, und zum Bedecken der Pulverlei- 
tung '»ei nassem Wetter. Ich sah hier auch eine Art Repctirge- 
wehr : mit 2 hinter einander stehenden Schlössern. Mit diesen Ge- 
wehren soll man vermittelst des vordersten Schlosses mit einem 
Drucke zwölf Schüsse nach einander losfeuern, und wenn diese 
Schüsse heraus sind, das Gewehr wie ein gewöhnliches Infanterie- 
gewehr laden , und dann mit dem hintern Schlosse feuern. Hat man 
das vordere Schlofs einmal losgedrückt, so müssen die andern 
Schüsse unverzüglich nach einander heraus, und man kann sie 
nicht nach Willkühr zurückhalten, wie bei den von mir in New- 
York gekauften und beschriebenen Repetirgewchren. Wie diese 
successive Abfeuerung Statt findet, ist jedoch ein Geheimnifs. Capt. 
Booth zeigte uns auch doppelte Schrauben , die er erfunden hatte, 
um auf den Schiffen die Blocks und das Tauwerk , welche die so- 
genannten Wände-Strickleitern, und folglich auch die Mäste fest- 
hallen, zu ersetzen, wodurch dem Schiffsvolk viele Arbeit erspart 
werden soll. Dieser Ofiicier hat für seine Erfindung ein Patent er- 
halten, und sie ist zur Probe auf der Fregatte Brandywine ange- 
bracht worden. Im Navy yard ist auch, und zwar unter dem Waf- 
fensaal, ein Laboratorium, wo die für die Schiffs-Artillerie nöthi- 
gen Feuerwerke gemacht werden. Mir schien das Local übe! ge- 
wählt, da eine Explosion, deren man bei einem solchen Laborato- 
rio doch gewärtig sein mufs, die schrecklichsten Folgen für den 
Navy yard haben könnte. 

lieber den Potowmack geht eine lange hölzerne Brücke auf 
gewöhnliche Böcke gebaut. Ich mafs sie, und fand, dafs sie 
15 Schritt breit, und 1900 meiner Schritte lang ist. Meine Schritte 
verhalten sich zu den gewöhnlichen, wie 4 zu 5, folglich kann po 
annehmen, dafs diese Brücke ungefähr 2375 Schritte lang ist. Um 
von einem Ende bis zum andern zu gehen, brauchte ich 19 Minuten 
Zeit. Jeder Fufsgänger zahlt t>* Cents , um die Brücke zu passiren. 



2()ü 

Diese Drücke setzt durch ihre Länge in Erstaunen , aber keines* 
Wegs durch ihre Ausführung: denn sie ist ziemlich plump und 
schlecht Viele der Bohlen sind verfault, und sie verlangt \iele 
Reparaturen. Uebrigens hat sie 2 Trottoirs für die Fufsgänger: 
d.i< eine ist durch ein Geländer vom Fahrweg abgesondert. Wäh- 
rend der Nacht wird sie mit Laternen erleuchtet. An 2 Stellen 
sind doppelte Zugbrücken angebracht, um Schiffe durchzulassen. 
Es war dunkel geworden, als ich von dieser Brücke nach Hause 
kam, und ich erstaunte über die geringe Lebhaftigkeit in den 
Strafsen. Ich begegnete fast keinem Menschen. 

In dem Patent office werden die Erlind ungs-Patente — brcvcls 
d'invention — ausgefertigt. Jedermann, der ein solches Patent 
für seine Erfindung bekommen will , mufs ein Modell oder eine 
genaue Zeichnung seiner Erfindung abliefern. Diese Modelle nei- 
den in einem eignen Local aufgestellt; in demselben bleiben sie, 
bis die Zeit, auf welche das Patent ausgefertigt worden, abgelau- 
fen ist; alsdann werden sie in eine Rumpelkammer gebracht. Unter 
diesen Modellen befindet sich allerdings eine grofse Anzahl gering- 
fügiger Dinge, wie z. B. eine Vorrichtung, um Aepfel zu schälen, 
und 96 Modelle, um auf verschiedene Weise Nägel zu machen; 
aber auch sehr merkwürdige. Die interessantesten seidenen mir 
die Modelle von Maschinen, um Flüsse und Canäle vom Schlamm 
zu reinigen , oder tiefer zu machen. Eins von diesen besteht aus 
einem gewöhnlichen Dampfboote, mit welchem man nach dem 
Platze fährt, wo man seine Operation anfangen will. Dort ange- 
kommen, wirft man den Anker aus, und macht die beiden Wasser- 
räder unbeweglich, während man zu gleicher Zeit mit der Dampf- 
maschine eine Art Kastenwerk in Verbindung bringt, das durch 
dieselbe in Bewegung gesetzt wird, und den Schlamm aus dem 
Grunde herausschüpft. Nach einem andern Modelle soll dieses 
Ausschöpfen vermittelst eines Schöpfrades bewerkstelligt werden. 
Eine Menge Modelle haben den Zweck , die Körner von der Baum- 
wolle zu sondern, um diese zu schlagen, zu spinnen, zu weben; 
kein einziges jedoch soll besser sein , als die bekannten englischen 
Maschinen. Von Dampfmaschinen und Dampfböten giebt es eine 
Menge, zum Theil von ganz sonderbarer (Seslalt, so wie auch von 
rotatorischen Dampfmaschinen , die jedoch ihrem Endzwecke nicht 
entsprechen. Ferner Modelle \on rail-ways — Eisenbahnen — , 
um Böte aus einem niedriger liegenden Gana] in einen höher liegen- 
den vermittelst einer schiefen Fläche zu ziehen. Dann zwei Modelle 
> ou schwimmenden Batterieen , und zwar von bedeckten. Die eine 



I 



267 

war ein länglicher Kasten , in welchem eine Dampfmaschine ange- 
bracht ist, die auf dem Verdecke zwei langen eisernen Stäben eine 
horizontale rotatorische Bewegung beibringt, gleich Uhrzeigern. 
Diese Stäbe ragen über das Verdeck hinaus und sollen die Feinde 
abhalten, die etwa Lust bezeigen, dasselbe zu ersteigen. Ein 
Modell, um Bleikugeln zu pressen, wodurch sie an Gewicht ge- 
winnen sollen. Eine Menge ökonomischer Küchenapparate; ver- 
schiedenartige Feuerplätze ; einen Erdbohrer , um Wasser zu su- 
chen; Feuerspritzen verschiedener Art; ein von einem Deutschen 
erfundenes feuerfestes Dach; verschiedene Maschinen, um Back- 
steine zu machen; Instrumente, um bei der Schiffahrt auf dem 
Missisippi die unter dem Wasser liegenden Bäume zu fassen und 
abzusägen , ohne defshalb den Lauf des Schilfes aufzuhalten ; Ma- 
schinen, um Löcher in Felsen zu bohren, andere, um Felsenblöcke 
unter dem Wasser heraufzuziehen; die von Perkins in London 
erfundene Maschine, um mit Stahl zu drucken; Modelle von Buch- 
druckerpressen; Modelle zum Kämmen der Wolle und zur Berei- 
tung wollener Stoffe; Lohmühlen und Gerberinstrumente, unter 
andern das bei meiner Excursion nach Bethlehem erwähnte Instru- 
ment um Häute zu spalten. \ on aratorischen Instrumenten eine 
grofse Anzahl, namentlich viele, von Deutschen erfundene Pllüge 
für alle Arten von Boden; Maschinen zum Mähen des Grases, zum 
Dreschen des Strohes, zum Strohschneiden. Unter den wichtigsten 
Maschinen erwähne ich eine zum Verfertigen der Blocks, die der 
Britnchchcn in Port smouth Nichts nachgeben soll, und eine andere, 
um es unnöthig zu machen, dafs der Flachs ins Wasser gelegt 
werde, und dafs er doch, nachdem er 14 Tage lang getrocknet 
worden ist, gebrochen und gehechelt werden könne. Um von 
dieser wichtigen Maschine eine Copie nehmen zu dürfen, mufs man 
dem Erfinder 10 Dollars zahlen; ich bestellte zwei Copieen, die 
eine für die societe d'agriculture in Gent, und die andere, um sie 
meinem Herrn Vater zu Füfsen zu legen. Von Brücken, und na- 
mentlich von Hängewerken , mehrere schöne Modelle , unter andern 
eins von der Brücke von Trenton bei Philadelphia , und ein anderes 
von einer bei Fayetteville in Nord - Carolina ; auch eins von einer 
Hängebrücke, welche unter sich eine Wasserleitung hängen hat, 
um einen Canal über einen Flufs zu tragen. Von Gewehren nicht 
?ieJ Neues. Auch gab es hier einen stählernen, 6 Pfund schweren 
Triangel, auf welchem 3 verschiedene Hämmer schlugen, um ein 
Uirchen^läute nachzuahmen. Man soll dieses Geläute sehr weit 



2G8 

hören; es i-t in mehreren Gemeinden eingeführt worden, um das 
Publicum \or dem Gemeindehause zu versammeln. 

Di- Patent office befindet sieh mit dem Post office in Einem 
Gebäude. Auf dem Boden zeigte man mir 2 grofse vergoldete 
Rahmen mit den Wappen von Frankreich und Navarra. Sie hingen 
\or der Catastrophe von 1814 im Hause des Präsidenten, und ent- 
fliehen die lebensgrofsen Portraits von Ludwig XVI und Marie 
Airfoincttc , welche diese unglücklichen Monarchen den V. St. auf 
ihr Verlangen im Jahre 1783 geschenkt hatten. Diese beiden Por- 
traits sind plötzlich verschwunden; sie sind aus den Rahmen heraus- 
geschnitten worden , und man vermuthet, es sei 1814 geschehen, 
als die Engländer ihren unerbetenen Besuch in dieser Stadt mach- 
ten und das Haus des Präsidenten verbrannten. 

Das Patent office wird übrigens von einem Dr. Thornton diri- 
girt. Dieser Mann ist ein geschickter Zeichner : ein Portrait des 
ehemaligen Präsidenten Jefferson ist von ihm sehr gut gezeichnet. 
Unter Dr. Thornton ist ein Schweizer, Namens Keller , ein sehr 
geschickter Mechaniker, als Aufseher der Modell-Kaminer ange- 
stellt, der mir alles erklärte. Dr. Thornton hatte auch die Gefäl- 
ligkeit, mich zu einem Bildhauer zu bringen, der vermittelst Ab- 
güsse über das Gesicht die Aehnlichkeit frappant trifft, und die 
Büsten der ersten hiesigen Staatsmänner und Generäle gemacht 
hat. 

Mit Herrn de Bresson verabredete ich eine Partie nach den , 16 
Meilen entfernten, Fällen des Potmvmack. Zu denselben begleitete 
uns der junge Herr llttygens. den 6. November. Um 9 Uhr ver- 
lieben wir Washington und fuhren auf einem sehr holprigen Wege 
5 Meilen lang am linken Ufer des Flusses. Dieser ist Anfangs 
ziemlich breit. Beide Ufer sind hügelig und mit Holz bewachsen, 
meistens Castanien-Nufsbäume — Hickory — und verschiedene 
Arten Eichenholz. Von den Urwäldern ist nichts mehr zu sehen; 
denn gröfstes Theiles ist dieses Holz Nachwuchs. Weiterhin wur- 
den die Ufer felsig und auch im Flusse bemerkten \\\r mehrere Fel- 
sen aus dem Wasser hervorragen. Auf dem linken Ufer hat man 
einen Canal gegraben, der jedoch schmal und nur für eine lange 
Art von Böten, den Ducham boats auf dem St. Lawrence ähnlich, 
befahrbar ist: sie bringen Holz, Steine — namentlich Mühlsteine — 
und die Erndte aus den oberen Gegenden nach Washington. 

Fünf Meilen oberhalb dieser Stadt fuhren wir auf das rechte 
Ufer des Flusses über eine an Ketten hängende Brücke. *ÄDie ein- 
gedruckte Skizze kann von derselben eine Vorstellun*; geben. 



20U 




Die Ketten bestehen aus Stäben von geschmiedetem Eisen. 
Die Brücke selbst ist von Holz, so wie die beiden Böcke an beiden 
Enden der Brücke, über welche die Ketten gezogen sind. Durch 
diese Böcke geben Thorwege; sie nehmen sieh wie ägyptische 
Tbore aus. Die Länge der Brücke beträgt ungefähr 5S Schritte; 
sie ist 8 Schritte breit. Man zahlt einen ziemlich starken Zoll ; für 
einen zweispännigen Wagen mufsten wir hin und zurück 1^ Dollar 
erlegen. Der Weg, der uns fast beständig durch den Wald führte, 
wurde von der Brücke an etwas besser. Es war eine sogenannle 
Tiimpike-road; jedoch blieb er sehr hügelig. Wir kamen nur an 
einzelnen Wirthshäusern vorbei, und sahen ein einziges Landhaus, 
welches dem Conmiodore Jones gehört, dessen Tochter katholisch 
und in einem Kloster in Georgetown Nonne geworden ist: ein Vor- 
gang , der in den V. St. grofses Aufsehen erregt hat. Die meisten 
Menschen , welchen wir begegneten , waren zerlumpte Neger , die 
uns demüthig grüfsten. Wir befanden uns im Staate \irginien. 
In der Nähe der Fälle, wo der Weg sehr schlecht zu werden 
anfing, verliefsen wir den Wagen, und begaben uns durch den Wald 
ku Fufse nach dieser Naturmerkwürdigkeit, deren Nähe uns ihr 
Getöse verrieth. 

Der Flufs läuft hier über ein felsiges Bette, das gegen 300 
Schritte breit sein mag. Bei der trockenen Jahreszeit nahm aber 
das Wasser nur den kleinsten Theil des Bettes ein, und bildet 
mehrere einzelne Wasserfälle. Keiner ist über 50 Fufs hoch. Sie 
erinnern an die Glennsfalls im lh/dson-V\ufe zwischen Lohe George 
und Saratoga. Nicht ohne Gefahr und mit unsäglicher Mühe kro- 
chen wir in diesem Labyrinthe von zerrissenen Felsblöcken umher, 
um verschiedene Ansichten der Fälle zu bekommen. Die Sonne 
schien gerade auf dieselben , und wir sahen mehrere Regenbogen; 
überhaupt fanden wir uns durch mehrere schöne Ansichten für unsre 
Mühe reichlich belohnt. 



270 

Um diese Wasserfälle zu vermeiden, hat man auf dem rechten 
Ufer des Flusses einen Canal gegraben und in den Felsen ge- 
sprengt. In demselben sind mehrere Schleusen angebracht. Der 
in den Felsen gesprengte Canal ist an einigen Stellen über 50 Fufs 
lief. Leider hatten wir einen Sonntag gewählt zu dieser Fahrt; 
die Einwohner waren nach der Kirche gegangen, und es fand sieh 
IV jemand, der uns die nöthigen Erläuterungen hätte geben können. 
\ egetation war in dem Felsen des Wasserfalles natürlich nicht zu 
finden; nur ein wenig Ginster und einzelner Klee. Auch sahen 
wir eine auf dem Felsen kriechende Cactuspflanze , ähnlich dem 
Cochenille-Cactus , mit kleinen birnenförmigen Früchten, welche 
einen purpurrothen schleimigen Saft enthielten. Diese Pflanze 
war für mich das erste Anzeichen, dafs ich mich dem Süden näherte. 
Wir fuhren auf demselben Wege, den wir gekommen, nach 
Washington zurück, welches wir nach 6 Uhr Abends erreichten. 
Trotz der späten Jahreszeit war es warm wie im hohen Sommer. 

Das Capitol ist wirklich ein imposantes Gebäude *). Wenn 
es einst von anderen schönen Gebäuden umgeben ist, so wird es 
einen grofsen Effect hervorbringen. Es ist von weifsem Marmor 
gebaut und enthält drei Kuppeln, die grofse oder Hauptkuppel 
über der Halle und 2 kleinere auf beiden Flügeln. Das Capitol ist 
an einem Abhänge gebaut, und zeigt an der vordem Seite 3, und 
an der hintern Seite, die nach dem Pallast des Präsidenten hin- 
sieht, 4 Stockwerke. An der vordem Seite ist der Eingang mit 
einem Portal von korinthischen Säulen ; an der hintern Seite ist ein 
grofser, mit Säulen gezierter Balkon. Der Eingang ist unter dem 
Portal, etwas niedrig. 

In der Mitte des Gebäudes unter der Hauptkuppel ist eine 
grofse Halle, die ihr Lieht von oben erhält. In derselben sollen 
Gemälde aufgestellt werden , unter Basreliefs, die schon vorhanden 
sind. Das eine stellt die Befreiung vom Capt. Smith, Befehlshaber 
der ersten englischen Niederlassung in Virginien, durch die indiani- 
sche Prinzessin PoQcahontas , dar; ein anderes ist eine Allegorie, 
die Landung europäischer Einwanderer darstellend. Hinter dieser 
Halle ist in einem grofsen Saale, der auf den Balkon stöfst, die 
Bibliothek des Congresses. Bei dem englischen Besuch im Jahre 
1814 ist die damalige Bibliothek verbrannt; die jetzige ist nach 
und nach gesammelt worden und besteht grofses Theiles aus den 
Büchern des ehemaligen Präsidenten Jejfcrson. Unter der grofsen 



) S. den beiliegenden Kupferstich. 



271 

Halle ist eine kleinere, von drei Reihen Säulen getragen, einem 
Familienbegrabnis.se nicht unähnlich. Sie erhält ihr Licht von oben 
durch eine runde Oeflhung im Fufsbodcn der grofsen Halle und 
dient zum Durchgang. Man sagt, es sei die Absicht, den Sarg 
des grofsen Washington hier beizusetzen. Eine Haupttreppe ist 
noch nicht vorhanden, sondern eine Menge kleinere Treppen. 
Ueberhaupl ist das Innere etwas winklig gebaut. Säulen hat man 
nicht gespart ; man findet sie in allen Seitengallerien, Sälen und 
Korridors; ihre Capitäler sind meistens im ägyptischen Geschmack, 
und ihre Zeichnung scheint aus der descriplion de VEgypie ge- 
nommen zu sein. In dem Corridor, der nach dem Saale des Senats 
fuhrt, sind Säulen, deren Schaft ein Bündel von Stängeln indi- 
sches Kornes vorstellt, und das Capital die Kolben derselben 
Pflanze. Im Flügel rechts vom Eingang ist der Versammlungssaal 
des Senats, die dazu gehörigen Büreaux, das Bureau des Präsi- 
denten und der Vcrsammlungssaal des höchsten Gerichtshofes der 
V. St. Dieser und der Senatssaal sind halbcirkelförmig gebaut. 
Im Mittclpunct befindet sich der Sitz des Vorsitzenden. Die Mit- 
glieder des Senates sitzen amphitheatralisch, jeder hat einen Sessel 
und vor sich ein kleines Bureau von Mahagoniholz. In diesem 
Flügel sind auch einstweilen die 4 grofsen Gemälde von Trumbull 
aufgestellt, die später in der grofsen Halle ihren Platz finden sollen. 
Das eine stellt die Unabhängigkeitserklärung der V. St. dar: von 
demselben giebt es auch einen sehr schönen Kupferstich ; das andere 
die Uebcrgabe des Generals Bourgoyne an den General Gates bei 
Sarai oga ; das dritte die Uebergabe von Yorktoum und das Defili- 
ren der englischen Generäle zwischen der amerikanischen und 
französischen Armee; das vierte die Resignation des Generals 
Washington und die Rückgabe seiner Commission an den Congrefs 
am 23. December 1783. Die Aehnlichkeit der Portraits soll spre- 
chend sein. Was aber die Composition und die Ausführung der 
Gemälde betrifft: so erinnert jene gar sehr an die steife Schule 
von B. West, und diese verliert durch die matten Farben. Der 
Maler war übrigens durch den wenigen Kunstgeschmack seiner 
Laudslcutc, den sie von ihren englischen Vorfahren geerbt haben, 
genirt : man schrieb ihm beinahe die Stellung jedes einzelnen Indi- 
viduums vor. 

Im andern Flügel des Gebäudes befindet sich der Versamm- 
lungssaal der Repräsentanten, ebenfalls im Amphitheater, und die 
dazu gehörigen Büreaux. In diesem Saal befindet sich ein lebens- 
großes Portrait des Generals Lafaycttc. Die Decke dieses Saals, 



272 

so wie die dos Senats und des hohen Gerichtshöfe, wird von ioni- 
schen Säulen getragen, deren Schaft aus Puddingstone gemacht 

ist. Die Gallerie über der grofsen Kuppel gewährt eine sehr 
weite Aussicht. Die Hauptavenüen der zu bauenden Stadt laufen 
lue von diesem Punct aus, so dafs diese Aussicht an die Lage des 
Carhruher Schlosses erinnert, nur mit dem Unterschiede, dal's man 
kein Holz und nur wenige Häuser sieht. 

Mit den Familien de Mareuil, St. Andre., Huygens, und mit 
der ganzen französischen Legation, machte ich eine Wasserpartie 
nach Mount Vernon, dem Landhaus und Begräbnifsplatze des 
«rrofsen Washington. Mount Vernon liegt 16 Meilen vom Capitol, 
unterhalb desselben und auf dem rechten Ufer des Potowinaek im 
Staat Yirginien. Wir hatten zu dieser Partie ein Steam boat gemie- 
thet, auf dem wir uns in Georgetown Vormittags um halb 11 Uhr 
einschifften. Wir fuhren durch die lange Brücke , zw ischen den 
aufgezogenen doppelten Klappen, und dann den Polowmack hinab. 
Washington, das links liegen blieb, nahm sich von hier wirklich 
recht schön aus, besonders ein befestigtes und mit grofsen Maga- 
zinen besetztes Vorgebirge, Greenleajspoint genannt, wo die Ver- 
einigung des Eastbranch mit dem Potowmac Statt rindet. Acht 
Meilen unter Washington legten wir bei der Stadt Alexandria am 
rechten Ufer an, um von hier einen Kahn zum Landen bei Mount 
/ ernon mitzunehmen. Alexandria ist eine der drei Städte im 
District Columbia, der bekanntlich nur 3 Städte enthält: Washing- 
ton , Georgetown u-nd diese,s Alexandria. Diese Stadt soll ziemlich 
vielen Handel treiben, hat einen Hafen mit hölzernen Quais, an 
welchen ich mehrere S vhooner und auch ein Paar Briggs liegen 
sah. Sie soll gegen 8000 Einwohner enthalten. Die Strafsen sind 
lang, sehr gerade, und durchschneiden sich in rechten Winkeln. 
ISach einem Aufenthalte von ungefähr 20 Minuten setzten wir unsere 
Fahrt fort. Die beiden Ufer sind hügelig, mitunter felsig, mei- 
stens Sandstein, und mit Holz bewachsen. Bei einer Wendung des 
Stromes kamen wir bei dem Fort Washington vorbei, das auf einem 
Felsen des linken Ufers neu gebaut ist und mit seinen Batterieen 
den Strom bestreicht. Schief gegenüber, auf dem rechten Ufer, 
erblickten wir endlich in einer sehr schönen Lage Mount Vernon. 
Da das Wasser an den Ufern niedrig ist, so mufstc das Dampfschill 
mitten im Strome, beinahe eine Meile vom Ufer, liegen bleiben, und 
wir fuhren in Kähnen ans Land. 

Wir stiegen in einer Schlucht auf einem sehr schlechten Wege 
nach einem Platze, wo Vieh grasete, und ich hörte, diesesjsei 



273 

der ehemalige Garten Washingtons. Zwischen 3 Eichen und eini- 
gen Cypressenbäumen sahen wir eine schlechte, höchstens 4 Fufs 
hohe, hölzerne Thür, die in einem sehr schlechten Mauerwerk be- 
festigt war. Ich glaubte , etwa ein Brunnenhaus zu sehen. Um so 
gröfser war mein Erstaunen, als ich vernahm, dieses sei der Ein- 
gang zum Grabgewölbe des gröfsten Mannes seiner Zeit, der Zierde 
seines Jahrhunderts , Washington 's ! 



Ich suchte Eicheln zusammen , die von den Bäumen herabge- 
fallen waren, welche das Grab beschatten. Meine Absicht Mar, sie 
zu Hause zu pflanzen. Auch nahm ich einen C> pressenzweig von 
diesem heiligen Orte mit mir hinweg. Das Grab wird nicht mehr 
geöffnet, seitdem die Fremden fast alles den Sarg bekleidende 
Tuch davon abgeschnitten haben, um es als Reliquie mit sich zu 
nehmen. Nur beim Besuche des Generals Lafayette hat man das 
Grab aufgeschlossen. 

Von hier gingen wir nach dem Wohnhause , das ungefähr 300 
Schritte von dem Grab auf einem Hügel Hegt, von wo aus man eine 
äufserst schöne Aussicht hat auf den Potowmack. Diese Besitzung 
gehört dem oben erwähnten Richter Washington, der, den gröfs- 
ten Theil des Jahres in Berufsgeschäften entfernt, sein kostbares 
Erbtheil sehr verfallen läfst. Seine Frau ist gemüthskrank , und 
bewohnt den obern Theil des Hauses. Kinder hat er nicht. Das 
Haus ist zwei Stockwerk hoch, von Holz gebaut, und in einem 
ziemlich schlechten Geschmack angelegt. Nach dem Wasser zu hat 
es eine piazza, nach der andern Seite zu, nämlich nach der Seite 
des Eingangs , einen steinernen Perron , der fast ganz verfallen ist. 
Vermittelst hölzerner Colonaden steht das Haus rechts und links in 
Verbindung mit den Officen und Wirthschaftsgebäuden. Weiter- 
hin sind die Häuser der Nes-ersclaven , von denen wir eine Men<re 
schmutziger, häfslicher und zerlumpter Kinder herumlaufen sahen. 
Wir hatten, weil es Sonntag war, grofse Schwierigkeit, das Haus 
zu sehen; endlich gelang es uns aber doch, in das Erdgeschofs zu 
kommen. Dieses ist gröfstes Theiles noch in demselben Zustande 
gelassen worden , in welchem es sich beim Ableben seines grofsen 
Besitzers befand. In den zur Bibliothek gehörigen Büchern ist je- 
doch einige Veränderung getrotfen worden , welcher der jetzige 
Besitzer mehrere neue hinzugefügt hat. Mehrere schöne Kupfer- 
stiche zieren die Wände, besonders ein sehr schöner Ludwig XV L> 
welchen Washington von diesem unglücklichen Monarchen zum 
Geschenk erhalten hat. Auf dem vergoldeten Rahmen befindet sich 
oben das französische Wappen, und unten das Wappen der Familie 
/. S 



274 

Washington. In den fier Ecken sind die Chiflers des Königs und 
(7. //'. angebracht Ferner 2 sehr gute Abdrücke der Kupferstiche, 
die Schlacht bei Bunkershill , und General Montgommenfs Tod 
vorstellend'; 4 Ansichten von dem Angrifl auf Gibraltar und von der 
Ycrtheidigung dieser Festung, und ein Miniaturbild des rrofsen 
Mannes, auf Emaille gemalt. Einer der Schlüssel der Bastille, nach 
deren Einnahme vom General Lafayette an Washington gesandt, 
ist in einem Glaskasten aufgestellt; darunter befindet sich eine Se- 
piazeichnung, die Deinolirung dieses Staatsgefängnisses. Das 
Ameublement und die sonstige Einrichtung der Zimmer ist sehr 
einfach; nur im Speisesaal bemerkte ich ein kostbares Kamin von 
italiänischem Marmor mit schönen Basrelifs und 2 Säulen von gello 
antico. 

Als General Lafai/ctte Washington'* Grabstätte besuchte, zeigte 
sich bekanntlich ein Adler in der Luft, und schwebte in der Mibe 
des Grabes herum, bis der General weiter ging. Wir bemerkten 
heute ebenfalls einen sehr grofsen Adler, der von der Höhe herab 
uns zu beobachten schien; wir sahen ihn über uns, als wir uns wie- 
der einschifften; er schien lange auf derselben Stelle zu schweben, 
und nur als das letzte Boot sich dem Dampfschiffe näherte, verliefs 
er plötzlich seine Stellung, flog nach dem Holze zu, und wir ver- 
loren ihn aus den Augen. 

Bei unserer Reisegesellschaft hatte ich einen Grafen Miot ken- 
nen gelernt, der früher unter Joseph Bonaparte in Neapel, und 
später in Spanien Minister des Innern gewesen war, und jetzt eine 
Reise in das hiesige Land unternommen hatte, um sich umzusehen, i 
und seinen alten Herrn zu besuchen. Herr von Mareuil behielt 
sämmtliche Herren von uuserer Gesellschaft zum Diner bei sich, 
und wir büeben bis 10 Uhr Abends recht vergnügt bei ihm zu- 
sammen. 

Auf einem Ball, den der Baron Mareuil gab, befanden sich 
mehr als 200 Personen. Die Mitglieder des diplomatischen Corps, 
die ersten Autoritäten des Landes, uikI die vorzüglichsten Einwoh- 
ner der Stadt waren gegenwärtig. Ich traf den General Bernard, 
und lernte den General Broten kennen , einen ältlichen Mann , des- 
sen rechte Seite von einem Sehlagflusse gelähmt zu sein schien. 
Die interessantesten Bekanntschaften, die ich machte, waren die 
des Commodore Porter, dessen Name durch seine dem Staate ge- ! 
leisteten guten Dienste , so wie durch seinen letzten Procefs welt- 
kundig geworden ist, und des Ingenieur-Obei-sten Roberdeau. Fer- 
ner lernte ich einen Herrn Calvert kennen, der mir sagte, sein 



275 

Sohn studire in Göttinger. ; er habe vor Kurzem eine Reise nach 
Weimar unternommen , sei bei Flofe vorgestellt und sehr gut aufge- 
nommen worden. Die Damen waren recht elegant angezogen und 
tanzten sehr gut. Die meisten Tänze waren französische Contre- 
tänze, jedoch immer mit denselben Figuren; zuletzt auch einige 
Walzer. Die Musik war ziemlich gut , und wurde von den Musi- 
kanten der Mariniets der Garnison gemacht. Der Ball dauerte in- 
defs nicht lange; ich war einer der letzten Anwesenden, und kam 
schon um 11 Uhr nach Hause. Der Präsident war nicht zugegen; 
er nimmt keine Einladung in der Stadt an. Der jetzige Präsident 
empfängt die fremden Gesandten auch nicht anders, als auf An- 
meldung des Staatssecretairs der auswärtigen Angelegenheiten. Der 
Präsident ist gleichfalls dispensirt, die ihm gemachten Visiten zu- 
rückzugeben, wovon er mich bereits in Baltimore durch Herrn Sul- 
liva?i benachrichtigen zu lassen die Güte gehabt hatte. 

Einen anderen Ball gab der General Brown, zu Ehren der 
Verheirathung eines Capt. Gardner vom 4ten Artillerie-Regimente. 
Die meisten Herren , die ich hier antraf, waren Officiere von der 
Armee. Es giebt kaum eine Armee in Europa, in welcher die Of- 
ficier-Corps besser zusammen gesetzt wären, als in der kleinen 
Amerikanischen. Denn in den V. St. Wird durchaus Niemand Offi- 
cier, der nicht ein Mann von Erziehung ist. Die Officiere werden 
einzig und allein aus der Academie von Westpoint genommen ; kein 
Unterofücier avancirt weiter. Die meisten Unterofliciere, die wäh- 
rend des letzten Kriegs zu Officieren avancirt Maren , sind nach und 
nach auf eine gute Manier aus der Armee entfernt Morden. Eine 
solche Mafsregel ist in diesem Land unumgänglich nöthig, in M r el- 
chem nur Leute aus den untersten Volksclassen sich in der Armee 
als Soldaten engagiren ; ohne den grofsen Zwischenraum zwischen 
den Officieren und den rank and files *) könnte durchaus keine 
Disciplin bestehen. Sobald man daher einen jungen Mann in der 
amerikanischen Officiers-Uniform sieht, so kann man mit Zuver- 
sicht annehmen, dafs er in jedem Betrachte gemacht sei, seinen 
Platz in der besten Gesellschaft zu behaupten. 

Auf einem dritten Balle bei Herrn Hin/gens Mar Mieder eine 
recht angenehme Gesellschaft vereinigt. Ich unterhielt mich viel 
mit einem Lieutenant Wolf Tone, der bei dem ersten Artillerie- 
Regiment angestellt Mar. Er ist ein Irländer von Geburt, aber in 
einer französischen Militairschule erzogen. Früher Mar er in 



*) Alle iin Gliedc stehenden Militairs unter Officiers-Range. 

S 2 






_ 276 

französischen Diensten gewesen , und wurde vom General Bernard 

protegirt. 

Bei einem Besuche, welchen ich dem General Macomh und 
dem Major / andeventer auf dem Kriegs -Ministerio machte, zeigte 
mir der General, aufser mehreren Zeichnungen und Plänen von 
Festungen und Schanzen, auch zwei merkwürdige Listen, die 
monatlich vom Obr. Lt. T/iai/er aus Westpoint eingeschickt werden. 
Die eine enthält die Namen der besten und der schlechtesten Cadets 
aus jeder Classe, und die andere die Namen derjenigen, die Beloh- 
nungen verdienen , so wie derjenigen , welche gestraft worden sind, 
nebst Angabe ihres Fehlers, endlich derjenigen, welche von der 
Schule hinweggeschickt worden sind, mit Angabe der Ursache 
dieser Entfernung. Die beiden Tableaux sind im Bureau des 
Generals unter Glas und Rahmen aufgehängt; sie werden, die eine 
alle 14 Tage, die andere alle Monate, verändert. Sie sollen, >vie 
mir der General versicherte, ihm manche zeitraubende Convcr- 
sation mit den Ritern der Cadets ersparen. 

Der General brachte mich auch auf das topographische Bureau, 
an dessen Spitze Oberst Roberdeau stand. Ich fand daselbst meh- 
rere cercles repetiteurs , Theodoliten undTelescope, von Troughion 
und Ramsden verfertigt; so wie 2 Passage - Instrumente für ein 
Observatorium , das noch zu bauen ist. Ferner ein Instrument von 
Troughion , um den 10000. Theil eines englischen Zolles zu neh- 
men, und die Modelimafse vom englischen yard, vom französischen 
im Ire und vom litte. Die Herren bedauerten, dafs man in den 
V. St. das alte englische Mafs und Gewicht beibehalten und nicht 
das viel bessere neue französische eingeführt habe, wie in de 
Niederlanden. Weiter, mehrere gute Pläne von Schlachten un 
Belagerungen aus dem Kevolutionskriege und namentlich von de 
ehemaligen Festungen Ticondcroga und Crownpoint am La 
Champlain. Neuere Aufnahmen vermifste ich. Dagegen zeigte 
mir General Macomb das sogenannte Indian Departement , wo all«; 
Geschäfte mit den indischen Völkerschaften abgehandelt werden. 
In demselben finden sich die Portraits einer Menge Indischer Chefs 
und mehrere ihrer Weiber, die zu verschiedenen Epochen nach 
Washington gekommen sind, um den Präsidenten zu becomplimen- 
tiren. Sie erhalten dann nach ihrem Range Medaillen mit dem 
, Brustbilde des Präsidenten, die sie an einem Band am Halse tragen. 
Auch mehrere Waffen und sonstige Zicrrathcn dieser Völkerschaf- 
ten, die mir schon bekannt waren. Zuletzt besuchte ich das 



5 



277 

Ordnance-Departcmcnt *) , welches unter der Direction eines Ober- 
sten steht. Hier sah ich eine von einem Herrn Hall in Harpers- 
ferry erfundene und verfertigte Büchse , die sich von hinten ladet, 
und mit der man 5 sichere Schüsse in einer Minute thun kann. 
Man hatte mit der Büchse, die ich in den Händen hatte, 3000 
Schüsse gethan, und sie sehr probat gefunden; man hatte mehrere 
bestellt, und gedachte, im Fall eines Krieges, eine oder ein paar 
Compagnien mit solchen Büchsen zu bewaffnen. 

Zu einem Diner, welches der Präsident gab, und welchem ich 
beizuwohnen die Ehre hatte, waren beiläufig 40 Personen versam- 
melt. Das diplomatische Corps war gegenwärtig; die Staatsecre- 
taire, mehrere Generäle, und andere angesehene Personen. Unter 
denselben lernte ich den einstweiligen Präsidenten des Senats, Herrn 
Gaillard **) aus Nord- Carolina, kennen. Damen waren nicht 
zugegen , weil M rs Adams sich unwohl befand. Das Tafelzeug 
war sehr reich; besonders gefiel mir ein Aufsatz von \ermeil. 
Der Speisesaal ist sehr geräumig; aulser diesem waren zwei reich 
ineublirte Zimmer offen. Ich bemerkte mehrere schöne Porcellan- 
Vasen von Secres und eine Marmorbüste des grofsen tVashington, 
vom italienischen Bildhauer Ceracki , der später in Paris wegen 
einer Verschwörung gegen das Leben Napoleon's erschossen wor- 
den ist. Ein Kronleuchter war besonders schön. Für den Kaiser 
Napoleon gemacht, ist derselbe im Jahr 1815 von dem amerikani- 
schen Gesandten in Paris erstanden worden. Die kaiserlichen Adler 
gelten jetzt für amerikanische. 

General Brown zeigte mir bei einem Besuch eine grofse goldne 
Medaille, die ihm wegen seiner Verdienste im letzten Kriege vom 
Congrefs verehrt Morden ist. Die eine Seite stellt das Brustbild 
des Generals vor, und die andere eine Trophäe von englischen 
Waffen um ein Ruthenbündel. Vier Schilde enthalten die IS innen 
Sachet Is harbour, Niagara, C/tippewa und Eric, mit Angabe der 
Tage, an welchen diese Oerter Zeugen der Thaten des Generals 
grvesen sind. Zu den Füfsen der Trophäe ist der amerikanische 
Adler dargestellt, eine englische Fahne in seinen Klauen haltend. 
Diese Medaille darf der General jedoch nicht tragen, sondern er 
hebt sie in einer Knpsel auf. lieberhau pt dürfen amerikanische 
Staatsbürger auch keine fremden Ehrenzeichen tragen; selbst 
General Bernard hat die seinigen, so wohl verdienten, ablegen 



*) Beauftragt mit dem matvricl der Armee. 
"') Seitdem verstorben. 



278 

müssen. General Brown zeigte mir aufserdem noch eine goldene 
Dose, die ihm von der Stadt New - York , mit Ueberreichung des 
Bürgerrechts dieser Stadt, verehrt worden Mar. 

Am 14. November fing ich an, Abschiedsbesuche zu machen. 
Denn die Wohnungen in Washington sind so weit von einander 
entfernt, dafs solche Besuche ungemein viele Zeit erfordern. Bei 
dieser Gelegenheit unterhielt ich mich lange mit dem Kriegsminister 
Herrn Barbour und General Macomb über militairische Verhältnisse. 
Mit dem Minister war ich nicht einerlei Meinung über die Miliz, 
von deren Tauglichkeit er als ehemaliger General der Miliz , die 
er als Gouverneur von Tirginien commandirt hatte, mir eine viel 
zu hohe Meinung zu hegen schien. Bei Herrn von Wollenstem, 
der am kalten Fieber laborirte , sah ich eine sehr hübsche Biblio- 
thek und einige gute Instrumente; z. B. ein Barometer, um 
Höhen zu messen, und einen Telescop, den er zum Passagen- 
Instrument adoptirt hatte. Ich fand bei ihm Krusenstern's grofsen 
Atlas der Südsee, ein schönes Werk auf schlechtem Papier. Herr 
von Wollenstem hatte ein astronomisches Werk aus dem Spanischen 
ms Französische übersetzt; auch eine englische Ausgabe von den 
Umrissen von Gbthe's Faust besorgt. Er wollte sich nunmehr mit 
Fortification beschäftigen und Ditfours memorial pour les travaux 
de guerre lag aufgeschlagen. Mit dem General Bernard discurirte 
ich lange über Gegenstände aus den Militair - Geniewissenschaften. 
Fr sagte unter andern, dafs er bei der Verteidigung von 2 Festun- 
gen, Mannheim und Torgau, gedient, und dabei die Erfahrung 
gemacht habe, dafs ohne bedeckte Werke auf der front d\iHaa.ue 
an keine nachdrückliche Verteidigung zu denken sei. Jlmsiclit- 
lich der Küstenbatterieen meinte er, dafs die besten diejenigen 
seien , welche wenigstens 30 Fufs über die Oberdäche des Wassers 
erhoben wären, damit die Ricochetschüsse vom Schule die Brust- 
Mehr nicht erreichen! könnten. Was die Militair-Unterrichtsanstal- 
ten in diesem Lande betrifft: so war er der Meinung, dafs sie aller- 
dings noch grofser Verbesserungen fähig seien. Er hätte vorge- 
schlagen, eine practische Uebimgsschule für die Armee einzurich- 
ten, in welche man Bataillons Infanterie und einige Arlillerie-Com- 
pagnien abwechselnd zu ihrem Unterricht commandiren würde; 
dieser Vorschlag sei aber noch nicht angenommen. Auch sprach 
der General viel über den Werth von Antwerpen, und gab mir 
manche interessante Aufschlüsse über Napoleon's Absichten mit 
diesem Platze. Zuletzt kam das Gespräch auf die Schlacht von 
Waterloo, welcher der General als Adjudant des Kaisers beigewohnt 



279 

hatte. Die Thränen traten dem braven Mann in die Augen , als er 
von seinem ehemaligen Herrn sprach. 

Am letzten Tage meines Aufenthalts in Washington fuhr ich 
mit den beiden Herren Huygens, Vater und Sohn, und mit Herrn 
de Bresson nach der Caserne der Mariniers, wo auf Befehl des 
Kriegsministers mit den //«//sehen Gewehren Versuche angestellt 
werden sollten. Herr//«//, der eine Aufscherstelle bei derGeuehr- 
manufactur von Harpersferry bekleidet, war selbst gegenwärtig. 



Figur I ist ein solches Gewehr. Das Schlofs ist oben auf dem Lauf 
angebracht, wie bei den Taschenpistolen, a ist ein Bügel, an 
welchem man mit der linken Hand drückt, um das Stück des Rohrs, 
auf welchem das Schlofs befestigt ist, in die Lage zu bringen, wie 
Fi ff. II zeifft. Ist es in dieser Laffe, so schüttet man Pulver auf 
die Pfanne, und dann in die Oeffnung 6, setzt eine Kugel darauf 
und drückt dieses Stück in seine gewöhnliche Laffe in die Verlatt- 
gerung des Rohrs hinein. Hierauf feuert man das Gewehr ab, 
ladet wieder u. s. f. Das Pulver trägt man in einem länglichen 
blechernen Kasten an der rechten Hüfte im Bandelier. In diesem 
Kasten ist Pulver für 170 Schills enthalten. Er ist durch eine 
Klappe mit einer Feder geschlossen; über derselben ist ein Lade- 
mafs angebracht, so dafs man im Augenblicke so viel Pulver hat, 
als man zum Aufschütten und Laden eines Schusses braucht. An 
demselben Kasten befindet sich eine Röhre für 18 Kugeln, eben- 
falls mit einer Feder geschlossen, so dafs man unmittelbar, nach- 
dem man das Pulver ins Rohr geschüttet hat, die Kugel hinein 
rollen läfst. Es wurden Versuche über die Geschwindigkeit des 
Feuerns angestellt; Herr Hall feuerte mit seiner Büchse und der 
Sergeant -major — Unter- Ad judant — der Mariniers, mit einem 
gewöhnlichen englischen Infanterie-Gewehre. Dieser konnte in 
der Minute nur 4 Schüsse thun, während Herr Hall in derselben 
Zeit 6 Schüsse that. Er hatte seine Erfindung auch auf gewöhn- 
liche Infanterie-Gewehre und Büchsen angewandt, und liefs in 
Harpersferry solche Gewehre verfertigen. Das Stück kostet dem 
Gouvernement 18 Dollars. Eine wesentliche Verbesserung dürfte 
die Einführung der Percussions Schlösser seyn. Uebrigens können 



. 280 

diese Gewehre nur sehr geübten Männern in die Hände gegeben 
werden, und es ist die Absicht des Gouvernements, einstweilen 
höchstens die linken Flanken-Compagnien damit zu bewaffnen. 
Für Tirailleurs scheint dieses Gewehr eine einzig gute Waffe. Ich 
wünschte, dafs Herr Hall ein solches Gewehr Tür mich machen 
möchte; er gab mir aber zur Antwort: dafs, seit er im Dienste des 
Gouvernements sei, er ohne besondere Erlaubnifs des Kriegs-Mi- 
nisters keins für Privat-Personen machen dürfe. 

Die wenigen in der Caserne anwesenden Mariniers standen, 
von einem Lieutenant commandirt, en parade, als ich kam, und 
ich wurde mit präsentirtem Gewehr und klingendem Spiel empfan- 
gen. Das ganze Corps der Mariniers war nur 700 Mann stark und 
mufste aufser den Garnisonen an Bord der Escadres im mittelländi- 
schen Meer, im Golf von Mexico und in der Südsee, die Garni- 
sonen der reeeiving-ships und der Navy yards von Boston, New- 
York, Philadelphia, Washington und Norfolk unterhalten. Man 
hoffte aber, der nächste Congrefs würde zugestehen, dafs das 
Corps auf 1500 Mann vermehrt werde, und diese Vermehrung 
dürfte für das Beste des Dienstes allerdings nothwendig sein. 



XIV. 

Abreise von Washington. Fredericktown. Harpersferry: 

das blaue Gebirg. Staunton : natural Bridge. Weyhers- 

cave. CJiarlotteville : Virginia university. Monticello. 

Richmond. Jamestown. Norfolk. Festung Monroe. 

Fayetteville. Columbia. 

Vom 15. November bis 10. Decembcr 1825. 



Am 15. November, Nachmittags 2 Uhr, setzte ich mich mit 
meinem neuen Reisegefährten, dem jüngeren Herrn Huygens, 
der mich mit Erlaubnifs seines Vaters begleiten wollte, in den 
Wagen, und verliefs Washington. Ich hatte bis Harpersferry, 
welches gegen 50 Meilen von Washington entfernt ist , einen vier- 
spännigen Wagen für 36 Dollars gemiethet, der uns in 2 Tagen 
dahin bringen sollte. Auf einer Anhöhe hinter der Stadt George- 
town erwartete uns Herr Huygens , der Vater mit seinen Töchtern, 
um von ihrem Sohne und Bruder Abschied zu nehmen. Der Weg 
war einige Meilen weit recht gut; dann wurde er schlecht und 
holperig, und blieb es den ganzen Tag über. Wir hatten den 
District Columbia verlassen und befanden uns wieder im Staate 
Maryland. Die Gegend , die wir passirten , war hüglig , viel mit 
Wald bewachsen, nur hier und da angebaut; einzelne grofse 
Häuser, den Tabackspflanzern gehörig, mit kleinen Hausern der 
Negersclaven. Wir kamen nur durch einen einzigen , etwas an- 
ständigen Ort, Rocksville genannt. Gegen 7 Uhr Abends erreich- 
ten m ir ein im toumship Clarksburg gelegenes Wirthshaus , Scholls- 
tacern genannt , 25 Meilen von Washington , und nahmen in dem- 
selben unser Nachtquartier. 

Am folgenden Morgen verliefsen wir Clarksburg nach 8 Uhr. 
Es Mar ziemlich kühl. Der Weg holperig, wie zuvor. Bis 
Frcdcriclilown hatten wir 15 Meilen weit. Die Gegend hügelig 
und steinig. Zuweilen hatten wir hübsche Blicke auf die blauen 



282 

Berge, denen wir uns näherten. Die Häuser, an welchen vir vor- 
beifuhren, waren fast eben so, wie die gestrigen; die Negerhäuser 
meistens \on Holz und nur das Kamin massiv und ans Haus ange- 
baut. Den Monowei-F\uk passirten wir durch eine Furt, 4 Meilen 
vor Frederic/down. 

Diese Stadt, eine der vorzüglichsten im Staate Maryland, 
liegt in einer gut angebauten Gegend, von Hügeln umgeben. 
Sie hat gegen 5000 Einwohner, und ist sehr regelmäfsig angelegt. 
Am Eingang einer der Strafsen stand ein hölzerner Triumphbogen, 
zu Ehren des Generals Lafayette errichtet; die Inschriften waren 
vom Wetter schon ziemlich ausgewischt. Ich war kaum im AVirths- 
haus abgestiegen , als ich einen Besuch erhielt von dem hiesigen 
lutherischen Geistlichen Dr. Schaefer, einem Sohne des Predigers 
gleiches Namens in Philadelphia. Dieser Mann begleitete mich 
zu einem Advocaten, Namens Schley, den ich in Saratoga kennen 
gelernt hatte, und dann in die lutherische Kirche, ein sehr einfach 
eingerichtetes Gebäude. Wir bestiegen den Thurm , um die Stadt 
und umliegende Gegend zu übersehen. Die Gegend schien sehr 
gut angebaut zu sein; sie soll sich meistens vom Tabacksbau 
nähren. Die Stadt enthält 4 Kirchen : aufser der lutherischen eine 
reformirte, eine katholische und eine methodistische. An öffent- 
lichen Gebäuden hat sie einen Gerichtshof und ein Gefängnifs. 

Hctrpersferry war noch 21 Meilen von Frederic/down entfernt. 
Die Gegend wurde immer bergiger , die Strafse immer schlechter 
und holpriger, so wie wir uns dem Gebirge näherten, das unter 
dem Namen der „blauen Berge" bekannt ist. Wir mufsten öfters 
aussteigen und zu Fufse gehen, weil der Weg gar zu schlecht 
wurde. Wir begegneten mehreren starken Ileerden von Hornvieh 
und Schweinen, welche, au9 den westlichen Staaten kommend, 
nach den Hafenstädten zum Verkauf getrieben wurden. Die Fuhr- 
leute, welchen wir begegneten, und welche meistens die Producte 
des Westens brachten , hatten grofse Karren mit 5 starken Pferden 
bespannt, 4 wie ein Postzug, und das 5. allein vorauf. Bei einem 
dieser Fuhrleute hatte jedes der Pferde auf seinem Kummt ein 
Glockenspiel von 5 verschiedenartigen Glocken, die eine ganz 
sonderbare Musik machten. 

Inzwischen ging es meistens durch Wald; wir passirten nur 
einen einzigen , unbedeutenden Ort, Newton genannt. Die Berge 
wurden immer höher und felsiger. Endlich kamen wir wieder an 
den Potowmac, den wir gestern verlassen hatten, und erfreuten 
uns mancher schönen Aussicht. Die Gegend erinnerte mich an 






283 

den Planischen Grund bei Dresden. Es war dunkel geworden , als 
wir auf dem linken Ufer des Potoicrnac, Harpersferry gegenüber, 
ankamen. Wir mufsten aber ziemlich lange auf die Fähre warten. 
Als diese endlich erschien, da wurde sie von einem betrunkenen 
Neger geführt. Auch die Fähre selbst war sehr schlecht. Indefs 
kamen wir glücklich über den ziemlich seichten Flufs, zwischen 
Felsstücken hindurch, und sahen in einiger Entfernung Flufs auf- 
wärts drei gemauerte Pfeiler im Flusse stehen , auf welche nächstes 
Jahr eine Brücke gebaut werden sollte. Indem wir über den Flufs 
setzten, betraten wir das Gebiet des Staates Virginien. In Harpers- 
ferry nahmen wir in einem reinlichen Wirthshaus unsre Wohnung; 
und ich hatte sogleich das Vergnügen , dafs ein hier etablirter Arzt, 
Dr. Weise , aus Dresden , sogleich , als er gehört hatte , ich sei an- 
gelangt, zu mir kam. 

Ich erlaube mir, die folgende Beschreibung der hiesigen Ge- 
gend, aus des ehemaligen Präsidenten Thomas Jeffcrson „Notes 
onthe State of Virginia," wörtlich übersetzt, einzuschieben. 

„Der Durchgang des Potoicrnac durch das blaue Gebirge ist 
vielleicht eine der wunderbarsten Naturscenen. Ihr steht auf einem 
sehr hohen Standpuncte. Zu Eurer Rechten kommt der Shenandoah\ 
der am Fufse des Gebirges gegen 100 Meilen geirrt hat, um einen 
Ausweg zu suchen. Zu Eurer Linken nähert sich der .Potoicrnac, 
ebenfalls einen Durcharana: suchend. Im Augenblick ihrer Yer- 
einigung rauschen sie gegen den Berg, reifsen ihn entzwei, und 
setzen ihren Weg; nach dem Meere fort. Der erste Anblick dieses 
Schauspiels drängt unserm Sinne die Meinung auf, dafs, als diese 
Erde zu ihrer Zeit geschaffen ward, die Berge zuerst gebildet 
worden ; dafs die Ströme später zu fliefsen begonnen , dafs sie vor- 
zü glich an diesem Platze durch die blauen Berge aufgedämmt 
Morden sind, und einen Ocean gebildet, der das ganze Thal aus- 
füllte, dafs sie endlich bei fortwährendem Steigen an diesem Platz 
überströmten und den Berg von seinem Gipfel bis zu seiner Grund- 
lage zerrissen haben. Die Felsenzacken an jeder Seite, und vor- 
züglich am Shcnandoah, die augenscheinlichen Spuren ihres Los- 
bruchs und ihrer Abreifsung von ihren Lagern durch die mächtig- 
sten Wirkmittel der Natur, bestärken diesen Eindruck. Doch der 
Hintergrund, welchen die Natur diesem Gemälde gegeben, ist von 
einem sehr verschiedenen Character. Er ist das wahre Gegenstück 
zum Vorgrund, und eben so gefällig und angenehm, als dieser 
wild und schrecklich ist. Da der Berg völlig gespalten ist, so zeigt 
er Eurem Aujje durch die Kluft einen kleinen Strich des blauen 



284 

florizonts auf eine grofse Entfernung im platten Land, als wenn 
er Bach einlüde, vom Aufruhr und Lärmen, der um Buch brauset, 
durch die Felsenlücke zu flüchten, um der unten herrschenden 
Ruhe theilhaftig zu werden. Hier endlich ruht das Auge, und 
dieser Weg führt auch auf die rechte Strafse. Ihr geht über den 
Potowmac oberhalb der Vereinigung, bleibet drei Meilen längs des 
Ufers am Fufse des Berges, dessen schreckliche schroffe Felsen in 
Bruchstücken über Euch hängen, und nach ungefähr 20 Meilen 
Weges erreicht Ihr Fredericktoicn und die hübsche Gegend, die 
es umgiebt. Dieses Schauspiel ist würdig einer Reise über den 
Atlantischen Ocean. Dennoch giebt es hier, so wie in der Nähe 
der natürlichen Brücke, Menschen, die ihr ganzes Leben, ein 
halbes Dutzend Meilen entfernt, zugebracht, und sich nie die 
Mühe gegeben haben, diese Denkmäler eines Kampfes zwischen 
Strömen unpV Bergen, der die Erde bis in ihrem Mittelpunct er- 
schüttert haben mufs, zu besehen." 

Am Morgen nach meiner Ankunft in Harpersferry machte ich 
dem Director der. Gewehrfabrik , Herrn Stubbersßeld , an den 
ich von Seiten des Kriegsministers Barbour empfohlen war , meinen 
Besuch, und mit grofser Bereitwilligkeit zeigte er mir die unter 
seinen Befehlen stehenden Anstalten. Die Werkstätten befinden 
sich in 7 grofsen massiven Gebäuden, von welchen die inneren 
Abtheilungen leider von Holz sind. Diese Gebäude stehen in 
zwei Reihen, 4 am Berg und 3 gegenüber am Potowmac. Am 
Eingange dieser Gasse steht Herrn Stubbersfields office, von wel- 
chem aus er die Eingänge aller Werkstätten übersehen kann. Die 
Maschinen, die im Gebrauche sind, werden durch Wasserräder in 
Bewegung gesetzt. Alle Gebäude sind 2 Stockwerk hoch; im 
Erdgeschosse sind die Schmieden , und in dem obern Stockwerke 
diejenigen Arbeiter, die kein F'euer zu ihren Arbeiten bedürfen. 
Bei den Eisenarbeiten sah ich nichts Neues. Das zu den Läufen 
nöthi«-e Eisen kommt aus Juniata im Staate Penmilvanien, und 
wird in Platten geliefert, welche allemal je einen Flintenlauf abge- 
ben. Der Stahl ist deutscher Stahl, Halbach steel genannt, den 
Herr Halbach in Philadelphia liefert. Jedes Gewehr mufs durch 
120 Hände gehen , ehe es fertig m ird. Für jedes Stück ist ein 
besonderer Arbeiter angestellt. Dieser wird auch für jedes Stück 
einzeln bezahlt, nachdem dasselbe gehörig approbirt worden ist. 
Ein geschickter und fleifsiger Arbeiter kann sich täglich 2 Dollars 
verdienen. Wenn die Arbeiter alle zum Schlosse gehörigen Stücke 
fertig haben , so liefern sie dieselben an einen Mann ab , der sie 



285 — ~r . 

prüft, und dann die Schlösser zusammensetzt. Die Läufe werden 
vermittelst Ringe, die man enger und weiter machen kann, abge- 
drcchselt. Am meisten interessirte mich die Maschine, die Schafte 
zu drechseln, weil dieses früher eine sehr mühsame Arbeit war. 
Auf ein Stück Holz, dem man aus dem gröbsten die Form eines 
Schaftes gegeben hat, wird ein Stück Ejsen an dem Platze ge- 
jschraubt, wo der Gewehrlauf liegen soll. Ist dieses geschehen, 
so >vird das Stück in die Maschine eingeschraubt; parallel mit dem 
Stück ist ein Stück Eisen ei: .geschraubt, das dieselbe Form hat, 
welche der Schaft bekommen soll. Ein Rad, in welchem soge- 
nannte Lcisthobel befestigt sind, ist bestimmt, den Schaft abzu- 
hobeln. Die Operation beginnt mit der Mündung, und endigt mit 
dem Kolben. Zu diesem Ende bewegt sich der Schaft zugleich 
mit seinem eisernen Modell, jedes um seine Axe. Das Rad mit 
den Hobeln hat eine bewegliche Axe, die parallel mit der A\c eines 
einlachen messingnen Rades läuft, das sich an dem eisernen Modell 
reibt und allen seinen Erhöhungen und Vertiefungen folg£ Das- 
selbe wird auch in Bewegung gesetzt und vermittelst einer Schrau- 
be ohne Ende nach dem Kolben hingezogen. Während dieser 
Bewegung hobelt es den Schaft ab , und giebt ihm seine gehörige 
Gestalt. Diese Operation dauert 6 bis 7 Minuten, und nichts würde 
verhindern, auf der andern Seite des Modells eintyi zweiten Schalt 
zu gleicher Zeit zu drechseln. Ist der Schaft gehörig gehobelt, so w ird 
er herausgenommen und ein anderer eingespannt. Von dem gedrech- 
selten Schaft nimmt man das Eisen ab, spannt ihn in eine Klammer, 
und nähert ihn einem Bohrhobel , durch welchen die Rinne hinein 
gemacht wird , die später den Flintenlauf aufnehmen soll. 

Diese Fabrik und die Fabrik von Spitigfield, die einzigen in 
den V. St., welche dem Gouvernement gehören, liefert jetzt in 
Friedenszeiten jährlich 15,000 Gewehre. Sie werden durchgängig 
nach der von Dupin angegebenen Procedur braun gemacht; auch 
die Ringe und Bajonette, welche letztere die Engländer blank lassen. 

Herr Stiibbersfidd führte uns auch nach dem Arsenal. In 
dieses Arsenal weiden die Gewehre nach ihrer Vollendung abge- 
liefert , und entweder hier aufbewahrt, oder zu zwanzig Stück in. 
eine Kiste verpackt und nach anderen Arsenalen versendet. Im 
Innern des Arsenals ist Alles von Holz; und doch verdiente es 
wohl, von Eisen und feuerfest gemacht zu sein, da es ein so 
grofses Capital enthält. Es befanden sich nämlich 84,000 Gewehre 
in demselben. Wenn man nun eins zu 13 Dollars annimmt, so ist 
der Werth 1,092,000 Dollars. 



, 286 

Zuletzt führte uns Herr Sfubbersfield nach einer neuen Fabrik, 
eine halbe Meile von der Stadt entfernt, in welcher Herrn Mails 
Patentire wehre, unter seiner eigenen Direction , gemacht werden. 
Da der Erfinder nicht zugegen war, so konnte mir leider Niemand 
du Maschinerie, die übrigens noch nicht recht im Gange zu sein 
schien, erklären. 

Bndlich begleitete uns Dr. Weise nach einem oberhalb des Orts 
gelegenen Berge, dem Autor der oben citirten Beschreibung zu 
Ehren Jefferson rock genannt. Die Aussicht ist wirklich sehr schön, 
ich fand sie mit der Beschreibung übereinstimmend ; indefs glaube 
ich doch, in Deutschland schönere Gegenden gesehen zu haben. 
Man übersieht auch den Ort, dessen Häuser ziemlich einzeln ge- 
baut sind : von den 1500 Einwohnern arbeiten 300 in der Gewehr- 
fabrik. Der Grund gehört gröfstes Theiles dem Gouvernement, 
und dieses gesteht gut empfohlenen Personen die Erlaubnifs zu, 
Häuser zu bauen. Auf der Höhe bei dem Jefferson rock wurde ein 
grofses4Sebäude von drei Stockwerken aufgeführt. Ins Erdgeschofs 
sollte eine Kirche kommen , ins andere Stockwerk eine Lancaster- 
sche Schule und ins dritte eine Freimaurerloge. Ich stand übri- 
gens viel aus von einem sehr kalten Winde, der etwas Schnee mit 
sich führte. Abends brachte Dr. Weise einen Brückenbauer aus 
Reutlingen zu mir, der vor 30 Jahren als Bäcker hieher gekom- 
men, und dann den Mühlen-, und endlich den Brückenbau gelernt 
hatte. Die zweite Brücke über den Schuylkill bei Philadelphia, 
in einem grofsen Bogen über den Flufs gesprengt, ist von seiner 
Erfindung; und nächstes Jahr wollte er hier eine Brücke über den 
Potowmac schlagen. 

Den 19. November verliefsen wir bei einer hellen, aber sehr 
kalten Nacht früh 3 L'hr I/arpcrsferry, und traten unsere Reise 
nach der natürlichen Brücke an, welche 175 Meilen entfernt ist. 
Wir fuhren in der gewöhnlichen Stage. Die Stage- Verbesserung 
scheint noch nicht über die blauen Berge vorgeschritten zu sein ; 
denn wir mufsten mit einem sogenannten waggoti vorlieb nehmen, 
der uns alle mögliche Unbequemlichkeiten darbot. Der Weg führte 
durch eine hüglige Gegend und war sehr schlecht. Es ging ganze 
Strecken weit über Felsen; im Wege lagen so viele Steine, dafs 
ich nicht begreife, wie der elende Kasten nicht in Stücken brach. 

Bei Tagesanbruch befanden wir uns 18 Meilen von Harpers- 
ferry in einem kleinen Orte , Smithßeld. Ein Paar Meilen weiter 
kamen wir an eine lauwarme Schwefelquelle, deren Wasser den 
Geschmack von faulen Eiern, wie das Aachner Wasser hat. Es 



287 

scheint übrigens wenig bekannt zu sein, weil die Quelle nicht 
gefafst ist und keine Gebäude in ihrer Nähe stehen. Ein glück- 
liches Ungefähr wird es aber ohne Zweifel bekannt machen; und 
ich würde mich nicht wundern, wenn ich in 10 bis 15 Jahren wieder 
in diese Gegend käme, hier einen eleganten Badeort zu finden, 
etwa wie Saiatoga Springs. Weiter beständig Wald. Das Holz 
Eichen und Kastanien, Acacien und Cedern. Wohnungen selten. 
Wir passirten mehrere Creeks in Furten ; der ansehnlichste heilst 
der Cedarcreek. Auch bemerkten wir einige massive Mahlmühlcn. 
Es hatte so hart gefroren, dafs die Creeks an ihrem Rande mit 
ziemlich dickem Eise belegt waren, und an den Wasserleitungen der 
Mühlen hingen grofse Eiszackcn. 

Eilf Meilen von Smithfietd kamen wir in ein recht nett ange- 
bautes Landstädtchen, Winchester genannt, mit meist massiven 
Häusern in einer langen Hauptstrafse, von welcher mehrere Neben 
strafsen auslaufen, mit einer Markthalle und mehreren dem Ansehen 
nach recht gut versorgten Läden. Wir wechselten hier die Stage 
und bekamen einen weniger schlechten Wagen, wiewohl noch sehr 
unbequem. Das Holz zu diesem Wagen war ganz besonders gut; 
es war hickory-IloY/* , das unglaublich viele Springkraft besitzt. 
Von Winchester fuhren wir 8 Meilen weiter nach Stephensburg, 
6 Meilen weiter nach Middlcton, 6 andere Meilen weiter nach 
Strasburg, und zuletzt noch 12 Meilen bis Woodstock, wo wir 
übernachteten. Wir waren hier 61 Meilen von Harpersferry ent- 
fernt. Abends gegen 6 Uhr bei einem sehr kalten Wetter, aber 
hellem Mondschein , erreichten wir unser Nachtquartier. Die Ort- 
schaften zwischen JVinchestcr und Woodstock waren ziemlich unan- 
sehnlich; nur Strasburg, ein schon alter Ort, schien bevölkerter, 
als die anderen zu sein. Die Häuser sind meistens von Holz, mit 
Schindeln gedeckt, obgleich es nur zu viele Steine in der hiesigen 
Gegend giebt. Diese Gegend war zuletzt sehr hübsch geworden. 
Links sahen wir die blauen Berge, von denen wir uns nun immer 
mehr entfernten. Eine andere, mit der blauen Reihe parallel 
laufende Bergkette, the northern ridge genannt, erhob sich plötz- 
lich vor unseren Augen, und bald hatten wir sie zwischen uns und 
den blauen Bergen, so dafs wir diese ganz aus dem Gesichte ver- 
loren. Rechts hatten wir eine andere Bergkette, einen Arm der 
AUegheny- Gebirge, und fuhren beständig in einem, wenigstens 
10 Meilen weiten, Thal. Die Formation dieser parallel Jaulenden 
Bergketten ist ganz sonderbar, und ohne Beispiel in anderen Welt 
theilen. Das Land war ziemlich gut angebaut, und das Aeufsere 



288 

mehrerer Landhäuser üefi auf die Wohlhabenheit ihrer Besitzer 
schliefsen. Di« Einzäunungen der Felder bestehen hier meistens 
aus den schon öfters erwähnten worn fenees ; in der Nähe der 
Landhäuser giebt es jedoch trockene Mauern, die sehr sorgfältig 
zusammengesetzt sind. Man scheint hier viel zu Pferde zu reisen. 
Wegen der grofsen Distanzen können fast alle Frauenzimmer rei- 
ten* wir begegneten mehreren zu Pferde, zum Theile sehr elegan- 
ten • auch mehreren schwarzen Weibern. Die hiesige Pferderace 
scheint sehr stark zu sein. Man bedient sich aber auch der Ochsen 
als Zugvieh ; an mehreren Karren waren hinten 2 Ochsen und vorn 
2 Pferde angespannt. 

Den 20. November verliefsen wir Woodstock früh halb 3 Uhr 
in einer ganz erbärmlichen Stage und auf einem wo möglich noch 
rauheren Weg als gestern, und fuhren bis Staunton, 71 Meilen weit, 
wo wir übernachteten. Die Ortschaften waren meistens unansehn- 
lich, und nur Shryock, Nciomarket, Bigspring und Harrisonburg 
verdienen erwähnt zu werden. Der letzte Ort soll zwischen 8 bis 900 
Einwohner zählen. Die meisten Häuser waren von Holz und nur 
wenige massiv. Wenn man diesen Theil des Staates ) irginien mit 
den Staaten Massachusetts und New -York und selbst Pensijhanien 
vergleicht, so fällt die Vergleichung sehr nachtheilig für Virginien 
aus. Die starke Sclaven- Population in diesem Staate macht auch 
einen ungemein übelen Eindruck. Der Theil der Gegend, der 
keinen Wald enthielt, welches der gröfste war, schien gut ange- 
baut zu sein. Sie war übrigens sehr hügelig, und links von uns hat- 
ten wir den ganzen Tag über die Bergkette der North mountains y 
von welchen wir jedoch, da der Tag ziemlich neblig war, nicht 
viel sehen konnten. Wir passirten mehrere Flüsse in Furten; 
diese Flüfschen waren aber mehr Regenbäche zu nennen. Die 
Shenandoah, deren Vereinigung mit dem Potowmac Mir bei Har- 
versferry gesehen hatten, passirten wir nicht weit von ihrem Ur- 
sprünge. Gegen 7 Uhr Abends erreichten wir Stau?iton , und nahmen 
in einem leidlichen Wirthshaus unser Quartier. Diese lange Fahrt 
in der so äufserst schlechten Stege, die gewaltig stiefs, und auf 
diesem so sehr holprigen Wege, hatte mich sehr incommodirt, und 
noch mehr meinen jungen Reisegefährten, der an Strapazen noch 
nicht recht gewöhnt zu sein schien und vom Schnupfenfieber ge- 
plagt war. Ich ertrug diesen Mangel an comfort indefs ziemlich 

geduldig. 

Den 21. November mufsten wir in Staunton bleiben, weil die 
Stage nach der Natural bridge, welche auf dem Wege von Knox- 



289 

Tille und Louisville liegt, nur einen Tag um den andern geht, und 
weil die Brücke zu weit von Staunton entfernt ist, als dafs man ihn 
mit einem Mietliwagen in Zeit von 2 Ta^en hin und zurück machen 
könnte. Wir benutzten die gezwungene Mufse, um uns in der 
Gegend umzusehen. Die Stadt selbst ist klein, enthält gegen 1600 
Einwohner , und besteht eigentlich nur aus zwei Hauptstrafsen , die 
sich in rechten Winkeln durchschneiden. Die Häuser sind meistens 
von Holz und mit Schindeln gedeckt. Staunton ist der Hauptort 
von August a County ; der Gerichtshof der Grafschaft hielt gerade 
seine Sitzung so dafs eine Menjje Advocaten in der Stadt zug-e^en 
war. Sie liegt zwischen Hügeln, welche, so viel ich im Nebel, 
der den ganzen Tag über herrschte, zu sehen vermochte, mit Wald 
bewachsen sind. Die Shenandoah, die hier nur ein kleiner Bach 
ist, lliefst an der Stadt vorbei. Auf ihrem andern Ufer, gerade 
über der Stadt, liegt ein Hügel mit Kalkfelsen, in welchem mehrere 
Höhlen sind. Man sagte mir, sie seien ziemlich geräumig. Ich 
wollte versuchen, hinein zu kriechen, fand aber den Eingang so 
eng und niedrig, dafs ich darauf Verzicht leisten mufste. Von M rs * 
Weightman in Washington hatte ich einen Empfehlungsbrief an 
ihren Schwager, den berühmtesten hiesigen Advocaten , Dr. Scheffey, 
bekommen. Ich gab ihn ab und erhielt alsdann den Besuch dieses 
Herrn. Er brachte mehrere Advocaten , seine Confratres, zu mir 
und unter ihnen wurden mir 3 als Generale von der Miliz vorge- 
stellt. Dr. Scheffcy selbst war Major und fast jeder angesehene 
Einwohner bekleidet eine Charge in der Miliz. Da es hier Ge- 
brauch ist, sich bei seinem militairischen Titel zu rufen, so geräth 
man in Versuchung, sich in ein Hauptquartier versetzt zu glauben. 
Im Gespräche mit diesen Herren bemerkte ich mit Verwunderung 
den aristokratischen Geist, wegen dessen die Virginier bekannt 
sind. Ich erstaunte, diese Herren den Erbadel und die Majorate 
preisen zu hören. Abends ging ich mit einigen derselben zu Dr. 
Scheffey, und ich brachte die Zeit, bei einem guten Glase Wein 
und einem vernünftigen Gespräche, recht angenehm hin. 

Am andern Morgen liels ich meine Bagage in Staunton, und 
begab mich mit Herrn Huygens früh halb 3 Uhr in die ganz er- 
bärmliche Stage, um auf einem über alle Beschreibung holprigen 
Wege nach der Natural- bridge zu fahren. Wir passirten nur 2 
etwas ansehnliche Ortschaften, Fairfiel d und Lexington, den 
Hauptort von Rockbridge county , mit einem Gerichtshof und einer 
hohen Schule. Wegen eines den ganzen Tag über herrschenden 
Nebels konnte man nur Wenig von der Gegend sehen , die zumal 
/. T 



200 

in Rodebridge county sehr bergig wird. Wir setzten durch zwei 
kleine Flüsse in Furten, Middleriver und Buffalocrcek. Ueber 
letzteren fuhrt eine hölzerne Brücke, die man jedoeh nur bei sehr 
hohem Wasser gebraucht. Unsere Reisegesellschaft war nicht die 
angenehmste, sie bestand aus zwei Amerikanern, die den Mund 
nicht aufthaten, und einem hier etablirten Irländer, der desto mehr 
schwatzte, so dafs ich ein grofses Mifsbehagen fühlte. Er wurde 
zumal interessant, wenn er sein Herz mit Whiskey nach Art seiner 
lieben Landsleute gestärkt hatte. Wir kamen an mehreren ganz 
hübschen Landhäusern vorbei; an einem derselben sahen wir 8 
grofse schwarze Adler auf einem Zaune sitzen, die der Eigentü- 
mer füttern liefs. Grofse Jagdfreunde scheinen die hiesigen Ein- 
wohner nicht zu sein, da ich in Fairßeld die Becassinen bis in 
den Hof des Wirthshauses fliegen sah. Hoclnuldpret giebt es übri- 
gens sehr vie|; ein Rehbock kostet nur lj Dollar. 

Nach 4 Uhr Nachmittags erreichten wir einen einzelnen Gast- 
hof mitten in den Bergen, 50 Meilen von Staunton entfernt, Nah/ 
ral bridge genannt. Ich benutzte die kurze Zeit, während die 
Sonne noch am Himmel stand, und eilte nach dem Naturwunder 
dieses Namens, das 1* Meile von dem Gasthof entfernt ist, und we- 
gen dessen ich einen so grofsen Umweg gemacht, und so manches 
Ungemach ausgestanden hatte. Ein junger Negersclave aus dein 
Gasthofe war unser Führer und der Weg führte durch ein Wald- 
gebirge. Endlich stand ich auf einem Felsen, von welchem ich 
die Kluft und die Brücke dicht vor mir übersehen konnte. In »lein 
oben erwähnten Jiffirsons votes giebt dieser berühmte Gelehrte 
und Staatsmann eine Beschreibung dieser Brücke, von welcher hier 
eine wörtliche Ueberselzung folgt: 

„Die natürliche Brücke, das erhabenste der Werke der Natur, 
obschon mit den gegenwärtigen Kenntnissen man es nicht begreifen 
kann, darf nicht übergangen werden. Sie befindet sich im Auf 
steigen eines Hügels, der seiner Länge nach durch irgend eine 
grofse Erderschütterung gespalten worden zu sein scheint. Nach 
einigen Messungen ist die Spalte, gerade an der Brücke 270, und 
nach anderen Messungen nur 208 Fufs tief. Am Boden ist si< 
ungefähr 45 und an ihrem Gipfel 90 Fufs breit; demnach bestimmt 
dieses dieLänjre der Brücke und ihre Höhe über dem Wasser; ihre 
Breite in der Mitte ist — ungefähr — 60 Fufs; aber an beider 
Enden beträgt sie mehr, und die Dicke der Masse am Schlufssteint 
beträgt ungefähr 40 Fufs. Ein Theil dieser Masse besteht aus 
einer Lage von Erde, in der mehrere grofse Bäume wachsen. Der 



u 



291 

übrige Theil, nebst dem Berg an beiden Seiten, bestehet aus 
einem Stücke Kalksteinfelsen. Der Bogen nähert sich der semi- 
elliptischen Form; aber die gröfsere Axe der Ellipse, welches die 
Seime des Bogens sein sollte, ist mehrere Male gröfser, als die 
Transversale. Obschon die Seiten der Brücke auf mehreren Punc- 
ten mit einer Brustwehr von Felsen versehen sind , so können sich 
doch wenige Menschen entschüefsen , bis dahin zu gehen, und 
über die Brustwehr in den Abgrund zu sehen. UnwillkührHch legt 
Ihr Euch nieder und kriecht auf Hunden und Füfsen bis an die 
Brustwehr, um darüber hinabzuschauen. Ich bekam ein heiliges 
Kopfweh, nachdem ich nur eine Minute von dieser Höhe hinab- 
gesehen hatte. So sehr die Aussicht von der Höhe mühselig und 
unangenehm ist, so ist in einem gleichen Extreme die von unten 
entzückend. Es ist unmöglich, die vom Erhabenen kommenden 
Gemütsbewegungen mehr zu fühlen, als es hier der Fall ist: so 
ein herrlicher Bogen, so erhaben, so leicht, als wenn er sich bis 
zum Himmel erheben wollte! Die Entzückung des Beschauens ist 
wirklich unbeschreiblich! Die Spaltung, die auf eine ansehnliche 
Distanz ober- und unterhalb der Brücke eng, tief und geradeaus 
läuft, öffnet eine kleine, aber sehr hübsche Aussicht auf einer Seite 
auf die Nordgebirge, und auf der andern auf die blauen Berge, 
deren resp. Abstand gegen 5 Meilen beträgt. Diese Brücke be- 
findet sich in der Grafschaft Rockbridge, die ihr den Namen ver- 
dankt, und gewährt eine freie und bequeme Passage über ein 
Thal, welches man sonst nirgends auf eine ansehnliche Distanz 
passiren kann. Der darunter fliefsende Flufs heifst Cedarcreek. 
Er ist ein Zuflufs vom Ja/wes-Flufs und hinreichend , um eine Mahl- 
mühle in Bewegung zu setzen , obgleich seine Quelle nicht mehr 
als zwei Meilen darüber liegt." 

Ich mufs leider gestehen, dafs ich kein Poet bin; dennoch 
freute es mich sehr, dafs ich mir die Mühe gegeben hatte, bis 
hieher zu reisen, da diese Felsenbrücke zuverlässig eines der gröfs- 
ten Naturwunde]" ist, die ich je gesehen; und ich habe den Vesuv 
gesehen , und die phlegräischen Felder , die Riesenstrafse in Irland, 
die Insel Staffa und den Wasserfall des Niagara ! Der Bach unter 
der Brücke enthielt fast kein Wasser, und durchaus kein iliefsen- 
des; darum zweitle ich an der Existenz der Mühle. 1 Von unten 
fand ich den Anblick übrigens am imposantesten. 

Am 23. November verliefsen wir in der überfüllten Stage, die 
früh um halb 7 Uhr aufbrach, das ganz leidliche Wirthshaus der 
Natural bridge und kehlten nach Staunton zurück. Es befanden 

T 2 



292 

sich 4 Herren aus dem Staate Tencssee im Wagen, die als Mit- 
glieder des Congresses nach Washington reiseten. Ich nahm >\ie 
gewöhnlich meinen Sitz neben dem Kutscher ein, mo ich noch 
ziemlich >iel Platz und frische Luft hatte. Bis Lexington fuhren 
»ir auf demselben Wege, den Mir gekommen waren. Als wir in 
Lexington einen kleinen Halt machten, ward ich der Gegenstand 
einer Menge neugieriger Fragen von Nachkömmlingen deutscher 
Eutern, die in diesen Thlilern etablirt sind. Die Stadt Lexington 
ist vor ungefähr 40 Jahren angelegt worden, und enthält gegen 
1100 Einwohner. In der Nähe auf einer Anhöhe steht ein grofees, 
den V. St. gehöriges Arsenal, mit Zinn gedeckt. Von Lexington 
aus nahmen wir einen andern Weg, welcher uns durch die ziemlich 
ansehnlichen Dörfer Brmvnsburgh und Middleburg führte. Die 
Strafse war hin und Mieder herzlich schlecht und schrecklich hol- 
perig; zum Theil fanden wir aber auch einen Erdweg, der bei der 
noch trockenen Jahreszeit sehr gut Mar. Gröfstes Theiles kamen 
Mir durch Wald. Wir trafen einzelne Höfe, und begegneten meh- 
reren Reisenden zu Pferde, zum Theile gut gekleideten weifsen 
Frauenzimmern. Auch alle unsere Kutscher hier im Staate Maren 
Weifse. Ich verM underte mich darüber , da die Entrepreneurs sich 
viel Mohlfeiler schwarze Kutscher verschaffen könnten, und erfuhr, 
dafs es in diesem Staate nicht erlaubt sei, die Mait-stage, mit welcher 
Mir reiseten, durch schwarze Kutscher fahren zu lassen. Gegen 
9 Uhr Abends kamen wir Mieder in Staunton an, und bezogen 
unser altes Quartier in Chambers hütet. 

Den 24. November reiseten Mir früh nach 9 Uhr aus Stannton 
in einem Miethwagen ab, um mit einem Umweg über die berühmte 
Weylters cave nach Charlotteritle zu gehen, wohin Mir unsere 
schwere Bagage durch die Stage voraus geschickt hatten. Bis 
nach der JVeyhers cave hatten wir 18 Meilen , meistens guten Erd- 
Meg. Wir nahmen unsere Wohnung in einem einzelnen Hause, 
welches einem Pensylvanischen Deutschen , Namens Mokier , von 
Sächsischer Abkunft, gehörte. Der Weg führte durch eine ziem- 
lich hügelige und Maldige Gegend; viele Erdfälle zeigten Kalk- 
gebirge und die Nähe von Höhlen. Für einen Jagdliebhaber mufs 
dieses eine prächtige Gegend sein, da wir im Walde zwei Kitt 
Feldhühner begegneten , die nur aus dem Wege liefen , um dem 
Wagen Platz zu machen unü*" kaum 10 Schritte von uns Mieder 
sitzen blieben. An den kleinen Creelcs sahen wir eine grofse Menge 
Wasserschnepfen sitzen und sich baden. Mohlers Haus liegt an 
einem ziemlich ansehnlichen Creek, Soutk river genannt , der hier 



293 

vermittelst eines Canals eine Mahlmühle und einen Eisenhammer in 
Bewegung setzt. Die Mahlmühle gehört Mohlern, der hier auch 
eine /f7«Vfey-Destillerie und über 100 Acker Land, so wie 4 Ne- 
gersclaven besitzt. Er baut meistens "Weizen, wenig Roggen, aber 
viel Mais. Seine Mühle, in einem massiven Gebäude, ist sehr 
compendios eingerichtet und erinnerte mich an die grofse Dampf 
mühle in Baltimore. Er hat nur 2 Mühlsteine, den einen für den 
Weizen und den andern für den Mais. Das ausgebeutelte Mehl 
wird vermittelst eines Kastenvverks auf den Boden transportirt, wo 
es durch einen sich horizontal im Kreise drehenden Rechen ausge- 
breitet wird, um gekühlt zu werden. Das in Fässer gepackte Mehl 
verschickt er nach Richmond und selbst nach Baltimore. Mit der 
Mahlmühle hat der industriose Mohlcr noch eine Sagemühle ver- 

CT 

einigt, und auch einen Mühlstein, um den Flachs zu brechen. 
Denn es wird hier auch Flachs gebaut, wiewohl nicht stark; dieses 
Jahr sollte er wegen der Trockenheit gänzlich mifsrathen sein. 

Der Eingang der Höhle ist ungefähr * Meile von Maklers Haus 
entfernt, und ist in der Mitte einer Bergwand, am Ufer des South 
river. "Wir krochen, ein jeder mit einer Kerze versehen, auf dem 
Bauche hinab, kamen aber sogleich in einen Raum, wo wir auf- 
recht stehen konnten und sahen einige schöne Stalactitcn meistens 
aus Säulen bestehend. Diesen Platz nennt man die aniicliam- 
bre. Hierauf gelangt man in einen Saal, dragons-room , von 
einer Stalactite so genannt, die einem Drachen ähnlich sein soll. 
Einige Stalactitcn sind Wasserfällen nicht unähnlich; auch heilst 
eine Niagara fall. Die darauf folgende Gallerie wird nach einem 
Standbilde, das sich in derselben befindet, Devils gallery genannt; 
ich fand in diesem Bilde jedoch mehr Achnlichkeit mit einer Mutter- 
Gottes-Statue , als mit der eines Teufels. Eine ganze Schicht von 
Tropfsteinen hatte sich von der Decke des Gewölbes losgemacht, 
schwebte gewissermafsen zwischen Himmel und Erde und gewährte 
einen schönen Anblick , zumal da sich zwischen dem Gewölbe und 
dieser gesenkten Schicht neue Stalactiten gebildet hatten. Eine 
enge Schlucht führt nun in einen weiteren Raum , Salomons Tempel 
genannt, mit ganz sonderbaren Stalactiten, meistens blätterförmi- 
gen, die von der Decke bis zum Boden herabgehen und meistens 
transparent sind. Ich kann sie nicht besser beschreiben , als wenn 
ich sie morchelförmig nenne. Nicht weit davon ist ein anderer 
Platz, hide room, wo die Stalactiten in Form von Häuten in einer 
Lohgerberei von der Decke herabhängen. Dann kommt man in 
ein anderes Gewölbe, drum room, wo die Stalactiten, wenn man 



. 294 

einon Stein n-oiron sie \urft, einen den Pauken ähnlichen Ton von 
sie li reben. Andere in einem Kreise stehende Stäbe «reben, wenn 
man mit einem Stocke daran schläft, alle Töne einer Octave an. 
Man «rclit nun durch einen schlüpfrigen Gang an einer Oellnung 
vorbei, die wie ein antikes aufgebrochenes Grab aussieht, und 
Pal/crsons grave genannt wird, zum Andenken eines hineingefalle- 
nen (jiiidani dieses Namens. Vermittelst einer ziemlich morschen 
Leiter kommt man nun in einen, wenigstens 50 Schritt langen, 
sehr hohen und gut geebneten Saal, ball room, in welchem Bänke 
aufgestellt sind, und in welchem die Besucher, wennsichDamen in der 
Gesellschaft befinden , sich öfters mit Tanzen amüsiren sollen. Man 
steigt alsdann eine andere Leiter hinauf, mufs auf Händen und 
Füfsen durch einen Engpafs kriechen, der zum Theil noch ver- 
mittelst der Mine erweitert worden ist, und kommt an eine natürliche, 
aber sehr schlüpfrige Treppe, Jacobs ladder, die man hinabklim- 
men mufs, gelangt durch ein enges Gemach, dungeon, in ein ge- 
räumigeres, Senate chambre, mufs sich dann wieder einer mor- 
schen Leiter bedienen, um in eine lange Gallerie, Was/tington 
hall, zu gelangen, die von einer grofsen , in der Mitte stehenden 
Stalactite, Washingtons Statue genannt, ihren Namen erhalten hat. 
Nicht weit von dieser Statue ist eine kleine Quelle; da ich aber 
schon seit einigen Tagen die üblen Folgen des Wasser - Trinkens 
aus Kalkfelsen in meinen Eingeweiden fühlte, so konnte ich, trotz 
eines brennenden Durstes, mich nicht entschliefsen , die Güte die- 
ses Waisen zu prüfen. Neben dieser hall ist ein kleiner Platz, in 
welchem die Stalactiten, die den Felsen bekleiden, eine cr\ stall- 
artige, glänzende Oberfläche haben, wcfshalb dieses Gemach dia- 
wand room genannt wird. Von hier gelangt man in einen geräu- 
migen Saal, dining room, wo einige Stalactiten einem mit Flaschen 
und Gläsern besetzten Büffet nicht unähnlich sind. In Washington 
hall ist ein Tropfsteinhügel, den man den Heuhaufen nennt, und 
darüber schwebt eine andere Stalactite, die einem Rechen gleicht, 
und auch diesen Namen führt. Aus dem dining room gelangt man 
in den letzten, bis jetzt untersuchten Saal, Jeß'erson hall. Man 
bemerkt hier noch mehrere Klüfte; und ich bin überzeugt, dafs 
man mit geringer Mühe einen neuen Gang aufräumen und neue 
Gewölbe entdecken könnte. An mehreren Stellen in der Höhle, wo 
die Kruste von Tropfstein gebrochen ist, erblickt man Seitenhöh- 
len, die noch nicht untersucht worden sind. Und doch wäre diese 
Untersuchung wohl der Mühe werth, da wahrscheinlich diese Höhle 
mit der schon vor langen Jahren entdeckten und von Jefferson 



295 

beschriebenen, Madisons cave, die in demselben Berge liegt, und 
deren Eingang nur 300 yards von dem der Weykers cave entfernt 
ist, in Verbindung steht. Seit diese Höhle durch einen deutschen 
Bauer Namens JVeyher im Jahre 1806 entdeckt und zum Besuchen 
eingerichtet worden ist , wird jene Höhle nicht mehr besucht , deren 
schönste Stalactiten übrie;ens durch die Indiscretion der Fremden, 
wie man sagt, zerstört worden sind. 

In Weifhera cave erregten meine Aufmerksamkeit besonders 
solche Scheiben von Tropfsteinkruste, die von der Decke des Ge- 
wölbes losgebrochen sind, aber mit einem Theile noch fest hängen, 
so dafs sich neue Stalactiten gebildet haben , die diesen Scheiben 
ganz sonderbare Gestalten geben. Die eine nimmt sich aus wie 
eine grofse Perlmuttcrschale; eine andere wie ein Spiegel, u. s. w. 
Die Höhle ist allerdings feucht von dem herabtropfenden Wasser, 
aber doch weniger, a ' s ich erwartet und als ich es in andern 
Tropfsteinhöhlen in Deutschland und England gefunden hatte. 
Die Temperatur fand ich ziemlich warm und die Luft sehr rein. 
Unsere Lichter brannten hell, und wir spürten durchaus keine 
Hinderung im Athmen. 

Aus Jefferson hall traten wir unsern ziemlich mühsamen Rück- 
weg an, und kamen wieder ans Tageslicht, als dieses schon ziem- 
lich im Abnehmen war. Wir brachten den übrigen Theil des 
Abends, mitunserm freundlichen Wirth am Kaminfeuer zu. Er hatte 
eine Nürnberger Bibel in Folio, vom Jahr 1765, mit den Bildnissen 
mehrerer meiner Vorfahren, des Herzogs Wilhelm IV, des Herzogs 
Bernhard u. a. Es Mar mir interessant, im Innern von Virginia*, 
jenseits der blauen Berge, auf diese Art an meine Familie erinnert 
zu werden. 

Den 25. November brachen wir gegen 9 Uhr auf, und fuhren 
über die blauen Berge nach C/tarlottoville, 32 Meilen weit. Die 
Strafse läuft durch eine ziemlich unangebaute Gegend; wir fanüVn 
kein einziges Dorf; und die Zahl der einzelnen Häuser dürfte ein 
Dutzend kaum überstiegen haben. Nach einer Fahrt von ungeiähr 
5 Meilen erreichten wir den westlichen Fufs der blauen Berge, die 
keinen unangenehmen Anblick gewähren, da sie bis an ihre Gipfel 
mit Holz bewachsen sind. Wir fuhren dann in einem engen Thale 
weiter. Als der Weg anfing bergauf zu gehen , da stiegen wir aus, 
und legten ihn bis an die andere Seite des Gebirges zu Fufse zu- 
rück. Zu meiner Verwunderung fand ich den Weg weniger steil, 
als ich erwartet hatte , und ziemlich gut. Und da er hoch hinauf 
lief, und da der heutige Tag sonnenhell und weniger neblig war, als 



296 

seine Vorgänger, po hatten wir mehrere schone Blicke in das Ge- 
birge. Der Wald bestand aus Eichen, aus verschiedenen Arten 
Nufs- und Kastanien-Bäumen, hin und wieder auch aus colossalen 
Fichten, aus Lerchenbäumen, Weymouthskiefern, und Acacien. 
Immergrüne rhododeiidrom , für welche manche Liebhaber in Eu- 
ropa so schweres Geld ausgeben, wachsen hier in sehr grofser 
Menge; auch wilder Wein, der sich mit starken Stämmen und 
Aesten um die Bäume rankt. Der Blick in das Gebirge hinein 
würde noch viel schöner gewesen sein , wenn man nur Spuren von 
menschlichen Wohnungen wahrgenommen hätte. Aber wir sahen 
nur zwei elende Loghäuser, von schmutzigen und zerlumpten Ne- 
gerfamilien bewohnt , auf dem ganzen 7 bis 8 Meilen langen Weg 
über das Gebirge ; und wir begegneten nur einigen mit Mehlfässern 
beladenen Karren. 

Als wir das Gebirge überschritten hatten, erreichten wir am 
östlichen Fufse desselben einen gut aussehenden Hof mit einer 
Mühle, Browns-farm genannt, >vo wir Mittag machten. Dieses 
Haus liegt sehr hübsch mitten zwischen den dazu gehörigen Fel- 
dern, und von der piazza vor demselben hat man einen sehr schö- 
nen Anblick vom Gebirge. Von hier aus hatten wir noch 20 Meilen 
bis Charlotteville. Der Weg wurde weniger hügelig, wenigstens 
hatten wir keine Gebirge mehr zu überwinden; dennoch blieb er 
sehr holperig, und wir wurden derb zusammengestofsen. Gegen 
8 Uhr Abends erreichten wir Charlotteville , ein dem Anscheine 
nach sehr einzeln gebautes Städtchen, in dessen Nähe eine neu 
angelegte hohe Schule steht: J irginia university. In einem ziem- 
lich miltelmäfsigen Wirthshause nahmen wir unser Quartier. 

Am anderen Morgen gingen wir nach der T irgittia nniversity 
spazieren , die eine Meile von dem Städtchen entfernt ist *). Seit 
dem verflossenen Monat März ist dieses Etablissement erst eröffnet, 
und es soll schon über 130 Studenten zählen. Aber man will auch 
schon einen gewissen Geist der Insubordination bemerkt haben, 
und hat schon einige Studirende , die als Rädelsführer angesehen 
wurden, fortgeschickt. Die Gebäude sind alle ganz neu; und doch 
scheinen einige schon baufällig zu sein; auch dürften es bald noch 
mehrere werden, da Holz das Hauptmaterial zum Bau gewesen ist. 
Das Innere der Bibliothek war noch nicht vollendet; nach der An- 
lage aber mufste es sehr schön werden. Die Kuppel ist nach dem 
Muster des römischen Pantheon gemacht worden, auf die Hälfte 



*) S. den beiliegenden Tlarr. 



/ .\ Hokkungen ,/,-r Professoren Je mit einem 

/i>;v ( (A- Hof n/u/ Oarten . 
SoMt&emächer jedfj für y.u<<t/ Studi 
rendi, Ausgange in ein,- Coloiwa.de , das 
/'.;.•/( platt, y ur Promenade und Commu 
rucatfon zwischen iim Wohnungen 
i/.-r Professoren . 



. / /•'. Hotels i r Gca&tqeber y.iu- ll,<ho,\- lii/miii 

der Stu 'enden . 

I ,7t,'. Seklafge äeher wie m ,/,-// müderen Reihen . 

Pie Rotunda ha •/ l'u.w im üurohnvtisser, unten grosse 

Zimmer zum ■ tt,:rdienst und zu öffentlichen Prüfungen 
oben ein '/.um V als Büchersacd, u/ier demselben ilu- 
Kuppel . 




Der fi-eye PLitz in der Mitte ist -ioo Fuss brehu,his /,-u 



297 

reducirt. Dieser Platz ist zu öffentlichen academischen Handlun- 
gen bestimmt ; man sagte aber , dafs , >venn man laut darin sprä- 
che, sich ein Echo bilde,' welches die Stimme des Redners unver- 
ständlich mache. Unter der Rotunde sind drei elliptische Säle, de- 
ren Bestimmung noch nicht recht festgesetzt Mar. Die Colonnade 
vor diesem Gebäude sollte, wie man sagte, sehr schön werden ; die 
Kapitale der Säulen waren in Italien gemacht worden, und sollten 
schon angekommen sein. Die zehn rechts und links stehenden 
Pavillons sind übrigens durchaus nicht gleich gebaut, sondern je- 
der nach einer andern Weise, so dafs kein enscmblc im Ganzen ist, 
und defswegen keinen schönen und grofsen Anblick gewährt. So 
sind auch die Gartenmauern der Seitengebäude in Schlangen-Li- 
nien gebaut, was sich sonderbar, aber nicht schön ausnimmt. Es 
ist übrigens nach dem Plane von Herrn Jcfferson angelegt, und 
sein Steckenpferd. Er ist Rector dieser Universität, zu welcher 
der Staat Virginien eine bedeutende Summe hergegeben haben soll. 
Wir wandten uns an einen Herrn, den wir zufällig fanden, um uns 
nach Manchem zu erkundigen; und wir hatten alle Ursache, mit 
seiner Höflichkeit zufrieden zu sein. Es war ein Herr Donaldson, 
Professor der Medicin. Er ist ein geborner Engländer, und mit 
noch drei anderen europäischen Professoren voriges Frühjahr aus 
England gekommen. Er zeigte uns die noch sehr schwache Bi- 
bliothek, die provisorisch in einem Hörsaal aufgestellt war. Sie 
enthielt mehrere deutsche belletristische Werke , unter andern eine 
Suite von Kotzebues Almanach dramatischer Spiele. Man sagte, 
dafs eine grofse Quantität Bücher von Europa unterwegs sei. Die 
Universität liegt auf einem ilügel in einer sehr gesunden Lage, und 
man hat von dieser Höhe aus eine schöne Aussicht auf die blauen 
Berge. 

Der vormalige Präsident Herr Jefferson hatte uns zum Fami- 
lien-Diner eingeladen. Da aber in Charlotteville, einem kleinen 
Orte von beiläufig 800 Einwohnern, nur ein einziger Miethwagen ist,' 
und da dieses Unicitm abwesend war, so mufsten wir, um der Ein- 
ladung zu folgen, den Wanderstab ergreifen, und die drei Meilen 
bis Monticello zu Fufse wandeln. Wir gingen einen Fufsweg durch 
gut angebaute und eingezäunte Felder, passirten ein Flüfschen, 
Rivanna, auf einem grob zugehauenen Baumstamme ohne Gelän- 
der, der zum Stege diente; stiegen dann einen ziemlich steilen, 
mit Wald bewachsenen Hügel hinan, und kamen auf dessen Gipfel 
«in Herrn Jcffcrsons Haus. Dieses Haus liegt auf einem freien Platz, 
ist von Backsteinen gebaut, bildet ein auf den kurzen Seiten abge- 



298 

rundete* Oblongum, u na " hat auf jeder der beiden tanken Seiten 
ein Portal ?on 4 Säulen. Das vergebliche Warten auf einen Wa- 
gen und unsere lange Fufspromenade hatten uns so aufgehalten, 
dafs wir die Gesellschaft schon beim Essen antrafen. Herr Jeffer- 
son kam uns aber sehr freundlich entgegen, und nöthigte uns, 
Platz zu nehmen, liefs auch noch einmal für uns auftragen. Er 
war ein 86jähriger Greis, eine hohe Gestalt, von schlichtem Ausse- 
hen, mit langen weifsen Haaren. Im Gespräche war er sehr mun- 
ter, und seine Geisteskräfte, so wie sein Gehör und Gesicht, schie- 
nen mit dem zunehmenden Alter durchaus nicht abgenommen zu 
haben. Ich fand an ihm einen aufserordentlich gut erhaltenen Greis, 
den man, wenn man sein Alter nicht gewulst hätte, für einen 
Mann von etwa (50 Jahren gehalten haben würde. Er fragte mich, 
was ich in \ irginien gesehen hätte. Ich lobte alle Plätze, von de- 
nen ich wufste, dafs sie seinen Beifall hatten. Das schien ihm sehr 
zu gefallen. Die Tischgesellschaft bestand aus der Familie seiner 
Tochter, M 1 '* Raiidolph, und des Professors der Mathematik an 
der Universität, eines gebornen Engländers, und dessen Frau. Ich 
leitete die Conversation auf die Universität, und fand, dafs dieses 
Herrn Jejfersons Lieblingsthema war; er erwartete für diese Uni- 
versität eine sehr glänzende Zukunft, und glaubte, dafs sie und die 
Harvard Unirersitif bei Boston in kurzer Zeit die einzigen sein 
würden, in welchen junge Leute in den V. St. eine wahre classi- 
sche und solide Bildung bekommen könnten. Nach Tische wollten 
wir uns empfehlen, und den Rückweg nach Charlotteriile antre- 
ten; Herr Jcfferson gab dieses aber nicht zu. Wir mufsten unser 
Nachtquartier bei ihm nehmen. Den Abend brachten wir am Ka- 
minfeuer hin. Man sprach viel über Reisen und über naturhistori- 
sche Gegenstände; auch über schöne Künste, von welchen Herr 
Jejferson ein grofser Freund war. Er sprach auch über seine Rei- 
sen in Frankreich und in den Rheingegenden, wo es ihm sehr ge- 
fallen hatte. Welch ein Freund der schönen Natur er war, das be- 
weiset seine Beschreibung von Yirginien. Nur seit 8 Monaten, 
sagte er , könne er nicht mehr reiten ; sonst habe er es täglich ge- 
than , um die schöne umliegende Gegend zu besuchen. Nächstes 
Frühjahr hoffte er aber im Stande zu sein , seine Lieblingsbewe- 
gung wieder vorzunehmen. Zwischen 9 und 10 Uhr Abends trennte 
sich die Gesellschaft, und ich erhielt ein hübsches Zimmer zur 
Wohnung. 

Am folgenden Tage ging ich früh um das Haus herum , und 
bewunderte das herrliche Panorama, das man von hier aus erblickt. 



299 

Links sieht man die blauen Berge und die niedrigem Hügel zwi- 
schen diesen und Monticello. Charlotterille und die Universität 
jenseits des Städtchens lagen zu meinen Füfsen; vor mir das Thal, 
durch welches der Ricanna-Fluk fliefst, der sich später mit dem 
James river vereinigt, und rechts sah ich den ebenen Theil von 
Virginien , der sich in eine unabsehbare Weite ausdehnt. Nur hin- 
ter meinem Standpuncte war ein dominirender Hügel , der die Aus- 
sicht beschränkte. Das Innere des Hauses war einfach und etwas 
altmodisch meublirt. Im Eingange stand ein marmorner Ofen mit 
Herrn Jeffersons Büste, von Cerachi. In den Zimmern hingen 
mehrere Gemälde , Copien nach berühmten Gemälden aus der ita- 
lienischen Schule, Ansichten von Monticello, Mount-Vernon, von 
den vorzüglichsten Gebäuden in Washington, von Harpersferry, 
von der Natural bridge (von dieser ein Oelgemälde und ein Ku- 
pferstich), van der Lyns Ansichten vom Niagara :, TrumbulVs Skizze 
seines grofsen Gemäldes, die Uebergabe von York vorstellend, und 
eine Handzeichnung, Hectors Abschied von Benjamin West, wel- 
che West dem General Kosciusko geschenkt hatte; endlich mehrere 
Portraits des Herrn Jefferson, wovon eine Profilzeichnung von 
Stuart das beste war. Im Saale standen auch zwei Büsten Napo- 
leon's als ersten Consuls und des Kaisers Alexander. Herr Jeffer- 
son bewunderte Napolcon's militairische Talente, liebte ihn aber 
nicht. Nach dem Frühstücke, das wir mit der Familie einnahmen, 
empfahlen wir uns dem ehrwürdigen Greis, und traten unsern 
Rückweg nach Charlotterille zuFufse wieder an. Zwar wollte Herr 
Jefferson uns seinen Wagen geben.; ich lehnte es aber ab, und zog 
an dem schönen und kühlen Morgen das Gehen vor. 

Nach Mittage verliefsen wir Charlotterille in einer ziemlich gu- 
ten Stage, um nach Richmond zu fahren, der Hauptstadt von Vir- 
ginien, 80 Meilen weit. Nur ein Student fuhr mit uns, und so sa- 
fsen wir recht bequem. Aber die Stage ging nur 10 Meilen weit 
bis sd einem einzelnen, im Walde liegenden schmalen und kleinen- 
Wirthshause bei M™ Boyd. Wir fuhren nicht weit von Monticello 
vorbei, passirten die Riranna in einer ziemlich tiefen Furt, und 
blieben mehrere Meilen lang an der linken Seite derselben. Die 
Ufer waren ziemlich hoch, und hier und dort felsig. Der Weg lief 
übrigens gröfstes Theiles durch Wald, war ziemlich hügelig und 
holperig. Theilweise war es sogenannter causeway, zu deutsch: 
Knüppeldamm« 

Den 28. November brachen wir früh halb 3 Uhr bei einer 
mondhellen, aber sehr kalten Nacht wieder auf, und fuhren 70 



300 

Meilen weit bis Richmond. Die Stagc war besser; auch wurde der 
Weg, obgleich die Gegend noch ziemlich hügelig, und an knüp- 
pehümmen kein Mangel war, besser. Meistens Wald; die Gegend 
ohne grofses Interesse. Nur als wir uns dem ziemlich breiten Ja- 
7Hi:s rirer näherten, an dessen Ufer wir einige Meilen weit hinfuh- 
ren, wurde die Gegend schöner ; ich würde sie, wäre sie besser 
bewohnt gewesen , mit den Eibgegenden oberhalb Dresden ver- 
glichen haben. Der Grund war Anfangs lehmig, zuletzt sandig. 
Die Pferde wechselten Mir an einzeln liegenden Wirthshäusern. 
Gordonsville und Goochland waren die einzigen Dörfer, durch die 
wir kamen; und auch in ihnen standen die Häuser sehr zerstreut, 
und waren fast alle von Holz. Wir fuhren am linken Ufer des Ja- 
mes river, und kamen an einem schiffbaren Canale vorbei, der ge- 
gen 80 Meilen oberhalb Richmond ins Land gehen soll, und mit 
vieler Sorgfalt gebaut zu sein schien; die hölzernen Brücken wa- 
ren wenigstens sauber und tüchtig gemacht, und ein Aqueduct von 
2 Bogen , der den Canal über einen Bach mit hohen Ufern hinweg 
trägt, gut gemauert. Gegen 8 Uhr Abends erreichten wir Rich- 
mond, eine Stadt von 17,000 Einwohnern beiderlei Farben. Nach 
den Häusern zu urtheilen, mufs Richmond ein wohlhabender Platz 
sein. Wir nahmen unser Quartier im Union hotel, einem grofsen 
und recht gut eingerichteten Wirthshause. Mir that es ordentlich 
wohl, mich wieder einmal in einer ansehnlicheren Stadt zu befin- 
den, da ich dieses Anblicks fast entwöhnt war. 

Den 29. November konnten wir nicht abreisen, weil weder ein 
Steam boat, noch eine Stagc in der Richtung ging, die wir nehmen 
wollten. Meine Absicht war nämlich, nach Yor/rfotcn zu gehen, 
dort die Ueberbleibsel der englischen Pestungswerke aus dem Re- 
volutionskriege zu sehen; hierauf nach der Festung Monroe bei 
Old Point Comfort, und weiter nach Norfolk zu reisen, dort den 
Navy yard zu besehen und dann nach dem Süden zu eilen , um die 
Zeit nachzuholen, die ich in Virginien zugesetzt hatte. Ich machte 
einen Spaziergang durch die Stadt, um mich umzusehen; denn 
grofse Merkw ürdigkeiten giebt es nicht. Die Stadt liegt auf dem 
linken Ufer von James river und besteht aus zwei mit dem Flusse 
parallel laufenden Strafsen mit mehreren unbedeutenden Zwischen- 
gassen. Die Hauptstrafse, die dem Flufs am nächsten liegt, ist 
ausgebaut; die andere enthält noch nicht viele Häuser; jene ist 
wohl eine Meile lang, gepflastert und mit Trottoirs von Backsteinen 
versehen. Da man hier wieder Steinkohlen brennt — im westlichen 
Theile von Virginien brennt man nur Holz — so sieht die Stadt 



^ 301 

ziemlich schwarz aus. Die Mohren scheinen der ansehnlichste Theil 
der hiesigen Bevölkerung zu sein. Der James rirer ist von hier 
aus erst schiffbar; oberhalb der Stadt wird die Schiffahrt vermittelst 
des oben erwähnten Canals besorgt, der sich hiermit dem Flusse 
vereinigt, nachdem er durch ein grofses und langes Bassin gegan 
gen ist , an dessen Quais man noch arbeitete. In der Stadt steigt 
er eine ansehnliche Anhöhe durch 8 Schleusen herab. Die Wände 
des Canals zwischen den Schleusen sind nur von Holz. Beim An- 
fange dieser Schleusen ist auf der Anhöhe ein ziemlich grofses Bas- 
sin, das für die Canalböte, die aus dem obern Lande kommend, 
nach Richmond bestimmt sind, als Hafen dient. In der Nähe dieses 
Bassins sah ich eine Schlucht, voll von breternen Hütten, die von 
Negern bewohnt waren , und ein wahres Bild menschliches Elends 
darboten. Diese Vertiefung ist trichterförmig; bei sehr resrninrtem 
Wetter müssen die armen Menschen wahrscheinlich sehr viel von 
Nässe ausstehen. Unterhalb der Schleusen passirt man den James 
rirer auf einer hölzernen Bockbrücke. Von dieser jrelanct man 
auf einer Seitenbrücke nach einer, mitten im Flusse gelegenen, 
kleinen Insel, auf welcher ein öffentlicher Garten ist. Oberhalb 
dieser Insel läuft eine Felsenbank quer, durch den Flufs, und 
verursacht einen kleinen Wasserfall. Weiter hinauf sollen noch 
mehrere Wasserfälle in dem Flusse sein. 

Auf einer die Stadt ziemlich beherrschenden Anhöhe steht das 
Staatenhaus, Capitol genannt, von einem neu angelegten Garten 
umgeben. Es erinnert an die maison quarre e zu JSistnes in Frank- 
reich. An der einen schmalen Seite des länglichen Viereckes steht 
ein Porticus von 8 ionischen Säulen. Diese Säulen sind jedoch 
nur von Holz, und haben, in der Nähe betrachtet, ein ziemlich 
verfallenes Ansehen. Das Gebäude hat 2 Eingänge an den beiden 
langen Seiten mit Perrons. In der Halle, in der Mitte des Hauses, 
steht eine marmorne lebensgrofse Statue des Präsidenten Washing- 
ton , etwas geschmacklos. Sie stellt den grofsen Mann vor in Uni- 
form, die rechte Hand auf einen Stock gestützt; der linke Arm 
ruht auf Fasces, an welchen ein Schwert hängt, und ein Pflug 
lehnt. In einem der Seitenzimmer hielt die Court of the United 
States gerade eine Sitzung , um einen Kauffahrteischiffs - Capitain, 
einen Franzosen von Geburt, zu richten. Der Mann hatte zwei 
Male sein Schiff versenkt, um sich die > ersicherungsprämie aus- 
zahlen zu lassen. Bei einer dieser Versenkungen hatte ein Frauen- 
zimmer, das sich am Bord befand, ihr Leben eingebüfst, und 
defswegen stand der Capitain unter der Anklage eines Mordes. 



302 

Ich bedauerte, die Debatten und die Reden der Advocaten nicht 
recht verstehen zu können, da ich hörte, dafs der Beschuldigte die 
besten hiesigen Advocaten zu \ ertheidigern angenommen hätte. 
Die Entscheidung erfolgte nicht. — Hinter dem Capitol befindet 
sich das Rathhaus, ein massives Gebäude mit einem Porticus von 
4 dorischen steinernen Säulen, in dessen Innern ich übrigens weiter 
nichts Merkwürdiges bemerkte. Bei mehreren der hiesigen Buch- 
händler sah ich mich vergeblich nach einem Plane der Stadt und 
Gegend um, so wie nach einer Beschreibung des Canals. 

Den 30. November wollten wir früh 3 Uhr Ricltmond verlassen 
und unsere projeetirte Tour antreten. Als aber die eigentliche 
Stagc repartirt wurde, da wollte man uns in einen kleinen 2spänni- 
gen Wagen setzen, in welchem es unmöglich war, ineine Bagage 
unterzubringen. Da ich mich nicht von dieser Bagage trennen 
wollte, so gab ich die Tour, so wie ich sie beschlossen hatte, auf, 
und verliefs Richmond früh um 8 Uhr am Bord des Dampfschiffes 
Ricltmond, um den James river hinab bis Norfolk zu fahren. In 
der Zwischenzeit sah ich auf eine eigene Weise, wie die Neger 
behandelt werden. Ich >vollte die Mufse zum Schreiben benutzen, 
und fand, als ich in die Stube trat, mehrere Sclaven in eine wollene 
Decke gehüllt auf dem Fufsboden am Kaminfeuer liegen und 
schlafen. Auf meine Erkundigung hörte ich, dafs Sclaven nie ein 
anderes Bett bekämen! 

Wir hatten 122 Meilen bis Norfolk und erreichten diese Stadt 
Abends zwischen 9 und 10 Uhr. Den ganzen Tag über hatten wir 
trübes Wetter; an den Ufern des James river, der viele Windungen 
machte und nach und nach breiter winde, war nicht viel zu sehen; 
die Reisegesellschaft war nicht zahlreich und bestand nicht aus 
coinmunicativen Personen. Ich konnte mit keinem einzigen ein 
Wort wechseln. Zum Schreiben war auch keine Gelegenheit, da 
die Dampfmaschine dem Schilfe eine solche erschütternde Bewe- 
gung mittheilte, dafs ich kaum die Feder zu halten vermochte; 
defshalb konnte ich mich nur mit Lesen beschäftigen. Gegen Abend 
sahen wir auf dem linken Ufer ein grofses steinernes Haus stehen, 
welches das einzige Ueberbleibsel der ehemaligen Stadt Jamestowit, 
des ersten englischen Etablissements in / irginien ist. Man erzählt 
folgende fast romanhaft klingende Geschichte. Eine indianische 
Prinzessin Pöcahonlas , die Tochter eines mächtigen indischen Chefs 
an den Ufern dieses Flusses, des Königs Poivltattan, hatte sich 
in den englischen Cap. Smith verliebt, der die erste Niederlassung 
mJamcstown befehligte. In einer stürmischen Nacht schwamm diese 



303 

Prinzessin über den Flufs, um ihren Geliebten zu warnen, -weil ihr 
Vater und die vorzüglichsten indischen Häupter sich gegen sein 
und seiner Gefühlten Leben verschworen hatten. So rettete sie 
die junge Colonie, und rettete dieselbe noch zwei Mal auf dieselbe 
Weise. Dennoch fiel ihr Geliebter endlich in einen indischen Hin- 
terhalt, und sollte geopfert werden von den Indianern. Da legte 
sie ihren Kopf neben den seinigen auf den Block und rettete ihm 
dadurch abermals das Leben. Diese Scene stellt eins der Basreliefs 
der grofsen Rotunde im Capitol zu Washington vor. Capitain 
Smillt war verheirathet und konnte defshalb seine Erretterin , als 
er nach England zurückkehrte, nicht mit sich nehmen. Er liefs 
ihr daher den Glauben beibringen, dafs er gestorben sei, und 
schiffte sich im Geheimen ein. Pocahontas heirathete alsdann später 
den auf Smith im Commando der Colonie folgenden Ofticier Ralph 
und begleitete ihn nach England. Nun begegnete sie hier einst 
zufälligerweise dem von ihr todt geglaubten Smith in der Strafse. 
Da verfiel sie in eine solche Schwermuth, dafs sie England ver- 
liefs, um nach Amerika zurück zu kehren ', starb aber auf der Rück- 
reise vor Kummer *). 

Bei sehr trübem Wetter landeten wir in Norfolk, einer Stadt 
von 10,000 Einwohnern, und nahmen unser Quartier in Carrs liötel y 
einem ziemlich mittelmäfsigen Wirthshaus. Ich machte die Be- 
kanntschaft des hiesigen französischen Consuls, Herrn Merjau, 
eines sehr feinen und angenehmen Mannes. In Gesellschaft dessel- 
ben fuhr ich den folgenden Tag nach der Festung Monroe, die 
14 Meilen von Norfolk entfernt ist. Wir schifften uns auf dem 
nach Baltimore abgehenden Dampfschiff ein. Es traf sich sehr 
glücklich, dafs dieses Schiff, nebst dem Dampfschiffe Richmond, 
bestimmt war, die Fregatte Constellalion, die wegen schwachen 
Windes nicht auslaufen konnte, bis in die Rhede, Hampton roads, 
zu ziehen. Diese Rhede soll zum Haupt-Sammelplatz der ameri- 
kanischen Marine gemacht werden, und bietet eine sehr gute Stel- 



*) Sir Unterliefe einen einzigen, mit Ralph <rezeuplen Sohn, der sieh in 
Amerika etablirte und zwei Töchter hinterließ. Von diesen beiden 
stammen die Familien Randolph und llobison ab, und durch diese die 
Familie (luibornv ; folglich sind Wrs Grymcs beide älteste Kinder, 
(hartes und Sophronic , Nachkommen dieser nnjrlücklirhen Füi>tiii. In 
den Familien Randolph und Robison — von welcher letzleren ieh ein 
Mitglied als ehemaligen Gouverneur von Louisiana in tfew-QHeaa» ken- 
nen lernte — ward der älteste Sühn Powhultan , uud die älteste Tochter 
Voccahontus getauft. 



304 

Iun«r dar. Von liier aus ist man Meister der ganzen Chesapeak-bay, 
die durch einen grofsen Binnen-Canal mit dem Delaware, und 
fdtßfich mit Philadelphia in Verbindung gebracht werden soll, so 
dafsman vermittelst dieser Binnenfahrt die daselbst gebauten Kriegs- 
schi (le nach den Hamptonroads bringen kann, um sie daselbst zu 
armiren. Auf einer in die Rhede auslaufenden Landspitze, (Hd 
Point Comford genannt, wo ein Leuchtthurm steht, hat man eine 
Hauptfestung, Monroe, angelegt, und vor ihr, auf einer Sand- 
bank, Riprap, baut man ein kleines casematirtes Fort, Calhoun, 
das die Rhede, oder vielmehr die Passage, noch mehr in der Nähe 
veitheidiscen soll. Damit diese Position nicht in ihrer rechten Flanke 
durch eine gelandete Armee umgangen werden könne, will man 
alle trocknen Puncte, die zwischen den, Norfolk umgebenden, 
impracticablen Morästen liegen , befestigen , und weiter rückwärts 
in der Bai ein grofses Central-Arsenal anlegen mit dry docks, um 
nach einer Seeschlacht die ganze Flotte aufnehmen und ausbessern 
zu können. Die Fregatte Constellation , von Capt. Woolsey com- 
mandirt, war zur Station in West-Indien, die Seeräuberstation ge- 
nannt, weil die Suppression dieses Gesindels ihr Hauptzweck ist. 
Sie ist eine der ältesten Fregatten, und diente schon im letzten 
Kriege , war aber in Hamptonroads blokirt und auf diese Weise zu 
keinem Gefechte gekommen. Sie ist ein sogenannter 36er, führt 
aber 48 Stück 32Pfünder und eben so schwere Caronaden. Die 
Kanonen sind fast alle Englische, von der eroberten Fregatte 
Macedonien. 

Nachdem unser Dampfschiff an einer kleinen befestigten Insel, 
Crany Island, und an einem Fort rechts, welche jedoch beide seit 
der Erbauung der Festung Monroe unnöthig geworden sind, und 
abo-etrao-en werden sollten, vorbeigefahren war, traf es die Con- 
stellalion, legte sich links neben sie, und befestigte sich durch 
Taue. Das Dampfschiff Richmond that rechts dasselbe. Da Capt. 
Woolsey hörte, dafs ich mich auf einem dieser Schiffe befände, 
hatte er die Güte, herabzukommen, und mich zu sich einzuladen. 
Capt. Woolsey hatte seine Wohnung in der Batterie, einer sehr 
guten Vorcajüte, in der 4 Stücke stehen: die hintere Cajüte war 
in ein Empfangzimmer und zwei Cabinets eingetheilt und geschmack- 
voll eingerichtet Die Officiere wohnten unten , wie in einem Linien- 
schiff. Ich freute mich sehr über die äufserst grofse Reinlichkeit 
und die Stille, die überall herrschte. Sogar bei der Schildwache 
an des Capitains Thüre stand ein Spucknapf, und alles, was Eisen und 
Kupfer, war spiegelblank geputzt. Statt des auf unseren Schiffen 



305 

üblichen und oft sehr unsichern Stundenglases ist bei der Schild- 
wache ein Chronometer, nach welchem sie sieht, um die Stun- 
den abzurufen. Wir kamen gerade an Bord , als der letzte Anker 
gelichtet wurde, und fuhren, von beiden Dampfschiffen gezogen, 
bis wir uns der Festung Monroe gegenüber befanden. Hier wurden, 
des schwachen Windes wegen, die Anker ausgeworfen und die 
Dampfschiffe setzten ihren Weg fort. 

Capt. Woolseij liefs uns durch eine Schaluppe, von einem Mid- 
shipman commandirt und mit 12 Ruderern besetzt, nach der 
Festung bringen. Eine Wache von 30 Mariniers, von einem 
Lieutenant commandirt , stand unter Gewehr und machte die Hon- 
neurs, während die Fregatte mich mit 17 Schüssen salutirte. Ans 
Land gestiegen, traten wir in einem recht guten Wirthshaus ab, 
wo wir zwei Majors von der Artillerie trafen. Nach Tische besahen 
wir die Festung, zu welcher der General Bernard den Plan ge- 
macht hat, welche aber freilich noch weit >on ihrer \ollendung 
entfernt war. Die Festung besteht aus einem bastionirten Sieben- 
ecke, wovon nur eine einzige Front von der Landseite her attaquirt 
werden kann. Die nach der Seeseite zu gerichteten sind durch- 
gängig casematirt , und jedes Stück feuert aus einem besonderen 
Gewölbe. An der gefährlichsten Seite, wo die feindlichen Schiffe 
sich nahe an das Land lejren können, kommt auf die Contre-Escar- 
pe eine casematirte Küstenbatterie zu stehen , unterstützt vom Feuer 
der schweren Stücke auf dem Walle. Diese Batterie auf der Con- 
tre-Escarpe, die einstweilen von Holz als Blockhaus gebaut war, 
diente der Garnison als Caserne. Das Revctement ist durchgängig 
von Granit gebaut, der in der Gegend von Washington gebrochen 
wird. Die Gewölbe sind von Backsteinen. Das Gouvernement 
läfst nicht in Entreprise bauen, sondern was die Franzosen an 
metre cube nennen. Dadurch bekommt es gute Arbeit. Nur das 
Mauerwerk wird von bezahlten Arbeitern — meistens von Schwar- 
zen — aufgeführt, die anderen Arbeiten besorgen militairischti 
Gefangene, die von den Kriegsgerichten zu öffentlichen Arbeiten 
▼erurtheih worden sind. Die Besatzung besteht aus 11 Artillerie- 
Compagnien, die unter Commando des Obersten Fcmvick und des 
Oberst-Lieutenants Eusiis ein provisorisches Regiment formiren. 
Brsteren hatte ich in Washington beim Gcw.Broum kennen gelernt, 
wo er sich noch aufhält. An letzteren war ich durch Oberst-Lieu- 
tenant Bankhcard in IS ew -York empfohlen. Er lud mich ein, bis 
morgen hier zu bleiben, um mir sein Regiment zeigen zu können; 
ich mufste jedoch, um keine Zeit zu verlieren, die Einladung ablehnen. 
1. U 



306 

Dm nacl) Norfolk zurück zu kommen, benutzten wir die Gele- 
genheit des von Washington nach Norfolk fahrenden Dampfschiffes 
Potowmac. Die Artillerie-Officierc gaben uns ein Boot mit Kano- 
nieren bemannt, die in allen Seeplätzen als Ruderer exercirt sind, 
welches uns nach dem vorbeifahrenden Dampfschiffe brachte, 
(«legen 9 Uhr Abends landeten Mir in Norfolk. Den ganzen Tag 
über hatten wir widerwärtiges regnichtes Wetter gehabt. Ich 
hatte die Absicht, noch einen Tag zu bleiben, um den, eine Meile 
von Norfolk in Gosport gelegenen Nary yard zu besehen; Herr 
Meyau wollte mich dahin begleiten. Der Gastvvirth hatte , um aus 
meiner Anwesenheit so viel Nutzen als möglich zu ziehen, in den 
Zeitungen bekannt gemacht, dafs er heute ein Diner geben würde, 
bei welchem Schildkrötensuppe, Wildpret und wilde Enten erschei- 
nen würden. Es war aber im Buche des Schicksals beschlossen, 
dafs ich Nichts von allen diesen Herrlichkeiten geniefsen sollte. 
Auf meine Erkundigung erfuhr ich nämlich zu meinem Schrecken, 
dafs die Mail stage, die einzige ordentliche Communication nach 
dem Süden, und namentlich nach der Stadt Fayetteville, nur 
Dienstags und Freitags abginge, und dafs wir mithin, wenn wir 
nicht in einer halben Stunde Norfolk verliefsen, bis zum nächsten 
Dienstage warten müfsten. Da dieses durchaus nicht zu meinem 
Reiseplane pafste, und ich auch keinen Miethwagen nach Fayette- 
ville bekommen konnte, so liefs ich über Hals und Kopf meine 
Effecten einpacken, nahm von dem freundlichen Herrn Meyau 
Abschied und verliefs um halb 11 Uhr Vormittags mit der Mail- 
stage, die mit dem Dampfschiffe von Baltimore communicirt, 
Norfolk. 

Wir gingen 68 Meilen weit bis Mnrfrecshorough , welches wir 
gegen 11 Uhr Abends erreichten. Wir passirten zuerst zwei See- 
arme auf sehr langen hölzernen Brücken , kamen dann durch Ports- 
mouth, einem kleinen Ort, am Nary yard vorbei, wo ich das 
Linienschiff Delaware und die den Engländern abgenommene Fre- 
gatte Macedonian, beide in ordinär y erblickte, aber keine Zeil 
hatte, dieses gewifs sehr interessante Etablissement zu besehen. 
Kaum hatten wir diesen Platz verlassen, als wir in einen Wald 
kamen , in welchem wir den ganzen Tag über blieben. Die Gegend, 
durch welche wir fuhren, ist ein grofser Morast, und heifst der 
Dismal Swa?np, durch den ein sandiger Weg führt. Der Wald ist 
sehr dicht, besteht aus Eichen, unter welchen ich die Ufe oak *) 



') Immergrüns EidiP. 



307 

bemerkte, aus Cypressen, Cedern, Kiefern, und, an den morastig- 
sten Stellen, aus mehreren immergrünen Bäumen und Sträuchen, 
aus sogenanntem portugiesischen Lorbeer und hohen Stecheichen ; 
hie und da fanden wir auch Magnolien , und grofse Schlingpflanzen 
an den Bäumen, meistens wilden Wein. Diese Mannichfaltigkeit 
der \ egetation mufs sich im Sommer sehr schön ausnehmen. Ich 
hörte indefs, dafs man alsdann auch sehr von Fliegen und Moskiteu 
heimgesucht werde ; auch soll es alsdann viele Schlangen geben. 
Man sagte, dieser Morast sei stark mit Bären bevölkert, die jedoch 
nie einen Menschen angriffen. In Sujfolk, 28 Meilen von Norfolk, 
einem kleinen aus hölzernen Häusern bestehenden Orte, mitten im 
Walde gelegen, machten wir Mittag. Das Weizenbrod nahm all- 
mählig ab ; an dessen Stelle bekam man eine Art von Kuchen , aus 
Mais gebacken. Jenseits Suffolk kamen wir an einem mit Baum- 
wolle bewachsenen Felde vorbei, dem ersten, das ich sah. Nach- 
dem die Nacht eingebrochen war, passirten wir die Grenze, ver- 
liefsen den Staat J irginien, und kamen in den Staat Nord- Carolina. 
Ueber die beiden Flüsse Nolloway und Meherrin fuhren wir auf 
ziemlich engen und schlechten Fähren, was bei der dunkeln Nacht 
sehr gefährlich war. Die Lichter und Lampen schienen hier selten, 
zu werden; denn die Beleuchtung der wenigen Häuser, an denen 
wir vorbeikamen, bestand meistens nur aus Kienspänen. Wir nah- 
men mehrere mit uns, um sehen zu können. Bei der (instern reg- 
nichten Nacht war diese Reise sehr widerw artig. In Murfreesborough 
stiegen wir in einer mittelmäfsigen Herberge ab, wo ich mich, da 
ich sehr ermüdet war, augenblicklich niederlegte, um einer kurzen 
Ruhe zu geniefsen. 

Den 3. December brachen wir früh um 2 Uhr bei einem ab- 
scheulichen Regenwetter auf, das den ganzen Tag fast ohne Unter- 
brechung fortdauerte, und fuhren bis nach einem einzeln liegenden 
Wirthshaus, Emerson's tavem genannt, 75 Meilen weit. Die 
Gegend blieb, wie sie am vorigen Tage gewesen war, dicht mit 
Holz bewachsen, das, zumal in den häufigen morastigen Stellen, 
den Augen eine sehr schöne Mannichfaltigkeit durch die immer- 
grünen Bäume und Sträuche darbot. An manchen Stellen landen 
wir die Gegend etwas angebaut. Dieses war der Fall bei den 
Plantagen , wo Mais und Baumwolle erzeugt werden. Eine solche 
Plantage besteht nur aus hölzernen Gebäuden; in der Mitte das 
Haus des Herrn mit einer piazza, rechts und links die Loghäuser 
der Negersclaven, so wie Schoppen für den Mais und die Baum- 
wolle. Die Pferde stehen in sehr luftigen hölzernen Ställen ; die 

U 2 



308 

Kühe und Schweine bleiben den ganzen Winter über unter freiem 
Bimmel in Platxen, die mit worin juncea eingezäunt sind. Nur das 
/im Mas1 bestimmte Vieh kommt in Ställe. In mehreren Plantagen 
iahen wir sogenannte collongins oder Baumwollenmühlen, in »el- 
< hon durch eine cylindrische Hechel der Same aus der Baum- 
wolle herausgebracht wird. Diese Mühlen werden entweder durch 
Wasser oder durch Pferde in Bewegung gesetzt. Die von ihrem 
Samen getrennte Baumwolle wird in einen grofsen Kasten ge- 
schüttet, geprefst und gepackt. In diesen Kasten hat man den 
Sack gebracht, der die Baumwolle, wenn sie gepackt ist, enthalten 
soll ; man schüttet sie in diesen hinein. Der Deckel des Kastens ist 
beweglich, und wird mit einer Schraube, die durch 2 Pferde in 
Bewegung gesetzt wird, auf die Baumwolle gedrückt. Alsdann 
wird der Deckel hinweggenommen, die Leinwand, die den Sack 
bildet, zusammengeschlagen, und endlich werden Stricke um den 
Ballen gelegt, der im Durchschnitt 300 Pfund wiegt. Diese Arbeit 
ist sehr mühsam, und man kann in einem Tage nur 2 Ballen ma- 
chen. Wenn man statt dieser unförmlichen Maschine Brahmah's 
fVaierprefs einführte, so würde man sicherlich viele Zeit, Kosten 
und Kräfte sparen. Die zum Packen der Baumwolle bestimmte 
grobe Leinwand wird in England gewebt. 

W ir passirten den Roonoke-F\uCs auf einer ziemlich schlechten 
Fähre. Die Ufer dieses Flusses sind wirklich malerisch, und erin- 
nerten mit den vielen südlichen Gewächsen an einen Park. In dem 
Städtchen Tarborough am Flufs Tar gelegen, machten wir in ei- 
nem recht guten Wirthshause Mittag. Wir hatten vorher diesen 
Flufs in einer Fähre passht und uns seiner schönen Ufer erfreut. 
Unser Nachtquartier, das wir nach 8 Uhr Abends erreichten, war 
eine einzeln liegende Plantage; das Haus ganz von Holz, nur mit 
einem Kamine von Backsteinen. Es war ziemlich durchsichtig; 
man wies uns^die Bodenkammer zur Schlafstelle an, und durch die 
Spalten des Bodens konnten wir in die untere Stube sehen. Wenn 
Feuer in einem solchen Hause auskommt, so ist es nicht zu retten. 
Wir waren Vormittags an den rauchenden Trümmern eines Schul 
gebäudes vorbei gekommen, jlas in einer Stunde niedergebrannt 
war: nur das backsteinerne Kamin war stehen geblieben. Die 
Lo«rhäuser der Negersclaven sind besonders transparent, und ge- 
währen Mährend der Nacht, mit einem Kienspahn erleuchtet, dem 
Vorbei o-ehenden einen sonderbaren Anblick. Der Weg war durch- 
gängig sandig gewesen; an den häufigen morastigen Stellen jedoch 
dusch einen causeway unterbrochen, der uns in unsrer Mailstage 



309 

garstig zusammen gestofsen hatte. Das Städtchen Tarboroagh, 
Wo wir Mittag gemacht hatten , soll gegen 800 Einwohner haben, 
ist regelmäfsig gebaut, mit breiten Strafsen, enthält aber nur 
hölzerne Häuser. Backsteinernc sah ich nur zwei. Hätte es meh 
rere gegeben, so würde ich diesen freundlichen Ort mit einem 
holländischen Dorfe verglichen haben. 

Den folgenden Morgen verlicfsen wir unser luftiges Nacht- 
quartier früh um 3 Uhr, und fuhren bis Faifctlcrille, 86 Meilen 
weit. Den ganzen Tag über kamen wir durch dichten "Wald, und 
trafen kein einziges Dorf; nur einzelne Plantagen , mit Mais und 
Baumwollcnfcldern umj>eben. Von Vögeln hatten wir seit mehreren 
Tagen verschiedene für mich neue Arten gesehen; besonders viele 
grofse Falken, Buzzard's genannt; sie zu schießen ist verboten, 
da sie sich von Aas nähren und so zur Gesundheit der (iegend das 
Ihrige beitragen. Diei\ r ef/se, einen ziemlich breiten Flufs, passir- 
ten wir in einer schmalen und schlechten Fähre. An den Ufern 
dieses Flusses viele immergrüne Bäume und Sträucher. Die Eichen 
sind hier zwar nicht sehr hoch, aber sehr mannichfaltig : man 
zählt 37 verschiedene Arten. Kastanien und Nufsbäume weniger; 
wir erfuhren, diese wären nur in gebirgigen Gegenden. Nicht 
weit vor Fayetterille, welche Stadt wir gegen 9 Uhr Abends er- 
reichten, kamen wir über die Cape fear river auf einer langen be- 
deckten Brücke, aus einem gegatterten Hängewerk bestehend, 
wovon ich im Patent ojjfi.ee in Hashington ein sehr gutes Modell 
gesehen hatte. Ich hatte die Absieht gehabt, hier in Faycttcvillc, 
welches ein blühender Ort von circa 4000 Einwohnern sein soll, 
einen Tajr zu bleiben, da ich von der höchst uno-emächlichen Reise, 
sehr ermüdet war und mich auch umsehen wollte. Ich hörte jedoch, 
dafs unter 3 Tagen keine Gelegenheit nach Charleston ginge, wo- 
hin ich zu gehen wünschte. Wenn ich also nicht die am folgenden 
Tag in aller Frühe abgehende Mailstagc benutzte, so mufsten 
wir 2 Tage liegen bleiben. Also entschlofs ich mich, am nächsten 
Morgen die Reise fortzusetzen. Nun entstand aber eine neue 
Seins ierigkeit: die direct nach Chart eston gehende Mailstage ist 
nur zweispännig im d konnte meine Bagage nicht mitnehmen , wah- 
rend über Columbia in Soul h- Carolina eine vierspännige Mail ge- 
het. Obgleich ich hierdurch auf den beiden Cathelcn fuhr, wäli 
rend die zweispännige auf der Hypothenuse biieb, so entschlofs ich 
mich doch für die erste. 

Den 5. December brachen wir also früh 3 Uhr von Faifctferifle 
Inf, und fuhren bis Clteraic im Staate Soulh-Carolina, 57 Meilen. 



310 

Gegen 7 Uhr Abends erreichten wir diesen Ort. An einem neuen 
Reisegefährten, den vrir in Fayetteville bekommen hatten, Herrn 
Davis aus Columbia, lernte ich einen jungen, sehr unterrichteten 
Mann kennen. Das Wetter war ziemlich kalt, aber es regnete 
nicht. Abermals durch Wälder, auf einem sehr sandigen Wege. 
V ir sahen nicht viel Interessantes , ausgenommen die Vegetation. 
Jemehr wir südlich gingen: neue Ptlan/en, 2. B. Jasmine, und 
ein mir bis jetzt unbekannter Baum , Pride of China (Melia aze 
daracJt) genannt, der vorzüglich in der Nähe von Häusern steht; 
auch Gummibäume. Wir kamen über mehrere Flüsse; die vor- 
züglichsten waren der kleine und grofse Pedee dicht vor Cheraw. 
In diesem Orte traf ich zusammen mit den Commodores Bainbridge 
und Warrington und Capt. Biddle. Diese Herren waren in Pen- 
sacola als Commissäre des Gouvernements gewesen , um dort das 
Local für ein Marine-Etablissement im Mexicanischen Meerbusen, 
der für die V. St. täglich an Wichtigkeit zunimmt, zu bestimmen. 
Sie Maren zur See von Pensacola bis Sarannali gefahren, von wo 
sie zu Lande nach Washington zurückgingen. Commodore War- 
rington wird jedoch nach dem Mexicanischen Meerbusen zurück- 
kehren , wo er die Station commandirt. Ich erfreute mich sehr an 
ihrer Bekanntschaft und brachte den Abend mit ihnen zu. 

Den 6. December verliefsen wir Cheraw um 3 Uhr, und gingen 
bis damden, 68 Meilen. Wir fuhren fortwährend durch dichten 
Wald. Während der Nacht hatte es tüchtig gefroren, und früh 
war es noch sehr kalt; als jedoch die Sonne heraufkam, da wurde 
es wärmer, und wir bekamen einen äufs.erst schönen Tag, wie 
5m Frühling. An der zunehmenden Bläue des Himmels sahen wir, 
dafs wir uns bedeutend dem Süden näherten. Von Pflanzen be- 
merkten wir nichts Neues, als immer gröfser werdende Magnolien 
verschiedener Art. An unseren Mahlzeiten zeigte sich, dafs wir 
uns in einer Gegend befanden , in welcher Reifs gebaut wird. Die 
vorzüglichsten Flüsse waren der Black creek und zwei Zweige 
vom Lynch's creek. Die Gegend an diesen Flüssen hinsichtlich 
der schönen immergrünen Vegetation , gefiel mir ungemein wohl. 
Der Weg war sandig und die Reise ging langsam von Statten. 
Das Frühstück und Mittagessen nahmen wir in einzelnen Breter- 
häusern ein, die aufbacksteinernen Pfeilern stehen, so dafs die 
Luft darunter wegziehen kann , und die so dünn und luftig gebauet 
sind, dafs das Tageslicht überall durchscheint. In den „Fenster" 
genannten Oeffnungen befinden sich nur Laden und weder Schei- 
ben noch Rahmen. Bei diesem Mangel an Glas und dem grofsen 



311 

Ueberflufs an Kiefernholz und an Sand, müfste es eine gute Spe- 
culation sein , hier in der Gegend eine Glashütte anzulegen. Gegen 
8 Uhr Abends erreichten wir Camden , ein nahrhaftes Städtchen , wo 
wir ein recht gutes Unterkommen fanden. Die Nächte waren sehr 
hell ; seit einiger Zeit sah ich ganz neue Sternbilder , während 
die alten nach und nach verschwanden. 

Den 7. December brachen wir abermals früh um 3 Uhr bei 
hartem Frost auf, und fuhren nur 35 Meilen bis Columbia. Der 
Weg >var wie an den vorigen Tagen; nur wurde die Gegend hüg- 
liger, der Sand gelber und mit Thon vermischt. Wir kamen über 
den tVateree-FMs auf einer schmalen Fähre , aber nur mit vielen 
Schwierigkeiten. Wir erreichten den Flufs vor Tagesanbruch. 
Der Kutscher stiefs öfters in sein Hörn *); wir mufsten jedoch 
beinahe eine halbe Stunde auf die Fähre warten. Endlich kam 
sie, von 2 Negern geführt. Kaum aber war der Wagen eingeschult, 
so fing ein anderes Elend an. Wir safsen auf einer Bank fest, und 
die Neger mufsten über eine halbe Stunde arbeiten, ehe wir wieder 
flott wurden. Endlich gelangten wir an das andere Ufer; die 
Neger waren aber so ungeschickt , dafs sie sich abermals über eine 
Viertelstunde beschäftigten , bis es ihnen gelang, die Fähre so zu 
stellen, dafs der Wagen herausfahren konnte. Columbia erreichten 
wir gegen 1 Uhr Mittags, und nahmen unser Quartier in Clarks 
hutel, einem grofsen, aber mittelmäfsig gehaltenen Hause. Wi* 
mufsten uns sehr engbehelfen, wei! gerade in diesem Hauptorte 
des Staates South- Carolina die Lcgislaiure versammelt, und alle 
Häuser überfüllt waren. Die Stadt ist erst seit 40 Jahren angelegt, 
enthält 4000 Einwohner und liegt sehr hübsch auf einer Anhöhe 
unterhalb des Zusammcntlusses des Saluda und Broadrivcr , die 
nach ihrer Vereinigung den Congarce bilden. Sie ist sehr regel- 
mäßig gebaut, enthält viele backsteinerne Häuser , und die Strafsen, 
die sich in rechten Winkeln durchschneiden, sind 100 Fufs breit, 
zwar nicht geptlastert, aber mit breiten, backsteinernen Trottoirs 
und Alleen von Pride of China versehen. In den Gärten, von 
welchen manche der eleganten Privathäuser umgeben sind, sah 
ich viele immergrüne Bäume, meistens Lorbecrn und auch einige 
ziemlich hohe yucca gloriosa , hier pabnetla genannt. In Columbia 



*) Srin Tlorn besieht in einer zwei bis drei Fttla langen, hlcrherften Tille, 
welche jämmerliche Töne hervorbringt, die. man jedoch echr weit hören 
kann. Dieses Harn hängt au der Seit« ü*i Wagen* un zwei ledernen 
Kiemen. 



312 

befinden sich mehrere gut versehene Läden, und es schien viel 
Leben zu herrschen. Ich machte Bekanntschaften an der gemein- 
schaftlichen Tafel, an welcher viele Mitglieder der Deputirten- 
versammlung afsen, mit einem Herrn Washington aus Charlcston, 
an den ich aus Baltimore empfohlen war. Dieser machte mich 
sogleich weiter bekannt mit mehreren der anwesenden Deputirten. 
Der Gouverneur des Staates, Manning, liefs mich durch seinen 
Miliz -Adjudanten, Herrn Butler, becomplimentiren und auf den 
Abend zu sich einladen. Herr Washington — ein weitläufiger 
Verwandter des Präsidenten , und Sohn des im Revolutionskriege 
bekannt gewesenen Obersten der Cavallerie gleiches Namens — 
führte mich gegen Abend zu einem judge — Richter — Desaussure, 
einem der angesehensten Einwohner dieser Stadt und des Staates, 
an den ich ebenfalls empfohlen war, und an dem ich einen ehrwür- 
digen alten Mann fand. Herrn Desaussure's Vater war aus Lau- 
saune in der Schweiz gebürtig und ein Vetter des berühmten Ge- 
lehrten gleiches Namens. Ich traf eine zahlreiche Gesellschaft von 
Herren bei ihm versammelt, die bei ihm dinirt hatten, und lernte 
unter ihnen den Gouverneur, einen recht feinen Mann, kennen. 
Nachdem diese Herren sich zurückgezogen hatten, führte mich 
Herr Desaussure zu einem seiner Schwiegersöhne, Oberst Blan- 
ding, Civil-Ingenieur, der im Rufe grofser Kenntnisse steht. Die 
Gewohnheit des Tabakkauens, die hier mehrere Herren haben, 
und der sie trotz des übelen Geruchs selbst in Damengesellschaften 
sehr stark obliegen , fiel mir ungemein auf. Ich traf eine zahlreiche 
Gesellschaft mit vielen Damen. In derselben lernte ich zwei Pro- 
fessoren des hiesigen College kennen, Henry und Nott; ersterer 
ist der deutschen und franzosischen Sprache mächtig, und über- 
setzte Niebuhr's römische Geschichte ins Englische. Letzterer hat 
seine Studien in England und Frankreich gemacht, hat sich einige 
Zeit in Gent aufgehalten und eine Frau aus Brüssel geheirathet. 
Von Herrn Blandings Gesellschaft fuhren wir zum Gouverneur, 
wo abermals eine sehr zahlreiche Gesellschaft zum Ball versammelt 
war. Man tanzte nur Contretänze, nach Art der deutschen lang- 
weiligen Quadrillen; die Musik wurde von Negern gemacht. Der 
Gouverneur — der in diesem Staat auf 2 Jahre gewählt wird — , 
so wie seine Frau, machten sehr gut die Honneurs; er stellte 
mich allen anwesenden Herren und Damen vor. Eine interessante 
Bekanntschaft für mich war die eines Franzosen , Namens Herbe- 
mont, der sich schon iiber 40 Jahre in den V. St. befand, früher 
Professor der Botanik am hiesigen College gewesen war, und nun 



313 

von seinen Renten lebt. Die Gesellschaft blieb bis gegen Mitter- 
nacht vereinigt. 

Am folgenden Morgen erhielt ich Besuche von den Herren 
Desaussure und Herbemont , welche mich abholten, um mir die 
wenigen Merkwürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Wir besahen 
zuerst eine Wasserkunst, durch welche die ganze Stadt mit Wasser 
versehen wird. In einer Vertiefung ist ein Bassin oder vielmehr 
ein Reservoir ausgegraben, in welches mehrere Quellen geleitet 
worden sind. Aus dem Reservoir wird mit einer Dampfmaschine, 
welche die Kraft von 12 Pferden hat, das Wasser herausgepumpt, 
und in die Stadt getrieben, die 130 Fufs höher liegt, als das Re- 
servoir. Hier vertheilt es sich in mehrere Röhren , die in der Mitte 
der Strafsen durch die Stadt laufen. An verschiedenen Plätzen 
sind Oetfnungen angebracht, die durch Schrauben geschlossen 
sind, und die bei entstehendem Feuer geöflhet werden. Die Con- 
struetion ist von Herrn Blandings Erfindung. 

Hierauf gingen wir nach dem Staatenhause. Dieses ist ein 
grofses hölzernes Gebäude, das wahrscheinlich in einigen Jahren 
durch ein steinernes ersetzt werden wird. In einem der Säle Maren 
die Senatoren, 40 an der Zahl, unter dem Vorsitz eines Herrn 
J'on versammelt; in einem andern die 120 Repräsentanten: der 
Sprecher ist Herr O'Neil. Die Säle sind sehr einfach. Die Sena- 
toren sowohl , als die Repräsentanten , sitzen in einem halben Zirkel ; 
der Sprecher etwas erhaben im Mittelpuncte. Es wurde in keiner 
der beiden Kammern etwas Interessantes verhandelt, als ich gegen- 
wärtig war, und defshalb blieb ich nicht lange. Im Saale der 
Senatoren hingen 2 Gemälde, mittelmäfsiges Werthes, von einem 
Künstler in Charleston : das Gefecht von Kutan aus dem Revolutions- 
ki leg unter dem General Green , und die Verteidigung der Linien 
von New - Orleans unter dem General Jackson. In einigen Tagen 
sollte ein interessanter Gegenstand zur Sprache kommen; die 
Frage nämlich, ob das Gouvernement der V. St. das Recht habe 
oder nicht, in den Staaten Canäle und Strafsen anzulegen! Ver- 
ständige Menschen sehen ein, dafs das Gouvernement die Macht 
haben müsse, solche Werke auszuführen; kurzsichtige hingegen 
machten aus einem gewissen Staatenneide dem Gouvernement dieses 
Recht streitig. Dieser Staatenneid scheint sehr überhand zu neh- 
men. Der Staat South- Carolina wollte eine Strafse von Charleston 
Westlich nach dem Staat Teucssce führen. Diese Strafse müfste 
einige Meilen weit durch North-Carolina gehen. Der Staat North- 
Carolina weigerte sich unter dem Vorwande, dafs die Strafse 



„ 314 

ihm nicht genug Vorlhcil bringen würde, meto nur diese Strafse 
bauen zu lassen , sondern wollte auch nicht zugeben , dafs die bei- 
den andern Staaten auf ihre Kosten dieses Stück machen liefsen. 
Die wahre Ursache soll sein, dafs man- dem Staate South-Carolina 
den Vortheil dieser Strafse nicht gönnt. 

Aus dem Staatenhause gingen wir nach dem Columbia College, 
einer Universität, bei welcher jedoch keine medicinische und keine 
theologische Facultät ist. Sie hat 6 Professoren, Präsident ist 
Dr. Cooper, den ich letzten Sommer in Boston kennen gelernt 
hatte, und der auf seiner Rückreise in Richmond krank geworden 
war. Die Zahl der Studenten war 120. Sie wohnen in zwei gro- 
fsen Gebäuden, welche einander gegenüber stehen. Dazwischen 
steht das Haus des Präsidenten , auf beiden Seiten die Häuser der 
Professoren. Wir machten hier dem Professor der Naturgeschichte, 
Vanuxem, unsern Besuch. Derselbe zeigte uns die Mineralien- 
sammlung des College. Interessanter war eine besondere Samm- 
lung der Mineralien aus dem Staate South-Carolina, welche Herr 
Vanuxem im letzten Sommer gemacht, hatte. Sie enthielt meh- 
rere schöne Turmaline, Smaragden, Pyriten, welche Gold ent- 
halten, eine neue Gattung Metall, Colwnhian genannt, Asbest 
und verschiedene Urgebirgsarten. Auch gab es reines Gold aus 
North- Carolina, dessen Existenz man seit ungefähr 6 Jahren erst 
entdeckt hatte. In Cheraw war ich auf dem Punct gewesen , einen 
Abstecher nach diesen Goldminen zu machen; dieExcursion MÜrde 
mir aber ein paar Tage gekostet haben. Man sagte, das Gold 
werde in einem Schlamme gefunden , den man austrockne und 
dann siebe, so dafs die Goldstückchen im Siebe liegen blieben. 
Man erwartete jedoch Bergleute aus Deutschland, nach deren 
Ankunft man den Bergbau regelmässig betreiben wollte. Bisher 
sollten die Actionnaus wöchentlich im Durchschnitt 20 Dollars ge- 
wonnen haben. Ich besah auch die Bibliothek, die jedoch nicht 
stark war, und nichts Merkwürdiges enthielt. Bei dieser Gelegen- 
heit- machte ich die Bekanntschaft eines Herrn EUiot, welcher eine 
Flora des Staates S. Car. geschrieben hat, und der mir die bota- 
nischen Schätze dieses Staates sehr rühmte. Ein kleines Obser- 
vatoriumwar verschlossen: vielleicht wollte man mir es nicht zeigen, 
weil es zu wenige Instrumente hat. 

In Herrn Herbemont's Garten sahen wir einige recht interes- 
sante Pflanzen und Bäume: Magnolien und Gardenien, Granat* 
und andere Obstbäume, die er ganz sonderbar aufeinander geimpft 



315 

hatte , Dattelpalmen und Feigenbäume aus Kernen gezogen , und 
eine Menge immergrüner Lorbeerbäume. 

Eine Meile von der Stadt hat man einen, 3 Meilen langen, 
Canal auf dem linken Ufer des Ccwgaree-FIusses gegraben, um 
einige kleine Fälle in dem Flusse — rapids — - zu vermeiden. 
Dieser Canal enthält 4 Schleusen und der Unterschied des Niveaus 
des Wassers oberhalb der Schleusen und unterhalb beträgt 36 Fufs. 
Zwei Schleusen sind von Granit gebaut, der dicht am Canale ge- 
brochen wird. Man hat mehrere Blöcke sprengen müssen, um 
dem Canale seinen Weg zu bahnen. Die beiden anderen Schleusen 
sind von Backsteinen, und das Mauerwerk schien mir sehr gut 
ausgeführt zu sein. Man baute so eben eine Brücke über den 
Congaree, um die Strafse nach Augusta darüber zu leiten. Sie 
wurde von Holz gemacht, sollte aber auf 8 steinernen Pfeilern 
ruhen. Diese Pfeiler werden von Granit aufgeführt, und ohne 
Kalk und Cement *). Die äufsern Steine waren Werkstücke , und 
wurden mit eisernen Klammern mit einander verbunden. Der Bau 
dieser Brücke war für 70,000 Dollars unternommen worden. 

Nicht weit von der Brücke giebt es mehrere grofse Baum- 
wollenfeldcr, welche der reichen Familie Taylor gehören. Auf 
einem dieser Felder wurde grade die Erndte durch 58 Neger bei- 
derlei Geschlechts besorgt. Sie nehmen die Baumwolle mit den 
Fingern von den Kapseln, sehen darauf, dafs kein dürres Blatt 
hängen bleibt, thun sie alsdann in Säcke, die sie vor sich hängen 
haben, und schütten sie darauf in bereit stehende Körbe. Diese 
Neger machten einen sehr unangenehmen Eindruck auf mich, 
zumal da einige Weiber Herrn Herbemont um Kautaback anspra- 
chen. Wir bemerkten hier auch sehr schöne Eichen und Kiefern, 
von welchen letzteren alle Wälder, welche wir in den letzten Tagen 
passirt waren, voll sind. Sie haben aufserordentlich lange Nadeln. 
Die jungen Schöfslinge nehmen sich besonders gut aus. Die Na- 
deln an denselben sind über einen Fufs lang, und der Schöfsling 
sieht aus, Mie ein Busch von Rofshaaren auf den Schakots der 
preufsischen Grenadiere. An den Bäumen hängt eine lange moos- 
artige Pflanze , spanish - beard — spanischer Bart — genannt. Man 
sammelt diese Pflanze ein, legt sie in Wasser, läfst die graue 
Schale verfaulen, benutzt die alsdann zum Vorschein kommenden 
schwarzen Fasern, welche Pferdehaaren gleichen, zum Aus- 



") Weil man diesen mit großen Kosten ans don nördlichen Staaten mülWe 
kommen lassen. 



316 

stopfen von Matratzen, und versendet sie auch nach Europa. 
Endlich iahen wir mehrere aromatische und ofiicinelle Kräuter, 
z.B. Monarda penidata, deren Saft, mit dem einer Zwiebel ver- 
mischt, sehr gut für Griesbeschwerden sein soll. 

Das Lunatic Asylum —Irrenhaus — von Columbia liegt aufser- 
halb der Stadt auf einem freien Platz. Es enthält ein Hauptge- 
bäude, welches ein Porticus mit 6 Säulen ziert. In demselben 
sind die Wohnungen des Aufsehers-, die Biireaux und sogenannte 
state rooms für bemittelte Kranke. An das Hauptgebäude stofsen 
in stumpfen Winkeln zwei Flügel, jeder von 3 Stockwerken. Es 
sind die Wohnungen der Gemüthskranken. Bei zunehmenden 
Einkünften des Hauses will man noch mehrere Flügel bauen, und 
das Ganze soll ein Achteck werden. Auf dem Hauptgebäude be- 
findet sich ein Thürmchen, auf welchem man eine weite Aussicht 
geniefst. Man sieht indefs Nichts als Wald. Die Gemüthskranken 
werden hier einst, nach der ganzen Anlage des Gebäudes, viele 
Bequemlichkeiten finden: gute Stuben % Gärten und Promenaden 
auf Balkons, die mit hohen Mauern umgeben sind. 

In Columbia ward eine catholisclie Capelle im gothischen Stil 
auf Subscription gebaut. Die Subscription war aber nicht hin- 
reichend: defswegen hatte man, um das Deficit zu decken, eine 
Lotterie eröffnet! Neben dieser angefangenen Capelle steht ein, 
Theater; und auch dieses war wegen Geldmangels heim Unterneh- 
mer unvollendet geblieben. 

Bei dem Professor Henry war eine recht angenehme Gesell- 
schaft zum Diner vereinigt. In derselben bemerkte ich die sonder- 
bare Sitte, dafs die Damen sich in einer Ecke des Tisches zusam- 
mensetzen. Ich sprengte aber den alten Brauch , und schob 
mich /.wischen sie hinein: und das Essen scluneckle Niemanden 
schlechter. 

Einen Abend brachte ich auf einem Balle zu, welchen ein 
reicher Herr Taylor auf einer Plantage gab. Ich fand eine zahl- 
reiche und glänzende Gesellschaft. Die Musik war aber eigener 
Art; denn die Mohren, welche zwei Tage früher recht gut beim 
Gouverneur gespielt hatten, waren betrunken, und defswegen 
aufser Stande gewesen, auf diesem Balle zu erscheinen. Die ganze 
Musik bestand daher aus zwei Violinen, und einem Tambourin. 
Dieses Tambourin wurde mit schrecklicher Energie geschlagen. 
Von den beiden Anderen, welche die Violine im eigentlichsten 
Sinne kratzten , rief der Eine die Touren ab , und machte dabei 



317 

mit seinem Körper alle Bewegungen des Tanzes nach. Das 
Ganze gewährte mir ein nicht geringes Vergnügen. Uebrigens 
war ich verwundert über die grofse Einfachheit des Hauses. Aulser 
dem Vorplätze Maren 3 Zimmer offen, und sie hatten nur die 
weifsen Wände, und an den Fenstern keine Vorhänge. 



Reise 

Sr. Hoheit 

d es 

H e r z o g s Bernhard 

zu Sachsen-Wcimar-Eisenach 

durch 

Nord- Amerika 

in den Jahren 1825 und 1826. 



Herausgegeben 



Heinrich Luden 



Zweiter Theil. 
Mit !) Vir netten, 2 Charten und l Plan. 



Weimar, 1828. 

bei Wilhelm Hoffmann 



I n halt w 

des zweiten T h e i 1 e s, 



XV. 

Reise nach Charleston und Aufenthalt in dieser Stadt S. 1 

XVI 

Reise von Charlcston über Augusta y Milledgcvillc , Macon, durch das 

Land der Crcek-Indianer nach Montgommery im Staat Alabama — 14 

XVII. 

Reise von Montgommery auf dem Alabama-Flusse nach Mobile und Auf- 
enthalt in dieser Stadt » . . . „ . . — 40 

xvm. 

Reise nach Pensacola — 52 

XIX. 

Reise nach ISew-Orleans und Aufenthalt in dieser Stadt — 65 

XX. 

Reise auf dem Missistippi Von JScw-Orleans nach St. Louis und nach St. 

Charles am Missvuri — 107 

XXI. 

Reise von St. Louis nach J\cw-Harmony. Herrn Owcn's Weltverbcssc- 

rungs - System und Versuch — 130 



XXII. 

Reise nach Louisvillc und Aufenthalt in dieser Stadt S. 155 

xxni. 

Itcirc über Cincinnati durch das Innere des Staates Ohio nach Pitts- 

burgh in Pcnsylvania — 1(;<) 

XXIV. 

Pittsburgh. Economtju^Mcrr Rapp und seine Gesellschaft — 202 

XXV. 

Reise nach Philadelphia und zweiter Aufenthalt in dieser Stadt ... — 219 

XXVI. 

Heise von Philadelphia nach Picw-York. Die Kohlen werke zu Pottsvillc 

und Mauch-Chunk. Bethlehem — 235 

XXVII. 

Rückreise von Ncw-York nach Liverpool — 261 

xxvm. 

Aufenthalt in England und Rückreise nach Gent — 280 

Beilage. Verfassung, Gesetze und Anordnungen für eine Gemeinde. 

Von Herrn Owen — 310 






\ 






Reise 



durch 



Nord-Amerika 



in den Jahren 1825 und 18 2 6. 



Zweiter T h e i I. 



XV. 

Reise nach Charleston und Aufenthalt in dieser Stadt. 

Vom 11. bis 19. Dcccrabcr 1825. 



i\_m 11. December Maren wir früh um 5 Uhr bereit, um mit der 
Mail stage von Columbia nach Charleston , 120 Meilen weit, abzu- 
reisen. Unglücklicherweise hatte aber unser Kutscher gestern 
Abends mit einem Watchman, der des Kutschers schwarze Geliebte 
arretiren wollte, Streit bekommen, und ihm einen Messerstich in 
den Unterleib versetzt. Man fürchtete, der Watchman, der ein 
Familienvater war, würde sterben. Der Kutscher war bereits ge- 
tänglich eingezogen. Wir mufsten daher bis 7 Uhr warten , weil 
es dem Entrepreneur der Mail stage nicht früher möglich war, 
einen andern weifsen Kutscher zu finden, da, nach den hiesigen 
Gesetzen , kein Neger ^die Mail der V. St. fahren darf. 

Unsere Gesellschaft war recht angenehm. Ich bemerkte vor- 
züglich einen Herrn Bacott aus Charleston und einen jungen Herrn 
Ramsay, als ein Paar recht gebildete Leute. Drei Meilen unter- 
halb Columbia passirten wir den Congaree in einer sehr schlechten 
Fähre , und kamen auf dem rechten Ufer dieses Flusses durch einen 
kleinen Ort, Granby genannt, der früher eine deutsche Niederlas- 
sung gewesen ist, und Sachsen-Gotha geheifsen hat. Der Weg 
war ausnehmend sandig, morastig und zuweilen hügelig. Die 
Reise ging daher sehr langsam von Statten, und ich legte einen 
grofsen Theil des Weges zu Fufse zurück. Fast beständig Wald, 
gröTstes Theilcs Kiefern und Eichen, an welchen sich Spanischer 
Bart in so grofser Quantität befand, dafs ihr Ansehen wenig hübsch 
war. Die Zahl der Magnolien, Calmien und Gardenien nahm zu, 
und auch die der yucca gloriosa, die jedoch vorzüglich nur in der 
Nähe von Wohnungen standen. Auch sahen wir heute mehrere 
life oaks, oder immergrüne Eichen, deren Holz zum Schiffbau so 
//. A 



ungemein gut ist. weil es nicht fault, und feindliche Kanonenkugeln, 
die hinein schlagen, keine Splitter verursachen. Wir passirten 
.-e.rrn Abend ein Dorf, Orangeburg, mit hölzernen Häusern. In 
einem ein/einen Hause fanden wir unser Nachtessen ., und begegne- 
ten /ii ,r leich der von Charleston kommenden Mail, die wir dann 
einnahmen. Sie war für den General Lafayette gemacht worden, 
und heilst die Lafayette-stage. Wir fuhren die ganze Nacht durch; 
der Tag war schön gewesen, die Nacht aber war sehr kalt; ich 
fror tüchtig, weil ich auf dem Bocke sitzen blieb, auf welchem ich 
immer meinen Platz zu nehmen pflegte, um frische Luft und Aus- 
sicht zu haben. 

Den 12. December fuhren wir Vormittags abermals beständig 
durch Wald. Die Anzahl der life oaks nahm zu , auch wurden sie 
sehr schön. Einzelne fächerartige Palmen, lataniers, die wir be- 
merkten, waren klein. Die yucca's mehrten sich ebenfalls. Der 
letzte Ort vor Charleston war Dorchester. Dann kamen wir bei 
einer alten beinahe verfallenen Kirche, St. Andrews church, die 
noch von den Zeiten der Engländer herstammt, vorbei. Sie steht 
mitten in einem alten Kirchhofe unter hohen life oaks und hickorics, 
und zwischen den Gräbern wachsen Palmetta's und lataniers. Das 
Ganze nahm sich sehr malerisch aus. Die Plantagen folgten häuii- 
gcr aufeinander; sie sahen immer besser aus, und Alles zeugte 
von der Nähe einer grofsen Stadt. Endlich verliefsen wir Nach- 
mittags den ewigen Wald, und kamen in eine offene morastige 
(ügend. Da lag Charleston vor uns. Die Stadt, bekanntlich ein 
Seehafen, Hegt auf einer Landzunge, die von den Flüssen Ashley 
und Cöoper gebildet wird. Wir fuhren über den Ashley nach der 
Stadt. Eine auf Faschinen gebaute Strafte leitet durch den Morast 
nach der Fähre. Der Flufs ist § Meilen breit ; wir setzten in einem 
teamboal über, einer Fähre, die von 8 Pferden auf dieselbe Weise 
bewegt wird, wie die Fähren in Albany und New -York. Eine 
hölzerne Brücke, die hier vormals über den Flufs ging, ist durch 
einen heftigen Sturm zerstört und nicht wieder aufgebaut worden. 
Auf dem rechten Ufer, nahe bei Charleston , öffnete sich mir ein 
ganz neues Schauspiel. Die Häuser der Vorstadt waren meistens 
mit Gärten umgeben, in welchen Pomeranzenbäume mit den herr- 
lichsten reifen Früchten prangten, Monatsrosen in voller Blüthe 
und mehrere andere blühende Gewächse. Die meisten Häuser ha- 
ben piazza's und breite Balkons. An den Wänden und Säulen sind 
Schlingpflanzen; wir bemerkten mehrere Passionsblumen. Es war 
mir wohi in diesem südlichen Himmelsstriche. 



Charleston hat eine ^Bevölkerung von 40,000 Einwohnern; 
gegen 25,000 sind freie Menschen. Die Stadt ist regelmäfsig 
gebaut; die Strafsen durchschneiden sich in rechten Winkeln. Die 
wenigsten Strafsen sind gepflastert, aber alle haben Trottoirs von 
Backsteinen. Die Pflastersteine werden aus den nördlichen Staaten 
zu Schill* eingeführt; defshalb sind sie ein theurer Artikel, und das 
Pflaster der Strafsen kann nur nach und nach eingeführt Meiden. 
In der Vorstadt kamen wir durch eine Strafse, die ein Knüppel- 
damm war. Die meisten Häuser sind zwar von Holz, und Alle 
sind, wie man sagte, der oft herrschenden starken Stürme wegen, 
mit Schindeln gedeckt; die neueren jedoch sind von Backsteinen 
erbauet, und in einem sehr guten Stil. Ich nahm mein Quartier 
in Jones's hutel , einem wohlgehaltenen und gut gelegenen Hause, 
dessen Wirth ein Mulatte war. Ich hatte die Freude, hier den 
Obersten JVool, General-Inspecteur der Armee, zu treffen, den ich 
in Washington kennen gelernt hatte. Ich lernte ferner sogleich einen 
Herrn Bee, einen ältlichen, viel gereiscten Mann, kennen, dem ich 
empfohlen war; auch den letzten Gouverneur des Staates, Herrn 
Wilson, mit seiner jungen , sehr gut erzogenen Frau aus New- 
York, die aufser ihrer Muttersprache, französisch, deutsch, spa- 
nisch und italienisch spricht, und lateinisch und griechisch versteht; 
endlich den Major Massias, paymastcr der Armee. 

Ein heftiger Catharr nöthigte mich, einen ganzen Tag zu 
Hause zu bleiben. Auch war das Wetter stürmisch und unfreund- 
lich; das Fahrenheitische Thermometer war auf 20° gefallen, und 
diese Kälte ist hier ganz ungewöhnlich. Inzwischen erhielt ich 
Besuche von mehreren der angesehensten Einwohner : von einem 
Dr. Ted y mann, den ich in Philadelphia kennen gelernt hatte, von 
einem Herrn Lowndes, an den ich empfohlen war, von dem Dr. 
Johnson, Intendanten, Maire der Stadt, von den Herren Pitray und 
Viel, französischen Kaufleuten, an die ich adressirt war, vom 
Marquis de Fougeres, französischem Consul, von Herrn Bacott, 
mit dem ich gestern angekommen war, und vom Major Massias. 
Auch befanden sich in dem Gasthause einige recht interessante 
Fremde, so dafs es an Unterhaltung nicht fehlte. Man erzalte mir 
Folgendes. Vor einigen Jahren hatten die hiesigen Neger das 
Complott gemacht, alle weifsen Männer zu ermorden und nur die 
Frauen zu behalten. Dieses Complott ward entdeckt, und man 
fand, dafs die Hauptanstifter freie Neger aus dem Staate waren, 
die in den nördlichen Gegenden der V. St. gereiset, und zum Theil 
methodistische Prediger geworden waren. Diese Menschen waren 

A 2 



zuriirkgekehrt, und hatten den hiesigen, Sclaven Freiheit gepre- 
digt. Sc-itdoiu hat die Legislature dieses Staates sehr strenge 
Mif-ioreln fegen die freien Neger und Mulatten genommen. Sie 
hat ein Gesetz gegeben , dafs keinem Individuum aus dieser Kaste, 
wenn ei den Staat ein Mal verlassen hat, die Rückkehr verstattet 
M in solle. Unsers Wirths, Herrn Jones, Frau, befand sieh in 
fieser Kategorie. Sie hatte eine Reise nach New - York , ihrer 
\ aterstadt, unternommen, und durfte nun nicht mehr zurückkehren. 
Wenn ich daher, so sagte man, einen freien schwarzen Diener 
mitgebracht hätte , so würde man mir diesen Menschen abgenom- 
men und in Verwahrung gebracht haben, bis ich den Staat ver- 
lassen würde ; oder ich hätte eine bedeutende Caution für ihn stel- 
len müssen. 

Den ersten Ausflug machte ich mit dem Obersten IVool und 
dem Major Massias in einem Boot nach dem Fort Moultrie, wo 
der Oberst zwei , dort in Garnison stehende , Compagnien vom 3. 
Artillerie-Regiment zu inspiciren hatte. Dieses Fort liegt in der 
Einfahrt der Bai von Charleston auf einer Halbinsel, Sulliran's 
Island, die mit dem festen Lande durch eine morastige Landenge 
zusammenhängt. Die in die Bai einlaufenden Schiffe müssen unter 
dem Bereich der Kanonen dieses Forts durchfahren. Es ist 4 
Meilen von der Stadt entfernt, und liegt mitten auf der Halb-Insel. 
Gegenüber ist die Küsten - Batterie mit einem steinernen Wallgang. 
Diese Batterie kann gegen 50 Stück enthalten. Auf die Erhaltung 
dieses Forts wird jetzt nichts mehr verwendet, da nach dem Plane 
des Generals Bernard neue Werke beim Eingang des Sundes an- 
gelegt werden sollen , um die nähere Blök ade der Bai zu hindern, 
so dafs die altern, weiter zurückliegenden Werke alle ihre Wichtig- 
keit verlieren werden. Zwischen der Stadt und Sullivan's island 
liegt links auf einer Landspitze ein defensiver Thurm, Castle Pink- 
ney genannt, nach Art des Castle garde?i in New -York, rechts 
liegt Castle Jolmson. Sullicans island ist sehr sandig; es wachsen 
nur yucca's auf demselben, so dafs ich mich nach Indien versetzt 
glaubte. Aufserhalb des Forts stehen eine Menge leicht gebauter 
hölzerner Häuser, welche während der heifsen Sommer und beson- 
ders, wenn das gelbe Fieber in Charleston herrscht, von den Ein- 
wohnern dieser Stadt bewohnt werden ; denn die Halbinsel hat den 
Ruf einer gesunden Lage und gröfserer Kühlung. Der Stamm der 
yucca giebt ein sehr gutes poröses Holz, das vorzüglich gut sein 
soll bei Wasserbauten in Seewasser, weil es in demselben nicht 
verdirbt. Auch lobt man es sehr bei Verschanzungen, weil die 



feindlichen Kanonenkugeln keine Splitter herausschlagen können. 
Auf demselben Platz, auf dem jetzt Fort Moultrie steht, stand im 
Revolutionskriege ein Fort gleiches Namens, das in grofser Eile 
von Stämmen der yucca gebaut war und sich sehr rühmlich ver- 
theidigt hat. Zu unserer Ueberfahrt hatten wir ein der Artillerie 
gehöriges Boot, das mit Artilleristen bemannt war. Diese sind in 
allen am Wasser liegenden Plätzen als Ruderer exercirt; und diese 
Einrichtung ist gewifs gut, wenn die Officiere keinen Mifsbrauch 
davon machen. Unsere Mannschaft hatte unglücklicherweise ein 
geistiges Frühstück eingenommen; das Rudern ging daher wie 
um Gotteswillen, und der Oberst wurde so aufgebracht, dafs er 
sogleich nach unsrer Landung alle 6 Ruderer in das Cachot — blak- 
hole — schickte. Ich wohnte der Musterung über die beiden hier 
in Garnison stehenden Artillerie-Compagnien bei. Eine solche 
Compagnie ist mit Unterofficieren und Spielleuten 55 Mann stark ; 
von diesen gingen die Wacht, die Kranken und Arrestanten ab, so 
dafs beide Compagnien kaum (30 Mann unter dem Gewehr hatten. 
Die Artilleristen haben Gewehre und Patrontaschen , und nur die 
Unterofticiere und Corporale Seitengewehre. Die Tornister beste 
hen aus einem hölzernen Kasten , mit schwarzer Wachsleinwand 
überzogen. Sie haben graue Pantalons und Stiefeln , eben so wie 
unsere Artillerie; nur die Ofliciere hatten weifse Tuch-Pantalons. 
Die Montirungen waren nicht gutgemacht, und safsen nicht be- 
sonders; einen üblen Effect machte, dafs alle Leute sehr grofse 
Hemdkragen hatten, und verschiedenartige Handschuhe, weil der 
Ankauf ihnen selbst überlassen ist. Während der Oberst inspicirte, 
ging ich mit dem Major Massias auf den Wällen spazieren, und 
begab mich mit ihm in das Ofiicier-Quartier. In dem Zimmer eines 
Lieutenants, in welchem wir verweilten, fand ich, aufser den 
Dienstbüchern , eine kleine Bibliothek : englische , belletristische 
Werke und classische Dichter. 

Charleston besoldet eine Compagnie Stadtsoldaten, welche 
während der Nacht mehrere Posten besetzt halten. Sie haben das 
Wachthaus neben Joues's hotel; und ich war erstaunt, hier den 
Zapfenstreich und die Reveille schlagen zu hören. Diese Sol- 
dalesca wird aus Furcht vor den Negern unterhaken. Abends 
9 Uhr wird eine Glocke geläutet: und nach diesem Geläute darf 
kein Neger ohne eine schriftliche Erlaubnifs von seinem Herrn sich 
auf der Strafse betreten lassen, oder er wird sogleich ins Gefäng- 
nifs gebracht, und erst am andern Tage kann ihn sein Herr gegen 
Erlegung einer Geldbufse zurückholen., lassen. Weigert sich der 



Herr, die ihm aufgelegte Bufse zu zahlen , so bekommt der Sclave 
2.") Peitschenhiebe, und über dieselben einen Empfangschein, mit 
Welchem er zu seinem Herrn zurückgeschickt wird! 

Der Markt besteht aus 5 Hallen, die in einer langen, an den 
Hafen stofsenden Strafse stehen, und Aehnlichkeit mit dem Markt 
von Philadelphia haben. Mich interessirte die Menge der schönsten 
Südfrüchte, die auf demselben ausgestellt waren: Orangen aus 
Florida, Pisangfrüchte und ganz herrliche grofse Ananas aus 
Cuba. Diese grofsen und schönen Ananas kosteten nur 12f Cent, 
folglich 8 einen Dollar. Nüsse gab es von sehr verschiedener Art. 
An Gemüsen bemerkte ich viele Pataten, Kohl und weifse und 
rothe Rüben. Fische Maren nicht von so verschiedener Art, als ich 
geglaubt hatte, vorhanden. Von Schalthieren sah ich nur Austern, 
welche sogleich am Markt in der Schale geröstet und von den 
Negern mit grofsem Appetit verzehrt wurden. Auf den Dächern 
der Markthallen safs eine Menge Blizzards, die sich vom Abfalle des 
.Marktes nähren. Es ist eine Art Adler , schwarz mit kahlen Köpfen. 
Sie sehen von Ferne den Truthähnen ähnlich ; defshalb nennt man 
sie Turkey buzzards. Man duldet sie nicht allein als sehr nützliche 
Thiere, sondern es steht eine Bufse von 5 Dollars auf der Tödtung 
eines \ogels. Ein Paar dieser Thiere waren so zahm, dafs sie in 
der Fleischhalle unter den Käufern herumwatschelten. 

In Begleitung des Dr. Johnson , Herrn Lotendes und Dr. Tedy- 
Tnann besah ich die öffentlichen Anstalten der Stadt. Das Court- 
house, in welchem die verschiedenen Gerichtshöfe ihre Sitzung 
.halten, enthält Nichts Merkwürdiges, ausgenommen im obern 
Stockwerke die Stadtbibliothek, die auf Subscription errichtet wor- 
den ist. Ich bemerkte in derselben eine schöne Sammlung von 
Kupferstichen aus der Shakespeare gallery, und einen gezeichneten 
Plan von Charleston mit der Belagerung im Revolutionskriege. 
Seit dieser Zeit hat die Stadt sich indefs viel weiter ausgedehnt. 
Auf der Stelle, die sonst;, von Festungswerken eingenommen war, 
stehen Häuser. Die Moräste, welche den linken Flügel dieser 
Werke deckten, sind mit Erde ausgefüllt worden, und man sieht 
von ihnen keine Spur mehr. 

In der City hall, dem Rathhause, nimmt ein grofser Saal 
die untere Etage ein. Er ist zu den Sessionen der Stadtpolizei 
bestimmt. Ueber demselben befinden sich die Versammlungssäle 
des Magistrats und verschiedene Büreaux. In dem einen dieser 
Säle bemerkte ich einen schönen neuen Plan der Stadt, von einem 
ausgewanderten französischen Ingenieur, Petitval, gezeichnet. 



Das Waisenhaus ist ein 3 Stockwerke hohes Gebäude von 
Backsteinen. Es ist durch freiwillige Beiträge erbaut; und in 
demselben werden 136 Kinder beiderlei Geschlechts erzogen. Ich 
bewunderte die aufseist grofse, durch das ganze Haus herrschende 
Reinlichkeit. Die Kinder schlafen auf dem Fufsboden, und nur die 
Mädchen und die Kranken haben Matratzen; die Knaben haben 
eine wollene Decke, in die sie sich einwickeln. Man sagte mir, 
diefs geschähe aus Furcht vor Ungeziefer. Eine sehr nahrhafte 
Kost und wahre mütterliche Sorgfalt erliäJt die Kinder gesund. Mit 
ihrem zwölften .lahre werden sie außerhalb des Hauses versorgt, 
um sich ihr Brod erwerben zu lernen. Mehrere der Knaben kom- 
men auch in die Mai ine der V.St. , und man erzählte mir, dafs zwei 
der Zöglinge dieses Instituts es in der Marine bis zu Oflicieren ge- 
bracht hätten. Hinter dem Haus ist eine ziemlich grofse Capelle 
mitten im Garten. Alle Sonntage Nachmittags können Geistliche 
aller christlichen Confessionen hier Gottesdienst halten; Sonntags 
Vormittags wird der Gottesdienst der Reihe nach von einem \ or- 
steher besorgt. Vor dem Haus ist ein grofser freier Platz. Aul 
diesem Platze steht eine schlecht unterhaltene Statue vom Lord 
Chatam, welche diesem grofsen Manne vor dem Ausbruche der 
amerikanischen Revolution von der dajnaligen Colonie Smdh-Caro- 
lina, aus Erkenntlichkeit für den Widerstand errichtet worden ist, 
den er gegen die Colonialtaxen geleistet hatte. So sagt eine In- 
schrift der Statue. Während der Belagerung stand dieselbe an der 
Strafsenecke bei dem Rathhause. Daselbst verlor sie, durch eine 
der ersten, in die Stadt schlagenden, englischen Kanonenkugeln, 
einen Arm. 

Die State prison ist ein kleines Flaus^ Die Gefangenen sind 
zu nahe beisammen und haben keine Beschäftigung. Die schweren 
Verbrecher wohnen im obern Stockwerk , und sind je zwei in ihre 
Zellen eingeschlossen, ohne jemals an die freie Luft zu kommen. 
Dieses wird nur den Bewohnern des ersten Stockwerks verstattet, 
die aus Schuldnern bestehen, und aus Personen, welche sich we- 
gen Schlägereien in dem Gefängnisse befinden. Die Wände im 
Innern , so wie die Fufsboden , sind von starkem Eichenholz. In 
jedem Gemach jst ein eiserner Ring im Fufsboden, um gefährliche 
Gefangene fest zu schliefsen. In der obern Etage befand sich ein 
Neger, der, in einem der letzten Complotte verwickelt, nicht 
genug gethan hatte, um gehenkt werden zu können, dessen Ge- 
genwart jedoch für die Öffentliche Ruhe so gefährlich zu sein 
schien, dafs er im Gefängnisse verbleiben müsse, bis sein Herr etwa 



8 

Gelegenheit findet, ihn nach Westindien einzuschiffen, und ihn 
dort zu verkaufen. In einem andern Gemache befand sich ein 
vreifser Gefangener; man wufste nicht recht, ob er ein Amerikaner 
oder ein Schotte wäre. Er hatte sich durch Schriften bei dem 
letzten Neger - Complott sehr compromittirt. Die Gefangenen er- 
hielten, als wir grade gegenwärtig waren, ihre Nahrung: sie be- 
stand in einer sehr guten Suppe und in § Pfd. Rindfleisch. Im 
Erdgeschofs ist die Wohnung des Keeper — Aufsehers — : es war 
ein Amsterdamer Jude, und die State rooms, in welchen Gentle- 
men, denen man in diesem Haus ihr Quartier anweiset, für 
Geld und gute Worte ihre Wohnung bekommen. Die Reinlichkeit 
schien in diesem Hause nicht sehr grofs zu sein; überhaupt hinter- 
liefs dasselbe bei mir einen übelen Eindruck. 

In besserem Zustande fand ich das andere Gefängnifs, das für 
die kleinern Bestrafungen der Negersclaven bestimmt ist. In dem- 
selben befanden sich etwa 40 Individuen beiderlei Geschlechts. 
Diese Sclaven sind entweder solche, die während der Nacht von der 
Polizei aufgegriffen worden sind, oder solche, die von ihren Herren 
zur Bestrafung hergeschickt werden. Das Haus zeichnete sich 
durch eine ganz besondere Reinlichkeit aus, zu welcher freilich 
die überall herumarehenden , «nit Peitschen bewaffneten , schwarzen 
Aufseher das Ihrige beitragen mögen. Im Erdgeschofs ist in einer 
Stube eine Vorrichtung, an welcher die Neger auf Befehl der 
Polizei oder auf Ansuchen ihrer Herren gepeitscht werden. Letz- 
tere können ihnen nach den hiesigen Gesetzen 19 Hiebe geben 
lassen. Die Vorrichtung besteht aus einer Art Krahn, an dem ein 
Strick mit zwei Schlingen über Rollen läuft; die Schlingen werden 
um die Hände des Sclaven geschlungen und hinauf gezogen, wäh- 
rend die Füfse auf einem Biete festgebunden sind. Der Körper 
wird soviel als möglich ausgestreckt: und so erhält der 
Unglückliche auf dem blofsen Rücken die festgesetzte Anzahl 
Peitschenhiebe aufgezählt *). Seit einem Jahr etwa soll das Peit- 
schen selten vorkommen. Man hat nämlich in einem Hintergebäude 
des Gefängnisses eine Tretmühle — tread mill — eingerichtet, in 
welcher zwei Treträder im Gange sind. Jedes beschäftiget 12 
Gefangene, die eine Mühle zum Mahlen des Mais in Bewegung 



*) Die Peitsche, mit welcher dieses geschieht, ist so lang, wie unsre 
langen Reitpeitschen ; sie ist aus einem Stücke Kindshaut zusammen- 
gedreht und mit Oelfarhc hestrichen. Auf englisch wird ßie cowhide 
und auf französisch balcinc genannt. 



9 . 

setzen , und dadurch zur Unterhaltung des Gefängnisses beitragen. 
An jedem Rade treten 6 auf einmal, während 6 auf einer dahinter 
stehenden Bank ausruhen. Jede halbe Minute tritt der links auf 
dem Rade Tretende ab , während die 5 anderen links nachrücken, 
um den ledigen Platz auszufüllen ; zu gleicher Zeit tritt der rechts 
auf der Bank Sitzende ans Tretrad und beginnt seine Motion, wäh- 
rend die übrigen auf der Bank Sitzenden gleichfalls nachrücken. 
Also gewährt selbst das 3 Minuten lange Sitzen den Unglücklichen 
keine Ruhe. Das Zeichen zum Wechseln wird durch eine Schelle 
gegeben, die an dem Rade befestiget ist. Die Gefangenen müssen 
auf diese Art täglich 8 Stunden arbeiten. Die Ordnung wird durch 
ein Individuum erhalten, welches, mit einer cowhide bewaffnet, 
am Rade steht. Beide Geschlechter treten in bunter Reihe auf. 
Da aber auf beiden Rädern nur 24 Gefangene Beschäftigung finden, 
so müssen die Nichtbeschäftigten während dieser Zeit in den obern 
Sälen auf dem Fufsboden sitzen und ein tiefes Schweigen beobach- 
ten. Einen dieser Sitzenden, der von einer Plantage mehrmals 
weggelaufen war, hatte man, auf Ansuchen seines Herrn, mit einem 
schweren eisernen Ringe, der übers Schienbein ging, an den Bo- 
den befestigt. Man hatte aber vor , um diesem Müssigsein abzu- 
helfen, noch ein Paar Treträder anzulegen. Die Neger sollen 
vor der Tretmühle eine gewaltige Furcht hegen, und die Peit- 
schenhiebe als das kleinste Uebel betrachten! Von etwa 360, die 
seit Einrichtung dieser Tretmühle auf derselben beschäftigt worden 
sind , sollen nur 6 zum zweiten Mal hingeschickt worden sein. 

Das Armenhaus, ein altes, auf Subscription errichtetes Ge- 
bäude, enthielt 166 Arme. Es werden nur solche Arme aufgenom- 
men, die in der völligen Unmöglichkeit sind, ihr Brod selbst zu 
erwerben. Diejenigen, die noch etwas arbeiten können, bekom- 
men die Arbeit, die sie wünschen, und erhalten dann eine gute 
Pflege und gute Nahrung. Die Kranken werden in einer besondern 
Infirmerie verpflegt, in welcher jeder ein Bette hat. Die Gesunden 
schlafen auf dem Fufsboden. Ich fragte, warum man den Kran- 
ken , an Statt der hölzernen Bettstellen , nicht eiserne gäbe ? und 
erfuhr: es geschähe aus Furcht vor den hiesigen schweren Ge- 
wittern. 

Mit dem Armenhause steht ein Irrenhaus in Verbindung, das 
einigen 30 dieser Unglücklichen Unterkommen und Pflege ge- 
währt. Es fiel mir sehr auf, dafs im Hof, in welchem die Armen 
herumgehen, unter einem offenen Schoppen der Todtenwat-cn, 
und neben demselben mehrere leere Särge in Vorrath aufgestapelt 



10 

standen: das mochte höchstens, in einem Trappistenkloster gut an- 
gebracht sein. 

Nicht w«H von dem Armenhause wird eine medicinische Schule 
f-chaiit. Bis zur Vollendung dieses Gebäudes empfangen die Stu- 
denten, 120 an der Zahl, ihren Unterricht in einem hölzernen Ge- 
bäude, in weichemein Amphitheater und ein chemisches Labora- 
torium eingerichtet sind, 

Dr. Tcdyinann und Hr. Lotendes hatten die Güte, mir eine 
seit wenigen Jahren angelegte Reifsmühle zu zeigen. Diese Mühle 
gehört einem Herrn Lucas, der eine ähnliche in der Nähe von 
London angelegt hat. Der Reifs, ist bekanntlich das Haupt-Pro- 
duct der niedrigen Länder von South- Carolina; und doch fehlte 
es hier bisher an einer Mühle, um den Reifs von seiner Schale zu 
befreien und ihn zum Verschicken oder zum Gebrauche bereit zu 
machen. Diese Mühle nun liegt nahe am u4hsley-Y\usse. Die 
Schooner, welche den Reifs von den Plantagen bringen, lege» bei 
derselben an ; ein Karren wird auf das Schiff gebracht^ mit Reifs 
gefüllt und vermittelst einer schiefen Fläche in die Mühle gezogen 
und daselbst ausgeschüttet. Hierauf wird der Reifs durch ein 
Kastenwerk in die. obere Etage gehoben , dort durch eine Korn- 
rolle vom Staube gereinigt und zwischen zwei grofse Mühlsteine 
geleitet, durch welche die Hülsen aus dem Gröbsten abgestofsen 
werden. Dann bringt man ihn in einen Kasten von Drahttuch, der 
sich um seine Axe dreht. Dadurch wird er noch mehr von den 
Hülsen gereinigt. Nun kommt er in Tröge, wo er mit schweren, 
unten mit Eisenblech beschlagenen Stampfen gestampft und da- 
durch gänzlich von allen Hülsen befreit. wird. Durch ein anderes 
Kastenwerk nochmals in einen Drahtkasten gebracht, vhd er durch 
abermaliges Herumschwenken von dem letzten Staube frei, und 
wird alsdann durch eine Rinne in die zum Packen bestimmten Fäs- 
ser geschüttet. Das Fafs steht auf einer Scheibe, die sich herum- 
dreht , während ein Hammer beständig an dasselbe anschlägt. Ein 
solches Fafs nimmt auf diese Weise über 600 Pfd. Reifs auf. Das 
Werk wird durch eine Dampfmaschine, welche die-Kraft von 24 Pfer- 
den hat, in Bewegung gesetzt. Sonderbat ist es aber, dafs für ein 
Land, welches Robert Fulton unter seine Mitbürger gezählt hat, 
die besten Dampfmaschinen in England gemacht werden müssen! 

Derselbe Dr. Tedymann gab mir zu Ehren- ein Diner 
d'apparat. Bei demselben traf ich mehrere der angesehensten 
hiesigen Einwohner , wie Herrn Lotendes ; einen- Major Garden, 
Sohn jenes schottischen Arztes, welchem zu Ehren Linne der 



11 

bekannten Pflanze den Namen Oardenia beigelegt hat; einen Herrn 
/. Allen Smith, der 17 Jahre seines Lebens in Baropa,* und beson- 
ders in Rufsland zugebracht, und sich des besondern Wohlwollens 
des Kaisers Alexander erfreut hatte: er war bei meines Bruders 
Heirath zugegen gewesen, und erkundigte sich nach demselben 
angelegentlichst. Dieser äufserst liebenswürdige und interessante 
Mann hat den gröfsten Theil seines Vermögens verloren. Auch 
traf ich hier den Marquis de Fougeres, Herrn Fiel und den engli- 
schen Consul Newman. Nach Tische fand sich eine zahlreiche 
Gesellschaft von Herren und Damen ein , die den Abend versam- 
melt blieben. Es wurde Musik gemacht, und zum Theil recht 
gute. 

Bei einer meiner Wanderungen in der Stadt sprach ich bei 
einem Erfurter, Namens Sieglitig, vor, der hier eine Musikhandlung 
angelegt hatte und sehr gute Geschäfte zu machen schien. Ich sah 
bei ihm mehrere schöne englische Harfen und Pianofortes, auch 
mehrere verschiedenartige Blasinstrumente. Die Noten sticht er 
selbst auf Zinn, und hat selbst eine Presse, um sie zu drucken. 

In Charleston besteht unter den Deutschen und den Nachkom- 
men von Deutschen , die gröfstes Theiles kleinere Kaufleute, aber 
sehr geachtete Menschen sind, eine friendly german Society. 

Am Sonntage, den 18. December, holten mich zwei Mitglieder 
dieser deutschen Gesellschaft, der Miliz -Oberst Safs, ein ge- 
borner Hesse, der schon seit 52 Jahren in diesem Lande lebte, und 
ein Herr Strohhccker , zu der lutherischen Kirche ab. Der luthe- 
rische Prediger Herr Bachmann aus Troy im Staate New - York 
gebürtig, besorgte den Gottesdienst in englischer Sprache. Die 
Kirche ist erst vor wenigen Jahren aufgebaut worden. Sie ist in- 
wendig einfach, aber recht geschmackvoll. Die Orgel ist gut und 
wurde gut gespielt, und die Hymnen mit gemäfsigter Stimme von 
der Gemeinde gesungen. Herr Bachmann hielt eine sehr gute 
Predigt über die Geschichte des Cornelius aus der Apostelge- 
schichte. Hierauf erstattete er der Gemeinde Bericht ab über eine 
Reise von beinahe 800 Meilen, die er ins Innere dieses Staates 
gemacht hatte, um den Zustand der verschiedenen lutherischen 
Gemeinden zu untersuchen. Der Bericht über Kirchen und Schu- 
len lautete sehr vortheilhaft. Dieser Gottesdienst fand mit so vielem 
Anstand und so vieler Würde Statt, dafs ich mich wahrhaftig er- 
bauet fühlte. 

Am folgenden Tage ward ich von Herrn Bacott und seinem 
Schwager nach der St. Michels church , einer episcopalen Kirche, 



. 12 

begleitet , nm diese und besonders den 186 Fufs hohen Tlnirm 7.11 
sehen. Auf 236 Stufen stiegen wir hinauf und genossen >on oben 
eine sehr schöne Aussicht auf die regelmäfsig gebaute Stadt, auf 
die Bei und die umliegende Gegend. Die Bai nahm sich, mit den 
sie verteidigenden Forts, besonders gut aus; weniger die um- 
liegende Gegend , die sehr üaeh und mit Holz bewachsen ist. In 
der Stadt ragen mehrere Gebäude hervor, unter andern die Kirchen 
— und es giebt hier 22 Kirchen von verschiedenen Secten — , dann 
das Waisen - und das Zollhaus. Die St. Michaels -Kirche selbst 
enthält, aufser einigen einfachen Denksteinen, Nichts Merkwürdiges. 
Uebrigens stehen die hiesigen Kirchen in der Mitte von Kirchhöfen, 
und es herrscht noch die der Gesundheit so nachtheilige Gewohn- 
heit, die Todten in der Stadt zu begraben. 

An demselben Tage, dem letzten meines Aufenthalts in Char- 
leston, wohnte ich einem Diner bei, welches die Ger man fricndly 
society mir zu Ehren veranstaltet, und zu welchem sie mich durch 
eine Deputation eingeladen hatte. Das Fest begann um halb 4 
Uhr. Die Gesellschaft bestand, aufser dem Intendanten, Dr. 
Johnson, aus einigen und 60 Personen gröfstes Theiles Deutschen, 
oder Nachkommen von Deutschen. Sie war in einem Hause ver- 
sammelt, welches der Society eigentümlich gehört, und in welchem 
sich, aufser dem grofsen Versammlungssaal, auch eine Schule für 
die Kinder der Mitglieder dieser Gesellschaft, und die Wohnung 
des Schullehrers befindet. Die Society ist im Jahr 1766 gestiftet 
worden; der Hauptgründer war ein Hauptmann Kalteisen, ein 
geborner Würtemberger , der im Revolutionskriege aus den hiesi- 
gen Deutschen eine freiwillige Füselier-Compagnie errichtet hatte, 
mit welcher er sich nicht allein bei der Yertheidigung des Forts 
MouHtie gegen die Engländer auszeichnete , sondern auch persön- 
lich während des ganzen Krieges als Adjoint im General-Quartier- 
meister-Stabe der Armee des Südens die wichtigsten Dienste leistete. 
Die Füselier-Compagnie steht noch immer in Connexion mit der 
deutschen Gesellschaft. Kalteisen selbst starb im Jahr 1807 als 
Commandant des Forts Johnson; er war an die deutsche Gesell- 
schaft so attachirt, dafs er sich im Hofe des Gebäudes begrabe» 
liefs: über seinem Sarge bezeichnen die Backsteine des Pilasters 
die Form desselben, und eine Marmortafel in der Mauer enthält 
eine Inschrift zur Ehre des Verstorbenen. Im grofsen Saale hängt 
sein Portrait, nebst dem Portraite des alten Obersten Safs, der 
nach ihm die Compagnie commandirt hat, und das Portrait eines 
Wormsers , Namens Strobcl , der Mitstifter der Gesellschaft gewesen 



13 

Ist, und dessen Söhne und Enkel sich bei dem Diner befanden. 
Zwei Brüder Horlbcck präsidirten an der Tafel, die sehr wohl be- 
setzt war. Man hatte die Güte, mich zum Ehrenmitgliede der 
Gesellschaft zu ernennen, und mir die Statuten zum Unterzeichnen 
zu präsentiren; unter den Signaturen waren hin und wieder nur 
Kreuze. Man brachte mehrere der gewöhnlichen Toasts aus ; für 
den meinigen dankte ich in deutscher Sprache. Man sang auch. 
Der Gesang wurde durch einen alten Herrn Eckhardt dirigirt, 
einen Hessen, der mit den hessischen Truppen als Musicus nach 
Amerika gekommen, und hier geblieben ist. Er ist jetzt Organist 
an einer der hiesigen Kirchen , und drei seiner Söhne bekleiden 
dieselbe Stelle bei andern Kirchen. Die deutsche Gesellschaft be- 
sitzt übrigens eine, wiewohl nicht zahlreiche Bibliothek, die Ge- 
schenken ihren Ursprung verdankt. In der Schulstube befand sich 
ein recht sauber gearbeitetes, durch ein Uhrwerk in Bewegung 
gesetztes Planetarium. 



XVI. 

Reise von Charleston über Augusta, Milleägeville, Macon, 

durch das Land der Creek- Indianer nach Mont goi inner y 

im Staate Alabama. 

Vom 20. Deceniber 1825 bis 4. Januar 1826. 



Meine Absicht war gewesen, von Charleston nach Savannah 
zu reisen. Ich erfuhr aber, die Stage nach Savannah sei sehr 
schlecht; das Dampfschiff gehe unregelmäfsig ab ; Savannah habe 
wegen der Concurrenz von Charleston seine Wichtigkeit als Han- 
delsplatz verloren, und enthalte Nichts Merkwürdiges. Da mir nun 
diese Tour doch mehrere Tage und einen grofsen Umweg gekostet 
haben würde, so beschlofs ich, auf den Besuch von Savannah 
Verzicht zu leisten, und mich auf dem nächsten Wege nach Au- 
gusta, 129 Meilen weit, zu begeben, um alsdann über Milledgeville 
zu den Crce/i-Indianern und in den Staat Alabama zu gehen. Der 
Oberst Hool machte gemeinschaftliche Sache mit uns, so wie ein 
^/fg/o-Amerikaner, Temple Bowdoin, ein sehr feiner und viel 
gereiseter Mann, der in früheren Jahren in englischen Militär- 
diensten gestanden hatte. Wir hatten die Mailstage für uns allein 
genommen, und verliefsen mit derselben Charlcston am 20. Dec. 
Vormittags um halb 12 Uhr. 

Wir passirten den Ashley-F\u(s auf derselben Stelle , und auf 
demselben Teamboat, wie vor 8 Tagen. Es war gerade Ebbe und 
mehrere Austerbänke lagen frei da. Diefs war ein neuer Anblick 
für mich. Die Austern stehen aufrecht, dicht an einander und 
sehen aus wie eine Bürste. Mehrere Neger waren beschäftigt, sie 
aus dem Schlamme zu nehmen, und in Körbe zu thun. Auch an 
den Pfeilern der Brücke hatten sich sehr viele Austern angesetzt. 
Auf dem andern Ufer führte der Weg durch eine im Ganzen wal- 
dige, theilweise aber sehr gut mit Plantagen besetzte Gegend. 



15 

Mehrere dieser Plantagen sind hübsch ; zu dem Herrnhause führt 
gewöhnlich eine AHee alter und gut unterhaltener life oaks, an 
deren Eingang ein Gitterthor steht. Man baut hier Mais und 
Baumwolle, zum Theil auch Reifs, welches das Haupt-Product des 
niedern Theiles von South-Carolina ist. Die Reifsfelder müssen be- 
kanntlich mehrere Monate des Jahres unter Wasser stehen. Defs- 
halb sind sie in morastigen Gegenden angelegt und mit Wasser- 
gräben umgeben. Eben defswegen sind aber auch diese Gegen- 
den so ungesund, dafs es fast kein weifser Pflanzer im Sommer auf 
seiner Plantage aushalten kann; sondern dafs er entweder nach 
Charleston oder in die nördlichen Staaten ziehen mufs. Das Clima 
von Charlesion ist ebenfalls so beschaffen, dafs derjenige, der dort 
im Anfange der heifsen Jahreszeit anwesend ist, keine Nacht wäh- 
rend derselben aufserhalb der Stadt auf einer Plantage schlafen 
darf, ohne seine Gesundheit im höchsten Grad auszusetzen. Die 
Schwarzen sollen die einzigen menschlichen Geschöpfe sein, auf 
welche dieses mörderische Clima keinen bösen Einflufs hat, und sind 
defswegen zum Anbaue dieses Landes unentbehrlich. Die Vegeta- 
tion war wieder äufserst schön: herrliche life oaks, Lorbeerbäume, 
Magnolien, yucca's und lataniers. Ueber mehrere kleine Flüsse 
ging es auf leichten Brücken, an deren Ufern Neger mit Angeln 
beschäftigt Maren. Wir sahen eine Pflanzerfamilie in einem ele- 
ganten Boote mit 6 schwarzen Ruderern bemannt, nach ihrer Plan- 
tage fahren. In einem grofsen Wirthshause, das selbst das Herrn- 
haus einer Plantage war, fanden wir ein ganz vorzüglich gutes 
Diner. Am Abend setzten wir über -den Edisto river in einer engen 
Fähre, auf deren Ankunft wir aber lange Zeit warten mufsten. Der 
Boden war meistens sehr sandig, theilweise auch morastig, und 
herzbrechende Knüppeldämme machten uns das Leben sauer. Jen- 
seits des Flusses kamen wir in das Dorf Edisto. Wir reiseten die 
ganze Nacht durch; es fror tüchtig, und ich hatte auf meinem 
luftigen Sitze viel von der Kälte auszustehen. Die Nacht war 
übrigens mondhell, und würde, wenn es etwas wärmer gewesen 
wäre , schön zu nennen gewesen sein. Wir wechselten während der 
Nacht die Stage, gewannen jedoch nicht beim Tausche. 

Der folgende Morgen zeigte alle Wassertümpel mit einer Eis- 
kruste bedeckt. Wir passirten den Salketcher river und Cambahee 
river auf Brücken, und sahen kaum etwas Merkwürdiges. Die 
Vegetation war weniger schön, als am vorigen Tage; auch die 
Plantagen weniger ansehnlich. Bei einer neuen Plantage , bei der 
wir bei Tages Anbruch ankamen, sprach ich den Aufseher über 



16 

die Neger. Das Amt des Menschen erkannte ich an seiner Peitsche, 
und ;l ii (Uni (.Yluauche, den er von derselben machte, um einen 
Neger aufzumuntern, uns ein Feuer anzumachen. Er erzählte, 
d.iK in der Gegend, wo die Plantage stand, und wo Mais und 
Baumwolle gebaut wurden, noch vor Kurzem nur Wald gewesen 
wirr; sein Herr habe im Jahr 1816 mit zwei Negern angelangen, 
und besitze jetzt 104, die beschäftigt wären, den Wald auszuroden, 
um die Plantage zu erweitern. Die Baumwollenernte war in den 
meisten Feldern schon beendigt, und man hatte Kühe hinaufge- 
trieben, welche die schlechten Früchte und die Spitzen der -Stauden 
abfressen sollten. Wir kamen an mehreren Mühlteichen vorbei und 
sahen einige Sägemühlen. In der Gegend scheinen nur Kiefern 
zu gedeihen ; zuletzt wurde sie hügelig , und die Reise ging lang- 
sam im tiefen Sande von Statten. Drei Meilen vor Augusta pas- 
sirten «ir in einer schmalen Fähre den Savannah-¥\\ifs. Das linke 
Ufer schien ziemlich hoch und hier und da felsig zu sein; das rechte 
ist sandle. Indem wir über den Flufs setzten, verliefsen wir den 
Staat South- Carolina , und erreichten den Staat Georgia , den süd- 
lichsten der ehemaligen 13 V. St., die seit 50 Jahren bis zu 24 an- 
gewachsen sind. Auf einem sehr guten Wege erreichten wir Abends 
9 Uhr Augusta , eine weitläuftig gebaute Stadt von 4600 Einwohnern 
beiderlei Farben. Wir nahmen im Globc hutel, einem leidlichen 
Wirthshaus, unser Quartier. Es war den ganzen Tag über sehr 
helles, aber kaltes Wetter gewesen; Abends fror es wieder stark. 
Die alte Bemerkung ist sehr richtig, dafs man nirgends mehr von 
der Kälte leidet, als in heifsen Himmelsstrichen, weil die Häuser 
wohl gegen die Wärme, keineswegs aber gegen die Kälte geschützt 
sind. 

Den 22. December mufsten wir in Augusta bleiben, weil die 
Mailsfage erst den folgenden Tag nach MiUedgeviUe abging, und 
weil der Oberst Wool das hiesige Arsenal der V. St., welches gegen 
6000 Infanteriegewehre enthalten soll, inspiciren mufste. Wir 
hörten, Herr Crawford, der früher Gesandter der V. St. in Paris, 
später Staats-Secretair und zuletzt Candidat zur Präsidentenwürde 
gewesen, befände sich hier bei einem Freunde. Wir gingen also 
zu ihm, um unsern Besuch zu machen. Herr Crawford ist ein 
Mann von einer colossalen Statur und ehrwürdiges Ansehens; er war 
aber seit einem Jahre vom Schlage gerührt, so dafs er an einer 
Seite fast gelähmt war , und nur mit Schwierigkeit zu reden ver- 
mochte. Zu meiner Verw underung sprach er nicht französisch , da 
er doch mehrere Jahre lang Gesandter in Paris gewesen ist. Man 



17 

erzählte : Craivfords Vorgänger in Paris war der Kanzler Livine- 
ston; dieser Mar taub; beide- Herren , Lidngston und Crawford, 
Worden dem Kaiser Napoleon zugleich vorgestellt ; der Kaiser , der 
sich mit keinem unterhalten konnte, änfserte seine Verwunderun «■ 
darüber, dafs die V. St. ihm eine taubstumme Gesandtschaft ge- 
schickt hätten. Ich profitirte auch wenig von Herrn Crawfords 
Unterhaltung. Denn da er ein alter Freund des Herrn Bowdoin 
war: so fiel diesem fast der ganze Vortheil des Gesprächs zu, und 
ich war gröfstes Theiles an die Tochter und an eine ihrer Freun- 
dinnen gewiesen, die zugegen war. Und von der Unterhaltung 
mit der Tochter eines solchen Staatsmannes war allerdings viel 
zu erwarten. Sie war in einer Schule in den südlichen Staaten 
erzogen. Je weiter ich aber nach Süden kam, um so mehr 
fand ich, dafs die Einwohner dieser Staaten in Hinsicht ihrer 
Bildung gegen den Norden zurückstehen. Uebrigens war Herr 
Crawford der Held der Demokraten-Partei, und würde wahrschein- 
lich ohne seinen Schlagflufs im Frühjahr 1825 zum Präsidenten 
gewählt worden sein. Wegen seiner Infirmität schob man aber den 
General Jackson vor; und gegen die Persönlichkeit dieses Mannes 
wurde so viel eingewendet, dafs der jetzige Präsident Adams den 
Sieg davon trug. 

Die Stadt Augusta ist sehr regelmäfsig gebaut. Die Haupt- 
strafse ist gegen 100 Fufs breit; sie hat viele Häuser von Back- 
steinen und gute Läden. Keine der Strafsen ist gepflastert, alle 
aber siriti auch hier mit Trottoirs von Backsteinen versehen. Eine 
350 yards lange und 30 Fufs breite hölzerne Brücke, auf Böcken 
ruhend, führt nahe bei der Stadt auf das linke Ufer des Savarmah- 
Flusses, auf dessen rechtem Ufer die Stadt liegt. Längs des Ufers 
ist ein Quai terrassenförmig aufgebaut, der einer der zweckmäfsig- 
sten ist, die ich gesehen habe; denn er ist für das Steigen des 
Flusses, welcher öfters über 20 Fufs anwachset, eingerichtet. Er 
hat drei Terrassen. Die untere hat einen Rand von Balken, meistens 
C\ pressenholz, an dem jetzt, bei dem ungemein niedrigen Wasser- 
stande, die Schiffe geladen wurden. Von der 2. Terrasse — welche, 
wie die obere, ein backsteinernes Hevctement hat — gehen höl- 
zerne Landungsbrücken bis an den Hand der untern Terrasse, 
damit bei höherem Wasserstande die Schiffe an denselben landen 
können. Die obere Terrasse ist mit grofsen Steinen, welche ober- 
halb der Stadt gebrochen werden, gepflastert. Der Quai sowohl, 
als die Brücke gehören der Staateubank von Georgia; die Brücke 
soll jährlich 15 Proc. einbringen. 

//. B 



18 

Auausta i-t der Stapelplatz für die Baumwolle, die aus den 
obern Theilen von Georgia auf der Achse hieher gebracht wird, 
um eineeschiffl und nach Savannah oder nach Charlesion gebracht 
zu >\ riilcn. Wir sahen ein Paar dieser Schiffe von eigener Bauart 
liden. Sie sind unten platt, und sehen aus, wie grofse Fähren. 
Bin jedes Schiff kann eine Last von 300 Tonnen tragen. Die 
Baumwollenhallen, von denen jeder ungefähr 300 Pfund wiegt, 
werden l>is zu 11 übereinander gepackt. Dampfschiffe sind da/u 
bestimmt, diese Schiffe Strom nb- und aufwärts zu ziehen, konnten 
aber wegen des momentanen niedrigen Wasserstandes nicht bis 
August a herauf kommen. Man versicherte^ dafs jährlich zwischen 
15 und 20,000 Ballen Baumwolle den Flufs hinabgeschifft würden. 
Der Staat South -Carolina, dem das linke Ufer des Flusses gehört, 
war sonst genöthigt, August a zu seinem Stapelplatze zu machen. 
Um dieses zu vermeiden, hat ein spekulativer Mann, Schuh, aus 
dein Hollsteinischen gebürtig, von der Legislature von Soul h- Caro- 
lina, wie man sagt, mit 50,000 Dollars unterstützt, auf dem 
linken Ufer des Flusses, nahe an der Brücke eine neue Stadt, 
Hamburg genannt, angelegt. Diese Stadt »st erst im Jahr 1821 
begonnen worden, und zählte gegen 400 Einwohner, die sich 
sämmtlich vom Transito - Handel nähren. Hamburg selbst besteht 
aus einer einzigen Reihe hölzerner Häuser , weifs angestrichen, 
welches sich auf dem dunkeln Hintergrunde, da der hohe Wald 
dicht hinter den Häusern anfängt, sehr gut ausnimmt. Fast jedes 
Haus enthält einen Store — Laden — ; ein einziges, welches^ Stores 
enthielt , war für 1000 Dollars vermiethet. Mehrere neue Häuser 
wurden gebauet, und Bevölkerung und Wohlstand schienen rasch 
zuzunehmen. Die Reihe Häuser, welche die Stadt ausmachen, 
läuft parallel mit dem Flufs, und ist ungefähr 150 Schritt von 
demselben entfernt. Auf diesem Räume steht ein grofses Magazin, 
zum Stapelplatze der Baumwolle, und eine kleine hölzerne Baracke, 
übrigens recht nett aussehend, mit der Ueberschrift „Bank'"''. Eine 
Hamburger Bank in einer solchen Bude, war für mich eine zu 
reizende Idee, als dafs ich nicht meine Neugierde hätte befriedigen 
sollen. Ich ging hinein, und machte Bekanntschaft mit Herrn 
Schulz, der gerade gegenwärtig war. Es schien mir ein sehr 
unternehmender Mann zu sein, der auch einer <ler vorzüglichsten ' 

CT 

Entrepreneurs der Brücke und des Quais von Augusta gewesen 
war. Man sagte aber, er mache nur gute Geschäfte für andere 
Leute, und nicht für sich selbst. Schon mehrere Male habe er 
ein sehr ansehnliches Vermögen besessen, und es immer wieder 



19 

durch zu gewagte Speculationen , verloren *). Diese Hamburger 
Bank hatte übrigens ihre Zahlungen eingestellt, und wollte ihre 
Geschäfte erst im nächsten Monate wieder anfangen. Eben defswe- 
gen war es mir nicht möglich, Noten derselben zu erhalten, die 
ich sonst, der Curiosität wegen, gern nach Deutschland mitge- 
nommen hätte. 

Am 23. December verliefsen wir Augusta früh um 4 Uhr bei 
Mondschein und ziemlich kaltem Wetter in der leidigen Mailslage, 
die wir für uns allein gemiethet hatten. Es ging nach Milledge- 
ville, 86 Meilen von Augusta entfernt. Die Stralse war eine der 
langweiligsten, die ich bisher in den V. St. getroffen hatte: hüge- 
lig; nichts als Sand; zuweilen einzelne Felsstücke und beständiger 
Kiefernwald mit sehr wenigem Laubholze; keiner der immergrünen 
Bäume und sonstigen südlichen Gewächse, welche, für mein Auge 
Heu, die Uniformität der Ungeheuern Wälder, die ich seit dem 
Anfange des Decembcrs durchreisete, so angenehm unterbrochen 
hatte; selbst die Häuser nur Breterbuden. Alles trug dazu bei, 
mir einen üblen Eindruck zu hinterlassen. Die Einwohner von 
Georgia stehen in den V. St. in dem Ruf einer grofsen Rohheit; 
und dieser Leumund scheint in', der That] nicht ganz falsch zu 
sein. Man sieht widerwärtige Physiognomien , etwa wie in Italien. 
Auch sind alle Gesichter blafs und zeugen von dem ungesunden 
Klima. 

Auf das kalte Wetter , " das wir mehrere Tage gehabt hatten, 
folgte heute Wärme. Wir wurden ziemlich vom Staube incommo- 
dirt. Aufser mehreren einzelnen Häusern und Plantagen stiefsen 
vir auf zwei kleine Dörfer, hier Städte genannt, Warrenton und 
Powclton; dieses letztere liegt am Grcat Ogorhee river, über wel- 
chen eine hölzerne Brücke führt. In Warrenton machten wir 
Mittag. In dem einzigen Hause von Backsteinen ist der Gerichts- 
hof; neben demselben das Gefängnifs, die county goal, ein von 
starken Bohlen und Balken zusammengenageltes Gebäude. Zwi- 
schen Warrenton und Powelton hatten wir einen betrunkenen 
Irländer zum Kutscher, der uns mehr als ein Mal in grofse Gefahr 
brachte. Diese Menschenrace , die sich wie eine böse Krankheit 



*) Die Einwohner von Augusta, für die Hr. Schulz doch so viel gcthnil 
hatte, liefücn ihn, sagte man , als er in Geldverlegenheit war, in Stich. 
Im sich an ihnen zu rächen, haute er augusta gegenüber die neue Stadt 
Hamburg, und fügte dadurch der Stadt Augusta empfindlichen Nach- 
theil zu. Man wollte, wie bemerkt, sogar behaunfen, dafs er bei soinem 
Unternehmen vom Staat South-Carolina unterstützt Morden sei. 

B 2 



20 

fit»«! die \. St. mm breitet hat, ist auch hier, und wird sogar von 
<1» n Georgien* verachtet. Wir reiseten wieder die ganze Nacht 
hindurch; sie war jedoch weniger kalt, als die vorigen Nächte. 
Gegen Mitternacht erreichten wir einen kleinen Ort, Sparta ge- 
n.iniit. Wir mufsten hier einige Zeit Märten, weil die Stagc und 
die Pferde gewechselt wurden. Wir setzten uns an das Kamin im 
Wirthshause. Plötzlich stand, wie ein böser Geist, ein starker 
Kerl von abscheulichem Aussehen zwischen uns, der betrunken zu 
sein schien, und sich hinter Herrn Bowdoin drängte. Ich rief die- 
sem zu, wegen seiner Taschen auf seiner Hut zu sein. Der Kerl 
machte eine Bewegung , und es fiel ihm ein Dolch aus dem Ermel, 
den er aufraffte, und sich sogleich fortmachte. Man sagte: es sei 
ein Irländer, der, dem Trunk wie die meisten seiner Landsleute 
ergeben, kein Unterkommen habe und öfters des Nachts herum- 
schleiche, um in offenstehenden Häusern zu schlafen. Wahrschein- 
lich hatte er zu stehlen vorgehabt. Wir bekamen übrigens einen 
neuen Kutscher, den ich an seinem halben Rausch und seinem 
Fluchen auch sogleich für einen Sohn Hiberniens hielt, und hatte 
Recht. 

Den 24. December verliefsen wir gegen 1 Uhr früh das wider- 
wärtige Sparta. Der Kutscher wollte mit aller Gewalt noch einen 
Passagier in den Wagen bringen. Wir widersetzten uns. Darüber 
aufgebracht, fuhr er uns nun so langsam, dafs wir auf den 22 
Meilen bis Milledgcville 8 volle Stunden zubrachten und diese Stadt 
erst gegen 9 Uhr früh erreichten. Schon seitdem wir Norfolk 
Verlassen hatten, und in den wenig wirthbaren Wäldern gereiset 
waren, hatten wir jede Nacht Bivouaks von Kärnern oder Auswan- 
derern angetroffen, die sich nach den westlichen Staaten — inthe 
backwooda — begaben. Die Pferde einer solchen Caravane sind 
an die Seiten der Wagen angebunden, und stehen fressend vor 
Krippen ; neben den Wagen ist ein grofses Feuer angezündet von 
umgefallenem oder abgehauenem Holz. An demselben schlafen die 
Menschen bei gutem Wetter; bei schlechtem Wetter legen sie sich 
unter oder in den Wagen. Seit Augusta stiefsen wir auf mehrere 
Bivouaks, die zum Theil aus zahlreichen Familien mit einspännigen 
Karren bestanden. Sie wollten nach dem Staat Alabama, in das 
vor Kurzem von den V. St. verkaufte und noch zu verkaufende 
Land gehen, um sich dort niederzulassen und anzubauen. An 
einem der umgefallenen langen Bäume sah ich drei Familien sitzen, 
welche den Baum an drei Stellen angezündet hatten. Diese Gruppe 
nahm sich ungemein malerisch aus; aber die Operation ist sehr 



21 

gefährliche In der vorigen Nacht sahen wir den Wald an drei 
verschiedenen Stellen brennen, und das Feuer war ohne Zweifel 
durch solche Wanderer entstanden. Die brennenden hohen Kiefer- 
bäume nahmen sich, zumal, wenn sie einzeln standen, sehr schön 
aus : nur der Waldbesitzer hat seinen Jammer. 

Die Gegend , welche wir gegen Morgen passirten , war hüge- 
lig; der Boden beständig sandig, zuletzt mit Thon und Felsen 
untermischt. Die Bäume: nichts als Kiefern mit langen Nadeln 
(long leave pincs). Nahe vor Millcdgeville kamen wir über den 
Okoneo-Vlufs auf einer Brücke , die erst vor wenigen Tagen voll- 
endet war,, und auf hölzernen Böcken ruhet. Bisher passirte man 
auf einer Fähre über den Flufs. Die beiden Ufer sind aber sehr 
hoch und steil, und defswegen war das Hinab- und Hinauffahren 
mit grofser Schwierigkeit verknüpft. 

Millcdgeville liegt auf einer Anhöhe; die Stadt ist sehr regel- 
mafsig gebaut; ihre breiten Strafsen durchschneiden sich in rech- 
ten Winkeln, sind aber natürlich nicht gepflastert. Sie zählt gegen 
3000 Einwohner von beiden Farben. Sie ist erst seit ungefähr 
20 Jahren angelegt, und nahm Anfangs sehr schnell zu, weil sie 
die Hauptstadt vom Staat Georgia und der Sitz der Legislative ist. 
Ihr Wachsthum ist jedoch ins Stocken gerathen, weil die Rede 
gehet , der Sitz des Gouvernements werde nach der neuangelegten 
Stadt Dfacoif, oder, wenn der Staat seinen jetzt vor dem Congrefs 
anhängigen Procefs gewinnt, und den Theil vom Grundgebiet der 
Ott/t-Indianer bekommt, den er haben will, nach Athens verlegt 
werden , wo sich die Universität des Staates befindet. Wir nahmen 
unsere Wohnung in Lafaycftc hall , einem grofsen Wirthshause. 

Kurz nach unserer Ankunft machte ich einen Spaziergang 
durch die Stadt. Sie enthält meistens hölzerne, aber recht gut 
und selbst elegant gebaute Häuser, gute Läden, auch eine Buch- 
hiindlung und mehrere Buchdruckerpressen. Es erscheinen hier 
4 Zeitungen, welche die letzte Zeit über, wegen der beiden Par- 
teien, die sich in diesem Staate gegenüber stehen, sehr beschäftigt 
sind. Die eine Partei ist die des Gouverneurs Troup , der wegen 
seiner Streitigkeiten mit den V. St. über das Territorium der Creeks, 
und wegen seiner Heftigkeit in seiner ofliciellen Corrcspondenz 
bekannt geworden ist; die andere ist die Partei des frühern Gou- 
verneurs, Generals Clark, der ein sehr gemäfsigter, und von ver- 
ständigen und gutgesinnten Menschen sehr geachteter Mann sein 
soll. Bei der letzten Gouverneurswahl , vor einem Monat ungefähr, 
glaubte und hoffte man, dafs General Clark wieder gewählt weiden 



22 

würde. Er halte auch die Majorität der Legi statu re für sich; da 
jedoch m diesem Staate der Gouverneur für 2 Jahre vom Volke 
gewShh wird, und da Jedermann, der § Dollar Abgaben zahlt, 
stimmfähig ist', so ist es dem Gouverneur Troup durch seine Popu- 
larität gelungen, den Sieg davon zu tragen *). 

Ic-Ji besah das Staatenhaus. Es ist ein einfaches , aber gut von 
Backsteinen aufgeführtes Gebäude, und hat 2 Stockwerke. Im 
Erdgeschosse sind die Büreaux; im obern Stockwerke 2 Säle: der 
eine ist für die Versammlung der Senatoren, der andere für die 
der Repräsentanten bestimmt. In jedem befindet sich ein Sitz mit 
«inem Thronhimmel für den Vorsitzenden. Die Senatoren haben 
jeder ein Pult vor sich; in dem Saale der Repräsentanten haben 
zwei Personen ein Pult. Alle Plätze sind numerirt, umCollisionen 
zu vermeiden. In jedem Saal ist eine Tribüne für das Publicum. 
Das Staatenhaus liegt isolirt auf einer kleinen Anhöhe. In der 
ISähe desselben steht das Arsenal des Staats. Ein anderes dem 
Staate gehöriges Haus ist zur Wohnung des Gouverneurs bestimmt. 
Herr Troup jedoch bewohnte dasselbe nicht, weil er keine Menage 
hatte: man >vird sich erinnern, dafs seine Frau sich im Lunatic 
■asyhwi zu New -York befand. Er hatte sich in einem einfachen 
boardi/ig house etablirt. Wir wollten ihm unsern Besuch abstatten; 
er konnte uns aber nicht annehmen, weil er an einem heftigen 
Seitenstechen sehr gefährlich krank danieder lag. Durch 2 seiner 
Freunde , einen Miliz-Obersten Hamilton und einen Herrn Ringold, 
hefs er uns seine Entschuldigung machen; und diese Herren boten 
uns in seinem Namen ihre Dienste an. 

A\ ir Reisen uns von ihnen nach dem Staatengefängnisse füh- 
ren, einem greisen backsteinernen Gebäude, das unter der Ver- 
waltung eines Herrn tfilliaui stand, und 76 Gefangene enthielt. 
Alle diese Gefangenen waren Weifse; denn die Schwarzen werden 
mit der Peitsche und nicht mitGefingnifs bestraft. Bei den Gefan- 
genen wird kein Müssiggang geduldet. Wenn ein Gefangener kein 
Handwerk versteht, so wird er gezwungen, eins zu lernen. Die 
meisten fand ich mit Wagner - und Sattlerarbeit beschäftigt ; andere 



") Die Zeitungen beider Parteien schimpften heftig gegen einander und 
brachten eine Menge Persönlichkeiten zum Vorschein. So z. B. sah ich, 
tlafs der General Clark gegen den Goirverneur Troup vorzüglich auch 
deshalb herausgestrichen und zum Candidatt-u empfohlen wurde, weil, 
wahrend des Revolutionskrieges der Vater des Ersten in den Reihen 
der republikanischen , während des Letzten Vater in den Reihen der 
königlich gesinnten Partei gedient habe. 



23 

arbeiteten in einer Schmiede; wieder andere als Schuster oder 
Schneider. Es herrschte eine grofse Ruhe und Stille unter den 
Gefangenen. Ihr Costüm ist blau mit breitem weifscn Besatz aul 
allen Näthcn. Das Innere des Wohngebäudes gefiel mir weniger, 
als die Werkstätte. Es herrschte nicht die Reinlichkeit, die für 
ein solches Etablissement nothwendig ist; es war weder gefegt, 
noch gescheuert und in den Zellen der Gefangenen, in welchen 
4 bis 5 zusammen auf dem Fufsboden schlafen, lagen die wollenen 
Decken und Kopfkissen wild durch einander. Es giebt auch Zellen 
für Sotttary confinement ; dieses wird jedoch nur als disziplinare 
Hausstrafe gebraucht. Im Speisesaale gefiel es mir eben so wenig. 
Für jeden Gefangenen lag ein Stück gekochtes Fleisch auf dem 
Tisch, ohne Messer oder Gabel und ohne Teller. Brod scheint 
nicht alle Tage ausgegeben zu werden , wenigstens fiel heute keins 
vor. Das Gefängnifs ist mit einer hohen Mauer umgeben; auf 
jeder ihrer 4 Ecken steht ein Häuschen für die Wächter, in wel- 
ches sie von aufsen hineinsteigen, und aus welchem sie den ganzen 
Hof übersehen können. Das Gefängnifs soll so gut administrirt 
werden, dafs es dem Staate nicht nur keine Kosten verursacht, 
sondern, dafs es sich noch verinteressirt. Auf dem Hauptgebäude 
steht ein Thürmchen, welches eine weite Aussicht über die Stadt 
und die umliegende Gegend gewährt. Die Gegend zeigt sich als 
hügelig und mit Wald bedeckt, und die Einförmigkeit wird durch 
nichts unterbrochen. Der Wald fängt an in der Nähe der Stadt. 

Der Oberst Hamilton und ein Dr. Rodgers begleiteten, uns 
— am ersten Weihnachtstage — nach dem Staatenhause. In dem 
Saale der Repräsentanten hielt ein durchreisender unitarischer 
Geistlicher aus *\q\\ nördlichen Staaten Gottesdienst. Die meisten 
Menschen sind hier Methodisten oder Baptisten. Da nun der Uni- 
tarier die hiesigen Kirchen an diesem Tage besetzt gefunden , so 
hatte er seinen Tempel im Staatenhanse aufgeschlagen. Sein 
Auditorium bestand aus eleganter Welt; denn ein Unitarier war 
etwas Neues. Er hielt eine gute Rede, in welcher er eine sein 
reihe Moral predigte, und fand auch allgemeinen Beifall. Nach 
Tische versprach er einen zweiten Gottesdienst, um die Dogmen 
seines auf gesunde Vernunft gegründeten Glaubens zu erklären. 

Der Oberst Hamilton, ein besonderer Freund des Gfluyef- 
nenrs Tronp, war früher Staatssecretair von Georgia. Die > erge- 
bung dieser Stelle steht der Legislaturc zu. Diese aufgebracht 
darüber, dafs Troup wieder zum Gouverneur vom Volk erwählt 
worden ist, hat Herrn Uamlllou und allen Freunden des totouver- 



24 

neurs ihre Stellen genommen, und sie durch Personen aus der 
darJbcheo Partei besetzt. Dr. Rodgers war Secretair der Finan- 
zen des Staats gewesen, und hatte aus derselben Ursache seine 
►Stelle eingebüßt Auch sahen wir mehrere Indianer beiderlei 
Gc« -lilecbts von der Creek- Nation , welche Bogen, Pfeile, und 
recht nett gearbeitete Körbe verkauften. Diese Indianer sahen 
viel besser aus, als diejenigen, welche ich vorigen Sommer im 
westlichen Theile des Staates New -York und in Canada gesehen 
hatte. Uebrigens wurden mir mehrere der hiesigen Honoratioren 
vom Obersten Hamilton vorgestellt. Alle diese Herren hatten ein 
eigenes Vorkommen. Man sah, dafs sie von der civilisirten Welt 
abgeschnitten leben. 

Auch den zweiten Weihnachtstag mufsten wir noch in Milled- 
gcrille aushalten, so schwer es uns auch wurde. Denn es gehen 
von diesem Orte keine Stages durch das Gebiet der Indianer nach 
Nonlgommery am Alabama- Flusse, wohin wir unseren Weg nehmen 
wollten. Wir mietheten daher für diese^Tour von 198 Meilen eine 
vierspännige Extra- Stage für den Preis von 225 Dollars; diese Stage 
war aber gerade im Staaten-Gefängnifs *) in Reparatur, und 
konnte erst den 27. December zu unserer Disposition gestellt 
werden. Wir mufsten uns in Geduld fassen , um die Zeit so gut 
als möglich hinzubringen , und die wenigen Herren , die wir kennen 
gelernt hatten, gaben sich alle Mühe, sie uns zu vertreiben. 

Am 27. December verliefsen wir früh um 9 Uhr Milledgerille. 
Es war ein ziemlich kalter Morgen , und hatte beinahe einen halben 
Zoll dick Eis gefroren. Wir fuhren nur 30 Meilen weit bis nach 
Maam. Denn trotz des schweren Geldes, das uns der Wagen 
kostete, brach derselbe zwei Mal; die Reparatur nahm viele Zeit 
hinweg, und wir legten mehrere Meilen zu Fufse zurück. Der 
Tag war sehr hell, und gegen Mittag ward es ziemlich warm; 
Abends jedoch fror es wieder stark. Ich freuetc mich über die 
dunkele Bläue des Himmels, wie er sie in Deutschland kaum an 
hohen Sommertagen hat. Wir begegneten mehreren Familien, 
die mit ihren Habseligkeiten nach Macon und dem Staat Alabama 
auswanderten. Eine dieser Familien , die ihren Kärner voraus- 
bezahlt hatte, war von diesem, unter einem nichtigen Vorwande, 
mitten im Walde , zwei Meilen von Milledgeville , verlassen worden : 
wir fanden diese Unglücklichen, die ein Bivouak aufgeschlagen 
hatten , als sie schon seit mehreren Tragen vergebens des mit seinen 



*) Als der einzigen Liesigen Wagnerwertslättc. 



25 

Pferden entlaufenen Kutschers harrten. Mehrere der einzelnen 
Häuser, an welchen wir vorbei kamen, sind Branntweinschenken 
— grog skops — , in welchen die Nachbaren den 3. Weihnachts- 
feiertag verjubelten. Tont comme chez nous, dachte ich, und 
wähnte mich in europäischen Ländern. Wir bemerkten einen Herrn 
und eine Dame zu Pferde ; die Pferde waren durchaus nicht be- 
packt: dennoch mufste eine Negerin in blofsen Füfsen nebenher 
laufen, und einen schweren Sack mit indischem Korne zum Futter 
für die Pferde auf dem Rücken schleppen! Da sah ich, dafs ich 
mich nicht in Europa befand, und mit Freuden! Der Weg war 
sandig, hügelig, und lief durch Kiefernwald. Dieser Wald war 
hier und dort ausgehauen , und eine Pflanzung von Baumwolle und 
indischem Korn angelegt. Nahe vor Macon setzten wir über den 
O/c/milgee river auf einer ziemlich guten Fähre, und erreichten 
nach Sonnenuntergänge die Stadt. In einem neuen Wiithshause 
fanden wir ein leidliches Unterkommen. 

Die Gegend, in welcher Macon liegt, ist erst im Jahre 1822 
den CVee/f -Indianern abgekauft Morden, und die Stadt erst seit 
2 Jahren angelegt. Im letzten Kriege hatten die Indianer hier eine 
Menge der Ihrigen versammelt, und die V. St. hatten auf dem 
linken Ufer ein Fort, Haic/iins, erbaut, das jetzt verlassen steht und 
an dem wir vorbeigekommen waren. 

In Macon erhielten wir Besuch von einem Obersten Darrah, 
der früher in der Armee gedient und sich jetzt hier etablirt hatte. 
Er stellte mir mehrere der hiesigen Notabein vor, die gekommen 
waren, um mich kennen zu lernen. Die Stadt hat nur 2 Strafsen, 
welche sich in einem rechten Winkel durchschneiden. Auf dem 
Durchschnittspuncte ist ein grofser viereckiger Platz ; nur auf 3 Seiten 
desselben standen Häuser; auf die 4. gedachte man das Capitol zu 
bauen, wenn, wie es vorgeschlagen worden ist, das Gouvernement 
von MiUcdgcville hieher kommen sollte. Die eine Strafse stöfst 
perpendiculär auf den Flufs, über welchen man eine Brücke 
schlagen wollte; auf beiden Seiten hatte man bereits das Mauer- 
werk aufgeführt, auf das sie sich stützen soll. Die Strafsen sind 
gegen 100 Fufs breit, und man sieht in denselben noch die Wur- 
zeln der abgehauenen Bäume stehen, von welchen die ^Iäuser 
durchgängig gebaut worden sind. Der Ort zählt gegen 1600 Ein- 
wohner von beiden Farben. Die Einwohner sind theils junge 
Leute aus Georgia, theils Einwanderer aus den beiden Carolinas 
und den nördlichen Staaten , die auf Speculation sich hier nieder 
gelassen haben. Obgleich die Lage der neuen Stadt für sehr 



26 

rrpcund an ageg eft c fl wN, so hat man doch vorigen Sommer an 
G. dienlichem gelitten. Feld ist noch wenig in der Nahe angebaut 
Worden , nnd nicht weit hinter den Häusern fängt der Wald an. 

Ge"-en 9 Uhr früh — am 28. December — veriiefsen wir 
Mocod) und führen 31 Meilen Meit bis nach der Lulian agency % 
am linken Ufer des Flintriver , von den Indianern Tltlo-no-ieas k<ik 
genannt. Der Weg war theils sandig, theils felsig, aber aufseist 
hüfittlur. Er war sehr schlecht unterhalten. Man hatte sich nicht 
die Mühe gegeben, Bäume, die schon länger als ein Jahr quer über 
den Weg hingefallen waren , fortzuschaffen oder durchzusägen ; 
der Wa°xm mufste einen ansehnlichen Umweg durch den Wald 
nehmen, um diese umgefallenen Bäume zu umgehen. Die Pflan- 
zungen-, an welchen wir vorbeikamen, sind alle neu, und lassen 
auf eine grofse Armuth der Ansiedler schliefsen; die Häuser waren 
durchgängig Loghäuser. Die langweilige Einförmigkeit des Kie- 
fernwaldes war an den tiefen und morastigen Stellen, auf welche 
wir öfters stiefsen, sehr angenehm durch immergrünes hohes Schilf, 
so wie durch Stecheichen und Lorbeern unterbrochen ; auch sahen 
wir mehrere Laubholzbäume (meistens Eichen) als zuvor. 

Gegen 4 Uhr Nachmittags erreichten wir die Jgency , eine 
Gruppe von einigen 20 Loghäusern und einigen Negerhütten. Sie 
ist zum Aufenthalte des Agenten der V. St. bei den Creolc -Indianern 
— der jedoch eben abwesend war — bestimmt, und liegt in einer 
ganz hübschen Gegend an der linken Seite des Flinlrirer, der 
zwischen ziemlich steilen Ufern über ein felsiges Bette dahin 
rauscht. Das rechte Ufer gehört der ungefähr 21,000 Seelen 
starken Crce/c- Nation, und ist von ihr bewohnt. Wegen dieses 
Gebiets besteht jetzt der Streit zwischen dem Staate Georgia und 
den V. St. Der Staat Georgia hat mit einem der Chefs der Crceks, 
M'lntosh , einen Tractat wegen Abtretung dieses Landes geschlos- 
sen; die Nation, unzufrieden mit diesem Tractat und keineswegs 
disponirt, ihr Land abzutreten, behauptete, betrogen zu sein, und 
schlug M'lntosh todt. Die V. St. nahmen sich der Indianer an, 
und man giebt den Commissarien des Staats Georgia abscheuliche. 
Betrügereien gegen die Indianer Schuld. Der Congrcfs wird jetzt 
über diese Sache entscheiden. In einem der Loghäuser, bei einem 
Herrn Crowell, Bruder des Jndian agent, nahmen wir unser Nacht- 
quartier, und labten uns an sehr gut bereitetem Wildpret. In 
einem nahe dabei liegenden Grog shop trafen wir eine Menge be- 
trunkener Indianer und einige Neger, die sich der Weihnachts- 
woche erfreuten. Mehrere von ihnen waren gut gekleidet, trugen 



27 

Mocassins und Kamaschen von Leder, an den Knieen breite Knie- 
bänder, die mit weifsen Glasperlen besetzt sind, eine Art Kleid 
von buntem Cattun, und um den Kopf ein buntes baumwollenes 
Tuch, fast wie ein Turban. Mehrere von ihnen waren sehr grofs. 
Auf eine Gratifikation von Whiskey, die ich ihnen gab, führten 8 
von ihnen den Kriegstanz aus. Sie hüpften hinter einander in 
einem Kreise herum, bewegten sich rechts und links, sprangen 
gegen einander, hoben die Hände in die Höhe, liefsen sie wieder 
fallen, und brüllten schrecklich zu diesem Allen. Einige Alte, die 
dabei standen, nahmen es übel, dafs die Jungen vor uns Weifsen 
auf solche Weise tanzten. Sie riefen ihnen zu, aufzuhören. Herr 
Crowell jedoch brachte sie leicht mit Whiskey zum Schweigen. 

Die Farbe dieser Indianer ist dunkelbraun. Sie haben schwar- 
ze schlichte Haare. Mehrere von ihnen besitzen selbst Neger, 
denen es bei ihnen sehr gefallt; denn sie werden bei ihnen mehr 
wie Gleiche behandelt, als bei den Weifsen. Mehrere dieser Neger 
waren auf indische Weise recht gut gekleidet; sie tranken mit den 
Indianern und sprangen mit ihnen herum. Einer war von colos- 
saler Statur, und schien bei den Indianern, deren Dolmetsch er 
machte, viel zu gelten. Die Verfassung dieser Indianer soll aristo- 
kratisch -republicanisch sein. Die Chefs Meiden auf Lebenszeit 
gewählt, und ihre Stelle ist nicht erblich; durch schlechtes Be- 
tragen können sie dieselbe verlieren. Schreiben können sie ihre 
Sprache nicht. Ihre Gesetze sollen sehr einfach sein, und auf Tra- 
ditionen beruhen. 

In der Nacht vom 28. zum 29. December hatte es sehr stark 
geregnet; es regnete auch am Tage fast unaufhörlich fort; jedoch 
war dieser Regen ziemlich warm, fast wie ein Frühlingsregen in 
Deutschland. Man deliberirte, ob man bkiben, oder weiter gehen 
sollte;. ich entschied für das Letztere. Gegen 9 Uhr verliefsen wir 
also unser Nachtquartier. In der Nähe desselben hatte der Gou- 
verneur des Staates Georgia im Letzten Krieg ein Fort , Lawrence, 
angelegt, das nach dem Frieden verlassen und abgetragen worden 
war. Die Häuser, welche zur Jgency gehörten, waren damals 
als Magazine und Hospitäler für die Truppen gebaut und zur \ er- 
tlieidigung eingerichtet worden. Neben dem Kamine , so wie neben 
den Thüren und Fenstern — letztere ohne Glasscheiben — waren 
Schiefslöcher angebracht. Hinter diesem Platze passirten wir den 
Flinlrivcr auf einer den Indianern gehörigen Fähre, und befan- 
den uns, auf dem rechten Ufer gelandet, auf ihrem Grundgebiete. 
Wir fuhren 28 Meilen weit bis zu einer isolirten Plantage, Currel's 



28 

genannt. Der Weg führte durch den weniger guten Theil des 
indischen Landes; der Wald bestand, wie bisher, beständig aus 
den langnadeligen Kiefern, und nur an feuchten Stellen fanden wir 
LanMiolz. Daselbst wuchs auch besonders hohes und schönes 
Schilf. Der Boden ist meistens dürrer Sand; strichweise und vor- 
züglich in den Vertiefungen ist er mit Thon untermischt und von 
ganz gelber Farbe. Ueber ein Paar Bäche mit morastigen Ufern 
haben die Indianer Brücken geschlagen: bei jeder derselben be- 
zahlten wir, mit dem gröfsten Vergnügen, § Dollar Brückengeld. 
Diese Brücken sind zwar nicht besonders gut; aber doch besser, 
als im christlichen Staate Georgia und selbst in mehreren der nörd- 
lichen Staaten. Von indischen Einwohnern begegneten wir nur 
sehr wenigen; diese waren alle in wollene Decken eingehüllt. Von 
Jf'igwams — indischen Häusern — sahen wir nur 3, meistens 
Zollhäuser an den Brücken. Sie gleichen den Loghäusern; nur 
sind sie durchsichtiger als diejenigen, welche icli im vorigen Som- 
mer im Staate New -York gesehen hatte. Der Tag war höchst 
uninteressant. Herr Currel, bei dem wir übernachteten, ist ein 
Virginier, der sich auf Speculation unter den Indianern, von wel- 
chen er sein Land ziemlich wohlfeil erkaufte, niedergelassen hat: 
nach seiner Trunkenheit zu schliefsen, hat er auch schon so ziem- 
lich ihre Sitten angenommen. Seine Plantage besteht, wie alle 
übrigen, aus Loghäusern; durch unsere Stube blies der Wind 
nach Herzenslust; kein Licht wollte brennen; wir mufsten uns vom 
grofsen Kaminfeuer beleuchten lassen. Eine Decke war nicht in 
unserer Stube, sondern das transparente Schindeldach gerade über 
uns. Ich war verwundert, hier Shakespeare** dramatische Werke 
zu finden. In einein der 'Scbenhäiiser wurde uns ein sehr gutes 
Nachtessen aufgetragen, bei dem wir besonders vortretflich.es Wild- 
pret fanden. 



29 




Die eingedruckte Skizze zeigt ungefähr die Anlage einer 
Plantage. 1 ist das Hauptgebäude, entweder Loghaus oder 
Breterbude ; in demselben sind a die Stuben , b ist piazza und ein 
offener Gang zwischen den Stuben. 2 sind Nebengebäude, ent- 
weder Log- oder Breterhäuser; in dem einen ist die Küche, in 
dem anderen werden Fremde untergebracht, und einige dienen den 
Negern zur Wohnung. 3 sind Häuser zu Magazinen, Scheuern 
und Ställen fürs Federvieh. Das Ganze ist mit einer wornfence 
umgeben ; bei 4 stehen abgeschnittene Baumstämme stufenförmig, 
um über die Feiice zu steigen, und bei 5 ist ein Thorweg. Im 
Innern des Hofes stehen Bäume, meistens pride of China; Obst- 
bäume sah ich hier wenige; nur Pfirsichbäume. 

Den 30. December brachen wir, nachdem wir eine kalte Nacht 
in unserer Breterbude, die dem Sturme den freien Durchzug ver- 
stattete, zugebracht, und unsere wenigen Effecten in unserer Stube, 
aus Furcht vor den herumschleichenden Indianern, verschlossen 
hatten, vor Tagesanbruch auf, und fuhren 33 Meilen weit, bis 
nach Fort Mitchele. Das Wetter war den ganzen Tag über kalt, 
und drohete mit Regen. Die Gegend wieder sehr unbedeutend, 
meistens Kiefern, Sandboden, hier und da mit Thon vermischt; 
zuletzt Laubholz. Nur in niedrigen Strichen, längs der Bäche, 



30 

deren wir drei passirlen, war die Vegetation sehr schön. Vorzüg- 
lich <nit nahmen sich die Lorbeersträuche aus. Es gereichte mir 
/um wahren Vergangen, bei dieser Jahreszeit in einem grünen 
Busche Knga eines Baches spazieren gehen zu können, was ich im 
Sommer schwerlich gethan haben würde, <la diese buschigen Stel- 
len der Lieblingsaufenthalt einer grofsen Anzahl von Klapper- 
schlangen sein sollen. In einer einzelnen Plantage frühstückten 
wir; sie gehörte einem Herrn Calfrey, einem ehrwürdigen alten 
\ir<>inier, der ein ansehnliches Vermögen verloren, und sich, um 
Seine umstände zu verbessern, zu dem schweren Schritt entschlos- 
sen hatte, sich mitten unter den Indianern niederzulassen. Seine 
Plantage fanden wir in einem ungewöhnlich ordentlichen und rein- 

<0 Hm 

liehen Zustand, und erfreuten uns eines ganz ausgezeichnet guten 
Frühstücks. Herr Bowdoin sagte dem Besitzer, dafs es schiene, er 
habe nicht immer so unter den "Wilden gelebt; und nie werde ich 
vergessen, *wie der alte Mann mit Thräuen in den Augen sich 
wegwandte, ohne zu antworten. 

Wir stiefsen auf mehrere JVigwams , und auf mehrere pro- 
visorische Hütten reisender Indianer; auch auf mehrere Brücken, 
an denen wir den Indianern Brückenzoll zahlen mufsten. Die 
Gegend war sehr hügelig, bis wir, eine Meile von unserm Nacht- 
quaitier, in ein Thal kamen, durch welches der Chaihahouchee- 
Flufs läuft. Dieser Flufs ergiefst sich in den Mexikanischen Meer- 
busen. Die Gegend bis an das linke Ufer des Flusses ist ziemlich 
morastig, mit Weiden, Lorbeern und Schilf bewachsen. Unweit 
des Flusses sahen wir mehrere Gebäude, zur Volksversammlung 
der Indianer, big ialk genannt, bestimmt. Sie sind grofs und 
rund und haben ein kegelförmiges, mit Baumrinde bedecktes Dach; 
sie haben Wände von Lehm , und einen bedeckten niedrigen Ein- 
fan«-, ebenfalls von Lehm. Die Indianer versammeln sich in 
diesem Gebäude nur bei schlechtem Wetter oder bei Nachtzeit, 
und ein mitten im Haus angezündetes Feuer erleuchtet sie. Bei 
gutem Wetter versammeln sie sich auf einem viereckigen Platze, 
mit Dächern umgeben, unter welchen die Indianer sich, gegen die 
Sonnenstrahlen geschützt, auf Bieter niedersetzen. Daneben ist 
ein anderer Platz, zu öffentlichen Spielen, und namentlich zum 
Ballspiele. Sie scheinen hier auch eine Art Maskerade zu haben; 
denn wir fanden einige, von einem halb durchschnittenen Kürbisse 
gemachte Masken, in welche Augen und Mund eingeschnitten und 
die Nase mit einem Stücke Holz angesetzt war. Vermittelst des 
Halses des Kürbisses — cakbasse — der in der Hälfte der Länge 



r- 31 

nach durchschnitten Mar, hatte man ein Paar Hörner gemacht, 
und auf der Maske befestiget; auch unten an derselben einen lan- 
gen weifsen Bart angesetzt. 

Den Fluls Chalhaltouchee passirten wir auf einer den Indianern 
gehörigen und von ihnen besorgten Fähre. Das rechte Ufer ist 
ziemlich steil, von rother Erde, die wegen des starken Regens 
sehr schlüpfrig war. Eine halbe Meile von der Fähre kamen wir 
an dem Fort Mitckele vorbei. Es liegt auf einer Anhöhe und blieb 
uns zur Rechten. Wir stiegon nicht weit von demselben zwischen 
indischen Wigwams, in. dem CroweWsoben Wirthshaus ab. Der 
Wirth war ein Bruder des Jndian agent und unseres vorgestrigen 
Wh'thes. Dieses Haus ist wieder eine Plantage, wie oben ange- 
geben worden ist. Der Oberst Wool und ich wurden in ein luftiges 
Nebenhaus von Uretern , ohne Decke , mit Fenstern ohne Scheiben, 
einlogirt. Wir wohnten etwas luftiger, als es etwa in einer deut- 
schen Scheune der Fall gewesen sein würde. Im Fort liegen 4 
Compagnien vom 4. Infanterie-Regiment, dessen Stab in Fcnsa- 
cola steht, in Garnison. Der Commandant, Major Donolio, und 
seine Officiere hatten sich in Crowells Wirthshaus in Pension bege- 
hen ; wir machten also Abends Bekanntschaft mit ihnen. Die meisten 
dieser Officiere, Zöglinge der Schule von Westpoint , waren gebil- 
dete Leute, und wir brachten den übrigen Theil des Abends ver- 
gnügt mit ihnen zu. 

Den 31. December machten wir Rasttag, weil der Oberst 
Wool die Garnison des Forts inspiciren mufste. Die 4 hier stehen- 
den Compagnieen machen eigentlich die Garnison von Pensacola 
aus, und sind nur vorigen Sommer, während der Streitigkeiten 
des Staates Georgia mit den V. St. hieher geschickt worden, um die 
Creeh "Indianer gegen die Anmafsungen dieses Staates zu schützen. 
Dieser will bekanntlich vom Gebiete der Indianer bis an den Cltatlta- 
honchee Besitz nehmen, bis wohin, der Charte gemäfs, der Staat 
Georgia sich erstreckt Das rechte Ufer dieses Flusses, auf wel- 
chem wir uns jetzt befanden, liegt schon im Bereich des Staates 
Alabama. Die hier angekommenen Truppen campirten Anfangs; 
sie fingen aber sogleich an, auf dem Terrain, auf welchem im 
letzten Kriege das Fort Mitcltele , dem damaligen Gouverneur von 
Georgia zu Ehren so genannt, gestanden hatte, ein neues, aber 
kleineres Fort zubauen, welches sie jetzt bewohnen. Sie hofften 
jedoch, dafs sie, sobald die obwaltenden Mifsverständnisse beseitigt 
wären, wieder nach Pensacola zurückkehren würden. 



32 




Dieses ist ungefähr der Plan vom Fort MitcJtcle. Es besteht 
aus einer Palanque, die ein Quadrat bildet, von welcher jede Seite 
45 yards lang ist. Die Pfähle, welche die Wände bilden, sind 
Kiefernstämme, die gegen 8 Zoll im Durchmesser halten, und 
gegen lO.Fufs hoch sind. Die Stämme sind dicht nebeneinander 
geschlagen, und mit engen Sehiefslöchern versehen. Auf 2 Ecken 
stehen Blockhäuser, jedes 2 Stockwerke hoch, das obere über das 
untere Stockwerk vorspringend, und mit machicoulis versehen. 
Die Blockhäuser sind von starken, quer über einander gelegten 
Balken gebaut. Das Fort, welches übrigens ohne Graben ist, hat 
nur einen Eingang. Ueber demselben ist eine Gallerie für die 
Schildwache , die sich hier weit umsehen kann. Die Gebäude im 
Fort sind auch erst vor Kurzem beendigt worden. Sie bestehen 
aus breternen Baracken und sind je mit einem gemauerten Kamin 
versehen. Das Gebäude rechts vom Eingang ist das Wachthaus, 
das zur Linken die Baracke des Commandanten. Alle Häuser 
rechter Hand enthalten die Kasernen der Unterof (leiere und Solda- 
ten, und die zur linken Hand die Wohnungen der Officiere. Ob- 
gleich die Compagnieen sehr schwach waren — alle 4 waren nur 
130 Mann stark — so lagen die Soldaten doch ziemlich enge. 
Zwei Mann schliefen in einem Bett und zwei Bettkrippen standen 
übereinander. Sie schliefen auf Strohsäcken. Die 4 Küchen, so 
wie das Hospital, befanden sich aufserhalb des Forts, jedes in einer 
besondern Baracke. Das Fort, wenn es anders diesen Namen 
verdient, ist äufserst schwach, und kann mit einer geringen Macht, 
selbst ohne Artillerie, leicht genommen werden. Das Schlimmste 
aber ist: es hat keinen Brunnen, und die Soldaten müssen das 
Wasser aus einem Thale holen, das ziemlich entfernt ist. Die 
Truppen waren in ihrer weifsen leinenen Sommerkleidung, mit 
häfsüchen grauen Filzkappen, weil ihre Winterkleidung und 



33 

v. 

Schakots, die von Pensacola zu Schiffe hergeschickt werden , wen-en 
des niedrigen Wasserstandes nicht angekommen waren. Die Ofli- 
ciere verrichteten zum Theil, weil ihre Uniformen auch noch nicht 
angekommen waren, ihren Dienst in Ci\ilkleidern mit umgeschnall- 
tem Säbel. 

Nach der Inspection machten wir einen Spaziergang nach 
einer nahe gelegenen Plantage, die einem Indianer MIntosh ge- 
hört. Dieser Mann war abwesend; er befand sich als einer der 
Deputirten seiner Nation in JVasliington. Er ist der Sohn Jenes 
M'lntosh, der während des letzten Krieges vom Staat Georgia den 
Titel General erhalten hatte, und der im Frühjahre von seinen 
Landsleuten wegen des Tractats mit dem Staat Georgia erschossen 
und in Stücken gehauen worden war. Bei den Indianern herrscht 
Polygamie. Der junge M'Intosh hatte indefs nur zwei Frauen, 
eine weifse und eine Indianerin. Er hat sich mehrere Frauen, 
wie man erzählte, zulegen wollen: die weifse Frau aber hat sie 
mit Schimpf und Schande aus dem Hause getrieben, wie sie denn 
auch die eine indische Nebenbuhlerin gehörig niederhalten soll. 
Auch sahen wir die Indianerin nicht. Die weifse Frau hino-etren 
empfing uns , und recht artig. Sie ist die Tochter eines Pflanzers 
in Georgia, und ziemlich hübsch. Sie Mar auf europäische Art 
gekleidet; nur trug sie, nach dem Geschmacke der Indianer, eine 
Menge von Glasperlen-Schnuren um den Hals. Sie zeigte uns 
ihre beiden ganz weifsen Kinder; so wie auch das lebensgrofse 
Bildnifs ihres Schwiegervaters, und den Ehrensäbel, der ihm von 
den V. St. gegeben worden war. Die .Familie befindet sich i:i 
sehr guten Umständen und besitzt über 70 Neger. 

Nachmittags gingen wir nach einer, eine kleine Meile entfern- 
ten methodistischen Mission. Wir fanden jedoch nur die Frauen 
zu Hause. Die Missionare haben eine Schule angelegt, die von 
30 Kindern besucht wird. Sie hatten drei indische Mädchen in 
Pension, die indefs sehr scheu waren. Die Mission ist in einer 
hübschen Plantage angelegt, in der ich zahmes Wildpret sah. Die 
hiesigen Hirsche sind bedeutend kleiner als die in Europa. 

Sonntags den 1. Januar 1826 wurden wir in der Nacht durch 
die Tambours und Pfeifer geweckt, »eiche vor unserer Baracke, 
durch das Spielen von Hail Columbia und Yankee doodlc, das 
neue Jahr verkündeten. Mit Tagesanbruche zwischen 7 und 8 Uhr 
verliefsen Mir das Fort Nitchcle, und fuhren 25 Meilen weit bis 
nach einer einzelnen Plantage, Lewis 's genannt, welche auf dem 
Local angelegt ist, auf welchem im letzten Kriege das Fort JJain- 
//. C 



34 

bridse gestanden hat. Der 'Weg führte durch eine sehr hügelige 
Gegend Anfangs Mar der Boden sandig und schlecht; es zeigten 
neb nur Kiefern. Als wir aber über die Hälfte des Weges gekom- 
men waren, da verbesserte sich der Boden; er sah rothgelb aus, 
und die ewigen Kiefern machten schönen Eichen und hohen hicko- 
ries Platz. Dagegen wurde der Fahrweg selbst sehr schlecht, und 
■n einer engen Stelle warfen wir um. Der Wagen fiel langsam 
nach meiner Seite : ich nahm den Moment wahr, sprang vom Bock, 
auf dem ich safs, herab, und kam auf meine Beine zu stehen. Es 
war das 8. Mal, dafs ich umgeworfen wurde, und niemals war es 
für mich so gut abgelaufen , als dieses Mal. Auch keiner der an- 
deren Herren war beschädigt, so dafs wir glücklicherweise über 
unsern Unfall lachen konnten. Nur der Wagen hatte etwas gelitten; 
und da wir nur gegen 4 Meilen von Leids s entfernt waren, und 
sehr schönes Wetter hatten , ein wahres Frühlingswetter, mit hel- 
lem dunkelblauen Himmel, so legten wir den übrigen Theil des 
Weges zu Fufse zurück. 

Wir kamen an mehreren» Wigwams und provisorischen indiani- 
schen Hütten vorbei, in welchen die Menschen mit den Schweinen 
zusammenlebten, und um Ein Feuer herumlagen. Eine solche 
Hütte ist vorn offen; hinten ist sie mit Stücken von Holz und Baum- 
rinde geschlossen, die man sehr leicht, wenn der Wind umspringt, 
vor die Hütte transportiren kann. Die Bewohner leben von ge- 
röstetem Wildpret und Mais. Die Häute der Hirsche, und auch 
Ochsenhäute, spannen sie aus, um sie an der Sonne zu trocknen, 
und dann zu verhandeln. An einer Hütte, die mit Schilf blättern 
gedeckt war, wurde Wildpret geröstet und Schinken geräuchert. 
Das Wildpret ist in Stücken geschnitten und an Schilfrohr gespiefst; 
mehrere solche Schilfe liegen auf 2 Böcken neben einander. Unter 
denselben wird ein Feuer angezündet und die Schilfe beständig 
herumgedreht, bis das Fleisch gedörrt ist. Darüber liegt eine 
Hürde von Schilfe, die auf 4 Pfählen ruht An diese werden die 
gröfseren Stücken aufgehangen. Die Schinken werden auf die 
Hürde gelegt, durch welche der Hauch hindurch zieht. 

Das Gras im Walde stand an mehreren Orten in Feuer, und 
mehrere Kiefernbäume brannten. Wir fuhren über zwei kleine 
Flüsse, über den grofsen und über den kleinen Uckee, auf leid- 
lichen hölzernen Brücken. Zwischen 8 und 4 Uhr Nachmittags 
erreichten wir Lewis's, ein hübsches Haus, das befste, das wir bis 
jetzt im Indianischen Territorium gefunden hatten. Wir nahmen 
hier ein recht gutes Diner ein. Täglich afsen wir das befste 



35 

Wildpret. Im Fort Mite/tele hatten wir kleine Rebhühner gegessen* 
von welchen die Officiere an einem Tage, Vormittags 57, und 
Nachmittags 46 mit dem Netze gelangen hatten. Der Curiosität 
wegen will ich unser heutiges Diner anmerken, damit der geneigte 
Leser sehe , dafs man im Lande der Indianer keineswegs in Gefahr 
ist, zu verhungern: Suppe von weifsen Rüben; gebratenes Rind- 
fleisch; ein gebratener Truthahn; Wildpret mit einer Art saurer 
Sauce; gebratene Hühner und Schweinefleisch nebst süfsen Kar- 
toffeln. 

Den 2. Januar fuhren wir 31 Meilen weit bis zu Walkcr's, 
ebenfalls einer isolirten Plantage. Die Gegend hügelig; der Weg 
dermafsen schlecht, dafs wir nur äufserst langsam fahren konnten 
und sehr viel zu Fufse gehen mufsten. Der Wald hingegen ward 
immer besser, und bestand, aufser den Kiefern, aus schönen 
Eichen und verschiedenen Arten Nufsbäumen, meistens h'ckories; 
der Boden gröfstes Theiles von rothlicher Farbe. An mehreren 
morastigen Stellen und an den Ufern von Bächen sahen Mir wieder 
die immergrünen Bäume und Sträucher, und in einem Moraste, 
durch welchen ein Knüppeldamm führte, fast eine Meile lang, 
einige Magnolia grandißora, die wenigstens 60 Fufs hoch waren. 
Auch sah ich hier wieder mehrere Bäume, die, Anfangs einen 
Stamm bildend, 4 bis 5 Fufs über dem Boden sich in zwei Stämme 
trennen und dann über 100 Fufs hoch schlank in die Höhe schiefsen. 
Im nordwestlichen Theile des Staates New -York hatte ich solche 
Bäume gesehen, die in 5, 6, ja sogar 7 Stämme aufschössen. 
Ueber einen Bach mit morastigem Ufer führte eine 311 Schritt. 
lange Brücke; der Blick, den ich von dieser Brücke auf die üppige, 
exotische Vegetation hatte, die mich umgab, zeigte mir, so dünkte 
mich , die Originale von den Abbildungen der Brasilianischen Wäl- 
der in der Reise des Prinzen von Wied. Der schöne Tag, der 
wolkenlose dunkelblaue Himmel, trug auch das Seinige bei, diese 
Vorstellung in mir hervorzurufen. Aber an den Bäumen bemerkte 
ich auch wieder das häfsliche Bartmoos , spanish beard, dessen ich 
in der Nähe von Columbia und Charleston erwähnt habe , und das 
ein Anzeichen ungesunder Luft sein soll. In dem Moraste sah ich 
mehrere Pflanzen , die mir aus Gewächshäusern her bekannt waren, 
deren Namen ich mich aber leider nicht erinnern konnte. 

Die Gegend ist vergleichungsweise ziemlich stark von India- 
nern bevölkert. Sie wohnen theils in Wigwams, theiJs in Hütten 
von Baumrinde. An einer dieser Hütten hing eine geschundene 
Fischotter, die man zu einer Mahlzeit zuzubereiten schien. Den 

C 2 



30 

Mais rosten die Indianer übet Kohlen; alsdann schütten sie ihn in 
♦ in Loch, welches sie in einen horizontal liegenden Baumstamm 
gehauen haben, und zerstofsen ihn mit einem Stück Holz zu einer 
.Art groben Mehles. Ich kaufte eine Art gerösteter Nüsse, groiv- 
■mtls; und amüsirte mich dabei über die Neigung zum Stehlen, die 
ein junger Indianer bewies. Indem ich nämlich die Nüsse in die 
Tasche stecken wollte, entfiel mir eine derselben; augenblicklich 
trat der junge Mensch, wie von ungefähr vor, setzte den Fufa auf 
dieNufs, nahm sie zwischen den Zehen und entfernte sich. Wir 
kamen durch eine ziemlich aufgeklärte, eingezäunte und angebaute 
Gegend, in welcher mehrere Negerhütten von ziemlich gutem An- 
sehen zerstreut stehen. Diese Pflanzung gehört einem der Haupt- 
Chefs der Creeks, the big tearrior genannt, der über 300 Neger 
besitzt, und dessen hölzernes Wohnhaus mitten in einer Plantage 
stehet. Er befand sich in diesem Augenblick in Washington^ als 
einer der Deputirten seiner Nation. Wir kamen über eine andere 
aufgeklärte Stelle, auf welcher im letzten Kriege die Indianer von 
der Miliz von Georgia unter dem Commando des Generals Floyd 
geschlagen worden Maren. 

Nicht weit von diesem Platz erblickten wir in der Nähe einer 
Plantage eine Menge Indianer versammelt. Wir verliefsen daher 
ansern Wagen, um uns nach der Ursache dieser Versammlung zu 
erkundigen. Es hatte ein Pferderennen auf ziemlich unansehn- 
lichen Pferden Statt gefunden; das Fest war aber geendiget und 
die Versammlung im Begriff, aufzubrechen. Ein weifser Pflanzer, 
der zugegen War, brachte uns zu dem Sohne des big warrior. 
Dieser war selbst ein Chef , und stand, wie man sagte, bei der 
Nation in grofsem Ansehen. Er safs auf einem umgehauenen Baume 
zwischen zwei geringern Chefs. Seme Kleidung war eine Tunica 
von geblümtem hellblauen Caltun; ein Stück von demselben Stoüe 
hatte er, gleich einem Turban, um den Kopf gewickelt. Ertrug 
reich verzierte und mit Glasperlen gestickte lederne Kamaschen 
und Mocassins, und hatte eine eben so verzierte Jagdtasche um- 
gehängt. Ziemlich fett und von grofscr Statur, schien er gegen 
30 Jahr alt zu sein. Auch hatte er, wie alle seine Landsleute, 
einen Schnurrbart. Ich liefs mich ihm vorstellen und schüttelte 
mit ihm die Hand. Die Unterhaltung war indefs sehr arm und 
kurz. Sie fand Statt durch Yermittelung eines Dolhnetschers, der 
ein abgedankter Soldat zu sein schien. Dieser Mensch veranlafste 
den Chef, aufzustehen, als wir mit ihm zu sprechen begannen; als 
ich ihn aber bat, sitzen zu bleiben, so setzte er sich sogleich 






37 

mechanisch wieder hin. Er richtete durchaus keine Frage an mich, 
und antwortete auf meine Fragen nur mit ja und nein. Auf die 
Frage : oh er irgend Etwas von dem Lande wisse , in welchem ich 
gehören sei, antwortete er durch Kopfschütteln. Auch sah er mich 
niemals an. Viele Indianer tragen ihr Haar auf eine sonderbare 
Weise; sie scheren es auf beiden Seiten des Kopfes ab, und lassen 
vom Genick an bis auf die Stirn einen starken Kamm stehen. Von 
hinten angesehen , scheinen sie daher einen Helm zu tragen. Ganz 
kleine Knaben üben sich schon, mit kleinen Bogen zu schiefsen. 
Ich wollte mit einem kleinen dreijährigen Buben scherzen; er 
nahm den Scherz übel, schlug nach mir, und drohete mit seinem 
Bogen. 

Nach Sonnenuntergang, gegen 6 Uhr Abends , erreichten wir 
Jfalker's, und fanden in einem großen Loghaus ein gutes Unter- 
kommen; jeder von uns erhielt eine besondere Stube. Der Wirlb 
war ein ehemaliger Infanterie-Hauptmann aus dem Dienst der V. St. 
und hatte, wie unser Wirth am vorigen Tag, eine Indianerin zur 
Frau. 

Am folgenden Tage fuhren wir bis Montgommcry , 25 Meilen 
weit. Der Weg war Anfangs wieder schlecht, ward aber zuletzt 
recht gut. Ueber einen Bach mit morastigen Ufern fuhren wir 
auf einer über 100 Schritt langen Brücke, und mufsten dann noch 
lange böse Knüppeldämme überwinden. Die Vegetation war wieder 
äufserst üppig; besonders schön war sie an den Ufern des Line 
Cr eck, eines kleinen Flusses, der die Grenze zwischen dem India- 
nischen Grundgebiet und dem Staat Alabama macht, 8 Meilen von 
Walker's. Sehr hohe life oaks und andere hohe Eichen, mehrere 
Magnolien , und unter diesen eine ganz besonders schöne und hohe 
macrophylla. 

Auf dem Gebiete von Alabama angekommen, bemerkten wir 
bald, dafs wir uns auf einem viel bessern Boden befanden. Er 
wurde dunkler; viel Holz war ausgerodet; überall Spuren von 
Cultur. Auf mehreren Plantagen zeigten sich dieBaumwollenfelder 
in schöner Ordnung; die Loghäuser weiden nur zu Negerhütten 
benutzt; die Herrenhäuser, 2Stokwerke hoch, sind grölstesTheiles 
weifs angestrichen, und mit piazza's und Balkons versehen. Bei 
den meisten waren die Cotton gins und die Baumwollenprcssen in 
Bewegung. Die Pflanzer hatten wegen der ungewöhnlichen Trok- 
kenheit ihre Baumwolle noch nicht alle verschickt; der Alabama- 
Flufs war so niedrig gewesen , dafs die Dampfschifle von Mobile 



38 

mehrere Wochen lang nicht nach Montgommery heraufzukommen 
vermocht hatten. Dieser Platz hatte defshalb einige Zeit lang 
Maoni an den nöthigsten Provisionen gelitten, die er von Mobile 
zieht; für ein bushcl Salz hatte man 15 Dollars geboten. Wir be- 
gecael n mehreren Caravanen Auswanderer aus dem östlichen 
Theile von Georgia, welche nach Butter county in Alabama zogen, 
um sich in dem Lande anzusiedeln, das sie sehr wohlfeil von den 
V. St. erkauft hatten. Die Menge ihrer Nejjer, AVagen, Pferde 
und > ieh bewiesen, dafs sich diese Wanderer in guten Umständen 
befanden. AVegen der schlechten Wege gingen wir Anfangs viel 
zu Fufee; bei einem der Bäche fuhr der Wagen durch eine Furt, 
und wir Fufsgänger passirten ihn auf der einfachsten Brücke von 
der Welt, nämlich auf einem umgehauenen und über den Bach 
gefallenen starken Rieferstamme. Wir erreichten Montgommery um 
2 Uhr. In der Nacht hatte es gefroren ; bei Tag aber hatten wir 
uns eines warmen Frühlingswetters erfreut. 

Montgommery liegt an dem schiffbaren Alabama-Flusse, der 
220 Meilen oberhalb dieses Orts entspringt , und sich , nachdem er 
sich mit dem Tombelcbee -Flusse vereinigt hat, unterhalb Mobile in 
den Mexikanischen Meerbusen ergiefst. Die Stadt enthält gegen 
1200 Einwohner von beiden Farben. Sie hat 2 Strafsen, die sehr 
breit sind, ziemlich gute Häuser, jedoch nur ein einziges, noch 
nicht vollendetes aus Backsteinen , dessen Material sehr schlecht ist. 
Sie ist erst seit 5 Jahren anjrelejrt worden, und hat schon ein recht 
lebendiges Ansehen. Am Ufer des Flusses war man beschäftigt, 
zwei Dampfschifte mit Baumwollenballen zu laden; denn seit einigen 
Tagen war der Fhifs um 5 Fufs gestiegen und die Schifffahrt war 
Wieder lebhaft geworden. Von Montgommcnj nach Mobile beträgt 
die Fahrt zu \\ asser 400 Meilen; und da wir diesen AVeg nehmen 
wollten , so besahen wir die beiden liier liegenden und nach Mobile 
bestimmten Dampfschiffe Sfeubenrille und Hernet. Wir entschie- 
den uns für den Sleubenville, der am folgenden Tag abzugehen 
versprach. Die Construction der beiden Dampfschiffe und ihre 
Einrichtung war bei Weitem nicht so gut, als die der Dampfschiffe 
im Norden; Alles war gröber, und zeigte deutlich den Unter- 
schied zwischen der Civilisation in beiden Theilen der V. St. Die 
Stadt ist so neu, dafs in den Strafsen, zwischen den Häusern noch 
der alte Wald stehet In einer Strafse grub man einen Brunnen. 
Bei dieser Gelegenheit erkannte ich, dafs die Erde vortrefflich 
hu Ziegeln ist, und dafs ein üidustrioser Mann, der hier einen 



. 39 

Ziegelofen anlegte, grofse Geschäfte machen würde. Denn die 
Backsteine, die man hier noch mit 10 Dollars das Tausend be- 
zahlt, sind abscheulich. Von den Einwohnern hörte ich nicht viel 
Rühmliches. Vnd wie könnte auch die junge Stadt , deren Lage, 
wenigstens im Sommer, ungesund ist, sehon den Charactev der 
Solidität, wie könnte sie schon einen hohen Grad von Bildung 
erreicht haben? Alle sind hergekommen, ihr Glück zu machen, 
oder hergetrieben von der Zerrüttung ihres Vermögens in ihrer 
alten Ileimath ! 



XVII. 

Reise von Montgommcry auf dem Alabama-Flusse nach 
Mobile und Aufenthalt in dieser Stadt. 

Vom 4. Januar Ms 10. Januar 1826. 



Der Steubenville, vom Schiffer Grover befehligt, hält gegen 
170 Tonnen und hat eine high pressure- Maschine mit der Kraft 
von 50 Pferden. Solche Maschinen sind sehr gefährlich, und defs- 
halb ist ihr Gebrauch z. B. in den Niederlanden verboten. Die 
Maschine des Steubenville ist in Pittsbourgh gemacht worden. Im 
Schiffsräume befindet sich nur Platz für dieWaaren; die Cajüten 
sind auf dem Verdecke. Der Speisesaal hat 12 Betten, an jeder 
Seite 6, und 2 übereinander. Hinter demselben ist ein Corridor 
mit einigen Stuben. Die letzte Stube war von uns gemiethet; und 
wir nahmen sie Nachmittags, den 4. Januar, in Besitz. Ehe wir 
abfuhren, kamen noch ein Paar Indianer an Bord, die sich sehr 
über meine Doppelbüchse mit Schnappschlössern verwunderten, da 
sie noch nie eine solche Büchse gesehen hatten; ich liefs sie ihnen 
abfeuern, und schenkte ihnen einige der kupfernen Hütchen, wor- 
über sie grol'se Freude bezeigten. 

Um 5 Uhr Abends setzten wir uns in Bewegung. Wir fuhren 
den Flufs sehr schnell hinab, 1(> Meilen in einer Stunde. Die 
Ufer des Flusses bei Montgommerif sind ziemlich hoch; sie bestehen 
aus rothlichcr Erde mit mehreren Lagen Kieselsteinen , und sind mit 
Weidenbusch bewachsen. Wir kamen nur 18 Meilen weit bis zu 
einem Ort Washington genannt, wo der Hörnet schon lag, und wo 
vir auch anlegten, um die Nacht über liegen zu bleiben, und noch 
Holz und Baumwolle einzunehmen. Wegen der Menge Sandbänke 
soll die Schiffahrt im Flusse gefährlich sein: der Schiffer versi- 
cherte mir, dafs der am Bord befindliche, sehr erfahrene Steuer- 
mann, monatlich 100 Dollars Besoldung habe; so selten sind hier 
die mit den Localitäten vertrauten Schiffer! 



_ 41 

Am folgenden Morgen ging es mit Tagesanbruche fort und 
ziemlich schnell. Aber wir hielten bald wieder an , um noch einige 
Ballen Baumwolle, die in einem Wald am Ufer bereit lagen, ein- 
zunehmen. Wir hatten nunmehr über 400 Ballen am Borde. Der 
ganze Schiffsraum war voll; der Platz zwischen der Maschine und 
der ersten Cajüte war angefüllt, so >vie die Gallerie um die Cajüte 
herum, und das Dach über denselben. Zum Spazierengehen blieb 
kein Raum übrig, und in der Cajüte war es sehr dunkel. Der 
erste Aufenthalt dauerte über eine Stunde , alsdann setzten wir uns 
wieder in Bewegung;, mufsten uns aber bald von Neuem mehrere 
Stunden aufhalten, weil eine der beiden Dessen herabfiel und die 
andere im Fallen mit sich zog. Der daneben stehende Stewart 
wurde verwundet, und mufste zur Ader gelassen werden. Erst 
Nachmittags setzten wir unsere Reise fort , und legten gegen Son- 
nenuntergang wieder bei, um Holz einzunehmen und die Nacht 
liegen zu bleiben, weil das Wasser im Flusse wieder gefallen war, 
und die Sandbänke in dieser Gegend sehr häufig sein sollten. 

Wir jnnjren ans Ufer, um uns- umzusehen, und befanden uns 
in der Nähe einer Plantage mit weitläuftigen Baumwollenfeldern, 
mit einem Cotto?igin und einer grofsen Baumwollenpresse. Man 
gewinnt \iel mehr Baumwollensamen, als man das nächste Jahr zur 
Aussaat braucht; den überflüssigen Samen benutzt man nur als 
Dünger. Ich bin aber überzeugt, dafs man mit geringer Mühe 
und wenigen Kosten aus diesen Kernen ein recht gutes Oel ziehen 
könnte. Die Kerne werden in grofsen Haufen aufgeschüttet. Die 
Haufen enthalten eine solche Hitze, dafs es mir unmöglich war, 
die Hand eine Zeit lang in denselben hinein zu halten. Die Breite 
des Flusses gab man mir für 300 yards an ; indefs möchte ich nicht 
glauben , dafs er wirklich so breit sei. Das rechte Ufer mag gegen 
CO Fufs hoch sein; es ruht theilweise auf einem Grunde von Sand- 
stein und besteht aus mehreren Schichten Erdreichs. Das linke 
Ufer ist niedriger. Beide sind mit Wald bovachsen, dicht am 
Wasser mit Weiden und weiter zurück mit verschiedenen Arten 
Laubholz , mit hohen Eichen , life oaks und white oafcs , die nur 
im Süden fortkommen , mit Platanen , hickories und anderen Nufs- 
arten, hin und wieder auch mit Buchen, mit Eschen und Erlen, 
so wie mit hohem grünen Schilfe. Wäre es während des Sommers 
hier nicht so sehr heifs und ungesund, so müfste der Aufenthalt 
ganz herrlich sein. Auf dem Flusse sahen wir mehrere Trupps 
wilder Gänse und Enten , und an den Ufern viele buzzards. Der 
Fhifs macht viele Windungen, und enthält mehrere Inseln; jedoch 



42 

sind die meisten nur Sandbänke. In demselben stecken auch viele 
hinemjrefalleiM Baume, vor welchen die Schiff« sich sehr in 

Acht Dehnen müssen. An den Ufern lagen Kühne, die, nach 
indianischer Weise, aus einem einzigen Baumstamm ausgehauen 

waren. 

Den 6. Januar hatte das Schiff sich schon vor Tagesanbruch 
in Bewegung gesetzt. In Cahawba legte es um 10 Uhr an, um 
Holz einzunehmen. Dieser Ort hat seinen Namen von einem 
kleinen Flusse, der sich hier in den Alabama ergiefst. Er liegt 
auf dem rechten ziemlich hohen Ufer des Alabama - Flusses. Er 
war erst seit 5 Jahren gegründet, und doch schon der Ilauptort 
vom Staat Alabama. Indefs soll er nur 300 Einwohner von beiden 
Farben enthalten; auch fürchtet man, seine Bevölkerung werde 
nicht zunehmen, weil bei der diefsjährigen Sitzung der Legislatu- 
re des Staats Alabama beschlossen worden ist, den Sitz des 
Gouvernements und der Legislative nach Tuscaloosa zu ver- 
legen. 

Ein mühsamer und schlechter Weg führt vom Landungsplatze 
nach dem Städtchen. Dieses hat zwei sehr breite Strafsen, die sich 
in rechten Winkeln durchschneiden. Nur 4 oder 5 Häuser sind von 
Backsteinen, die andern alle von Hobs erbauet: sie stehen weit 
aus einander. In den Strafsen standen noch 2 sehr einfache 
Triumphbogen, die dem General Lafayette zu Ehren errichtet 
worden waren. Ich wurde mit einem Obersten Pickom, Freund 
des Obersten Wonl, bekannt. Er halte früher in der Armee ge- 
dient, war später Gouverneur von South- Carolina gewesen, und 
MI jetzt Pflanzer in Alabama. Er führte uns nach dem iS7a- 
iehouse, wo die Legislature gerade eine Session hatte *). Er 
machte mich mit dem Gouverneur Murp/iey bekannt, in dessen 
Bureau wir eine halbe Stunde lang \ erweilten, und uns recht an- 
genehm mit ihm unterhielten. Der Gouverneur gab mir mehrere 
Detaits über seinen Staat. Den gröfslen Theil desselben hatte man 
erst seit 10 Jahren den Indianern abgekauft und angebaut. Erst 
im Jahre 1819 ist Alabama vom Congrefs als ein Staat aufgenommen 
worden. Alle Einrichtungen sind mithin noch sehr neu. Die 
üauplproducte sind Mais und Baumwolle, die nach Mobile, dem 



*) Ein Unterkommen ist hier so schwer 7,u finden, data die hier versammel- 
ten Senatoren zu drei auf einer auf den Boden gelegten Matratze schlafen 
müssen^ ihre Nahrung bestand, wie man sagte, fast ausschließlich 
aus jicsalzencHi Sehweinefleisckei 



__ 43 

Hafer, des Staates , geschifft und da verkauft werden. Der Ballen 
Baumwolle wird im Durchschnitt mit 40 Dollars bezahlt. Gegen 
40 Meilen von hier, am Zusammenflusse des blak ivarrior und des 
Tom beckbee- Flusses, liegt die sogenannte Stadt Demopolis, früher 
Eagleville genannt. Sic ist von Franzosen angelegt worden, wel- 
che von dem vielbesprochenen C/tamp d'asyle zurückgekommen 
waren. Dieser Ort erregte meine Neugierde sehr lebhaft, und ich 
hätte ihn sehr gern besucht. Der Gouverneur jedoch und der 
Secretair des Staates widerriethen dieses sehr, weil daselbst 
durchaus Nichts zu sehen wäre. Sic erzählten mir dagegen 
Folgendes. 

Alabama war noch ein Territorium , das unter besonderer Auf- 
sicht des Congresses stand. Da kam eine Menge Franzosen aus 
dem verunglückten Champ d'asyle nach den Y. St. An der Spitze 
derselben standen die Generale Lefebrre-Dcsnouettcs, Lalle- 
mand und Rigaud. Diesen Franzosen überliefs der Congrefs ei- 
nen grofsen Strich Landes auf sehr weiten Credit, fast für Nichts, 
gegen das Versprechen, dafs sie Wein zu bauen und Oelbäume zu 
ziehen versuchen wollten. Beide Versuche aber mifsglückten , ent- 
weder durch die Schuld der Franzosen, oder weil der Boden für 
den Weinstock und den Oelbaum zu fett ist. Einige von jenen 
Franzosen legten sich nun auf den mehr einträglichen ßaumwoll- 
bau ; die meisten aber verkauften das ihnen zugestandene Land 
sehr vorlheilhaft, zerstreuten sich in den V. St. und suchten sich 
auf mannigfache Weise zu erhalten. Einige wurden Tanz- und 
Fechtmeister; Andere Galanteriehändler, und in Mobile und Neiv- 
Orleans sogar Croupiers bei den Ilazardspielen, die daselbst gedul- 
det Meiden. Der General Rigaud begab sich zur Zeit der spani- 
schen Revolution nach Spanien, um gegen Frankreich zu streiten, 
und soll jetzt in England leben ; General Lefebvre-Desnouettes ging 
auch nach Europa zurück, um, wie es hiefs, die in Frankreich 
für die Colonie collectirten Gelder zu erheben und um Colonisten 
mitzubringen, und kam vor einigen Jahren bei dem Schiffbruche 
des Paketboots Albion an der irländischen Küste ums Leben. Gene- 
ral Lallemand begab sich nach New -York, wo es ihm sehr gut 
geht. Die Franzosen, von denen ich später einige in New-Orleans 
sprach, behaupteten, nichts von dem für sie eingesammelten Gelde 
erhalten zuhaben. Eaglerille, seitdem Demopolis genannt , hat 
nur einen Store und einige Loghäuser. Es liegt in einer sehr fla- 
chen Gegend , und nur höchstens 5 Franzosen , deren Namen man 



- 44 

mir nicht anzugeben wufste, sollten noch daselbst wohnen; die 
Übrigen Einwohner sind Amerikaner. 

.Nachdem wir uns in den beiden Strafsen von Cakawba umge- 
sehen hatten, schifften wir uns wieder ein und setzten unsere Fahrt 
fort. Bei der Einschiffung bemerkten wir noch, dafs hier in Ca- 
hmrba ein Stapelplatz für Baumwolle ist, die theils in Dampfschif- 
fen, theils in Kähnen, die von leichtem Holze gezimmert sind, den 
Flufs hinab transportirt wird. Diese Kähne haben einen flachen 
Boden , und sind in Form eines Parallelogrammes gebauet. Der 
unter dem Wasser gehende Theil ist gepicht, und an der vordem 
und hintern schmalen Seite sind Ruder, mit welchen der Kahn in 
Bewegung gesetzt wird. Die Kähne sind sehr grob gezimmert; sie 
werden in Mobile zerschlagen und das Holz verkauft. Man bezeich- 
net sie unter dem allgemeinen Namen ßatboats. 

Einige Meilen unterhalb Cahawba hielten wir am rechten Ufer 
bei der Plantage eines Herrn Rutherford still. Es wurden noch 
15 neue Ballen Baumwolle eingenommen. Während dieser Zeit 
gingen wir am Ufer spazieren, das ziemlich hoch ist. Herrn Ru- 
therfords Plantage ist erst seit 6 Jahren angelegt. Das Ilerrnhaus 
ist zwar nur von Holz, und fast wie ein Loghaus gebauet, liegt aber 
sehr malerisch, zwischen Life oalcs und pride of China. Der Ein- 
gang ist durch eine Rosenlaube beschattet. Ringsher schöne ho- 
he und ungemein dicke Platanen, deren Stämme weifs aussehen, 
Ulmen, Gummibäume, und jene oben erwähnten hohen Bäume, 
mehrere aus Einem Stamm; auch Schilf, das wenigstens 20 Fufs 
hoch ist. Die Lage der Plantage soll ungesund sein, und Herr 
Rutherford, ein Georgier von Geburt, sagte uns, dafs er der Ge- 
sundheit wegen jeden Sommer mit seiner Familie nach dem Norden 
zöge. Wir sahen hier mehrere Hunderte von Papagaien herum- 
fliegen, die einsehr grofses Geschrei machten. Aide wurden ge- 
schossen. Es sind Perrüchen, aber gröfser als die gewöhnlichen, 
hellgrün, mit gelben Flügelspitzen, hellgelben und orangen Köp- 
fen, fleischfarbenen Schnäbeln und langen grünen Schwänzen. 
Früh hatten wir am Ufer auch mehrere äufserst zahlreiche Schwär- 
me von Amseln gesehen. Die Ufer des Flusses sind hin und Mie- 
der über 100 Fufs hoch; sie bestehen aus schroffen Sandsteinfel- 
sen, aus welchen Quellen herausspringen. 

Durch die neuen Baumwollenballen war unser Schiff zu schwer 
geworden. Es bekam eine schwankende Bewegung, wie ein Schiff 
in offener See. Dieses war vorzüglich bei den vielen Windungen 
des Flusses höchst widerwärtig; und um die Gefahr des Umschla- 






45 

gens zu vermelden, mufste die Dampfmaschine bei jeder Windung 
angehalten werden. Der Flufs war wegen der schönen trockenen 
Tage, deren wir uns erfreuten, sehr gefallen. Das Steigen und 
Fallen soll äufserst schnell Statt finden. Im Frühjahre, so versicher- 
te man mir, steigt der Flufs Gl) Fufs und mehr, und über- 
schwemmt das hohe umliegende Land. Ich mochte die Versiche- 
rung nicht glauben, sah indefs am felsigen Ufer selbst die Spuren 
des hohen Wassers. Als es dunkel geworden war, legten wir am 
rechten Ufer bei, wo das einzunehmende Holz lag. Wir blieben 
hier liegen , und ich hatte auf einem schlechten Lager *) eine 
schlechte Nacht. 

Am 7. Januar früh 6 Uhr kam unser Schiff wieder in Bewe- 
gung, gerieth aber bald auf den Sand und safs fest. Man hatte viele 
Mühe , es zurückzubringen, um es zu drehen und um die Sandbank 
herumzulenken: die Arbeit mochte wohl 1 1 Stunde dauern. Es 
war kurz vor Tagesanbruch, und vir lagen alle noch zu Bette, wenn 
anders solche elende Krippen einen solchen Namen verdienen, als 
diese Catastrophe vorfiel. Sie wirkte sehr verschieden auf unsere 
Reisegesellschaft. Herr Iluygens fuhr ängstlich aus seinem Bett 
auf und machte vielen Lärm. Herr Bowdoin rief nach seinem Die- 
ner und liefs sich erkundigen, was es gäbe. Er war sehr unzufrie- 
den, als wir ihm sagten, dafs wir mehrere Tage oder vielleicht gar 
Wochen hier liegen bleiben könnten, um Regen und das Steigen 
des Flusses zu erwarten. Der Oberst und ich, die wir uns durch 
lange Erfahrung eine ziemliche Portion Indolenz zugelegt hatten, 
blieben in unserer Coje liegen , und liefsen den lieben Gott einen 
frommen Mann sein, weil wir einsahen, dafs der Schiffer lieber 
seine Baumwolle, die nichts verzehrte, ausschiffen würde, um sein 
Schiff flott zu machen, als eine Menge Passagiere, alle von sehr 
gutem Appetit, die für einen bestimmten Preis aecordirt hatten, 
länger am Bord zu ernähren. Als wir wieder flott waren, sagte 
Herr Bowdoin mit einer Miene grofser Sagacität: er habe es vor- 
aus gesehen, dafs wir nicht lange stecken bleiben würden, weil er 
das Aufstofsen des Schiffes nicht gefühlt habe. 

Ohne weitern Unfall setzten wir den ganzen Tag über, der 
ziemlich trübe und regnicht war, unsere Reise fort. Es fiel durchaus 
nichts Interessantes vor. Wir kamen an zwei versunkenen Dampf- 



') Entweder hat man in diesen Gegenden nnr Federbetten oder Matratzen, 
die mit Bartinoos gefüllt sind; werden diese alt, so lallt eich du* 
Moos zusammen und man liegt wie auf Kanonenkugeln. 



46 

schiffen vorbei, von welchen das letzte, Cotirm plant genannt, erst 
vor einem Monat untergegangen war. Bekle waren gegen Bäume, 
die im Flusse liegen — &nags genannt — gestofsen; sie waren da- 
durch leck geworden und so langsam gesunken, dafs alle Passa- 
«r'uie und ein Theil der Ladung gerettet werden konnten. Sie la- 
gen so tief, dafs nur die Dächer der Räder aus dem AVasser her- 
vorragten. Von dem früher versunkenen Schilfe hatte man be- 
reits einen Theil der Dampfmaschine stückweise herausgenommen. 

Nachmittags kamen wir an einem am linken Ufer des Flusses 
auf einer Anhöhe gelegenen kleinen Orte vorbei, Claiborne genannt. 
Drei Meilen unterhalb desselben machten wir am rechten Ufer mit 
Sonnenuntergänge Halt, um das nöthige Hol« an Bord zu nehmen. 
Der Platz, wo wir landeten , heifst Wiggins tending. Er bestand 
aus zwei, auf einer Auhöhe zwischen alten und schlanken hohen 
Eichen stehenden Loghäusern, die vor 2 Monaten von einem 
Herrn JUggins, der sich mit seiner Frau und seinen Kindern hier 
niedergelassen hatte, angelegt worden war. Diese Häuser haben eine 
wirklich malerische Lage, und ich bedauerte, sie nicht zeichnen 
zu können. Herr Wiggins war Willens, den Wald auszuhauen, um 
Baumwolle zu bauen. Es ist Schade um den schönen Wald, ob- 
gleich er durch das häfsliche Bartmoos entstellt war , das an den 
Bäumen hing. Herr i\ Chateaubriand vergleicht die Bäume mit 
dem langen Bartmoose mit Geistern ; Brackenridge vergleicht sie 
mit Schilfen unter vollem Segel, mit welchen bei Windstille die 
Luft spielt. Ich, der ich niemals Geisler erblickt, auch nicht 
Herrn von Chateaubriands Phantasie besitze, jedoch Segel im 
Winde habe spielen sehen, vergleiche in meinem prosaischen Sinne 
diese Bäume mit Krakeln, an welchen Bettler kurz vor hohen Fe- 
sten ihre zerlumpte Wüsche trocknen. 

Wir hatten geholft, dafs wir diese Nacht weiter fahren wür- 
den; der Schilfer war jedoch durch den Anblick der beiden ver- 
sunkenen Dampfschiffe so vorsichtig und beinahe ängstlich gewor- 
den, dafs er sich entschlofs die Nacht über an Wiggins landing 
liefen zu bleiben. Bei Claiborne stand früher eine Slockade, Fort 
Claiborne genannt, wo im letzten Krieg eine Alfaire mit den In- 
dianern Statt gefunden hatte. Dieser Ort ist dem verstorbenen 
Herrn Claiborne •** dem ersten Manne der M ra Grymes — zu Eh- 
ren so genannt. Er war Gouverneur des ehemaligen Mississippi- 
territory, von welchem der jetzige Staat Alabama einen Theil aus- 
machte , und starb vor 8 Jahren als Gouverneur des Staats Loui- 
siana in New- Orleans. Er hatte im Jahre 1803 im Namen der V. St. 



47 

von Louisiana Besitz genommen, welches das damalige fraftzösi- 
clie Gouvernement an die V. St. verkauft hatte. Herr ( laiboriw 
>var ein besonderer protege und Landsmann des Präsidenten Jef- 
ferson. Er hatte durch seine Stimme die Präsidentenwahl zu Jcj~ 
ferson's Gunsten gegen seinen Concurrenten Aaren Burr entschie- 
den; dafür blieb Jcjferson lebenslang erkenntlich. 

Den 8. Januar fei liefsen wir unsern Ankerplatz erst zwischen 
6 und 7 Uhr. Die Ufer, die Anfangs ziemlich hoch waren, wur- 
den nach und nach niedriger, blieben aber waldig, meistens, dem 
Anscheine nach, Eichenwald, mit Bartmoos behangen» Unter den 
Bäumen wächst ungemein schönes, über 20 Fufs hohes, immer- 
grünes Schilf, das sehr dicht stehet. Beim Steigen des Flusses 
werden diese Ufer oft überschwemmt, und sind defshalb wenig be- 
wohnt. Nimmt dereinst die Bevölkerung im Staate Alabama stark 
zu, und ist das höhere Land durch Ausroden der Waldungen 
gesünder geworden, so wird man ohne Zweifel an diesen niederen 
Ufern Dämme anlegen, um das Land gegen Ueberschwemmungen 
zu schützen und urbar zu machen. Hier und da ragten Sandbänke 
aus dem Wasser hervor und auch mehrere Snags. Wir kamen an 
dem Platze vorbei , wo voriges Jahr ein Dampfschiff, Henry Clai{, 
versunken war , seit der Zeit aber wieder flott gemacht worden ist. 
Es ist nicht sehr tröstlich für Reisende, dergleichen Plätze und Ue- 
bcrbleibsel zu sehen, wenn sie sieh auf einem so schlechten Schiffe 
befinden, wie wir. Mehrere Dampfschiffe, die jetzt auf dem Alabama 
fahren, fuhren sonst auf dem Mississippi , wie das unsrige; sie wur- 
den aber für diesen Strom zu schlecht, und kamen defswegen auf 
den Alabama, wo sie ihren Besitzern viel Geld einbringen sollen. 
Wir sahen heute w ieder viele wilde Enten und Gänse ; an den Ufern 
auch viele Papagaien, die grofsen Lärm machten. In dem Flusse 
giebt es Alligators, die jedoch kleiner, als die ägyptischen Croco- 
dille sind. Eine dieser Bestien lag auf dem Strande des Ufers, und 
sonnte sich, jedoch zu weit von uns, und unser Schiff ging zu ge- 
schwind, als dafs ich sie genau zu sehen, oder auf sie zu schieden 
vermocht hätte. Nachmittags sahen wir mehrere kleine Flüsse, 
welche in den Alabama herein - oder aus demselben hinausllossen, und 
von welchen mehrere todte Arme bilden, die man hier Batjou's 
nennt. Der Flufs machte auch mehrere sonderbare Windungen 
und bildete verschiedene Inseln. Später kamen wir an die Verei- 
nigung der Flüsse Alabama und Tombekbee. Bei dem Zusammen- 
fluß ist eine Insel, und die Gegend nimmt sich sehr gut aus. Bei- 
de vereinigle Flüsse nehmen den Namen Mobile- Flufs an. 



48 

Ungefähr 3 Meilen unterhalb der Vereinigung stehen auf dem 
rechten Ufer mehrere hölzerne Häuser in einer Gruppe. Es stand 
hier »ons< eine Stockade, Fort Stoddart , nach welchem diese 
Hausergruppe noch benannt wird. Hier befindet sich die Linie, 
welche der 31. Breitengrad bildet, der früher die Grenze zwischen 
den spanischen Besitzungen und den V. St. ausmachte ; die süd- 
lich von dieser Linie gelegenen Länder gehörten sonst dem spani- 
schen Gouvernement. Der Mobile -Y\ufc wird immer breiter, und 
als die Nacht einbrach, schien er gegen eine halbe Meile breit zu 
seyn. Es wurde sehr dunkel und nebelig, der Steuermann konnte 
seinen Weg nicht sehen; und obgleich wir nahe an die Stadt ka- 
men, so konnten wir doch nicht weiter fahren, ohne uns Gefahren 
auszusetzen. 

Am 9. Januar war es früh äufserst nebelig. Defshalb ward ein 
Boot zum Recognosciren ausgeschickt. Der Nebel hellte sich je- 
doch später etwas auf, und wir befanden uns so nahe am Quai, dafs 
wir sogleich an einem der Hafendämme anlegten und früh halb 
9 Uhr landeten. Wir waren von Montgommery bis Mobile 450 Meilen 
weil gefahren. Die Fahrt zu Lande beträgt nur 258 Meilen , und 
wird doch, wegen des Mangels an guten Wegen und an Transport- 
mitteln, nur sehr selten unternommen. In Mobile gelandet, und 
sehr froh, unser schlechtes Dampfschiff verlassen zu haben, auf 
welchem wir uns keines comforts des menschlichen Lebens erfreut 
hatten, nahmen wir unsere Wohnung in Smooih's Itutel, einem 
hölzernen Haus, in dessen barroom sich zu gleicher Zeit das post 
ojfice befindet , und der defsw egen ziemlich lebhaft ist. 

Mobile, eine alte spanische, früher jedoch von den Franzo- 
sen erbaute Stadt, wurde nebst Louisiana ]8(W an die V. St. ab- 
getreten. Die wenigen angesehenen Creolen-Familien , die früher 
hier gewohnt hatten, verliefsen damals diesen Platz und zogen auf 
die Insel Cuba, und nur Creolen aus den niederen Volksclassen blie- 
ben zurück. Es bildete sich eine neue Population von Nord-Ameri- 
kanern, die hieher kamen, um Geld zu machen. Daher ist die fran- 
zösische, wie die spanische Sprache nur in den unteren Classen 
geblieben, und die bessere Gesellschaft ist durchgängig amerika- 
nisch. Mobile enthält gegen 5000 Einwohner beiderlei Farben, 
von welchen ungefähr 1000 Schwarze sein sollen. Die Stadt liegt 
auf dem rechten Ufer des Florida - Flusses, wo dieser sich schon in 
mehrere Arme getheilt und die Mobil ebay gebildet hat, die sich 30 
Meilen unterhalb der Stadt mit dem Mexikanischen Meerbusen ver- 
einigt. Sie ist ziemlich regelmäfsig gebaut : die Strafsen durch- 



49 

schneiden sich in rechten Winkeln, und laufen theils parallel mit 
dem Flusse, theils stofsen sie perpendiculär auf denselben. Längs des 
Ufers ist ein hölzerner Quai , und hölzerne Moles oder Landungs- 
brücken gehen in das Wasser hinaus zum bequemeren Anlegen der 
SchiflTe. Es lagen hier gegen 30 Schiffe, von welchen mehrere 
etwa 400 Tonnen hielten, um Baumwolle zu laden. Die meisten 
Schiffe sind aus New - York. Wenn bei Ebbezeit das Wasser sich 
zurückzieht, so bleibt eine Menge Unreinigkeit am Ufer unbedeckt 
liegen und verpestet die Luft. Dieser Umstand mag zur Ungesund- 
heit der Stadt im Sommer das Seinige beitragen. Das Ufer dem 
Hafen gegenüber ist morastig und voller Schilf. Die Stadt liegt auf 
einem armen sandigen Grunde ; die Strafsen sind nicht gepflastert und 
wegen des tiefen Sandes unbequem. Auf beiden Seiten der Stra- 
fsen hat man von starken Balken Gassen gemacht, welche den Fahr- 
weg von dem Theil der Strafse trennen , der einst , wenn Backstei- 
ne oder andere Steine ein wohlfeilerer Artikel werden sollten , zu 
Trottoirs eingerichtet werden wird. 

Die meisten Häuser sind von Holz, mit Schindeln gedeckt, und 
haben piazza's. Nur einige neuere sind von Backsteinen. Dieser 
Artikel mufs eingeführt werden und ist nicht in grofser Quantität 
von einerlei Art zu haben. Denn ich sah ein Haus vollenden, des- 
sen beide erste Stockwerke von rothen und das dritte von gelben 
Backsteinen aufgeführt war. Man findet auch noch einige spani- 
sche Häuser, die aus einem hölzernen Gerüste bestehen , dessen 
leere Felder mit geschlagenem Lehm ausgefüllt sind, wie die deut- 
schen Bauerhäuser. Aulser mehreren Privatgebäuden sind die 
meisten öffentlichen Gebäude von Backsteinen. Diese Gebäude 
sind: ein Theater, das aufser dem Parterre eine Reihe Logen und 
eine Gallerie hat; die Bank, die court of the U. flL, die eminty 
court, welche im Baue begriffen war, und das Gefängnifs. Neben 
diesem Gelängnisse steht eine Vorrichtung, um die Neger öffent- 
lich zu peitschen. Sie ist wie ein Rahmen gemacht. Das untere 
Biet , auf welches die Füfse des unglücklichen Menschen zu stehen 
kommen, kann auf und nieder geschoben werden, nach der Gröfse 
des Individuums. Ueber demselben ist ein Block, in welchen die 
Schienbeine passen. In einen andern Block passen der Hals und 
die beiden Arme. 

Die hiesige katholische Kirche befindet sich in einem sehr 
Übeln Zustand. Ich ging gerade hinein , als die Kirchenbänke für 
dieses Jahr an die Meistbietenden öffentlich verpachtet wurden ; ein 
Paar wurde in meiner" Gegenwart für 19 Dollars das Stück losge- 

ö — 

II. D 



50 

schlafen. Die Kirche sieht inwendig aus wie eine Scheune, hat 
«■inen Bauptaltar niit zinnernen Vasen und einem Gemälde ohne 
\\ crlh und zwei kleine Nebenaltäre. 

I nler den Gebäuden in Mobile erregte ein grofses Baumwol- 
len Magazin am Meisten meine Aufmerksamkeit. Dieses Magazin 
besteht ans einem viereckigen, auf 3 Seiten mit massiven Hallen um 
gcbenenHofe, wo die von den Plantagen kommenden Baumwollen 
ballen untergebracht und vor ihrem Einschulen nochmals gepreist 
werden, damit sie im Schilfe so wenig Platz als möglich einneh- 
men. Der Ballen wird auf ein Lager von Bohlen geschallt', zwi 
sehen welchen man Raum gelassen hat, um Stricke hindurch stecken 
7.u können. Ueber dem Ballen, der zwischen 4 starken eisernen 
Schraubenstöcken stehet, ist ein Deckel, in welchem ebenfalls 
Kaum für die Stricke gelassen ist, wie in der Unterlage. Dieser 
Deckel hat 4 Löcher mit Schraubenmuttern , in welche die Schrau- 
benstöcke passen. Auf jedem Schraubenstocke sitzt ein Stirnrad. 
Alle 4 Stirnräder Meiden durch ein Kronrad herumgedreht, wel- 
ches von einem im Kreise herumlaufenden Pferd in Bewegung 
gesetzt wird. Auf solche Weise wird der Deckel auf den Ballen 
herabgeschraubt, und das Volumen desselben um § verkleinert. 
Während des Pressens haben die arbeitenden Neger durch die 
Fugen zwischen den Bohlen Stricke geschoben, und um den 
Ballen mit leichter Mühe befestiget. Das Magazin hat 2 solche 
Pressen. Von demselben werden 3 Seiten des Hofes eingenommen ; 
die vierte enthält ein schönes Wohnhaus. Das Ganze ist von Back- 
steinen erbaut, und hat einen eisernen verandah — Balkon. Es 
gehört Soeculatoren aus TSeio-Orleans und ist in Mobile unter dem 
Namen des „feuerfesten M-agazins " bekannt, obgleich das Innere 
von Ilolz ist. 

Das Wetter hatte sich nach dem Nebel aufgeklärt, war sehr 
schön und so warm geworden, als bei uns im Sommer; es wurde 
mir beim Gehen sehr warm, und in den Häusern standen der 
Wärine halber Thüren und Fenster offen. Ich setzte mich aus 
derselben Ursache unter die piazza vor dem Hause. Eine Menge 
Chactaw-Indinnev , die in den Wäldern um die Stadt herum ein 
nomadisches Leben führen, gingen in den Strafsen herum und 
verkauften Holz , das sie , in kleinen Scheiten auf dem Rücken zu- 
sammengebunden , mit sich trugen. Sie sind von dunklerer Farbe 
und wo möglich noch schmutziger, als die Creeks, hüllen sich auch 
in wollene Decken und die meisten, von ihnen tragen runde Hüte 
mit Blechringen und mit mehreren Stücken Blech geziert. Ich 



51 — 

ging durch die Strafsen dieser Stadt spazieren, die mehrere grofse, 
und dem Ansehen nach wohlversehene Stores enthält. Auf dieser 
Wanderung traf ich einen alten Braunschweiger, Namens Thomas, 
der hier einen Grogshop hält, und mir einen jungen, höchstens 
3 Monat alten Alligator, eine häfslichc Bestie, zeigte. Er war 
gegen 8 Zoll lang, lebte in einem Kübel mit Wasser, in welchem 
er täglich frisches Gras bekam. Wenn man ihn heraus nahm und 
auf den Sand setzte, so lief er sehr munter herum. Sein Kopf war 
unverhältnifsmäfsig grofs, und er bekam schon zwei Reihen schar- 
fer Zähne. 

Nachmittags sahen wir eine 20 und einige Mann starke, frei- 
willige, ziemlich gut montirte Compagnie ausrücken, um den 
Jahrestag der Schlacht bei Neic- Orleans , am 8. Januar 1815, zu 
feiern. Am vorigen Tage hatte man dieses Fest nicht gefeiert, 
weil es Sonntag war. Auf einem freien Platze hat man eine Plate- 
form gebaut und drei alte eiserne Stücke hinauf gebracht, aus 
denen ein National salute von 24 Schüssen gefeuert wurde *). Der 
Oberst JVool hatte hier mehrere Bekannte und Landsleute aus dem 
Norden getroffen , mit welchen er mich bekannt machte. So fehlte 
es nicht an Unterhaltung. Mehrere comforts des Lebens mufsten 
wir uns indefs fortwährend versagen. So z. B. habe ich, so lange 
ich in dem indianischen Lande war, keine Milch zu sehen bekommen, 
da man während des Winters die Kühe in den Wald jagt, damit sie 
selbst für ihren Unterhalt sorgen. 

Ich machte einen Versuch, um die Stadt luram zu gehen, 
wurde aber auf einer Seite durch Wald und auf der andern durch 
Gräben und Morast verhindert, und sah mich mit meiner Prome- 
nade auf die Strafsen der Stadt beschränkt. Diese aber hatte ich 
zur Genüge gemessen. Es gab weiter nichts Neues für mich , als 
etwa einige Fruchtläden, in welchen sich äufserst gute und süfse 
Orangen von Cuba befanden , das Stück für 6 Cents, grofse Ana- 
nas, viel gröfser, als die schönsten, die ich in England gesehen, 
ebenfalls aus Cuba, das Stück für 42| Cents, also weit theuerer als 
in Charleston , wo das Stück nur 12] Cents kostete , ferner Bania- 
nen oder Pisangfrüchte und Cocusnüsse in Menge. 



*) Zu oinrm National sahttc, der höchsten militairischrn Ehre in den 
V. St., gehören so viele Schübe , als die Union Staaten zählt. In der 
Flagge der V. St. befindet sich auch eine gleiche Anzahl von Sternen. 



I) 2 



XVIII. 



Reise nach Pensacola. 
Vom 10. bis 17. Januar 182 6. 






Der Oberst JVool mufste nach Pensacola gehen , wegen s einer 
Inspeetion. Ich beschlofs, ihn nebst Herrn Huygena zu begleiten, 
da Pensacola für mich als Militair interessant war. Herr Bowdoin 
fühlte sich nicht wohl und war von der Reise ermüdet. Er blieb 
daher in Mobile zurück , um sich mit der nächsten Gelegenheit nach 
Ncic-Orleans zu begeben. 

Am 10. Januar, um 3 Uhr Nachmittags, verliefsen wir Mobile 
am Bord des Dampfschiffes Emmeline. Dieses Schiff* geht täglich 
einmal von Blakely, welches Mobile fgegenüber auf dem linken 
Ufer der Bai liegt, nach Mobile herüber und wieder zurück. Die 
Distanz beträgt in gerader Linie 12 Meilen; einige morastige und 
mit Schilf bewachsene Inseln aber, und Untiefen im Wasser ver- 
längern die Fahrt zu 14 Meilen. Die Emmeline, Schiffer Fowler, 
ist das kleinste Dampfschiff*, das ich je gesehen habe. Sie enthält 
nur 32 Tonnen, ist von Bietern, die ohne Hippen über einander 
gelegt sind, wie eine Schaluppe gebaut, und die Dampfmaschine 
— low pressure — hat nur die Kraft von 8 Pferden. Das Schiff' 
gehört dem Schiffer Fowler, und ist mit der Maschine in New- 
5 ork gebaut worden. Als es diese Stadt verliefs, um nach Mobile 
zu fahren, da wollte keine Assecuranz-Compagnie die Versicherung 
übernehmen, und Herr Fowler mufste auf sein eigenes Risico 
hieher fahren. Sein ausgelegtes Capital soll sich jedoch sehr gut 
verinteressiren. Ueberhaupt aber sind die wenigsten Dampfschiffe, 
welche den Florida- und Alabama-Y\uk befahren, versichert. Sie 
sind viel zu alt und zu schlecht, als dafs irgend eine Compagnie 
ihre Versicherung übernehmen könnte, zumal da die Schiffahrt auf 
diesen Flüssen so gefährlich ist, dafs die wenigen guten Schiffe 
für 1 Proc. monatlich versichert werden müssen. 

Von der Wasserseite aus gesehen nimmt Mobile sich mit den 



53 

Schiffen im Hafen hübsch aus. Auch hatten wir einen schönen 
Blick auf die Mobilebay, in welcher wir 9 einlaufende Schiffe von 
verschiedener Gröfse zählten. Eine Menge wilder Enten flogen 
zwischen den Inseln herum. In 2 Stunden passirten wir die Bai 
und landeten um 5 Uhr Abends in Blakcly. 

Dieser Ort hat eine sehr hübsche Lage an einem ziemlich 
hohen Ufer, in einem Laubwalde von last lauter schönen immer- 
grünen life oaks, von welchen einige wohl 20 Fufs im Umfange 
haben. Auch wachset hier eine strauchartige Palme, die man 
spanish bayonet nennt, und die zu den Lataniers zu gehören 
scheint. Blakely ist im Jahr 1816 von einem — seit 5 Jahren 
verstorbenen — Herrn Blakcly angelegt, und nachher an ver- 
schiedene Speculanten verkauft worden. Man hat ihn aber ange- 
legt diesen Ort, um der Stadt Mobile Schaden zu thun und den 
Seehandel von diesem Platze hinweg zu ziehen. Der Zweck ist 
jedoch verfehlt. Mobile hat mehr Capital ; und Blakely schadete 
nur sich selbst. Am Ufer stehen zwei grofse hölzerne Gebäude zu 
Niederlagen; der geringste Theil derselben ist jedoch nur ver- 
miethet und zu Stores benutzt. Auf der Anhöhe hinter diesen 
Gebäuden stehen gegen 20 hölzerne Häuser, von welchen das 
gröfste das einzige und wirklich recht anständige Wirthshaus ist. 
Wir nahmen in demselben unsere Wohnung. Die Häuser sind 
recht nett gebaut, mit vorstehenden Dächern, mit piazzd's, und 
mit Gärten umgeben. Einige stehen aber verlassen und zeugen 
für die Abnahme des Ortes. Ein grofses, 2 Etagen hohes, und 
mit einem Thürmchen versehenes, hölzernes Gebäude ist ursprüng- 
lich zu einer Acadcmic bestimmt gewesen ; aus Mangel an Schülern 
ist diese Academie jedoch nicht zu Stande gekommen; das Gebäude 
wurde daher als Kirche und als court house benutzt. Die Zahl der 
Einwohner soll 200 nicht übersteigen. 

Während unserer Promenade war es Nacht geworden. Wir 
hatten das erste Mond-Viertel. Die Luft war so warm, wie an 
einem schönen Mai-Abend in Deutschland. Alles war erquicklich 
und erfreulich , und nur der Gedanke wirkte störend, dafs diese 
schöne Gegend im Sommer verpestet ist. Den Abend über safs 
und schrieb ich in einem der Säle des Wirthshauses bei offenen 
Thüren und Fenstern, und hörte die Heimchen wie im Sommer 
zirpen. Uebrigens hatte ich in dieser Gegend nur äufserst wenige 
süfse Orangenbäume gesehen, und die wenigen, die ich sah, waren 
klein und jung. Als ich meine Verwunderung bezeigte, gab man 
mir als Ursache an, dafs die vielen Orangenbäume, die sonst hier 



54 

Gewesen, im Winter 182t bis 1822 durch einen viertägigen harten 
Frost alle auf ein Mal getödtet worden seien. 

Ehe wir am folgenden Morgen unsere Reise fortsetzten , fand 
ich in der Krde mehrere Stücke versteinerter life oaks. Die mine- 
ralischen lleichthümer dieser Gegend sind noch gar nicht unter- 
sucht. Ich glaube , ein Mineralog , der hier Untersuchungen an- 
stellte, würde eine reiche Erndte machen. 

Wir mietheten eine zweispännige barouche, die uns nach 
Pensacola, 65 Meilen von Blakely entfernt, bringen sollte. Mit 
derselben verliefsen wir nach 10 Uhr Vormittags Blakely, wohl- 
beladen mit einer Menge Mundvorrath, der in dieser unwirthbaren 
Gegend für nöthig erachtet wurde. Dicht hinter Blakely kamen 
wir über einen Hügel, der uns eine sehr schöne Aussicht gewährte 
auf den Ort, auf die Bai, auf Mobile, und auf ein Thal mit einem 
Bach und einer der reizendsten Vegetationen, die ich bis jetzt 
gesehen hatte. Der Busch war voll von Magnolien aller Gröfsen, 
von Lorbeern und einem immergrünen Gesträuche, das man Was- 
sereichen nennt; und dazwischen die herrlichsten life oaks. Leider 
dauerte diese schöne Gegend nicht lange. Schon eine kleine Meile 
hinter Blakely hört der gute Boden auf, und der leidige Sand 
rängt wieder an , und die langnadligen Kiefern. Wir kamen den 
ganzen Tag nur 30 Meilen weit, erfreuten uns jedoch eines herr- 
lichen warmen Wetters. Anfangs trafen wir mehrere Plantagen, 
welche die etwas bemittelten Einwohner von Blakely während des 
Sommers beziehen, wenn in dem Orte das gelbe Fieber hauset. 
Auf mehreren dieser Plantagen baut man sogenannten trocknen 
Reifs, defshalb so genannt, weil die Felder, die ihn hervorbringen, 
so hoch liegen , dafs sie nicht überschwemmt werden können. 
Dieser Reifs soll dem Sumpfreifs aus South- Carolina wenig an 
Güte nachstehen, und ein Acker 50 busltel Reifs hervorbringen. 
Ich erfreute mich am Gesänge mehrerer Vögel, von denen die 
meisten rothe, sogenannte robins, sind, Zugvögel, welche den 
Winter über diese südlichen Gegenden bewohnen, und im Frühjahre 
nach dem Norden ziehen, um dort den Frühling zu verkündigen. 
Auch sah ich mehrere Kraniche. Zu der Illusion, als wäre es 
Sommer, trug auch eine Menge von Fröschen bei, die an morasti- 
gen Stellen, mit lauter Stimme quakten. 

An einem schattigen Orte, bei einem klaren Bache, machten 
wir Mittags Halt, und verzehrten, auf dem übrigens dürren Rasen 
gelagert, einen Theil unserer Provisionen. Es war zum ersten 
Mal in meinem Leben , dafs ich im Januar Schatten suchte. Die 



o& 

Nacht überfiel uns, bevor wir unser Nachtquartier erreichten, 
welches wir an einem Platze, belle fontaine genannt, nehmen wollten. 
Man konnte kaum den Weg erkennen; denn er war so wenig be- 
fahren j dafs Gras in den Gleisen stand; und eben so wenig sah 
man die Baumstumpfen, die sich überall fanden. Mehr als ein Mal 
riskirten wir, umzuwerfen. Um eine solche Catastrophe zu vermei- 
den, entschlossen wir uns, zu Fufse zu gehen. Wir machten auf 
diese Art eine Promenade von wenigstens 6 Meilen , in einem un- 
unterbrochenen Kieferwaldc, der von Bären, Wölfen und sogar 
von Panthern bewohnt ist. Anfangs hatten wir Mondschein ; gegen 
9 Uhr ging aber der Mond unter, und wir hatten sehr große 
Schwierigkeit, den Weg zu wahren. Da die Wohnungen hier 
sehr zerstreut liegen, so ahmten wir das Hundegebell nach, um 
uns in derselben Sprache antworten zu lassen. Dieses gelang. Wil 
hörten Hunde bellen, dirigirten unsere Schritte nach diesem Schall 
und erreichten nach 10 Uhr Abends das ersehnte belle foul ainc: 
ein Loghaus mit 2 Stuben, und einem freien Vorplatz. Ein 
Mann von ziemlich barschem Ansehen, der Wirth Herr FollarcU 
ölVnete uns und besorgte die Pferde. Die Frau, ein blasses und 
kränkliches Wesen , die uns fast auf keine Frage eine Antwort gab, 
mufstc aus dem Bette heraus, um uns ein Nachtessen und unsere 
Schlafstube zu bereiten. Das ganze Haus hatte auf den ersten 
Blick das Ansehen einer Räuberherberge; aber es ward uns recht 
gut gebratenes Wildpret auf einem reinlichen Tische vorgesetzt, 
und auch ziemlich guter Kaffee, zu dem wir glücklicherweise den 
Zucker mitgebracht hatten. Und so war uns herzlich wohl , wenn 
gleich unsere Schlafstube die ganze Nacht offen blieb, weil sie 
keine Thür hatte, und wenn gleich nur 2 Betten vorhanden 
waren. 

Den 12. Januar verlicfsen wir unser Nachtquartier früh um 
7 Uhr, und fuhren 32 Meilen weit bis Pensacola. Zwölf Meilen 
von belle fontaine machten wir am Perdhlo-Flusse Halt und früh- 
stückten in einer Plantage, die auf einem Hügel am rechten Uler 
steht Dieser Flufs macht die Grenze zwischen dem Staat Alabama 
und dem Territorium Florida, welches noch nicht Einwohner ge- 
nug enthält, um in die Zahl der Staaten der Union aufgenommen 
zu werden, Der Flufs ist schmal, seine Ufer sind sandig, und wir 
passirten ihn auf einer ziemlich schlechten Fähre. An den Ufern 
des Flusses, wie überhaupt in der ganzen Gegend, sah ich sehr 
viele strauchartige Palmen — lahmier*—, weh he man hier pal- 
metioes nennt. Der Boden war übrigens eben so schlecht, als der, 



56 

den vir gestern gesehen hatten, und mit Kiefern bewachsen; nur 
an den Quellen ist eine frische Vegetation. Die Luft war noch 
warmer: wir sahen einzelne Schmetterlinge. Als wir uns Pciisacola 
näherten, hörten die Kiefern auf, und wir fuhren zwischen Zwerg- 
eichen. Der Boden war tiefer Sand. Auch kamen wir an einem 
Morast vorbei, der voll von Wassereichen war. Heidelbeerkraut, 
und sehr hohes, sahen wir gleichfalls in Menge. 

Peiisacola, welches wir um 5 Uhr erreichten, liegt an einem 
Meerbusen. Es ist eine alte spanische Stadt, und von Spanien im 
Jahr 1822, nebst ganz Florida an die V. St. abgetreten worden. 
Sie enthält gegen 1000 Einwohner. Wir nahmen hier in Collins 
hdiel unsere Wohnung, und gingen sogleich nach unserer Ankunft 
in der Stadt spazieren. Es ist der elendeste Platz, den ich gese- 
hen, seit ich über den Ocean gekommen war. Diejenigen Spanier, 
die etwas Vermögen besafsen , haben diesen Ort verlassen , als er 
an die V. St. abgetreten war, und sind nach New-Orleans oder 
nach der Insel Cuba gezogen. Nur die ärmsten dieser Nation sind 
geblieben. Seitdem bildet sich durch die hier etablirten Amerika- 
ner, wie in Mobile, eine neue Population. In den ungepflasterten 
Strafsen watet man im tiefsten Sande. Sie sind ziemlich breit und 
durchschneiden sich in rechten Winkeln. Nur einige neue Häuser 
sind von Backsteinen , die meisten sind von Holz und stehen alle 
«tuf eine gewisse Distanz von einander entfernt. Im Hafen lag kein 
einziges Schilf. Am Wasser baut man ein neues Markthaus von 
Backsteinen, und nicht weit von demselben steht die hölzerne 
katholische Kirche, deren Aeufseres sich in einem sehr schlechten 
Zustande befand. Neben der Kirche sind die Ruinen einer alten 
englischen Caserne, welche vor 4 Jahren abgebrannt ist: ihre 
beiden Flügel waren durch zwei hölzerne Blockhäuser gedeckt, 
welche noch stehen , und von w eichen das eine jetzt zum Bureau 
des Zollwesens diente. Um die Stadt herum sollen mehrere Block- 
häuser stehen , welche vormals eine recht gute Vertheidigung gegen 
die Semi/tole-Indianar gewährten, die vormals diese Gegend be- 
wohnt haben. 

Am Abend dieses Tages und am andern Morgen erhielten wir 
Besuche von mehreren Officieren: vom Obersten Clinch, Comman- 
danten des 4. Infanterie-Regiments, der hier mit dem Depot seines 
Corps stand, vom Major Wrig/tt, der als paymaster angestellt war, 
und von Anderen. Auch besuchte uns Capt. Campbell von der Marine, 
welcher an der Spitze des neuen Navy yard stand, der hier ange- 
legt w erden sollte : einige Vorräthe waren angekommen , und wur- 



57 

den im Fort Barrancas aufbewahrt. Da wir dieses Fort zu sehen 
wünschten : so waren die Herren so höflich , uns ihre Schaluppen 
zu geben. 

Ich fuhr mit dem Obersten Wool in Capt. Campbells Schaluppe. 
Wir hatten günstigen Wind , spannten 2 Segel auf und erreichten 
das Fort Barrancas, welches zur See 9 Meilen von Pensacola ent- 
fernt ist, in einer Stunde. Unterwegs sahen wir einen Flug von 
16 Pelicanen. Wegen einer in die Bai hineingehenden Landzunge 
mufsten wir einen Umweg machen; sie heilst Tartarpoint , und auf 
ihr soll der neue Navy yard angelegt Meiden. In 2 Monaten 
glaubte man die Arbeit anfangen zu können. Die Gegend um 
Pensacola und die Ufer der Bai sind die häfslichsten , die man sich 
denken kann; nichts als Sanddünen, blendend weifs, wie der 
Schnee. In der Bai liegt eine flache , mit Zwergeichen bewachsene 
Insel, St. Rosa. Auf derselben hat ein Fort gestanden, welches 
von den Engländern in die Luft gesprengt worden ist, als sie 
Pensacola im Jahr 1814 besetzt hatten, um die C/Wt-Indianer zu 
unterstützen, die mit den V. St. im Krieg begriffen waren, und 
es vor General Jackson räumen mufsten. Die Engländer sprengten 
zu derselben Zeit auch einen Theil des Forts Barrancas in die 
Luft; die Spanier haben es jedoch wieder hergestellt, wiewohl in 
einem kleinern Mafsstab. Und so stand es noch. Hier ist ungefähr 
die Lage des Forts. 




Die Höhen sind SanddÜnen. Das halbrunde Werk ist ge- 
mauert, und besteht aus einer Küstenbatterie von 15 Stücken, 
wovon 10 rechts und links durch Schiefsscharten und 5 in der 
Mitte über Bank feuern. Die Brustwehr ist von Mauerwerk und 
der Wallgang von einem aus Kalk, Theer und zerstofsenen 
Muscheln bereiteten Estrich. Die Kanonen sind von Bronze, engli- 
sche und spanische. Unter den spanischen bemerkte ich zwei sehr 
schöne in Sevilla gegossene 24Pfünder. Nichts ist jedoch unge- 



58 

schicktcr, als die spanischen Wall-Lafetten: sie haben Räder, die 
aus Scheiben bestehen von 4 Fufs im Durchmesser. Um die Bat- 
terie herum läuft eine Mauer; der durch dieselbe entstehende 
Zwinger dient zum Kugelpark. In der Kehle des Werks steht eine 
grofse bombenfeste Casematte, und im Hof ein Ofen, um die Ku- 
geln glühend zu machen. Das Werk auf der Höhe erklärt sich 
selbst, nachdem croquis. In der Kehle hat es drei schlechte Block- 
häuser, und im ausspringenden Winkel einen Cavalier. Da das 
ganze Werk aus Sand gebaut ist , so ist der Wall auswendig und 
die Brustwehr inwendig mit aufrecht stehenden Balken bekleidet, 
und auf dieselbe Weise die Backen der Schiefsscharten. Die spani- 
schen eisernen Kanonen , ebenfalls auf den ungeschicktesten Wall- 
Lafetten, standen noch en batterie. Das Fort war provisorisch 
an die Marine übergeben worden, welche die Kasematten und 
Blockhäuser zu Magazinen benutzte, bis die darin aufbewahrten 
Gegenstände im Navy yard untergebracht werden können. Als- 
dann sollte das Fort demolirt und an seine Stelle eine ansehnliche 
Festung gebauet werden, um diesen wichtigen Punct gehörig zu 
vertheidigen. 

Für die V. St. ist es von der gröfsten Wichtigkeit, ein grofses 
maritimes und militairisches Etablissement am Mexikanischen Meer- 
busen zu haben , wegen der zunehmenden Macht der neuen süd- 
amerikanischen Republiken. Und doch wird Pensacola nur von 
einer secondairen Wichtigkeit sein, da die an der Mündung der 
Bai liegende Sandbank nur 22 Fufs Wasser bei hoher Fluth über 
sich hat, und folglich für Linienschiffe und selbst für amerikani- 
sche Fregatten vom ersten Range viel zu flach ist. Am ganzen 
Ufer des Mexikanischen Meerbusens soll übrigens nur eine einzige 
Bai, und diese südlich von Vera-Cruz befindlich sein, in welche 
armirte Linienschiffe einlaufen können. Die auf den Wällen stehen- 
den Stücke, so wie einige und 40 am Strand im Sande halb be- 
deckt liegende alte spanische und englische Stücke von demselben 
Metall waren, wie man sagte, völlig undienstfähig , und nur für 
den Navy yard als Prallsteine brauchbar. 

Aufserhalb des Forts, ungefähr 200 Schritte entfernt, längs der 
Seeküste, steht ein von Backsteinen erbauter, gegen 80 Fufs ho- 
her Leu chtthurm, in dem 20 quinquds, in Partieen von 5 vertheilt, 
sich während der Nacht beständig um ihre Axe in einer horizontalen 
Bewegung drehen. Sie werden durch ein Uhrwerk in Bewegung 
gesetzt, und sind in Roxbury bei Boston verfertigt worden. Im 
■jialcnl-ofßce zu Washington hatte ich das Modell gesehen. Die 



59 

Lampen haben alle versilberte revcrberes und werden durch Spcnna- 
ceti-Oe\ unterhalten. Die Gegend um das Fort herum ist übrigens 
sehr sandig und brachte sonst nur Kiefern hervor; seitdem man 
diese weggeschlagen hat, sind Zwergeichen und lataniers aufge- 
schossen *). 

Ich habe oben des Generals Jackson gedacht, und erwähnt, 
dafs er die Engländer aus Pensacola vertrieben habe. Dieser Be- 
merkung füge ich noch Folgendes bei. 

Bekanntlich hatten die Seminolen, wie man behaupten wollte, 
von den Engländern aufgereizt, im Jahr 1818, ohne die geringste 
Ursache, einen Krieg mit den V. St. angefangen. Der General 
Jackson schlug sie , und liefs die beiden Engländer , Arbutlinot und 
Armbrister , welche den Indianern Wallen und Munition verkauft 
und sie zum Kriege gegen die V. St. angeregt hatten , aufhängen. 
Hierauf griff er Pensacola und Barrancas an, wo die Indianer von 
den spanischen Autoritäten beschützt und unterstützt wurden. Die 
Stadt Pensacola war schlecht befestigt und wurde schnell erobert. 
Nun beschofs der General Jackson das Fort Barrancas aus zwei 
Feldstücken. Der spanische Gouverneur verkroch sich unter die 
Treppe der Küstenbatterie, und übergab das Fort, weil auf An- 
stiften zweier Ilauptleute die Besatzung — aus 3 Compagnien vom 
spanischen Regiment Louisiana bestehend — sich zu schlagen 
weigerte, da man ihr seit einiger Zeit den Sold nicht bezahlt 
hatte. Audaces foriuna juvat ! 

Am 14. Januar machte ich früh einen Spaziergang vor die 
Stadt, um die ehemaligen Festungswerke dieses Platzes zu bese- 
hen. Diese Werke sind noch von den Engländern angelegt wor- 
den. Denn die Engländer besafsen bekanntlich das Land — West- 
Florida — von 17G3 bis 1783 ; im Versailler Frieden traten sie es 
völlig an Spanien ab, nachdem es von Don Galccz, damaligem 
Gouverneur von Louisiana, der später Vicekönig von Mexiko ge- 
worden ist, erobert worden war. Die beste Vertheidigung von 
Pensacola bestehet in den Morästen , welche diesen Platz umgeben. 
Jenseits der Moräste liegen unansehnliche Sandhügel, welche mit 
Forts besetzt waren. Das war die Befestigung von Pensacola. 
Tausend Schritte von der Stadt, links von der nach Mobile führen- 
den Strafse, lag ein Fort ungefähr von nachstehender Gestalt. 



*) Man bat die Bemerliunp; gemacht, dafs, wpnn man im Sandboden die 
Kiefern ausrodet, und den Hoden nicht gleich bebaut, dieser im näch- 
sten Jahr Zwergeichen hervorbringt, und se umgekehrt. 



60 




Diese Form konnte ich aus den mit Sträuchen bewachsenen 
Ueberbleibseln erkennen. Hinten war das Fort offen, und da, wo 
das Gebäude links vom Eingange angemerkt steht, sah ich die 
Ruinen eines bombenfesten, von Backsteinen erbauten Pulver- 
magazins, das die Engländer 1814 in die Luft gesprengt haben. 
Es scheint fraisirt und zumTheil mit Holz revctirt zu sein. Tausend 
Schritte weiter, etwas links, auf einer andern kleinen Anhöhe also 
gelegen, dafs das Innere vom ersten Fort aus beschossen werden 
konnte, stehen die Ruinen eines andern etwas grösseren Forts. 
Dieses Fort scheint für 4 bis 500 Mann eingerichtet gewesen 
zu sein, während das erstere 200 Mann beherbergt haben mag. 
Die Wälle beider Forts sind eitel Sand, und die hohen Sträucher 
verschiedener Art, welche auf diesen Ruinen bereits zu einer an- 
sehnlichen Höhe gediehen sind, zeugen für die Productionskraft 
des Climas. Die Gegend um die Forts herum , die auch nur aus 
Sand bestehet , bringt lataniers und Zwergeichen hervor. Densel- 
ben Boden hatte ich gestern auf der Landseite vom Fort Barrancas 
gefunden, wo ich übrigens auch cactus bemerkte, von welchen 
einige zwischen den Backsteinen im Kugelzwinger wuchsen, und 
manche im Aurresten Sande. 1782 soll eine Hand voll Waldecker, 
damals in englischem Solde, diese Werke als brave Soldaten gegen 
15,000 Spanier verthcidigt, und in Ermangelung eines engli- 
schen Ingenieurs soll der damalige Hauptmann und jetzige nieder- 
ländische General Lieutenaut von Jleldring diese Function wahr- 
genommen haben. 

Der Oberst Walton, Staatssecretair von Florida, der so eben 
zu Schiffe von Talahassce zurückgekommen war, erzählte mir so 
viel von der schönen Lage und von der herrlichen Gegend dieser 
erst seit einem Jahre neu angelegten Stadt, so wie von dem Innern 
Florida's, mit seinen steigenden und fallenden Quellen, und Seen, 
deren Abflufs man nicht kenne, dafs es mir leid that, diesen Ort, 
bis wohin das 4. Infanterie-Regiment einen Weg gebahnet hatte, 
nicht besucht zu haben. 30 Meilen von Talahassce hat Prinz Achille 
Nurai, in Gesellschaft mit dem ehemaligen amerikanischen Obersten 
Gadsden , viel Land angekauft , auf welchem er Mais , Baumwolle 






61 > 

und Zuckerrohr anbauen will. Der Prinz soll ein junger Mann 
von vielem Geiste sein. Man tadelte jedoch, dafs er sich eine ge- 
meine Tournüre zugelegt habe, in der er etwas zu suchen schiene: 
er kaue beständig Taback , sagte man , und wechsele zuweilen in 
6 Wochen seine Leibwäsche nicht. 

Ich machte dem hiesigen katholischen Geistlichen , Abbe Maen- 
ltout, aus Waerschot in Ost-Flandern gebürtig, einen Besuch. 
Der Abbe ist 1817 mit dem Bischof von Louisiana, Msgr. Dubourg, 
als Missionar nach den V. St. gekommen. Das Clima sagte dem 
braven Mann aber keineswegs zu; und so eben erholte er sich von 
einer schweren Krankheit. Wegen seines guten Betragens und 
seiner Kenntnisse ist der Abbe Maenltout allgemein geliebt und 
geschätzt; und da er der einzige Geistliche hier im Ort ist, so 
gehen die Einwohner, von welcher Religion sie auch sein mögen, 
in seine Kirche. Abbe Maenltout freute sich über meinen Besuch, 
und besonders darüber, dafs ich ihm Nachrichten aus seinem Vater- 
lande brachte. 

Der Oberst Clinch schickte uns seinen Wagen , um uns nach 
seinem Quartier abzuholen, wo der Oberst Wool seine Inspection 
zu halten hatte. Seit die alten englischen Casernen in der Stadt 
abgebrannt sind , hat man die Truppen um so lieber aus der Stadt 
hinaus gelegt, da man für sie auch das gelbe Fieber fürchtet. 
2 Meilen von der Stadt, auf dem Wege von Barrancas , ist auf 
einer r Anhöhe in einer gesunden Lage eine grofse hölzerne Caserne 
für die Truppen gebaut worden. Diese Baracken nennt man im 
hiesigen Dienste cantonments; das hiesige wird dem Obersten zu 
Ehren cantonment Clinch genannt. Es besteht aus 10 Loghäusern, 
in einer Reihe gebaut, unter einem einzigen Dache. Jedes Haus 
ist für eine Compagnie bestimmt und enthält zwei Stuben. Vor 
dieser langen Baracke ist ein grofser Paradeplatz mit einem Flagg- 
stab. Gegenüber sind die Baracken der Officiere. Die Officiere 
jeder Compagnie haben Ein Haus , welches dem Loghause ihrer 
Soldaten gegenüber steht. Hinter der langen Soldaten-Baracke 
ist die Linie der Küchen ; hinter diesem in der Mitte das Wacht- 
haus nebst der Arrestanten-Stube, und noch weiter zurück im 
Walde sind die Abtritte. Auf dem rechten Flügel ist das Haus des 
Obersten , in einem mit einem Lattenzaun umgebenen Garten ge- 
legen. Das Haus ist von Holz gebaut, zwei Stockwerke hoch, 
und ringsher mit einer piazza und darüber mit einem Balkon um- 
geben. Auf dem linken Flügel steht ein ähnliches Gebäude, zur 
Wohnung des Oberst-Lieutenants und des Majors bestimmt, jetzt 



62 

aber zum Hospital eingerichtet, da der Oberst -Lieutenant im 
Tawpa-bay und der .Major im Fort Mitchele commandirte. Die 
Otm rne hat die Front gegen die Bai; am Fufse des Hügels tliefst 
ein b<ui<)ii, und die Aussicht ist wirklich hübsch. Der Oberst hat 
Mir 2 Officiere und gegen 20 Mann hier, so wie den Regimentsarzt. 
Die Inspection Mar folglich sehr schnell beendiget. 

Nach dem Diner fuhren wir nach der Stadt zurück , und brach- 
ten den Abend in einer recht angenehmen Soiree bei M r <* Walton 
zu, welche mir zu Ehren gegeben wurde. Ich traf hier mehrere 
Creolinnen aus der Stadt , welche ein schlecht Französisch sprachen, 
aber recht gut aussahen, und geschmackvoll angezogen waren. 
Es wurde nur Conversation gemacht; diese jedoch war sehr animirt 
und unterhaltend. 

Den 15. Januar verliefsen wir nach 8 Uhr früh Pensacola , um 
auf demselben Wege , den wir gekommen waren , nach Mobile zu- 
rückzukehren. Wir begegneten einem Stinkthier, etwas gröfser 
als eine Katze, mit einem grofsen haarigen und aufrechtstehenden 
Schweif. Das Thier kann nicht sehr geschwind laufen, und wir 
hätten es wohl erreichen können. Wir üefsen es aber ruhig nach 
seiner Höhle gehen, weil es, wenn es angegriffen wird, seinen Urin 
mit seinem Schweif um sich herum spritzet ; und wird ein Klei- 
dungsstück von demselben berührt, so mufs man dasselbe, wie 
versichert wird, gänzlich hinwegwerfen , weil der abscheuliche Ge- 
stank auf keine Weise herauszubringen i s t. Wenn das Thier einen 
Hund bespritzt, so soll dieser fast krank werden; er soll winseln 
und sich lange Zeit auf der Erde herumwälzen. Wir kamen auch 
an zwei Wolfsfallen vorbei, nach Art unserer Meisenkasten, aber 
natürlich nach einein gröl'sern Mafsstabc eingerichtet. 

An dein Hause, am Perdtdo-FküBte, machten wir einen kurzen 
Halt. Wir trafen einen Pllanzer von den Ufern des Alabama, der 
hierher gekommen war, um einen seiner Neger zurück zu holen, 
den er früher an die Besitzerin dieses Hauses und der Fähre ver- 
miethet hatte. Er hatte den armen Menschen aber so schlecht 
behandelt , dafs der Neger ihm nicht weit von dem Hause mit dem 
Messer gedroht hatte, und zurück gelaufen war. Er hatte uns 
über den Flufs gefahren; als er jedoch seinen Herrn erblickte, 
entfernte er sich schnell , und war nicht mehr zu sehen. Der Herr 
fragte uns, ob wir ihm nicht beistehen wollten, seinen Neger ein- 
zufangen und fest zu halten; wir aber wiesen einstimmig den Antrag 
mit Abscheu zurück. Schon vor einigen Tagen hatte der Neger 
mir durch sein munteres und gefälliges Wesen gefallen , während 



63 

sein Herr und Peiniger mir in jedem Betracht äufserst widerwärtig 
erschien. 

Gegen 5 Uhr Nachmittags erreichten wir dasselbe Loghaus, 
in weichein wir zuvor übernachtet hatten, bei Belle fontalne. Da 
es noch Tag war, so ging ich sogleich aus, um die Quelle zu 
sehen, welcher dieser Platz seinen Namen verdankt; ich fand aber 
nur einen Morast mit mehreren Quellen, an welchen sich, die 
Vegetation abgerechnet, Nichts Schönes zeigte. Der Mann war 
nicht zu Hause, und das ganze Hausregiment ruhete auf der blassen 
Frau , die fünf Kinder zu besorgen hatte , und ein sechstes erwar- 
tete. Sie hatte zu ihrer Hülfe einen einzigen kleinen Negerknaben, 
der gerade verschickt war; und so mufste die arme Frau uns ganz 
allein besorgen. Und dennoch setzte sie uns ein recht gutes 
Abendessen vor. 

Nach dem vorgestrigen Regen hatte sich das Wetter bedeu- 
tend abgekühlt, und wurde heute Abend bis zum Frieren kalt. 
Wir fühlten uns daher in dem Vogelbauer, wie man unser Haus 
wohl nennen konnte , durchaus nicht comfortable. 

Gegen Morgen ward ich aus meinem unruhigen Schlafe durch 
einen gewaltigen Lärm aufgeweckt. Es waren Kraniche, die 
über das Haus hinwegdogen! Um 8 Uhr früh verliefsen wir Belle 
fontaine und fuhren nach Blalceley zurück, wo wir vor 5 Uhr Abends 
eintrafen, und unser altes Quartier wieder bezogen. Es war uns 
heute auf der ganzen Fahrt nicht das Geringste begegnet, das an- 
gemerkt zu werden verdiente. Mit wenigen Kosten würde man 
einen guten Weg zwischen Blakely und Pensacola machen können; 
wenigstens aber sollte man die vielen grofsen Bäume, die in Folge 
heftiger Stürme quer über den Weg gefallen sind, und ihn ver- 
sperren, aufräumen. Man ist genöthigt, wegen dieser Bäume 
öfters bedeutende Umwege zu nehmen. 

Am folgenden Morgen schifften wir uns um 10 Uhr wieder ein 
an Bord des Dampfschiffes Emmeline, und erreichten bei sehr gutem 
wiewohl kaltem AVetter, Mobile Mittags 12 Uhr. Herr Bowdoin 
trafen wir mit dem Podagra in beiden Beinen bettlägerig. Wir be- 
gaben uns sogleich nach dem Hafen. Während unserer Abwesen- 
heit war der Paket-Schooner Emblem , Schiffer Jinccnt aus New- 
Orleans, hier angekommen, und wollte nach dieser Stadt zurück- 
fahren. Der Schiffer hatte von uns gehört, und war länger lie- 
gen geblieben , um uns mitzunehmen. Sein Schiff stand in sehr 
gutem Rufe, sowohl wegen seines Segeins, als auch wegen der 
Bequemlichkeit und Reinlichkeit. Wir aecordirten die Ueberfahrt 



64 

zu 15 Dollars für die Person. Eigentlich wollte der Schiffer schon 
an diesem Tag abgehen ; da er aber hörte , dafs wir gern das neue 
Fort Mobile point, das 30 Meilen von Mobile gebauet wurde, 
sehen wollten : so war er so gefällig , seine Reise bis xum folgenden 
Morgen aufzuschieben, damit wir das Fort bei Tage betrachten 
könnten. 

So blieb uns noch einige Zeit. Wir machten einen Spazier- 
gang nach dem hinter der Stadt gelegenen Walde , der aus Kiefern 
und einigen immergrünen Sträuchen bestehet. Daselbst ist auch 
der grofse Begräbnifsplatz, der durch das gelbe Fieber und das 
ungesunde Klima so stark bevölkert worden ist. Mehrere Chactaw- 
Indianer bivouakirten hier gleich Zigeunern; die Männer lagen 
betrunken auf dem Boden, und die armen Weiber mufsten die 
Holzbündel zum Verkauf in die Stadt tragen. 

Zu meiner grofsen Verwunderung erfuhr ich, dafs es auch hier 
Spielhäuser gäbe, welche durch Franzosen gehalten würden, und 
dafs jedes der Stadt jährlich 1000 Dollars für die Licenz zahlte. 
Man sagte mir auch, dafs angesehene Kaufleute hingingen, um 
ihre Commis zu controliren , und zugleich zu sehen, ob Handwerker 
oder andere kleine Handelsleute spielten, um den Credit danach 
abzumessen, den sie diesen Leuten zu geben pflegten. Ich liefs 
mich daher in zwei dieser Spielhäuser führen, die zugleich mit 
Kaffeehäusern zusammenhängen , um zu sehen , >vie man's triebe. 
In dem einen waren zwei Roulette-Tische in zwei besonderen Zim- 
mern , und in dem andern , welches kleiner war , ein Roulette - und 
ein Pharo- Tisch. Es lag nur Silber und Papier, jedoch keine 
gröfseren als 20 Dollar -Noten auf den Banken; und die meisten 
Pointeurs wagten nicht über einen Dollar auf ein Mal. Ein Paar 
junge Leute verloren Alles, was sie bei sich hatten, und stellten 
sich ziemlich ungeberdig an , als sie ausgebeutelt waren. Mehrere 
der Pointeurs schienen Landleute zu sein , welche ihren Mais und 
ihre Baumwolle zu Markte gebracht hatten , und nun ihren Gewinn 
verspielten. Auch safsen einige gemeine, halb betrunkene Matrosen 
an einem der Spieltische. Wir fanden in beiden Häusern eine 
ziemlich schlechte Gesellschaft vereinigt, und unsere Neugierde 
war sehr schnell befriedigt. Man hoffte auch, die Legislatur e des 
Staats Alabama würde diese Häuser verbieten. Sie sind übrigens 
sehr gute Plätze zum Werben für die Marine und für die Armee ! 






XIX. 

Reise nach New- Orleans und Aufenthalt in dieser Stadt. 

Vom 28. Januar bis 26. März 1826. 



Am 18. Januar schifften wir uns gegen 8 Uhr früh ein an Bord 
des Emblem. Herr Bowdoin war gestern Abends in einem Sessel 
an Bord getragen Morden; wir trafen ihn noch immer bettlägerig 
und sehr leidend. Aufser unserer Gesellschaft ging Herr Egbert 
und ein Herr Chew aus New -York mit, der von Montgommerif 
aus mit uns gekommen war, 2 Herren aus New-Orleans und ein 
Herr Squires, Associe von Herrn Degern , der, aus Livorno ge- 
bürtig, vormals in preufsischen Militairdiensten gestanden hatte, 
und jetzt Kaufmann in Mobile war. Die Cajüte am Bord unsers 
Schooners war der Gröfse des Schiffes angemessen — es hielt nur 
50 Tonnen — , aber ziemlich hoch und gut verziert. Die Wände 
waren von Mahagoni und Ahorn; auf jeder Seite 2 Cabinette, jedes 
mit 2 Cojen; der hintere Theil der Cajüte, etwas höher als deT 
vordere, enthielt an jeder Seite eine einzelne Coje. Von diesen 
war die Coje am Steuerbord von Herrn Boicdoin eingenommen; 
die am Backbord nahm ich in Besitz. Wir mufsten über eine 
Stunde auf das Brieffelleisen warten, das unser Schiff mitnehmen 
sollte, und erst nach 9 Uhr gingen wir unter Segel. 

Der Wind wehete sehr schwach , und wir rückten nur langsam 
vorwärts. Im Ganzen hatte der Wind sich gar nicht fixirt, und 
sprang nach allen Seiten; von Zeit zu Zeit hatten wir auch Regen. 
Die Ufer dt r Bai , die sehr breit wird , sind niedrig und mit Holz 
bewachsen; vor uns lag eine lange Insel, von dem unglücklichen 
Delasalle, der sie entdeckte, Isle Dauphine benannt. Links liegt 
Mobile poini, wo wir nach Sonnenuntergang das Licht auf dem 
Leuchtturm erblickten. Auf diesem Puncto stand im letzten Krieg 
ein kleines Fort, Fort Bowijer genannt, welches der jetzige Oberst- 
Lieutenant, damalige Major Lawrence, im Jahr 1814 mit einer Be- 
tt E 



m 

Satzung von VM) Mann gegen 800 gelandete englische Marinier? 
und Seminole-ln&aner unter dem englischen Major Nicholls, sehr 
ehrenvoll vertheidigte. Die Angreifendem wurden , nachdem ihre 
Stucke dcmontirt waren, mit ansehnlichem "Verluste zurückgeschla- 
gen, und die englische Corvettc Hermes, welche den AngrilV un- 
terstutzte, durch das wohldirigirte Artilleriefeuer des Forts in die 
Luft gesprengt. Im Februar 1815 jedoch sah dieser brave Oflicicr 
sich genüthigt, der Uebermacht zu weichen, und mit der Flotte 
des Admirals Cockborn, die von derverunglücktenExpedition gegen 
New- Orleans zurückkehrte, zu capituliren. Dieses war die letzte 
Hostiütät, welche in jenem Kriege vorfiel. Fort Bowyer ist seitdem 
demolirt worden, und an seiner Stelle baut man eine gröfsere 
Festung, welche wir gern besehen hätten, wenn der "Wind uns 
günstiger gewesen wäre und uns früher hieher gebracht hätte. 
Wir schifften zwischen Mobile point und Daupitinc island durch, 
um in den Mexikanischen Meerbusen zu gelangen, und um dann 
rechts, südlich von den Sandinseln, die längs der Küste liegen, 
nach dem Lac Borgne zu fahren. Kaum aber waren wir in See, 
als sich ein sehr starker Wind erhob, der nach Westen umsprang, 
und uns gerade entgegen wehete. Fast die ganze Nacht hindurch 
suchten wir gegen ihn zu laviren, aber vergebens. Der Wind 
verwandelte sich m einen Sturm mit Regen, Donner und Blitz. 
Die obere Gaffel am hintern Mast — unser Schooner hatte zwei — 
brach , und fiel aufs Verdeck. Der mate — zweiter Schiffer — 
wurde vom Steuerruder in der Seite beschädigt, und war für den 
Augenblick dienstunfähig. Wegen des grofsen Lärms, der auf 
dem Verdeck herrschte, konnte keiner der Passagiere die ganze 
Nacht über ein Auge zuthun. Die Bewegung des Schiffes war 
sehr stark und bei seinem kleinen Gehalte besonders fühlbar; vor- 
züglich stark war das Rollen. Ein herabfallender Block zerschlug 
mehrere der Scheiben im Kuckuk über der Cajüte so, dafs es 
hereinregnete, und durch das starke Rollen fielen Tische und 
Möbeln um. 

Am Morgen des 19. Januars sahen wir uns bis gegen die Meer- 
enge zwischen Danphine island und Mobile point zurückgetrieben, 
und der Schiffer liefs die Anker auswerfen, um nicht noch weiter 
verschlagen zu werden. Ich wurde seekrank , hatte jedoch den 
Trost, dafs noch mehrere Passagiere mein Uebel theilten. Es 
blieb den ganzen Tag über häfsliches, kaltes und trübes Wetter. 
Da wir nicht weit von Danphine Island lagen , so fuhren Mehrere 
der Gesellschaft ans Land, und brachten einige Drosseln, die man 



67 

geschossen hatte, mit sich zurück. Mir aber war zu widerwärtig 
zu Muthe, als dafs ich Lust und Trieb gefühlt hätte, diese unwirth- 
bare Insel, aus einem, mehrere Meilen langen, Sandstreifen mit 
den ewigen Riefern bewachsen, zu besuchen. Auf derselben ste- 
hen die Ueberbleibsel von einer alten Schanze und von Baracken. 
Aufser einem Zollbcamteten sollen nur 3 Familien auf der ganzen 
Insel wohnen. Den Leuchtthurm von Mobile point nebst einigen 
dabei stehenden Häusern, sahen wir nicht weit von uns. Ich wäre 
gern hingegangen, um die angefangene Festung zu sehen; es 
war aber zu weit, um bis dahin in der Schaluppe auf der sehr 
bewerten See zu fahren. Es war für mich ein sehr widerwärtiger 
Tag. Ich vertrieb mir die Zeit so gut als möglich mit Lesen und 
Patience - Spielen : einer sehr zweckmäßigen Beschäftigung bei 
Seereisen. Abends legte sich der Wind. 

Am 20. Januar war der Wind günstiger. Er blies aus Nord- 
Osten und vertrieb die Wolken. Wir lichteten also die Anker. 
Links von uns lag eine andere kleine Insel, Pclicans Island ge- 
nannt, welche eine Sandbank unter dem Wasser bis nicht weit von» 
Dauphine Island ausstreckt. Wir verfehlten unglücklicherweise 
die rechte Durchfahrt, hielten uns zu weit links und stiefsen auf 
den Sand. Die Schaluppe mufste ausgesetzt, ein Anker auf eine 
Distanz von ungefähr 100 Fufs getragen und dann ausgeworfen 
werden. Die Schaluppe kam zurück , und die Mannschaft mufste 
an die Winde treten, um uns von der Sandbank herab zu winden. 
Dieses gelang. Kaum aber waren wir wieder unter Segel, als uns 
dasselbe Unglück von Neuem begegnete, und dieselbe Operation 
noch ein Mal nöthig machte. Endlich ging es mit günstigem M inde 
vorwärts , und wir fuhren bei dem sandigen Dauphine island vor- 
bei, und passhten dann die Inseln petit bois, Massacre island. 
Hörn island, s/dp island. 

Diese Inseln bestehen aus hohen Sand -Dünen, nur einzeln 
mit Kiefern bewachsen, und erinnern sehr an die flandrischen und 
holländischen Küsten. Hinter Massacre und Hörn island liegt eine 
Bai , welche , nach einem aus dem Staate Mississippi kommenden 
und sich hier in die See ergiefsenden Flusse dieses ^amens, Pasca- 
goula bai genannt wird. Ship island ist gegen 9 Meilen lang; 
und hier war es, wo die englische Flotte, welche die zur Expe- 
dition gegen New - Orleans commandirten Truppen transpoitirt 
hatte, während der Monate Dccember und Januar 18U und 1815 
in Position blieb. Links von uns in großer Entfernung lag eine 
einzelne Insel, les malltcureux. Hinter dieser liegen die Inseln 

E 2 



68 

de la Chmuhhur und noch weiter entfernt eine la rief du Franc- 
macon. Wir passirten später eine schlammige Untiefe, auf der 
w'w n-liii-Uieherweise nicht stecken blieben, und gelangten in den 
Meerbusen lac borgne, der mit dem dahinter liegenden lac Von 
charlrain durch 2, jede über eine Meile breite, Communicationen 
'zusammenhängt, die eine, la passe du Chef Menteur und 
die andere les rigolets genannt. Beide sind durch Fort9 ver- 
theidi"!, die erste durch das Fort du Chef Menteur und die an 
dere durch das Fort des petites coquilles, so genannt, »eil es auf 
einen Grund von Muscheln gebaut ist, und seine Wälle aus einem 
Pise von Muscheln gemacht sind. Den letzteren Weg schlugen 
wir ein, und passirten les rigolets in der Nacht mit günstigem 
Winde. Die Nacht war bereits eingebrochen, als wir den lac borgne 
erreichten. Nachdem wir les rigolets passirt hatten , gelangten wir in 
den lac Ponchartrain , und wendeten uns links nach dem Leuchtturme 
des Forts St. Jean, welches den Eingang des bayou gleiches Namens, 
der vom lac Ponchartrain nach New- Orleans führt, vertheidigt. 

Den 21. Januar erwachte ich, als wir eben im bayou St. Jean 
einfuhren. Der See ist so breit, dafs wir das nördliche Ufer — .SV. 
Jean lie^t auf dem südlichen — nicht erkennen konnten. Wir 
blieben am Eingange des bayou eine Stunde liegen , um den Matro- 
sen , welche die ganze Nacht über gearbeitet hatten , und von nun 
an das Schiff bis New-Orleans ziehen sollten, eine kurze Ruhe zu 
vergönnen. Wir hatten noch 6 Meilen bis nach der Stadt. Das 
Fort, welches wegen der Anlegung von Chef menteur und petites 
Coquillcs, seine Wichtigkeit verloren hat, ist aufgegeben und 
verkauft worden, und man war beschäftigt, ein Wirthshaus hinein 
zu bauen. Es liegt nur gegen 500 Schritt vom See entfernt, 
konnte aber von da aus wegen der morastigen Ufer nur mit grofser 
Schwierigkeit angegriffen werden. Um die Ufer des bayou fest zu 
machen, hat man sie mit Bohlen revetirt, welche jedoch in diesem 
heifsen und feuchten Clima sehr schnell verderben. Der Damm, 
der längs des bayou läuft, ist aufgeschüttet, auf einen Grund von 
Holz. Hinter dem Fort ist ein Wirthshaus Pontchartrain hötel, 
w r elches den Sommer über von der Stadt aus sehr viel besucht 
werden soll. An einem Pharo - und Roulettetisch erkannte ich das 
Lieblingsvergnügen der hiesigen Einwohner. 

Da die Fahrt von hier nach der Stadt nur sehr langsam von 
Statten geht, so wollten wir einen Wagen miethen ; es war aber 
keiner zu bekommen. Für ein Boot forderte man 6 Dollars. Also 
entschlossen wir uns, die 6 Meilen zu Fufse zurückzulegen. Der 



69 

Oberst, Herr Hi/i/gens , Herr Egbert , Herr Chew und ich machten 
diese Caravane aus. Der Morgen Mar sehr schön, wahres Früh 
lingswetter. Wir gingen durch eine häfsliche, morastige Gegend, 
längs des bayou, diesem zur Linken. Der Wald hing voll des 
häßlichen ßartmooses, und nur eine Menge latanicrs gewährten 
einige Veränderung. Der Damm besteht ans aufgeschütteter Erde 
und war sehr schlammig ; über kleine Gräben , welche das Wasser 
aus dem uns umgebenden Morast in den bayou leiten , führten gute 
hölzerne Brücken. 

Nachdem wir auf solche Weise 3 Meilen gegangen waren, 
kamen wir in eine angebaute Gegend , passirten eine Art von Thor 
und befanden uns wie in einer andern Welt. Plantagen mit schönen 
Häusern folgten dicht auf einander; herrliche life oalcs, auf deren 
einer man eine Plateform angebracht hatte, junge Orangenbäume, 
pride of China, und andere südliche Bäume und Gesträuche längs 
des Wegs. Mehrere Wirthshäuser und öttentliche Gärten zeugen 
für ein Publicum, das sich gern amüsirt. Wir sahen mehrere 
Landhäuser mit Säulen , piazza's und bedeckten Balkons geziert. 
Einige dieser Häuser waren von alter Bauart. Es war mir ordent 
lieh behaglich, nachdem ich so lange in Wildnissen herum geirrt 
hatte , wieder in eine schon längere Zeit civilisirte Gegend zu kom- 
men. Von Fern erblickten wir die weifsen Thürme der Cathedrale 
von New-Orleans, daneben die Mäste der im Mississippi liegenden 
Schiffe. Der bayou vereinigt sich 3 Meilen von der Stadt mit einem 
dahin führenden Canal, den wir auf einer Drehbrücke passirten, um 
einen nähern Weg nach der Stadt einzuschlagen. 

Dieser Weg führte uns zwischen gut gebauten Landhäusern 
durch , und über der Strafse hingen Reverberes. Der erste Anblick 
der Stadt, als wir dieselbe, ohne es zu wissen, erreicht hatten, 
war jedoch nicht schön: denn wir traten in den ältesten Theil, der 
nur aus kleinen, ein Stockwerk hohen, mit Pisc-Wänden gebauten 
Häusern besteht, die weit überragende Dächerhaben. Uebrigcns 
sind die Strafsen sehr gerade; sie durchschneiden sich in rechten 
Winkeln; ein Theil läuft parallel mit dem Flufs, und der andere 
stöfst perpendicular auf denselben. Die alte Stadt war mit Wällen 
umgeben, welche demolirt sind; an ihrer Stelle ist ein Boulevard, 
ruc des remparts genannt, angelegt. An die alte Stadt stöfst 
unterhalb Faubourg Marigny und oberhalb Faubourg S'e Marie. 
Da beginnt der eleganteste Theil der Stadt. 

Bevor wir uns nach einem Quartier umthaten . sahen wir uns 
etwas in der Stadt um, and ginge» nach den Mississippi, um diesen 



. 70 

„Vater der Ströme" zu begrüfsen. Er ist gegen eine halbe Meile 
breit, und soll über 80 Faden tief sein. Durch einen Damm, aus 
einem Pise \on Muscheln gemacht, ist er von der Stadt getrennt 
Dieser Damm schützt die Stadt gegen Uebcrschwemmungen. 
Quaia giebt es nicht; man sagt: sie könnten nicht angelegt wer- 
den, weil der Flufs sie wegschwemmen würde. Die Schifte liegen 
zu 4 und 5 neben einander längs des Ufers, wie in der Themse 
bei London. Unter ihnen waren 10 sehr grofse Dampfschiire, zur 
Schiffahrt auf dem Mississippi. Längs des Ufers stehen Häuser, 
die 2 und 3 Stockwerke hoch und von Backsteinen aufgeführt sind; 
auch alte massive spanische Häuser, erkennbar an ihrer schweren, 
soliden Bauart, und meistens weifs angestrichen. Wir kamen an 
einem Square vorbei : die eine Seite bildete den Flufs , gegen- 
über stand die Cathedrale, und an den beiden andern Seiten zwei 
massive, öffentliche Gebäude mit Arcaden. Längs des Ufers ste- 
hen die Markthallen, von Backsteinen aufgeführt, nach dem Modell 
der Propyläen von Athen und in verschiedene Gebäude eingetheilt. 
In denselben erblickten wir sehr schöne Ananas, Orangen, Pisang- 
früchte, Mississippi-Nüsse, Cocus-Nüsse und Gemüse verschie- 
dener Art; auch mehrere Buden, in welchen man Kaffee schenkte 
und Austern öffnete und verkaufte. Die Neger-Population schien 
uns vorzüglich stark; man versicherte uns, über die Hälfte der 
hiesigen Einwohner, 45,000 an der Zahl, seien von schwarzer 
Farbe. Das Zollhaus am Ufer ist ein hübsches Gebäude. 

Wir begegneten einem Kaufmann, Ogclen, Associe von Herrn 
JVm iW/. an welches Haus ich adressirt war, der die Gefälligkeit 
hatte, sich unserer anzunehmen, und zu unserm Unterkommen 
behülüich zu sein. Mir versuchten, im hiesigen ersten Hotel bei 
Elliius eine Wohnung zu erhalten ; es war aber kein Platz da. Indefs 
erhielten wir ein leidliches Quartier, nie de Chart res, im boarding- 
house bei M.me Heries. Die erste Person , die ich in diesem Hause 
traf, war Graf } idua, den ich in New- York kennen gelernt hatte, 
und der seitdem eine Reise durch Canada, durch die western 
countru, den Ohio und Mississippi herab gemacht hatte. 

Meine erste Ausflucht war zu Herrn Gryjnes, der hier ein 
grofses, massives und prachtvoll eingerichtetes Haus bewohnt. Ich 
traf Anfangs nur M" Grymes zu Hause, welche nach einer äufserst 
beschwerlichen Reise am 10. December hier angekommen war, und 
vor 14 Tagen einem wohlgebildeten Sohne das Dasein gegeben 
hatte. Ich fand zwei prächtig möblirte Zimmer für mich einge- 
richtet, nahm aber dieses freundliche Anerbieten nicht an. Später 



71 

kam Herr Gri/mes auch nach Hause, und begleitete mich nach 
meinem Quartiere zurück. Da unser Schooner noch nicht ange- 
kommen war, so gingen wir ihm entgegen, und fanden ihn im 
Canal 1§ Meilen von der Stadt, wo ein Paar Baumwollenschiffe 
neben einander lagen, und dem Schooner den Weg versperrt hal- 
len. Wir lielsen unsere Bagage in die Schaluppe laden, und fuh- 
ren mit derselben nach dem Bassin in der Stadt zurück, in welchem 
der ('anal sich endigt. 

Abends machten wir dem Gouverneur vom Staat Louisiana, 
Herrn Jo/uison, unsern Besuch; trafen ihn aber nicht zu Hause. 
Bei dieser Gelegenheit gingen wir Mieder an mehreren kaffeebuden 
vorbei, wo das gemeine ^ olle sich lustig machte, und dem spani- 
schen Gesang eines Arbeiters zuhörte, der sich mit der Guitarre 
begleitete. Später holte mich Herr Grywcs zu dem bal WMsqut ab, 
der fast täglich während des carnaval in den Sälen des französischen 
Theaters gehalten wird. Der Saal, in welchem man tanzte, ist 
ziemlich lang, gut gemacht, und mit grofsen Spiegeln geziert. 
Ilingsherum laufen drei Reihen Bänke amphitheatralisch geordnet. 
Masken gab es wenige, Charaktermasken gar nicht; nur einige 
Domino's. Man tanzte Contretänze und Walzer. Den Anzug der 
Damen fand ich recht elegant, hörte aber,' dafs die wenigsten der 
tanzenden Damen zur guten Gesellschaft gehörten. Es waren 
mehrere IVebensäle offen, in welchen man soupirt, wenn Sub- 
scriptionsbälle gegeben werden. Im Erdgeschosse des Gebäudes 
sind Säle, in welchen Pharo und Roulette gespielt wurde. Diese 
Plätze waren düster und sahen wie Höhlen aus; auch die Gesell 
schaft, die hier spielte, schien, nach ihrem Anzüge zu artheilen, 
nicht zur guten zu gehören. 

So war ein Tag in New-Orleans vergangen. Von dem folgen- 
den Tag an wurden neue Bekanntschaften gemacht, und auch 
einige alte erneuert. Nun blieb ich in Ncw-Orleans mehrere Wo- 
chen: denn den Plan, nach Mexico zu gehen, mufste ich aulgeben, 
weil in diesem Lande keine Fremden zugelassen werden sollten, 
die nicht aus Ländern wären, welche den neuen Staat anerkannt 
hätten. Es stellten sich mir daher zu viele Schwierigkeiten entge- 
gen; und defswegen beschlofs ich, in New-Orleans die bessere 
Jahrsseit abzuwarten, und alsdann t\cn Mississippi hinauf zu reisen. 
Die Folge war eine ausgebreitete Bekanntschaft; die Folge war 
eine [leihe von Besuchen und Gegenbesuchen, die nach und nach 
ziemlich lang wurde; die Folge war auch ein- gewisse Einförmig- 
keit des Lebens, wie sie in dem gesellschaftlichen Kreise Einer 



72 

Stadt, und Ware derselbe noch so grofs, nicht ausbleiben kann. 
Ktin Tag verging in dieser Winterzeit, der nicht in irgend einer 
\\ eise I Vir mich etwas Angenehmes oder Interessantes mit sich ge- 
bracht hatte: aber das Heute sah dem Gestern doch oft ziemlich 
gleich. Diners und Soirees, Schauspiele, Maskenbälle und andere 
\ ergnügungen folgten einander, und wurden unterbrochen durch 
alle die kleinen Zufälligkeiten, welche das Leben begleiten in die- 
ser Hemisphäre, Mie in jener. Defswegen will ich mir nur das Eine 
oder das Andere mitzut heilen erlauben, das vielleicht einiges In- 
teresse haben könnte, Kleineres und Gröfseres in bunter Reihe, 
wie es mir begegnet oder aufgefallen ist. 

Die Cathedrale in Neio-Orleans ist äufserlich in einem plumpen 
und schweren Stile gebauet , mit einem Giebel , auf dem ein Thurm 
und zwei Nebenthürmchen stehen. Die Fagade ist so confus, dafs 
ich sie nicht zu beschreiben vermag. Im Innern sieht die Kirche 
aus wie eine flandrische Dorfkirche. Die Gewölbe sind von Holz ; 
die' Säulen, welche das Gewölbe tragen, und das Schiff in drei 
Gänge abtheilen , sind plump, hölzern und mit Gyps überworfen, 
und so wie die Wände der Kirche, sehr geschmacklos gemacht. 
Die drei Altäre zeichnen sich auch durch keine besondere Zierde 
aus. Auf einem der Nebenaltäre steht eine häfsliche Wachspuppe, 
eine Mutter Gottes mit dem Kinde. Neben dem Hauptaltare steht 
ein Sessel für den Bischoff. An Sonntagen und Festtagen wird 
diese Cathedrale Vormittags von der schönen Welt besucht; aufser 
diesen Tagen fand ich , dafs die meisten Gläubigen nur aus Schwar- 
zen und Farbigen bestanden, gröfstes Theiles Weibern. 

Das Hinablallen der Erde von der Levcc wird auf eigenthüm 
liehe Weise verhütet. Jn Holland schlägt man Pfähle längs des 
Wassers zu diesem Ende ein, und verbindet sie mit Hurdenwerk. 
Je nachdem der Damm hoch ist, macht man mehrere oder wenigere 
dergleichen Wände hinter einander. Hier steckt man nur Zweige 
vom latanier in den Grund ziemlich dicht neben einander, und 
ihre fächerartigen Blätter bilden zusammen eine Wand, welche die 
herabrollende Erde aufhält. 

In der Stadt sind nur zwei Strafsen gepflastert; aber alle haben 
Trottoirs von Backsteinen. Die Pflastersteine werden von Schiffen, 
die aus den nördlichen Staaten kommen, als Ballast mitgebracht; 
man soll sie hier theuer ♦erkaufen. Mehrere Trottoirs sind auch 
mit breiten Gneifsplatten belegt. In den Strafsen ist ein unge- 
heuerer Koth. Wenn es geregnet hat , so wird es selbst schwer , zu 
Wagen fortzukommen; der Fufsgänger aber, der von der einen 



— — 73 — 

Seite nach der andern gehen will , hat bitteren Jammer. Entweder 
mufs er einen weiten Umgang machen , um einige Steine zu finden, 
die zum Behuf des Ueberhüpfens in den Abgrund geworfen sind, 
oder er mufs furchten, wenn er durchzudringen wagt, dafs er 
stecken bleibe und Alles verderbe. 

Der Sonntag wird in New-Orleans nicht mit der pedantischen 
Strenge gefeiert, wie im Norden. Die Läden stehen offen und 
in den Strafsen wird gesungen und Guitarre gespielt. In New- 
York oder Philadelphia wäre man dafür ins Gefängnifs gesetzt 
worden. Auch war es ein Sonntag, an welchem wir zum ersten 
Mal ins französische Theater gingen , in welchem grade Sonntags 
und Donnerstags gespielt wird. Man gab das Trauerspiel Regulas, 
und die vaudcvilles: les prisonniers ou les compagnons d'inj'ortune 
und baiscr an porteur. Die Schauspieler-Gesellschaft war nur 
mittel mä fsi g , wie die der kleinen französischen Provinzial-Städte, 
die sich niemals an Trauerspiele oder conudies du premier ordre 
wagen sollten. Regulus wurde verdorben: nur ein Herr Marchand 
und M»»e Clozely deren Mann in den raudcvillcs die comischen 
Rollen recht gut gab , zeichneten sich aus. Der Saal ist nicht sehr 
grofs, aber gut verziert. Unten ist Parterre und Parket, eine Reihe 
Logen, jede für 4 Personen, und davor ein Balkon. Die Logen 
sind nicht durch Wände, sondern nur durch niedrige \ erschlage 
getrennt, so dafs die Damen sich bequem zeigen können. Ueber 
der ersten Logen-Reihe ist eine zweite, in welche die freien Farbi- 
gen gehen , denen nicht verstattet wird , sich an einem andern Platz 
im Theater sehen zu lassen; und über dieser Reihe ist die Gallerie, 
welche von den Sclaven mit Erlaubnifs ihrer Herren besucht wird. 
Hinter den Logen ist ein Gang, wo die Herren, die in keine Loge 
gehen wollen , stehen oder herumgehen , und wo sie über die Loge 
hinwegsehen können. Das Theater war weniger besucht als wir 
erwartet hatten. Man sagte , die Ursache läge in der grofsen Con- 
sternation , die hier im handeltreibenden Publico herrschte , wegen 
der Bankerotte dreier der hiesigen angesehensten Handelshäuser, 
welche in Folge verunglückter Speculationen in Baumwolle und 
wegen der im vorigen Sommer zu Liverpool ausgebrochenen Ban- 
kerotte vor wenigen Tagen fallirt hätten. 

Die Garnison bestand aus 2 Compagnieen Infanterie vom ersten 
und vierten Regiment. Diese Besatzung war hier seit dem letzten 
Neger-Complott, und ward hier unterhalten, um die Neger einzu- 
schüchtern. Im Fall eines ernstlichen Allarms würde sie jedoch 
schwerlich von grofser Hülfe seyn! Und welche Sicherheit hat 



74 

man? In der nie de Chartres, in welcher wir wohnten, bestanden 
zwei Etablissements, die mich unendlich empörten: nämlich zwei 
Buden, in welchen man Neger verkaufte. Diese unglücklichen 
Geschöpfe beiderlei Geschlechts standen oder safsen den ganzen 
ÜTag in oder vor diesen Buden, um sich zu zeigen und Käufer zu 
aufarten. Der Greuel ist gräfslich, und die Rohheit und Gleich- 
gültigkeit, welche die Gewohnheit in den weifsen Menschen erzeugt 
hat, unglaublich *). 

In Neiv-Orleans wurden Subscriptionsbälle gehalten, zu wel- 
chen die Commissarien uns einzuladen die Höflichkeit hatten. Diese 
Bälle finden zweimal in der Woche, Dienstags und Freitags, in 
demselben Local im französischen Theater Statt, in welchem der 
Maskenball war, dessen ich oben gedacht habe. Zu diesen Sub- 
scriptionsbällen kommt nur die gute Gesellschaft. Der erste, den 
wir besuchten, war nicht sehr zahlreich; die meisten Damen waren 
aber sehr hübseh, und hatten eine sehr gute französische Tournüre. 
Der Anzug Mar äufserst elegant und nach den neuesten Pariser 
Moden. Die Damen tanzten im Ganzen vortrefflich und machten 
ihrem französischen Tanzmeister alle Ehre. Uebrigens soll das 
Tanzen und etwas Musik die Hauptzweige des Unterrichts der 
Creolinnen ausmachen. Dem sei wie ihm wolle: ein Fremder aber, 
der nicht hieher kommt , um sich eine Frau zu holen , dürfte die 
liebenswürdigen Creolinnen , aus welchen diese Gesellschaft bestand, 
vielleicht eben so angenehm finden, als jene steifen Prüden , welche 
es für indecent halten, zu Malzen, aber nichts Anstöfsiges darin 
finden, mit jungen Herren stundenlang tete ä tele spazieren zu ge- 
hen. Die hiesigen Herren hingegen standen meistens in der Ele- 
ganz den Damen weit nach. Sie blieben auch nicht lange auf dem 
Ball, um nach einem sogenannten Quartcrons-Bn\\ zu gehen, wo sie 
sich besser amüsiren und sich nicht zu geniren brauchen. Dieses 
war die Ursache , dafs sehr bald viel mehr Damen als Herren auf 
dem Balle waren, und dafs mehrere tapisserie machen mufsten. 
Wenn auf einem Ball in New-Orleans eine Dame sitzen bleibt, so 
sagt man von ihr, sie sei brcdouille. Man tanzte gewöhnlich zwei 



*) Unter den hiesigen Sclavenhandlcrn empörte mich besonders ein Hollän- 
der au3 Amsterdam, Namens Jacobs. Er hatte die gemeinste und schlech- 
teste Physiognomie , die man sich denken kann , war stets betrunken, 
und behandelte die ung-lücklichcn Neger auf die brutalste Weise; wurde 
.jedoch auch mitunter von diesen unglücklichen , zur Verzweiflung ge- 
brachten Menschen , derb durchgeprügelt. Und das von Gott und Hechts 
wegen ! 



_ 75 - 

Contretänze und einen Walzer und ruhete kaum zwei oder drei 
Minuten zwischen den Tänzen aus. Die Musik wurde von Negern 
und Farbigen gemacht und war ziemlich gut. Uebrigens war der 
Gouverneur auch auf dem Ball, und machte mich mit mehreren 
Herren bekannt, unter andern mit einem Franzosen, Genera! 
Garrigues de Flaugcac, der, von St. Domingue hierher ausge- 
wandert, sich hier verheirathct und der Welt einige sehr schöne 
Töchter geschenkt hatte. Mehrere der hier etablirtcn französischen 
Familien, und zwar die respcctabelsten, waren Ausgewanderte 
von jener Insel , die auf die ihnen gebührende Entschädigung »ar- 
teten, jedoch sich keine sehr grofse Hoffnung machten, sie zu 
erhalten. 

Der Oberst Wool inspicirte die beiden hier stehenden Com- 
pagnieen vom ersten und vierten Regiment unter Major Twiggs; 
beide zusammen hatten höchstens 80 Mann unter den Waffen. Die 
Inspection fand auf dem Square vor der Cathedrale Statt. Ich 
verwunderte mich über die gute Ordnung und grofse Propretät, in 
welcher diese Compagnieen sich producirten, so wie über die Ein- 
förmigkeit im Anzug und die gute Dressur, die ich an den Truppen 
der Y. St. zu bemerken bisher noch keine Gelegenheit gehabt hatte. 
En detail betrachtet liefsen sie freilich manches zu wünschen übrig; 
so z. B. waren die Montirungen den Leuten nicht angemessen und 
für manche zu kurz; die Pautalons von grauem Tuch, von ver- 
schiedener Farbe und viele zu kurz; keine Bajonetscheiden und 
Gewehrriemen; das Bandelier für die Bajonetscheiden bestimmt, 
über den Patrontaschenriemen; die Mannschaften hatten hölzerne 
Füntensteine auf dem Gewehr und keine in der Patrontasche, so 
wie auch keine Reservesteine, Krätzer, Schraubenzieher und Oel- 
fläschchen. Aus der falschen Maxime, dafs das zweite Glied, wenn 
kleinere Leute in demselben ständen, als im ersten, nicht über 
dieses hinwegfeuern könnte, werden in der ganzen Armee der \ . St. 
die kleinsten Leute ins erste und die gröfsten ins zweite rangirt; 
und dieses gewährt einen grofsen Uebelstand. Es wurden einige 
Ilandjrriffe o-emacht und einige Manoeuvres aus der Bataillons- 
schule; Alles gut. Die Soldaten waren zum Theil junge, schöne 
und starke Leute, gut genährt und gesund aussehend, meistens 
aus den westlichen Staaten gebürtig; auch waren einige Deutsche 
und Irländer unter ihnen. Irländer werden jedoch, weil ihre Auf- 
führung oft keineswegs löblich ist, nicht mehr angenommen. Der 
Gouverneur Johnson wohnte der Revue bei, die etwas über eine 
Stunde dauerte; auch waren mehrere Mitglieder der in diesem 



. 76 

Augenblicke versammelten Legislaiure gegenwärtig. Ich leinte 
hier dm General La Coste kennen, der früher in spanischen Dien- 
sten o-estanden hatte , und jetzt einen Theil der Miliz von Louisiana 
commandirte. Auch Oberst Crogftan *) war bei der Revue zu- 

£ e s en - .... . 

Nach der Revue zeigte mir der Gouverneur die beiden neben 

der Cathedrale stehenden massiven Gebäude, mit Arcaden. Das 
(■ine ist zu den Sitzungen der verschiedenen Gerichtshöfe bestimmt, 
und das andere das Rathhaus. In dem ersten hielt die court of the 
U. S. so eben eine Session, und da es ziemlich kalt war, so hatten 
die Richter sich um das Camin herumgesetzt, und liefsen sich hier 
die Sachen vortragen. Der Procefs betraf den Verkauf eines Ne- 
gers. Der Käufer hatte denselben als Sclaven auf Lebenszeit ge- 
kauft; nach abgeschlossenem Handel und geleisteter Bezahlung 
hatte sich aber gefunden, dals der Neger, nach einer von seinein 
frühern Herrn — dem Verkäufer — ausgestellten Urkunde, zu 
einer gewissen Zeit frei sein mufste. Ich konnte indefs nicht so 
lange in der Session bleiben , um die Entscheidung des Processes 
abzuwarten. 

Wir gingen nach dem Rathhaus. Unten ist die Wachtstube 
der Bürgerwache, nebst einem Gefängnisse für weggelaufene, oder 
auf Veranlassung ihrer Herren gestrafte Neger, die geschlossen 
sind, und zu allerlei niedrigen Arbeiten für die Stadt gebraucht 
werden; man nennt sie negrcs marrons. Die Herren erhalten täglich 
25 Cents Entschädigung für jeden ihrer hier eingesperrten Neger. 
Neben der Wache steht eine kleine Kanone, aus welcher jeden 
Abend 8 Uhr der Retr.aiteschufs fällt. Nach diesem Schusse darf 
kein Neger sich ohne Erlaubnifscharte auf der Strafse betreten 
lassen **). Die obere Etage dieses Hauses enthält die Bureau \ 



*) Dieser Oberst Croghan war einer der vorzüglichsten Officierc der ame- 
rikanischen Armee. Im letzten Kriege vertheidigte er mit geringen 
Mitteln eine elende Stockade am Eric-See , Fort Stcnhenson , gegen einen 
S Mal stärkeren Feind, der Artillerie hei »ich hatte, und schlag ihn zu- 
rück. Nach dem Frieden wurde er zum PbsttKrector von Ncw-Orlcans 
ernannt, und jetzt, während meines Aufenthalts in dieser Stadt, war er 
wieder in die Armee getreten und als 2. (iencral-Inspccteur angestellt 
worden. 

**) Ucbcr die in der Nacht aufgegriffenen Neger habe ich in Charleston 
bereits eine Bemerkung gemacht. Wenn man hier einen Stau-Neger 
oder eine Negerin züchtigen lassen will, so schickt man sie mit einem 
Biüet , in welchem die Anzahl Schläge , die der Ueberbringcr bekommen 



4i 

und Versammlungssälc des Magistrates. Sie waren theilweise mit 
grofser Eleganz verziert, weil diese Zimmer zum Quartier für den 
General Lafayette, der im letzten Monat April hier gewesen, ein- 
gerichtet Maren. Vor den Zimmern läuft, so lang als das Gebäude 
ist, ein Corridor mit sehr grofsen Fenstern hinweg, die, im Sommer 
ausgehoben, den Corridor in einen luftigen Balkon verwandeln: 
eine Einrichtung, die ich auch schon am andern Gebäude, in 
welchem die Gerichtshöfe sitzen, bemerkt hatte. 

Von hier führte der Gouverneur mich nach dem alten spani- 
schen Gouvernementshause, in welchem jetzt die Senatoren und 
Repräsentanten des Staates Louisiana versammelt waren. Das 
Gebäude ist alt und baufällig, übrigens in einer hübschen Lage 
an der Levee, mit einem Balkon umgeben. Man thut Nichts mehr 
für die Erhaltung dieses Gebäudes, weil in einigen Jahren die 
Legislatur e von New- Orleans hinweg nach Donalflsonville verlegt 
werden soll. Als Ursache gab man an , dafs viele Mitglieder der 
Ijegislature gemeine Männer wären, die sich in New-Orleans genirt 
fühlten und in Donaldsonrille ungenirter zu sein hofften. Das 
Bureau des Gouverneurs befindet sich im Hof, in einem kleinen 
Hause, in welchem vormals der Secretair des spanischen Gouver- 
neurs sein Bureau hatte. 

In einem Magazine des Staates befanden sich noch viele Gegen- 
stände, die zum ehemaligen Navy yard gehört hatten, und die spä- 
terhin nach Pensacola geschafft werden sollten. Ich bemerkte un- 
ter denselben bronzene und eiserne Kanonen von verschiedenem 
Caliber und aus verschiedenen Ländern, englische, spanische und 
französische. Unter den französischen waren einige alte, mit schö- 
nen Verzierungen und Inschriften. Auf einer stand: ultima ratio 
regum ; auf andern das liebe liberte , egalite. Diese Stücke hatte 



soll, angegeben ist, und mit J.. Dollar in das Ncgcrgefangnifs. Hier 
erkalten sie ihre Strafe, und eine Bescheinigung, die sie ihrem Herrn 
überbringen müssen. Das Maximum ihrer Schlage ist 39, nach dem 
raoRauctien Gesetze. Die Art der Züchtigung ist entweder wie die in 
Cnarleaton beschriebene oder aus quatre piquetB. In diesem Fall Mird 
fler arme Mensch , das Gesichtunten , platt auf die Erde ausgespreizt, und 
Hände und Fiifse werden nn 4 Pfählen befestigt. In dieser Lage erhält 
er seine Streiche. Die letztere scheiislichc Bestrafungsart ist vorzüg- 
lich auf den Plantagen üblich. Leberhaupt wird auf den Plantagen eine 
grausame Disciplin gehandhabf. Wer daher unter seinen Domestiken 
Snbjecte hat, die er einer besonders strengen Zucht unterwerfen will, 
der vermiethet oder verkauft sie auf die Plantagen. 



■ 78 

man, :\)< 1803 die V. St. die Acquisition von Louisiana machten, in 
den unbedeutenden Festungswerken gefunden, die damals die 
Stadt umgaben. 

In den letzten Tagen des Januars regnete es ungemein lange 
und stark. Die Strafsen wurden grundlos. Es entstanden Löcher 
in denselben, und Wagen und Karren waren in steter Gefahr um- 
zuwerfen. Anfangs war es kalt; während des Regens entstand eine 
so drückende Wärme , dafs man ein Erdbeben befürchtete. Auch 
donnerte und blitzte es sehr stark. 

Zu den Maskenbällen zahlte man einen Dollar entree. Als ich 
sie zum zweiten Male besuchte, sah es jedoch sehr nach Freibillets 
aus; auch sagte man mir, die Gesellschaft wäre äufserst gemischt. 
Die unmaskirten Damen von der guten Gesellschaft safsen in den 
Vertiefungen der Fenster, welche höher als der Saal und wie Bal- 
kons eingerichtet sind. Man sah einige Charaktermasken, aber kei- 
ne von Bedeutung. Zweimal entstanden Schlägereien, die im Saal 
mit Ohrfeigen anfingen und dann auf dem Vorplatze mit Püflen und 
Fufstritten geendigt wurden, ohne dafs man etwas von der Polizei 
bemerkt hätte. 

An demselben Abende fand ein sogenannter Quart er on-Ha\\ 
Statt. Bekanntlich ist ein Quarteron das Kind einer Mestize und 
eines weifsen Vaters , so wie hinwiederum eine Mestize das Kind ei- 
ner Mullattin und eines weifsen Vaters ist. Die Quarterons sind 
fast ganz weifs. An ihrer Haut würde man ihre Abkunft nur selten 
erkennen. Ja manche Quaiieronne hat eine weifsere Haut als man- 
che stolze Creolin. Eher werden sie durch ihre schwarzen J laare'und 
Augen verrathen ; und doch giebt es auch ganz blonde Quarterons 
und Quarterounes. Diejenigen Quarteronnes, welche diesen Ball 
besuchen, sind Freie» Und dennoch herrscht gegen sie, wegen 
ihrer schwarzen Abkunft, das größte Vorurthoil, und besonders he- 
gen oder afTectiren die weifsen Damen die stärkste Abneigung ge- 
gen die Quarteronnes. Heirathen zwischen Weifsen und Farbigen 
sind nach den Gesetzen des Staates verboten. Da nun die Quarte- 
ronnes ihrer Seits auch mit Verachtung auf die Neger und Mulatten 
hinabsehen, und sich mit denselben nicht vermischen wollen, so 
bleibt ihnen nichts übrig, als sogenannte Freundinnen der Wei- 
fsen zu werden. Ein solches Engagement betrachten die Quarte- 
rounes als eine Ehe, und gehen dasselbe nicht anders ein, als durch 
einen förmlichen Contract, nach welchem der Freund eine nam- 
hafte Summe an die Mutter oder den Vater der Quart eronne zahlen 
mufs. Die Quarteronnes führen dann auch den Namen ihrer Freun- 



79 

de, und halten, wie man versicherte, diese Verbindung mit viel 
mehr Treue, als manche in der Kirche getraute Dame. Mehrere 
dieser Mädchen haben ihre Väter oder Freunde beerbt und besitzen 
ein sehr schönes Vermögen. Ihre Lage ist indefs immer sehr un 
tergeordnet. Sie dürfen in keinem Wagen auf der Strafse fahren, 
und nur im Dunkeln können ihre Freunde sie in ihrem eigenen Wa- 
gen auf den Ball bringen. Sie dürfen niemals in Gegenwart von 
weifsen Damen sitzen, und ohne besondere Erlaubnifs derselben 
nicht ein Mal in ein Zimmer kommen. Die Weifsen haben das 
Recht, eine solche Unglückliche wegen einer Beschuldigung, für 
welche sie zwei Zeugen aufstellen , "wie einen Sclaven peitschen zu 
lassen. Manche dieser Mädchen aber haben eine viel sorgfältigere 
Erziehung genossen, als Manche der Weifsen; sie betragen sich 
gewöhnlich mit mehr Anstand und Sittlichkeit, als diese, und ma- 
chen ihre Freunde oft viel glücklicher, als die weifsen Damen ihre 
Eheherren. Und doch sprechen die weifsen Damen stets mit der 
gröfsten Verachtung und selbst mit Erbitterung von diesen un- 
glücklichen und unterdrückten Geschöpfen. Die stärkste Sprache 
des hohen Adels in monarchischen Staaten der alten AVeit über seine 
Nebenmenschen kann nicht stolzer, anmafsender und verachten- 
der sein, als die Sprache ist, mit welcher man die Creolinuen in 
einem der vielgepriesenen freien Staaten der liberalen Union von 
den Quarteronnes reden hört. InderThat, es wird dem denken- 
den Menschen bei solchen Vergleichungen -wunderlich zu Muthe ! 
Wegen dieser vorurtheilsvollen Verhältnisse aber schicken manche 
reiche A äter in diesem Lande ihre Töchter dieser Art nach Frank- 
reich; und hier finden diese Mädchen mit ihrer guten Erziehung 
und ihrem \ ermögen keine Schwierigkeit, sich auf eine legitime 
Weise zu placiren. Uebrigens werden zu einem sogenannten Qi/ar- 
icron-Bi\\\ auch nur farbige Damen zugelassen, und die Männer die- 
ser Casten sind, versteht sich, durch die weifsen Herren, ausge- 
schlossen. Um den Bällen allen^Anschein von Gemeinheit zu be- 
nehmen, hat man das Entrcegeld auf 2 Dollars gesetzt, damit nur 
Herren von der besseren Gesellschaft erscheinen können. 

Da nun ein Fremder, wie ich, Alles sehen mufs, um die 
Sitten, Bräuche, Meinungen und Vorurtheile der Menschen, unter 
Welchen er sich befindet, kennen zu lernen, so nahm ich das Aner- 
bieten einiger Herren gern an, die mich auf diesen Quart eron-BaW 
zu führen bereit waren. Und ich mufs gestchen : ich fand diesen 
Ball viel decenter, als den Maskenball. Die farbigen Damen Maren 
unter den Augen ihrer Mütter; sie waren sehr gut und elegant 



, 80 

gekleidet; sie benahmen sich mit vielem Anstand und grofser Be- 
nrhflMmhnt Man tanzte auch Contretänze und Walzer, und 
mehrere Damen tanzten vortrefflich. Ich hielt mich indefs nicht 
lange auf, um nicht meine ganze Existenz in New-Orleans zu ver- 
derben, sondern kehrte nach dem Maskenball zurück, und hütete 
mich wohl, den weifsen Damen zu sagen, wo ich gewesen war *). 
Aber ich konnte nicht umhin, Vergleichungen anzustellen, und diese 
fielen keineswegs zum Vortheile des weifsen Balles aus. Gerade, 
als ich Mieder eintrat, fand eine Prügelei Statt. 

Am Ende Januars herrschte eine ansteckende Krankheit, vari- 
olit genannt. Man sagte , es wäre eine Art von Blattern , und be- 
schrieb sie als äufserst bösartig. Aber auch Personen , die vaccinirt 
gewesen, und selbst solche, welche die natürlichen Blattern gehabt 
hatten , wurden von dieser Krankheit heimgesucht. Die Garnison 
verlor an derselben 6 Mann, von welchen 2 sehr blatternarbig ge- 
wesen waren. Um die Soldaten gegen das Uebel zu schützen, 
wurde die Garnison in die Caserne consignirt. Man glaubte , die 
Krankheit wäre aus dem Norden durch einen eingebrachten Neger- 
scia ven gekommen. Da nämlich die Einfuhr von Negersclaven zur 
See durch eine Congrefsacte abgeschafft und als Seeräuberei er- 
klärt Morden ist , so ist im Innern Amerika's eine neue Handels- Art 
entstanden. Viele Eigenthümer von Sclaven in den Staaten Mary- 
land und Firgifiien haben wahre — man verzeihe das häfsüche 
Wort ; ich weifs aber die häfsüche Sache nicht besser zu bezeich- 
nen! — sie haben Mahre Sclavenstutereien angelegt , aus w eichen die 
Pllanzer aus Louisiana, Mississippi und anderen südlichen Staaten 
ihren Bedarf an diesem Artikel beziehen, der täglich im Werthe 
steigt. Die Krankheit sollte ein Gegengeschenk eines solchen 
Sclaven sein ! 

Wir machten dem vormaligen Gouverneur des Staats, Herrn 
Robinson, unsern Besuch. Ich freute mich ungemein über diese 
Bekanntschaft. Herr Robinson steht allgemein in hoher Achtung, 
und ich fand an ihm einen höchst interessanten und unterrichteten 
Mann, der mit Geist und Leben zu reden versteht. Bei einem 
Diner, welches der damalige Gouverneur Herr, Johnson, gab, 
lernte ich auch den frühern Gouverneur und Miliz-General Filieret 



*) Wird es bekannt, dafs ein Fremder, der Anspruch hat, in der guten 
Gesellschaft zu leben, einen solchen Ball frequentirt, so kann er sich 
auf eine sehr kalte Behandlung von Seiten der weifsen Damen gefafst 
machen. 



81 

kennen; so wie einen Dr. Hermann aus Cassel, welcher bei der 
Marine der V. St. als Ober- Arzt angestellt war. Von diesem Diner 
hinweg gingen wir auf einen Kinderball, der im gewöhnlichen 
Ballsaale des französischen Theaters zum Benefiz des Tanzmeisters 
gegeben wurde. Die meisten Kinder Maren ganz allerliebst und 
tanzten sehr hübsch; nur waren die kleinen Mädchen von 10 bis 
11 Jahren wie grofse Damen gekleidet und coefürt. Gegen 8 Uhr 
hörten die Kinder auf zu tanzen , und wurden meistens nach Hause 
geschickt, und an ihrer Stelle begannen die grofsen Kinder den 
Tanz. Die Toiletten der Damen waren äufserst elegant. Zu mei- 
nem Unglück aber machten mir ein Paar tabakkauende Herren 
die Conversation; davor habe ich einen so grofsen Ekel, dals ich 
beinahe seekrank wurde. 

Den 1. Februar verliefe mich zu meinem sehr grofsen Bedauern 
der wackere Oberst Wool, der mir äufserst lieb und werth geworden 
war. Ich begleitete ihn bis zu seinem Steamboot. Dieses fuhr um 
11 Uhr Vormittags ab, und ich blickte ihm lange nach. 

Ich machte dem Bischof von Louisiana, Msgr. Dubourg *) 
einen Besuch, und wurde sehr höflich empfangen. Er ist un 
Jesuit , aus St. Domingo gebürtig , und scheint gegen 60 Jahr alt 
zu sein. Er spricht sehr gut, und unterhielt sich mit mir über die 
Unruhen in der Genter Diöces zur Zeit des Prinzen \ox\Broglio, an 
welchen er, als Freund und Rathgeber dieses Fürsten, den er bei 
seiner damaligen Reise in seiner Diöces begleitete, thätigen Antheil 
gehabt hatte. Ich sah in seinem Zimmer ein sehr gutes Portrait 
vom Papst Pins "MI. , Copie eines von Cammucini gemalten und 
vom Papst dem seligen Herzog von Gotha geschenkten Bildes. 
Der Bischof bewohnt ein ehemaliges Nonnenkloster, von welchem 
er den gröfsten Theil zu einer Schule für Knaben angewiesen und 
eingerichtet hat. Der Bischof erwiderte meinen Besuch am folgen- 
den Tage. 

Bei einem Diner, welches Herr Grymes mit grofsem Luxus 
gab, wurde, nach dem zweiten Gang eine grofse Doppelthür auf- 
gehoben, und wir erblickten einen zweiten Saal, in welchem ein 
Tisch mit dem Dessert stand. Wir verliefsen die erste Tafel und 
setzten uns an die zweite in derselben Ordnung, in welcher wir an 
der#ersten gesessen hatten. Als die verschiedenen Weinsorten 
anfingen, die Zungen der Gäste zu lösen, da erhoben sich die 
Damen, begaben sich ins andere Zimmer, und machten Musik. 



') Gegenwärtig Bischof von Montauban in Frankreich 



82 

Einige der Herren blieben sitzen und sprachen den Flaschen zu, 
wahrend andere, zu denen auch ich gehörte, den Damen folgten, 
und sich der Musik erfreuten. Später wurde gewalzt, bis 10 Uhr. 
Alsdann gingen wir auf den Maskenball im Tlieater St. Philippe, 
einem kleinen Gebäude, in welchem sonst spanische Schauspiele 
«regeben wurden. Die Damengesellschaft bestand aus Quarlcron- 
ncs, die jedoch maskirt waren. Mehrere von ihnen sprachen mich 
an und intriguirten mich lange auf eine äufserst feine und ange- 
nehme Weise, 

Ein junger Advocat aus Paris Namens Souliez besuchte mich. 
Er war in seinem Vaterlande wegen einiger liberalen Artikel , die 
er in öffentlichen Blättern gegen die Jesuiten hatte einrücken lassen, 
in Unannehmlichkeiten gekommen. Defswegen hatte er, voll libe- 
raler Ideen, sein Vaterland verlassen , und sich, mit Empfehlungs- 
briefen vom Bischof Gregoire an den Präsidenten Boyer versehen, 
nach Hayti begeben. Hier hatte er jedoch die Lage der Dinge 
ganz anders gefunden, als er sich dieselbe zu Hause vorgestellt 
hatte. Defswegen war er nach den V. St. gegangen; und nun 
gestand er aufrichtig, dafs er ganz und gar von seinen schönen 
liberalen Träumen geheilt sei, seitdem er Republiken in der Nähe 
gesehen habe. 

Dr. Hermann gab ein Diner, an welchem einige und 20 
Personen Antheil nahmen. Unter ihnen war der Gouverneur, der 
Oberst Crogham und mehrere der hiesigen public cltaracters. Auch 
Herr Ihnrdoin, der sich nach und nach von seinem Podagra er- 
holte, und der Graf ) idua, befanden sich unter der Zahl der Gäste. 
Aufser der Wirthin waren keine Damen zugegen. M rs Hermann 
war sehr leidend, und mufste die Tafel ziemlich früh verlassen. 
Sie war eine sehr schöne junge Frau. Das Diner war mit grofser 
Pracht gegeben. Es war aber nur eine Tafel gedeckt; und als 
man das Dessert auftragen wollte, da mufsten wir aufstehen und 
uns gegen eine halbe Stunde Jang im Nebenzimmer aufhalten. 
Alsdann begannen politische Gespräche über Congrefs und Präsi- 
dentenwahl , und eine Menge Local-\ erhältnisse. Der Wein stieg 
den Herren zu Kopfe; der sonst trockene Gouverneur wurde so 
echauffirt, dafs er aufstand und eine Rede hielt. Wir safsen bis 
gegen 10 Uhr Abends fest; und die Gesellschaft discurirte •och 
immer , als ich sie verlieft und nach Hause schlich. 

Wir machten eine Fahrt über den Mississippi in einem Boote, 
welches wie ein kleiner enger Kasten war. Solche Boote beehrt man 
hier mit dem Namen „Fähre." Durch dieselben wird allein die Com- 



83 

munication erhalten zwischen der Stadt und dem rechten Ufer. 
Man hat früher eine Dampffähre gehabt, und später eine Pferde- 
fähre; aber weder jene, noch diese hat sich aus Mangel an Com- 
munication zu halten vermocht. Der Strom ist gegen § Meilen 
breit. Auf dem rechten Ufer angelangt, fanden wir einen kleinen, 
unbedeutenden Ort, Macdonaldville genannt, der nicht sehr nahr- 
haft zu sein schien. Längs des Ufers läuft ein Damm, levee, um 
das Land gegen dieUeberschwemmungen des Stromes zu schützen. 
Mehrere Schiffe hatten hier angelegt. Die Gegend ist äufserst 
flach und besteht aus morastigen Wiesen , und im Hintergrund aus 
Wald, zumTheil aus lifeoaks, die jedoch durch das häfsliche Bart- 
moos sehr entstellt sind. Weiterhin steht eine, dem Baron Marignu 
zugehörige, Zuckerplantage. Der Strom macht New -Orleans 
gegenüber eine ansehnliche Biegung, und die Stadt mit ihren 
weifsen Thürmen und den vielen Schiffen, die im Strome liegen, 
nimmt sich vom rechten Ufer ungemein schön aus. 

Der General ) illaret lud uns zum Diner auf sein Landhaus 
ein, welches 8 Meilen von New-Orleans entfernt ist, und hatte die 
Gefälligkeit, uns in seinem Wagen abholen zu lassen. Um halb 
11 Uhr fuhr ich mit dem Grafen ) idua und Herrn Huygens hinaus. 
Die Habit ation — wie man hier die mitten in einer Zuckerplantage 
lirgcnden Landhäuser nennt — ist auf dem linken Ufer des Missis- 
sippi, ungefähr eine kleine Meile von dem Flufs entfernt. Im 
December 1814 diente sie der englischen Armee zum Hauptquar- 
tier. Der Weg führte, längs der levee , an Landhäusern vorbei, 
welche 5 Meilen weit dicht auf einander folgen. Mehrere zeugen 
für die Wohlhabenheit und den guten Geschmack ihrer Eigen- 
thümer. Das Wohnhaus liegt gewöhnlich gegen 100 Schritte vom 
Eingange des Gartens entfernt, und eine Allee von Lorbeerbäumen, 
welche pyramidalisch geschnitten sind, und von Pride oj China, 
führt bis an das Haus. Die meisten dieser Häuser sind 2 Stock- 
werke hoch , und mit piazza's und bedeckten Balkons umgeben. 
Hinter den eleganten Landhäusern stehen die Negerhütten wie ein 
Lager, und hinter diesen liegen die Zuckerfelder, die bis an den, 
eine Meile entfernten , morastigen C\ pressenwald gehen , Cyprefs 
swatiip genannt. Zwischen diesen Landhäusern liegt ein Ursuliner 
Nonnenkloster, dessen Bewohnerinnen sich mit der Erziehung der 
m eiblichen Jugend beschäftigen. 

Fünf Meilen von der Stadt kamen wir an die ehemalige habi- 
t ation M'Carthy, jetzt Herrn Montgommery gehörig, in welcher 
General Jackson sein Hauptquartier gehabt hat. Ungefähr 100 

F 2 



84 



Schritt weiter Hingt der rechte Flügel dor Linie an, deren Verthei- 
di^unn- dieser General seinen grofsen Ruf verdankt. Ich vcrliefs 
liirr den »agen und ging in den Lcberbleibseln dieser Linie hinab, 
die höchstens eine Meile lang, mit dem rechten Flügel an den 
Strom und mit dem linken an den Ctfprefs steamp gelehnt war. 




a. b. Aracrikanibcltc Linie. 

c. General Jackson i Hauptquartier. 

rf. Englisches Hauptquartier in General TlllareVs Wohnung. 

Die Engländer landeten am Lac horgne, welcher von des 
Generals Villaret Wohnung ungefähr 3 Meilen entfernt ist. Am 
23. December 1814 überfielen sie in dieser Wohnung eine Com- 
pagnie Miliz und nahmen 2 von des Generals Söhnen im Hause 



k 



85 

gefangen. Der dritte dieser Söhne entsprang, und brachte an den 
General Jackson, der in der Stadt »ein Hauptquartier hatte, die 
Nachricht von der Landung, und dem Anmärsche der Engländer. 
Sogleich wurden die Lärmkanonen gelöset, und der General mar- 
schirte mit den wenigen Truppen und Milizen , die ihm zu Gebote 
standen, nicht 2000 an der Zahl, gegen die Habitation Filteret. 
Die Engländer hatten sich hier, an Statt gerade auf die Stadt los- 
zugehen, die ohne die geringste Deckung war, häuslich nieder- 
gelassen. Der General zog längs des Waldes einher, und überfiel 
beinahe die Engländer. Er würde sie, ohne die einbrechende 
Nacht und einen plötzlich entstehenden Nebel , vielleicht gefangen 
genommen haben, zumal wenn er Zeit gehabt hätte, ihnen durch 
den ziemlich prakticabeln Cyprejs siramp emigerifiemen — Büchsen- 
schützen — in die rechte Flanke zu schicken. Er hielt es für vor- 
sichtiger, sich zurückzuziehen, und stellte seine Truppen auf dem 
schmälsten Puncte zwischen dein Strom und dem Cyprefs swamp 
auf, während er für seine Person in der Habitation McCarthy sein 
Hauptquartier nahm. 

Ein kleiner Graben war vor der Front seiner Truppen; und 
am andern Tage fingen, aus eigenem Antrieb, einige junge Leute 
von der Miliz an, mit den Spaten und Schaufeln, die sie in den 
Habitations fanden, eine kleine Brustwehr aufzuwerfen. Dieses 
gab dem General die Idee, hier eine Linie anzulegen. Er liefs 
den Graben erweitern und eine ordentliche Brustwehr errichten. 
Die Linie war jedoch die schlechteste von allen, die ein Ingenieur 
anlegen kann , nämlich eine gerade. Man fand nicht hinreichende 
Erde, um die Brustwehr gehörig hoch und stark zu machen, weil 
man, wenn man hier nur 2 Fufs tief in die Erde gräbt, sogleich auf 
Wasser stöfst. Um diesem Uebebtand einigermafsen abzuhelfen, 
liefs man eine Menge Baumwollenballen aus den Magazinen der 
Stadt holen, und verstärkte mit denselben die Brustwehr. Hinter 
diese Ballcn'brachte man auch Artillerie, meistens Schilfs-Kanonen, 
und suchte sie durch eine kleine, vor dem rechten Flügel in der 
leree angelegte, Redoute vertheidigungsfähiger zu machen. Da 
durchaus keine Zeit zu verlieren war, und man täglich dem An- 
griffe der Engländer entgegen sah; so waren alle Vertheidigungs- 
anstalten, welche der General Jackson treffen konnte, sehr unvoll- 
kommen. Die Engländer verstärkten sich täglich , warfen Batterien 
auf, erweiterten den von der Habitation Villaret nach dem Lac 
Borgnc führenden Canal, um ihre Schaluppen hineinbringen zu 
können , und zugleich den Lac Borgnc mit dem Mississippi zu 



86 

verbinden, und deckten diesen Canal durch mehrere einzelne 
Schanzen. 

Aus ihren Batterieen beschossen sie mehrere Tage lang die 
amerikanische Linie, konnten aber nichts gegen sie ausrichten, 
und hatten selbst mehrere Stücke durch das wohldirigirte Feuer 
der amerikanischen Artillerie demontirt. Endlich am 8. Januar, 
nachdem der General Jackson Zeit gehabt hatte, \ erstärkungen 
an sich zu ziehen, — und die besten waren die freiwilligen JRiße- 
men aus Tenessee — , welche längs der Linie , durch die Baum- 
wollenballen sehr gut gedeckt, vertheilt wurden, und von welchen 
jeder einen oder zwei Mann zum Laden der Büchsen hinter sich 
hatte — , griffen die Engländer, unter Sir Edward Pack enh am' s 
persönlicher Leitung, die Linie an. Das Terrain vor der Linie 
besteht aus ganz ebenen Zuckerfeldern, die abgemähet waren; 
kein einziger Baum oder Strauch findet sich auf diesen Feldern. 
Die unglücklichen Engländer, deren Stärke man auf dem Felde 
zwischen 8 bis 10,000 Mann schätzte, mufsten also ohne die aller- 
geringste Deckung anmarschiren , und blieben lange Zeit, zuerst 
dem wohlgerichteten Kartätschen-, später dem Büchsen- und 
Kleingewehrfeuer der Amerikaner ausgesetzt, ohne das Geringste 
dagegen thun zu können. Der erste Angriff" war auf den linken 
Flügel der Linie gerichtet. Die Engländer kamen nicht bis an den 
Graben , sondern fingen bald an zu weichen. Sir Edward wollte 
die Truppen wieder vorbringen: eine Kanonenkugel aber tödtete 
sein Pferd , und verwundete ihn in beiden Beinen. Die Soldaten 
trugen ihn hinweg, aber den unglücklichen Mann trafen noch einige 
Büchsenkugeln, die seinem Leben ein Ende machten. Er soll 
5 Kugeln im Leibe gehabt haben. Die General-Majors Gibbs und 
Keane wurden zu gleicher Zeit, ersterer erschossen und letzterer 
tödtlich verwundet. Dadurch wurden die Truppen , welche bestän- 
dig einem sehr mörderischen Feuer ausgesetzt blieben, endlich 
völlig zum Weichen gebracht. General-Major Lambert, der die 
Reserve commandirte und auf den nunmehr das Commando der 
Armee übergegangen war, machte noch einen letzten Versuch, um 
die Linie zu forciren. Er liefs seine Truppen im Laufschritt auf 
der batture zwischen der letee und dem Strom , der gerade sehr 
niedrig war, gegen den rechten Flügel der Linie, wo die kleine 
Redoute stand, anrücken, bemeisterte sich der Redoute, wurde 
jedoch durch das wohlunterhaltenc Büchsenfeuer der hinter der 
Linie stehenden Rißemen wieder vertrieben. Der englische Inge- 
nieur-Oberst Remiee fand bei dieser Gelegenheit auf der Brustwehr 



87 

einen rühmlichen Tod. Nach diesem mifsglückten Versuche flohen 
die Engländer nach ihren Verschanzungen bei der Habitation 
Villaret, und schifften sich wenige Tage nachher wieder ein. 

Während dieses verunglückten Hauptangriffes hatten die Eng- 
länder 800 Mann auf das rechte Ufer des Stromes übergesetzt, 
welche gegen die dort stehenden unbedeutenden Verschanzungen 
ansehnliche Vortheile errungen hatten. Diese Vortheile mufsten 
sie aber aufgeben und auf das linke Ufer des Stromes zurückkehren, 
als sie das schlechte Resultat des Ilauptangriffs erfuhren. Hätte 
der Hauptangriff auf dem rechten, und der falsche Angriff gegen 
die Linie auf dem linken Ufer Statt gefunden, so würde der General 
Jackson aller Wahrscheinlichkeit nach genöthigt worden sein, nicht 
allein seine Linie, sondern auch die Stadt zu räumen. Die Vor- 
sehung wachte sichtbar über die Stadt; denn den Engländern war, 
wie man in New Orleans versicherte, im Fall des Gelingens, die 
Plünderung der Stadt versprochen worden; auch hatte der General 
Jackson den Befehl gegeben, im Fall eines Rückzugs nicht all